
Bellins “Norma” wurde in Salzburg bejubelt. Die CD in (fast) identer Besetzung gibt es bei den Festspielen auch bereits zu kaufen
Cecilia Bartoli wurde am Freitag bei der Premiere von Bellinis „Norma“ in der Titelrolle vom Publikum zurecht gefeiert. Die modernisierte und ganz auf das Eifersuchtsdrama konzentrierte Inszenierung stammt von Moshe Leiser und Patrice Caurier. Giovanni Antonini legte am Pult des Orchestra La Scintilla für die Bartoli einen eleganten Klangteppich aus. Am Samstag geht es in Salzburg mit einem großen Ballett-Abend weiter. Valery Gergiev dirigiert drei Strawinsky-Werke: „Die Hochzeitsfeier“ in der Choreografie der Uraufführung von 1923, „Le sacre du printemps“ (Original-Choreografie von 1913) und den „Feuervogel“ (Choreografie von 1910).
2014 wird Bartoli, die künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele, gleich in zwei Opernproduktionen zu erleben sein. Sie hat ein „Rossinianisches Feuerwerk“ geplant. Am Programm: Rossinis „Cenerentola“ (Regie: Damiano Michieletto) mit Bartoli in der Titelpartie und dessen „Otello“ (Regie: Moshe Leiser und Patrice Caurier) mit Bartoli als Desdemona. Jean-Christophe Spinosi dirigiert jeweils das Ensemble Matheus. Dazu ist für 2014 eine große Gala mit Stars wie Teresa Berganza, José Carreras, Monserrat Caballé, Agnes Baltsa und Erwin Schrott angesetzt (Auszug aus dem “Kurier”)

“Norma”: Cecilia Bartoli, John Osborn. Foto: Hans Jörg Michel
Norma“ spielt im Krieg und handelt von einer großen Liebe, die es nicht geben dürfte. Denn Norma liebt Pollione, den Hauptmann der Besetzungsmacht und hat sogar Kinder mit ihm. Die Salzburger Produktion holt die Oper aus der im Text ursprünglich vorgesehenen mythischen Vergangenheit und lässt sie zur Nazi-Zeit spielen. Sie handelt vom Widerstand gegen die faschistische Okkupation, sagt Regissur Moshe Leiser. „Diese Inszenierung vermittelt uns, wie es ist, die Kinder zu verstecken, die Tür nicht zu öffnen, was es bedeutet, freundlich zu deutschen Soldaten zu sein, während Brüder oder Väter in der Resistance von Soldaten derselben Armee ermordet werden.“ (Quelle: “ORF at.”)
Eine echte Kritik gibt es zur Stunde noch nicht. Jan de Turovski schreibt mir aber zur “Norma” der Bartoli: Lieber Anton Cupak, standing ovations in Salzburg, das gehört dazu, egal wie man was singt. Nichts gegen die Bartoli, aber eine Norma ist sie nicht. Ihr etwas dünnes maniriertes Singen, artistisch ja, das hier als Innigkeit gepriesen wird, wird der Rolle nicht gerecht. Die Ur-Norma, Guiditta Pasta, zunächst Mezzo aber bei der Uraufführung der Norma bereits ins Sopranfach gewechselt, setzte für die Zeit Maßstäbe. Die Grisi war ein dramatischer Sopran und erfolgreich als Norma, die Malibran ein Mezzo mit Tendenz zum Sopran und großer Stimme, Jenny Lind war ein Sopran und Lilli Lehmann (sie alle waren Soprane), fügten der Rolle ihre Markierungen zu. Erst die Callas, die sich auf den Belcanto derAnfänge besann und die Rolle im Sinne Bellinis anlegte, verschaffte dieser Rolle einen Standard , der bis heute unerreicht ist. Alle Versuche danach, ob Caballé, Soliutis, Scotto, Sutherland oder gar Netrebko, erreichten diese Vorlage bei weitem nicht. Ich habe sie alle gehört und noch die Callas live, 1964 in Paris, 2 mal in dieser Rolle. Bartoli macht sich die Norma zurecht. Eine Norma ist sie nicht. Mich hat sie nicht überzeugt. In der neueren Zeit konnte mich einzig Hasmik Papian überzeugen.
Er ist erst 33 Jahre alt und doch schon ein gefragter Pultstar. Jetzt zieht es den Letten Andris Nelsons in die USA, konkret nach Boston, wo eines der besten Orchester der Welt ihn sehnsuchtsvoll erwartet. Und damit ist ein weiterer Kandidat für die Rattle-Nachfolge in Berlin weg!
Helsinki, Premiere “Tristan und Isolde“. Sune Manninen überlässt die Beschreibung der gelungenen szenischen Deutung unserem Wagner-Reisenden Dr. Klaus Billand (hoffentlich findet der bald Zeit) und hält sich an die Besetzung: Warum die großen Opernhäuser Mitteleuropas bisher an der Isolde der Schweizerin Marion Ammann vorübergingen, wird mir schleierhaft bleiben. Eine im Kern jugendlich-dramatische Stimme, doch tragfähig und durchschlagskräftig genug, um allen Anforderungen ihrer Partie perfekt gerecht zu werden, dazu eine attraktive „irische Maid“, deren nordische Schönheit gepaart mit großer Ausdrucksstärke auch optisch eine Augenweide war. Ihr als Tristan auch in Bayreuth bewährter Partner Robert Dean Smith bestach vor allem durch die Selbstverständlichkeit, mit der er alle Schwierigkeiten seines Parts singend bewältigte, ohne jemals Zuflucht ins bloße Deklamieren zu suchen… Zur Kritik
Udo Pacolt gelangte auf seiner Raritätensuche nun nach Greifswald/Vorpommern: Als Liebhaber der Opernmusik des österreichischen Komponisten Alexander Zemlinsky (1871 – 1942) muss man oft weite Wege auf sich nehmen, diesmal sogar bis nach Norddeutschland, wo im Theater Vorpommern in Greifswald die Oper „Kleider machen Leute“ auf dem Spielplan stand (abwechselnd mit dem Theater in Stralsund). Die musikalische Komödie in einem Vorspiel und zwei Akten, deren Text Leo Feld nach der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller (1874) verfasste, wurde 1910 an der Wiener Volksoper uraufgeführt…
Rund 100 Jahre nach der Uraufführung der Richard-Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“ kehrt das Stück nach Stuttgart zurück. Die Neuinszenierung von Intendant Jossi Wieler und Sergio Morabito feiert am 20. Mai Premiere im Opernhaus. Mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechtsnachfolger des Komponisten würden Oper und Vorspiel des Werkes nun erstmals in der Reihenfolge ihrer Entstehung gezeigt, wie die Oper mitteilte.
In Detmold ging man mutig an ein “Schwergewicht heran. Kay Metzger inszenierte “Tristan und Isolde“. Das “nmz-Magazin” berichtet: Die Theatermacher im beschaulichen Detmold sind mutig und trauen sich immer wieder einiges zu. Vor vier Jahren erreichte Intendant Kay Metzger mit seiner Deutung des „Rings des Nibelungen“ von Richard Wagner enorme überregionale Beachtung, im letzten Jahr brachte er den „Parsifal“ auf die Bühne mit weitgehend hauseigenem Sängerpersonal – nun steht „Tristan und Isolde“ als aktuelles Wagner-Großprojekt auf dem Spielplan.
Zwei Fakten gleich vorweg: einen Bruch hat sich in Detmold niemand an diesem Schwergewicht der Opernliteratur gehoben. Es gibt aber auch keine erkennbar neue Sicht auf den Stoff, den Kay Metzger seinem Publikum im nüchternen Ambiente eines Aufenthaltsraumes bietet. Tristan ist eine Art Offizier, fast alle anderen Personen sind ebenfalls Militärs. Nur Isolde nicht…
Was ist eigentlich “Eine Art Offizier”? Ein Offizier – oder doch keiner? Schön, dass wir in Kritiken auch zum Rätselraten eingeladen werden!
Eigentlich ist bereits viel zu viel über die Düsseldorfer “Tannhäuser”-Farce geschrieben worden. Die “Akademie der Künste” in Berlin muss nun noch einen draufsetzen. Auszug aus “Codex flores”: Die Akademie der Künste Berlin (AdK) kritisiert in einem offenen Brief das Aus des Düsseldorfer «Tannhäuser». Weder ästethetische noch inhaltliche Gründe rechtfertigten eine Absetzung nach nur einer Vorstellung. Klaus Staeck (AdK-Präsident), Nele Hertling (Vizepräsidentin) und Ulrich Matthes (Direktor der Sektion Darstellende Kunst), die den Brief unterzeichnet haben, bekräftigen, Kunst müsse, unabhängig von ihrer Qualität, diskutiert werden können.
Sollte sie, aus Gründen der Lautstärke etwa oder durch eine bedrängende Bildsprache, das gesundheitliche Wohlbefinden von Zuschauern gefährden, so könne davor gewarnt werden. Sie sicherheitshalber ganz zurückzunehmen und sich damit dem Druck der allzeit erregungsbereiten Medienöffentlichkeit zu beugen, sei der falsche Weg. Die drei fordern, die noch anstehenden Aufführungen in der ursprünglich geplanten Form zu realisieren, damit Interessierte (die ja nun über mögliche Gefährdungen informiert wurden) zu einer eigenen Meinung kommen können und nicht auf tendenziöse Berichterstattung angewiesen sind.
Der Tenor Joshua Stewart, fast 2 Meter groß, ist Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper und dort auch bei den Festspielen eingesetzt. Im Interview mit dem “Münchner Merkur” erinnert er sich an seine noch gar nicht so lange zurückliegenden Anfänge: In Toledo sang er im Februar den Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“. „Don Ottavio ist eigentlich der nette Kerl, der, mit dem man sein Leben verbringt. Warum nur ist er für alle immer der Langweiler? Das ist er überhaupt nicht. Don Ottavio ist der, der am Ende gewinnt, Don Giovanni wird immer nur der Frauenheld bleiben.“ Und wie stellt man das dar? „Ja das ist die Kunst“, schmunzelt Joshua Stewart. Zu gern wäre man in Toledo dabei gewesen und hätte ihn als Don Ottavio erlebt.
Ob die “Donna Anna” in der derzeit gängigen Zeichnung ein wirklicher Gewinn ist, lasse ich dahingestellt!
London:

“Nixon in China”/ Victorian Opera. Foto: Jeff Busby
The librettist of Nixon in China, Alice Goodman, had it right when she specified the work had to be a heroic opera, not a satire. As it happened, its composer, John Adams, agreed. The result, first performed in 1987, is a masterpiece of 20th-century opera whose musical and dramatic brilliance has only intensified. History has been kinder to Nixon in China than Richard Nixon himself.
This new production for Victorian Opera is nothing short of a triumph. Roger Hodgman’s clear direction absolutely respects the work’s vital heroic elements, and he balances perfectly the episodes of interior expression with the grander themes of the history, tradition and conflicting ideologies that occurred in those few astonishing days in Beijing in the winter of 1972. (“The Age-Entertainment”). Lesen Sie mehr darüber in unseren englischsprachigen News!
Zum Schauspiel. In Linz boomt das Musiktheater, eigentlich aber geht das zu Lasten des Schauspiels. Reinhard Kriechbaum schreibt in “Drehpunkt Kultur”: Persönlichkeitsspaltung im fortgeschrittenen Stadium, ein Fall von theatraler Verhaltensauffälligkeit? In Linz hat man vor ein paar Wochen das neue Musiktheater eröffnet. Während man damit ganz vorne mitmischt, unterläuft das Schauspiel – gleiche Institution, gleicher Intendant – die Jubelstimmung mit intensiver Befragung des offenbar super-ruinösen Provinz-Daseins.
Da war also jüngst die Uraufführung „Alpenvorland“ von Peter Arzt. Nicolai Gogols „Revisor“ (Premiere vor wenigen Tagen) gehört auch in den Themenkreis. Und nun noch, in der demnächst aufzulassenden (oder richtiger: der ambitionierten freien „Bühne 4“ zu überlassenden) kleinen Linzer Alternativ-Spielstätte „Eisenhand“, Felicia Zellers „Triumph der Provinz“. Ist da eine Eiterbeule aufzustechen – oder steuert man bloß mit Selbstironie dem Übermut gegen?…
Wien: Renate Wagner war gestern im Parlament, weil uns Christoph Marthaler unbedingt etwas zu sagen hatte – und musste sich aus Sicherheitsgründen Filzereien wie auf einem Flughafen unterziehen. Was erwartete sie im Plenarsaal? Nötiger Nachhilfeunterricht? Im Grunde hat Marthaler nur zusammengekehrt, was zu den Themen Antisemitismus und Rassismus an wohlfeilen Erkenntnissen herumliegt – und hat sie in keiner Weise theatralisch einsichtig verarbeitet. Was macht man aber, wenn man einen solchen „eh schon wissen“-Abend für unsäglich simpel, ja penetrant hält? Früher hätte man unbefangen zitiert: „If you have a message, call Western Union“ oder „Gut gemeint ist noch lange nicht gut“, aber wenn man dies in solch „politisch korrektem“ Zusammenhang wagen sollte, setzt man sich unweigerlich dem Verdacht aus, sowieso klammheimlich ein Antisemit und Rassist zu sein und künstlerische Einwände nur als Vorwand zu nehmen. Das ist ein Dilemma, aus dem man heutzutage nicht herausfindet.
Ja, Grillparzer hat die Lösung gekannt: „Da tritt der Österreicher hin vor jeden – denkt sich sein Teil, und lässt die anderen reden.“
Zu Renate Wagners Betrachtung des “Vorabends”

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Gelegentlich geht es ohne Vergleiche nicht ab, wobei in diesem Fall nicht die Romanvorlage zitiert werden soll: „Der große Gatsby” von F. Scott Fitzgerald ist letztendlich ein viel zu enigmatisches Werk über den amerikanischen Traum und dessen Demontage, als dass man ihn nur auf eine Weise deuten könnte. In diesem Sinn ist es völlig berechtigt, dass die Neuverfilmung von Baz Luhrmann so ganz anders ausfiel als die Interpretation, die Jack Clayton 1974, also vor nun auch schon wieder fast 40 Jahren, dem Werk angedeihen ließ. Die Frage ist nur, ob er nicht ein literarisches Meisterwerk durch seinen persönlichen Stil geradezu verballhornt hat, ob er nicht vergessen hat, die Geschichte zu erzählt, sondern nur einen schrill-grellen Rahmen darum gepinselt hat…
…Leonardo DiCaprio wurde in dem Jahr geboren, als der andere „Gatsby“-Film gedreht wurde – nächstes Jahr wird er 40, vor mehr als 20 Jahren begann seine Karriere als blonder Junge, die mit dem Weltruhm des 23jährigen als Liebhaber in der „Titanic“ einen medialen Höhepunkt erreichte. In den letzten Jahren hat er sich verändert – er ist in die Breite gegangen, hat jetzt das feiste, nicht sympathische Gesicht, das Marlon Brando in seinen mittleren Jahren zeigte, und er liebt negative Rollen, die er erstaunlich erfüllt: Besonders seine Studie des J. Edgar Hoover in Clint Eastwoods Film vor zwei Jahren war ein Meisterstück.
Sein Gatsby ist total anders als jener von Redford, der sich geradezu minimalistischer Zurückhaltung befleißigte und eine wunderbar „positive“ Ausstrahlung hatte: Hinter dem zynischen Lächeln des DiCaprio-Gatsby steckt ein schwerer Neurotiker, ein zwanghaft Besessener, vielleicht gar nicht so sehr von Daisy als davon, zu bekommen, was er will. Er wirkt weniger souverän als halbseiden, fast schmierig, und nichts an ihm hat „Größe“. Hilft dies der Figur?…
…Ohne Vergleiche geht es nicht: Wenn man Luhrmanns Overkill betrachtet, gab sich Regisseur Jack Clayton (bis in zahllose inszenatorische Details) geradezu bescheiden. Man wagt dennoch behaupten, dass sein „Gatsby“ sich tiefer, weil ohne Showeffekte-Ablenkungen in das Bewusstsein des Kinobesuchers senkt als Luhrmann Oberflächen-Version von 2013.
Heute steigt die Finalrundes des Eurovisions-Song Contest 2013 in Malmö. Der Siegertitel ist heuer ganz besonders schwer vorauszusagen. Dass Deutschland gewinnt, glaube ich nicht wirklich. Angeblich soll Dänemark bei den Wettbüros ganz vorne liegen, mein Favorit ist Rumänien, aber der Countertenor gewinnt natürlich nicht. Bonnie Tyler startet für Großbritannien und ist das ganz große Fragezeichen.
Lassen wir uns überraschen! Einen schönen Tag wünscht
A.C.

















