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Adrian ERÖD

Interview, 01/2011: Adrian ERÖD, Die Bühne erspart mir den Psychiater

 

Linz/ Raiffeisenbank: OPERNWERKSTATT MIT ADRIAN ERÖD /Interviewer
Peter Dusek (11.11.2010)

Zu einer Opernwerkstatt mit Adrian Eröd
luden das Radiokulturhaus  und die Raiffeisen-Privatbank-Linz. Der „rising star“
unter den österreichischen Sängern Adrian Eröd wurde von Peter Dusek interviewt
– der Sendetermin der Sendung ist Sonntag, der 2.Jänner 2011, zwischen 15’06 – 16Uhr30 auf Ö-1.

D: Herr Eröd, bei Ihnen kann man wirklich sagen „In Linz
beginnt‘s“?

E: Wie so oft habe ich auch damals ein Quäntchen Glück
gehabt. Mein erster großer Erfolg w im Frühjahr  1997 bei der Neuen Oper Wien
die Britten-Oper „Billy Budd“, die ich in dieser Saison endlich auch an der
Wiener Staatsoper gestalten werde. Und in diese Vorstellung kam auch der
damalige Intendant von Linz und hat mich für 3 Jahre engagiert!

D: Ihre Karriere verlief im Grunde völlig geradlinig: Von Linz ging‘s an die Wiener
Volksoper und dann an die Staatsoper und von dort in die internationale Karriere
– bis zu jenem Punkt wo sie eine Einladung der MET (immerhin für Barbier)
ablehnten, um in Wien unter Thielemann als Beckmesser zu  debütieren. Und auch
der Loge scheint mir ein wagemutiges Experiment gewesen zu sein?

E: Die Absage für New York war die schwierigste Entscheidung meines Lebens – aber ich
glaube, dass ich richtig gehandelt habe: ich kam nach Bayreuth, habe Einladungen
für den Beckmesser aus der ganzen Welt und werde immer öfter für Uraufführungen
- wie bei Reimann’s Medea – eingeladen.

D: Was hat sie am Loge gereizt?

E: Vor allem die Figur, die Stimmlage ist für einen hohen
Bariton vergleichbar mit dem Pelleas, den ich  schon in Linz gesungen habe! Aber
die Rolle: Loge ist ein intellektueller Egozentriker, ein Halbgott, der das
Feuer spürbar werden lässt.

D: Haben Sie Traumrollen, an die Sie sich
noch nicht wagen?

E (lacht): eigentlich den Wotan oder den Scarpia – das
ist natürlich bei mir nie drinnen….

D: Wie kam es zum Beckmesser?

E: Schon vier Jahre vor den Thielemann-Meistersingern in Wien
hatte Ioan Holender diese Idee; ich habe lange gezögert, doch jetzt bin ich
glücklich!

D: Sind sie nicht zu fesch und zu sympathisch für den
Stadtschreiber?

E: Ich sehe in ihm eine im Grunde tragische Figur; er ist
ZU intelligent, hat keinerlei Humor, hatte zuvor vermutlich noch nie eine
Freundin…

D:Was waren die wichtigsten Rollen aus den Linzer
„Lehrjahren“:

E: Barbier und Figaro-Graf, Capriccio und Pelleas,
Cenerentola,Tevje in Anatevka und Bohème!

D: Kamen nicht damals ihr  2
Töchter zu Welt?

E: Die erste Tochter war schon auf der Welt, als ich
nach Linz engagiert wurde, deshalb blieb meine Frau noch zwei Jahre in Wien  und
ich pendelte zwischen den beiden Donaustädten, erst im dritten Jahr wohnten  wir
alle 4 in der oberösterreichischen Hauptstadt.

D: Sie wurden in Wien
geboren, sind in Graz aufgewachsen, ihr Vater ist Ungar, ihr Mutter Französin –
für mich sind Sie durch und durch ein 100prozentiger Österreicher! Wie kamen Sie
eigentlich zur Oper?

E: In Graz bin ich schon in den Kinderchören von
Bohème und Carmen aufgetreten (einmal sogar mit Josè Carreras) – da habe ich
offenbar Blut geleckt!

D: Wie geht’s bei Ihnen jetzt weiter?

E: In Tokio teste ich den Eisenstein, den Falke gebe ich nur auf, wenn das Debüt gut
geht…Dann nehme ich mir auch wieder den Don Giovanni  vor. An der Volksoper war
ich noch zu jung! Außerdem will ich mein Lied-Repertoire erweitern! Und in 5
Jahren könnte der Kurwenal drankommen und ein französischer Posa. Aber ich bin
sehr ausgeglichen, habe eine funktionierende Ehe und bin gar nicht so vom
Ehrgeiz getrieben – vielleicht gilt das auch für mich: meine Träume und Neurosen
kann ich offenbar auf der Bühne ausleben und erspare mir so den
Psychiater!

P.D.

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