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WIEN / Theater an der Wien:
ORLANDO FURIOSO von Antonio Vivaldi
Konzertante Aufführung
22. Oktober 2011
Das Theater an der Wien hat in seinem Zyklus konzertanter Opern schon einige interessante Vivaldi-Abende gegeben („Motezuma“, „La fida ninfa“, „Farnace“), und „Orlando fuioso“ aus dem Jahre 1727 reiht sich hier würdig an. Jean-Christophe Spinosi und das Ensemble Matheus sind ja derzeit für „Serse“ am Haus, da bot sich die Aufführung dieses Werks geradezu an. Spinosi hat es heuer in Paris bei einer szenischen Aufführung betreut und bringt dessen konzertanter Fassung hie und dort in die Konzertsälen der Welt.
Behandelt wird einer der berühmtesten Opernstoffe des 18. und 19. Jahrhunderts, denn der Held Roland und die Zauberin Alcina haben zahlreiche Komponisten gereizt, Händel (wie wir aus der Staatsoper wissen) und Haydn voran. Vivaldi gab dem Werk ungewöhnlich ausdrucksvolle Rezitative und brillante Arien mit geradezu wilden Ausbrüchen, wie es die dramatische Handlung verlangt. Später gesellen sich dann auch Duette dazu. Spinosi hatte eine Handvoll Sänger aufgeboten, die souveräne „geläufige Gurgeln“ für die Koloraturen und Verzierungen mitbrachten. Ebenso in den Rezitativen als „Gestalter“ gefordert, begeisterte das Ensemble das Publikum im Theater an der Wien, das kaum eines der dargebotenen Virtuosenstücke unbeklatscht ließ. Keine Minute der dreieinhalb Stunden erschien lang.
Von Spinosis CD-Aufnahme des Werks kam nur die Angelica der Veronica Cangemi mit nach Wien. Die anderen Rollen waren mit der französischen Mezzosopranistin Delphine Galou in der Titelrolle (mit bemerkenswerten Wahnsinnsphasen), der italienischen Mezzosopranistin Marina de Liso als Acina, der schwedischen Mezzosopranistin Kristina Hammarström (mit einer hinreißenden „Zankarie“) sowie der französischen Mezzosopranistin Blandine Staskiewicz besetzt – ein wahrer Wettstreit der dunklen Töne. Gerade weil sie dermaßen in der Minderzahl waren, hatten die Herren – der vorzügliche Countertenor Iestyn Davies (der ein faszinierendes „Duett mit einer Flöte“ bekam) und der kraftvolle, schön timbrierte chilenische Bariton Christian Senn - verhältnismäßig leichtes Spiel, sich im Ensemble zu behaupten. Den geforderten „Chor“ am Ende stellten alle Solisten (bis auf Orlando) gemeinsam.
Sie erreichten damit jene wunderbare Fülle, die auch das Ensemble Matheus auszeichnet. Vor allem die Streicher waren eingesetzt, die Bläser kamen nur gelegentlich quasi solistisch ins Spiel. Das Ensemble kann von kammermusikalischer Zartheit bis zu voller Dramatik hochfahren. Ein Fest für Barockfans.
Heiner Wesemann |
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