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Merker 2002-2007
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24. Jahrgang
JULI/AUGUST/SEPTEMBER
2011
174
- - - - -
Anton Cupak
03.07.2011
19:53:28
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Kritiken  
Die Kritiken früherer Ausgaben sind unter dem entsprechenden Menüpunkt "Merker 2002-2007" abrufbar, auf unserer neuen Website finden Sie die älteren Kritiken wie gewohnt unter dem Menüpunkt "Archiv" - auch nach Jahren! Keine Kritik geht daher verloren.
 
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WIEN / Albertina, Basteihalle: 
SURREALISMUS. The Gilbert Kaplan Print Collection
Vom 30. November 2011 bis zum 15. Jänner 2012
 
 
MONA LISA MIT BÄRTCHEN….
 
Nach dem Ersten Weltkrieg war buchstäblich alles anders: Welten waren zusammen gebrochen, die Habsburger-Monarchie, das Deutsche Kaiserreich, aber nicht nur Gesellschaftssysteme, sondern auch Denkmodelle krachten in sich zusammen. Keine Bewegung in der Kunst hat so radikal darauf Bezug genommen wie der Surrealismus, der sich von einer Wirklichkeit, die man nach Meinung der Surrealisten ohnedies nicht begreifen konnte, teils geradezu höhnisch verabschiedete. Nicht das Bewusstsein des Künstlers wurde gefordert, sondern – in der Nachfolge Freuds – sein Unterbewusstes, nicht sein Können, sondern im Gegenteil das Kunstlose. Dabei weist dieser Surrealismus eine Unzahl von Facetten auf, die man derzeit im Untergeschoß der Albertina anhand von 175 Graphiken aufspüren kann.
 
Von Renate Wagner
 
Gilbert Kaplan     Musikfreunde kennen ihn, Mahler-Freunden ist er auf jeden Fall ein Begriff, denn einen Teil seines reich facettierten Lebens zwischen Wirtschaft, Musik und bildender Kunst hat er diesem Komponisten gewidmet: Gilbert Kaplan, geboren 1941 in New York, ist auch als Dirigent bekannt, aber vor allem als Herausgeber von Mahlers Zweiter Symphonie. Einen ebenso großen Teil seines Lebens hat er der bildenden Kunst zugewendet, und hier ist der Surrealismus das Faszinosum seines Lebens. Kaplan, der den Werkkatalog von Magrittes Druckgraphik herausgegeben hat, sammelt seit Jahrzehnten Druckgraphiken des Surrealismus. Klaus Albrecht Schröder ist es nun gelungen, 175 Bilder daraus (davon 13 von Magritte) in einer Ausstellung zu zeigen, die die Magritte-Ausstellung ergänzt (diesem unter dem Dach so üppig ausgebreiteten Künstler ist „unten“ auch ein eigener Raum gewidmet) und darüber hinaus zu einer Wanderung in surreale Welten einlädt.
 
Mona Lisa mit Bärtchen      Auf den ersten Blick scheint da ein verkleinertes Abbild der Mona Lisa von der Wand zu lächeln, aber sieht man genauer hin, so hat Marcel Duchamps das berühmteste Gemälde der Welt mit einem Bärtchen versehen und kryptisch „L.H.O.O.Q.“ benannt – so hat die Ausstellung bereits im zweiten Raum einen Blickfang, an dem kaum jemand vorübergeht, nachdem man schon zu Beginn die köstlich-abstrahierten, gleichsam surreal personalisierten „Masken“ des Max Ernst bewundert hat. Neben der Mona Lisa der anderen Art streckt dann Man Ray (der später als Fotograf noch berühmter wurde denn als Surrealist) dem Zuschauer einen riesigen, frei schwebenden roten Mund mit dem pompösen Titel „A l'heure de l'observatoire - les Amoureux“ entgegen…
 
In Stationen durch den Surrealismus     Kuratorin Gunhild Bauer geht in den Basteihallen-Räumen der Albertina (man fährt tief hinab, aber es ist wohl – verglichen mit dem Straßenniveau – „zu ebener Erde“) dem Surrealismus, der in den zwanziger Jahren in Paris entstand und nach dem Zweiten Weltkrieg gleichsam entschlief, in Schwerpunkten nach. Jean Miro, einer der vielen Spanier, die sich in Paris einfanden (interessanterweise hatte Picasso eine nur sehr kurze surrealistische Epoche, im Gegensatz zu Miro oder Dali), hat gerade in der Kunst der Druckgraphik ein Medium gefunden, das sein Thema aus sich heraus gestaltete: In der Serie „Noire et Rouge“ („Schwarzrote Serie“) von 1938 wurden die einzelnen Druckplatten übereinander gedruckt und erzeugten solcherart noch von sich aus weitere surreale Muster und Eindrücke…
 
 
 Dali                                                                                                 Miro
 
Dali, der König des Surrealismus     Wenn Salvador Dali der bekannteste aller Surrealisten wurde, so vor allem wegen der wahren Schwemme, mit der er besonders seine Druckgraphiken inflationär in die Welt schleuderte. Dennoch darf man angesichts dieser gnadenlosen ökonomischen Verwertung eines Talents nicht den Fehler begehen, Dali künstlerisch gering zu schätzen – er ist in der Ausstellung so reich vertreten wie kein anderer, darunter mit gut drei Dutzend Blättern seiner Illustrationen zu dem Buch „Les Chants de Maldoror“ aus dem 19. Jahrhundert, das in seiner Radikalität für die Surrealisten besonderen Stellenwert besaß. Dali konnte in dieser von Autor Lautréamont beschworenen Orgie des Bösen, die sich mit der Sexualität vermengt, lustvoll der eigenen Bürgerschreck-Attitüde nachgehen und zauberte mit feinstem Strich alptraumhafte, aus den Tiefen der Vorstellungskraft surreal erwachsene Visionen der Bedrohung. Pure Freude an Provokation oder Gesellschaftskritik? Man fragt sich dies bei den Surrealisten immer wieder.
 
Große Namen     Die Ausstellung ist reich an großen Namen, von Hans Arp über Giorgio De Chirico bis zu den späteren belgischen Surrealisten, mit denen die Bewegung ausklang. Der Katalog bietet die Werke nach Künstlern alphabetisch geordnet – das erweist sich als hervorragendes Prinzip, einfach kreuz und quer die Vielfalt der Zugänge zu etwas zu erkennen, wofür „Surrealismus“ einen weiten Überbegriff darstellt.
 
Albertina: SURREALISMUS.
The Gilbert Kaplan Print Collection.
NUR KURZE ZEIT!
Bis 15. Jänner 2012, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr
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