WIEN / Wien Museum: KLIMT

WIEN / Wien Museum:
KLIMT
DIE SAMMLUNG DES WIEN MUSEUMS
Vom 16. Mai 2012 bis zum 16. September 2012
Wenn schon, denn schon – alles!
Ein so „rundes“ Jubiläum wie ein 150. Geburtstag, das passiert nicht alle Tage, und nicht jeder Museumsdirektor erlebt es von einem „Superstar“. Darum haben sich ja auch alle großen Wiener Museen („die Familie der Wiener Museen“, wie Wolfgang Kos sie nennt) entschlossen, Klimt zu seinem 150. Geburtstag in einer geradezu schrecklich konzentrierten Aktion zu ehren. Wobei Kos den Kollegen für ihre individuellen Ansätze großes Lob zollt – und dieses auch für sich erhofft. Denn er hat einen großen Entschluss gefasst: Er zeigt absolut alles, was er von Klimt besitzt, und das ist die weltweit größte Sammlung (!). Das sonst meist bevorzugte qualitative „Best of“ weicht der quantitativen Vollständigkeit. Und man kann sagen: Es ist gelungen.
Von Renate Wagner
Was so zusammen kam Wenn das Wien Museum heute allein 411 Zeichnungen von Gustav Klimt besitzt, so geht ein Großteil davon auf eine Schenkung von dessen Schwägerin zurück, der Rest wurde in Zeiten gekauft, als die Preise noch nicht astronomisch waren. Von acht Ölgemälden sind zwei Superstars darunter: Das Bildnis von Klimts Lebensgefährtin Emilie Flöge (ohnedies immer das Prunkstück des Hauses) und seine aus dem Kunsthandel erworbene „Pallas Athene“. Eine Kostbarkeit ist auch die Aquarell-Gouache, die Klimt vom Zuschauerraum des Alten Burgtheaters schuf. Neben Fotos gibt es noch ein paar Besonderheiten – hier besitzt man nicht nur des Künstlers Totenmaske, sondern auch eine Skizze, die Schiele nach seinem Tod von ihm herstellte (eine andere hat man bei Leopold).

Die berühmtesten Damen: Pallas Athene und Emilie Flöge
Die logistische Problematik Wie stellt man dergleichen in dem einen, nur durch ein paar Zwischenwände zu gliedernden Ausstellungsraum des Parterres aus, wobei es ja die Masse der Graphiken ist, die das Problem darstellen? Emilie Flöge steht stolz inmitten des Raums – und die Graphiken hängen Bild an Bild fugenlos an den Wänden. Man konnte sie dermaßen zwar thematisch und chronologisch gliedern (was faszinierend ist), aber nicht beschriften. Das Museum hofft, dass die Büchlein mit den Beschriftungen, die zur freien Entnahme aufliegen, auch wieder zurück gegeben werden… Sicher, Graphiken in der obersten Reihe sieht man natürlich nicht ordentlich, und man weiß, dass viele Zeichnungen so zart sind, dass man sie kaum erkennen kann. Hier springt der Katalog ein, der auch die erste Aufarbeitung des kompletten Klimt-Bestandes des Hauses darstellt. Alles da – auch vom Burgtheaterbild die genaue Auflistung aller „Promis“ von anno dazumal, die Klimt dort hineingemalt hat.

Von der Wiege bis zur Bahre Im Vorraum findet man die im Hause vorhandenen Klimt-Fotos, darunter jenes seines Geburtshauses, und in einer Vitrine die eindrucksvolle Totenmaske. Es gibt zwei Büsten von ihm, vor allem aber seinen blauen Malerkittel – zweifellos nur einer von vielen seines Lebens, aber eben der einzige, der erhalten ist. Dergleichen hat dann doch den eigentümlichen Reiz der echten „Devotionalie“. Es ist, wie Wolfgang Kos betont, eine Ausstellung ohne eine einzige Leihgabe. Und vielleicht ist es ja ein Vorteil der schlechten Zeiten, wo nicht so viel Geld zur Verfügung steht, dass Häuser sich nun auf ihre eigenen Bestände besinnen, statt Unsummen für Leih- und Versicherungsgebühren zu investieren, die anfallen, wenn man Werke aus anderen Museen holt (wobei das im allgemeinen ja doch nicht zu vermeiden ist).
Nachdenken über Klimt Das Nachdenken über Klimt – „Man kann ihm nicht nur affirmativ gegenüberstehen“, sagt Wolfgang Kos -, unternimmt die Ausstellung schon in der Halle hinter dem Eingangsbereich. Dort werden Plakate von Klimt-Ausstellungen gezeigt (wobei das Wien Museum selbst ihm bisher nur eine einzige eigene Ausstellung gewidmet, aber seine Bestände buchstäblich in die ganze Welt verliehen hat…), aber auch solche, die von Klimt gewissermaßen „inspiriert“ sind. Die Plakate demonstrieren die Imagebildung Wiens mit Hilfe des Klimt-Schwerpunkts (und der klischeehaften Umsetzung seiner Vorgaben). Negative Stimmen zum Klimt-Overkill wurden eingeholt, Bedenken wegen seines ornamental-unidividualistischen Frauenbildes ebenso wie über die Tatsache, dass Wien im 21. Jahrhundert nicht mit der Gegenwart, sondern immer noch mit „Wien um 1900“ wirbt (wobei sich die Gegenwart auf dieser Ebene nicht wirklich mit der Vergangenheit messen kann…).
Lachen über Worst of Klimt In einer abgetrennten Ecke hat das Museum einen amüsanten Gegenwartsbezug hergestellt, der allerdings jener des schlechten Geschmacks ist: Denn die Klimt-Memorabilien, sprich das Merchandising des Marketings, äußern sich in Schirmen und Handtischen, die mit dem goldenen „Kuss“ glänzen, mit Emilie Flöge auf Tassen und Marmeladengläsern, mit Klimt-Wein, Klimt Adventkalendern, Klimt Sammelsurium schier unglaublicher Art. Nein, dergleichen wird nicht im Shop verkauft (das Belvedere tut es sehr wohl und verdient wohl eine Menge daran…). Kurz, es ist ein vielschichtiges und zwiespältiges Erbe, das uns Klimt hinterlassen hat.

Bis 16. September 2012, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr
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KREMS / Forum Frohner: IM BLAUEN DUNST
Kiki Kogelnik (Fotos Wesemann)
KREMS / Kunsthalle – Forum Frohner:
IM BLAUEN DUNST
TABAK IN DER KUNST
Vom 13. Mai 2012 bis zum 30. September 2012
Politisch unkorrekt – aber verführerisch
Als das Wiener Tabak Museum seine Pforten schloss, gingen Gerüchte, dass die dort beheimatete, sensationelle Sammlung von Objekten verkauft und zerstreut werden würde. Offenbar war dem nicht so. Wo sie exakt gelandet ist, war zwar nicht herauszubekommen, aber Tatsache ist, dass die Kunsthalle Krems in ihrer Dependance, dem Forum Frohner, dem „Tabak in der Kunst“ unter dem Titel „Im blauen Dunst“ eine Ausstellung widmet, beweist, dass es noch viele der luxuriösen Objekte gibt – angereichert mit Gemälden, die das Rauchen thematisieren.
Von Heiner Wesemann
Gerade in Krems Die Stadt Krems ist ohne Tabak nicht zu denken, hier befanden sich zahlreiche Tabakfabriken, und tatsächlich befindet sich die heutige Kunsthalle in dem umgebauten und umgewidmeten Gebäude der 1852 gegründeten, später still gelegten Tabakfabrik Krems – gewissermaßen befindet man sich auf den Spuren der eigenen Geschichte. Und dass das „verpönte“ Thema seinen eigenes Flair hat, das hat Kuratorin Sabine Fellner mühelos umgesetzt. Der Reiz, den das Rauchen immer ausgeübt hat, ist in dem Saal des Frohner Forums überall zu spüren…
Heute zwar verpönt… Bedenkt man die Angriffe von öffentlicher Seite, die es in den letzten Jahren gegeben hat, um dem Rauchen völlig garaus zu machen (vergeblich selbstverständlich), dem ist klar, dass man es mit einer nach derzeitigem Verständnis politisch völlig „unkorrekten“ Tätigkeit zu tun hat. Diese auch noch zu verherrlichen? Allerdings gibt es eine mehr als 400jährige Geschichte des Tabaks, die man weder wegwischen kann noch soll, ist sie doch kulturhistorisch von höchstem Interesse.
Anfangs als Medizin… Das Nikotin, das nach dem französischen Diplomaten Jean Nicot benannt ist, der Mitte des 16. Jahrhunderts Tabak als „Heilpflanze“ in Frankreich einführte, wurde in Salben, Tee, Aufguss, ja sogar im Klistier zu Heilzwecken eingesetzt. Man war beispielsweise der Meinung, Tabakklistiere könnten Leute, die halb ertrunken seien, wieder zum Leben erwecken, weshalb man sie noch im 18. Jahrhundert an allen Orten an der Donau vorrätig hatte…
… dann für den Genuss Dass Tabak zu schnupfen oder zu rauchen ein stimulierendes Vergnügen sein konnte, wurde erst nach und nach zugegeben, aber manches alte Gemälde beweist, dass ein Pfeifchen zum Wohlfühlen zur gemütlichen Gesellschaft gehörte. Auf die Tonpfeife (von Walter Raleigh am Hof von Elizabeth I. eingeführt) folgte das Schnupfen, das am französischen Hof von Louis XIV. mondän war (und das neue Objekt der Tabatiere schuf), im 19. Jahrhundert waren Meerenschaumpfeifen eine Prestigesache. Ferdinand Georg Waldmüller lässt seinen orientalischen Pfeifenhändler schon 1824 im Wiener Kaffeehaus seine Ware anbieten.
Ferdinand Georg Waldmüller
Zigarre, Zigarette Männer rauchten, als das Rauchen noch ihnen allein vorbehalten war, zuerst Zigarren (die lange Reihe der „Promis“, die sie rauchten, reicht von Sigmund Freud und Alexander Girardi bis Winston Churchill, von Fidel Castro bis Arnold Schwarzenegger), und als die schlanke Zigarette aufkam und Damen wie Marlene Dietrich sie unwiderstehlich zu handhaben verstanden, wurde das Rauchen weiblich, mondän und sehr erotisch. Schon 1900 legte das sehr starke „Beziehungsfoto“ von Kolo Moser, „Der Raucher und die Tänzerin“, Zeugnis davon ab. Die Wissenschaft hatte überdies zwischendurch gefunden oder erfunden, dass Tabak anregend auf den Genitalbereich wirken sollte…

Castro von Otto Muehl Alexander Girardi
Rauch in der Kunst Es heißt, das literarische Jung Wien sei ohne die verrauchte Atmosphäre der Kaffeehäuser nicht zu denken. Rauchende Damen verschiedenster Art schmücken die Wände des Forums Frohner, wobei der Namensgeber Frohner die „Prinzessin aus Flandern“ beisteuern konnte – weitgehend nackt, aber mit Zigarettenspitze im Mund. Die „Raucherinnen“ der Kiki Kogelnik sind in mondäner Pose angezogen, Helmut Newton hingegen fotografierte seine Muse, das spanische Model Violetta Sanchez 1979 sehr nackt – mit Zigarette in der Hand.
Von kostbaren Pfeifen bis zu „Tschick“-Kunstwerken Zahlreiche Prunkpfeifen aus Meerschaum zieren den Ausstellungsraum, differenzierte Kunstwerke, die sich komplizierte Themen stellten, nicht nur antike Kopulation (Leda mit dem Schwan beim Liebesakt), sondern etwa auch die Landung von Columbus in Amerika. Wenn Al Hansen aus Zigarettenstummeln eine „Androgyn Goddess“ schafft, ist das einer der Beiträge der Moderne.
Krenek und die „Johnny“ Einen sehr lebendigen Bezug kann gerade diese Ausstellung zum Ernst Krenek Forum herstellen, das sich über dem Forum Frohner befindet. Als dessen Oper „Johnny spielt auf“ 1927 mit Skandalerfolg uraufgeführt und hundertfach nachgespielt wurde, da kreierte Austria Tabak eine Zigarettenmarke, die sich „Johnny“ nannte und lange populär blieb. Dass man zur Ausstellungseröffnung Musik aus Kreneks „Johnny“ erklingen ließ, versteht sich.

Kunsthalle Krems / Forum Frohner
Bis 30. September 2012, täglich 11.00 bis 17.00 Uhr
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WIEN / Nationalbibliothek: WILLKOMMEN IN ÖSTERREICH

WIEN / Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek:
WILLKOMMEN IN ÖSTERREICH
EINE SOMMERLICHE REISE IN BILDERN
Vom 11.Mai 2012 bis zum 28. Oktober 2012
Zwischen Natur und Kultur
Eine originelle „Liegestühle“-Landschaft erwartet den Besucher in den Eingangsräumen der Österreichischen Nationalbibliothek und verweist auf die Ausstellung im Prunksaal. „Willkommen in Österreich“ heißt es dort. Die romantische Formulierung bezieht sich auf die Schönheit der Landschaft und die Reichhaltigkeit des kulturellen Angebots. Die schlicht ökonomische Kehrseite der Medaille besagt, wie groß der wirtschaftliche Effekt des Fremdenverkehrs als Quelle von Erwerb und Wohlstand ist. Österreich war immer ein Tourismus-Land. Mit welchem „Selbstbild“ man versucht hat, die Fremden hierher zu holen, das sieht man nun an vielen Beispielen.
Von Renate Wagner

Schon das Kaiserpaar Nachdem das „Reisen“ auf kultureller Basis lange Zeit einer reichen Oberschicht vorbehalten gewesen war, setzte sich im 19. Jahrhundert die „Sommerfrische“ für breitere Bevölkerungsschichten durch. Die Monarchie konnte damals auch noch ein gutes Stück Meer bieten, das entsprechend beworben wurde. „Vorbildlich“ als treuer Sommerfrischler war Kaiser Franz Joseph, der 83 von seinen 86 Lebensjahren zur Sommerszeit im Ischl verbrachte. Dass Kaiserin Elisabeth sich für die vielen Orte, die sie besuchte, auch wirklich interessierte, scheint ihre Sammlung von “Woerls Reisehandbüchern“ zu beweisen, damals die Klassiker der Reiseführer, klein, rot und handlich, in einer eigenen Vitrine zu betrachten. Wo der Kaiser war, kamen auch alle hin, die es sich leisten konnten – in der Villa von Johann Strauß in Ischl war dann auch Johannes Brahms zu Gast, ebenso auf einem Foto zu betrachten wie Jahresregent Gustav Klimt am Attersee.

Franz Joseph im Urlaub / Sisis Reiseführer
Österreich im Plakat Je mehr Österreich sich als Fremdenverkehrsland verstand, umso intensiver warb man, wobei das Plakat eine besondere Rolle spielte und die Österreichische Nationalbibliothek tief greifen kann: Die Sammlung des Hauses beträgt über 100.000 Stück, ist eine der größten des Landes und als Quelle zur visuellen Geschichte herausragend. Bevor es noch den Beruf des „Werbegraphikers“ gab, haben Künstler Plakate ausgeführt, später erarbeiteten Firmen zielgerichtete Konzepte. Schon rein stilistisch wandert man durch Zeiten und Ideologien. Gezeichnetes mit Trachten, Blumen, mit Berg und See, Bauernhaus und Eisenbahn wirkt heute nostalgisch, fast naiv, zeigt von anderem Bewusstsein. Griffige Slogans, die vor Jahrzehnten gefunden wurden („mit der Seele baumeln“), als zum Bild noch das Wort kam, haben sich im Bewusstsein gehalten.
Ein Stück Geschichte Nicht nur stilistischer, auch politischer Wandel ist an Plakaten abzulesen: Als Hitler mit der Tausend-Mark-Sperre Österreich um sein deutsches Stammpublikum brachte, musste man sich um ein englischsprachiges Publikum bemühen, was durchaus erfolgreich gelang. Freilich, als Österreich dann bei Deutschland war, wich nicht nur Rot-Weiß-Rot dem Hakenkreuz, da fand sich Wien dann plötzlich in „Niederdonau“…
Charming Austria für die Amerikaner / Österreich liegt in Deutschland…
Der Winter verschiebt manches Die Parameter verschoben sich: War früher Niederösterreich das urlaubsintensivste Bundesland gewesen, so wurde, als man die Sommer- und die Wintersaison extra bewarb, Tirol das wichtigste Fremdenverkehrsland. Spektakuläre Erschließung der Natur wie durch die Großglocknerstraße setzte neben den klassischen Themen – etwa Wachau oder Salzkammergut – neue Schwerpunkte. Hatte man früher eher naiv „gezeichnete“ Plakate, so gab es später die Fotos. Und neben der Natur setzte man auf Kultur, die Bregenzer Festspiele waren hier früh aktiv. Die Ausstellung, die auch noch das Thema des Privatfotos und Fotoalbums einbringt, endet in den siebziger Jahren. Aber wie wir wissen, ist „Ferien in Österreich“ eine Never Ending Story.

Großglockner / Bregenzer Festspiele
Bis 28. Oktober 2012
Täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr
Der Katalog im Metro Verlag ist ein kulturgeschichtliches Kompendium des Themas
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WIEN / Theatermuseum: GEGEN KLIMT

WIEN / Österreichisches Theatermuseum:
GEGEN KLIMT
Die „Nuda Veritas“ und ihr Verteidiger Hermann Bahr
Vom 10. Mai 2012 bis zum 29. Oktober 2012
„Gegen Klimt“ war natürlich „für Klimt“….
Gesetzt den Fall, ein amerikanisches Museum besäße die „Nuda Veritas“ des Gustav Klimt: Man würde dankbar in die Knie gehen und ihm vermutlich einen eigenen Raum bauen. Das Wiener Theatermuseum besitzt die „Nuda Veritas“ und lässt sie Jahr und Tag im Depot verkommen. Immerhin war das Klimt-Jahr ein Anlass, sie einmal für eine kleine Ausstellung mit dem beabsichtigen Aufreger-Titel „Gegen Klimt“ hervorzuholen, die im großen Konzert der Wiener Klimt-Ausstellungen eher eine Nebenrolle spielt. Aber sagen wir, dass es eine interessante sei.
Von Heiner Wesemann
Die Nuda Veritas Die „nackte Wahrheit“ von 1899 ist, wie könnte es bei Klimt viel anders sein, eine sehr schöne nackte Frau mit einem Spiegel in der Hand, um deren Beine sich eine Schlange windet. Darüber ist, in verschnörkselter Secessions-Schrift, der Schiller-Ausspruch zu finden: „KANNST DU NICHT ALLEN GEFALLEN DURCH DEINE THAT UND DEIN KUNSTWERK – MACH ES WENIGEN RECHT. VIELEN GEFALLEN IST SCHLIMM“. Der Nachwelt gefällt Klimt weit besser als der Mitwelt. Einen Teil der Kämpfe, die um ihn ausgetragen wurden, macht das Theatermuseum an der Person von Hermann Bahr klar. Mit dessen Nachlass, der reichlich für die Ausstellung herangezogen wird, ist auch das Klimt-Werk in den Besitz des Hauses gelangt. Als Modell der dargestellten geheimnisvollen Schönen mit dem wallenden Haar hat man die Klimt-Geliebte Marie Zimmermann „geoutet“.
Hermann Bahr, der Kämpfer Hermann Bahr, der „Herr aus Linz“, wie Karl Kraus ihn höhnte, nahm als meinungs- und wortmächtiger Journalist in der „Moderne“ von Wien um 1900 eine bedeutende Stellung sein. Selbst Verfasser von Lustspielen, von denen einige (vor allem „Das Konzert“) heute noch gelegentlich gespielt werden, nahm er vor allem die Partei der jungen Literaten, die sich unter dem Motto „Jung Wien“ zusammen gefunden hatten. Aber er kämpfte auch für die Welt der modernen Kunst, voran Klimt.

Die Kämpfe Vor allem die so genannten „Fakultätsbilder“ für die Universität (die später zerstört wurden), haben den Kampf um Gustav Klimt besonders angeheizt. In der Streitschrift „Gegen Klimt“, die er zusammen mit Klimts Kollegen Kolo Moser herausgab, fasste Bahr zusammen, was er an Schmähungen gegen den Künstler fand, in der Absicht, die Gegner zu desavoiren. Man kann dieses Werk in Jugendstil-Styling, wenn man den langen Atem hat, Seite für Seite (31 im Ganzen) an der Wand des Theatermuseums nachlesen. (Lieber täte man es in einem Katalog.) Die Klimt-Gegner waren aber nicht nur Zwerge: Karl Kraus etwa ätzte, die „Snobs warten den Herbst ab, um pünktlich in einen neuen, von Herrn Bahr bereits angesagten Klimt-Taumel zu verfallen.“ Schon damals lief unendlich viel über die Ebene der Medien und der Propaganda…

Klimt fürs Arbeitszimmer Bahr, der von sich bekannte: „Ich habe auf der Welt nichts so gern als Bilder von Klimt“ (dieses und andere Zitate kann man im Theatermuseum von der Wand ablesen), hat die „Nuda Veritas“ im Jahr 1900 erworben (und um 4000 Kronen ziemlich günstig – das seien heute, wie die Ausstellungsgestalter meinen, 23.000 Euro. Am freien Markt wäre wohl das Hundertfache und mehr zu erzielen…).
Der Platz, den das Gemälde bei Bahr in der Villa, die Josef M. Olbrich ihm baute (sie lag in Ober St.Veit / Hietzing), war genau vorgesehen: Das Theatermuseum zeigt die Ausstellung in zwei Räumen, rechts ist der „Nuda Veritas“ ein würdiger Platz inmitten von schwarzem Samt eingeräumt, links ist jenes Foto überdimensional aufgeblasen, das Bahr – in einem seltsamen Mönchskittel – in seinem Arbeitszimmer neben dem Bild zeigt. Bahr hat, wie er selbst bekannte, aus diesem wirklich magisch wirkenden Kunstwerk immer wieder persönlich Kraft bezogen.
Desiderata Das ist, nach dem „Kleist“, schon die zweite Ausstellung des Hauses ohne Katalog. Damit bringt man sich selbst um die Nachhaltigkeit seiner Arbeit. Was nicht dokumentiert wird, ist so gut wie nicht gewesen. Man weiß um die Sparmaßnahmen allerorten, aber man sollte sinnvoll sparen. Und ein Direktor müsste beim Generaldirektor (und Sponsoren) ebenso so lange vorstellig werden, bis man die Früchte der Arbeit auch zwischen Buchdeckeln vorlegen kann – für eine Zukunft, wenn die „Nuda veritas“ wieder im Keller schlummert…wenn sie nicht nach dem Klimt-Jahr, wie angedeutet, vielleicht doch einen Platz „im Freien“ findet, so dass man dieses Ausnahmewerk immer im Museums-Rahmen betrachten kann.
Bis 29. Oktober 2012, täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr
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KREMS / Kunsthalle: WUNDER

KREMS / Kunsthalle:
WUNDER
KUNST, WISSENSCHAFT UND RELIGION
Vom 4. März 2012 bis zum 1. Juli 201
Für ungläubige Thomasse
„Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“, wusste schon Goethe, und selbst in gnadenlos nüchternen Zeiten haben “Wunder“ nichts von ihrer irritierenden Faszination verloren. Man könnte das Thema rein historisch aufbereiten, aber in der Kunsthalle Krems geht man es (in Cooperation mit den Deichtorhallen Hamburg, wo die Ausstellung schon gelaufen ist) anders an. Da koexistieren in verwirrender Fülle Werke moderner Kunst, dokumentarische Fotos, Objekte der Vergangenheit. Und da wird der Begriff des „Wunders“ weit gefasst – ob Zaubern, ob Staunen, es ist als Aspekt einbezogen.
Von Heiner Wesemann
Der ungläubige Thomas Bei Caravaggio (man hat das Bild in einer Kopie aus seiner Werkstatt aus der Alten Pinakothek nach Krems gebracht) legt Thomas seinen Finger in die Wunde an Jesu’ Brust: Er kann das Wunder der Auferstehung nicht glauben. Üblicherweise betrachtet man Wunder in religiösem Konnex. Auch dies wird hier thematisiert, man sieht das Grabtuch von Turin, allerdings kein originales Fetzchen, sondern in einem Bildband mit den amtlichen Lichtbildern von 1939. Der Zweifel vieler Betrachter ist immer dabei… Und dass Wunder auch schlicht Betrug sein kann: Bestens präparierte „weinende Madonnen“ beweisen es. Und doch: Helmut und Johanna Kandl zeigen in „O Maria Hilf“ etwa Fotos aus Medjugorje – gläubige, glaubende Menschen.
Caravaggio
Künstler antworten Es ist, wie gesagt, nur im geringen Ausmaß eine Dokumentation, die man hier erlebt, wenn es auch „klassische“ Objekte gibt, die mit Wunder – und Magie – zu tun haben wie etwa ein afrikanischer Nagel-Fetisch. Zu Wort kommen in hohem Maße die modernen Künstler (Yoko Ono erschien sogar zur Eröffnung der Ausstellung, allerdings nur für ein paar Minuten.). Dabei sind zahlreiche Videos zu sehen, die das Interesse des Publikums fesseln, sehr viele Installationen. Was die Sprache oft nicht ausdrücken kann, schaffen Künstler mit nonverbalen Werken, die sich ins Unterbewusstsein des Betrachters bohren. Amorphe Strukturen von Franz West lehren in ihrer Unerklärbarkeit das Staunen, Ernst Wurms „Mind Bubble“, rund und teils rot, denkt darüber nach, wie Gedanken aussehen könnten. Der „Eurasienstab“ von Joseph Beuys – eigentlich sind es vier Eisen-Elemente – lehnt an der Wand und war vom Künstler als Akt des Schamanismus gedacht.
Ernst Wurm
Wunderwaffe Zeitgeist Goethe schrieb den „Zauberlehrling“ und schenkte seinem Enkel einen Zauberkasten (mit seinen Karten, Figürchen, Spulen in der Ausstellung zu betrachten). Die ewige Lust am Zaubern – darum ist Harry Potter letztlich so berühmt geworden. Weil er – das moderne Wort dafür ist allerdings „Fantasy“ – das Wunderbare beschwört und dies seine Wirkung nie verfehlt. Immerhin sind die Zauberstäbe seiner Welt Objekte, über die man lächelt. Wie auch über Uri Geller, der sich mit seinen Tricks in diese Ausstellung verirrt hat. Wirklich Tricks? Eine ganze Wand mit zustimmenden Kommentaren berichtet, dass die Ratschläge des Gabel-Verbiegers, wie man kaputte Uhren wieder zum Laufen bekommen kann, von vielen Leuten dankbar und erfolgreich umgesetzt wurden. Ein Wunder? Die Ausstellung geht auch Phänomenen nach, die man unter PSI einreiht und die dringlich wissenschaftlich erforscht werden – was hat es mit der „Aura“ des Menschen auf sich, was mit dem Ektoplasma, das 1913 aus dem Menschen „fließend“ fotografiert wurde?

Das Staunen der besonderen Art Diese Ausstellung wird jeden Besucher anders herausfordern, wird jeden anders seinerseits staunen machen. Der Film, der zeigt, wie blinde Menschen tastend versuchen, einen Elefanten zu begreifen, geht unter die Haut – und man wird sich der Idee anschließen, dergleichen als „Wunder“ zu begreifen. Es ist, wie gesagt, eine mehr als vielschichtige Sache. Freilich, wenn die Kuratoren den Skianzug von Hermann Maier ausstellen, wo er in Nagano stürzte und dann doch siegte – dann ist der Begriff schon recht säkularisiert…
Bis 1. Juli .2012; Täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr
Kunsthalle Krems, Franz-Zeller Platz 3, 3500 Krems
www.kunsthalle.at
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MURNAU/ Münterhaus: DIE BLAUE REITEREI STÜRMT VORAN… 10.5. bis Herbst 2013
MURNAU/ Münterhaus„Die blaue Reiterei stürmt voran“ –
Ausstellung im Münter-Haus in Murnau

Das Titelbild des Ausstellungskatalogs: Heiliger Georg (Südeuropa, 19. Jh.)
Unter dem Titel „Die blaue Reiterei stürmt voran“ zeigt die Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung im Münter-Haus in Murnau ab 10. Mai 1012 bis Herbst 2013 eine Ausstellung über die Bildquellen für den Almanach Der blaue Reiter aus der Sammlung von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter.
„Die blaue Reiterei stürmt voran. Ein Haufen Arbeiten. Es soll mit dem Druck angefangen werden, helfen Sie! Stürmen Sie mit, damit das Ziel erreicht wird“, schrieb Gabriele Münter am 27. September 1911 an den Komponisten Arnold Schönberg. Mit diesem Hilferuf meinte sie die Arbeit am Almanach Der blaue Reiter, den Wassily Kandinsky gemeinsam mit Franz Marc im Mai 1912 beim Piper-Verlag, München, veröffentlichte.
Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums wird nun in einer Sonderausstellung im Münter-Haus diese so bedeutende Programmschrift des 20. Jahrhunderts gewürdigt. Ausgangspunkt für die Ausstellung war eine Fotografie von Gabriele Münter, die ihren Lebensgefährten Kandinsky an seinem Schreibtisch in der gemeinsamen Schwabinger Wohnung zeigt und auf der im Hintergrund eine Wand mit allerlei gerahmten und ungerahmten Bildern zu sehen ist.Dieses Foto spiegelt das Bildkonzept des Almanachs wider, der Abbildungen aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen umfasst: russische Bilderbogen, Aufnahmen von ägyptischen Schattenspielfiguren, Kinderzeichnungen, eine Schlachtszene aus dem Iran etc.
Die 75 Werke umfassende Ausstellung präsentiert zum ersten Mal einen Großteil der privaten Sammlung von Kandinsky und Münter, die sich in der Münchner Wohnung und im Murnauer Münter-Haus befanden. Das großformatige Gemälde mit der Darstellung des hl. Georg, das auch das Titelblatt des umfassenden Ausstellungskatalogs (herausgegeben von Helmut Friedel, dem Leiter des Lenbachhauses, und Isabelle Jansen) ziert, nimmt nun wieder seinen ursprünglichen Platz im ehemaligen Musikzimmer des Münter-Hauses ein. Unter den vielen kleinformatigen Kunstwerken und Reproduktionen, die Kandinsky und Münter erworben hatten oder geschenkt bekamen und die man unter Kunst, Theorie und Alltag einordnen kann, befindet sich auch das Blatt Der Paradiesvogel Alkonost aus dem Nachlass Kandinskys, der im Centre Pompidou in Paris verwaltet wird.
Udo Pacolt, Wien – München
PS: Anlässlich des 50. Todestages von Gabriele Münter am 19. Mai 2012 wurde in Gedenken an die Künstlerin im Garten des Hauses eine Bank aufgestellt, auf der die Besucher einen Blick auf Murnau genießen können.
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WIEN / Hermesvilla: BURG STARS

WIEN / Wien Museum in der Hermesvilla:
BURG STARS – 200 JAHRE THEATERKULT
Vom 30. März 2012 bis zum 4. November 2012
So ändern sich die Zeiten
Einst waren die Ausstellungen, die das Wien Museum (als es noch die umständliche Bezeichnung „Historisches Museum der Stadt Wien“ trug) in der Hermesvilla ausrichtete, oft Höhepunkte des Hauses und vor allem dann „Renner“, wenn man sich der Habsburger annahm. In den letzten Jahren hat man die attraktive Villa im Lainzer Tiergarten, die Kaiser Franz Joseph seiner geliebten „Sisi“ bauen ließ (die Dauerausstellung im Oberstock nennt sich „Sisis Schloß der Träume“ und ist der Geschichte des Hauses gewidmet), als Ausstellungsraum vernachlässigt. Wenn man sich nun allerdings den „Burg Stars“ zuwendet, könnte man thematisch wieder einen Publikumshit gefunden haben.
Von Heiner Wesemann

Der Wiener Schauspielerkult Die Besessenheit der Wiener von ihren Schauspielern ist nicht neu – er geht bis in die Frühzeit des Theaters in dieser Stadt zurück. Als Kaiser Joseph II. das alte Ballhaus nächst der Burg 1776 zum „Teutschen Nationaltheater“ erhob und dem breiten Publikum öffnete, kam auch der Starkult auf. Die Ausstellung geht bis in die Anfänge des Hauses zurück und stützt sich dabei auf die burgtheatereigene Porträtgalerie der Stars. So ändern sich die Zeiten – hat Hans Makart einst die Wolter in prachtvollem Faltenwurf präsentiert, so bietet die Fotografin Lucy McKenzie von Birgit Minichmayr die komplett nackte Rückseite…
Von Kainz zu Voss Nimmt man die Wolter, den Kainz oder die Schratt aus (die wohl eher als Kaiser-Freundin populär geblieben ist denn als Schauspielerin), so sind die opulent konterfeiten Damen und Herren der Frühzeit wohl nur den Theaterhistorikern interessant. Bedauerlich dennoch, dass sich das Museum diesmal zu keinem Katalog aufgeschwungen hat, denn optisch haben die ersten Räume eine Menge zu bieten. Da das Wiener Gedächtnis für Schauspieler hervorragend funktioniert, ist wohl jene Epoche, die Paula Wessely und Attila Hörbiger, Josef Meinrad oder Ernst Deutsch zeigt, dem älteren Publikum noch höchst lebendig – und auch jene, in der der Begriff „Burg Star“ noch am reinsten existierte.
Fotos Wesemann
Die Bilder der Gegenwart Die Zeiten ändern sich, auch unter Porträt versteht man heute etwas anderes: 2006 hat man begonnen, nach sehr langer Pause wieder Porträts von Burgschauspielern in Auftrag zu geben. So wie Gert Voss oder Kirsten Dene (letztere von Elke Krystufek konterfeit) dem Publikum entgegenblicken, wird mehr dem Zeitgeist als dem Star-Charakter gehuldigt. Immerhin zählen Dene und Voss (Relikte der Ära Peymann) noch zu jenen Schauspielern, die die Wiener voll akzeptiert haben. Ob sie ihr liebevolles Interesse, das sie einst für Heltau oder Pluhar oder andere Interpreten dieser Größenordnung gehegt haben, auch auf die heutigen Darsteller des Hauses wenden, kann bezweifelt werden (so sie nicht Maertens oder Melles sind…).
Büsten, Totenmasken, Devotionalien… Das Wien Museum ergänzt die Bildergalerie mit den reichen Beständen aus dem eigenen Haus. Das umfasst zahlreiche Büsten von Stars des 19. Jahrhunderts oder einen Autogrammfächer, Totenmasken oder seltsam-skurrile Details (etwa jenen Hut, mit dem Josef Meinrad den Pater Brown spielte – allerdings nicht im Burgtheater). Dazu kommen noch schöne altmodische „Künstlerfotos“, die einst so populär waren.
Hermesvilla, 1130 Wien, Lainzer Tiergarten
Von Dienstag bis Sonntag, täglich 10 bis 18 Uhr
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MAILAND: AUSTELLUNG ZUM MALERISCHEN WERK VON LITERATUR-NOBELPREISTRÄGER DARIO FO
MAILAND: Einzigartige Ausstellung zum malerischen Werk des Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo in Mailands Königlicher Residenz, dem Palazzo Reale, im Schatten des Domes
Von Andrea Matzker

Dario Fo spricht im Hof des Königlichen Palastes von Mailand. Foto: Andrea Matzker
Mit Verspätung zollte seine Heimatstadt Mailand dem nach wie vor kraftstrotzenden Theatermacher, Schauspieler, Gesellschaftskritiker, Satiriker und Universalkünstler Dario Fo Ehre und Respekt mit einer monumentalen Ausstellung seines bisher einer breiteren Öffentlichkeit weniger bekannten malerischen Oeuvres. Es erstreckt sich über 60 Jahre seines Schaffens, zeigt von den circa 20.000 existierenden über 400 Exponate, darunter originale Bühnenbilder, Gobelins, Zeichnungen, Entwürfe, großflächige, prachtvolle, farbenfrohe, opulente Gemälde, Theaterplakate, Kostüme, Masken und viele Videos und Filme, die seine Arbeiten dokumentieren. Das Spannendste jedoch sind die Introduktion und die Führung des Maestro selbst durch die Ausstellung, an der man, wenn man Glück hat, bis zum 3. Juni 2012 (und vielleicht auch später) teilnehmen kann, und dabei auch zufällig auf legendäre Wegbegleiter des charismatischen Genies, wie seine Ehefrau und Hauptdarstellerin in fast allen seiner Werke, Franca Rame, den weltweit bekannten Fotografen Oliviero Toscani, den noch einzig mit 102 Jahren aktiven Kunstkritiker Gillo Dorfles oder den Modeschöpfer Ottavio Missoni treffen kann. Das früheste ausgestellte Gemälde schuf Dario Fo mit 13 Jahren, das aktuellste in der Bottega d’Artista, einem der Ausstellung vorangestellten Workshop in den Räumen der Exposition, der in einem original nach mittelalterlichem Vorbild nachgebauten Atelier unter der Regie des Maestros, der sich auch damit vor den großen, von ihm verehrten Meistern wie Leonardo, Michelangelo oder Mantegna, verneigte, stattfand. Am Tag der Eröffnung für das Publikum, hatte Dario Fo seinen inzwischen nicht spürbaren 86. Geburtstag, zu dem er von seinem Entdecker und Verleger des Ausstellungskataloges, Gabriele Mazzotta, der 1969 sein allererstes Werk editiert hatte, mit Champagner und einer riesigen Geburtstagstorte überrascht wurde. Das gesamte, noch anwesende Publikum feierte mit.

Dario Fo-Entdecker und Brera-Präsident Gabriele Mazzotta. Foto: Andrea Matzker

Dario Fo erläutert seine Ausstellung, der legendäre Vittorio Missoni hört zu. Foto: Andrea Matzker

Franca Rame und Dario Fo an dessen 86. Geburtstag im Hof des Königlichen Palastes in Mailand. Foto: Andrea Matzker

Oliviero Toscani in der Fo-Austellung im Palazzo Reale in Mailand. Foto: Andrea Matzker
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WIEN / Belvedere: GOLD

WIEN / Unteres Belvedere / Orangerie / Prunkstall:
GOLD
Vom 15. März 2012 bis zum 17. Juni 2012
ZUM GOLDE DRÄNGT DOCH ALLES…
Um das Goldene Kalb hat man getanzt (und tut es im metaphorischen Sinn immer noch). Des Goldes wegen rüstete man Schiffe aus und suchte die Neue Welt. Um des Goldes willen, das man dort fand, richtete man gnadenlose Zerstörungen an. Um Gold zu finden, zogen zahllose Männer in die Neue Welt und wühlten sich durch Berge und Flüsse. Gold war unabdingbar als Machtsymbol (keine Krone ohne Gold), aber Gold als kompaktes Metall ist auch Handelsware, Wertanlage, orientalische Frauen tragen ihr Vermögen in Goldschmuck um den Hals. Gold ist aber auch eine “Farbe”, wenn man es auf Bilder aufträgt – und als solche ein entscheidendes Element in der Kunst. Das Belvedere richtet dem „Gold“ eine so reichhaltige Ausstellung aus, dass man sich erstens nicht satt sieht und zweitens in zahlreiche Richtungen weiter denken, forschen, überlegen kann.
Von Renate Wagner

Ein „goldenes“ Haus Wenn sich das Belvedere dem „Golde“ weiht, hat man, wie Direktorin Agnes Husslein richtig vermerkt, aus eigenen Beständen vieles vorzuweisen – von dem berühmtesten „goldenen“ Gemälde der Moderne, dem „Kuss“ von Gustav Klimt (für den muss man allerdings ins Obere Belvedere wandern, was ohnedies immer sinnvoll ist) einmal abgesehen. Ein Raum wie das über und über vergoldete Spiegelzimmer, das man auf dem Weg zur Orangerie durchquert, wurde keinesfalls für diese Ausstellung gebaut, sondern befand sich schon immer in diesem Schloss des Prinzen Eugen. Und wenn man am Ende gar in den Prunkstall kommt, das Mittelalter-Museum des Hauses (üblicherweise wenig beachtet, hier glücklicherweise in die Ausstellung einbezogen), dann wird man vor lauter Gold geradezu „erschlagen“: Kein frommes Bildnis des Mittelalters, das sich der goldenen Farbe nicht in reichem Maße bedient hat.
In Mode, aus der Mode Eines stellt man in dieser umfassenden Ausstellung fest, die rund 200 Exponate von über 100 Künstlern aus aller Welt zeigt, von einem ägyptisch-römischen Mumienbildnis bis zu Werken, die gerade erst entstanden sind: Zwischen dem Mittelalter und heute ist Gold immer wieder aus der Mode gekommen, vielfach als Kitsch betrachtet worden. Im Belvedere sieht man nun, dass Gold – echtes Blattgold als Bestandteil der Werke so wie andere Werkstoffe – gerade in der Gegenwart wieder überaus üppig verwendet wird. Selbst ein Haufen glänzender Schuhe, die wie Reliquien der „Sex in the City“-Frauenwelt am Boden liegen, sind mit echtem Gold geschmückt (denn Ausstellungskurator Thomas Zaunschirm versichert, jedes Futzelchen Gold, das hier gezeigt wird, sei absolut „echt“).

Milan Kunc Richard Hamilton
Symbol der Wertsteigerung Man merkt es selbst, wenn man durch die Ausstellung geht: Gold ist ein Blickfang, Gold scheint die Bedeutung des Gezeigten zu unterstreichen, selbst wenn die Künstler es komplett ironisch einsetzen: Aber auch eine Kuh (Thomas Brix), auch Gemüse (Milan Kunc) sieht, wenn man sie vor einem goldenen Hintergrund zeigt, gleich ganz anders aus… Und wenn der englische Pop-Künstler Richard Hamilton (der auch eine Variation des Staatsopern-Vorhangs geschaffen hat) das New Yorker Guggenheim-Museum als vergoldetes Relief an die Wand knallt – so scheint es ja doch etwas mit „Wert“ zu tun zu haben. (Es gibt übrigens auch einen Entwurf von Eisenmenger zu seinem originalen Staatsopern-Vorhang, der ja bekanntlich durch einen goldenen Hintergrund gekennzeichnet ist.)
Der religiöse Aspekt Zweifellos ist der religiöse Aspekt einer der vordringlichsten, wenngleich man heute anders an das Thema herangeht als im nahezu ironie- und humorfreien Mittelalter (für Ausnahmen dort gilt die Unschuldsvermutung). Wenn der Brite Peter Murphy Jimi Hendrix und Kurt Cobain in mittelalterliche Altartafeln stellt und in der Pose der Heiligen präsentiert, dann darf natürlich der Heiligenschein nicht fehlen, den auch Sportler oder „Madonnas“, die nichts mehr mit der Gottesmutter zu tun haben, von dem afrikanisch-britischen Künstler Godfried Donkor erhalten… Die Pfarrkirche Hetzendorf hat sich für die Dauer dieser Ausstellung von einem Ziegenhaut-Bild von Ernst Fuchs getrennt, in dem nicht nur die heiligen Figuren, sondern auch der Drache ein bisschen Gold abbekommen hat… (Kollege Arik Brauer wiederum hat, in einer anderen Abteilung zu sehen, Pan vor goldenem Hintergrund gemalt.)
Jan Fabre / Peter Murphy
Gold geht immer Die Ausstellung zeigt, dass es keine Kunstform gibt, die sich dem Gold verweigert, Gemälde, Graphik, Plastik: Jan Fabre bereitet das menschliche Gehirn in 24 Karat Gold auf und verleiht ihm noch Flügelchen… Nitsch und Staudinger haben Blut und Farbe auf Ölvergoldung geschüttet. Klassisch im Zusammenhang mit Gold ist der Bilderrahmen, der bekanntlich in hohem Ausmaß zur Wirkung eines Werks beitragen kann und hier vielfach thematisiert wird. Und auch ein Papierkorb kann aus Gold sein, ein Skelett mit Goldblumen geschmückt. Die Ausstellung kennt, wie es scheint, keine Grenzen. Der dazugehörige Katalog im Hirmer-Verlag ist ein Meisterstück für die thematische Aufbereitung eines Aspekts der Kunst.
Bis 17. Juni 2012, täglich 10 bis 18, Mittwoch bis 21 Uhr
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WIEN / Albertina: KLIMT. DIE ZEICHNUNGEN
 Fotos: Wesemann
WIEN / Albertina:
GUSTAV KLIMT. DIE ZEICHNUNGEN
Vom 14. März 2012 bis zum 10. Juni 2012
Täglich den Bleistift in der Hand
Ein Künstler, der an die 4000 Zeichnungen hinterlässt, der hat vermutlich wirklich täglich den Bleistift in der Hand gehabt, wie Marian Bisanz-Prakken, die Kuratorin der Klimt-Ausstellung der Albertina berichtet. Und wenn eine Institution davon rund 170 hochrangige Werke besitzt, dann ist das Klimt-Jahr wohl der Zeitpunkt, diese auszustellen. Zumal sich die Albertina als Forschungszentrum für Klimt begreift, wie Direktor Klaus Albrecht Schröder betont. Seit Jahrzehnten werden hier die Zeichnungen des Künstlers aufgearbeitet – wobei es auch gilt, bei all den Neufunden („Sehr viel von Klimt befindet sich auch in Privatbesitz“) die Fälschungen auszuscheiden. Bei der derzeitigen Ausstellung ist mit Sicherheit alles echt.
Von Heiner Wesemann
Verspielter Rahmen Hinauf in die Propter Homines Halle, wo man von einem überdimensionalen Foto des Künstlers begrüßt wird. Als ob er in sein privates Atelier einladen würde. Man hat die einzelnen Räume auch von der Starrheit der nackten Wände befreit – immer wieder erstreckt sich über eine ganze Seitenwand überdimensional eine locker hingeworfene Zeichnung. Die Originale hängen dann gewissermaßen drinnen. Es hilft der Belebung, denn was man sieht, ist auf den ersten Blick nicht sehr bewegt – nahezu gleich große Blätter, die meisten mit Bleistift gezeichnet, viele so filigran, dass sie schwer erkennbar sind. Nur selten ragt ein Bild heraus als auffallender Blickfang, mit Tusche , Bleiweiß oder Rot von der Skizze weitergestaltet zum Kunstwerk (was nicht bedeutet, dass nicht viele der Skizzen genuine Kunstwerke sind). Dennoch: Der Welterfolg des Gustav Klimt besteht nicht zuletzt darin, dass seine großen Gemälde so spektakulär, so grandios bunt, vielfach so „golden“ sind. Davon spürt man hier nichts. Man befindet sich gewissermaßen in der Werkstatt. Nur dass es glücklicherweise immer schöne Frauen zu sehen gibt…

Zu Beginn das Handwerk Die Kuratorin geht chronologisch vor, teilt das Werk in vier Entwicklungsstufen. Die erste setzt sich deutlich von den folgenden ab, zeigt den Klimt der Frühzeit, der das Handwerk brillant gelernt hat und in einer Welt der Historismus-Malerei mühelos seinen Platz findet. Er arbeitet geradezu auf der Suche nach Schwierigkeiten – gedrehte Köpfe, die völlig „echt“ wirken. Das Wien Museum lieh sein (im Original kleines, von zahllosen Abbildungen bekanntes) Aquarell vom Inneren des Burgtheater-Zuschauerraums. Geld verdiente man auch mit Entwürfen für Banknoten…
Die Secession Klimt war Mitte 30, als er sich radikal der Secession zuwandte. Das bedeutete nicht nur gänzlich neue Formen, Stiliserung mit Hilfe des Ornaments, sondern auch eine veränderte, nun wirklich „moderne“ Lebenseinstellung. Der „nackte“ Mensch wird für den Künstler in doppelter Hinsicht zum Symbol – die existenzielle Verlorenheit der Seelen hat Sigmund Freud bewusst gemacht. Hier gibt es nicht nur Zeichnungen für „Ver Sacrum“, hier finden sich auch Studien für die „Fakultätsbilder“ der Universität – und da diese ja verloren gegangen sind, stellen diese Blätter einen besonderen Wert dar. Zahlreiche „Körperstudien“, die Bewegungen nachspüren, zeigen Klimt als Künstler geradezu auf den Spuren der Kollegen der Renaissance, die ähnlich penibel versuchten, den menschlichen Körper zu erfassen.
Immer und überall: die Frauen Die Studien zu den Frauenbildnissen durchziehen die Ausstellung. Sie sind durch Klimts Porträts berühmt, ja unsterblich geworden, jene Damen der Wiener Gesellschaft, deren Gatten reich genug waren, sie von dem berühmtesten Maler der Zeit darstellen zu lassen – ob sie Sonja Knips hießen, Serena Lederer, Melanie Henneberg, Fritza Riedler, Friederike Maria Beer, Margarethe Stonborough-Wittgenstein, Paula und Amalie Zuckerkandl oder jene Adele Bloch-Bauer, die als „goldene Adele“ in die Kunstgeschichte (und als „zurück-gestohlen“ in die Zeitgeschichte) einging. Dazu gibt es Namenlose in vollendeter Schönheit – und die zahllosen Nackten, die jeglicher Individualität beraubt, zum Prinzip geworden sind.
Der „goldene Stil“ Nie war Klimt berühmter als zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als er zu seinem ureigenen Stil gefunden hatte, Menschen in ornamentale Welten einzubauen. Manche Muster erscheinen auch auf diversen Zeichnungen, aber es gibt auch Porträtskizzen: Eines der spektakulärsten, weil größten Werke ist die Übertragungsskizze für das Gemälde „Die drei Lebensalter“ zu dem es auch Detailarbeit gibt, die dann gar nicht in das Endprodukt eingingen wie der Kopf einer alten Frau. Einander unschlingende Paare waren „Proben“ für den „Kuss“. Auch zu jenem „Tod und Leben“, einem Glanzstück des Leopold Museums, gibt es Studien.

Die späten Jahre Wenn Klimt den Ruf des „Erotikers“ genießt, dann wohl vor allem wegen der Zeichnungen, die er in seinen späten Jahren schuf – wo die Geschichten über sein Atelier und die nackten Models, die sich darin tummelten, die Phantasie der Zeitgenossen reizte. Klimts Darstellungen nackter Frauen sind von teils verführerischer Erotik, gehen gelegentlich weit über jeden „Sittsamkeits“-Kodex hinaus. Aber Klimt schaffte es auch, in den Skizzen der halbwüchsigen Mada Primavesi, die er damals malte, einen Hauch von kindlicher Femme fatale zu beschwören
Katalog geht über die Ausstellung hinaus Im Falle dieser Ausstellung ist der Katalog eine nötige Zusatzinformation, will man das Gesehene richtig bewerten. Früher, in auch finanziell besseren Zeiten, hat Klaus Albrecht Schröder durch Ausstellungen beeindruckt, in denen er imstande war, Graphik und Ölgemälde korrespondierend und quasi kommentierend nebeneinander zu hängen. In Zeiten wie diesen kann die Albertina zu den Studien und Entwürfen nicht mehr die Ölgemälde dazu liefern, deren Entstehung hier punktuell begleitet wird. Der Katalog vermag es, und darum fügen sich die Zeichnungen dort erst in das Gesamtwerk. Die Ausstellung bedeutet einen gewissermaßen impressionistischen Spaziergang durch Blätter, die genau betrachtet werden wollen. Der Katalog (Hirmer Verlag) leistet zuhause Hilfestellung bei der Arbeit, das Gesehene in den Kosmos Klimt einzubauen.
Bis 10. Juni 2012, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr
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