BERLIN: BAROCKORCHESTER SPIELEN FÜR FRIEDRICH

Berlin, Philharmonie: Barockorchester spielen für Friedrich den Großen, 24.01.2012


Akademie für Alte Musik Berlin, Foto Kristof Fischer

 Der 300. Geburtstag von Friedrich II (1712-1786), auch Friedrich der Große genannt, ist in Berlin und Brandenburg ein wichtiges Datum. Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt gedenkt man seiner an diesem 24. Januar mit einem Festakt, in der Philharmonie mit einem „Konzertgespräch post mortem zwischen dem Preußenkönig und Voltaire – nach ihrem Briefwechsel zu Lebzeiten“.

Die Dialoge lesen zwei bekannte Schauspieler. Armin Mueller-Stahl gibt Friedrich II, Burghart Klaußner den französischen Dichter-Philosophen Voltaire.

Bekanntlich lud Friedrich Voltaire nach Sanssouci ein und nach einem Zerwürfnis wieder aus. Beide waren Vertreter der Aufklärung, beide voller Philosophien. Beide auch gut für Bündel von Bosheiten und doch zeitlebens einander zugetan. Ihr 42 Jahre andauernder Briefwechsel zeigt alle Eigenschaften dieser beiden klugen Köpfe.

Selbst während seiner Kriege schrieb Friedrich an Voltaire. Auch hatte der Preußenkönig stets eine Flöte dabei. Seine Flötenkonzerte in Sanssouci sind legendär.  

An diesem Abend erleben wir Barockmusik und Dialoge im Wechsel. Auch die Ensembles wechseln sich ab. Die Akademie für Alte Musik Berlin, geleitet von Midori Seiler (Violine), sorgt mit der „Sinfonia D-Dur“ von Friedrichs Hofkomponisten Johann Gottlieb Graun (1702-1771) für einen lebhaften Auftakt. Der 2. Satz – „Arietta: Gracioso“ – klingt  wirklich graziös.


Berliner Barock Solisten, Foto Kanjo Take

Anschließend stellen die Berliner Barock Solisten unter Gottfried von der Goltz (auch Leiter des renommierten Freiburger Barockorchesters) Johann Philipp Kirnberger (1721-1783) und seine „Sinfonia D-Dur“ vor, die mit einem lustigen „Tempo di Minuet“ endet.

 

Bekannter ist Johann Joachim Quantz (1697-1773), der den Kronprinzen das Flötenspiel lehrte. „Der göttliche Quantz“, so nennt ihn der König. Der komponierte auch  Flötenstücke, die nur Friedrich spielen durfte, und der war darauf mächtig stolz.

Beim „Konzert e-Moll“, dargeboten von der Akademie für Alte Musik Berlin beeindruckt Christoph Huntgeburth mit der Traversflöte als Solist. Chapeau, falls auch Friedrich solch einen schwierigen Part beherrschte.

Nach der Pause ist der fast unbekannte Georg Friedrich Benda (1722-1795) mit seiner „Sinfonia Nr. 9, A-Dur“ an der Reihe. Die Berliner Barock Solisten bringen sie recht „bachig“. Vielleicht hat sich Benda von Johann Sebastian Bach inspirieren lassen.

Bekanntlich komponierte Friedrich auch selbst. Aber hat er seine „Sinfonia D-Dur“ ganz ohne Hilfe niedergeschrieben? Jedenfalls wirkt sie gekonnt, beginnt schwungvoll und stellt im Adagio zwei Flöten, von wenigen Streichern begleitet, in den Mittelpunkt.

Zuletzt dann Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788). „Der Sohn vom alten Bach,“ wie Friedrich respektvoll äußert. Dessen Improvisationen 1747 in Schloss Sanssouci haben ihn tief beeindruckt. Aus den Melodien entwickelte Bach „Das musikalische Opfer“, das er dem König später zueignete. 

Carl Philipp Emanuels „Konzert d-Moll“ übertrifft die vorangegangenen Stücke tatsächlich bei weitem. Gottfried von der Goltz mit intensiver Körpersprache hält nun mit den Seinen ein spannendes Zwiegespräch mit dem Flötisten Jacques Zoon.

Der Niederländer, Solo-Flötist bei weltberühmten Orchestern, leistet Außerordentliches. Trotz der Schwierigkeiten verleiht er seinem Part Wohlklang und Ausdruck. Diese Darbietung wird zum umjubelten Höhepunkt des Abends und zur eigentlichen Geburtstagsgabe.

Ursula Wiegand

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