Colombara,Thielemann, Oper u. Konzert


 [1] [2] CARLO COLOMBARA

The Art of the BassNaxos 2.110612 DVD

Einerseits schön, dass es von diesem italienischen Spitzen-Bass eine DVD gibt, andererseits ist die schaurig kitschige filmische Umsetzung der dargebotenen Szenen ziemlich schwer verdaulich (überwiegend im Ostblock gedreht von Oscar Martos, z. T. auch in den Svizzera Italiana Studios). Wären da nicht Colombaras beeindruckende Persönlichkeit und sein  darstellerisches Vermögen, man würde am besten das Bild wegschalten und sich nur dem ungetrübten Hörgenuss hingeben. Allerdings ist dieser Carlo Colombara ja auch noch ein sehr ansehnliches Mannsbild (Mephisto, Aleko, Attila), sodass auch das Auge was geboten bekommt.

Ich erinnere mich an den frühen Colombara, als dessen sehr potenter Bass noch etwas ungehobelt aber schon sehr beeindruckend eingesetzt wurde. Mit der Zeit konnte der Sänger seine Stimme in immer gepflegtere Bahnen lenken, und nun hat er eine der kraftvoll-edelsten Bassstimmen der Gegenwart.

Also lohnt sich die Anschaffung dieser DVD schon, bloß braucht man vor dem optischen Schauerkram vielleicht ein kleines Schnapserl…

DZ  

 

 

 

[3] CHRISTIAN THIELEMANN conducts FAUST

Liszt * Wagner – C major 707804 Blu-ray

 Diese Blu-rays haben schon was! Nicht nur optisch mit ihren glasklaren Bildern „zum Hineingreifen“, auch akustisch wird man in ganz neue Sphären entrückt. Das dachte man zwar auch schon bei der Erfindung des guten alten Stereos, aber die Technik schritt unaufhaltsam voran, und das ist nun der derzeitige Gipfel. Man sitzt also auf dem heimischen Sofa, vor sich den Großbildschirm mit der Superbildqualität, umwogt von einem ebenso glasklaren Klangerlebnis bis zum fff – ein Gefühl, als befände man sich mittendrin. Dieses Klangwunder macht bei Konzertmitschnitten möglicherweise noch mehr Effekt als bei Opern, je nach den theaterräumlichen Gegebenheiten.

Diese Aufnahme vom Jubiläumskonzert zum 200. Geburtstag von Franz Liszt in der Dresdner Semperoper im Februar 2011 ist so ein Klangwunder. Ebenso wie bei Christian Thielemanns Beethoven-Symphonien mit den Wiener Philharmonikern (ebenf. auf Blu-ray), wird man auch hierbei Teil des Ganzen, beginnt mitzuatmen mit dem herrlich warmen der Klang der Dresdner Staatskapelle.

Richard Wagners Faust-Ouvertüre war ursprünglich auch als komplette Symphonie gedacht; Wagner kam aber die Arbeit am Fliegenden Holländer dazwischen, sodass er den ersten, fertiggestellten Satz 1844 als „Ouvertüre zu Goethes Faust“ herausbrachte. Diese überarbeitete er später noch einmal. Diese Fassung von 1855 erklingt nun auch auf dieser DVD.

Franz Liszt, der Wagners Bemühungen um den Faust-Stoff kannte, erstellte seine Faust-Symphonie zunächst ohne den Schlusschor mit Tenor-Solo. Erst 1857 ergänzte er das Werk. Die drei Sätze portraitieren Faust, Gretchen und Mephisto in jeweils charakteristischer Weise. Die Schlussapotheose, bei welcher der Männerchor „Alles Vergängliche“ besingt, sowie der Tenor „Das ewig Weibliche“, wird von den Herren des Dresdner Staatsopernchores prachtvoll gesungen. Endrik Wottrich als Tenorsolist wartet mit strahlenden Höhen auf, lediglich seine Art des Singens erscheint zeitweilig etwas gewöhnungsbedürftig.

Thielemann und die Dresdner – immer einen Kauf wert!

DZ

 

 

 

[4] DIE LIEBE DER DANAE – unbefriedigender Strauss an der DOB 2011 – Arthaus 108 032 Blu-ray

Lange habe ich diese DVD/Blu-ray auf meinem Schreibtisch liegen gehabt, wollte ich mich doch als eingefleischter Straussianer diesem Werk mit besonderer Hingabe widmen.

Welche Richard-Strauss-Oper ist nicht schwer zu besetzen wegen ihrer z. T. extremen stimmlichen Anforderungen. Diese vertrackte, aber musikalisch wunderschöne Danae (Strauss‘ vorletzte Oper) erst recht. Immerhin hatte ich dieses eher selten gespielte Werk schon in zwei verschiedenen Produktionen erleben können: 1989/90 in München mit einem ausgezeichneten Trio Sabine Hass/Paul Frey/Roger Roloff (später John Bröcheler) unter Wolfgang Sawallisch, und 2005/6 in Dresden mit Anne Schwanewilms/Stephen Gould/Hans-Joachim Ketelsen unter Fabio Luisi.

In München sah man eine märchenhafte Umsetzung der aus der griechischen Mythologie entlehnten Geschichte, in Dresden eine (nicht immer ganz logisch) gemäßigt modernisierte Version. Stimmlich waren beide großartig, bis auf – und da haben wir den großen Haken bei den meisten Besetzungen – den Wotan karikierenden Jupiter, der, um entsprechend wirken zu können, eine Wotanstimme haben muss. Das ist leider in den meisten Fällen nicht der Fall. Entsprach Roger Roloff (amerik. Bassbariton, im USA häufig als Wotan) in München diesen Anforderungen noch sehr gut, so konnte schon seine Alternativbesetzung Bröcheler nicht mit den entsprechenden Stimmmitteln aufwarten, ebenso wenig wie in Dresden Ketelsen.

In Berlin hatte man mit Mark Delavan zwar einen schönen warmen Bariton, der auch Wotan singt, nur hat Herr Delavan immer Probleme, sich wirkungsvoll zu präsentieren, sei‘s stimmlich, ebenso wie darstellerisch. Matthias Klink ist mit seinem lyrischen Tenor mit der Midas-Partie völlig überfordert. Für die von Strauss geforderten Höhenflüge braucht man einen jugendlichen Heldentenor mit strahlender Höhe. Klink jedoch fehlt schon die grundsätzliche Power für diese Partie, warum hat man ihn dafür eingesetzt und warum ließ er sich darauf ein. Er quält sich mit vielen Kratzern und sogar Kieksern durch die Partie – unbefriedigend.

Mit der allenthalben als Strausssängerin hoch gehandelten Manuela Uhl scheint man auf der sicheren Seite zu sein. Das schon, aber ist das wirklich eine „vollwertige“ Danae? Sie entspricht wohl dem, was viele heute unter einer Strausssängerin verstehen. Sie „schafft“ das alles klaglos und sieht blendend aus. Ihr kühler, wenig charakteristisch timbrierter Sopran verfügt auch über eine sichere, aber eben keine blühende Höhe. Man tut sich als Straussianer halt schwer, sich damit zufrieden geben zu müssen.  Wenn ich an die herrlichen Duette, speziell im letzten Akt, an das wunderbare „Siehe, ich liebe!“ der Hass denke, da passiert hier einfach nichts. Allerdings scheint mir auch der Dirigent Andrew Litton nicht unbedingt prädestiniert dafür, dieser langen Straussoper den richtigen Spannungs- und Gefühlsrahmen zu verpassen. Die Inszenierung von Kirsten Harms ist in manchen Bilden ganz hübsch, aber es zieht sich – was der fliegende Konzertflügel soll, konnte man sicherlich im Programmbuch zur Produktion nachlesen…

Aus meiner – zugegeben hier sehr subjektiven – Sicht, kann ich diesen Mitschnitt nicht zur Anschaffung empfehlen.

DZ

 

 

 

[5] LA FORZA DEL DESTINO – Verdi an der Wiener Staatsoper

 3/08 C major 708204 Blu-ray

An die seltsame Inszenierung von David Pountney werden sich die Wiener schon gewöhnt haben. Deretwegen muss man sich diese DVD/Blu-ray nicht anschaffen. Einzig die „Kloster“-Bilder (hier muslemisch… oder was…) mit Leonora haben in ihrer Schlichtheit etwas Schönes (Richard Hudson). Ein schmiedeeisernes Bett auf der Bühne ist wohl doch schon zu abgedroschen. Die Cow-Girl-Choreografie (u. a.) von Beate Vollack entspricht wohl den Vorgaben des Regisseurs, sie hat schon Besseres geliefert.

Also zur Musik! Zubin Mehta am Pult der Wiener Staatsoper – alles bestens: Spannung, Sängerbetreuung, Sound. Hatte man erwartet, Nina Stemme sei das Nonplusultra als Leonora di Vargas, so weißt ihr großer, dunkel-warmer Sopran hier eine unerwartet unruhig-nervöse Stimmführung auf (kein Vergleich zu ihrer Muster-Isolde). Ideal hingegen die Preziosilla von Nadia Krasteva. Kaum jemand singt diese hoch liegende Mezzo-Partie mit so viel Sexappeal in der Stimme und so souverän. Und in dieser Produktion darf sie sich außerdem als superfesches Cowgirl austoben – sie hat’s ja.

Interessant dürfte dieser Mitschnitt besonders für Fans von Salvatore Licitra sein, liegt damit doch eines seiner letzten Dokumente vor (wir berichteten von seinem Unfalltod 2011) . Sein dunkel timbrierter Tenor kommt hier bestens zur Wirkung, dass seine Spitzentöne wenig strahlend klangen, war einfach so. Carlos Alvarez ist natürlich als finsterer Carlo beeindruckend, nur hat sein Bariton im Laufe der Zeit leider sein samtiges Drumrum verloren. Der mittelprächtige Bassist Alastair Miles scheint sich in Wien einiger Beliebtheit zu erfreuen, zumindest beim Besetzungsbüro. Er erscheint mir weder für Filippo noch für Padre Guardiano die entsprechende Klasse zu haben. Ein ordentliches Ensemble umrahmt diese Solisten. – Kann man sich zulegen.

DZ

 

 

 

 [6] TOSCA – Puccini in Genua

Arthaus 101 594 DVD/auch Blu-ray

Die traditionelle Ausstattung von Adolf Hohenstein zeigt einen pompösen Kircheninnenraum im 1., adäquate Scarpia-Räumlichkeiten im 2. und ein besonders schönes Engelsburg-Plateau im 3. Akt. Die Sänger machen in Renzo Giacchieris Inszenierung je nach Vermögen, was sie können. Am besten schneidet der Scarpia von Claudio Sgura ab. Er war 2. Preisträger der Voci Verdiane Busseto 2006. Dort hörte ich seinen damals noch etwas „rohen“ Bariton zum ersten Mal. Inzwischen hat sich die Stimme zu einem großen, warmgetönten Prachtbariton entwickelt, und als furchteinflößende Erscheinung taugt der große Italiener auch bestens.

Grund zur Anschaffung diese Aufnahme war eigentlich Fabio Armiliato, der uns in München  vor ein paar Jährchen eine prächtigen Don Carlo gezeigt hatte. Bei dieser Genueser Aufführung schien zunächst nicht recht in Form zu sein. Ein ausgesprochen edles Timbre hatte er ja nie, aber doch einen gewissen Tenorstrahl wenn’s darauf ankam. Hier klingt er im 1. Akt recht stumpf und man sieht die Arbeit beim Singen.Im 2. Akt beim „Vittoria!“ ist er aber wieder voll da; und im 3. Singt er eine ausgezeichnete Sternenarie. Der italienische Opernfreund fordert in solchen Fällen gerne durch kräftige „Bis!“-Rufe eine Wiederholung, welche Armiliato dann auch gewährte; noch zarter, noch raffinierter. (Bei uns zulande ist sowas ja inzwischen verpönt – zu Domingos Münchner Zeiten gab es sowas noch). - Die Comprimari sind nicht alle angenehm anzuhören, der Dirigent (Marco Boemi) ist nicht mit sonderlich viel Temperament gesegnet, nicht so gut für eine Tosca.

Aber das Hauptproblem heißt Floria Tosca, bzw. Daniela Dessi. Bei früheren filmischen Mitschnitten mit dem Ehepaar Dessi-Armiliato meinte ich immer, Frau Dessi sei nicht recht in Form gewesen, aber inzwischen stellte sich heraus, dass diese Sängerin immer mit einigen Defiziten zu kämpfen hat. Diese Tosca ist – ganz ehrlich – schaurig. Zwar klingt Dessis Stimme in der Mittellage größer als früher, aber ihre Höhe scheint nun durch Überstrapazierung gänzlich an Qualität verloren zu haben. Laut, scharf und furchtbar flackerig. Untenherum drückt sie à la Callas, oben diese kaputte Stimme; dazu an „Darstellung“ vorwiegend eine Hand auf das luftige Dekolleté gelegt (auch das übertriebene  Makeup ist unvorteilhaft). – Daniela Dessi, es tut mir leid, wirkt hier rundherum wie eine ganz schlechte Callas-Kopie.

Wen Sgura interessiert, der mag sich diese DVD zulegen, ansonsten lieber nicht. Vom Paar Dessi-Armiliato gibt es doch noch Besseres aus früheren Jahren.

DZ

 

 

 

 [7] TATE IN HAMBURG – mit NINA STEMME

Rondeau ROP5002

[8] [9] Stemme/Tate (o.A.)

Anschaffungsgrund waren Nina Stemmes „Vier letzte Lieder“ von Richard Strauss. Diese ertönen durchaus eindrucksvoll mit Stemmes großem, warmem Sopran. Allerdings bleibt es Geschmackssache, ob man hier nicht doch einen etwas lyrischer und ruhiger schwebenden Sopran vorzieht.

Beim Konzert der Hamburger Symphoniker unter Jeffrey Tates Leitung (5/09) gab es gehörige Programmsprünge. War der von Delius zu Strauss noch nicht so eklatant, so war Ruzicka auf  Strauss‘ Lieder schon etwas „shocking“. Von diesem zurück zu einem Schubert: dessen „Unvollendete“ ertönte unter Tates Leitung etwas  trocken und wenig legato-freudig.

Interessant wird diese DVD vor allem durch das Portrait des Dirigenten „Aus eigener Kraft“ – über den Lebensweg des schwerbehinderten Maestros und seinen Weg vom Augenarzt zum Dirigenten mit bereits 35 Jahren, seine Affinität zu Strauss und Wagner und ein bisschen auch über sein Privatleben.

Das Beiblatt ist sehr düftig und ohne jegliche Spieldauer-Angaben.

DZ

 

 

 

 

 

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