COSWIG/ Villa Teresa: KLAVIERRECITAL EWA KUPIEC
Coswig/Villa Teresa: KLAVIERRECITAL MIT EWA KUPIEC – 05.02.2012
Auf dem Weg zur Villa Teresa, in der einst Eugen d’Albert und die weltberühmte venezolanische Pianistin Teresa Carreno einige Jahre lebten, wurde in dem kleinen, liebevoll angelegten Park von zahlreichen Dohlen, die in den Bäumen saßen, lautstark begrüßt. Einige Schneeflocken fielen vom Himmel und hüllten Wege und Sträucher in sanftes Weiß. Im Konzertsalon, inmitten der (musik-)geschichtsträchtigen Räume mit ihrem erlesenen Ambiente, fiel der Blick auf einen historischen Prunkkachelofen, vor dem der Flügel stand. Das Programm mit ausschließlich Klavierkompositionen der Romantik tat ein Übriges, um zum „Träumen am Kamin“ einzuladen.
Bei den ersten kraftvollen Anschlägen der polnischen Pianistin Ewa Kucpiec jedoch, die in Dresden und Umgebung schon von mehreren Auftritten, u. a. bei Peter Schreiers „Schumanniade“, gut bekannt ist und auch schon vorher einmal in der Villa Teresa aufgetreten ist, war es jedoch mit dem Träumen vorbei. Mit großer Virtuosität, bewundernswerter Geläufigkeit und Treffsicherheit spielte sie 4 „Impromtus“ (D 899) von Franz Schubert, 4 „Impromtus“ (op. 29, 36, 51 und posth. 66) von Frédéric Chopin und 11 „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, von denen einige allerdings mit einer Art „Wagnerstimme gesungen“ zu sein schienen. Andere wurden hingegen dem sanglichen Charakter schon eher gerecht. Es folgten noch 2 kraftvoll gespielte Bearbeitungen von Franz Liszt, über Schuberts „Ständchen“ und den „Erlkönig“ – und das alles bei geöffnetem Flügel in einer Art Wohnzimmeratmosphäre.
In einem größeren Konzertsaal wäre diese kraftvolle Wiedergabe durchaus angemessen gewesen. Hier waren die Zuhörer trotzdem allgemein begeistert, so dass sich Ewa Kupiec für den herzlichen Applaus mit dem bekannten, nicht ohne freundlichen Humor gespielten Menuett des polnischen Pianisten, Komponisten und auch Politikers Ignacy Jan Paderewski bedankte und betonte, dass sie sehr gern in diesem kleinen, intimen Rahmen auftritt.
Ingrid Gerk
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