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David ALEGRET

Interview, 02/2011: David ALEGRET, Eine Zarzuela kann man singen, kochen und essen!

DAVID ALEGRET  (Tenor) im Gespräch     

Das Gespräch führte Charlotte Pohl  im Februar 2011

Nach dem Besuch der bezaubernden Oper „La Cenerentola“ von Rossini in der Volksoper bat der „Merker“  David Alegret, Tenor, zu einem Künstlergespräch. Dieses fand ein paar Tage später in angenehmem Ambiente und lockerer Atmosphäre statt.

Alegret hat sich im Laufe einiger Jahre – unter anderem – ein großes Rossini-Repertoire erarbeitet, nämlich gezählte 10 Rollen, die da wären: der Comte Ory, Giacomo V (La donna del lago), Uberto, Giannetto (La gazza ladra), Lindoro (L’italiana in Algeri), Rodrigo (Otello), Idreno (Semiramide), Argirio (Tancredi), Don Narciso (Il turco in Italia), der Cavaliere Belfiore (Il viaggio a Reims) und der strahlende Märchenprinz Don Ramiro (La Cenererentola). Vorgetragen im „Stile Rossiniano“, mit fein nuancierter, sicherer Höhe und als strahlender „tenore di grazia“, ist das gewiss eine Paraderolle von Alegret, die er mit schauspielerischer Leichtigkeit und leiser Komik bewältigt.

David Alegret  ist der Meinung, Rossini gehöre „leichter gespielt“, als es in der Volksoper Praxis sei.  Naja, es ist eben „Rossini Viennese“ (Anm. d. Redaktion).

Er ist Katalane. Dies zu betonen, ist ihm wichtig. Hineingeboren in eine gutbürgerliche Barceloneser Familie  (Vater Arzt, Mutter Musiklehrerin) im Zeichen des Löwen und im Jahr der Ratte (chinesisches Horoskop) 1972 – dies für astrologisch interessierte „Merker“-Leserinnen und -Leser.

Er absolvierte eine Gesangsausbildung am Conservatori Superior de Música unter Xavier Torra, studierte zur gleichen Zeit Medizin, und entschloss sich im Alter von 27 Jahren – nach fünfjährigem Medizinstudium -, sich ausschließlich gesanglich weiterzubilden. Er bekam nämlich die Chance, bei Kurt Widmer in Basel an der Musik-Akademie zu studieren. Nach dem Motto: „Jetzt oder nie!“ ging er also in die Schweiz und schloss seine Ausbildung mit einem Solistendiplom in der Konzertklasse Kurt Widmer im Jahr 2002 ab.  Um seiner Gesangstechnik einen weiteren Feinschliff zu geben, studierte er dann noch bei Ana Luisa Hova, Kathleen Cassello und Raúl Giménez .
Auch konnte er ein Stipendium an der Wiener Staatsoper erlangen.  Und das kam so:  Im von der Sparkassa La Caixa, dem Gran Teatre del Liceu  und Plácido Domingo organisierten Wettbewerb „Operalia“ in Barcelona kam David Alegret in die Endauswahl, und in der Folge als Karajan-Stipendiat nach Wien. Daher kann er auch Deutsch.

Das Gran Teatre del Liceu in Barcelona ist eine wichtige Station in seinem Sängerleben.
2006 sang er den Jaquino in „Fidelio“ im Liceu und im April 2011 wird er in diesem Haus den Beppe in „Pagliacci“ geben.

Alegret wird – da er nun einer der gefragtesten leichten lyrischen Tenöre der Gegenwart ist – von zwei Agenturen vertreten. Einer spanischen für Spanien und einer in Italien für internationale Engagements. Und so ist er als tenore di grazia europaweit seit Jahren unterwegs, seit er an der Seite von Agnes Baltsa in „ L’italiana in Algeri“ debütierte und die steile Karriere für den großen Katalanen ihren Anfang nahm.

Ein kleiner, unvollständiger Rollenauszug aus den Gastspielen an ersten Opernhäusern: Mozarts Belmonte, Tamino, Belfiore (La finta giardiniera); Donizettis Nemorino, Ernesto, Tonio; Bellinis Tebaldo (I Capuleti ed i Montecchi), Elvino (La sonnambula), Gualtiero ( Il pirata); Brittens: Prologue/Peter Quint (The turn of the screw); Händels Acis (Acis and Galatea), Goffredo (Rinaldo), Jupiter (Semele), und Martin y Solers Endimione (L’arbore di Diana), Principe Giovanni ( Una cosa rara), Giocondo (Il burbero di buon cuore).

Hat der Künstler etwas Zeit,  was nicht so oft vorkommt, so geht er ins Kino – eine seiner liebsten Freizeitbeschäftigungen. Ganz besonders liebt er historische Filme. Könnte sein, dass die auch dem Rollenstudium dienen.

Das Erlebnis, einmal da und einmal dort zu arbeiten, das Reisen, das Neue, sei bald nicht mehr neu und schon gar nicht aufregend, sondern selbstverständliche Routine, meint der liebenswürdige Sänger. Das sei nicht schlecht, nur eben ganz normal. Was ihm nicht gefalle, sei das viele Alleinsein. Macht der Tenor dann Ferien, so ist sein Urlaubsziel sein Zuhause in Barcelona. Dort findet er die Ruhe und Entspannung, die er braucht, im Kreise seiner Familie. David Alegret  liebt es zu kochen, katalanisch versteht sich. Zu erwähnen wäre noch, dass er ein ganz liebenswertes Hobby hat, nämlich Babysitten. Und das ist so nützlich!
2008 war DAvid Alegret anlässlich der Música Antiqua Aranjuez, Barcelona, der „caballero portugues, Don Urbano“, in „La Clementina“, einer Zarzuela in 2 Akten von Luigi Boccherini (1743 – 1805). Wir konnten feststellen, daß die „Zarzuela“ auch ein katalanisches Fischgericht ist; und halten fest: Als lyrischer Tenor ist man in der Lage, eine Zarzuela zu singen, zu  kochen und zu essen.

Seit Beginn seines Gesangstudiums sind auch Symphonien und Oratorien ein fixer Bestandteil seines Oeuvres. Wichtige Partien sind und waren:
Von Bach die Johannespassion, die Matthäuspassion, das Magnificat und die H-Moll-Messe,
von Caldara das Oratorium „Maddalena ai piedi di Cristo“, von Mozart das Requiem,
von Rossini die „Petit Messe Solennelle“ und das „Stabat Mater“, von Puccini die „Missa di Gloria“, von Haydn „Die Schöpfung“ , von Händel „Der Messias“ und von Monteverdi „L’Orfeo“ und „Vespro della Beata Vergine“.
All diese musikalischen Kostbarkeiten sang er in Zusammenarbeit mit prominenten Orchestern und Dirigenten an ersten Häusern.

Danach gefragt, ob er beim Singen Farben sehe, oder ob er  gewissen Charakteren bestimmte Farben zuordne, verneinte er ganz entschieden. Er sei – so sagte Herr Alegret nach einer kurzen Pause – darum bemüht, sich in seine Rollen hineinzudenken und deren Beweggründe zu erfassen. Farben sähe er dabei keine. Seine Lieblingsfarbe sei Rot. Wir einigten uns auf Kirschrot.

Was wünscht sich David Alegret für die Zukunft? Er will sein Repertoire beibehalten, gesanglich verfeinern. So etwa den Tonio in „La fille du régiment“ oder den Don Narciso in „Il turco in Italia“.
Hat Herr Alegret Traumrollen für die nahe und/oder die ferne Zukunft?
Ja, er würde gerne irgendwann Schubert-Lieder singen. Und dann wäre da noch der Othello als Traumrolle…

Das Gespräch geht dem Ende zu. Die Frage nach Alegrets Vorbildern muss noch gestellt werden. Die Antwort kommt prompt: Alfredo Kraus, weil der bis ins hohe Alter seine stimmlichen Qualitäten erhalten konnte, und  Fritz Wunderlich, weil seine Stimme unvergleichlich schön war.

Im April geht es nach Barcelona, dann nach Garsington, Montpellier, und – was uns sehr freut – an die Wiener Staatsoper mit Rossinis „Barbiere di Siviglia“.

Der hochgewachsene, dunkelgelockte Katalane hatte es nun eilig, er musste zur Probe in die Volksoper. Und eilte mit großen Schritten davon.

Charlotte Pohl

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