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BALLETT- DVDs

 

  GREAT DANCERS of Our Time  

EuroArts 2053478 DVD

Diese Zusammenstellung dreier Tänzerportraits stammt bereits aus dem Jahre 2003 und wird nun als Wiederauflage angeboten. Aktuell können diese Portraits also nicht mehr sein. - Für Lucia Lacarra (STB München) hat es in den letzten Jahren große Entwicklungen und Veränderungen gegeben, Vladimir Malakhovs (STB Berlin) Tänzerkarriere befindet sich im letzten Stadium, und von der eher im Modernen beheimateten Kiyoko Kimura (Leipzig/Uwe Scholz) findet man im Booklet schon gar kein Foto mehr (und im Internet auch nichts Brauchbares), eigentlich sträflich, wenn sie schon auf dieser DVD vertreten ist. – Was bleibt: Man kann sich an einigen schönen Ballettszenen ergötzen aus einer Phase der jeweiligen Karriere.

DZ

 

   GISELLE  – BolschoiBallett  2011

BelAir BAC 074 – als DVD und BlurayDisc

Yuri Grigorovichs Giselle-Arrangement basiert auf den Choreografien von Coralli, Perrot und Petipa und wurde in gänzlich traditioneller Weise in der märchenhaft hübschen Ausstattung von Simon Virsaladze in Szene gesetzt. Das ist dank der durchwegs guten Tänzer ein optisches Vergnügen. Ein Supertyp ist Vitaly Biktmirov für den eifersüchtig liebenden Hilarion, einer jener großen, kraftvollen Tänzertypen des Bolschoi. Maria Allash gibt mit edler Allüre die gestrenge Wilis-Königin Myrtha.

Zwei der vielen namhaften Principals des Bolschoi, Svetlana Lunkina  und Dmitry Gudanov, tanzen die Hauptrollen Giselle und Albrecht. Die schwebeleichte Lunkina ist schon ein besonderer optischer Genuss. Betrachtet man ihren Lebenslauf, so ist die Giselle ohnehin so etwas wie ihre Leib- und Magenrolle, schon seit dem Beginn ihrer Laufbahn. Mit dem attraktiven Gudanov mit seinen seidenweichen Sprüngen hat sie einen adäquaten Partner zur Seite.

Die technische Qualität der DVD ist in den dunklen Szenen des 2. Aktes nicht besonders, mag sein, dass das auf der Bluray besser herauskommt, die mir hierbei nicht vorlag. –

Eine Schule des klassischen Balletts, zum genießen einerseits, als Lehrmaterial für Nachwuchstänzer andererseits.

DZ

  

  

RAYMONDA – Scala Milano 2011

Arthaus 101 630 DVD und BlurayDisc (RAI)

Mit den Gästen Olesia Novikova vom Mariinski-Ballett und Friedemann Vogel aus der Stuttgarter Compagnie wurde diese Rekonstruktion der Originalchoreografie von Marius Petipa durch Sergej Vikharev 2011 aufgezeichnet. 2002 hatte Vikharev diese Wiederauferstehung von Marius Petipas 1900er Version bereits für das Mariinsky Theater St. Petersburg erstellt. Das Ganze in der historischen Ausstattung, die ebenfalls für diese Produktion rekonstruiert wurde. Das ist sehr opulent und farbenreich, manches Mal mag es einen auch etwas komisch anmuten, u. a. die männlichen Kopfbedeckungen, wobei der gute Ritter Jean/Friedemann Vogel von der seinigen fast erdrückt wird, wie eigentlich von seinem kompletten ersten Kostüm. Aber es ist doch sehr interessant, wie man sowas 1900 in Szene setzte. Allerdings wollen die vielen Ensembletänze schier kein Ende nehmen. *) Es drehte sich halt alles um die Primaballerina, „die Kirsche auf der Sahnetorte“, wie es John Neumeier einmal formulierte.

Und diese „Kirsche“ ist hier die niedliche Olesia Novikova, die die anspruchsvolle Rolle der Raymonda mit viel Charme und natürlicher Grazie meistert, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Mann hatte damals kaum interessante Soloaufgaben, er war hauptsächlich zum Heben der Damen da, und dazu, diese möglichst dekorativ zu präsentieren. So gesehen schwebt Friedemann Vogel eigentlich zunächst nur als Deko und Damenheber durch die Szenerie. Erst beim großen finalen Auftanzen mit Pas de deux gibt es eine Solovariation, welche Vogel bildschön auf die Bühne zirkelt. Abderahman, der bedrohliche Sarazenenfürst ist eine gehobene Schreitrolle, in der er ab und zu auch einmal eine Dame heben darf, hier mit Mick Zeni optisch attraktiv besetzt.

Man kann sich das mal zu Gemüte führen, vor allem wegen der köstlichen „Kirsche“ Novikova lohnt es sich. - Ein bisschen Ballettgeschichte in üppigen Bildern!

Michail Jurowski dirigiert Alexander Glazunovs wunderbare Ballettmusik mit dem Scala-Orchester.

*) Als dramaturgisch und tanztechnisch (v. a. d. Herren) aufgewertete Version mit edler Ausstattung empfiehlt sich Ray Barras Münchner Produktion, wenn sie hoffentlich bald wieder auf dem Spielplan steht.

DZ

 

 

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GOD’S FIDDLER – JASCHA HEIFETZ

 

 GOD’S FIDDLER – JASCHA HEIFETZ

Film von Peter Rosen – DVD EuroArts 2058538

Jascha Heifetz, ein jüdischer Junge, geboren 1901 im litauischen Vilnius, reagierte schon als Baby auf die Töne der Violine und entwickelte sich schnell zum „Wunderkind“. Dabei blieb er aber so normal, dass man ihn vor einem bedeutenden Konzert in St. Petersburg vom Fußballspiel mit Straßenkindern, knapp vorher und völlig verdreckt, hereinholen musste. Frisch geschrubbt und außer Atem eilte der Bub aufs Podium und spielte auf seiner damaligen ¾-Geige Mendelssohns anspruchsvolles Violinkonzert.

Zu Wort kommen in dieser hochinteressanten Dokumentation berühmte Kollegen der Zunft (u. a. Itzhak Perlman), sowie diverse Biografen und Zeitgenossen, darunter Schüler und enge MitarbeiterInnen. Eine ehemalige Sekretärin des Meisters begleitete ihn bis zu seinem Tod 1987 in Los Angeles und weiß in eindrucksvoller Weise viel über den komplizierten Menschen Heifetz zu erzählen.

Am besten sind die musikalischen Bonbons, die aber leider meistens zerredet und nie in kompletter Form präsentiert werden. Dazu sollte man sich nach dem Anschauen dieses Portraits mit zusätzlichen CDs versorgen. Auch die (nachgesprochenen) persönlichen Aussagen sind von größtem Interesse, sowie zahlreiche private Filmaufnahmen des Künstlers.

Perlman: „Für mich war Heifetz der erste moderne Geiger. Mit ihm rückte die Technik stärker in den Vordergrund. Er war eigentlich der erste moderne Virtuose.“

Weitere Zitate: „Heifetz wurde zu einer Art Super-Pavarotti, jeder kannte ihn, er trat sogar in Fernsehshows auf. -  Er war wie eine Wundermaschine. Mit seiner Geige konnte er einfach alles machen. – Wie konnte es sein, dass ein Mensch, der so emotionsreich spielen konnte, das nach außen hin so wenig zeigen konnte. – Er war durchaus ein emotionaler und humorvoller Mensch, nur zeigte er das auf dem Podium nie, man hatte ihm das so beigebracht in der russischen Schule.“

Neben seinen zahlreichen virtuosen Transkriptionen komponierte Heifetz auch einige Broadwaysongs, allerdings unter seinem Reise-Pseudonym Jim Hoyle (JH), u. a. gesungen von Bing Crosby. Auch als engagierter Umwelt- und Technikpionier zeigte er sich. Wegen des Smogs in LA ließ er seinen damaligen Volvo zum Elektroauto umfunktionieren, wobei er sich an der Entwicklung eifrig selbst beteiligte. Um dieses Auto möglichst vielen Menschen  vorzustellen, wurde es anschließend im Fernsehen und auf Demo-Veranstaltungen präsentiert.

Nachdem Heifetz die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben hatte (1925) wurde er ein glühender Patriot, wie Zeitzeugen berichten. Täglich hisste er die amerikanische Flagge vor seinem Haus in Kalifornien, wohin er von New York aus übersiedelt war. Im Krieg widmete er sich mit selbstlosem Einsatz der Truppenbetreuung. Als er aufgrund widriger Umstände einmal nur einen einzigen Zuhörer hatte, meinte er danach, dies sei eines seiner besten Konzerte gewesen.

Mit Familiengründung hatte er es mehrfach versucht, hatte auch mehrere Kinder aus zwei Ehen, war aber wohl zu sehr Eigenbrötler um mit Frau und Kindern glücklich zu werden.

Heifetz in späteren Jahren zu einem guten Freund: „Ganz oben ist es sehr einsam…“

Er starb friedlich entschlafend 1987. Auf seinen Wunsch wurde seine Asche vor seinem Haus in Malibu im Ozean verstreut.

Eine fesselnde Dokumentation über eine große Künstler-Persönlichkeit!

DZ

Unmengen von CDs mit dem grandiosen Geiger finden sich u. a. hier >> http://www.amazon.de

 

 

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DVD-Reihe von ARTHAUS zum 100. Jubiläum der DEUTSCHEN OPER BERLIN

 

ARTHAUS zum 100. Jubiläum der DEUTSCHEN OPER BERLIN

1912 wurde das DEUTSCHE OPERNHAUS gegründet

1961 wurde der Neubau der DEUTSCHEN OPER BERLIN (DOB) nach dem Krieg eröffnet, vor allem als Pendant zur Staatsoper Berlin, die damals hinter dem Eisernen Vorhang nur noch schwer zugänglich war, nach dem Mauerbau 61 aus dem Westen eigentlich gar nicht mehr.

1962 feierte dieses neuerstandene Opernhaus sein 50-jähriges Jubiläum, u. a. mit Gustav Rudolf Sellners FIDELIO-Produktion. Diese denkwürdige Aufführungsserie wurde im Rahmen der Arthaus-DOB-Reihe glücklicherweise als Fernseh-Aufnahme von 1963 der Nachwelt erhalten. Ebenso einige andere wertvolle Dokumente aus den 60-ern. >>

 

    (Christa Ludwig/Fidelio © priv.)

FIDELIO – DOB 1963 – Arthaus 101 597

Ludwig van Beethovens Fidelio mit einer Jahrhundert-Leonore: CHRISTA LUDWIG!!!

Ganz ehrlich, ich habe geheult an den Schlüsselstellen. Was für ein herrliches, Gänsehaut auslösendes Weib! Was für eine herrliche, unverwechselbar timbrierte Stimme! Welche Emotionen in Stimme und Mimik! Der Berliner Tagesspiegel schrieb u. a. in seiner Premierenkritik von 1962: „Auf der Bühne, alles in den Schatten stellend, die Leonore von Christa Ludwig. Da ist wirklich einmal die Einheit von Figur und Interpretin, die gerade in dieser Rolle so selten erreicht wird. …“ – Aber auch die übrigen Rollen waren der damaligen Zeit entsprechend erlesen besetzt:

James King als einer der besten Florestane seiner Zeit mit seinem Metalltenor; Walter Berry als Pizarro, mit enormer stimmlicher Power aber ohne zu „brüllen“, wozu diese Partie nur allzu gerne verleitet; William Dooley ist ein edelstimmiger Minister, Josef Greindl der bewährte, wie immer leicht nasal tönende Rocco; Lisa Otto und Martin Vantin geben das ausgezeichnete lyrische Paar, besonders Otto beweist hier, dass sie durchaus mehr als nur eine Soubrette war. Luxusbesetzungen auch für die mit renommierten Solisten besetzten Gefangenen – Barry McDaniel und Manfred Röhrl.

Man hatte ursprünglich bei der Premiere die Leonoren-Ouvertüre 3 an den Anfang gestellt (wie z. B. auch bei der aktuellen Münchner Produktion), was man später aber wegen der Länge wieder änderte und die normale Fidelio-Ouvertüre verwendete. Die Leonore 3 wurde auch nicht vor dem letzten Bild gespielt, wie oftmals Usus. Vielleicht war das auch gut so, denn mit der orchestralen Leistung unter dem Dirigat von Artur Rother kann man hier eigentlich nicht zufrieden sein. Man sollte meinen, Rother sei ein versierter Kapellmeister gewesen, und dass früher allgemein langsamer zu Werke gegangen wurde als in unserer hektischen Gegenwart, weiß man ja. Aber Rother schleppt förmlich, es fehlt der große Bogen, vieles klingt regelrecht zerhackt, wie etwa das große Quartett, das für die Sänger kaum zum „Derschnaufen“ ist. Zudem klingen aus dem Orchester immer wieder mal Misstöne. Das will insgesamt zum hohen sängerischen Niveau gar nicht so recht passen, und erstaunt ….

Die Ausstattung, von der man wegen der Nahaufnehmen wenig sieht, stammte von Wilhelm Reinking. Gustav Rudolf Sellners Personenführung ist hier extrem statisch. Das dürfte aber hauptsächlich dem fernsehgerechten Arrangement zu schulden sein. Sellner stellt schöne Bilder, bei normalen Aufführungen dürfte schon mehr Action stattgefunden haben. So gewinnt das faszinierende Gesicht der Christa Ludwig, das einen unweigerlich in Bann zieht, noch mehr an Bedeutung.

Offensichtlich wurde hier playback gesungen, auf eine vorher mitgeschnittene Aufführung. Applaus wird meistens weggeschnitten, oder mal kurz eingeblendet. Die schwarz-weiße Bildqualität ist sehr klar. Sehr gut auch die Mono-Tonqualität; die lässt sich auf der Anlage über 7-Kanal-Stereo zusätzlich wunderbar aufmotzen. (DZ)

                                                                                                                             

 

   (Erika Köth/Barry McDaniel © Dt. Th’mus. Mü./H. Köster)                                                            

DIE HEIMLICHE EHE – DOB 1967 – Arthaus 101 625

Als mozärtliches Späßchen könnte man diese Spieloper des Mozart-Zeitgenossen Domenico Cimarosa bezeichnen. Das Werk war zu seiner Zeit ziemlich populär und wird auch heute noch hie und da gespielt. „Il Matrimonio Segreto“ wurde 1792 in Wien uraufgeführt, und erinnert stilistisch an Mozarts frühe Singspiele, bis in die Nähe der „Entführung“. Gustav Rudolf Sellner hat ein putziges Kammerspiel auf die Bühne gezaubert, in der Ausstattung von Filippo Sanjust. Lorin Maazel, damals musikalischer Chef des Hauses, lässt frisch aufspielen. Etwas komisch die auf Deutsch gar nicht so perlenden Rezitative, wie man sie von der italienischen Fassung gewöhnt ist. Die Besetzung ist auch hier erlesen: Die absolut niedliche Erika Köth mit ihrem unverwechselbaren Glöckchensopran als heimlich mit dem Sekretär ihres Vaters verheiratete Carolina; daneben die große, leicht zickige Schwester Elisetta/Lisa Otto und die hier noch jugendliche Tante Fidalma von Patricia Johnson (die an der DOB auch das große Mezzofach sang – siehe Don Carlos/Eboli). Josef Greindl poltert sich mit seinem großen Bass etwas holprig durch die Vaterfigur des Don Geronimo; sein heimlich verehelichter Sekretär Paolino ist mit dem kernigen lyrischen Tenor des Donald Grobe bestens besetzt, ebenso wie der smarte Graf Robinsone mit Barry McDaniel und seinem geschmeidigen Kavaliers-Bariton par excellence. (DZ)

Was am Rande auffällt: Behauptete man doch oft, frühere Opernsänger seien meist dick gewesen, so kann man hier – bei beiden Werken – nur schlanke und ranke Erscheinungen auf der Bühne sehen, außer Josef Greindls etwas fülligerer Figur.

Weitere Aufnahmen dieser Serie:

     

DZ

 

 

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DVD ELEKTRA (Zürich 2005)

DVD
Richard Strauss:  ELEKTRA
Opernhaus Zürich, 2005   ARTHAUS

Das „Elektra“-Angebot auf DVD ist nicht nur groß, sondern auch künstlerisch gewichtig – die alte Met-Aufführung mit Birgit Nilsson, die Produktion, in der Leonie Rysanek unter der Leitung von Karl Böhm die Rolle riskierte, die alte Wiener Harry-Kupfer-Inszenierung unter Claudio Abbado mit Eva Marton. 2010 kamen – wie in bewusster Konkurrenz – zwei Aufführungen dazu, jene, die Christian Thielemann mit Linda Watson in Baden Baden dirigierte und jene der Salzburger Festspiele unter Daniele Gatti mit Iréne Theorin

Da wird wohl jeder etwas finden – aber kein „Elektra“-Fan wird sich entgehen lassen, was ARTHAUS nun neu herausgebracht hat, nämlich Martin Kusejs Züricher Inszenierung von 2003, die 2005 aufgezeichnet wurde (in teilweise veränderter Besetzung zur Premiere).

Das Erstaunen war – vor nun auch schon fast einem Jahrzehnt – allgemein, dass Kusej sein Züricher „Elektra“-Konzept durchaus „gemäßigt“ angelegt hat. Allerdings ist bei ihm der Palast nicht, wie so oft, Gefängnis oder Müllgrube, sondern etwas ganz anderes: Rolf Glittenberg hat einen langen Gang geschaffen, der in der Bühnenmitte zentral nach hinten führt, links und rechts öffnen sich zahlreiche Tore. Und da gibt es nun nicht die original vorgesehenen „Mägde“, sondern nur – Sex-Personal, halb nackt bis oben ohne. So, wie sie aus den Türen hüpfen und sich durcheinander mengen, ist das ein ziemlich wildes Bordell: Aegisth, der normalerweise erst am Ende auftritt, kommt schon anfangs und schleppt eine Nackte ab…

Und da ist Elektra natürlich der komplette Gegenpol: Die Frau unter der Kapuze (die ziehen sich jene über den Kopf, die nicht erkannt werden wollen), in der Trainingshose -  die ist anders als alle anderen: So schauen die bösen Mädchen aus, die von einer Demo heimkommen und dort alles missbilligen. Elektra macht nicht mit im wilden Sex-Reigen, sie bohrt sich in ihren Protest, wird von Wut gebeutelt: Dass die Atriden-Tochter nur von ihrem Hass am Leben gehalten wird, liegt in der Natur der Rolle, wird aber selten so schonungslos dargestellt wie durch Eva Johansson  - sie schreit sich ihren Kummer aus dem Herzen und der Kehle. Die Sängerin, die man in Wien als jugendliche Brünnhilde im aktuellen „Ring“ kennt, hat hier eine Rolle, in der sie ihre darstellerischen Fähigkeiten voll ausspielen kann. Ihre Falschheit, wenn sie am Ende Aegisth lockt – ihre zufriedene Unbewegtheit, wie sie der Ermordung zusieht, ja, Elektra zieht sogar die Pistole, quasi als backup, um sicher zu gehen, dass hier jetzt Blut fließt. Was sonst ihr finaler Triumphtanz ist, ist hier nur Zusammenbrechen am Ende der Kraft. Mit den letzten Tönen der Partitur starr wieder ein böses Gesicht unter Kapuze in Richtung Publikum: Diese Aufzeichnungen liebt es, den Sängern ganz nahe zu rücken… Dass Eva Johansson  angesichts der geforderten stimmlichen Exzesse immer über ihre Verhältnisse singt, das ist hier bei Strauss ebenso unüberhörbar wie bei Wagner, aber da kompensiert die Richtigkeit der Figur die Anstrengung, die in der Stimme immer wieder hörbar wird.

Angesichts dieser Elektra ist die schöne Schwester im weißen Abendkleid ein starker Kontrast, wie man ihn selten gesehen hat. Melanie Diener verträgt es, dass die Kamera ihr ganz nahe kommt: Chrysothemis als schöne Frau, die für Leben plädiert und ihr Leben will. Sie bekommt es auch – ganz am Ende steht sie wie eine Braut im weißen Schleier im Hintergrund der Bühne… in Siegerposen. Auch sie ist von Kusej ungemein klug geführt, singt auch schöner als die Schwester, ist stimmlich nur bei den starken Ausbrüchen leise überfordert.

Jede Klytämnestra wird in ihrer Szene alle Aufmerksamkeit an sich reißen, und auch Marjana Lipovsek – mit Blondfrisur der zwanziger Jahre – gelingt es: Eine keifende, larmoyant anklagende Königin, die sich selbst so leid tut und von ihrer Tochter mit geradezu erschütternd kühlem Haß betrachtet wird. Die Bösartigkeit, die zwischen den Frauen fließt, endet fast in Handgreiflichkeit: Wie zwei böse Hexen gehen sie auf einander los.

Orest freilich ist nicht ganz glaubhaft, weil Alfred Muff einfach zu alt wirkt – das ist nicht der Bruder, das ist der Opa und folglich nicht unbedingt der überzeugende „Erlöser“. Der Aegisth des massigen, typenmäßig exzellenten Rudolf Schasching (er greift der Stieftochter gleich an den Busen und lässt sich von einem Sexangebot, das sie ihm verlogen macht, immer locken) bekommt in dieser Oper ja wenig mehr als seinen Tod, aber das macht er exzellent.

Christoph von Dohnányi am Orchesterpult der Züricher Oper lässt Strauss Strauss sein, das heißt, dass er die Exzesse der Partitur ausschöpft, das Psychodrama, das die Protagonisten erhitzen, adäquat begleitet. Da passt alles zusammen.

Renate Wagner

 

 

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DVD: TANCREDI (Florenz 2005)

DVD
Gioachino Rossini:  TANCREDI
Produktion Pesaro 1999 / live aufgezeichnet 2005 in Florenz
ARTHAUS

Der heitere Rossini ist auf unseren Bühnen (und im DVD-Angebot) so präsent, wie man es sich nur wünschen kann. Von dem „ernsten“ Rossini kann man das absolut nicht behaupten. Darum interessiert die Aufzeichnung eines Frühwerks wie „Tancredi“, zumal in einer allseits so gepriesenen Aufführung, wie sie Pier Luigi Pizzi 1999 für das Rossini-Festival in Pesaro schuf. Die Produktion ist seither viel gereist, noch heuer hat man sie in der Deutschen Oper Berlin gezeigt. 2005 hat RAI sie beim Maggio Musicale Fiorentino aufgezeichnet, die DVD ist nun im Handel.

„Tancredi“ also, geschaffen von dem 21jährigen nach einer tragischen Vorlage von Voltaire, im magischen Jahr 1813, als Verdi und Wagner geboren wurden, uraufgeführt, damals in Venedig mit einem „lieto fine“, wie es das Teatro La Fenice verlangte. Die zweite Aufführung in Ferrara ließ das Werk so tragisch enden, wie es zur Geschichte passt, und die Entscheidung, welches Ende man wählt, ist keine ernsthafte: Auch die Pesaro/Florenz-Aufführung  bietet die tragische, die einfach richtig anmutet.

Die geniale Leichtigkeit, mit der die „Tancredi“-Ouvertüre daherkommt, stimmt nicht unbedingt darauf ein, dass man es danach mit einer „Seria“ zu tun bekommt, aber es ist so: Da gibt es tragische Arien, die länger überlebt haben als das Werk, das trotz seiner prachtvollen Titelrolle (die Simionato, die Horne, die Kasarova haben sie gesungen) selten auf den Bühnen zu finden ist.

Ritter strömen auf die Bühne, Kettenpanzer zu weißen Umhängen, aber man muss jetzt keine Angst haben, dass man das originale Sizilien des 11. Jahrhunderts aufgedrückt bekommt. Pier Luigi Pizzi erlegt sich, auch als sein eigener Ausstatter, eine elegante, bühnenbildmäßig an der Antike, in den Kostümen an Zeitlosigkeit orientierte Ästhetik zu, die es ermöglicht, die Geschichte quasi „normal“ zu erzählen. Dabei wird die Optik durch eine Art Farbdramaturgie der Kostüme auch für inhaltliche Aussagen benützt (schlicht, aber eindringlich: weiß ist Unschuld).

Pizzi inszeniert nicht über die Vorgabe hinaus, er stellt das Geschehen hin, achtet auf glaubhafte Reaktionen der Figuren und kommt damit dem Werk entgegen. Es ist kein Schaden, wenn sich zum finalen Ensemble des 1. Akts einfach alle aufstellen und singen, auch wenn es Regisseure gibt, die dergleichen mit Ideen versetzen würden. (Man mag noch – ehrlicherweise – erwähnen, dass man es als Publikum am Fernsehschirm natürlich leicht hat, weil es ein Vorzug der DVD ist, dass man sich deutsche Untertitel wählen kann und folglich immer genau informiert ist, worum es gerade geht.)

Was die üblicherweise leicht krause Handlung betrifft, so wird Amenaide, die weibliche Zentralfigur, Tochter des Herrschers von Syrakus, von mehreren Männern (alle natürlich Fürsten) umworben, einer davon ist ihr Geliebter Tancredi. Die ganze tragische Handlung rankt sich um einen Brief, den die Heldin nicht namentlich adressiert hat, so dass Missverständnissen Tür und Tor geöffnet sind: Wie viel da in der Oper letal ausgehen muss, weil einfach niemand nachfragt, wie es nun wirklich war…

Tancredi ist hier eine Art Lohengrin, nur nicht gottgesandt und sehr unglücklich, weil er für einer Dame Unschuld kämpft, an die er selbst nicht glaubt. Mit dieser Rolle trat Daniela Barcellona 1999, als sie eben einen Pavarotti-Wettbewerb gewonnen hatte, in Pesaro geradezu triumphal in die Opernwelt ein und hat seither ihre Karriere gemacht. Optisch erinnert sie stark an die Bartoli, aber die Fülligkeit nimmt ihr nichts von der Überzeugungskraft, da sie mit einem wirklich schönen Mezzo agiert – und das vor allem in Richtung Empfindsamkeit, nicht Virtuosität, wie es in der Partie vorgesehen ist. Sie ist das hauptsächliche „Opfer“ – oder auch nicht – von der Tendenz des Dirigenten Riccardo Frizza, die tragischen Stellen extrem langsam zu nehmen, manchmal fast unerträglich zu dehnen. Aber die Stimme der Barcellona hat den dafür nötigen langen Atem. Ihr final-letales Verhauchen ist wunderbar…

Sehr gut passt die zart dunkel timbrierte Stimme der Bulgarin Darina Takova zu ihr, die überzeugende Unschuld in Weiß, die dann, wenn’s dann problematisch wird, auch einmal ein dunkelblaues Kleid trägt (und einmal sogar in einer Art Käfig landet, ohne dass man es dem Regisseur übel nimmt).

Mag sich das Interesse auch auf die beiden Damen konzentrieren (die Gefährtin Isaura – Barbara di Castri – ist wirklich nur eine Nebenrolle), so bekommen auch die Männer einiges zu singen und zu spielen. Von der Tradition her ungewöhnlich, dass die Vaterfigur mit einem Tenor und nicht mit einem Bass besetzt ist: Raul Gimenez bietet den in Grenzen kraftvollen Papa, Marco Spotti setzt als Orbazzano seinen Baß entgegen, und als Tancredis Freund Roggiero darf der Countertenor Nicola Marchesini einmal die allgemeine Aufmerksamkeit positiv auf sich ziehen.

Von der Neigung des Dirigenten Riccardo Frizza, die Tragik auszuwalzen, war schon die Rede, aber er gibt der Musik auch ihre Leichtigkeit, wo sie vorgesehen ist, und er bindet diese Seria so zusammen, dass die musikalische Seite jene Spannung mittragt, die die Szene fast immer erreicht.

Renate Wagner  

 

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DVD AIDA (Florenz 2011 live)

DVD
Giuseppe Verdi: AIDA
Maggio Musicale Fiorentino, 2011,
Live Mitschnitt   ARTHAUS

Es gibt Aufführungen, bei denen man sich fragt, warum sie auf DVD erscheinen, denn sie dokumentieren nichts weiter als Durchschnitt. Die Erklärung ist dann vermutlich einfach – wenn man schon die Kosten einer Fernsehübertragung investiert hat (in Italien ist das so gut wie immer RAI), kann man auch ein paar hundert Scheiben pressen und hoffen, dass die Fans einzelner Sänger und des Dirigenten ja doch zugreifen.

Man muss auch ehrlich sagen, dass die Chinesin Hui He schon seit langem eine sehr gute Interpretin der Aida ist – ihr Exotismus, wenngleich an sich asiatisch, passt sehr schön zur äthiopischen Sklavin, sie ist auch schlanker und damit um einiges attraktiver geworden, sie hat die Dramatik und die Piani und vor allem die Seele für Aidas Leiden. Auch hat sie die Rolle auch so oft gesungen, dass sie spürbar weiß was sie tut. Gegen ihre Innigkeit schneidet Luciana D’Intino als Amneris stimmlich und darstellerisch mit der harten Dramatik der kampfgewohnten italienischen Mezzodiva ins Geschehen.

Marco Berti hat jüngst an der Wiener Staatsoper live einen höchst nachdrücklichen Eindruck hinterlassen, als eine italienische Stimme der nicht alltäglichen Art. Der Radames zählt allerdings schon zu den sehr anspruchsvollen Partien, und am Tag der Aufzeichnung schien Berti nicht in Hochform. Abgesehen davon, dass Verdi die erste Arie rücksichtslos früh ansetzt und die Ausstattung ihn dafür in flapsiger Freizeitkleidung auf die Bühne schickt, was nicht sonderlich gut wirkt, klang er nicht wie jemand, der souverän alle Schwierigkeiten der Rolle umschifft. Er muss sich übrigens weiter lächerlich ausstaffieren lassen – der Pharao setzt ihm im Triumphakt eine europäische Königskrone auf…? Und auch im Lauf des Abends erreicht Berti gesanglich (mit dem gewissen Hochschleifen und Hochpressen der Töne) keine Bestform.

Ambrogio Maestri klingt als Amonasro recht rau und weitgehend forciert (die Rolle verlangt auch viel!), ist aber eine sehr würdige Erscheinung für den „barbarischen“ König (trotz eher alberner Haartracht).

Roberto Tagliavini als König und Giacomo Prestia als Ramfis ergänzten in der gewohnten Unauffälligkeit dieser Rollen, wenn nicht gerade besondere Persönlichkeiten auf der Bühne stehen oder die Regie sie hervorhebt.

Apropos Regie: Ferzan Ozpetek hat da nicht sehr viel geleistet, sein Ausstatter Dante Ferretti hingegen auch nichts, das aber schlecht. Was bitte, machen die Köpfe des Antiochus vom Nemrud Dag (das ist in der östlichsten Türkei!) hier? Sie nehmen neben ein paar pharaonischen Accessoirs eine wichtige Stellung im unwichtigen Bühnenbild ein! Da fragt man sich wirklich, was in den Köpfen von Ausstattern vorgeht, wie ungebildet sie sind oder für wie blöd sie ein Publikum halten? Überhaupt wirkt die ganze Ausstattung ein wenig wie eine Sparfassung. Der Eindruck drängt sich übrigens immer wieder auf  – darf man sagen, dass das Gehopse des Triumphmarsches schlechtweg lächerlich wirkt…

Bleiben wir beim Positiven, das natürlich auch zu finden ist: Die lebenslange Routine eines Zubin Mehta ist  Garantie, dass eine solche Aida musikalisch auf hohem Niveau läuft, keine Frage. Zumindest diesbezüglich hat sich der Maggio Musicale Fiorentino, der doch mehr sein will als ein Provinzfestival, nicht blamiert. Am Ende der DVD, bei der Verbeugungszeremonie, hat man Mehta ein Geburtstagsständchen gebracht. Er war ja wohl auch der unumstrittenste Held des Abends.

Renate Wagner

 

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Tony Palmer and his W A G N E R !

  Tony Palmers PARSIFAL-Film, gedreht in Ravello und Siena, Bayreuth, England und am Mariinski, mit Placido Domingo/Parsifal, Violeta Urmana/Kundry (noch in ihrer Mezzo-Zeit), Matti Salminen/Gurnemanz, Anna Netrebko als 1. Blumenmädchen u. a. russischen Sängern. Musikalisch der Haupttreffer sicherlich Valery Gergiev mit seinem Mariinski-Orchester und –Chor. Dieser musikalische Farbenmaler ist prädestiniert für die ätherische Symbolik Wagners. – TP-DVD167

 

  Tony Palmers 7 ¾ Std. dauernder, dokumentarischer WAGNER –Spielfilm,

mit Richard Burton als Richard Wagner, Vanessa Redgrave/Cosima, mit Sir John Gielgud, Sir Ralph Richardson, Sir Laurence Olivier, Marthe Keller/M.v.Wesendonck, Franco Nero, Daphne Wagner/Prinzessin Metternich, die Sänger Gwyneth Jones/Malvina v. Carolsfeld, Peter Hofmann/Schnorr v. Carolsfeld, Heinz Zednik, Yvonne Kenny, Manfred Jung und Jess Thomas. Die Musikeinlagen werden von Sir Georg Solti dirigiert. – Schön, dass man bei der Länge beim Zuhause-Ansehen zwischendurch Brotzeit machen kann – interessant ist es allemal. In beiden Fällen sind die Booklets sehr sparsam gehalten. – TP-DVD157

DZ

 

 

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Thielemann beschwingt – Barbiere goldig

 

  CHRISTIAN THIELEMANN – LEHÁR-GALA –

Dresden Sylvester 2011 – DG/Unitel Classica 00440 073 4769

Das war ein feines Konzert, bei dem alle Beteiligten mit Lust und Laune am Werk waren. So gehört es sich ja auch bei einem Silvesterkonzert! Angela Denoke als Operettendiva und Ana Maria Labin als lieblich-lyrisches Pendant. Es dürfte derzeit kaum einen geeigneteren Tenor für die große Lehar-Operette geben als Piotr Beczała mit seinem wunderschön timbrierten, glanzvollen Tenor; er hat genau den richtigen Schmelz dafür, der hierbei ruhig auch einmal ein bisschen ins “Schmalz“ driften darf. Christian Thielemann wiegte sich genüsslich in Lehars Melodienreigen und dirigierte den Sängern alles regelrecht mundgerecht in selbigen hinein. – Der Hit dieses Konzertes war allerdings dann noch Angela Denoke als in gewagt dekolletiertem, schwarzem Anzug auftretende Diseuse, mit „Warum soll eine Frau denn kein Verhältnis haben“. Sie sang und spielte das mit sichtbarer „Lust an der Freud“, bezog den ihr zu Füßen sitzenden Maestro in ihr laszives Spiel mit ein – einfach ein Mords-Spaß (A. Denoke bestreitet ja oftmals auch komplette Chanson-Abende).

Das Ganze per Video im Rahmen der schönen Semperoper mit- oder nachzuerleben ist immer wieder stimmungshebend.

DZ

 

  

  IL BARBIERE DI SIVIGLIA – Rossini mit jungem Ensemble in Parma – Blu-ray Arthaus 108 042

Eine traditionelle italienische Produktion, hübsch für kleine Bühne eingerichtet (Stefano Vizioli/Francesco Calcagnini). Die absolut niedliche Georgierin Ketevan Kemoklidze erfüllt die Rosina mit einem prächtigen Mezzo (diese Georgierinnen!). Dmitry Korchak gibt mit gar nicht säuselndem Klasse-Tenor einen  rundum überzeugenden Grafen. Luca Salsi ist ein ordentlicher Durchschnittsfigaro, kommt beim Publikum aber bestens an, trotz seiner etwas klotzig schwerfälligen Art. Giovanni Furlanetto ist kein stimm-gewichtiger Basilio, und Bruno Pratico einer jener Buffos, die eher nerven als erheitern.

Andrea Battistoni dirigiert alles wie am Schnürchen. – Wegen des großartigen Liebespaares zu empfehlen.

DZ

 

 

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„LE COMTE ORY“ – Ein Fest für die Sinne!

  „LE COMTE ORY“ – Gioacchino Rossini

Virgin Classics 0709599 3 – Ein Fest für die Sinne!

Um es vorweg zu nennen, diese DVD beinhaltet einen Augen- und Ohrenschmaus! Zwei Koloratur-Stars, welche unweigerlich zu den besten ihres Fachs zählen, geben sich die Ehre: Diana Damrau (Comtess Adele) brilliert in schwindelerregenden Sopranhöhen, eine Traumstimme von erlesenem Timbre,  gewürzt mit perlenden Koloraturkaskaden dazu noch ein Spieltalent von umwerfender Komik. Juan Diego Flórez scheint der Ory auf Leib bzw. Stimme geschneidert, charakterisiert den frömmelnden Mönch, die Betschwester und den feurigen Verehrer so vortrefflich, produziert in halsbrecherischem Tempo tenorale Töne von atemberaubender Schönheit,  qualitativer Leichtigkeit und Flexibilität. Hervorragend artikulieren sich in herrlichen Mezzofarben Joyce DiDonato (Isolier), Monica Yunus (Alice), köstlich erfrischend Susanne Resmark (Ragonde), in baritonalem Wohlklang Stéphane Degout (Raimbaud) in bassbaritonaler Komik Michele Pertusi (Gouverneur),  die Herren der kleinen Nebenrollen sowie der  grandiose Met-Chor,  ohne peinlichen Klamauk wurden dessen Herren ungeschminkt in Nonnentrachten gesteckt. Selbstredend die umwerfend, parodierende Spielfreude aller Beteiligten in der Regie von Bartlett Sher, legitim in  herrliche Kostüme der Designerin Catherine Zuber verpackt, runden die famose Optik ab.The Metropolitan Opera Orchestra unter der temperamentvollen Leitung von Maurizio Benini bietet zudem noch erquickend, spritzigen Champagner-Klang. Ein Fest für die Sinne!

G. Hoffmann

 

 

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DVD DER RING DES NIBELUNGEN (Barcelona 2003 / 2004)

DVD    
DER RING DES NIBELUNGEN  
Aufgezeichnet im Gran Teatre del Liceu, Barcelona  2003 / 2004
11 DVDs, OpusArte

Harry Kupfer hat Wagners „Ring des Nibelungen“ 1988 in Bayreuth inszeniert (die Aufzeichnung erfolgte 1991 und ist auf DVD erhältlich) und später in abgewandelter Form an der Deutschen Staatsoper Berlin. Diese Inszenierung wurde an das Gran Teatre del Liceu in Barcelona übernommen und dort in den Jahren 2003 und 2004 aufgezeichnet. OpusArte bringt die vier Werke nun in einer Kassette heraus, großzügig bestückt: Wo andere „Ring“-Gesamtaufnahmen mit 7 DVDs auskommen, gibt es hier 11, zwei für „Rheingold“, in den folgenden drei Opern hat jeder Akt seine eigene Scheibe. Die Qualität ist glänzend, auch jene der Aufzeichnung, die immer genügend Aufnahmen der Totale bietet, um den Gesamteindruck zu vermitteln, und genug Nahaufnahmen, um darstellerische Leistungen im Detail verfolgen zu können.

Harry Kupfer hat für Berlin / Barcelona seine Bayreuther Arbeit zwar weiter entwickelt, basiert aber in vielen Elementen darauf. Es ist optisch (großartig und die Teile zusammen schweißend: Bühnenbildner Hans Schavernoch und Kostümbildner Reinhard Heinrich) ein „Ring“ in einer technisierten Welt. Wenn etwa im 1. Akt „Siegfried“ ein riesiges Turbinenrad eine Bühne beherrscht, die im übrigen wie eine Fabrikhalle aussieht mit ihren Galerien und Leitern, dann ist klar, wie weit sich der Regisseur von den Vorgaben Wagners (der „Höhle“ Mimes) entfernt, ohne dem Werk Gewalt anzutun. Kupfer mag im „Rheingold“, zumindest im ersten und letzten Bild, noch andeutungsweise Heiterkeit dulden, aber im Grunde erzählt er eine zutiefst düstere Geschichte.

Ganz wichtig ist die Entwicklung, die er den Figuren gibt – und zwar allen. Die Rheintöchter, die im „Rheingold“ noch fröhlich in Unterhemdchen agieren, sind in der „Götterdämmerung“ alt und schäbig geworden. Erda, die im „Rheingold“ als schneeweiße Blütenfee aus der Tiefe kommt, ist in „Siegfried“ dunkel und alt (wie dann in der „Götterdämmerung“ die Nornen). Alberich, der halbnackt hinter den Rheintöchtern her ist, ist dann in seiner „Unterwelt“ (die Wotan und Loge durch eine Röhre erreicht, wie man sie etwa in Flughäfen kennt) in ein goldenes Jackett geschlüpft. Ganz am Ende des „Ring“-Zyklus ist er der verwirrte alte Mann, der sich den Ring, seinen Ring (hier ein Riesending, das wie ein Schlagring über vier Finger geht) triumphierend geholt hat – und erleben muss, dass er ihm zwischen den Fingern zerbröselt…

Besonders deutlich wird die äußere Entwicklung an der Figur von Wotan klar, der zu Beginn des „Rheingolds“ fast naiv mit einem Blumenkranz auftritt, aber schon im Lauf des Vorabends merkt, was er da getan hat. In der „Walküre“ erscheint er mit langem Pferdeschwanz und einer wütenden Energie, die wirklich an einen Hunnenkönig denken lässt. Der Wanderer ist alt und resiginiert. Im übrigen hat Kupfer auch hier jene Idee übernommen, die man in Bayreuth schon so bewundert hat. Tatsache ist ja, dass Wotan in der „Götterdämmerung“  nicht mehr in Person erscheint – und natürlich entscheidend fehlt. Kupfer widmet ihm den  Trauermarsch: Der Gott kommt noch einmal, um sich von seinem Enkel, „der freier als ich, der Gott“, zu verabschieden. Es ist ergreifend, wie er hier auch Brünnhilde begegnet – aber es gibt keine Versöhnung zwischen Vater und Tochter, erstarrt sieht sie den Vater an – Verursacher allen Unglücks, das sie ausbaden und befrieden muss…

Im Grunde wahrt nur die Figur der Brünnhilde durchgehend Kontinuität und Schönheit, und nicht nur an ihr erweist Kupfer seine Fähigkeit, Figuren bis ins Detail psychologisch auszufeilen. Interessant auch seine Musikalität, die immer wieder in die Körpersprache übergeht – ja, wenn Donner sein „He da! He da! He do!“ singt, dann ist es von der Musik her möglich, mehr noch, in Kupfers Inszenierung selbstverständlich, dass die erlösten Götter sich heiter im Kreis drehen – und in Tanzschritten bewegt sich Wotan auch, in einem Arm Fricka, im anderen Freia, in Richtung Walhall…

Der „Ring“ ist, wenn man es flapsig formulieren will, schon von Wagner her ein kruder Genre-Mix, und Kupfer erfüllt ihn gleicherweise mit Sinnlichkeit und Düsternis, was auch durch die reichen Schaueffekte der Bühnengestaltung unterstrichen wird (der Wald in „Siegfried“ ist eine Monsterwelt zum Fürchten, trotz des herumflatternden Vögelchens…). Bertrand de Billy, der das Orquestra Sinfonica del Gran Teatre del Liceu noch im „Rheingold“ durchaus durchsichtig klingen lässt, legt im Lauf des Zyklus jene Dynamik und Dramatik zu, die das Werk verlangt, ohne je in der Bombastik zu landen.

Es gibt mehrere komplette „Ring“-Aufnahmen auf DVD, und ihr Zweck ist nicht zuletzt, große Sängerleistungen aufzubewahren. Neben der hinreißenden Brünnhilde der Gwyneth Jones für Boulez/Cherau (Bayreuth) und der Hildegard Behrens für Levine/Schenk (Metropolitan Opera New York) wird hier die Brünnhilde der Deborah Polaski verewigt, und geringfügige stimmliche Defizite, die aus der Anstrengung dieser Monsterpartie kommen, spielen hier keine Rolle. Das ist ein schönes, kluges, leidendes Wotanskind von höchstem Kaliber.

Wotan selbst trägt in drei Teilen und immer neu erscheinend die Züge von Falk Struckmann (teilweise mit Sonnenbrille statt der Augenklappe), souverän, kraftvoll, nicht immer stimmschön, aber stets überzeugend. In der „Götterdämmerung“ gibt er auch in Hitler-Maske (Bärtchen und Frisur ganz charakteristisch) den vor allem lächerlichen Gunther (und absolviert den eingeschobenen Wotan-Auftritt mit Hut).

Ein doppeltes Meisterstück liefert Graham Clark, erst als Loge, dann noch nachdrücklicher als einer der besten Mime, an die man sich erinnert (und das nicht nur, weil er auch die Turnkunststücke erfüllt, die ihm Kupfer im ersten „Siegfried“-Akt abverlangt). Ein Darsteller von seltener Intensität.

Richard Berkeley-Steele ist ein Siegmund mit halber Kraft voraus, zu einer wesentlich stärkeren Sieglinde der Linda Watson, und John Treleaven ist sicher von Alter und  Stimmkraft her nicht mehr der ideale Siegfried, aber der Einsatz, den er bringt, springt den Zuseher geradezu an. Schließlich setzt noch der Alberich von Günter von Kannen besondere Akzente, Eric Halfvarson gibt Hunding und Fafner, und in der „Götterdämmerung“ last not least ist Matti Salminen ein Hagen, wie man ihn nicht alle Tage sieht: die Macht der Stimme, der Persönlichkeit, der Darstellung fließen zu einem großen Eindruck zusammen.

Es gibt, wie erwähnt, viele „Ringe“ auf DVD. Wagner-Freunde holen sich ohnedies nach und nach alle. Diesen sollte man nicht missen.

Renate Wagner

 

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