Strehlers “FIGARO” von 1980 – WA 2006 an La Scala
„LE NOZZE DI FIGARO“ – eine legendäre Inszenierung lebt fort – Arthaus Musik 101 589
Der italienische Regisseur Giorgio Strehler (1921 – 1997) genoss mit seinen Inszenierungen zu seinen Lebzeiten einen geradezu legendären Ruf – durch sein Wirken an seinem eigenen Hause in Mailand, nicht zuletzt aber durch einige wenige Einstudierungen an der Mailänder Scala. Vor allem sein „Le nozze di Figaro“ aus dem Jahre 1980 ist begeistert aufgenommen worden. Dabei ist aus heutiger Sicht gar nicht einmal so einfach zu erkennen, warum.
Da ist es für den Musik- und Theaterfreund hilfreich, dass der Vertrieb Arthaus Musik jetzt einen Mitschnitt des italienischen Fernsehsenders Rai 3 einer von Marina Bianchi eingerichteten Wiederaufnahme aus dem Jahre 2006 vorlegt. Die Aufnahme beeindruckt nicht zuletzt durch die absolute Werktreue des Regisseurs. Der ist fernab jeden modernen Regietheaters. Strehler geht es allein um die Wirkung der Musik und den Inhalt des Stückes selbst. Die Tiefe der von Ezio Frigerio sparsam ausgestatteten Bühne nutzt er kaum. Seine Personenführung ist allenfalls andeutend. Strehler verlässt sich ganz auf seine Sängerinnen und Sänger. Und die Besetzung dieser Wiederaufnahme ist bis in die kleinste Nebenrolle geradezu sensationell. Ganz besonders zu nennen sind Diana Damrau als Susanna, Ildebrando D’Arcangelo als Figaro, Monica Bacelli als Cherubino und Pietro Spangoli als Graf Almavia. Gérard Korsten leitet das Orchester äußerst zurückhaltend. So hinterlässt diese Aufzeichnung einen nachhaltigen Eindruck.
Horst Schinzel
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DIE ZAUBERFLÖTE-Scala 2011 + KITEZH UND DiE JUNGFRAU FEVRONIA
Mozarts DIE ZAUBERFLÖTE aus der Scala Milano 2011
OpusArte – OA BD7099 D (Blu-ray, HD)
Recorded live at La Teatro alla Scala, 20 March 2011
(Kentridge + Schinkel)
Sarastro – Günther Groissböck
Tamino – Saimir Pirgu
Queen of the Night – Albina Shagimuratova
Pamina – Genia Kühmeier
I Dame – Aga Mikolaj
II Dame – Heike Grötzinger
III Dame – Maria Radner
Papagena – Ailish Tynan
Papageno – Alex Esposito
Monostatos – Peter Bronder u. a.
Eine in fast allen Teilen spitzenmäßige Besetzung, so international, dass jeder bei den Dialogen mit einem anderen Akzent „bezaubert“. War Albina Shagimuratova bei der Bolschoi-Wiedereröffnungs-Vorstellung von Glinkas „Ruslan und Ludmila“ als Ludmila etwas sehr an ihre Grenzen geraten, so gibt sie hier eine fulminante Königin der Nacht, mit gestochen klaren Spitzentönen und sogar noch einiger Power. Günther Groissböck ist sowohl als imposante Erscheinung als auch mit seinem “Pfunds”-Bass ein idealer Vertreter des Sarastro (er klingt wie irgendwo zwischen Gottlob Frick und Franz Crass, eine gute Mischung), und Saimir Pirgu ist der schöne Traumprinz mit edlem, lyrischem Tenor. Genia Kühmeier ist eigentlich auch eine ideale Pamina, überrascht hier aber mit einigen „spitzen“ Höhen. Alle übrigen Rollen sind adäquat besetzt, hervorragend die 3 Damen, nur einer fällt ein wenig aus dem Rahmen, Alex Esposito. Der italienische Bass-Bariton hat als Leporello in München und anderswo schöne Erfolge feiern können. Als Papageno jedoch – so sehr er sich auch verausgaben mag – fehlt ihm (mit rasiertem Kopf) und seiner Stimme einfach der nötige Charme für diese Rolle. Seine Arien singt er holzhackermäßig unelegant, erst als er seine Papagena endlich bekommt, rührt einen seine große Freude doch ein bisschen.
Roland Böer dirigiert Chor und Orchester der Scala in einer speziell aufbereiteten musikalischen Version: Man hat einige Aufführungs-Anweisungen von René Jacobs angewandt, die Zauberflöte mit Continuo. Nicht nur um Papagenos Glockenspiel zu begleiten, sondern auch, um die komischen Zwiegespräche von Monostatos und Papageno in ein Melodram zu verwandeln.
Die Inszenierung des Südafrikaners William Kentridge ist sehr hübsch und trickreich gemacht, mit zahllosen schwarz-weißen Projektionen als Kulisse, die aber dauernd sehr unruhig in Bewegung sind. Oftmals entsteht der Eindruck, dass diese unentwegten BB-Bewegungen eine Personenregie ersetzen. Am schönsten ist vielleicht der nur aus Lichtpunkten vor schwarzem Hintergrund gezeigte, kuppelförmige Sternenhimmel, dem berühmten Bühnenbild von K. F. Schinkel nachempfunden. Die gefälligen Kostüme von Greta Goiris dürften so um die Jahrhundertwende 19./20.Jhd. anzusiedeln sein. Hübsch Sarastro und seine Mannen in groß geblümten Westen (unterm Jackett).
(Als Bonus auf der Disc: Overview of The Magic Flute – Illustrated synopsis)
Etwas lästig die superlangen Tracks bis zur jeweils nächsten Markierung, z. B. ist die letzte Markierung bei „Schon prangt den Morgen…“ gesetzt, da ist es bis zum Schluss noch ganz schön weit hin.
Eine schöne Produktion in einer derzeit kaum zu toppenden Besetzung.
DZ
DIE LEGENDE VON DER UNSICHTBAREN STADT KITEZH UND DER JUNGFRAU FEVRONIA – Oper in 4 Akten von Nicolai Rimsky-Korsakov – Naxos 2.110277-78 (2 DVDs)
Live aufgenommen im Teatro Lirico di Cagliari/Sardinien 5/2008
Fevronia – Tatiana Monogarova !!!
Alexander Vedernikov, conductor
Orchestra e Coro del Teatro Lirico di Cagliari
Eimuntas Nekrošius, stage director
Marius Nekrošius, set designer
Nadezhda Gultiayeva, costume designer
Audrius Jankauskas, lighting designer

Fevronia mit Grishka u. den Glocken von Kitezh © A. Brashnikov
Rimsky-Korsakovs Musik ist wie immer sehr schön und farbenreich und in diesem Fall besonders stark von russischer Folklore geprägt. Diese Legende und auch diese Oper sind allerdings zu lang. Gute 3 Stunden – da fängt man schon mal an, von Track zu Track zu hüpfen. Hier auch weil die Besetzungen der männlichen Hauptrollen vokal äußerst unbefriedigend sind. Am besten schlägt sich noch der tragische Grishka, der Charaktertenor Mikhail Gubsky. Die mit italienischen Hauskräften Cagliaris besetzten Nebenrollen klingen da weit besser.
Aber alles steht und fällt mit der wunderbaren, wunderschönen Tatjana Monogarova als herrliche Jungfrau Fevronia. Fevronia soll „überirdisch schön“ sein. Diese Vorgabe erfüllt Frau Monogarova, ausgestattet mit einer wunderschönen Zopffrisur. Und ihr klarer, zu Herzen gehender Sopran ist eine einzige Ohrenweide; sie ist auch immerzu am Singen, eine anstrengende Rolle. Und trotzdem ist die Oper zu lang…
Wegen dieser schönen „Wunschmaid“ und wegen der ebenfalls schönen Ausstattung wäre diese Produktion durchaus zu empfehlen, es gibt ja ohnehin wenig Alternativen, wären bloß diese z. T. scheußlichen Männer-Stimmen nicht.
DZ
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DVD Salome (Baden-Baden 2011)
 
Richard Strauss: SALOME
Live aus dem Festspielhaus Baden-Baden, 2011
DVD Arthaus
Wenn Thielemann und die Fleming in Baden-Baden zusammen trafen, war das Medienecho eindeutig größer. Aber künstlerische Ergebnisse gibt es auch anderswo. 2011 hat Nikolaus Lehnhoff in Baden-Baden die „Salome“ inszeniert, Stefan Soltesz stand am Dirigentenpult, und kein Opernfreund wird sich die Gestaltung der Titelrolle durch Angela Denoke entgehen lassen wollen.
Dabei hat die Denoke interessanterweise in Wien in dieser Rolle nicht hundertprozentig überzeugt – aber es ist einfach etwas anderes, in eine bestehende Produktion einzuspringen und dort Kräfte zu verschwenden, indem man sich erst einmal zurecht finden muss, oder in einer Vorstellung zu stehen, die einem sozusagen auf den Leib geschneidert wurde – wie diese. Das Ergebnis ist schlechtweg faszinierend.
Diese Salome ist ein halbes Kind. Die Denoke – wie meist mit ihrer blonden Streichholz-Kurzhaarfrisur, hier mit Blümchenreifen im Haar – trägt ein rosa Volantkleidchen, wie es einem Teenager-Prinzesschen zukommt. Später beim Tanz wird sie sich bis zu den Unterkleidern, aber nicht zur Nacktheit vorarbeiten. Sie ist ein Kind, ein boshaftes Kind, das sich etwa freut, wenn Jochanaan Schlimmes über ihre Mutter sagt. Sie ist neugierig, streicht barfuss um die verdeckte Öffnung in der Mitte der Bühne, hüpft, kriecht hinein – was immer sie tut, ist betont künstlich, ein Kind, das weiß, das man ihm zusieht und seine scheinbare Naivität, seine Koketterie betont.
So trifft sie auf Jochanaan, der mit einem Zopf auf seinem Kahlkopf wie Attila der Hunne wirkt, wahrlich ein Wilder, geradezu tobsüchtig diesem provokanten Geschöpf gegenüber – und doch, als sie ihn umarmt, wird er für eine Sekunde ganz lüstern… Das ist ein starker Moment, das macht die Wut noch größer, die Optik hilft dieser Figur sehr, und man würde nur wünschen, dass Alan Held die Kraft in der Stimme hätte, damit sein Gesang ebenso durchschlagend wirkte wie seine Darstellung.
Es ist gezielte, wirksame Absicht, dass Herodias dieselbe Frisur hat wie die Tochter, nur in Rot. Doris Soffel strahlt unglaubliche Härte aus in ihrem goldenen Abendkleid, die Rolle ist nicht groß, aber wo sie dazwischenfährt, gehört ihr zumindest der Augenblick.
Man hat viele Interpretationen des Herodes gesehen: Kim Begley, anfangs mit einem Kranz roter Rosen um den Nacken, ist restlos überfordert mit der Situation, ein hilfloser alter Mann, hoffnungsloses Opfer von Salome, die gut darin ist, ihn verrückt zu machen. Wenn sie geradezu tobt und schreit, dass sie den Kopf des Jochanaan will, ist er dem trotzigen Kind gegenüber hilflos…
Bringt man ihr am Ende diesen Kopf, in ein weißes, blutiges Tuch gehüllt, wird auch ihr Gewand blutig – und wenn sie ihn herausnimmt und lange auf die Lippen küsst, erfüllt sich die ungeheure Gewalt und Perversion dieses Werk in selten gesehenem Ausmaße. Nicht jede Sängerin wäre zu solch exzessiver Selbstverleugnung fähig. Dazu hat sich die Denoke die Rolle gewissermaßen auf ihre Stimme eingerichtet, die ja nun wirklich nicht hochdramatisch ist – aber der leichte Ansatz, mit dem sie singt, passt vollendet zur Kindlichkeit, die sie zum Grundton ihrer Interpretation gemacht hat, in der Verderbtheit sie treibt.
Dabei ist die Optik nicht dazu angetan, den Hof des Herodes mit Sinnlichkeit zu füllen (wie etwa in der New Yorker Met, wo Jürgen Flimm für Karita Mattila eine Party-Welt baute) – Beton, Beobachtungsbrücken, eine Gefängniswelt. Der Henker immerhin ist ein erotischer, fast nackter Mann, der erst Herodias auffängt, der die Kräfte versagen, und sich dann der selig zusammengesunkenen Salome zuwendet, während Herodes zitternd zusammengekauert in einer Ecke sitzt und die Augen schließt…
Stefan Soltesz dirgiert das Deutsches Symphonie Orchester Berlin, trägt das so starke Geschehen und gibt ihm die harten statt der sonst oft beschworenen schwelgerischen Akzente. Ein Erlebnis, auch wenn man es nicht live genießen kann.
Renate Wagner
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Colombara,Thielemann, Oper u. Konzert
CARLO COLOMBARA
– The Art of the Bass – Naxos 2.110612 DVD
Einerseits schön, dass es von diesem italienischen Spitzen-Bass eine DVD gibt, andererseits ist die schaurig kitschige filmische Umsetzung der dargebotenen Szenen ziemlich schwer verdaulich (überwiegend im Ostblock gedreht von Oscar Martos, z. T. auch in den Svizzera Italiana Studios). Wären da nicht Colombaras beeindruckende Persönlichkeit und sein darstellerisches Vermögen, man würde am besten das Bild wegschalten und sich nur dem ungetrübten Hörgenuss hingeben. Allerdings ist dieser Carlo Colombara ja auch noch ein sehr ansehnliches Mannsbild (Mephisto, Aleko, Attila), sodass auch das Auge was geboten bekommt.
Ich erinnere mich an den frühen Colombara, als dessen sehr potenter Bass noch etwas ungehobelt aber schon sehr beeindruckend eingesetzt wurde. Mit der Zeit konnte der Sänger seine Stimme in immer gepflegtere Bahnen lenken, und nun hat er eine der kraftvoll-edelsten Bassstimmen der Gegenwart.
Also lohnt sich die Anschaffung dieser DVD schon, bloß braucht man vor dem optischen Schauerkram vielleicht ein kleines Schnapserl…
DZ
CHRISTIAN THIELEMANN conducts FAUST
– Liszt * Wagner – C major 707804 Blu-ray
Diese Blu-rays haben schon was! Nicht nur optisch mit ihren glasklaren Bildern „zum Hineingreifen“, auch akustisch wird man in ganz neue Sphären entrückt. Das dachte man zwar auch schon bei der Erfindung des guten alten Stereos, aber die Technik schritt unaufhaltsam voran, und das ist nun der derzeitige Gipfel. Man sitzt also auf dem heimischen Sofa, vor sich den Großbildschirm mit der Superbildqualität, umwogt von einem ebenso glasklaren Klangerlebnis bis zum fff – ein Gefühl, als befände man sich mittendrin. Dieses Klangwunder macht bei Konzertmitschnitten möglicherweise noch mehr Effekt als bei Opern, je nach den theaterräumlichen Gegebenheiten.
Diese Aufnahme vom Jubiläumskonzert zum 200. Geburtstag von Franz Liszt in der Dresdner Semperoper im Februar 2011 ist so ein Klangwunder. Ebenso wie bei Christian Thielemanns Beethoven-Symphonien mit den Wiener Philharmonikern (ebenf. auf Blu-ray), wird man auch hierbei Teil des Ganzen, beginnt mitzuatmen mit dem herrlich warmen der Klang der Dresdner Staatskapelle.
Richard Wagners Faust-Ouvertüre war ursprünglich auch als komplette Symphonie gedacht; Wagner kam aber die Arbeit am Fliegenden Holländer dazwischen, sodass er den ersten, fertiggestellten Satz 1844 als „Ouvertüre zu Goethes Faust“ herausbrachte. Diese überarbeitete er später noch einmal. Diese Fassung von 1855 erklingt nun auch auf dieser DVD.
Franz Liszt, der Wagners Bemühungen um den Faust-Stoff kannte, erstellte seine Faust-Symphonie zunächst ohne den Schlusschor mit Tenor-Solo. Erst 1857 ergänzte er das Werk. Die drei Sätze portraitieren Faust, Gretchen und Mephisto in jeweils charakteristischer Weise. Die Schlussapotheose, bei welcher der Männerchor „Alles Vergängliche“ besingt, sowie der Tenor „Das ewig Weibliche“, wird von den Herren des Dresdner Staatsopernchores prachtvoll gesungen. Endrik Wottrich als Tenorsolist wartet mit strahlenden Höhen auf, lediglich seine Art des Singens erscheint zeitweilig etwas gewöhnungsbedürftig.
Thielemann und die Dresdner – immer einen Kauf wert!
DZ
DIE LIEBE DER DANAE – unbefriedigender Strauss an der DOB 2011 – Arthaus 108 032 Blu-ray
Lange habe ich diese DVD/Blu-ray auf meinem Schreibtisch liegen gehabt, wollte ich mich doch als eingefleischter Straussianer diesem Werk mit besonderer Hingabe widmen.
Welche Richard-Strauss-Oper ist nicht schwer zu besetzen wegen ihrer z. T. extremen stimmlichen Anforderungen. Diese vertrackte, aber musikalisch wunderschöne Danae (Strauss‘ vorletzte Oper) erst recht. Immerhin hatte ich dieses eher selten gespielte Werk schon in zwei verschiedenen Produktionen erleben können: 1989/90 in München mit einem ausgezeichneten Trio Sabine Hass/Paul Frey/Roger Roloff (später John Bröcheler) unter Wolfgang Sawallisch, und 2005/6 in Dresden mit Anne Schwanewilms/Stephen Gould/Hans-Joachim Ketelsen unter Fabio Luisi.
In München sah man eine märchenhafte Umsetzung der aus der griechischen Mythologie entlehnten Geschichte, in Dresden eine (nicht immer ganz logisch) gemäßigt modernisierte Version. Stimmlich waren beide großartig, bis auf – und da haben wir den großen Haken bei den meisten Besetzungen – den Wotan karikierenden Jupiter, der, um entsprechend wirken zu können, eine Wotanstimme haben muss. Das ist leider in den meisten Fällen nicht der Fall. Entsprach Roger Roloff (amerik. Bassbariton, im USA häufig als Wotan) in München diesen Anforderungen noch sehr gut, so konnte schon seine Alternativbesetzung Bröcheler nicht mit den entsprechenden Stimmmitteln aufwarten, ebenso wenig wie in Dresden Ketelsen.
In Berlin hatte man mit Mark Delavan zwar einen schönen warmen Bariton, der auch Wotan singt, nur hat Herr Delavan immer Probleme, sich wirkungsvoll zu präsentieren, sei‘s stimmlich, ebenso wie darstellerisch. Matthias Klink ist mit seinem lyrischen Tenor mit der Midas-Partie völlig überfordert. Für die von Strauss geforderten Höhenflüge braucht man einen jugendlichen Heldentenor mit strahlender Höhe. Klink jedoch fehlt schon die grundsätzliche Power für diese Partie, warum hat man ihn dafür eingesetzt und warum ließ er sich darauf ein. Er quält sich mit vielen Kratzern und sogar Kieksern durch die Partie – unbefriedigend.
Mit der allenthalben als Strausssängerin hoch gehandelten Manuela Uhl scheint man auf der sicheren Seite zu sein. Das schon, aber ist das wirklich eine „vollwertige“ Danae? Sie entspricht wohl dem, was viele heute unter einer Strausssängerin verstehen. Sie „schafft“ das alles klaglos und sieht blendend aus. Ihr kühler, wenig charakteristisch timbrierter Sopran verfügt auch über eine sichere, aber eben keine blühende Höhe. Man tut sich als Straussianer halt schwer, sich damit zufrieden geben zu müssen. Wenn ich an die herrlichen Duette, speziell im letzten Akt, an das wunderbare „Siehe, ich liebe!“ der Hass denke, da passiert hier einfach nichts. Allerdings scheint mir auch der Dirigent Andrew Litton nicht unbedingt prädestiniert dafür, dieser langen Straussoper den richtigen Spannungs- und Gefühlsrahmen zu verpassen. Die Inszenierung von Kirsten Harms ist in manchen Bilden ganz hübsch, aber es zieht sich – was der fliegende Konzertflügel soll, konnte man sicherlich im Programmbuch zur Produktion nachlesen…
Aus meiner – zugegeben hier sehr subjektiven – Sicht, kann ich diesen Mitschnitt nicht zur Anschaffung empfehlen.
DZ
LA FORZA DEL DESTINO – Verdi an der Wiener Staatsoper
3/08 C major 708204 Blu-ray
An die seltsame Inszenierung von David Pountney werden sich die Wiener schon gewöhnt haben. Deretwegen muss man sich diese DVD/Blu-ray nicht anschaffen. Einzig die „Kloster“-Bilder (hier muslemisch… oder was…) mit Leonora haben in ihrer Schlichtheit etwas Schönes (Richard Hudson). Ein schmiedeeisernes Bett auf der Bühne ist wohl doch schon zu abgedroschen. Die Cow-Girl-Choreografie (u. a.) von Beate Vollack entspricht wohl den Vorgaben des Regisseurs, sie hat schon Besseres geliefert.
Also zur Musik! Zubin Mehta am Pult der Wiener Staatsoper – alles bestens: Spannung, Sängerbetreuung, Sound. Hatte man erwartet, Nina Stemme sei das Nonplusultra als Leonora di Vargas, so weißt ihr großer, dunkel-warmer Sopran hier eine unerwartet unruhig-nervöse Stimmführung auf (kein Vergleich zu ihrer Muster-Isolde). Ideal hingegen die Preziosilla von Nadia Krasteva. Kaum jemand singt diese hoch liegende Mezzo-Partie mit so viel Sexappeal in der Stimme und so souverän. Und in dieser Produktion darf sie sich außerdem als superfesches Cowgirl austoben – sie hat’s ja.
Interessant dürfte dieser Mitschnitt besonders für Fans von Salvatore Licitra sein, liegt damit doch eines seiner letzten Dokumente vor (wir berichteten von seinem Unfalltod 2011) . Sein dunkel timbrierter Tenor kommt hier bestens zur Wirkung, dass seine Spitzentöne wenig strahlend klangen, war einfach so. Carlos Alvarez ist natürlich als finsterer Carlo beeindruckend, nur hat sein Bariton im Laufe der Zeit leider sein samtiges Drumrum verloren. Der mittelprächtige Bassist Alastair Miles scheint sich in Wien einiger Beliebtheit zu erfreuen, zumindest beim Besetzungsbüro. Er erscheint mir weder für Filippo noch für Padre Guardiano die entsprechende Klasse zu haben. Ein ordentliches Ensemble umrahmt diese Solisten. – Kann man sich zulegen.
DZ
TOSCA – Puccini in Genua
Arthaus 101 594 DVD/auch Blu-ray
Die traditionelle Ausstattung von Adolf Hohenstein zeigt einen pompösen Kircheninnenraum im 1., adäquate Scarpia-Räumlichkeiten im 2. und ein besonders schönes Engelsburg-Plateau im 3. Akt. Die Sänger machen in Renzo Giacchieris Inszenierung je nach Vermögen, was sie können. Am besten schneidet der Scarpia von Claudio Sgura ab. Er war 2. Preisträger der Voci Verdiane Busseto 2006. Dort hörte ich seinen damals noch etwas „rohen“ Bariton zum ersten Mal. Inzwischen hat sich die Stimme zu einem großen, warmgetönten Prachtbariton entwickelt, und als furchteinflößende Erscheinung taugt der große Italiener auch bestens.
Grund zur Anschaffung diese Aufnahme war eigentlich Fabio Armiliato, der uns in München vor ein paar Jährchen eine prächtigen Don Carlo gezeigt hatte. Bei dieser Genueser Aufführung schien zunächst nicht recht in Form zu sein. Ein ausgesprochen edles Timbre hatte er ja nie, aber doch einen gewissen Tenorstrahl wenn’s darauf ankam. Hier klingt er im 1. Akt recht stumpf und man sieht die Arbeit beim Singen.Im 2. Akt beim „Vittoria!“ ist er aber wieder voll da; und im 3. Singt er eine ausgezeichnete Sternenarie. Der italienische Opernfreund fordert in solchen Fällen gerne durch kräftige „Bis!“-Rufe eine Wiederholung, welche Armiliato dann auch gewährte; noch zarter, noch raffinierter. (Bei uns zulande ist sowas ja inzwischen verpönt – zu Domingos Münchner Zeiten gab es sowas noch). - Die Comprimari sind nicht alle angenehm anzuhören, der Dirigent (Marco Boemi) ist nicht mit sonderlich viel Temperament gesegnet, nicht so gut für eine Tosca.
Aber das Hauptproblem heißt Floria Tosca, bzw. Daniela Dessi. Bei früheren filmischen Mitschnitten mit dem Ehepaar Dessi-Armiliato meinte ich immer, Frau Dessi sei nicht recht in Form gewesen, aber inzwischen stellte sich heraus, dass diese Sängerin immer mit einigen Defiziten zu kämpfen hat. Diese Tosca ist – ganz ehrlich – schaurig. Zwar klingt Dessis Stimme in der Mittellage größer als früher, aber ihre Höhe scheint nun durch Überstrapazierung gänzlich an Qualität verloren zu haben. Laut, scharf und furchtbar flackerig. Untenherum drückt sie à la Callas, oben diese kaputte Stimme; dazu an „Darstellung“ vorwiegend eine Hand auf das luftige Dekolleté gelegt (auch das übertriebene Makeup ist unvorteilhaft). – Daniela Dessi, es tut mir leid, wirkt hier rundherum wie eine ganz schlechte Callas-Kopie.
Wen Sgura interessiert, der mag sich diese DVD zulegen, ansonsten lieber nicht. Vom Paar Dessi-Armiliato gibt es doch noch Besseres aus früheren Jahren.
DZ
TATE IN HAMBURG – mit NINA STEMME
Rondeau ROP5002
Stemme/Tate (o.A.)
Anschaffungsgrund waren Nina Stemmes „Vier letzte Lieder“ von Richard Strauss. Diese ertönen durchaus eindrucksvoll mit Stemmes großem, warmem Sopran. Allerdings bleibt es Geschmackssache, ob man hier nicht doch einen etwas lyrischer und ruhiger schwebenden Sopran vorzieht.
Beim Konzert der Hamburger Symphoniker unter Jeffrey Tates Leitung (5/09) gab es gehörige Programmsprünge. War der von Delius zu Strauss noch nicht so eklatant, so war Ruzicka auf Strauss‘ Lieder schon etwas „shocking“. Von diesem zurück zu einem Schubert: dessen „Unvollendete“ ertönte unter Tates Leitung etwas trocken und wenig legato-freudig.
Interessant wird diese DVD vor allem durch das Portrait des Dirigenten „Aus eigener Kraft“ – über den Lebensweg des schwerbehinderten Maestros und seinen Weg vom Augenarzt zum Dirigenten mit bereits 35 Jahren, seine Affinität zu Strauss und Wagner und ein bisschen auch über sein Privatleben.
Das Beiblatt ist sehr düftig und ohne jegliche Spieldauer-Angaben.
DZ
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JOHN CRANKO – Frühwerke
JOHN CRANKO – Frühwerke:
THE LADY AND THE FOOL and PINEAPPLE POLL
ICA classics ICAD 5040
Solisten 1959: Svetlana Beriosova, Ronald Hynde; Merle Park, David Blair / Dir. Charles Mackeras
John Cranko (1927-1973) war ein Meister des Handlungsballetts. Auch wenn seine Arbeit in einer Zeit, in der die Choreographie im Zeichen des Neoklassizismus von George Balanchine beherrscht wurde, als anachronistisch hätte gelten können, genossen Crankos Tanzdramen anhaltenden Erfolg. Das liegt nicht einfach nur daran, dass seine besten Ballette auf einigen der bedeutendsten Werke Shakespeares und Puschkins basierten; Crankos fruchtbare Phantasie schuf choreographische Episoden von verblüffender Wirkung, die bekannte Geschichten in ein neues Licht rückten. Aus gutem Grund trägt John Percivals ausgezeichnete Cranko-Biographie im englischen Original den Titel Theatre in My Blood! (deutsch: John Cranko). Was Crankos Genie ausmacht, ist die Theaterwirksamkeit seiner Choreographien.
Crankos abendfüllende Meisterwerke, Romeo und Julia (1962), Onegin (1965) und Der Widerspenstigen Zähmung (1969), begründeten den Weltruf seines Stuttgarter Balletts. Dass diese Werke anschließend in das Repertoire zahlreicher führender Balletttruppen Eingang fanden, zeigt ihre universelle Gültigkeit. Und obwohl sie ursprünglich auf die besonderen Talente der Stuttgarter Tänzer in Crankos Truppe zugeschnitten waren, fanden sie auch anderswo überzeugende Darsteller. Was zählt, ist der Tanz, nicht bloß der Tänzer. Bevor Cranko die Leitung des Stuttgarter Balletts übernahm, war er in London tätig.
In Südafrika gebürtig, kam er mit 18 Jahren nach London und wurde bald darauf Mitglied des Sadler’s Wells Ballet. Dort wurde ihm und den Direktoren des Balletts allerdings bald klar, dass seine Stärke nicht im Tanz, sondern in der Choreographie lag. Sein erster großer Erfolg war die übermütige Komödie Pineapple Poll, deren Premiere am 13. März 1951 als Teil eines allein von Cranko gestalteten Programms stattfand – eine beachtliche Leistung für einen Choreographen am Beginn seiner Laufbahn!
Pineapple Poll war die erste Zusammenarbeit zwischen Cranko und Charles Mackerras, dem damaligen Assistant Conductor der Sadler’s Wells Opera. Mackerras fand die Musik von Sir Arthur Sullivan, deren Urheberrechte gerade abgelaufen waren, wunderbar als Ballettmusik geeignet. Er hatte zahllose Aufführungen der Operetten von Gilbert und Sullivan dirigiert und aus fast einem Dutzend von ihnen eine entzückende Musik für Crankos umwerfendes Ballett zusammengestellt. Die Hauptfiguren in Pineapple Poll sind Pineapple Poll, eine Blumenverkäuferin, Jasper, der Laufjunge im örtlichen Gasthaus sowie der schneidige Kapitän Belaye der H.M.S. Hot Cross Bun, die gerade in Portsmouth angelegt hat. Alle Mädchen der Stadt himmeln Kapitän Belaye an, auch Pineapple Poll – was wiederum Jasper sehr betrübt, der sich ernsthaft in sie verliebt hat. Aber Belaye interessiert sich für Blanche, eine lokale Schönheit, die in der Obhut ihrer Tante Mrs Dimpie lebt. Die liebestollen jungen Damen von Portsmouth verfallen auf merkwürdige Machenschaften, um Belaye näherzukommen, indem sie sich z. B. als Seeleute verkleiden, um an Bord seines Schiffes zu gelangen. Als der Kapitän am nächsten Morgen seine Mannschaft exerzieren lässt, scheint er nicht zu bemerken, dass sie alle kleiner geworden und unterschiedlich groß sind und dass Pineappie Poll ihre Übungen en pointe (auf Zehenspitzen) ausführt. Er hat gute Gründe, unaufmerksam zu sein, weil er gerade an diesem Morgen mit dem Segen von Mrs Dimple Blanche geheiratet hat. Schließlich klärt sich alles auf. Der Kapitän wird zum Admiral befördert, Jasper wird dank der Intrigen von Mrs Dimple zum neuen Kapitän der H.M.S. Hot Cross Bun ernannt, worauf Pineappie Poll unverzüglich ihre Zuneigung von Admiral Belaye zu Kapitän Jasper verlagert, während die Stadtmädchen sich wieder ihren verärgerten Bauernburschen zuwenden. David Blair, der die Rolle des Kapitän Belaye bei der Premiere im Jahr 1951 getanzt hatte, übernahm die gleiche Rolle bei der Fernsehaufnahme von 1959, die auf dieser DVD zu sehen ist.
Für die musikalische Untermalung von The Lady and the Fool griff Mackerras auf Musik von Verdi zurück und gestaltete weniger bekannte Auszüge aus 15 Verdi-Opern zu einer besonders effektvollen Partitur für die nicht ganz so heitere Stimmung dieses zweiten Gemeinschaftsprojektes mit Cranko, der Szenario und Choreographie besorgte. The Lady and the Fool wurde am 25. Februar 1954 in Oxford uraufgeführt; die Londoner Premiere fand nur einen Monat später im Sadler’s Wells Theatre statt. Das Werk erzielte nicht sofort den gleichen Anfangserfolg wie Pineapple Poll. Crankos Choreographie für das corps de ballet in der zentralen Ballsaalszene ließ seinen gewohnten Einfallsreichtum vermissen; er scheint sich nur mit halber schöpferischer Kraft eingesetzt zu haben. Auch fand er keine Unterstützung in seinem Bühnenbildner, der hauptsächlich als Maler gearbeitet und kaum Erfahrung mit dem Theater hatte. Cranko bekam Gelegenheit, das Werk für seine Covent Garden-Premiere am 9. Juli 1955 umzuarbeiten und zu straffen. Einige Nebenfiguren entfielen gänzlich, so dass die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren klarer hervortraten. Außerdem wurde die Bühnenausstattung wesentlich verbessert und das Orchester vergrößert, was zu einem üppigeren Klangbild beitrug. Die drei Hauptfiguren in The Lady and the Fool sind zwei vagabundierende Clowns, Moondog und Bootface, sowie La Capricciosa, eine maskierte Schönheit. Moondog und Bootface sind auf einer Bank in der Nähe des Palastes von Signor Midas eingeschlafen. La Capricciosa kommt auf ihrem Weg zum Palast, in dem ein Ball stattfindet, an den Clowns vorbei und lädt diese ein, sie zu begleiten. Auf dem Maskenball unterhalten die Clowns die Gäste, während La Capricciosa von drei adligen Gästen von Signor Midas verfolgt wird, die sie aber zurückweist; endlich allein nimmt sie die Maske ab, da betritt Moondog den Ballsaal. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie und sie sich in ihn, was wiederum ihre Verehrer und Bootface empört, der vergeblich auf dem Ball versucht hat, sich einigen der Debütantinnen zu nähern. La Capricciosa und Moondog verlassen gemeinsam den Palast, drehen aber noch einmal um, um Bootface mitzunehmen. In der Schlussszene kehren die drei zur Bank zurück, auf der die Clowns vorher eingeschlafen waren, und sinken in Schlaf, als der Vorhang fällt.
Sowohl Pineapple Poll als auch The Lady and the Fool blieben weiter im Repertoire des Sadler’s Wells Ballet mit sporadischen Wiederaufnahmen sowie Inszenierungen anderer Balletttruppen. Während ihrer Tournee durch Russland war The Lady and the Fool das populärste Stück der inzwischen zum Royal Ballet avancierten Truppe. Wahrscheinlich haben die Misere der heimatlosen Clowns Moondog und Bootface und endlich die Umarmung durch die scheinbar unnahbare La Capricciosa beim russischen Publikum eine mitfühlende Saite berührt.
Crankos anschließende Arbeit mit seiner Stuttgarter Truppe wurde von einer weitaus breiteren Vision getragen als diese entzückenden Londoner Werke, und er bekam alle Mittel, die er zu ihrer Realisierung brauchte. Er war erst 45, als er nach einem sehr erfolgreichen New Yorker Gastspiel seiner Truppe auf dem Rückflug starb. Man kann nur mutmaßen, was er noch hätte erreichen können, wenn der Tod ihn nicht so grausam ereilt hätte.
Ernie Gilbert im Booklet (Übersetzung: Christiane Frobenius)
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TRIBUTE TO JEROME ROBBINS
TRIBUTE TO JEROME ROBBINS
Robbins/Millepied – auf DVD und Blu-ray, BelAir classics BAC070
Ballett der 0pera National de Paris
Für Jerome Robbins war das Ballett der Pariser Oper, neben dem New York City Ballet, seine zweite künstlerische Heimat. Zehn Jahre nach seinem Tod führte das Ballett der Opera National de Paris drei seiner Choreographien auf: „En Sol”, “In the Night” und “The Concert”: Eine Hommage an den großen Choreographen und die Vielfalt seines Repertoires. Die Quellen seiner Inspiration waren Musik und darstellende Kunst. Robbins liebte Ballett und Musical gleichermaßen, prägend für die damalige Zeit waren seine Choreographien und Inszenierungen von”West Side Story”, „Fiddler on the Roof“ (Anatevka) und “Gypsy”. Im Alter von 79 Jahren starb Robbins am 29. Juli 1998.
Jerome Robbins von Deborah Jowitt (Auszug aus dem beiliegenden Booklet): In seinem letzten Jahr am College brachte der damals 16jährige Jerome Rabinowitz seine Leidenschaft in einem Englisch-Aufsatz folgendermaßen zum Ausdruck: “Bei Kunst denke ich nicht nur an Zeichnen. Ich denke an Musik, an Theater, an Literatur, an Tanz, an Kunsthandwerk, an Malerei. Ich glaube, dass ich ein Talent für all diese Dinge habe.”
EN SOL
Musik Maurice Ravel, Choreographie Jerome Robbins
Marie-Agnès Gillot, Florian Magnenet
TRIADE
Uraufführung
Musik Nico Muhly
Choreographie und Kostüme Benjamin Millepied
Marie-Agnès Gillot, Laȅtitia Pujol, Audric Bezard, Marc Moreau
IN THE NIGHT
Musik Frederic Chopin, Choreographie Jerome Robbins
Clairemarie Osta, Benjamin Pech, Agnès Letestu, Stéphane Bullion, Delphine Moussin, Nicolas Le Riche
THE CONCERT
Musik Frederic Chopin, Choreographie Jerome Robbins
Dorothée Gilbert, Stéphane Phavorin, Alessio Carbone, Emmanuel Thibault
- Tribute to Jerome Robbins, ein Film von Vincent Bataillon, aufgezeichnet im September 2008 an der Pariser Oper (Palais Garnier). Intendanz Gérard Mortier, tänzerische Leitung Brigitte Lefèvre, Dirigent Koen Kessels. Produziert von Francois Duplat und Antoine Perset.
(bac/dz) www.belairclassiques.com
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LANG LANG – LISZT NOW
LANG LANG – LISZT NOW
Sony DVD 88697891429
Nach Lang Langs CD „Liszt – My Piano Hero” erscheint nun „My Piano Hero / Liszt Now“ auf DVD und Blu-ray:
Ein Fan-Objekt – like a popstar
Enthalten ist ein einstündiges Live-Konzert aus dem Roundhouse in London. Auf dem Programm stehen zehn der bekanntesten Klavierstücke Liszts, von denen vier exklusiv auf der DVD enthalten sind und nicht auf dem Album „Liszt – My Piano Hero”. Das Konzert wurde im Sommer dieses Jahres während des iTunes-Festival mit zwölf HD-Kameras und mit eigens dafür angefertigten Videoprojektionen auf LED-Wänden gefilmt und ist ein einzigartiges multimediales Erlebnis.
“Ich wollte an einem Ort spielen, der nicht speziell auf klassische Musik festgelegt ist”, erklärt Lang Lang die Wahl des unkonventionellen Konzertortes. Der Innenraum des Roundhouse ermöglicht einen ungewöhnlich intensiven Kontakt zwischen dem Solisten und dem stehenden Publikum. Und ich wollte Leute zum Kommen animieren, die sich normalerweise keine klassische Musik anhören.”
Neben dem Konzertfilm „LIVE AT THE ROUNDHOUSE“ enthält die Box auch eine 71-minütige Dokumentation, “THE ART OF BEING A VIRTUOSO”, die von der preisgekrönten Filmproduktionsfirma Boomtown Media produziert wurde. Der Regisseur Thomas Grube begleitete Lang Lang dafür fünf Monate auf Schritt und Tritt durch China, die USA und Europa.
LIVE AT THE ROUNDHOUSE
Franz Liszt
La campanella aus Grandes f~tudes de Paganini, S 141/3
Un sospiro aus Trois Ütudes de Concert, S 144/3
Thema und Variationen aus Grandes etudes de Paganini,
S 141/6*
Romanze O pourquoi donc, S 169
Ständchen (Leise fiehen meine Lieder), S 560/7*
Ungarische Rhapsodie Nr. 15, Rakoczy-Marsch, S 244/15
Consolation Nr. 2, S 172/2
Ungarische Rhapsodie Nr. 6, S 244/6
Widmung (Schumann), S 566*
Ave Maria (Schubert), S 558/12
* Exklusiv auf DVD
THE ART OF BEING A VIRTUOSO – 71 -minütiger Film von Thomas Grube
EINE REISE FÜR DIE SINNE MIT FRANZ LISZT – 55 Minuten Videoprojektionen,
die für Lang Langs Liszt Konzert im Roundhouse konzipiert wurden.
(sony/dz) www.langlang.com www.sony.de
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ALCINA Wien 2010

ALCINA von Georg Friedrich Händel
Wiener Staatsoper 2010
ARTHAUS
Das war der klassische Fall, bei dem der ORF in Österreich versagt hat. Direktor Dominique Meyer hat gleich in seiner ersten Saison als Direktor der Wiener Staatsoper riskiert, was vor ihm in Jahrzehnten nicht stattgefunden hatte: die Produktion einer Barockoper, sprich: ein großer Händel. Und er hat glorreich gesiegt, mit einer „Alcina“, die keinerlei Wünsche offen ließ. Der ORF war nicht so mutig – man konnte sich offenbar keinen Quoten-Gewinn ausrechnen, wenn man dieses Werk aufzeichnete. So kam damals der Privatsender „Servus“ (wo Ex-Direktor Holender sich auch umtut) zur Ehre, diese „Alcina“ zu senden. ARTHAUS hat die Produktion nun auf DVD herausgebracht. Und hat damit den Wunsch aller Opernfreunde erfüllt, die diesen Abend gesehen haben – die Wiederholbarkeit einer exemplarischen Aufführung.
Denn wie immer die diversen Einwände der Kritiker gelautet haben mögen – die Idee von Regisseur Adrian Noble, die Handlung von „Alcina“ in die Welt des Georg Friedrich Händel zu versetzen und quasi eine barocke „Party“ daraus zu machen, funktioniert schlicht und einfach. Die Herzogin von Devonshire und ihre Freunde führen „Alcina“ auf, was einerseits die volle ästhetische Schönheit des Unternehmens garantiert, aber auch eine Ebene der Verfremdung einzieht, die vor Gelächter über allzu viel Blödsinn der Handlung bewahrt. Im Grunde wandert das Werk von einer Arie zur nächsten, und der Regisseur hat sinnvollerweise nichts anderes zu tun, als das Geschehen für den Zuschauer möglichst kurzweilig zu halten: Schließlich bekommt man auch auf der DVD ohne Pause noch immer dreieinviertel Stunden Opernhandlung geboten, das ist nicht wenig.
Und da die Briten viel weniger Angst davor haben, als „unzeitgemäß“ eingestuft zu werden (wovor deutsche Regisseure geradezu zittern), hat Noble keine Meta-Ebene tieferer Bedeutung eingezogen. Er geht davon aus, dass die Aufführung eine Händel-Oper ein Fest war, und er beschert dieses den Betrachtern. Die zuhause vor den Fernsehern vermutlich viel besser sitzen als in engen Opernreihen und das Ereignis möglicherweise entspannter und glücklicher genießen können als „live“ (ohne jetzt im geringsten in die Diskussion einsteigen zu wollen, wie viel die „Konserve“ im Vergleich zum Erlebnis des „Dabeiseins“ bietet).
Machen wir uns nichts vor: Diese „Alcina“-Aufführung wäre in Wien nicht dieser Erfolg geworden, hätte man nicht Anja Harteros für die Hauptrolle hergeholt. Zwar wird Händel landauf, landab mit einem Team von Spezialisten auf der Bühne realisiert (Musiker, Dirigenten, Sänger), die von einem Team vom Spezialisten im Publikum goutiert werden (wie im Theater an der Wien), denen es um Händel und die Musik geht und nicht um einen Star. Diese Bereitschaft eines „Spezial-Publikums“ fand sich in der Wiener Staatsoper nicht, und darum bedurfte es des außergewöhnlichen Persönlichkeitsreizes der Hauptdarstellerin, um dem Abend seinen funkelnden Zauber zu verleihen. Die Harteros ist wunderschön, sie singt ebenso, sie ist mit voller Überzeugungskraft präsent. Eine Leistung wie diese gehörte aufbewahrt.
Rundum die Premierenbesetzung mit den Damen Vesselina Kasarova (Ruggiero), Veronica Cangemi (Morgana) und Kristina Hammarström (Bradamante), den Herren Benjamin Bruns (Oronte) und Adam Plachetka (Melisso). Nur der japanische Junge der Premiere ist auf der Aufzeichnung durch den inzwischen zu fast übergroßem Ruhm gelangten Florianer Sängerknaben Alois Mühlbacher ersetzt worden.
Ein Teil des überdurchschnittlichen Erfolgs des Abends, der auch von der DVD leuchtet, geht auf das Konto von Marc Minkowski, der Les Musiciens du Louvre leitete – womit Meyer etwas ins Haus gebracht hat, was die Wiener Philharmoniker nicht hätten leisten können. Was ein Originalklang-Ensemble mitbringt, ist eine Erfahrung, ein Wissen, ein Fühlen um diese Musik, das sich mitteilt. Kurz – schön, dass es diese Aufzeichnung gibt.
Renate Wagner
ALCINA
von Georg Friedrich Händel
Wiener Staatsoper, 2010
Anja Harteros – Alcina
Vesselina Kasarova – Ruggiero
Veronica Cangemi – Morgana
Kristina Hammarström – Bradamante
Alois Mühlbacher (Florianer Sängerknabe) – Oberto
Benjamin Bruns – Oronte
Adam Plachetka – Melisso
Wiener Staatsballett
Les Musiciens du Louvre – Grenoble
Dirigent: Marc Minkowski
Regie: Adrian Noble
Choreographie: Sue Lefton
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LES TROYENS Valencia 2010

LES TROYENS
Palau de les Arts ‘Reina Sofía’ Valencia 2010
Major / Unitel Classica
Lange Zeit stand das Werk von Hector Berlioz außerhalb Frankreichs eher am Rande des Opernrepertoires. Zumal seine „Trojaner“ von 1863/1879, sogar zweiteilig uraufgeführt, „große Oper“ schlechthin. Das erschien allgemein zu lang, zu aufwendig, auch zu schwer zu besetzen, um sich zu lohnen. Immerhin, nach und nach machten große Häuser eine Kraftprobe daraus – die DVD aus der Met 1983 mit Jessye Norman als Cassandre, Tajana Troyanos als Didon und Placido Domingo als Énée blieb lange das einzige Dokument. Freunde französischer Oper werden sich die Salzburger Aufführung von 2000 aufgezeichnet haben (damals noch auf VHS-Videobändern), wo Deborah Polaski das Kunststück unternahm, zuerst Cassandre, dann auch die Dido zu singen, eine Rolle, die sonst immer getrennt wird – 2004, bei der letzten DVD-Aufzeichnung aus dem Théâtre du Châtelet in Paris in die wunderbaren Damen Anna Caterina Antonacci (Cassandre) und Susan Graham (Didon) in einer unaufgeregt elegant-stilisierten Regie von Yannis Kokkos.
Und zuletzt hat man Palau de les Arts ‘Reina Sofía’ 2009 in Valencia das Werk La Fura dels Baus anvertraut, die mit ihrem „Ring des Nibelungen“ ja zurecht Ruhm errungen haben. Nach zu vielen szenisch schlechtweg langweiligen, statischen, ideenlosen Aufführungen des Werks (der Wiener „Ring“ ist ein Paradebeispiel dafür) war es durchaus berechtigt, alle Kunststücke, derer die zeitgemäßen Computertricks fähig sind, zu einem überbordend überwältigenden optischen Eindruck zu fügen. Und die „Trojaner“ mit ihrer Spieldauer von über vier Stunden schienen das auch zu vertragen.
Die Premiere mit Valery Gergiev am Pult war Ende Oktober 2009 (damals noch mit Stephen Gould als Énée), aufgezeichnet wurde eine Wiederaufnahme von 2010, mit Wagner-Held Lance Ryan in der Rolle, in der es mit Kraft zu schmettern gilt. Wobei, das sei gleich gesagt, Didon mit der Italienerin Daniela Barcellona und Cassandre mit der Portugiesin Elisabete Matos nach internationalen Maßstäben nicht allzu hoch besetzt waren, wenn man auch in der Opernwelt auf „Name Dropping“ geht (und wie sehr ist das der Fall!). Aber wer nicht ohnedies nach den alten Met-„Trojanern“ mit der Spitzenbesetzung greift, der wird diese „Trojaner“ ohnedies wegen der Inszenierung wählen. Diese hat schon in den Kritiken Widerspruch erregt und wird es wohl auch tun, wenn man sie am Bildschirm erlebt (je größer der Bildschirm, umso besser!).
Ohne Videospiele geht es nicht bei dem Fura dels Baus-Regisseur Carlus Padrissa, sie füllen die Bühne und entwickeln mehr abstrakt als konkret Phantasiewelten, die mit Projektionen und Schattenspielen hier durchaus abstrus ausfallen, wenn man manchmal auch recht fasziniert hinsieht. Auch bei den Personen setzen die „Einfälle“ auf der Stelle ein, wenn der Chor wie eine Mannschaft amerikanischer Football-Player daherkommt – mit Maschinenpistolen wohl gemerkt (später blitzen Spiegel-Schilder). Ob E.T., ob Männer in Sternenritter-Rüstungen, an einschlägigen Einfällen mangelt es nicht, dem „Krieg der Sterne“ verdankt die Aufführung viel, wenn sie damit auch manchmal an der Grenze der Albernheit kommt – etwa auch in den Balletteinlagen.
Wer das Werk nicht kennt, wird wohl kaum etwas mitbekommen, am allerwenigsten, warum Karthago am Ende in einem Turm aus Fernsehbildschirmen untergeht. Dergleichen erscheint dann langsam als müdes Zitat einer technologisierten Gegenwart, die mit dem Mythos wenig zu tun hat und nur noch quasi automatisch im Dienst einer angeblich „zeitgemäßen“ Interpretation herangezogen wird. Cassandre im Rollstuhl wirkt wie eine alte Hexe, etwa wie die Pique-Dame-Gräfin, Didon wie eine Madame Butterfly frisiert und gelegentlich zwischen Röhren angesiedelt, die Kostüme zitieren Japanisches ebenso wie Kino-Star Wars, und so hat man am Ende ein Mischmasch, das zwar flüchtig mit Bildern unterhält, aber eigentlich das Werk verkauft.
Weil es sich um eine Co-Produktion mit Warschau und St. Petersburg handelt, steht Valery Gergiev am Pult, und das ist überhaupt keine schlechte Lösung, denn der Russe steht für eine ursprüngliche Dynamik, die hier über weite Stellen gefragt ist, wenn man die subtilen Passagen auch nicht unterschätzen soll und Gergiev die schwelgerischen Töne geradezu verliebt realisiert, so wie er das Pastose nicht langweilig macht.
Daniela Barcellona (Didon) muss über ihre abenteuerliche Gewandung hinwegsingen und ist recht hell für eine Mezzopartie, mit viel dramatischem Tremolo. Sie klingt, was nicht sein sollte, sehr ähnlich wie Elisabete Matos, die man stimmlich, trotz schön-dunkler Mittellage, aber mit eher schriller Höhe, nicht in die Reihe der wirklich großen Cassandre -Interpretinnen einreihen wird. Lance Ryan Énée ist wahrlich als Sternen-Ritter gewandt und singt in Ordnung, aber das große Belcanto-Fest ist es rundum nicht. Da reüssieren manche Nebenrollen vergleichsweise mehr -
Gabriele Viviani als Chorèbe in Ritterrüstung und mit schönem Bariton, Stephen Milling als Narbal mit prächtigem Bass.
Alles in allem: Optisch eine wüste Sache. Könnte aber sein, dass man mit dergleichen den Zeitgeist trifft – und ein paar kinoverrückte Jugendliche sich solcherart eine Oper ansehen. Bzw. eine Show mit Berlioz-Musik…
Renate Wagner
LES TROYENS
von Hector Berlioz
Aus dem Palau de les Arts ‘Reina Sofía’,
Valencia 2010
Musikalische Leitung: Valery Gergiev
Inszenierung: Carlus Padrissa/La Fura dels Baus
Bühnenbild: Roland Olbeter
Video: Franc Aleu
Kostüme: Chu Uroz
Lance Ryan (Énée)
Gabriele Viviani (Chorèbe)
Giorgio Giuseppini (Panthée)
Stephen Milling (Narbal)
Elisabete Matos (Cassandre)
Daniela Barcellona (Didon)
Eric Cutler (Iopas)
Oksana Shilova (Ascagne)
Zlata Bulicheva (Anna)
Dmitri Voropaev (Hylas)
Askar Abdrazakov (Priam)
Cor de la Generalitat Valenciana
Orquestra de la Generalitat Valenciana
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GOYA Wien, 2004

GOYA von Giancarlo Menotti
Theater an der Wien, 2004
ORF / ARTHAUS
Diese Aufzeichnung erinnert daran, dass Plácido Domingo schon seit langem seine Alterskarriere entschlossen in die Hand genommen hat. „Il Postino“ von Daniel Catán 2010 war keinesfalls die erste Oper, die er sich komponieren ließ. Den „Goya“, den der große Gian Carlo Menotti ihm schon 1986 auf den Leib geschrieben hatte (Uraufführung damals „bei Domingo“ in Washington), passte ihm auch noch bei der damals erst zweiten Produktion des Werks 2004 im Theater an der Wien noch immer wie angegossen (damals klang, was er zu singen hat, noch weitgehend tenoral).
Es ist die Geschichte des spanischen Malers Francisco de Goya y Lucientes, sein leidenschaftliche Hin und Hergerissensein zwischen Leben und Kunst (die Frauen verstehen nicht recht, dass sie hintan stehen müssen). „Goya“ zeigt, nach Menottis eigenem Libretto, einige wenige Stationen aus dem Leben des großen spanischen Malers: der junge Künstler in der Schenke, wo er der anspruchsvollen Herzogin von Alba begegnet; der Maler, der durch die Bilder der exzentrischen Herzogin Ruhm gewinnt; sein Erscheinen am spanischen Hof, wo sich auch die Tragödie seines Lebens, seine Ertaubung, über ihn senkt; die Ermordung der Herzogin durch die Königin; Goyas einsamer Tod im französischen Exil, wobei dies die Spitzenszene für den Interpreten der Titelrolle darstellt. Er selbst ist der alte, sterbende Goya im Lehnstuhl und der junge, der ihm den Prozess macht. Musikalisch ist Menotti nur ein paar Schritte weg von den klassischen Belcantisten, und Domingo bekommt wahrlich seine stimmlichen Möglichkeiten.
Die Wiener Inszenierung stammt von Kaspar Bech Holten und begnügt sich mit ein paar eindrucksvollen optischen Effekten, etwa gelegentlich blurote Räumen, als befände man sich im Inneren eines geschundenen Körpers.
Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien realisiert das Werk unter der Leitung von Emmanuel Villaume, der Goya ist eine große Rolle für Plácido Domingo, die aufzubewahren sich lohnt (hoffentlich muss man nicht so viele Jahre warten, bis die DVD des « Postino » erscheint !). Die weibliche Hauptrolle hat Michelle Breedt, eine Herzogin mit dunklen Locken und wütender Leidenschaft: dem Zorn, der aus ihren Großaufnahmen sprüht, möchte man nicht begegnen. Iride Martinez lieferte ein Meisterstück in einem gesungenen hysterischen Ausbruch der Königin Maria Luisa. Der Wiener Opernfreund erkennt zu Beginn, in einer Mini-Rolle am Anfang ihrer Karriere, noch Nadia Krasteva, auch Christian Gerhaher, heute so berühmt, ist noch in einer Nebenrolle dabei.
Die Aufzeichnung, die seinerzeit für den ORF gemacht wurde, ist – möglicherweise erst für das Erscheinen der DVD – wirkungsvoll filmisch bearbeitet worden. Man arbeitet etwa mit mit Überblendungen, bewussten Unschärfen die auf Rückblenden hinweisen. Kurz, das ist nicht abgefilmte Oper, das ist eine in jeder Hinsicht höchst bewegte Sache.
Renate Wagner
GOYA
Opera in three acts
Libretto by Gian Carlo Menotti
Francisco de Goya y Lucientes Plácido Domingo
Doña Cayetana, Duchess of Alba. Michelle Breedt
María Luisa, Queen of Spain Íride Martínez
Charles IV, King ofSpain Andreas Conrad
Don Manuel Godoy Maurizio Muraro
Martín Zapater Christian Gerhaher
Singer / Leocadia Nadia Krasteva
A Maid PetraSimkova
Innkeeper / Majordomo Sergio Raonic Lukovic
Emmanuel Villaume, conductor
Kasper Bech Holten, stage director
Steffen Aarfing , stage & costume designer
Jesper Kongshaug, lighting
Nikolaus Adler, choreography
Matthias Köhler, chorus master
Radio-Symphonieorchester Wien
Festival-Chor KlangBogen Wien
Live from the Theater an der Wien, 2004
Directed for TV and Video by Karin Veitl and Thomas Bogensberger
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