GOYA Wien, 2004

GOYA von Giancarlo Menotti

Theater an der Wien, 2004

ORF / ARTHAUS

Diese Aufzeichnung erinnert daran, dass Plácido Domingo schon seit langem seine Alterskarriere entschlossen in die Hand genommen hat. „Il Postino“ von Daniel Catán 2010 war keinesfalls die erste Oper, die er sich komponieren ließ. Den „Goya“, den der große Gian Carlo Menotti ihm schon 1986 auf den Leib geschrieben hatte (Uraufführung damals „bei Domingo“ in Washington), passte ihm auch noch bei der damals erst zweiten Produktion des Werks 2004 im Theater an der Wien noch immer wie angegossen (damals klang, was er zu singen hat, noch weitgehend tenoral).

Es ist die Geschichte des spanischen Malers Francisco de Goya y Lucientes, sein leidenschaftliche Hin und Hergerissensein zwischen Leben und Kunst (die Frauen verstehen nicht recht, dass sie hintan stehen müssen). „Goya“ zeigt, nach Menottis eigenem Libretto, einige wenige Stationen aus dem Leben des großen spanischen Malers: der junge Künstler in der Schenke, wo er der anspruchsvollen Herzogin von Alba begegnet; der Maler, der durch die Bilder der exzentrischen Herzogin Ruhm gewinnt; sein Erscheinen am spanischen Hof, wo sich auch die Tragödie seines Lebens, seine Ertaubung, über ihn senkt; die Ermordung der Herzogin durch die Königin; Goyas einsamer Tod im französischen Exil, wobei dies die Spitzenszene für den Interpreten der Titelrolle darstellt. Er selbst ist der alte, sterbende Goya im Lehnstuhl und der junge, der ihm den Prozess macht. Musikalisch ist Menotti nur ein paar Schritte weg von den klassischen Belcantisten, und Domingo bekommt wahrlich seine stimmlichen Möglichkeiten.

Die Wiener Inszenierung stammt von Kaspar Bech Holten und begnügt sich mit ein paar eindrucksvollen optischen Effekten, etwa gelegentlich blurote Räumen, als befände man sich im Inneren eines geschundenen Körpers.

Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien realisiert das Werk unter der Leitung von Emmanuel Villaume, der Goya ist eine große Rolle für Plácido Domingo, die aufzubewahren sich lohnt (hoffentlich muss man nicht so viele Jahre warten, bis die DVD des « Postino » erscheint !). Die weibliche Hauptrolle hat Michelle Breedt, eine Herzogin mit dunklen Locken und wütender Leidenschaft: dem Zorn, der aus ihren Großaufnahmen sprüht, möchte man nicht begegnen. Iride Martinez lieferte ein Meisterstück in einem gesungenen hysterischen Ausbruch der Königin Maria Luisa. Der Wiener Opernfreund erkennt zu Beginn, in einer Mini-Rolle am Anfang ihrer Karriere, noch Nadia Krasteva, auch Christian Gerhaher, heute so berühmt, ist noch in einer Nebenrolle dabei.

Die Aufzeichnung, die seinerzeit für den ORF gemacht wurde, ist – möglicherweise erst für das Erscheinen der DVD – wirkungsvoll filmisch bearbeitet worden. Man arbeitet etwa mit mit Überblendungen, bewussten Unschärfen die auf Rückblenden hinweisen. Kurz, das ist nicht abgefilmte Oper, das ist eine in jeder Hinsicht höchst bewegte Sache.

Renate Wagner

GOYA

Opera in three acts

Libretto by Gian Carlo Menotti

Francisco de Goya y Lucientes   Plácido Domingo
Doña Cayetana, Duchess of Alba.   Michelle Breedt
María Luisa, Queen of Spain   Íride Martínez
Charles IV, King ofSpain   Andreas Conrad
Don Manuel Godoy    Maurizio Muraro
Martín Zapater   Christian Gerhaher
Singer / Leocadia   Nadia Krasteva
A Maid     PetraSimkova
Innkeeper / Majordomo    Sergio Raonic Lukovic

Emmanuel Villaume, conductor
Kasper Bech Holten, stage director
Steffen Aarfing , stage & costume designer
Jesper Kongshaug, lighting
Nikolaus Adler, choreography
Matthias Köhler, chorus master

Radio-Symphonieorchester Wien
Festival-Chor KlangBogen Wien

Live from the Theater an der Wien, 2004
Directed for TV and Video by Karin Veitl and Thomas Bogensberger

 

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