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ESSEN/ PHILHARMONIE: ANGELA GHEORGHIU – WOHLKLANG UND EIN TOLLER TENOR

Angela Gheorghiu – Wohlklang… und ein toller Tenor”

Philharmonie Essen am Samstag, dem 11. Februar 2012

Jubel und “Hoch”- Rufe für Roberto Alagna den großen Tenor und Ehepartner des Abendstars, nicht auf der Bühne – nein, als er den Zuschauerraum betritt und erkannt wird. Vielleicht auch eine Art Entschuldigung für das schnöselige italienische Publikum, welches 2006 an der Scala (wo sonst?) während einer “Aida” diesen schönen Sänger erbarmungslos ausgebuht hat, worauf Alagna mitten in der Vorstellung die Bühne verließ. Recht so! Wir hier in Essen lieben diesen Mann – quod erat demonstrandum. “Hoch Roberto!”

Wenn der Rezensent über den rumänischen All-Star Angela Gheorghiu schreibt und ihr Konzert in der Essener Philharmonie kritisch würdigen möchte, dann muß er sich erst einmal von ihrem vielverbreiteten Presse-Image loslösen, denn die schöne Angela sie gilt als außerordentlich schwierig und man findet immer wieder das Wort “Zicke” in den Feuilletons.

Ich kann mit großer Freude nur Positives berichten und muß erst einmal bestätigen, daß sie für das Eintrittgeld von 100 Euro (für einen guten Platz) ihren Fans allein quantitativ enorm viel geboten hat. Das Konzert dauerte von 20 h bis 22 30 h (5 Zugaben!) und in der nach-konzertlich angehängten Autogrammstunde saß sie bestimmt noch bis spät in die Nacht für ihre Anhänger bereit, deren hunderte (viele ältere wohlsituierte Herren) auch nach Mitternacht wohl noch stundenlang ausharrten. Das nenne ich Treue! Ach hätten Sie nur solche tollen echten Freunde und Verehrer, Herr Bundespräsident Wulff!

Beim Begriff “Zicke” denke ich, nach meinen Erfahrungen in der Essener Philharmonie eher an einen großen Weltentenor, eine männliche Zicke wie einige behaupten, auch wenn ich das Wörtlein so niemals direkt verwenden würde. Ich habe immer noch das minimale Mager-Konzert von Herrn Diego Florez in Erinnerung, welches gut 45 Minuten kürzer war (incl. einer simplen Dacapo-Zugabe), aber bei erheblich höherem Eintrittspreis. Auch denke ich noch immer über die nach der Pause verkündete Drohung des Intendanten (!) verbunden mit der Vorwarnung des sofortigen Konzert-Abbruchs, wenn ihn weiterhin seine Fans aus dem Parkett hinterhältig fotografieren würden.

Doch zurück zu “La Gheorghiu”; sie bot ein buntes Kaleidoskop an Arien und Songs über die gesamte zeitliche Historie der Gattung Oper, bis hin zum heutigen Musical (“I could have danced all night…”) – ein variantenreiches Programm:

“Lascia ch´io pianga” (Händel) RINALDO
“Amato Alfredo…” im Duett mit Manea (Verdi) LA TRAVIATA
“Vive amour qui rève” (Massenet) CHERUBIN
“O soave fanciulla” im Duett mit Manea (Puccini) LA BOHEME

“Va, je t´ai perdonne…” im Duett mit Manea (Gounod) ROMEO & JULIETTE
Das Lied an den Mond (Dvorak) RUSALKA
“Ebben, ne andrò lontana…” (Catalani) LAWALLY
“Muzika” (Grigoriu) DONAUSWELLEN

Den im Programmheft avisierten Schlager “O mio babbino caro” aus Puccinis “Gianni Schicchi” ließ sie leider – zur Enttäuschung ihrer Fans – aus; einmal Puccini reicht ja auch eigentlich. Dafür gab es eine recht variantenreiche Zugabenmischung vom Volkslied über Traditionals (Granada) bis zum erwähnten Musical.

Als Kritiker hat man natürlich bei einem solchen Konzert die Ohren schon angefüllt mit dem Gesang vergleichbar großer Stars, wie Celia Bartoli, Anna Netrebko, Renée Fleming, Anja Harteros, Marlis Peterson, Mojca Erdmann oder Diana Damrau – um nur Einige zu nennen. Und da wird es dann schon schwierig zu beschreiben, welche Stücke heuer von dieser schönen Diva noch wirklich als absolut herausragend und gänsehauterzeugend zu bewerten sind, und warum es sie über die angesprochenen Kolleginnen aus der Premier-League stellt; hatte sie doch gerade eine CD, die sie als Hommage an die Callas betitelte, herausgebracht. Die Fans wollten “La Traviata” – Auszüge aus jener Oper mit der ihr internationaler Siegeszug 1992 begann und bei deren Interpretation der große Sir Georg Solti sogar Tränen in de Augen gehabt haben soll.

Niente! An diesem Abend war nichts solo Belcanteskes von Verdi oder Puccini dabei, außer dem unvermeidlichen Ab- und Ansingen des Verdi-Highlights “Bibiamo…” als quasi Abschiedsongs (letzte Zugabe) mit unerträglicher Klatschmarsch-Begleitung eines sich schon im Aufbruchstrubel befindlichen Publikums. Da kehrt man doch gerne nochmal ins Auditorium zurück um im Klatschmarsch unserem schönen Verdi den Rest zu geben. Übler und unsensibler kann man das Trinklied kaum klatschend zerhacken. Aber es schien den Künstlern zu gefallen! Und das edle Publikum gefiel sich ohnehin.

Stichwort “Künstler.” Da möchte ich unbedingt eine große Lanze für einen der besten Tenöre brechen, die ich in den letzten Jahren gehört habe: Marius Manea. Bitte den Namen merken! Wenn mich nicht alles täuscht, hat der Rumäne noch eine große Zukunft vor sich. Der Mann singt grandios und hat eine stupende Atemtechnik. “E lucevan le stelle” – hatte man bei Pavarotti, zumindest im fortgeschrittenen Alter, stets die Angst, dass dem Weltstar bei den Spitzentönen gleich der Schädel platzt, gelangt Manea mit schier müheloser Leichtigkeit und kraftvoller Dramatik in die höchsten Töne. Seine Arie des Macduff “Ah, la paterna Mano” war eine Meisterleistung und auch als Duett-Partner hatte man durchgängig irgendwie den Eindruck, dass er seine Partnerin fast an die sprichwörtliche Wand sang.

Bild: Bayerische Staatoper

Hören Sie sich diesen wunderbaren Burschen an:

http://www.youtube.com/watch?v=X4D6xTodvFo

http://www.youtube.com/watch?v=z5i1mr1Pqgs

Tiberius Soare musizierte mit der Philharmonie Südwestfalen auf hohem Niveau, wenn auch manchmal etwas laut. Seine Musikalien-Auswahl an Highlights war einfach und herzerweichend: Forza-Ouvertüre, die berühmten Intermezzi von Puccini und Mascagni und ein Kaiserwalzer, der sich gewaschen hatte. Ja, da hätten Euch die Ohren geklungen, liebe Wiener Freunde…

Peter Bilsing

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