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DER DIKTATOR

 

Ab 18. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
DER DIKTATOR
The Dictator  /  USA  /  2012
Regie: Larry Charles
Mit: Sacha Baron Cohen, Ben Kingsley, Anna Faris u.a.

Nein, der „große Diktator“ ist es nicht, eher eine kleiner, und auch da leider nur eine Blödelparodie, die man partiell genießt. Der Brite Sacha Baron Cohen hat sich mit „Borat“ und „Brüno“ den Ruf einer rechten „Rotzpiepe“ der Leinwand eingehandelt, der es nie an Frechheit fehlt – und das oft haarsträubend.

Aber sich einen Kunst-Diktator im Gaddafi-Look auszudenken, der in seinem erdichtetem Heimatland (in Palästen, die an jene der Emirate erinnern) willkürlich handelt (und killt) – und der ganzen Vorgabe dann nur eine harmlos-heitere Wende zu geben, das stuft den „Diktator“ von der möglichen Polit-Satire zur schlichten Klamotte herab.

Da hat „General Aladeen“, unumschränkter Herrscher des fiktiven nahöstlichen Staates Wadiya, einen bösen Onkel (der große Ben Kingsley immerhin!), der ihm an den Kragen will und seine Ermordung vorbereitet. Das Double (ein törichter Schafhirte) steht auch schon bereit, um der UNO zu verkünden, dass Wadiya sich in eine Demokratie wandeln wird (denn nur so kann Onkelchen mit den Chinesen lukrative Geschäfte machen). In dieser Hinsicht ist der Film, für den Cohen sich selbst das Drehbuch schrieb, wenigstens nicht ganz lebensfremd.

Aladeen, als Original mit seinem Double verwechselt, landet in New York hilflos auf der Straße und kann nur bei einer Gruppe feministischer Alternativen unterschlüpfen, die einen Bioladen führen und alle Leidenden von der Straße aufklauben. Obwohl ihm dieses Gutmenschentum äußerst lächerlich erscheint, zerbrechen seine schlechten Macho-Manieren ja dann doch an der unendlichen Sanftmut der rührenden Zoey (Anna Faris). Klar, dass es beim Hochzeits-Happyend die Schlusspointe geben muss, dass der gezähmte Diktator – eine Jüdin geheiratet hat…

Es gibt ganz wenige Passagen des Films, wo sich Cohen zu einer Spur politischer Schärfe und Relevanz aufschwingt – wenn er etwa aufzählt, was ein Diktator alles kann und man unschwer begreift, dass das meiste davon in der Demokratie absolut gang und gebe ist.

Aber darüber hinaus geht es nicht. Und die Witze unter der Gürtellinie, die reichlich bedient werden, sind bei ihm ja immer Geschmacksache, und sein Leib- und Magenregisseur Larry Charles macht da mit. So mutiert ausgerechnet Aladeen zum Geburtshelfer, damit man mit der Kamera tief in den Bauch der Mama schlüpfen und die Hände der falschen „Hebamme“ beobachten kann. I Gitt. Als es dann ein Mädchen wird, sagt der Macho doch glatt: „Wo ist der Abfalleimer?“

Schade – man hat das dumpfe Gefühl, dass der Film viele seiner immanenten Möglichkeiten verspielt hat.

Renate Wagner 

 

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NATHALIE KÜSST

Ab 11. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
NATHALIE KÜSST
La Delicatesse  /  Frankreich  / 2011 
Regie: David Foenkinos, Stéphane Foenkinos           
Mit: Audrey Tautou u.a. 

Man ist ja so dankbar, wenn eine Kinogeschichte einmal nicht nach dermaßen vorhersehbaren Klischees läuft, dass man sie ohne Hilfe der Leinwand weitererzählen könnte. Was Natalie passiert, geht zwar im mühsamen Schneckengang, der auf einen zugrunde liegenden Roman schließen lässt – tatsächlich hat ihn einer der Regisseure, David Foenkinos, auch geschrieben, und sein Bruder Stéphane Foenkinos hat bei der Kinoumsetzung geholfen – , aber es ist wenigstens eine „andere“ Geschichte als üblich.

Zuerst gibt’s Liebe, Freude, Eierkuchen. Natalie ist nichts Spektakuläreres, nicht viel mehr als Programmverkäuferin in einem Theater, und von ihrem Liebsten erfährt man nicht viel, außer dass sie ihn heiratet und glücklich ist. Es geht ja auch alles ganz schnell – sie blickt kaum von ihrem Buch auf, als er abends zum Joggen geht. Und dann passiert das, was der Alptraum jedes Liebenden ist: Der andere kommt nicht mehr heim. Vom Auto überfahren. Spital, Tod, Friedhof. Seltsam und beklemmend die Szene, als Natalie wie erstarrt gleich danach sämtliche Besitztümer ihres Mannes (inklusive Laptop) in Müllsäcke wirft und wegschmeißt.

Von da an ist sie katatonisch. Beruflich allerdings läuft plötzlich alles toll – sie wird zur Karrierefrau. Arbeitet sich in einer Firma hoch, leitet eine Abteilung. Aber das kann es ja nicht sein, die Frau ist ja noch jung. Und wäre Natalie anders, als Audrey Tatou sie mit allen Anzeichen einer unsicheren, erschütterten Seele darstellt (so dass man immer noch die leere Höhle in ihr spürt), dann würde sie sich ja wohl mit ihrem Chef (Bruno Todeschini, der elegante, aalglatte Upper-Class-Franzose) einlassen. Aber es ist der schwedische „Gastarbeiter“ Markus, der in ihrer Abteilung arbeitet, der Natalie plötzlich so in Verwirrung setzt, dass sie ihn küsst…

Es ist nicht konventionelle Liebes-Psychologie, die sich nun entwickelt, denn dieser Markus (dem wirklich höchst unspektakulär aussehenden Francois Damiens gelingt es, skandinavisch zu wirken) ist alles andere als der klassische Liebhaber: Natalies Freunde sind sogar ziemlich entsetzt von diesem hölzernen Möbel von Mann. Aber er hat, was anderen fehlt: die Sensibilität.

Freilich, die französischen Filme, die oft so gut beginnen, versinken am Ende gerne in Sentimentalität. Dieser tut es auch. Dass Natalie plötzlich die so wichtige Arbeit sein lässt, um mit Markus zu ihrer Großmutter aufs Land zu fahren, und dass er dort, in dem Garten, wo sie aufgewachsen ist, quasi ihre Seele erspürt… das kommt doch etwas dick von der Leinwand. Aber sensible Kinobesucher werden von dem schwebenden Happyend vermutlich angetan sein.

Renate Wagner        

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DARK SHADOWS

Ab 11. Mai 2012 in den österreichischen Kino
DARK SHADOWS
Regie: Tim Burton
Mit: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Eva Green, Helena Bonham-Carter u.a.

Das war einmal – es ist vermutlich keine Bildungslücke, dies nicht zu wissen – eine amerikanische Fernsehserie (ein bisschen Gothic-Seifenoper mit Vampir à la Addams Family). Jetzt ist es einer jener Filme, die unter dem „Markenzeichen“ laufen: Tim Burton & Johnny Depp. Das hat zwar nicht immer gleich bleibende Qualität, aber so gut wie immer Spaß versprochen. So ist es auch diesmal, wenn auch eher gemütlich. Depp grimassiert sich zwar permanent durch den Film, damit niemand auf die Idee kommen kann, das sei anders als lustig, lustig, lustig gemeint. Aber so richtig zündend ist die Story nicht.

Sie holt sich ein paar der üblichen Effekte aus einem Zeitreise-Szenario (plus Kultuschock – huch, wie ist mehr als 200 Jahre später alles anders!). Das heißt, man beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts in den USA, in einem Küstenstädtchen von Maine, wo die Familie Collins durch Fischfang reich wird und sich ein monströses Haus namens Collinwood Manor baut. Hätte der junge Herr Barnabas (damals schon Johnny Depp) nur den Verstand gehabt, das Dienstmädchen (Eva Green – die Inkarnation einer parodierten Hexenschlange) nach dem Sex nicht abzuweisen: Sie hätte ihn nicht in einen Vampir verwandelt und in einen Sarg gesteckt – und wir hätten keine Geschichte.

Aber so wird er, Zeitsprung in die siebziger Jahre, die ja optisch ganz lustig sind, nach ein paar Jahrhunderten wieder ausgebuddelt. Und stellt sich seiner nunmehrigen Familie vor. Die wohnen, obwohl sie längst kein Geld mehr haben, noch immer in Collinwood Manor und sind ihrerseits seltsam genug.

Regisseur Tim Burton holt seine Effekte aus der Gestaltung der Figuren: Depp als der gewissermaßen stets spinnwebenumgebene Vampir von gestern, der sich in einer neuen Welt zurechtfinden muss, mehr liebenswert als schaurig; die herrliche (wenn auch möglicherweise durch künstliche Nachhilfe in ihrem Gesicht leicht zerstörte) Michelle Pfeiffer als seine rätselhafte Nachfahrin, die kein Geld und viel Ärger hat; und Eva Green, die Hexe, ist immer noch da, hat das Gewand des verschmähten Dienstmädchens gegen das der Karrierefrau vertauscht und die paar Hundert Jahre, die Barnabas im Sarg eingesperrt war, damit verbracht, die Familie Collins zu ruinieren und ihr eigenes Fischerei-Imperium aufzubauen… Das echte Love Interest des Helden muss es auch geben, und Bella Heathcote spielt die Schöne in der Vergangenheit und Gegenwart so blass und fragil, wie es in einer Welt, wo ja doch die Vampire los sind (und Hexen und Werwölfe – man will ja gar nicht sagen, wer sich als solcher entpuppt), höchst angemessen erscheint. Ein bisschen Jugend (aufsässiger weiblicher Teenie, rührender Junge) ist auch noch da.

Wo Tim Burton ist, ist auch seine köstliche Gattin Helena Bonham Carter, hier in der Rolle einer überkandidelten, rothaarigen Psychiaterin, die selbst so gern ein Vampir wäre, um sich Unsterblichkeit zu sichern…

Wie gesagt, die Figuren stimmen, und dass die Story, die man entwickelt – Barnabas, der im Grunde „gute“ Vampir, muss die Familie und sich vor der Bösewichtin retten – eher schmal ausfällt, sollte man solcherart nur am Rande bemerken. Allerdings war Burton schon skurriler, radikaler und schräger als hier. Mit Mitte 50 muss man ja lange noch nicht „brav“ werden…?

Wie dem auch sei, seine Filme waren immer in erster Linie solche für Fans seiner Filmsprache und von Johnny Depp. Und die werden sich auch hier (moderat) unterhalten.

Renate Wagner

 

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DIE KÖNIGIN UND DER LEIBARZT

Ab 4. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
DIE KÖNIGIN UND DER LEIBARZT
En kongelig affære  /  Dänemark, Schweden, CR, Deutschland  /  2012 
Regie: Nikolaj Arcel
Mit: Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Mikkel Boe Følsgaard u.a.

Wer ein wenig die Zeit des deutschen Films der fünfziger Jahre im Kopf hat, der weiß Bescheid: „Struensee“ hieß ein Film mit O.W.Fischer in der Rolle des deutschen Arztes, der als Leibarzt des mehr oder minder geistig gestörten Dänenkönigs Christian VII. (eine Meisterleistung von Horst Buchholz) nach Kopenhagen geholt wurde und dort unvorsichtigerweise eine Affäre mit der aus England stammenden Königin Caroline Mathilde (damals die Französin Odile Versois) begann. Es ist eine historische Geschichte, die mit der grausamen Hinrichtung Struensees und der Verbannung der Königin endete und die immer wieder, vor allem in der Literatur, behandelt wurde.

Die Dänen haben nun (mit Hilfe von Schweden, Tschechen und Deutschen, kurz, eine aufwendige europäische Co-Produktion) dieses Stück ihrer eigenen Geschichte verfilmt. Und dabei hatte Regisseur und Drehbuchautor Nikolaj Arcel nicht nur die tragische Romanze im Auge, sondern ein Bild des 18. Jahrhunderts, in dem Konventionen und Aufklärung miteinander kämpfen – und vordringlich die Geschichte einer klugen jungen Frau, die in einer erzwungenen Ehe um ihr Recht auf Glück betrogen wird.

Tatsächlich ist der Film zwar ein sauber, wenn auch nicht übertrieben opulent gedrehter Historienschinken, aber so schön und differenziert gespielt und gedacht, dass er auch als mehr gelten kann (bei der diesjährigen Berlinale gab es auch zwei Silberne Bären, für das Drehbuch und den Darsteller des Königs). Es beginnt mit der sehr anmutigen Alicia Vikander, die als Caroline Mathilde das Geschehen trägt und die man 15jährig von ihrem England an einen feindseligen dänischen Hof begleitet, wo die Stiefmutter ihres Gatten die Fäden zieht und der seltsame König Christian (zweifellos eine Meisterleistung von Mikkel Boe Følsgaard, keineswegs als total Wahnsinniger gezeichnet) gar keine Rücksicht auf sie nimmt.

Gut ist es auch, dass Struensee in Gestalt von Dänemarks knorrigem Weltstar Mads Mikkelsen kein schöner Held ist wie einst O.W.Fischer, so dass man vor allem den geistigen Reiz nachvollziehen kann, den er und die Königin als zwei gebildete, fortschrittliche Menschen auf einander ausübten (der Sex kam dann dazu). Ausführlich lässt sich der Regisseur darauf ein, wie Struensee seine wachsende Macht beim König nur dazu benützt, die von feudalen Strukturen beherrschten und gewürgten Zustände in Dänemark zu verbessern – und dies natürlich auf Kosten der Mächtigen und Besitzenden. Diese unerwünschten Reformen haben ihn in weit höheren Ausmaß das Leben gekostet als die Affäre mit der Königin… Immerhin intrigiert Trine Dyrholm als Königinmutter Juliane Marie nach allen Regeln der Kunst überzeugend.

So wird Kino hier nicht zum oberflächlich optischen Ereignis, nicht nur zur psychologisch fein ausgefeilten Dreiecksgeschichte, sondern auch zum politischen Nachhilfeunterricht über das 18. Jahrhundert. Und das lohnt sich.

Renate Wagner

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THE COLD LIGHT OF DAY

Ab 4. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
THE COLD LIGHT OF DAY
USA  /  2012 
Regie: Mabrouk El Mechri
Mit: Henry Cavill, Bruce Willis, Sigourney Weaver u.a.

Es fängt so anheimelnd an, wenn der gut aussehende junge Amerikaner Will Shaw in Spanien landet (na gut, sein Koffer ist in San Francisco zurückgeblieben, aber so etwas passiert) und Familientreffen auf einem schnittigen Boot ansteht: Mama freut sich riesig, der Bruder und hübsche Freundin sind auch da, und dass es offenbar etwas Spannung mit dem Papa gibt… diese Familienkonflikte sind ja alltäglich. Kurz, es herrscht schönste Ferienstimmung, und der krimigeeichte Kinobesucher weiß, dass da etwas schief gehen muss.

Die Katastrophe lässt nicht auf sich warten: Wie oft hat man es auf der Kinoleinwand schon erlebt? Verschwunden! Held Will ist ans Ufer geschwommen, um zu telefonieren (Papa hat nämlich unfreundlicherweise sein Handy ins Meer geworfen), denn der junge Mann hat Berufsprobleme zu Hause, aber sie erscheinen gering angesichts des Unglaublichen: Das Boot ist weg. Als er zur Polizei kommt, wird er von dieser überfallen (!). Auf einmal ist Papa wieder da, und man rast mit brüllendem Motor nach Madrid…

Dieser Papa ist immer noch der Superstar des Films, wenn er auch viel zu früh den Löffel abgeben muss: Aber Bruce Willis dachte wohl, ein paar Drehtage im sonnigen Spanien könnten nicht schaden. Und dass er angesichts der wirren Ereignisse nebenbei verkündet, er sei eigentlich CIA-Agent, erstaunt wohl keinen. Wer die Bösewichter sind, die seine Gattin und Sohn und dessen Freundin gekidnappt haben, um ihn zu erpressen, das muss Sohn Will dann allein herausbekommen: Da verendet Papa schon unter den Schüssen der Bösen, und auch die CIA-Kollegin, die Will gegenüber zuerst so freundlich tut, erweist sich sehr bald als nicht lupenrein… Das ist eine Rolle, mit der Sigourney Weaver wieder einmal (hier sehr cool und zynisch) auf der Leinwand auftaucht.

In der Folge ist es der typische Krimi von jener Art, wo der Held durchs Geschehen jagt, das Publikum hinterher, die Logik irgendwo beiseite bleibt und das Happyend nur nach sehr viel Geballere zu erzielen ist. Regisseur Mabrouk El Mechri – tunesischer Franzose, der hier seinen ersten Hollywood-Film drehen durfte – macht das alles mit viel Routine und bringt auch eine Menge Spanien (Küste und Madrid) als Kolorit ein.

Dass es ein absoluter Routinestreifen ist, liegt am eher ideenlosen Drehbuch, das nicht weiß, ob es die Israeli, die hier in der Handlung auch mitmischen, bei den Bösen oder den Guten platzieren soll.

Dergleichen baut fest auf den Hauptdarsteller, und wenn Henry Cavill (bisher einer der Helden der „Tudor“-TV-Serie und Thesus im „Krieg der Götter“) tatsächlich als der nächste Superman auf die Leinwand kommt, wie angekündigt, dann wird er wohl jenen Ruhm ernten, den er mit diesem Film noch nicht bekommt. Aber da ist auch nicht allzu viel drin.

Renate Wagner

 

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MARVEL’S THE AVENGERS

Ab 26. April 2012 in den österreichischen Kinos
MARVEL’S THE AVENGERS
Regie: Joss Whedon
Mit: Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Chris Evans, Tom Hiddleston, Gwyneth Paltrow, Mark Ruffalo, Jeremy Renner, Stellan Skarsgård, Samuel L. Jackson u.a.

Seid Ihr alle da? Jaaaaaa!!!! rufen sie im Chor. Und das sind teure Herrschaften, die alle schon in Millionen Heftchen (von manchen auch „Schundhefterl“ genannt) ihre Milliarden eingebracht haben, dann als Kinohelden jeder für sich allein – ja, und nun haben sich ein paar der berühmtesten Comic-Helden des Hauses Marvel zu den „Avengers“ zusammen gefunden und sorgen dafür, dass es auf der Leinwand so richtig kracht.

Dabei handelt es sich um „Pop-Kultur“, und man darf dergleichen nur mit Humor sehen: Regisseur Joss Whedon tat es weitgehend, und darum machen sich die Superhelden auch gewaltig über einander lustig. Was sollte man denn auch sonst tun? Vor allem der „Captain America“ muss sich viel Freches sagen lassen – er war zwar erst vor einem dreiviertel Jahr im Kino, aber dass er gewissermaßen ein Vorkriegsheld und eigentlich total altmodisch ist, das lässt man ihn schon wissen (und Chris Evans erträgt es mit törichter Miene).

Aber ein hammerschwingender Göttersohn Thor, der auch erst vor einem knappen Jahr im Kino war, ist nicht gescheiter (Chris Hemsworth ist blond und wirkt – na, um nicht „thöricht“ zu sagen, also: nicht sonderlich intellektuell), und was fällt einem zu einem grünen Monster à la Hulk schon ein? Da finden sich übrigens die letzten Kinointerpreten (Eric Bana, Eric Norton) nicht in der Besetzung, Mark Ruffalo hat die Doppelrolle des braven Doktors und Wissenschaftlers, der in Jekyll & Hyde-Manier zum Kingkong-artigen Ungeheuer wird, übernommen und lächelt sympathisch, solange er ein Mensch ist.

Und ohne den rotzfrechen „Iron Man“ Tony Stark geht es natürlich nicht, mit dem  Robert Downey Jr. seine zweite Karriere begann (die er dann  noch mit dem „Sherlock Holmes“ toppte). Nur von seinem schönen Love-Interest Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) sieht er (und der Kinobesucher) in diesem Film wenig…

Leider muss man sagen, dass die einzige Dame im Avenger-Team hier nicht als Idealbesetzung dazwischen steht: Hat man an Scarlett Johansson immer bewundert, wie sie in jeder Rolle aus ihrer pausbäckigen Blondheit Persönlichkeit noch und noch hervorholte, so wirkt sie als rothaarige Natasha Romanoff alias Black Widow nicht cool, nicht geschmeidig und leider auch nicht sexy genug…

An der Seite der Bösewichte steht zuerst der fabelhafte Bogenschütze „Hawkeye“ (Jeremy Renner, mit einem ganz besonders grimmigen Blick), bevor auch er für die Guten rekrutiert wird – und Professor Erik Selvig in Gestalt von Stellan Skarsgård überlegt es sich noch rechtzeitig: Statt die Welt zu vernichten, rettet er sie lieber.

Nur einer ist nicht zu bessern: Loki, Thor Ziehbruder, der in Gestalt von Tom Hiddleston schon das Vergnügen des „Thor“-Films war und nun wieder seine hinreißend ironische Bösewicht-Masche abzieht. Weil er eine Armee von fliegenden Eisengeschöpfen (die größten sehen wie die guten, alten Drachen aus) auf die Welt loslassen will, ruft Nick Fury, der alte Chef  der geheimnisvollen Agentur S.H.I.E.L.D. (Samuel L. Jackson) seine Helden zum Kampf gegen das Böse zusammen.

Und gekämpft wird, dass sich die Balken biegen, und wieder einmal ist das arme New York der Schauplatz, das doch wahrlich schon genug durchgemacht hat. Gnadenlos nimmt man es auf der Leinwand wieder ganz grauenvoll her, Kinokrieg als Materialschlacht, die keine Kosten scheut… Daraus besteht der Film, nachdem die Figuren eingeführt sind und gelegentlich ihren bissigen Schlagabtausch loslassen durfen. Alles Action, mit der üblichen Zerstörungswut.

Und am Ende die Versicherung, dass sie wiederkehren werden, um die Menschheit zu retten  – „Wir werden sie brauchen“. Disneys Verleih braucht sie gewiss, um die Kasseneinnahmen im Vergleich zu den Konkurrenten hoch zu halten…

Renate Wagner

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MY WEEK WITH MARILYN

 

Ab 20. April 2012 in den österreichischen Kinos
MY WEEK WITH MARILYN
USA  /  2011
Regie: Simon Curtis
Mit: Michelle Williams, Kenneth Branagh, Eddie Redmayne, Judi Dench, Julia Ormond u.a.

Es gibt eine wunderbare Stelle in den Memoiren von Sir Laurence Olivier. Man weiß, mit welchem grenzenlosen Hochmut er agierte, als er, der größte Schauspieler der Welt (zweifellos hielt er sich dafür), für die Verfilmung von „The Prince and the Showgirl“ mit dem verächtlichen Hollywood-Blondinchen Marilyn Monroe zusammen arbeiten musste. Sicher hat er unter ihren Launen und ihrer Unzuverlässigkeit nach allen Regeln der Kunst gelitten. Aber Jahrzehnte später, als er den Film wieder sah, erkannte er erst, wie unvergleichlich wunderbar sie in der Rolle der kleinen Tänzerin gewesen war – und er hatte immerhin die Größe, dies zuzugeben…

Was geschah eigentlich wirklich damals, 1957 in London, als dieser Film gedreht wurde? Als Marilyn mit ihrem Gatten Arthur Miller anflog und Olivier mit seiner schon etwas verblühenden Gattin Vivien Leigh zum Empfang bereit stand? Und dann, als der Film gedreht wurde? Nun, Colin Clark war damals tatsächlich dabei. Ein ehrgeiziger junger Mann aus bester Familie, der bereit war, die Aufgaben eines unbezahlten Laufburschen zu erfüllen, nur um mitarbeiten zu dürfen. Der mit seinen Manieren, seiner Liebenswürdigkeit immer öfter für alles Mögliche herangezogen wurde – schließlich auch  zur Betreuung einer einsamen, verwirrten Marilyn, die von ihren intellektuellen Dichter-Gatten ebenso schlecht behandelt wurde wie von ihrem hochmütigen Partner und Regisseur… Und sich an Colin vertrauensvoll anlehnte.

Jahrzehnte später hat Colin Clark seine Erinnerungen an diese Zeit niedergeschrieben, und Regisseur Simon Curtis hat dem Film, der nun daraus gemacht wurde, jenen Zauber gegeben, denen Filme übers Filmemachen (so wie Theater auf dem Theater) unwiderstehlich innewohnt, wenn man es richtig macht: Dass der Brite bisher vor allem am Theater inszeniert hat, ist diesem Film (schon für die Arbeit mit den Schauspielern) zweifellos höchst zugute gekommen.

Man hat die fünfziger Jahre, die ja optisch sehr typisch waren, ebenso perfekt nachempfunden, wie man – mit einer Ausnahme vielleicht – perfekt besetzte: Vor allem Eddie Redmayne als der Inbegriff des liebenswerten, jungen, naiven Briten ist hinreißend, und man versteht, dass Harry Potters Emma Watson in der Rolle des Garderoben-Mädchen sich in ihn verliebt: Aber welche Chance hat man schon gegen Marilyn Monroe? Prachtvoll die Grandezza und auch menschliche Großzügigkeit, mit der Judi Dench  als Dame Sybil Thorndike die amerikanische Kollegin behandelt, wunderbar der Schmerz, den Julia Ormond als Vivien Leigh ausstrahlt, weil sie akzeptieren muss, nicht mehr jung und folglich aussortiert zu sein. Köstlich Zoë Wanamaker als die lästige Paula Strasberg, die sich berechnend an Marilyns Fersen klebte, und britische Grandezza vom Feinsten bei Derek Jacobi als Sir Owen Morshead, während Dougray Scott als Arthur Miller gewissermaßen amerikanische Gefühllosigkeit verbreitet.

König des Films ist allerdings Kenneth Branagh, der endlich wieder einmal eine Rolle gefunden hat, die seiner Größenordnung entspricht. Wer außer ihm könnte schon wagen, Sir Laurence Olivier zu spielen, und wem würde es gelingen (vor allem geschminkt als „Prinz“ im Film) dem großen Vorbild gelegentlich täuschend zu ähneln? Er bringt jede Facette der Figur, Egozentrik und Ungeduld ebenso wie die Größe, die man ihm fraglos glaubt. Da ist ein Shakespeare-Darsteller dem anderen auf Augenhöhe begegnet – wunderbar!

Es widerspricht der allgemeinen Meinung, von Michelle Williams in der Rolle von Marilyn nicht begeistert zu sein, bekam sie doch schließlich eine „Oscar“-Nominierung dafür. Aber wo Marilyn der Inbegriff der Fragilität war, ist die Williams mit ihrem breiten, eher groben Gesicht trotz aller Schminkkünste nicht zart genug, und wenn sie auch die seelische Hinfälligkeit des armen Geschöpfs glaubhaft nachspielt, so packt sie doch nicht den Zauber des Originals. Schade – aber der Film überzeugt dennoch. Alles rundum ist einfach zu gelungen.

Renate Wagner

 

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BATTLESHIP

Ab 13. April 2012 in den österreichischen Kinos
BATTLESHIP
USA   /  2012 
Regie: Peter Berg
Mit: Taylor Kitsch, Liam Neeson, Brooklyn Decker, Rihanna u.a.

Schön ist es, im Kino Krieg zu führen. Zumindest die Leinwand ist größer, als wenn man die eigenen Computerspiele am Bildschirm lospfeffert. Aber in politisch korrekten Zeiten tut man sich mit den Gegnern schwer: Russen – bloß nicht. Chinesen – lieber nicht. Islamisten – um Gottes willen! Aber Aliens! Da kann nichts passieren. Die sind so unsagbar böse und gefährlich, dass die Menschen… ja, die müssen glatt ein 70 Jahre altes Schlachtschiff, das eigentlich schon als Museum fungiert, revitalisieren, dann löschen sie auch diese ganz schrecklichen Außerirdischen aus! Ja, das Ganze ist leider genau so dumm, wie es klingt.

Es beginnt damit, den jugendlichen Helden einzuführen. Denn „Oldie“ Liam Neeson als einziger „solider“ Name mit filmischem Background auf der Besetzungsliste lässt sich als bloße Camouflage benützen. Der Admiral in der blitzend weißen Uniform erscheint zu Beginn und kommt am Ende wieder, um den Helden die Auszeichnungen zu verleihen – und dazwischen ist er verschwunden. Aus der Handlung gefallen. Wird nicht benötigt.

Denn es gibt den jugendlichen Helden. Das Kassen-Debakel des „John Carter“-Films hat Taylor Kitsch nicht geschadet, er ist wieder da. Der 31jährige, der um einiges jünger wirkt (Typ: ein junger Ray Liotta), wird in der Rolle des Alex Hopper als zielloser junger Mann eingeführt, der allerdings bereit ist, sich fast den Hals zu brechen, um einer Blondine zu imponieren: Brooklyn Decker erscheint als der langbeinige Inbegriff der Model-Schönheit, die beweisen will, dass sie keine Puppe, sondern ein Mensch ist. Die Filmdramaturgie verlangt, dass sie die Tochter des Admirals ist, was Alex dazu bringt, seinen Heiratsantrag vielfach zu proben und sich dabei herzlich lächerlich zu machen. „So cute!“ schwärmen dann vermutlich amerikanische Mädchen im Publikum und sehen sich einen Film an, der nur für ihre begleitenden Boys gemacht ist… Zumal, wenn dieser Streifen Pop-Star Rihanna zwar nicht singen lässt, aber in eine Uniform steckt, die ihre exotischen Reiz nur noch steigert. (Und im übrigen soll man noch glauben, dass sie weiß, was sie tut – das ist weniger einfach.)

Regisseur Peter Berg hat ein klassisches Strategiespiel namens „Schiffe versenken“ der amerikanischen Spielwarengiganten Hasbro hier als Sci-Fi- und Katastrophenfilm erster Ordnung auf die Leinwand gebracht, ohne 3 D, weil schon ohne dieses der Aufwand von Geballere kaum zu ertragen ist. „Handlung“, so es eine gibt: Rund um Hawaii, wo sich amerikanische und japanische Kriegsschiffe friedlich versammelt haben, landen die Aliens mit Riesenraumschiffen im Meer. Nicht umsonst wirbt der Film mit dem Hinweis: „Von den Machern von ‚Transformers’“, denn die Phantasie dieser verwandelbaren Blechmonster ist in hohem Maße in diese Alien-Welt eingegangen. Sie sind so gewaltig und schaurig, dass man sich gar nicht vorstellen kann, welchen Sinn es macht, auf sie loszuballern…

Aber, wie gesagt, als alle Schiffe im Umfeld kaputt sind, schwingt sich unser junger Held (in bestem Einverständnis mit dem sympathischen Japaner, Völkerverständigung muss sein) auf das letzte vorhandene „Battleship“ – besagtes 70 Jahre altes Museumsstück. Seine Crew kann nur den Kopf schütteln: Nicht ein Fatz von digitalem Equipment darauf, selbst wenn sie sechs Wochen lang die Handbücher studierten, wüssten sie nicht, wie sie das Monster in Bewegung setzen sollten…

Und da kommt’s, und es ist so wunderbar amerikanisch: Beim allgemeinen Flottentreffen hatte man auch die Veteranen eingeladen – ja, und die knorrige Schar marschiert an (da kommen den Amerikanern vermutlich die Tränen), spucken in die Hände, rekrutieren die Computer-Jugend für echte, altmodische Schiffsarbeit, bringen das Trumm zum Fahren und zum Schießen – ja, und man verrät kein Geheimnis: die Aliens werden vernichtet.

Mehr ist dazu einfach nicht zu sagen.

Renate Wagner

 

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THE GREY – UNTER WÖLFEN

Ab 13. April 2012 in den österreichischen Kinos
THE GREY – UNTER WÖLFEN
The Grey  /  USA  /   2012
Regie: Joe Carnahan
Mit: Liam Neeson, Dermot Mulroney, Frank Grillo u.a.

Der Reiz, den Überlebens-Filme (die „Survival Movies“) ausüben, ist oft nicht nachzuvollziehen: Oder fühlt man sich besonders wohl im angenehmen Kinosessel, wenn man zusehen kann, wie andere um ihr Leben kämpfen? Liam Neeson tut in der Eiswüste von Alaska knapp zwei Kinostunden lang nichts anderes. Und wird – jetzt sagt man es einfach – am Ende doch von den Wölfen gefressen, weil es keine Rettung geben kann. Nein, es ist nicht gemütlich im Kinosessel. Man friert. Man fürchtet sich vor den Wölfen. Und man hat sich am Ende überhaupt nicht „unterhalten“: Ob im Guten oder im Bösen, darum geht es im Kino letztendlich.

Die einleitenden Szenen in den Baracken der Ölgesellschaft sind kurz. Dann steigt eine Handvoll Männer schon in ein Flugzeug. Und sie stürzen ab. Sieben von ihnen überleben, darunter Ottway als die klassische Führungspersönlichkeit  – um dann nach und nach (das Prinzip der „zehn kleinen Negerlein“) zugrunde zu gehen. Denn um sie herum ist nichts als gnadenloser Winter. Und in den Wäldern sind die ebenso gnadenlosen „Grauen“, die Wölfe. Die paar Menschen versuchen, mit ihrem Grips zu überleben, aber sie haben keine Chance. Sich weiterbewegen – aber wohin? Abends Feuer machen, um die Tiere abzuhalten – was nützt es? Die Wölfe sind immer da. Die Geschichte bleibt immer so einförmig wie die Waldlandschaft in Eis und Schnee.

Als Zuschauer hat man in diesem Film von Joe Carnahan das Problem, dass keine Figur jenseits von Hauptdarsteller Liam Neeson in der Rolle des Ottway sich profiliert. Die Gespräche untereinander sind uninteressant. Gelegentlich gibt es eine Rückblende – Ottway mit seiner wundervollen Frau im Bett, Wärme, Zärtlichkeit. Und dann wieder Kälte. Ottway ist der Letzte – am Ende sorgt die Kamera dafür, dass sein Gesicht dem des Wolfs, der ihn jagt, nicht unähnlich ist. Aber es ist wenigstens keine Supermann-Geschichte, wo der Held Unglaubliches vollbringt und die Bestien überlistet, austrickst oder killt: Hier weiß man, dass die Natur stärker ist als der Mensch. Und dass dieser unbewaffnet gegen die Kraft, Zähne und Klauen eines Wolfs keine Chance hat…

Aber warum muss man sich das antun? Nun, die Amerikaner fanden das nicht, denn schließlich war „The Grey“ am Startwochenende der erfolgreichste Film in den USA. Es scheint doch einen Reiz zu besitzen, Menschen beim hoffnungslosen Weg in den Tod zuzusehen.

Renate Wagner

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HEADHUNTERS

Ab 13. April 2012 in den österreichischen Kinos
HEADHUNTERS
Hodejegerne  /   Norwegen, Dänemark  /  2011
Regie: Morten Tyldum
Mit: Aksel Hennie, Synnove Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau u.a.

Die Skandinavier sind da, nicht nur Mankells Wallander landauf, landab im Fernsehprogramm und Stig Larsson mit der unwiderstehlichen Lisbeth Salander. Auch dieser Krimi von Jo Nesbo erweist sich als spannende Filmvorlage, selbst wenn die Gesetze der Logik nicht immer völlig geachtet werden. Aber es ist eine von der Story und den Figuren her fesselnde spannende Geschichte.

Vor allem Roger Brown, der titelgebende Headhunter, interessiert deshalb, weil er nicht statisch bleibt – er wandelt sich von einem wahren Arschloch zu einem Mann, der vom Leben lernt. Das beschert ihm aber auch genügend Troubles. Nicht dass man sie ihm nicht gönnte, zumindest anfangs. So, wie Darsteller Aksel Hennie – blond, geschniegelt und aufgeblasen (eine norwegische Ausgabe eines Niko Pelinka) – daherkommt, vor Hochmut, Selbstgefühl und Überheblichkeit platzend, ist er einer der Erfolgs-Yuppies, die es wohl nicht nur in Filmen gibt. Mit großer Geste vermittelt er Personal und macht offenbar Millionendeals (wir arme Durchschnittsmenschen haben ja keine Ahnung, wie es in den höchsten Etagen zugeht). Und nebenbei – man traut es ihm voll zu – stiehlt er Kunstwerke. Man kann schließlich nie genug Geld haben.

Aber es läuft nicht alles glatt, nicht im Leben und nicht in Romanen, und auf einmal wird unser chicer Held zum Gejagten, weil er den klassischen Fehler gemacht hat, sich selbst für zu klug und einen anderen für dumm zu halten. Dass der „Rubens“, auf dessen Spur man ihn so raffiniert setzt, dass er meint, auf eine Goldader gestoßen zu sein, kein echter Rubens ist, findet er bald heraus. Und während man mit Roger Brown die Welt der eleganten Häuser und Büros verlässt und in ziemlich schäbiges Milieu abtaucht, ein ländlich-unheimliches Norwegen, wo es hart auf hart geht (zumal, wenn Russen mitmischen!), fängt einem der Kerl sogar an, leid zu tun: Dieser Aksel Hennie ist wirklich ein glänzender Schauspieler.

Wie kennen die anderen Darsteller hierzulande nicht, Synnove Macody Lund als seine Ehefrau (es könnte kein eleganteres, schöneres, schlankeres, blonderes skandinavisches Model geben), Nikolaj Coster-Waldau als Gegenspieler und andere mehr. Morten Tyldum inszeniert vielschichtiges Milieu und differenzierte Psychologie gleich überzeugend, und so sieht man am Ende über ein paar Lücken in der Logik hinweg. Man nimmt sogar das Happyend in Kauf – der Held wurde schließlich geläutert… Kenner des Original-Romans reklamierten die Verfilmung als zu oberflächlich. Wer ihn nicht kennt, begnügt sich mit flotter Action.

Renate Wagner

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