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Da schreibt ein Lars Wallerang in der Westdeutschen Zeitung über "Cavalleria" und "Bajazzo" etwas von "Mafiaopern" und der der aufführende Dirigent spricht von "Filmmusik". Und diese Opern sollen eine sagenhafte "Dichte" haben.
Dann muß es doch auch undichte Opern geben.
Man lernt nie aus. Ich Trottel dachte immer das Filmmusik erst so um 1930 mit der Einführung des Tonfilms allgemein bekannt wurde.
Der Blick in den Merker-online ist immer wieder interessant und lehrreich.
10:14 17. Februar 2012
Rodrina
2
Marius Bundiprae schrieb:
Da schreibt ein Lars Wallerang in der Westdeutschen Zeitung über "Cavalleria" und "Bajazzo" etwas von "Mafiaopern" und der der aufführende Dirigent spricht von "Filmmusik". Und diese Opern sollen eine sagenhafte "Dichte" haben.
Dann muß es doch auch undichte Opern geben.
Man lernt nie aus. Ich Trottel dachte immer das Filmmusik erst so um 1930 mit der Einführung des Tonfilms allgemein bekannt wurde.
Der Blick in den Merker-online ist immer wieder interessant und lehrreich.
Vom Inhaltlichen müsste dann RIGOLETTO eigentlich auch eine "Mafiaoper" sein, oder? (Männergesellschaft, organisiertes Verbrechen, Morde…)
10:17 17. Februar 2012
Pater Brown
3
Halte zu Gnaden Gnädigste, aber nach meinem bescheidenen Wissen, entsorgte die Mafia ihre Opfer meist in Beton und nicht in Säcken
13:26 17. Februar 2012
Gianni Roccanova
4
"Filmmusik" ist ein törichter Begriff. Er wird ausschließlich verwendet, wenn es gilt, die jeweils gemeinte Musik abzuwerten, aber keine hieb- und stichfesten Argumente vorhanden sind. Also wird herablassend gemobbt. In der Regel gilt diese Methode jeglicher Musik, die zu "schön", zu "melodisch", zu "eingängig", zu "süßlich", zu "verständlich" usw. ist. Und wenn diese Musik dann noch aus dem zwanzigsten Jahrhundert stammt, gar aus dem einundzwanzigsten, ist das klarerweise verboten. Das darf nicht sein, jedenfalls nicht in der "ernsten" Musik. Die hat gefälligst dissonant und atonal und schwierig und unlustig zu sein. Weil man sich aber nicht traut, laut zu sagen, welche Form der "ernsten" Musik erlaubt ist (weil es ja kein Internationales Musik-Tribunal gibt, dass Kriterien vorschreibt, denen alle zu genügen haben), greift man dann zum Ausdruck "Filmmusik". Oder es ist, wenn es zu rhythmisch ist, "Popmusik". (Warum niemand, was ja naheläge, von "Musical-Musik" spricht, wäre noch zu untersuchen.)
Ist all das an sich schon ziemlich dumm, steigert sich die Unbedarftheit noch, wenn der Begriff auf eine Verismo-Oper angewandt wird. Ja, leider klingt der alte Mascagni so gar nicht nach Nono! Also: Filmmusik!
Ich glaube, der späte Strauss war einer der ersten Komponisten, dessen Werke irgendwann als "Filmmusik" deklassiert werden sollten.
Das Lustige ist: Filmmusik – die ja eigentlich überhaupt nur Musik ist und denn Zusatz "Film" nicht benötigt – an sich ist schon längst ganz anders. Allenfalls der gerade 80 gewordene John Williams schreibt noch "Filmmusik"-Musik. Schon Bernard Herrmann ging neue Wege (unvergesslich Psycho), später war es Ennio Morricone, der Verbindungen zwischen Klassik, Moderne und Pop wagte, die bis heute erstaunlich sind (und deutlich moderner als vieles, was als "Neue Musik" durchgeht). Und heute ist die Bandbreite tatsächlicher Filmmusik so groß, dass man alles findet: Klassik, Moderne, Avantgarde, Jazz, Pop, Rock, Punk, … Einer der "ernsten" Komponisten, die regelmäßig Soundtracks komponieren, ist Philip Glass. Aber sein Status als Meister der Minimal Music ist offenbar so heilig, dass es kein Kritiker oder Musiker wagt, seine Opern als "Filmmusik" zu deklassieren. Aber der arme Mascagni kann sich natürlich nicht mehr wehren…
Und was die "Mafia" betrifft: Tatsächlich werden in der Cavalleria soziale Strukturen gezeigt, die auch als Grundlagen der Mafia gelten. Etwa ein überzogener Ehrbegriff, oder die Tendenz, Differenzen gemäß althergebrachter Methoden und unter Ausschaltung staatlicher Autoritäten zu regeln. Man könnte das Werk somit in diesem Milieu inszenieren, aber an sich ist da gar nichts von Mafia. Außer man glaubt, alles, was sizilianisch ist, müsse sofort auch mafiös sein.
15:40 17. Februar 2012
Pater Brown
5
Lieber Gianni,
das haben Sie sehr schön – mir aus vollem Herzen – geschrieben. Danke.
Bitte den Deutschen Filmkomponisten HANS ZIMMER nicht zu vergessen…
Waren es doch genau diese von Ihnen angesprochenen Vertreter, Liebhaber und Komponisten des "dissonant, atonalen, schwierigen und unlustigen" Genres, die vielleicht unwissend und naiv, auf schlimme Weise nach dem Krieg, noch siegreich verhinderten , daß die großen Komponisten mit den von den Nazis verbrannten (verbannten!) Noten wieder rehabilitiert wurden.
Ich nenne nur pars pro toto: Schreker, Hendemith, Schulhoff, Krenek, Zemlinsky, Braunfels, Hartmann, Eisler, Goldschmidt, Wellesz, Ullmann, Korngold, Kreisler aus viele anderen.
John Dew hat immerhin (zu seinen besten Zeiten!) in Bielefeld, vor gut einem Viertel Jahrhundert, hochlobenswert versucht viele von ihnen wieder zu rehabilitieren.
Und was machen heutige Intendanten? Was tragen sie zum Abbau dieser quasi "zweiten Schuld" (Giordano möge mir verzeihen…) noch bei?
Lieben Gruß
herzlichst
PB
03:09 18. Februar 2012
balduin baehlamm
6
An "Hans Neuenfels" (so ich korrekt übersetze):
Ich teile Ihre "Philippika" gegen die törichte Einteilung in E-, U-, Film- oder welche Musik auch immer weitgehend, für mich gibt es nur gute oder schlechte Musik (mit vielen Graustufen dazwischen).
Ich würde die Bezeichnung "Filmmusik" für manche Oper allerdings nicht so negativ sehen, mir scheint da häufig eher die sehr anschaulich plastische Schilderung einer Szene gemeint zu sein, so wie wir es halt häufig aus Filmen kennen. Für die Übernahme der Stilmittel kann der ursprüngliche Komponist zwar nichts, unsere Seh- und Hörgewohnheiten sind aber auf die heutige Sichtweise gepolt.
Ich finde es überdies ganz interessant, daß viele "seriöse" Komponisten dem damals neuen Medium Film keineswegs ablehnend gegenüberstanden, man denke an Schönbergs "Musik zu einer Lichtspielszene", an Richard Strauss, der für den "Rosenkavalier"-Stummfilm eine Filmmusik aus seiner Oper zusammenstellte oder Gustave Charpentier, der die Kurzfassung für den "Louise"-Film mit Grace Moore und George Thill eigenhändig vornahm. Selbst Francesco Cilea hat noch extra für den Film komponiert.
Allen diesen Komponisten hat das nicht geschadet, im Gegensatz zu Erich Wolfgang Korngold, der nach der Rückkehr aus Amerika feststellen mußte, daß jemand, der für Errol-Flynn-Filme Musik geschrieben hatte, in Good Old Europe als Komponist ernsthafter Musik nicht mehr wahrgenommen wurde.
Wobei wir bei der Liste des Padre wären, der man noch viele Namen aber nichts Grundsätzliches hinzufügen könnte. Fast alle diese Komponisten (ich möchte Hindemith ausnehmen) waren nach dem Krieg "passé". ich glaube aber nicht, daß daran allein die "Neutöner" schuld waren. Auch diese bauten schließlich auf etwas auf, was bei den Nazis verpönt war, nämlich die zweite Wiener Schule (Schönberg, Berg, Webern). Es war auch die Zeit – gerade in Deutschland -, die einen radikalen Umbruch wollte, das hatte so wenig mit der Qualität dieser Musik zu tun wie etwa bei der Matthäuspassion, die ja auch erst durch Mendelssohn wieder ins musikalische Bewußtsein gerückt ist.
Am Ende noch zu Säcken und Beton: eine Mafia-Version des Rigoletto hat es schon vor Jahrzehnten gegeben, ich meine bei der English National Opera. Da war in der Übersetzung aus "Il Duca" schlicht "The Duke" als Al-Capone-Verschnitt im Chicago der 20er geworden.
12:25 19. Februar 2012
Gianni Roccanova
7
Lieber PB, völlig richtig! Ich finde ja auch, dass zumal die Wiener Staatsoper – aus historischen wie geografischen Gründen – die Werke von Komponisten wie Zemlinsky oder Schreker oder Wellesz oder all der anderen Genannten gefälligst regelmäßig zu spielen hätte. Dass hier noch immer so getan wird, als handelte es sich um erst vorgestern ausgegrabene, noch vom Staub der Ruinen bedeckte Partituren, ist wirklich lächerlich. Es gibt nun schon genügend Sänger und Dirigenten, die die Werke in ihrem Repertoire haben – und wenn nicht, sollen sie halt die Noten lernen. Im Grunde ist es ja egal, ob jüngere Künstler sich mit den Werken von Strauss oder Korngold befassen, um sie interpretieren zu können. Es ist jedesmal der selbe Lernprozess. In der Tat hat man den Eindruck, dass hier aber auch ein Versagen von seiten einiger Intendanten vorliegt, die einfach nur – aus Bequemlichkeit? – denselben Kanon wie vor 40 Jahren spielen lassen.
Lieber Baltin, ebenfalls Zustimmung sowie eine Ergänzung: ein noch zu nennender Name wäre der von Nino Rota. Gleichermaßen Komponist für Opern wie für Filme. Unvergesslich durch seine Arbeiten für Fellini, besonders populär durch The Godfather (Der Pate) von Coppola, aber eben auch davon abgesehen ein Künstler eigenen Ranges.
Prinzipiell finde ich übrigens die Musik zu zahlreichen TV-Produktionen oftmals unerträglich: Das überflüssige Pianogeklimper oder Geigensäuseln, mit dem man akustisch zugekleistert wird (und mit dem offenbar den Bildern eine Bedeutung verschafft werden soll, die sie sonst nicht haben), ist nervend. Das hat mit guter oder sinnvoller Musik gar nichts zu tun, sondern bloß mit – dämlicher – Berieselung. Am schlimmsten sind diesbezüglich die diversen Nachmittags-Soaps.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
11:06 21. Februar 2012
Dreamhunter
8
Wieder zurückgekehrt aus Israel und Russland finde ich diesen interessanten Thread! Ein Name, der mir abgeht, ist Howard Shore. Ich finde, dass sein Soundtrack zu "Lord of the Rings" wirklich schön ist – in Verbindung mit den Bildern trägt dieser den Film. Wunderbar herausgearbeitet sind auch die einzelnen Themen. Auf einer der Bonus-DVDs zu "LOTR" findet man auch ein interessantes Gespräch mit ihm. Er hat dann auch die "Lord of the Rings Symphony" geschrieben, ein ca. 50-minütiges Werk, mit dem er auch auf Tournee gegangen ist bzw. noch immer geht.
Ich würde wirklich gerne dieses Werk von einem Spitzenorchester hören…
Ansonsten denke ich, dass heutzutage die schönsten Melodien für Filme verwendet werden – und ich ziehe den Hut vor Zimmer, Nino Rota (The Godfather, Romeo and Juliette), Patrick Doyle ("Much Ado About Nothing" – ich liebe das "Sigh no more, ladies, sigh no more") und denke, dass heutzutage Komponisten wie Verdi und Puccini im Filmbusiness zu Hause wären!
kv
22:11 21. Februar 2012
balduin baehlamm
9
Lieber Gianni,
ich bin kein großer Kinogänger, auch wenn ich einige der Filme, zu denen Rota die Musik geschrieben hat, kenne. Ich gestehe, nie nach dem Namen des Komponisten geschaut zu haben… Insofern ist mir Rota vor allem als "klassischer" Komponist ein Begriff, vor allem mit dem köstlichen "Cappello di paglia di Firenze" (Der Florentinerhut).
Und gegenüber Korngold hat Rota einfach mehr Glück gehabt; kein erzwungenes Exil, kein dadurch veranlasstes Nacheinander von "ernster" und Filmmusik verteilt auf zwei Kontinente. Und somit auch keine Abwertung bei der Rückkehr nach Europa.
Vielleicht war Italien mit der "Trennschärfe" auch lockerer als Deutschland – dort hat ja auch neben radikalen Neuerern wie Maderna und Nono eine eher traditionelle starke Strömung weiterbestanden – jedenfalls ist der Hut 1958 an der Scala von keinem Geringeren als Giorgio Strehler inszeniert worden.
Was die Intendanten angeht, so ist da – glaube ich – eine ganze Menge versäumt worden, als sich die Häuser allgemein noch in finanziell komfortabler Lage fanden. Denn leider ist es ja auch das Publikum, das auf unbekannte Stücke, gleich welchen Alters, sehr zögerlich reagiert. Ich erinnere mich an "Jonny spielt auf" in der WStO mit sehr vielen freien Plätzen. Insofern ist man da jetzt noch vorsichtiger geworden, gerade an den großen Häusern; was wiederum den kleineren die Chance zur Profilierung gibt. So spielt z.B. Lübeck demnächst "Der Ring des Polykrates" von Korngold kombiniert mit "Das geheime Königreich" von Krenek, das Ganze als Koproduktion mit dem Festival in Martina Franca, wo die Inszenirung im letzten Jahr zu sehen – und das musikalische Ergenis bei der RAI zu hören war. Da ich beide Werke nicht als offizielle Einspielungen drauf habe, somit auch von daher interessant, zumindest ich brauche nicht mehr die 25te Aufnahme der Boheme…
22:32 21. Februar 2012
HansLick
10
jetzt wurden Filmusikkomponisten aus dem Thema, gut so, dann sollte man aber DEN Wiener nicht vergessen:
MAX STEINER
3 oder 4 Oscars unzählige weitere Preise und Oscarnomminierungen.
um den Bogen wieder zurückzuschlagen, wenn auch nur zwischen Film als solchem und Mafiaoper: so ich mich recht erinnere bekommen die beiden etwas trotteligen Killer in "Some like it hot" für den Fall eines nötigen Alibis eingebläut "Wir waren in Rigoletto", auch bei der ehrenwerten Gesellschaft selbst war also der Unterschied zwischen Säcken und Beton anscheinend nicht so wichtig:-)))