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Wiener Staatsoper: L'elisir d'amore | Der Neue Merker | Forum

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Wiener Staatsoper: L'elisir d'amore

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BenutzerBeitrag

23:52
18. Februar 2012


Gurnemanz

1

Wiener Staatsoper
Samstag, den 18. Feber 2011
L'ELISIR D'AMORE
Gaetano Donizetti

 

Also: Die Aufführung war – wie erwartet – ein totales Desaster.
Der Reihe nach: Ich stieg kurz nach 13 h aus der U-Bahn und sprintete – in Erwartung einer langen Schlange – zur Oper. Doch nicht einmal zwanzig Personen (bzw. deren Stockerl) standen dort! Erst nach einer halben Stunde gesellten sich zwei Touristen dazu und auch dann verlängerte sich die Schlange nur sehr zögerlich. Der große Ansturm begann erst um 16 h. Schließlich waren die Stehplätze doch bummvoll, aber sehr wenige Stammbesucher fanden sich ein und mehrere von diesen verließen die Aufführung sogar vorzeitig, was in der Tat keine schlechte Entscheidung war.
Guillermo Garcia Calvo agierte zwar besser, als erwartet, aber trotzdem debakelhaft. Offensichtlich verwechselte er den "Liebestrank" mit einer Aneinanderrehung von Marschmusik, denn so dirigierte er. Positiv sei vermerkt, dass er viel Rücksicht auf das singende Personal nahm.
Sylvia Schwartz hat diese Hilfe dringendst gebraucht, zumal ihre Zwergerlstimme gnadenlos im Orchester untergegangen wäre. Sogar Julia Novikova war eine bessere Adina und man kann Frau Schwartz nur gratulieren, noch schlechter, als Frau Novikova zu sein, denn das schafft kaum wer. Abgesehen davon, dass Frau Schwartz in Ensembles zur Pantomimin wurde, war sie auch in Solostellen auf der Galerie kaum zu vernehmen. Eine gute Tiefe hat sie ja, aber die Höhe klang gequält. Ihr Vibrato ist außerdem nahe an meiner Schmerzgrenze. Alles in allem: Ausbuhreif (Ich hab' mir überlegt, ob ich's tun sollte, hab's dann aber doch gelassen.).
Es macht wenig Sinn, über Rolando Villazón zu diskutieren; die eine Hälfte des Publikums betet ihn an, die andere kann ihn nicht ausstehen – ich gehöre zur zweiten Gruppe. Abgesehen davon, dass mir sein Timbre nicht gefällt; die Stimme ist ruiniert. Auch er war schwer zu hören und das Gehörte wollte ich nicht hören. Ich habe gezittert, ob er die Vorstellung überhaupt zu Ende bringen könne. Wenigstens hat er das geschafft. Ich glaube mich erinnern zu können, irgendwo gelesen zu haben, dass laut ihm das beste an seiner Karriere noch kommen werde. Nun, das bezweifle ich aber ernsthaft.
Was ist ein "Liebestrank" ohne einen guten Dulcamara? Nichts, und so schmerzt es besonders, dass Alfred Šramek einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. "Udite, udite!" war sehr grenzwertig, aber er konnte sich im Laufe des Abends steigern. Sein Bassbariton wackelte in der Höhe, aber schauspielerisch erbrachte er eine ausgezeichnete Leistung, obwohl er recht gebrechlich wirkte. Ich würde gerne Wolfgang Bankl als Dulamara erleben.
Nicola Alaimo war ein solider Belcore; dass mir sein Timbre zu hell ist, ist nicht seine Schuld. Da der Abend meine Erstbegegnung mit Herrn Alaimo darstellte, bin ich auf eine weitere Begegnung gespannt.
Anita Hartig ergänzte als unauffällige Gianetta.
Der Chor unter der Leitung von Martin Schebesta machte seine Sache gut.
Das Publikum bedachte die Mitwirkenden mit langem Schlussapplaus.
Schwamm drüber!

 

Grüße von Gurnemanz

09:37
19. Februar 2012


Gilwei

2

Kann es sein, dass Villazon einfach nur einen schlechten Tag gehabt hat, soll vorkommen, zuletzt bei Kaufmann am 7.2. als Faust, da hatte er hörbare Probleme in der Höhe.

10:23
19. Februar 2012


Gurnemanz

3

Zitat aus der heutigen Kolumme:

 

In unserem Forum haben wir noch einen zweiten “Nachtarbeiter”, der uns verrät, dass er gegen 13 h  von der U-Bahn kommend zur Stehplatz-Anstellschlange sprintete. “Es macht wenig Sinn, über Rolando Villazón zu diskutieren; die eine Hälfte des Publikums betet ihn an, die andere kann ihn nicht ausstehen – ich gehöre zur zweiten Gruppe”.

Jetzt erkläre mir mal wer, warum jemand, der einen Sänger “nicht ausstehen” kann, für eine zwei Stunden dauernde Vorstellung mit diesem sieben lange Stunden für einen Stehplatz ansteht!  Pardon, vielleicht denke ich auch unverbesserlich logisch!

 

Wenn Sie eine Erklärung wollen, dann tue ich das hiermit:
Ich habe in erster Linie die Vorstellung besucht, um mitreden zu können, aber auch wegen Šramek und dem mir nicht bekannten Belcore.

Außerdem war das etwas überspitzt geschrieben, denn natürlich gibt es auch kritische Fans, die ihre Ohren nicht an der Garderobe abgeben.

Das Anstellen empfinde ich jedenfalls nicht als Zeitverschwendung, denn den Großteil der Zeit rede ich mit anderen.

Jedenfalls habe ich eines gelernt: Ich werde meine Berichte im Merkerforum nie wieder noch in der Nacht einstellen, damit ich nicht Gefahr laufe, in Ihrer Kolumme zitiert zu werden.

Grüße von Gurnemanz

10:25
19. Februar 2012


Fanny

4

Nun ja, möglich ist alles, aber wenn ich ehrlich sein soll, habe ich seit Jahren keinen wirklich guten Tag mehr von ihm erlebt – misst man Villazón an sich selbst – und das gestern trieb mir als bekennendem Villazónfan die Tränen in die Augen. Ich weiß nicht, ob ich den Mut aufbringe, am Dienstag noch einmal hinzugehen.

lg Fanny

10:25
19. Februar 2012


Gurnemanz

5

Gilwei schrieb:

Kann es sein, dass Villazon einfach nur einen schlechten Tag gehabt hat

Das glaube ich nicht; er wird sicher nie wieder besser werden; bzw. so, wie er einst war.

Grüße von Gurnemanz.

10:26
19. Februar 2012


Gurnemanz

6

Leider kann ich meinen ersten Beitrag nicht mehr editieren.

Statt Anita Hartig sang Ileana Tonca die Gianetta.

Grüße von Gurnemanz

10:29
19. Februar 2012


Fanny

7

Fanny schrieb:

Nun ja, möglich ist alles, aber wenn ich ehrlich sein soll, habe ich seit Jahren keinen wirklich guten Tag mehr von ihm erlebt – misst man Villazón an sich selbst – und das gestern trieb mir als bekennendem Villazónfan die Tränen in die Augen. Ich weiß nicht, ob ich den Mut aufbringe, am Dienstag noch einmal hinzugehen.

lg Fanny

Da ich plötzlich meinen eigenen Text nicht mehr bearbeiten kann, muss ich also jetzt als Zitat anmerken, dass sich mein Beitrag auf den von Gilwei bezogen hat! (Der flotte Gurnemanz kam mir dazwischenWink)

lg Fanny

11:11
19. Februar 2012


Gilwei

8

Also ich habe sehr wohl gute, wenn nicht beste Tage erlebt, zuletzt vor Weihnachten in Zürich ebenfalls als Nemorino (hier hat er an allen drei Tagen die Furtiva Lagrima wiederholt!) und auch als Hoffmann in München mit einer sehr beachtlichen Leistung (alle 7 Vorstellung gesungen). Dass die Stimme nach der Operation nicht mehr die ist wie 2005 ist wohl klar und für mich ist Villazon als Gesamtpaket zu sehen, Stimme+Bühnenpräsenz=auch an nicht so guten Tagen immer noch besser, als viele andere.

11:29
19. Februar 2012


ortrud

9

Gilwei schrieb:

"und auch als Hoffmann in München mit einer sehr beachtlichen Leistung" …Yell

sie haben offensichtlich die Ohren an der Garderobe der Bayerischen Staatsoper abgegeben oder zu Hause die Stöpsel nicht aus Ihren Ohren entfernt, denn die TV-Übertragung, mit *best of* mehreren Vorstellungen war ja alles andere als berauschend verglichen mit seinen Leistungen in der Vergangenheit.

"(alle 7 Vorstellung gesungen)" …Yell

na-ja, wenn das Ihnen als Qualitätsausweis herhalten muss, haben Sie sich als unkritischer Villazon-Fan zu erkennen gegeben (was natürlich kein "Verbrechen" ist, hinter Ihre Urteilsfähigkeit in Sachen Stimmen aber doch wohl ein gröberes Fragezeichen setzt)

"Dass die Stimme nach der Operation nicht mehr die ist wie 2005 ist wohl klar und für mich ist Villazon als Gesamtpaket zu sehen, Stimme+Bühnenpräsenz=auch an nicht so guten Tagen immer noch besser, als viele andere."…

eben nicht, denn sein in neuerer Zeit in allen Partien übertrieben-gesteigertes, hyperaktives Gekaspere ist a) peinlich b) kaum noch zu ertragen c) dient dazu die Stimmdefizite zu überdecken.

11:51
19. Februar 2012


Fanny

10

Als kritischer Villazónfan muss ich Ortrud leider Gottes zustimmen, besonders den letzten Absatz kann ich Wort für Wort unterstreichen – ich fand seine Clownerien gestern unerträglich!

Und was Zürich betrifft: Meine Freunde, Villazón durchaus gewogen und im dortigen Opernchor tätig, also nicht unbedingt mit Schweinsohren ausgestattet, werteten seinen Nemorino schlicht und einfach mit "Es war OK." Und jetzt muss ich wieder Fr. Dr. Wagner Recht geben: Für einen Rolando Villazón ist OK entschieden zu wenig, das genügt mir in der Liga eines Marian Talaba (nur als Beispiel, ist beliebig ersetzbar), aber nicht bei einem einstigen Weltklassesänger.

lg Fanny

12:08
19. Februar 2012


ortrud

11

Fanny schrieb:

Als kritischer Villazónfan muss ich Ortrud leider Gottes zustimmen, besonders den letzten Absatz kann ich Wort für Wort unterstreichen – ich fand seine Clownerien gestern unerträglich!

Und was Zürich betrifft: Meine Freunde, Villazón durchaus gewogen und im dortigen Opernchor tätig, also nicht unbedingt mit Schweinsohren ausgestattet, werteten seinen Nemorino schlicht und einfach mit "Es war OK." Und jetzt muss ich wieder Fr. Dr. Wagner Recht geben: Für einen Rolando Villazón ist OK entschieden zu wenig, das genügt mir in der Liga eines Marian Talaba (nur als Beispiel, ist beliebig ersetzbar), aber nicht bei einem einstigen Weltklassesänger.

lg Fanny

Werte Frau Fanny, ich ziehe den Hut vor Ihrer Fähigkeit als Villazon-Fan nicht einfach partout alles was Ihr Liebling abliefert unkritisch durchgehen zu lassen und stets eine Entschuldigung für dies und das aus dem Ärmel zu zaubern, danke.

Ich wünsche mir sehnlich, dass Fans aller Couleurs in dieser Hinsicht weiser werden mögen, sich an Ihnen ein Beispiel nehmen!

Und was die jüngsten Zürcher-Nemorinos angeht, habe ich so ziemlich dasselbe gehört wie Sie, allerdings noch um die giftige Facette angereichert, dass ein unkritisches Publikum einfach den Star Villazon zu feiern glauben musste!

12:36
19. Februar 2012


Gianni Roccanova

12

Jaja, alles gut und schön, aber was soll Villazón denn machen? Soll er ganz aufhören – obwohl er noch ordentlich singt, wenngleich nicht mehr so schön wie einst?

Ich finde es verständlich, dass er weitermacht. Er wäre auch nicht der erste, der sich so verhält, obwohl das Stimmmaterial nicht mehr den früheren Lobeshymnen entspricht. Namen muss man nicht nennen, da gab und gibt es genügend Beispiele, zumal unter den Tenören.

13:43
19. Februar 2012


Scooter

13

Villazon ist ein netter Kerl. Ein sympathischer Mensch. Ich habe ihm mehrfach gesagt, daß weniger seiner Clownereien mehr ist; aber Sänger, besonders Tenöre, sind da sehr eigenwillig und wenig kritikaufnahmefähig.

Die PR sang er ganz ordentlich – der Einäugige unter den Blinden. Gournemanz hat es ganz passabel wieder gegeben. Er ist leider nur noch ein Abglanz seiner frühen Jahre.

Roccanova hat recht: Was soll er denn machen, aufhören? Blödsinn, selbst in diesem Zustand ist er noch besser als das Gros der zur Zeit singenden Tenöre.

Es gibt schon bessere, die scheitern aber, weil sie bei den falschen Agenturen sind. Wer einmal quer durch Italine reist wird Tenöre hören können von Weltformat.

Die ganz großen Bühnen vertrauen auf wenige Impresarii, die sich den Markt aufgeteilt haben, statt (wie früher) eigene Leute durch die Welt zu schicken.

Heute bringen ja sogar die Dirigenten ihre eigenen (agentureigenen) Sänger verpflichtend mit. Eigentlich ein Skandal.

Es ist ein Graus…

Fazit zu dieser Liebestrank-Produktion: In fast jedem besseren deutschen Opernhaus erlebe ich alltäglich auf meinen Dienstplätzen bessere Produktionen, vor allem vom Dirigat her. Laßt die Nemirova einen neuen Liebestrank machen – das kann sie wirklich hervorragend. Auch hat sie ein gutes Händchen für passende Sänger.

14:33
19. Februar 2012


Fanny

14

Scooter schreibt:

Die PR sang er ganz ordentlich – der Einäugige unter den Blinden. Gournemanz hat es ganz passabel wieder gegeben. Er ist leider nur noch ein Abglanz seiner frühen Jahre.

Roccanova hat recht: Was soll er denn machen, aufhören? Blödsinn, selbst in diesem Zustand ist er noch besser als das Gros der zur Zeit singenden Tenöre.

 

Lieber Paul,

"besser als viele Tenöre" würde ich unterschreiben, "besser als das Gros" ist mir zu hoch gegriffen, denn momentan singt Villazón für meine Ohren leider nur in der B-Liga, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich ihn wieder "upgraden" darf. Deshalb wünsche ich mir natürlich (noch) nicht, dass er aufhört!!

Übrigens war's gestern keine PR, sondern nur die 189. (und von mir gefühlte 1000.Frown) Reprise der Schenk-Produktion. Und damit wieder ein bisschen Leben in diese Bude kommt: Nur her mit einer Nemirova-Inszenierung!!!!! Obwohl sie ihr angeblich gutes Händchen für Sänger zumindest beim "Macbeth" doch ein wenig im Stich gelassen hat, würde ich einmal vorsichtig andeuten! (Und auch "Pique Dame" fand ich von der Besetzung her nicht so umwerfend.)

lg Fanny

15:31
19. Februar 2012


Mime

15

Werte Fanny

 

bei all Ihrer Bewunderung für Fr. Nemirova – die Bestzung von Premieren ist noch immer Sache von Operndirektoren und -intendanten. Gott sei Dank. Nemirova & Co würden wohl nur Schauspieler und Statisten besetzen wollen/können … der Gesang stört ja nur …

 

Also Bitte: die Kirche im Dorf lassen.

 

Pique Dame von der Nemirova hat mir gut gefallen – Macbeth, da wollte sie sich nur lustig machen bzw. Holender wollt nochmal einen schönen Skandal haben (auch mit der katatsrophalen Besetzung). Trotzdem grauts mir davor, daß diese Dame auf eine Liebestrank losgelassen werden könnte. Dann doch lieber den 1000ten Schenk-Aufguß (spielfreudige Sänger vorausgesetzt).

 

Gruß Mime

16:08
19. Februar 2012


edmondo

16

Vera Nemirova hat den "Liebestrank" bereits an der Bonner Oper inszeniert, ich fand das Regiekonzept sehr gut. Die Geschichte spielt bei ihr in einem modernen "Wellness-Hotel", was ohne "Verbiegungen" des Librettos möglich ist.

16:58
19. Februar 2012


Fanny

17

Werter Mime,

so grenzenlos ist meine Bewunderung für Frau Nemirova gar nicht, denn ich halte ihre Inszenierungen zwar vom Ansatz her für spannend, finde aber, dass sie dann oft auf halber Strecke stecken bleibt. Z.B. "Pique Dame": 1. Akt großartig, aber die vielen Fäden werden nicht weiter verfolgt, verlaufen sich im Unverbindlichen. Ich hatte das Gefühl, als stände ich in einem Raum mit vielen offenen Türen, die mir vor der Nase zugeknallt werden, sobald ich hindurchsehen wollte. (Symbolisch betrachtet!) Und "Macbeth" ein Skandal? Da muss ich wirklich lachen, das war – wieder einmal nach einem interessanten Beginn -inszenierte Langeweile, sonst nichts. Wenn also Holender einen Skandal gewollt hätte (Wozu eigentlich???), hätte er einen Bieito, von Peter, Herheim o.ä. geholt, aber sicher nicht die harmlose Frau Nemirova. Nein, die passte einfach in sein "Nicht-Fisch-nicht-Fleisch"-Konzept, dieses halbherzige Verharren zwischen konventioneller und wirklich moderner Regie, welche für die meisten Produktionen in seiner Ära leider typisch war.

 

Und klar können namhafte Regisseure bei der Besetzung ein Wörtchen mitreden (Zumindest können sie Sänger ablehnen, das ist nicht erst einmal passiert), ebenso wie sich Sänger der Sonderklasse bestimmte Regisseure/Dirigenten/Partner wünschen dürfen. Oder halten sie es für Zufall, dass bestimmte "Kombinationen" immer wieder vorkommen? Eine Natalie Dessay hat klipp und klar erklärt, dass sie nur unter bestimmten Regisseuren arbeitet – wenn man sie also haben will, muss man darauf einsteigen. Und dass sich eine Gheorghiu nicht mit jedem x-beliebigen Tenor zusammenspannen lässt, sondern ganz konkrete Forderungen stellt, dürfte auch allgemein bekannt sein. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.

lg Fanny

17:45
19. Februar 2012


Wally

18

Gilwei schrieb:

Also ich habe sehr wohl gute, wenn nicht beste Tage erlebt, zuletzt vor Weihnachten in Zürich ebenfalls als Nemorino (hier hat er an allen drei Tagen die Furtiva Lagrima wiederholt!) und auch als Hoffmann in München mit einer sehr beachtlichen Leistung (alle 7 Vorstellung gesungen). Dass die Stimme nach der Operation nicht mehr die ist wie 2005 ist wohl klar und für mich ist Villazon als Gesamtpaket zu sehen, Stimme+Bühnenpräsenz=auch an nicht so guten Tagen immer noch besser, als viele andere.

Das unterschreibe ich. Die von mir gesehene Zürcher Elisir-Vorstellung war fantastisch, das Publikum ausgerastet, Wiederholung mit standing ovations.

Hoffmann auch in vielen Rezensionen mehr als nur beachtlich (in der "Presse" Zitat: "enormer Erfolg", ebenso im Kurier) – und ich habe eine Vorstellung auch gesehen und nicht nur über Mittelsmenschen darüber gehört. Wie viele Hoffmänner, die auch als Darsteller optimal sind, gibt es wohl?

Die gestrige Vorstellung in Wien war nicht optimal, weit davon – aber wenn ich denke, wie viele ich dieser Art schon gehört habe – von Alagna, ja auch von Kaufmann, Costello, Giordano (äußerst schwächelnd als Carlo in Berlin) usw. Damit lebe ich als Opernliebhaberin und es würde mir nie einfallen, mich über einen dieser Sänger, die ja ihr Bestes geben, selbst wenn der Abend nicht gelingt, derart zu ereifern.

Und die angeblich soo überzeichnete Darstellung des Nemorino, die für Fanny und Ortrud nicht aushaltbar sind – okay, über Geschmack lässt sich nicht streiten – aber dann lassen Sie doch bitte Villazon ganz aus. Sie müssen ja nicht leiden und auf ihre Karten gehen dann 2 Personen, die mit seiner Darstellung gut leben können.

18:12
19. Februar 2012


Fanny

19

Nun, über das spezielle Villazón-Publikum möchte ich mich nicht weiter äußern, das ist auch (zur Verwunderung und Erheiterung des einheimischen Publikums) nach den beiden Züricher "Traviatas" ausgerastet, bei denen man als echter Fan eigentlich nur weinen konnte.

Ein ausrastendes Publikum ist für mich also ebenso wenig ein Maßstab wie euphorisch schreibende Zeitungskritiker, deren "freie" Meinungsäußerung längst von kommerziellen Interessen (Druck seitens der Agenturen, CD-Konzerne etc.) oder auch nur von freundlichen Operndirektoren korrumpiert wird. (Das ist jetzt nicht einmal ein Vorwurf, kein Mensch riskiert schließlich gerne seinen Job….) Viel interessanter finde ich daher die Berichte von Laien, die keinem Chefredakteur verantwortlich sind, sondern ihre eigene Meinung ungeschminkt zum Besten geben können, z.B. in diversen Opernforen. Mit der Zeit lernt man die Seriosität der einzelnen Schreiber einzuschätzen und weiß recht gut, wer sich um Objektivität bemüht und wer prinzipiell nur durch die rosarote Fanbrille starrt. (Das betrifft jetzt nicht nur RV!)

 

Und noch einmal zu Zürich: Ich sage jetzt lieber nicht, was man dort von den meisten Wiener Villazónfans hält… Wie gesagt, meine Freunde standen mit und neben ihm auf der Bühne und haben seine Leistung ein bisschen anders wahrgenommen. Aber ich will Ihnen Ihre ungetrübte Freude nicht nehmen, ebenso wenig lasse ich mich davon abhalten, mit meinen OHREN zu hören.

Und wieso soll ich auf meine Karte verzichten? Villazón zählt ja immer noch zu meinen Lieblingssängern, nur ist das für mich kein Grund, seine Leistungen schönzureden.  (Die auch nicht dadurch relativiert werden, dass andere auch schlecht singen. Gilt das für Sie überall als Entschuldigung? "In anderen Lokalen wird auch schlecht gekocht, also darf ich mich über meine ungenießbare Suppe hier nicht beschweren." Der Koch hat doch sicher auch sein Bestes gegeben……)

lg Fanny

11:39
20. Februar 2012


Wally

20

Hat Oper nicht vor allem mit Emotion zu tun und nicht nur mit Leistung. Abgesehen davon habe ich RV und seine "Leistung" am Samstag keinesfalls schöngeredet: "Die gestrige Vorstellung in Wien war nicht optimal, weit davon" .

Zu Zürich und ihrem "zur Verwunderung und Erheiterung des einheimischen Publikums":  wenn vielleicht 20 Wiener Villazon Fans in der Oper waren (diese enthusiastischen "Schönfärber", über die sich das allwissende Zürcher Publikum erheitern konnte, wie Sie ja aus einer Umfrage vorort offensichtlich wissen) – so setzte sich der Rest des Publikums aus was zusammen? Ich nehme an, zum Großteil aus Schweizern. Wir haben uns jedenfalls mit einem Schweizer Ehepaar unterhalten, die in JEDER Elisir Aufführung waren.

Lassen wir es, ich glaube, das bringt nichts. Sie schätzen Villazon und nehmen seine Leistung sehr ernst, was ihr gutes Recht ist; ich schätze Villazon und bin geneigt, aufgrund seiner Persönlichkeit, seiner für mich authentischen Ausstrahlung und noch immer sehr schönen, wenn auch kleineren Stimme  manchen nicht gelungenen Abend milder zu beurteilen, weil unterm Strich für mich noch immer genug über bleibt, um einen Abend mit ihm zu genießen.  

12:00
20. Februar 2012


Wally

21

Troger nennt die Sache beim Namen, ohne Villazon  medial zu “vernichten” – was Leute mit Profilierungsneurose leider so an sich haben. Villazon ist ein Getriebener seines eigenen Ruhmes, den immer wieder zu beweisen man täglich von ihm abverlangt. Wir wundern uns, wenn Superstars wie soeben Whitney Houston mit den gesteigerten Ansprüchen ihre vorgeblichen Fans nicht zu Rande kommen und eine dramatische Lösung suchen – und leider finden! Gut, Villazon ist, gemessen an den Superstars wie eben Houston, eine “Randerscheinung” – weil eben im Minderheitenprogramm Oper situiert. Die Gefahr zur Depression ist bei ihm – zumindest im Moment – nicht erkennbar. Aber nachdenken sollten auch seine Fans – und den Sänger so nehmen, wie er eben derzeit ist. Auch unangebrachter Jubel kann sehr gefährlich sein!

 

Danke Herr Cupak, für diese richtigen Gedanken.

12:36
20. Februar 2012


ortrud

22

Werte Frau Wally (oder soll ich Sie passender mit Frau Vogel-Strauss anreden),

- da Sie den Kopf in den Sand stecken, die traurige Realität nicht sehen wollen/können?

- ich empfehle Ihnen die Lektüre der Kritiken *Erinnern verboten* und *Rolando Villazon muss auf Clownerie statt Stimme setzen* in der heutigen Rubrik AKTUELLES.

 Da wird genau das angesprochen und auf den Punkt gebracht, was ich (und so wie ich die Beiträge der mir unbekannten Frau Fanny lese/verstehe auch diese) zum betrüblichen Abstieg RV's moniert und kritisch angemerkt habe.

Träumen und geniessen Sie weiter …

13:25
20. Februar 2012


Wally

23

Ich verstehe diese Diskussion nicht mehr, warum soll ich träumen und den Kopf in den Sand stecken – ich bedaure ja auch die Schwierigkeiten, die RV immer wieder hat.

Mit der Kritik "Erinnern verboten" kann ich leben. Die – sehr gute – Kritik im Standard ist selbst mir nicht nachvollziehbar. In der "Presse" schlecht, im Kurier und Standard gut bis sehr gut – also ein weites Feld für individuelle Eindrücke.

Und wenn ich mich nochmals auf Herrn Cupak beziehe, reihe ich mich  nicht in die unangebrachten Jubler ein, finde aber jede "Vernichtungs-Profilierungsneurose", wie er sie beschreibt, traurig. Womit ich jetzt nicht Sie meine.

Ein Sänger singt gegen seine glorreiche Vergangenheit an. (Übrigens glaube ich nicht, dass er das selbst so sieht). Ich freu mich, dass er sie gehabt hat und kann mit der neuen Stimme nach der OP gut leben. So einfach ist das (für mich).

13:56
20. Februar 2012


Fanny

24

Ja, mit dem letzten Satz spricht mir AC tatsächlich aus der Seele: "Auch unangebrachter Jubel kann gefährlich sein!"

Ich habe schon vor einiger Zeit hier angemerkt, dass die fanatische Fraktion der Villazónfans, also z.B. die, die auch seine beklagenswerte Form vom Sonntag immer noch mit Bravoorkanen honorierten, ein gerüttelt Maß Mitschuld an der momentanen Misere dieses charismatischen Künstlers tragen. Ich kenne Villazón nicht persönlich, aber so wie er sich in Interviews präsentiert, ist er ein Meister des Verdrängens und nur allzu gern bereit, sich selbst auch die rosarote Brille seiner Fans aufzusetzen. Daher bestand bei ihm auch kein Handlungsbedarf, etwas zu ändern, als es dazu noch nicht zu spät war, denn wenn er von seinen Fans nach jeder Vorstellung frenetisch gefeiert wird , muss er doch großartig gewesen sein, oder? Na klar,und die paar kritischen Stimmen, die gut gemeinten Warnungen, dass sein Weg sehr bald in eine Sackgasse münden würde,  konnte er auf Wolke 7 schwebend getrost vergessen, das waren halt Neider, Berufsnörgler, Schwarzseher etc. Hätte das Publikum rechtzeitig – als die ersten Anzeichen stimmlicher Probleme auftauchten –  andere Signale ausgesendet, wer weiß, ob die ganz große Krise nicht zu vermeiden gewesen wäre.

Ein emotionaler Vulkan wie Villazón, der ständig unter Strom steht, der immer ohne Sicherheitsnetz gesungen hat, immer 110% gegeben hat, sich nach wie vor mit einer Unbedingtheit wie nur wenige Sänger in seine Rollen hineinwirft (und diese Eigenschaften machen ihn ja auch so liebenswert), braucht dringend ein Korrektiv, und dieses Korrektiv muss mE auch ein verantwortungsvolles Publikum sein. Die Publikumsreakton ist das erste, unmittelbare Feedback, das ein Sänger bekommt, und es sollte eine ehrliche Reaktion sein. Ehrlich wäre am Sonntag ein Applaus gewesen, die Bravos waren es nicht.

(Ich kenne auch Sänger, die sich über ungerechtfertigten Jubel ärgern, sich vom Publikum sogar ein bisschen vera…..t fühlen. In Erinnerung ist mir z.B. die saure Miene eines Francisco Araiza, mit der er ungerechtfertigte Bravos quittierte, und einmal sprach er seine Fans sogar direkt darauf an, sie mögen das bitte unterlassen. Genützt hat's natürlich nichts….)

lg Fanny

 

PS: Und falls mit der "Vernichtungs-Profilierungsneurose" ich gemeint sein sollte: Ich möchte Villazón weder vernichten (Völlig absurd – ich wäre im Gegenteil überglücklich, könnte ich ihm wieder einmal aus voller Überzeugung zujubeln), noch will ich mich hier profilieren. (Noch absurder – zum Profilieren braucht's wohl ein bisschen mehr als seine subjektive Meinung zu einer Sängerleistung  abzugeben. Also zumindest meine Ansprüche sind da ein wenig höher!)

14:27
20. Februar 2012


ortrud

25

Werte Frau Fanny, Herrn Cupak's Äusserung betreffend *Profilierungsneurose* habe ich als gezielt auf Gurnemanz gelesen, ich mag mich täuschen?

15:06
20. Februar 2012


Fanny

26

Werte Ordtrud,

danke, ich fühle mich auch eher von Wally angesprochen, die ACs Formulierung übernommen hat.

lg Fanny

15:59
20. Februar 2012


Gurnemanz

27

Ich hatte über 24 Stunden keine Gelegenheit, ins Forum zu schauen, weswegen ich erst jetzt in die Diskussion einsteigen kann.

Fanny und besonders Ortrud haben ausführlich dargelegt, was sie über Villazóns derzeitige Verfassung denken; folgender Beitrag von Ortrud spricht mir aus der Seele:

Werte Frau Wally (oder soll ich Sie passender mit Frau Vogel-Strauss anreden),

- da Sie den Kopf in den Sand stecken, die traurige Realität nicht sehen wollen/können?

- ich empfehle Ihnen die Lektüre der Kritiken *Erinnern verboten* und *Rolando Villazon muss auf Clownerie statt Stimme setzen* in der heutigen Rubrik AKTUELLES.

 Da wird genau das angesprochen und auf den Punkt gebracht, was ich (und so wie ich die Beiträge der mir unbekannten Frau Fanny lese/verstehe auch diese) zum betrüblichen Abstieg RV's moniert und kritisch angemerkt habe.

Träumen und geniessen Sie weiter …

Mit jemandem, der nicht hört, dass die Darbietung am Samstag von trauriger Art war, ist eine ernsthafte Diskussion ohnehin müßig.

Auch folgende beiden Sätze von Fanny kann ich doppelt unterstreichen:

Ich habe schon vor einiger Zeit hier angemerkt, dass die fanatische Fraktion der Villazónfans, also z.B. die, die auch seine beklagenswerte Form vom Sonntag immer noch mit Bravoorkanen honorierten, ein gerüttelt Maß Mitschuld an der momentanen Misere dieses charismatischen Künstlers tragen.

und:

Hätte das Publikum rechtzeitig – als die ersten Anzeichen stimmlicher Probleme auftauchten –  andere Signale ausgesendet, wer weiß, ob die ganz große Krise nicht zu vermeiden gewesen wäre.

 

Die gestrige Vorstellung in Wien war nicht optimal, weit davon – aber wenn ich denke, wie viele ich dieser Art schon gehört habe – von Alagna, ja auch von Kaufmann, Costello, Giordano (äußerst schwächelnd als Carlo in Berlin) usw. Damit lebe ich als Opernliebhaberin und es würde mir nie einfallen, mich über einen dieser Sänger, die ja ihr Bestes geben, selbst wenn der Abend nicht gelingt, derart zu ereifern.

Werte Wally, können Sie mir bitte erklären, wer sich in diesem Thread über einen Sänger "derart ereifert" hat. Ich finde nämlich nichts dergleichen.

 

Und was Herrn Cupaks Äußerungen auf der Startseite betrifft, so merke ich an, dass es nicht das erste Mal ist, dass er mir (sofern ich diesmal gemeint sein sollte) Profillierungssucht unterstellt hat. Wie auch immer, mit mir muss er im Forum weiterhin rechnen. Provozieren lasse ich mich nicht mehr. Er war selbst nicht in der Vorstellung, weiß also gar nicht über Villazóns Darbietung Bescheid.

 

Grüße von Gurnemanz

17:07
20. Februar 2012


Wally

28

Gurnemanz schrieb:

Mit jemandem, der nicht hört, dass die Darbietung am Samstag von trauriger Art war, ist eine ernsthafte Diskussion ohnehin müßig.

 

Das hatte ich geschrieben:

"Die gestrige Vorstellung in Wien war nicht optimal, weit davon"

LG

Wally 

19:35
21. Februar 2012


Gurnemanz

29

Absage:

 

Villazón hat kurzfristig – denn am Nachmittag stand das noch nicht im Internet – das Handtuch geworfen.
Charles Castronovo ist der Ersatzmann.

Nicht, dass mich das wundert …

 

Grüße von Gurnemanz

10:50
22. Februar 2012


rochus

30

Nun kann man sich also nicht vollen Herzens über ein Comeback von RV freuen. Schade, wärte ein schöner Anlass zum "Vierziger" gewesen.

Über ein anderes Comeback, nämlich von "Wotan" hätte ich mich durchaus gefreut. Aber der kehrt ja offenbar nicht wieder. Dafür gibt es jetzt einen Grunemanz, sicher eine ganz andere Person …

15:01
22. Februar 2012


Roy

31

Villazon verkommt leider immer mehr zur Lachnummer. Viele Opernfans nehmen ihn doch schon lange nicht mehr ernst. Er kasperlt auf der Bühne immer mehr herum, um gesangliche Defizite zu kaschieren. Und wenn ihn jetzt schon ein Nemorino so überfordert…..

Als er im September in Wien im Verdi-Requiem gesungen hat mußte er ja auch da ganz schön forcieren. Auch mit dem Münchner Hoffmann war er weit überfordert.

Mich wundert ja, wenn man in den Pausen hört wie sich die Leute über Villazon's aktuelle Stimmverfassung echauffieren, aber beim Schlußapplaus wird gejubelt wie verrückt. Der Mann muß ja glauben, dass alles paletti ist. Von daher kann ich den Vorwurf ans Publikum schon verstehen, dass man ehrlicher mit den Künstlern umgehen muß.

Die Vergleiche mit Whitney Houston finde ich allerdings reichlich überzogen. Man vergleicht hier Äpfel mit Birnen. Die Houston hatte mit anderen Problemen zu kämpfen, für die sie – wie man leider jetzt sagen muß – simpel nicht stark genug war und letztendlich daran zerbrochen ist. Das ist natürlich furchtbar tragisch. Gerade wenn man bedenkt, was das einst für eine hochtalentierte und brilliante Sängerin war. Man kann dieses tragische Ende wohl wirklich auf die Tatsache zurückführen, dass es ihr gewaltig an Selbstbewußtsein gemangelt hat. Ein verhehrendes Manko, wenn man in einer Branche tätig ist, in der man immer funktionieren muß und unter ständiger Beobachtung steht.

Ich weiß allerdings nicht, wie es mit der psychischen Stärke bei Herrn Villazon aussieht.

rochus schrieb:

Über ein anderes Comeback, nämlich von "Wotan" hätte ich mich durchaus gefreut. Aber der kehrt ja offenbar nicht wieder. Dafür gibt es jetzt einen Grunemanz, sicher eine ganz andere Person …

Soll das heißen, dass es sich bei diesen beiden um ein und die selbe Person handelt?

15:17
22. Februar 2012


Fanny

32

Roy schrieb:

Mich wundert ja, wenn man in den Pausen hört wie sich die Leute über Villazon's aktuelle Stimmverfassung echauffieren, aber beim Schlußapplaus wird gejubelt wie verrückt. Der Mann muß ja glauben, dass alles paletti ist. Von daher kann ich den Vorwurf ans Publikum schon verstehen, dass man ehrlicher mit den Künstlern umgehen muß.

Genau das hat mich auch so verblüfft: In der Pause sah man eigentlich überwiegend lange Gesichter und hörte enttäuschte Kommentare, sodass ich eigentlich fürchtete, Villazón würde erstmals in seiner Karriere Buhs kassieren. (Was ich ihm ebenso wenig wie anderen Künstlern wünsche!!!) Als dann bei seinem ersten Solovorhang dieser Jubelorkan losbrach, dachte ich wirklich, ich spinne.

lg Fanny

15:33
22. Februar 2012


Gurnemanz

33

Roy schrieb:

rochus schrieb:

Über ein anderes Comeback, nämlich von "Wotan" hätte ich mich durchaus gefreut. Aber der kehrt ja offenbar nicht wieder. Dafür gibt es jetzt einen Grunemanz, sicher eine ganz andere Person …

Soll das heißen, dass es sich bei diesen beiden um ein und die selbe Person handelt?

Wotan = Gurnemanz = Billy Budd (Klassikforum)

Ich hatte eigentlich gedacht, dass mich jeder erkennen würde, deshalb habe ich es nicht dazu geschrieben.

Als Gurnemanz werde ich jedenfalls dümmliche Provozierungsversuche von gewissen Forumsmitgliedern ignorieren und nur mehr sachlich antworten.

Ich habe mich natürlich nie doppelt angemeldet (Ehrenwort!) und mich mit mir selber unterhalten, nur nach einer einmonatigen Pause vom Merkerforum meinen Namen geändert.

Grüße von Gurnemanz

19:03
22. Februar 2012


zerbino

34

Gibt es  in diesem Forum einen Gesangskundigen, der Villazons Stimmprobleme sachkundig erläutern kann? Seine ursprünglich breite brustige Tongebung war offensichtlich mit Überdruck erzeugt, den er heute physisch nicht mehr zustande bringt. Er ist ja nicht der Kräftigste. Eine mezza voce stand ihm ja wohl mangels genuinen unangestrengten Timbres nie so recht zu Gebote; er falsettierte und kam bald in die Hauchzone. Sein Unglück fing m.E. mit der "Carmen" an, zu der ihn seinerzeit Barenboim gedrängt hat, der insoweit auf Sänger keine Rücksicht nimmt. Gesangsknötchen hin und her, m.E. liegt sein Problem in der Atemtechnik.

13:02
25. Februar 2012


anony

35

Ich habe diese Diskussion mit großem Interesse gefolgt, und möchte nun etwas dazu sagen. Als Sänger kann ich Ihnen sagen, dass Hr. Villazon besser als jeder anderer weiß, wie er derzeit klingt: gerade deshalb seinen Hang zu"Clownerieren": er versucht sich ja zu "retten", was ihm anscheinend zum Teil gelingt, zumindest was ein Teil des Publikums angeht.

Zu sagen oder glauben dass er einen "Korrektiv" braucht, und dass dies das Publikum sein soll ist (mit Verlaub) nicht zutreffend und auch sehr anmaßend: der Sänger ist weder dumm noch taub: er hört und er spürt dass seine Stimme nun anders ist, was für ihm sicherlich sehr, sehr schmerzhaft ist. Warum glauben Sie dass er dieses "verdrängt?" Nur weil er in einen Interview, oder andere Leute gegenüber selbstbewusst wirkt? Was soll er ja sagen: "ich bin nicht mehr wie ich war"?  Sie können mir glauben: er weiß es ganz genau, verdrängt nichts.

Hr. Villazons Instrument wurde durch einen chirurgischen Eingriff verändert. Man kann es mit einen Hochleistungsathlet vergleichen, der durch einen Unfall seinen Bein bricht. Auch nach der beste Reha ist es unwahrscheinlich dass er je wieder in Top-Form kommen wird. Trotz diesen Schicksal, bringt Villazon ein beachtliche Leistung.

Es ist unfair zu erwarten dass er nach ein solchen OP gleich klingen wird, und einfach unrealistisch (und nicht besonders nett) zu denken dass wenn er sich nur "zusammen reißen", harter arbeiten, mehr üben würde, dass er wieder wie neu klingen würde. Ich wünsche es ihm, kann mir aber nicht vorstellen dass es möglich ist.

Wenn Sie diesen Künstler lieben und verehren für was er mal war, und akzeptieren können wie er heute ist, dann besuchen Sie weiter seine Vorstellungen. Wenn dies für Sie zu ärgerlich/schmerzhaft/teuer ist (alle legitime Argumente), dann bleiben Sie zu Hause. Ich kenne keinen Sänger in diese Liga der nicht bei jeden Auftritt sein bestes gibt, denn unseren Beruf ist gnadenlos. Villazon's "beste" ist einfach jetzt anders als es war.

15:45
25. Februar 2012


Miguel

36

Ich gebe anony vollkommen recht! Es gibt heute eine Ära Villazon II und man muss aufhören, ihn an seinen guten/besten Tagen früherer Zeiten zu messen. Ich habe leider nicht die letzte Vorstellung gehört, aber ich werde sicher wieder in eine Vorstellung mit diesem Vollblutkünstler gehen.

Die kritische Frage, ob der Künstler bei der Wahl der letzten Rollen nicht weiter viel riskiert hat, wird letzten Endes die Zukunft geben. Wünschen wir ihm das Beste!

22:42
25. Februar 2012


Willy

37

Es ist mir ein Anliegen mich zu den Kritiken Herrn Villazon betreffend zu Wort zu melden. Ich habe Herrn Villazon schon im Liebestrank 2005 an der Staatsoper erlebt, und nun wieder. Abgesehen davon, dass er bei der Aufführung 2005 absolut in Hochform war, nicht umsonst musste er damals "una furtiva lagrima" wiederholen, was bis dahin seit 16 Jahren keinem Künstler an der Staatsoper gelungen ist.

Kein Sänger kann immer in Hochform sein! Es ist nicht fair ständig gegenüberzustellen "Villazon vor der Operation und nach der Operation". Natürlich ist seine Stimme nicht mehr ganz so voll heute und verändert. Immer aber noch überdurchschnittlich (für mich und für viele andere) mit einem wunderbaren Timbre. 

Auch Herrn Villazon muss es gestattet sein mal gut und mal weniger gut zu singen, ohne dass man bei einer weniger guten Leistung immer den ganzen Künstler infrage stellt. Auch Hr. Villazon darf indisponiert sein, ohne gleich sein Können anzuzweifeln.

Übrigens hat Hr. Villazon schon in der legendären Aufführung 2005 ein gerüttelt Maß an "Clownerien" vorgelegt, ohne sich damit "retten" zu müssen. Ansonsten bin ich mit dem Beitrag von Anony voll einverstanden.    

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