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Franz GRUNDHEBER

Interview, 08/2008: Franz GRUNDHEBER, Der bedeutendste Wozzeck-Darsteller des 20. Jahrhunderts

 

Schüttkasten Salzburg:  GESPRÄCH MIT FRANZ GRUNDHEBER  am 25.8.2008

Buch- und CD-Präsentationen sind in Salzburg wichtiger Alltag. Für junge Künstler ein wichtiges Sprungbrett in die Öffentlichkeit, die nicht nur den Weg zum großen Geld öffnen sollen. Ein Sänger, der heutzutage keine Solo CD- auf den Markt bringt, kann viel weniger punkten, von dem spricht man nicht, er/sie  wäre ja kein Star. Dazu muss man natürlich jung sein, wichtig: Schönheit bei Frauen -  jede wird sofort an der Frau Netrebko gemessen – oder eine Modelfigur auch als Mann besitzen (welch ideale Züge da z.B. Herr Schrott für die Werbebranche hat). Natürlich wünscht man jedem Sänger, dass er erfolgreich seinen Weg geht – aber was nützt da Werbung alleine: auf der Bühne, vor dem Publikum ist jeder sich selber überlassen, da nützt keine PR – keine noch so große Werbemaschinerie.

Allerdings gibt es auch Künstler, die diesen Teil der Karriere nie für sich in Anspruch genommen haben, nie in das Vermarktungsschema gepasst hatten. Umso erfreulicher war die Tatsache, dass Frau Dr. HELGA RABL-STADLER sich selbst  Zeit nahm, ein ganz besonders Buch vorzustellen: „Franz Grundheber und Wozzeck“,  das 1.Buch über den 1937 in Trier geborenen Sänger und Stammgast bei den Salzburger Festspielen – und dazu wurden der Sänger selbst und der Fotograf des Bildbandes, der junge Trierer Armin Lücke, zu einem Gespräch in den Schüttkasten geladen.

Neben diesem 1.Buch über Grundheber wurde in diesem Rahmen auch seine erste (!!!) Solo-CD: „Lieder einer Reise“ aus dem Hause SPEKTRAL vorgestellt. 4 Hugo Wolf-Lieder wurden an den Beginn dieses Nachmittags gestellt. Franz Grundheber erzählte bei dieser Gelegenheit von dem ungewöhnlichen Entstehen dieser Produktion. Da er Lieder sehr schätzt, aber neben seinem sehr engen Terminplan in der Oper nie Lieder singen wollte, gab es bisher nur 4 Liederabende. Für ihn sei die Gestaltung im Liedgesang soviel Feinarbeit, dass er für sich selbst immer der Meinung war, er könne Lieder wirklich nur bestmöglich wiedergeben, wenn er zumindest 4 Wochen aus dem Opernbetrieb Pause machen konnte. Im Jahr 2003 gab es im Sommer eine solche Pause und er nahm  zusammen mit seinem befreundeten Pianisten MATTHIAS VEIT einige Lieder auf. Nur zur eigenen Freude, er hatte nicht an eine Veröffentlichung gedacht. Er hatte dabei ein  ungewöhnliches Programm gewählt, ein für ihn persönlich interessantes. Jedes Lied hat für ihn eine besondere Bedeutung. Jetzt, im August 2008, wurde diese „Lieder einer Reise“ erstmals veröffentlicht.

Mindestens genauso ungewöhnlich und ebenfalls nicht von Anfang an geplant, war die Entstehung des Buches. Franz Grundheber („der bedeutendste Wozzeck-Darsteller des 20.Jhs“, wie „Le Figaro“ ihn erst kürzlich nannte) hatte diese Rolle in vielen verschiedenen Regiearbeiten in der ganzen Welt gesungen, auch preisgekrönt und immer hoch gelobt.  Er, für den diese Oper die perfekteste Oper überhaupt darstellt, hatte sich immer und zu jeder Zeit dafür eingesetzt, den Opern-interessierten Menschen mit dieser Begeisterung anzustecken.
Eine ausgefallene Produktion in Italien gab ihm die Möglichkeit, den Wunsch des Oberbürgermeisters und vieler anderer seiner Heimatstadt Trier  endlich im April 2007 auch zeitmäßig zu erfüllen: die Erstaufführung des „Wozzeck“ im Trierer Stadttheater. Er inszenierte zum ersten Mal selbst. Und er setzte sich nicht nur dafür ein, dass er mit dem vorhandenen Ensemble diese Oper in dem kleinen Haus erarbeiten konnte, sondern gab gemeinsam mit Hilfe von Dieter Lintz vom „Trierer Volksfreund“ auch Vortragsabende, um dem Trierer Publikum diese Oper zu erklären.
So war diese Regiearbeit an sich schon eine Besonderheit. Der junge Fotograf Armin Lücke, Sohn des Handballfreundes von Franz Grundheber aus Jugendzeiten, schätze diesen nicht nur als Sänger, sondern war auch von seiner Interpretation dieser Oper fasziniert, die er von Videos her kannte. Und es entstand in ihm der Wunsch, seine Produktion zu fotografieren. Dieser Bildband entstand spontan.. Grundheber hatte vor, die 2.u.3. Vorstellung selbst zu singen, und wollte zumindest eine Probe (die Hauptprobe) für sich verwenden,  um selbst die Gänge auf der Bühne zu probieren, aber um seinen Premieren-Wozzeck nicht zusätzlich zu verunsichern, nahm er ihm auf dessen Bitte hin keine Probe weg, sondern bat die anderen Mitwirkenden um eine improvisierte Probe seiner Szenen nach der Hauptprobe.
Der Künstler hatte gar nicht mehr an den jungen Lücke gedacht, und dieser fotografierte gerade mal in den 50 Minuten dieser improvisierten Probe, ganz unauffällig. Aus diesen, nicht digital gemachten, Fotos entstand der Bildband. Armin Lücke zeigt darin, dass er unheimliches Talent besitzt, den wichtigen und richtigen Zeitpunkt mit seiner Kamera zu erfassen, er kannte diese Inszenierung nicht und schaffte es trotzdem in der ganz kurzen Zeit, alle wichtigen Augenblicke festzuhalten. Beim Durchblättern fasziniert ganz besonders,  dass man dabei fast bei allen Fotos die Musik zu hören meint. Er arbeitet auch mit verschieden Stilmitteln: Schwarzweiß-Fotos, wenn es der Stimmung gut tut, oder Farbe, um auch da die Atmosphäre adäquat passend wiederzugeben.
In diesem Bildband findet man auch Texte über Franz Grundheber und seine Opernkarriere sowie über Alban Berg und den „Woyzeck“ von Georg Büchner (alles von der Trierer Journalistin Katharina Hammermann).  Sparsam aber klug eingesetztes Notenmaterial macht den zusätzlichen Reiz dieses Buches aus.
Angesprochen auf sein Verhältnis zu Regisseuren, meinte Grundheber – es sei für ihn wichtig, dass der Regisseur die Oper voll und ganz kennt – nicht nur aus dem Reclambuch. Er selber möchte nie konventionell inszenieren, aber immer mit der Musik und dem Text, der für ihn eine ganz wichtige Bedeutung darstellt. So hatte er aus diesem Grund eine aktuelle Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ in Berlin zu seinem großen Bedauern absagen müssen, da er sich mit der Aussage und dem Ablauf dieser Bühnenumsetzung nicht identifizieren könne. (Anm.d. Autors: genauso aktuelle Inszenierungen, wie z.B. in Dresden, stellten für ihn kein Problem dar)

Herr Grundheber hatte in diesem Sommer auch im Rahmen des „Young Singers Project“  mit einer eigenen Meisterklasse mitgearbeitet, und in einem Artikel in „DAILYS Nr. 26“ der Salzburger Festspiele erwähnte er kurz, dass er das große Glück hatte, in seiner nun schon mehr als 40 Jahren andauernden Karriere mit vielen großen und innovativen Regisseuren zusammen zu arbeiten, und er gerade aus diesem Grund die vielen jungen talentierten Sänger in dem heutigen Opernbetrieb nicht beneide, da die  Regisseure heutzutage immer mehr ein Stück dazu benutzen,  um Schöpfer ihres eigenes Kunstwerkes zu sein.
Ein kurzer Rückblick auf seine Auftritte und das Zusammenwirken mit den Salzburger Festspielen ließ noch einmal die Erinnerung an seinen großartigen Jupiter in „Liebe der Danae“ aufkommen, eine Rolle,  die er als einziger zum aller ersten Mal  in der für Baritone extrem hohen Originalnotation Richard Strauss erarbeitet hatte und die für ihn 2002 zu einem seiner größten Erfolge geführt hat (durch die Sturheit des Regisseurs und des ORF wieder einmal eine verpasste Gelegenheit ,diesen Künstler zu ehren und zu verewigen)

Herr Grundheber  bedankte sich dann auch für den großen – auch persönlichen Einsatz von Herrn Ziegler von der Firma SPEKTRAL und seinen Kollegen, und auch bei Armin Lücke für seine Energie, dieses Werk herauszubringen, und meinte launig – reich würden die beiden damit nicht werden. Hier sei erlaubt anzumerken, nein reich werden sie sicher nicht, aber es sei ihnen vor allem auch gedankt, dass sie mit ihrem persönlichen Einsatz einen Sänger ehren, der sein Leben immer der Oper gewidmet hatte und es immer noch tut, auch in einem Alter wo andere schon seit Jahren im Ruhestand leben. Einer, der mit seiner Begeisterung, seinem Können und seiner Disziplin noch immer das Publikum fasziniert. Aber auch immer wieder  jungen Sängern oder Kollegen auf Wunsch seine Tipps und Tricks weiter gibt, in Schulen und Kirchen, oftmals in seiner Heimat ohne Gage auftritt,  – und es nie darauf angelegt hatte, „berühmt“ zu sein oder „Star-Bariton“ genannt zu werden.
Zum Abschluss bedankte sich Franz Grundheber noch  bei der Festspielpräsidentin, dass man ihm hier die Möglichkeit gegeben hatte, ohne Domingo oder Villazon zu heißen, seine zwei Veröffentlichungen in diesem Rahmen präsentieren zu dürfen.
CD und Buch sind kleine, vielleicht nicht so herausgehobene Sterne im Himmel der Opernwelt, aber jeder dieser Sterne trägt zum Leuchten bei, und dabei soll es nicht wichtig sein, wie hell er leuchtet – sondern dass diese Sterne einfach  da sind.

Susanne Resperger (25.8.2008)

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