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Helga PAPOUSCHEK

Interview, 12/2009: Helga PAPOUSCHEK, Das Glück, im richtigen Moment den richtigen Förderer zu finden

Begegnung mit Helga Papouschek:

Helga Papouschek, diesmal als Schauspielern, im Theater “Die Tribüne” in Wien

Nach einer Probe für die drei Einaktern von Aldo Nicolaj bekam ich die Gelegenheit, Helga  Papouschek zu einem kurzen Gespräch für unsere „ticketpoint-news“ zu treffen. Der Publikumsliebling ist bereits zum 4. Mal in einer Produktion der Neuen Tribüne zu sehen. Angefangen hatte es vor einigen Jahren noch unter der Direktion von Prof. Ander. Jetzt gab es wieder Gelegenheit drei passende  Stücke aufzuführen, Stücke deren  Frauen -Charaktere sehr unterschiedlich sind. Genau das hat sie so sehr gereizt und sie hat gerne zugesagt diesen Autor  mit viel Witz und vor allem auch mit viel schwarzem Humor für sich zu erarbeiten. Sie spielt erstmals Nicolaj  und es macht ihr unheimlich großen Spaß,  in diese so unterschiedlichen Charaktere zu schlüpfen.
„Diese Stücke passen ideal in die Tribüne, sind  Gustostückerl für zwei Schauspieler“ meint sie überzeugt,  ist doch die Tribüne ein Theater voll Tradition für besondere Theater-Juwele.

Überhaupt macht es ihr Spaß,  ganz spezielle oder auch ungewöhnliche Charaktere für sich zu finden und damit ihre Schauspielleidenschaft  zu fordern. Großen Erfolg brachte ihr 2007  die Rolle des „Frosch“ in der Fledermaus,  in die sie in Bad Ischl schlüpfte – und damit ist sie in eine Männerdomäne  eingedrungen. Der Erfolg gab ihr Recht, auch wenn es zuerst mit etwas Bauchweh verbunden war. Sowohl die Presse als auch das Publikum war begeistert. 2010 geht es im Sommer wieder nach Bad Ischl, einen Ort, den sie sehr liebt und wo sie gemeinsam mit Ihrem Mann, Kurt Schreibmayer, in der Csardasfürstin auftreten wird.

Sie erzählt mir auf meine Frage, ob sie denn oft Gelegenheit hat,  mit Ihrem Mann zu  spielen, dass es bisher nicht viele gemeinsame Auftritte gab. Natürlich gibt es immer wieder gemeinsame Konzerte. Sie hatte ihn vor 31 Jahren im “Vogelhändler” kennengelernt , dann gab es noch einen gemeinsamen “Gasparone”. Allerdings der gemeinsame Beruf , der Austausch über die Arbeit, auch das Kennenlernen anderer Stücke,  bei denen der Partner mitmacht, ist eine Bereicherung und empfindet sie als sehr positiv. Klar hat es immer wieder Zeiten längerer Trennungen gegeben, wo die Auftritte in sehr unterschiedlichen Ländern waren, aber sie hat es dann oft einrichten können, dass sie zumindest eine gewisse Zeitspanne bei ihm sein konnte und dann auch die letzten Proben und die Premiere miterleben durfte. So gab es immer spannende und schöne – gemeinsame -  Entdeckungen

 

Auf die Frage über den Beginn  ihres Weges zu ihrem Beruf erzählt sie mir, dass sie mit ihrer Mutter mit etwa 12 Jahren einen heftigen Streit ausfechten musste. Schon mit 5 Jahren war sie im Ballettunterricht und hatte auch bis dahin schon einige Kinderrollen gespielt. Ihren Wunsch, zum Theater zu gehen, setzte sie damit durch, dass sie mit 15 Jahren als Ballett-Elevin ins  Raimundtheater ging. Dann kam Baden, wo sie auch Gesang lernte und es folgte die Volksoper in  Wien. Und danach ergab sich  auch das Sprechtheater in der Josefstadt, Akademietheater und Volkstheater. Das vollkommen gemischte Repertoire machte ihr am meisten Spaß. Ja Talent ist die Vorraussetzung für den künstlerischen Beruf, das Handwerk lernen unumgänglich – aber das Glück im richtigen Augenblick den Richtigen kennen zu lernen, ist dann für eine größere Karriere ausschlaggebend. Bei ihr war es Otto Schenk, der sie beim Vorsingen gehört hatte und ihr Möglichkeit bot in  “Wiener Blut” zu spielen. Der Erfolg brachte ihr ein langes Engagement in der Volksoper, in der sie – bis heute – sehr glücklich wurde.
Zuletzt stellte ich ihr noch die Frage ob denn das Theaterpublikum anspruchsvoller geworden sei – darauf  meint sie, dass die Leute eher bequemer geworden sind. Sie findet es schade, dass sich die Leute dem „Risiko“ Theater nicht mehr so leicht hingeben.

Sie ist auch überzeugt, dass es nicht nur an den sogenannten modernen Inszenierungen liegt, auch wenn manche möglicherweise abgeschreckt werden.  Aber:  was ist „modern“ -  nur die Regisseure, das sind wir uns einig, die das Stück brechen, wo die Intension des Autors  und seiner Sprache, der Inhalt nicht mehr vorhanden sind – nur diese Stücke sind eigentlich als „modern“ zu bezeichnen.

Zum Abschluss frage ich noch um Ihre Pläne, die nach dem zweimonatigen Auftritt in der Tribüne kommen: Im April 2010 gibt es wieder “Orpheus in der Unterwelt” in der Volksoper, wo sie dann wieder mit ihrem Mann auf der Bühne stehen wird, noch dazu  als seine Frau. Deshalb sind die Dialoge, die sich auf das Eheleben beziehen, dann doppelter Spaß für die Leute. Im Sommer  gibt es  wieder Bad Ischl.

Sie hofft jetzt vor allem  auf einen Erfolg in und für die Tribüne, gemeinsam  mit Direktor Karl-Heinz Wukov. Beide hoffen. das Richtige für das Publikum gewählt zu haben. Mit Sicherheit ist für jeden etwas in einem der drei Stücke zu  finden, etwas Makabres, etwas Ernstes und auch etwas Lustiges.

Und damit verabschiede ich mich von einer liebenswürdigen und voll Energie sprühenden Künstlerin die mit ihrer Begeisterung sofort anstecken kann.
(Das Gespräch führte Susanne Resperger)

 

Weiter Informationen unter:
http://www.tribuenewien.at/   oder
http://www.ticketpoint.at/

 

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