Joachim SCHLOTE
Interview, 03/2011: Joachim SCHLOTE/ Konzertdirektion Schlote, Ursache von Fehlbehandlungen ist persönliche Eitelkeit
Gespräch mit Joachim Schlote
Um unsere Leser über die Konzertdirektion Schlote zu informieren, bat ich den Juniorchef Joachim Schlote um eine kurze Einführung.
1923 in Duisburg gegründet, verlegte sie den Firmensitz nach Düsseldorf und Frankfurt, 1966 nach Salzburg. Schlote Salzburg zählt zu den traditionsreichsten privaten Kulturunternehmen. In Salzburg ist das Abonnement der internationalen Theaterabende im Großen Festspielhaus seit 40 Jahren fester Bestandteil des städtischen Kulturlebens (bisher über 250 Vorstellungen). Hierfür wurde die Konzertdirektion 1998 von der Salzburger Landesregierung mit dem Landeswappen ausgezeichnet. Tourneen mit bisher über 25.000 Aufführungen in 58 Ländern beweisen das besondere Leistungsvermögen eines privaten Managements im Dienste des internationalen Kulturaustausches. Die Qualität der Aufführungen ist belegt durch überwiegend ausgezeichnete Rezensionen und Publikumsreaktionen und durch zahlreiche Nominierungen und Preise der INTHEGA (Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen e.V.), wo Schlote speziell im Musiktheater dominiert. Auch ich habe im „Merker“ mehrere Aufführungen kritisch, aber insgesamt meist positiv bewertet
Lieber Herr Schlote, bitte um den ersten Satz, der Ihnen selbst Freude macht! Die Firma Schlote hat sich im letzten Jahr operettenmäßig neu aufgestellt. Unter dem Etikett „Salzburger Operettentheater“ mit der „Cardasfürstin“. Sie wurde ein großer Erfolg.
Joachim Schlotes wichtigste Entscheidung? Wie sieht das Produktionsteam aus? Welchen Regisseur, welchen Bühnenbildner, welchen Dirigenten verpflichte ich, wobei vor allem gilt: sie müssen gerne und gut zusammenarbeiten. Gleiche Behandlung. Ich sagte zu einer Mitwirkenden aus Dresden, die im „Bettelstudent“ singt: Sie brauchen keine Angst zu haben, denn bei uns gibt es nicht verschiedene Hotels für den Dirigenten, die Solisten, die Chorsänger. Ein Künstler, im harten Tourneebetrieb – tägliches Kofferpacken etc. – kann sein Bestes nur geben, wenn er gut und respektvollbehandelt wird.
Ursache von so vielen Fehlbehandlungen der Menschen ist die persönliche Eitelkeit. Jeder hat seine Punkte, wo er eitel ist, und die soll er auch haben. Aber es darf die positive Arbeit nicht beeinflussen. Mein Vater hat den Künstlern und den Produktionen gegenüber eine so immense Ernsthaftigkeit an den Tag gelegt und ist für mich ein Vorbild. Meine Eitelkeit besteht darin, dass ich versuche, bei jeder Produktion, z.B. bei der neuen Operettenreihe, das für uns Beste daraus zumachen.
Ich widerspreche: Das ist Ehrgeiz, nicht Eitelkeit. Die Operette ist ja ohnedies gefährdet, weil die Tradition nicht mehr so stark ist. Ein allbekannter Operettentenor wie früher etwa Schock, Anders, Peter Minich, Heesters, Kollo – auch vor allem der vielseitige Wunderlich – ist heute nicht mehr anzutreffen. Höchst erfreulich, dass Herr Schlote die Operette fördern und neu beleben will. Die meisten Operettentenöre sind einfach zu lyrisch und haben zu wenig Kraft! Da wird es langweilig. Ich bin da sehr empfindlich.
Beim Vorsingen in Wien, an und für sich eine brutale Sache, fanden wir für den Bettelstudent 4 hervorragende Tenöre, zwei von ihnen musste ich leider absagen, weil wir nur jeweils eine doppelte Besetzung haben. Die Nervosität der Kandidaten versuche ich durch Freundlichkeit und persönliche Ansprache zu minimieren. Das Vorsingen in Mailand ist die Basis für dieBesetzung – immerhin 80 bis 90 Bewerber in anderthalbTagen!
Kann man da noch – trotz Routine - objektiv sein, wenn man in einer Stunde 6 bis 8 Kandidaten anhört? Ich bemühe mich, zu beruhigen, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, damit die Sänger das bringen, was sie können. „Bitte, Danke“, dass Sie gekommen sind. Ich fühle mich gerne als Teamplayer. Tournee heißt auch, dass wir vorübergehend Familien gründen. Schöne Erinnerungen: die Sängerin der Desdemona vor Jahren bei den Festspielen unter Muti begann bei uns. Das freut einen.
Zu den Programmheften und den Plakaten. Was halten Siedavon?
Ich finde die Abendprogramme sehr preiswert um 1€. Hochwertiges Papier, übersichtlich, ansprechend durch Farbe, Form und Format. Inhaltlich sehr gediegen und informativ. Gut lesbar. Was will man mehr? Die Doppelbesetzungen sind etwas mühsam zu entziffern, obwohl die Abendbesetzung überall ausgehängt ist.
Ich danke Ihnen für das Gespräch.
Ferdinand Rudolf Dreyer
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