Matej URBAN
Interview, 10/2010: Matej Urban, Jetzt Mats Eks Albrecht, später vielleicht ein Onegin
M A T E J U R B A N
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- Ein guter Tänzer muss alles können -
- Jetzt Mats Eks Albrecht, später vielleicht ein Onegin -
Aktualisierung: Matej Urban wurde zur Spielzeit 2011/12 zum Solisten des Bayerischen Staatsballetts ernannt.
Mit seinem Ek’schen Albrecht hat er inzwischen wichtige Gastspiele absolviert.
Matej Urban, geboren in Prag 1986, Studium 1998 am Prager Ballett Konservatorium, wo er 2006 seinen Abschluss machte.
In der Saison 2006/2007 kam er zum Prager National-Theater-Ballett und wurde dort schon 1 Jahr später zum Halbsolisten befördert. In Prag tanzte Urban bereits Rollen wie den Pas de trois in Schwanensee, Lenski in John Crankos Onegin, den Prinzen im Nussknacker und Romeo in Romeo und Julia, beides von Youri Vámos; James in La Sylphide und Gennaro im 3. Akt des Ballettes Napoli von August Bournonville; Soloparts in Jiří Kyliáns Choreographien Petite Mort und Sinfonietta, und nicht zuletzt seinen ersten Mats Ek: José in dessen Carmen.
Zum Beginn der neuen Spielzeit sprachen wir mit dem Hoffnungsträger.
In Matejs Familie gab es vorher keine Tänzer, jedoch war der Besuch der Ballettschule der Versuch, das überschäumende Temperament des Buben sinnvoll zu kanalisieren. Dazu trug bei, dass ein 1. Solist des Prager Nationaltheaters gerade eine neue Ballettschule eröffnete und Matej als einen seiner ersten Schüler aufnahm. Matej brachte genügend Einsatz und Talent mit, so dass er anschließend mühelos den Übergang zum Konservatorium schaffte und so ging alles ganz planmäßig seinen Gang.
Nach den beiden erfolgreichen Jahren in Prag, wollte sich Matej einmal bei einer Audition ausprobieren, was er dann in München tat und das Glück hatte, auch gleich genommen zu werden (und das bei einem alljährlichen Riesenansturm).
Seit September 2008 ist dieser hochtalentierte, groß gewachsene Tänzer mit der starken Ausstrahlung und Ausdruckskraft nun beim Bayerischen Staatsballett in München, wo er 2010 zum Halbsolisten aufstieg. Hier fiel er in jeder neuen Aufgabe positiv auf. Den bisherigen Höhepunkt und seinen bisher größten Erfolg in München bildete sein Debut als Albrecht (*) in Mats Eks Giselle, eine Partie, die ihm sogleich einen Gastspielvertrag nach Asien einbrachte (mit dem Lyoner Ballett), auf Empfehlung von Ek persönlich. Als Vorbereitung durfte er in Stockholm noch mit Ana Laguna (Eks Ur-Giselle) zusammen arbeiten.
Jetzt ist er wieder „zu Hause“ und bereitet sich mit der Compagnie intensiv auf die bevorstehende Premiere am 21.11. vor: „Mein Ravel“: Wohin er auch blickt… von Jörg Mannes + Daphnis und Chloé von Terence Kohler. (**)
Das mit dem Zuhause beim Bayerischen Staatsballett und in München hat schon seine Bedeutung. Das Engagement beim STB war ein großes Glück für Urban, der hier größte Chancen geboten bekommt für seine künstlerische Weiterentwicklung und sich auch in den Publikumsherzen bereits einen festen Platz ertanzt hat, zumindest bei den Stammbesuchern.
In der „STB-Familie“ fühlt er sich geborgen. Hier findet jeder Neuankömmling Hilfe innerhalb des multikulturellen Teams. Und nicht zuletzt: „I like Munich!“, die Stadt, ihre Weltoffenheit, Kultur und ihre „Gemütlichkeit“.
Bedeutende Gedanken über die Zukunft macht er sich im Moment nicht unnötig: Man weiß ja, dass eine Tänzerkarriere recht kurz ist und ich weiß absolut noch nicht, was ich später machen werde. Nun bin ich ja gerade erst in eine andere Stadt gezogen, arbeite in einer tollen Compagnie und was später sein wird, wird man sehen, daran denke ich derzeit noch gar nicht.
Vorliebe Klassik oder modern?
Ein guter Tänzer muss alles können! Gerade hier in München sind wir ja in allen Stilen gefordert – wie gerade mit Mats Ek und anschließend gleich „Les Ballets Russes“.
Ursprünglich hatte ich mich schon als klassischen Tänzer gesehen und auch die Entwicklung während der Ausbildung ging dahin, aber jetzt schaun Sie, nun habe ich gerade meine größten Erfolge in zeitgenössischen Balletten.
Mein Einwurf, ich könne ihn mir sehr gut einmal als Crankos Petrucchio vorstellen, entlockt Matej ein„Wow!“ – Damit kommen wir schließlich zu der unvermeidlichen Frage nach der absoluten Wunschrolle, und da landen wir wieder bei John Cranko – Onegin! – Aber dafür braucht man schon eine ganz besondere Persönlichkeit und künstlerische Reife (wird schon kommen). Im Übrigen genieße ich gerade meinen Ek-Albrecht. In Prag hatte ich ja schon seinen José getanzt. Eks Albrecht verlangt einem sehr viel Herz und Seele ab, man bekommt bei Ek die Komplexität der Rolle verstärkt mit. Nach den Aufführungen habe ich immer ein ganz besonderes, undefinierbares Gefühl.
An neuen Rollen steht erst einmal Urbans Beteiligung an der Ravel-Premiere an. Was, das werden wir zu gegebener Zeit erfahren, und über weitere neue Rollen, da lässt sich sowohl der Tänzer von seinem Direktor überraschen als auch wir Ballettfreunde uns mit erwartungsvoller Spannung.
Hobby? Ja, da gab es ein ganz großes: Mountainbiking! Das hat Matej ziemlich intensiv betrieben und auch Rennen bestritten. Er hatte viel Zeit und Geld in sein Hobby investiert. Aus zweierlei Gründen musste er diese Aktivitäten bremsen: einerseits zeitbedingt, andererseits weil seine Oberschenkel so gewaltige Ausmaße annahmen, dass das die edle Tänzerlinie doch erheblich störte. – Für seine tolle Sprungkraft war dieses Vortraining sicherlich nicht ganz unnütz….
Dorothea Zweipfennig – München 10/2010 — (Foto: Kletzsch)
(*) Ek-Giselle-Kritik Merker 7/10: Sein neues, jetziges Liebespaar hat sich Ek wiederum aus der Gruppe ausgewählt und damit die Karriere zweier junger, hoffnungsvoller Talente kräftig angeschoben: Die bildschöne, 20-jährige türkische Ballerina Gözde Özgür und den athletisch gebauten Tschechen Matej Urban. Beide tanzen mit enormer Ausdrucksintensität, sie verstehen zu berühren und zeigen mit ihren weich fließenden Pas de deux höchste Tanzkunst.
(…) Und Urbans Erscheinung und tänzerisches Vermögen weisen schon länger auf größere Aufgaben hin. Eine Konstellation, die man sich auch sehr gut in anderen Balletten als Liebespaar vorstellen und wünschen kann!
(**) Premiere „Mein Ravel“: Wohin er auch blickt… vonJörg Mannes - Daphnis und Chloé vonTerence Kohler
Uraufführung am Sonntag, 21. November 2010, 19.30 – ca. 21.40 Uhr Nationaltheater
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