Der neue Merker
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22. Jahrgang
Februar/März
2010
164
- - - - -
Anton Cupak
18.03.2010
18:39:16
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Österreich Aktualisiert: 18.03.2010 18:46:44

Am 14. April 2010 um 19.00 Uhr wird erstmals der „Birgit Nilsson Gedächtnispreis zur Förderung junger OpernsängerInnen“ im Rahmen eines Galakonzerts im SCHÖNBRUNNER SCHLOSSTHEATER  von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und der Österreichisch Schwedischen Gesellschaft vergeben. Der oder die PreisträgerIn wird im ersten Teil des Galakonzerts, durch das der Opernführer der Wiener Staatsoper Hofrat Prof. Dr. Walter Herrmann führen wird, ihr/ sein Können präsentieren. Am Programm stehen außerdem musikalische Beiträge von Elisabeth Wärnfeldt, der Initiatorin des Preises, sowie Gespräche mit Maestro Leif Segerstam und KS Dame Gwyneth Jones. Im zweiten Teil des Abends gibt es eine musikalische Begegnung mit Benny Andersson als Opernkomponist, der durch seine Kompositionen für die Popgruppe ABBA weltberühmt geworden ist. Teile seiner Oper KRISTINA VON DUVEMALA werden von Studierenden des Instituts für Gesang und Musiktheater (mdw) präsentiert.

 

Die Otto Edelmann Society (OES) veranstaltet ihren 4. Vorsing-Workshop. Am 22. April 2010 findet im Festsaal des Amsthauses für den 8. Bezirk am Schlesingerplatz um 19.00 Uhr das Abschlusskonzert statt. Dabei wird wie jedes Jahr der Publikumspreis vergeben! Dieser wurde dieses Jahr gestiftet in Erinnerung an den Komponisten Rudolf Polterer. Die OES gibt es seit 4 Jahren und hilft und berät junge SängerInnen, um ihnen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Über 15 Paten-Konzerte wurden veranstaltet! Infos: peteredelmann@gmx.at.

 

 

Vertrag von Volksoperndirektor Robert Meyer bis 2017 verlängert: Kulturministerin Claudia Schmied hat den ursprünglich bis September 2012 laufenden Vertrag von Volksopern-Direktor Robert Meyer um weitere fünf Jahre verlängert. Robert Meyer bleibt somit bis September 2017 Direktor der Volksoper. Die Verlängerung wird einstimmig vom Kuratorium der Volksoper unterstützt.

 

Die WIENER VOLKSOPER hat drei neue Kammersänger: Birgid Steinberger, Gertrude Ottenthal und Sebastian Reinthaller erhielten das Dekret zu diesem Berufstitel aus den Händen von Frau Minister Claudia Schmied.

 

PREMIEREN an Österreichs Musiktheatern im April 2010: Wiener Volksoper: DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN (Alfred Eschwé; nach Ernst Theo Richter/Produktion der Hamburgischen Staatsoper) am 17.4., Theater an der Wien: DER FREISCHÜTZ (Bertrand de Billy; Stefan Ruzowitzky; Van den Heever, Erdmann; Struckmann, O’Neill, Snell, Köninger, Korn, Neven, Markovics) am 19.4., Oper Graz: LULU (Johannes Fritzsch/Tewcyn Evans; Johannes Erath; Klobucar, Vermillion, Kaiser/Daletska; Memioglu, Holland, Lippert, Sfiris, Zelinka, McShane, von Senden) am 29.4.,  Stadttheater Klagenfurt: OPERETTENKONZERT (Mitsughu Hoshino; Christoph Wagner-Trenkwitz; Horak, Rieser; Prohaska, Falcon) am 15.4., Tiroler Landestheater Innsbruck: MANON LESCAUT (Leo Siberski; Alexander Titel; Slepneva/Chamandy, Kim/Shay, Oberto/Magdal, Burdack/Kugel, Cordeiro/Mitterrutzner, Kasprzak) am 3.4., Landestheater Salzburg: ARIANNA (Oper von Benedetto Marcello – Matthew Halls; Jim Lucassen, Plickova, Sommerhage; Zuckerman, Bakonyi, Wild) am 11.4., FIGARO FÜR KINDER am 17.4.nm., Linzer Landestheater: DAS TRAUMFRESSERCHEN (Kinderoper von Wilfried Hiller - Sigurg Hennemann/Takeshi Moriuchi; Karl M. Sibelius) am 11.4.nm in den Kammerspielen, Stadttheater Baden: BROADWAY-IMPRESSIONEN (Franz-Josef Breznik; Schäfer; Sigwald) am 24.4.,

 

Das Arcana Festival Neuer Musik  hat sich zum Ziel gesetzt,  sein Publikum mit Neuer Musik zu faszinieren. Abseits aller Metropolenstrukturen bespielen weltbekannte KomponistInnen und InterpretInnen von 28.07. bis

08.08.2010 die Region St.Gallen/Gesäuse mit ausgesuchten Werken.

Das Arcana Festival für Neue Musik hat einen geradezu magischen Ort zum Schauplatz: das Gesäuse in der

nördlichen Steiermark (Österreich), dessen Name bereits eine musikalische Allusionen birgt. Abseits aller

Metropolenstrukturen soll hier die Faszination Neuer Musik erlebbar gemacht werden – von weltbekannten

KomponistInnen und InterpretInnen. Da alle der noch lebenden KomponistInnen vor Ort sein werden, bietet sich

dem Besucher die einmalige Chance in öffentlichen Gesprächen oder in direktem Kontakt mit den KünstlerInnen

mehr über die aufgeführten Werke zu erfahren. Mehrere Uraufführungen sind eingebettet in den großen Kontext

der musikalischen Moderne. Das Festival bietet die Möglichkeit, Werke großer Ikonen des 20. und 21.

Jahrhunderts zu erleben und so den verschiedensten Tendenzen und Entwicklungen in der Welt der Neuen Musik

nachzuspüren. Arcana Festival für Neue Musik – das sind 22 Veranstaltungen an 12 Tagen und 7 verschiedenen

Veranstaltungsorten in der Region St.Gallen/Gesäuse. Insgesamt werden 90 Werke von 33 KomponistInnen zur

Auffürhung gebracht. Zu den programmierten Höhepunkten zählt ein Open-Air Konzert im Haindlkar, einer

wahrlich magischen Gegend, umgeben von ehrfurchtgebietenden Felswänden. Außerdem fnden Education- und

Musikvermittlungsprojekte, ein Workshop für junge Musiker, ein Symposium an der Schnittstelle von Kunst und

(Neuro)Wissenschaften, sowie Ausstellungen und Kunst im öffentlichen Raum statt. Infos: www.arcanafestival.at

 

In Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Ternitz, der „Event –Kultur – Ternitz“  und dem Verein „Freunde der Musik Gaetano Donizettis“ präsentieren die AMICI  DEL BELCANTO  am Samstag, 24.April  2010  in der Stadthalle Ternitz um 19 h  Gaetano Donizettis MARIA PADILLA  (Opera seria in 3 Akten von Gaetano Rossi nach der Tragödie von Jacques Arsene Francois Polycarpe Ancelot). Mit Barbara Quintiliani (Maria Padilla), Ketevan Kemoklidze (Ines Padilla), Igancio Encinas (Don Ruiz di Padilla), Sergio Bologna (Don Pedro), Stefan Tanzer (Ramiro), Cisimo Panozzo (Don Luigi), Krum Galabov (Don Alfonso di Pardo), Ida Aldrian (Francisca). Chor und Orchester der Staatsoper Banska Bystrica, Dirigent: Marian Vach. Mit  der am 26.Dezember 1841 am „Teatro alla Scala“ Milano uraufgeführten Oper von Gaetano Donizetti hören Sie eine an  kraftvollen Melodien nur so strotzende Oper, die ebenso wie die vorausgegangene LA FAVORITA wiederum einen Stoff der spanischen Geschichte aufgreift. Dona Maria Diaz de Padilla (1334 -1361) war eine kastilianische Adelige und Mätresse und später Frau von Peter I. , dem Grausamen, König von Kastilien und Leon. Bereits einige Jahre nach der Uraufführung mit dere großen Tadolini an der Wiener Hofoper zu hören, verschwand das Werk bald von den Spielplänen und ward in unseren Landen nun seit Jahrzehnten nicht zu hören. Im November gab es eine Produktion beim Wexford Festival in Irland, wo die Padilla – Schwestern mit größtem Erfolg von den beiden aufstrebenden jungen Künstlerinnen gesungen wurden, die Sie auch bei uns erleben werden! Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen und merken Sie sich bitte diesen Termin gleich vor!

Eintritt: €  45.-,  € 35.-,  € 25.-. Informationen und Kartenvorbestellung: 01- 9563758

 

Jahr 2010 beschreitet das LISZT FESTIVAL RAIDING  neue Wege: das Festival wird zu einem 4-Jahreszeiten-Ereignis, das sich nunmehr im Januar, März, Juni und Oktober seinen zahlreichen Freunden und begeisterten Anhängern mit einem hochkarätigen Konzertprogramm präsentiert: Mit erstklassigen Pianisten, außergewöhnlichen Ensembles, Meistern der Stimme und genialen Grenzgängern bietet das Liszt Festival Raiding ein umfassendes Programm vom Klavierabend über Kammermusik, Liederabenden und Orchesterkonzerten bis hin zu grenzüberschreitenden Konzerten, die sich auf schöpferisch-innovative Art mit dem Werk von Franz Liszt auseinandersetzen. Infos: Lisztzentrum Raiding, 7321 Raiding, Lisztstr. 46, Austria. T: +43-(0)2619-51047 F: DW 2

raiding@lisztzentrum.at, www.lisztfestival.at

 

Im Rahmen des Projektes TourKult werden in Kooperation mit der Internationalen Sommerakademie PragWienBudapest / Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ab 2010 jährlich Gesangsmeisterkurse mit dem Schwerpunkt Oper und einem Workshop-Rahmenprogramm in der Region veranstaltet. Zu den Opern-veranstaltungen von J:OPERA Jennersdorf ergänzen die Projektpartner Gemeinde St. Martin an der Raab und die slowenische Gemeinde Grad hierbei die Spielorte, an denen Unterricht abgehalten wird, beziehungsweise Konzertaktivitäten angeboten werden. Ziel dieser neu ausgerichteten Meisterkurse ist es, jungen vermittlungsreifen Sängern den Einstieg in den professionellen Sängerberuf zu erleichtern und zu ermöglichen.

Der Schwerpunkt liegt in der Vernetzung mit den bereits international etablierten Opernvorstellungen von J:OPERA Jennersdorf auf Schloss Tabor. Internationale Opernstars konnten für die Meisterkurse gewonnen werden. KS Johan Botha (Metropolitan Opera New York,  Wiener Staatsoper, Bayerische Staatsoper) wird einen Sonderworkshop abhalten, KS Kurt Moll (Hamburgische  Staatsoper), KS Edith Lienbacher (Volksoper Wien) und Claudia Visca (Musikuniversität Wien) werden Gesangsklassen mit dem Schwerpunkt Opernrepertoire unterrichten. Prof. Robert Herzl (Intendant der Bühne Baden) trägt mit seinem Spezialworkshop „Szenische Interpretation“ ebenso wie Monika Steiner (Volksoper Wien) mit dem Workshop „Musikdramatische Grundlagenarbeit“ und  Katharina Czernin (Musikuniversität Wien) mit dem Workshop „Atemschulung und Bewegungslehre“ dazu bei, dass die ausgewählten Studenten intensiv in verschiedenen Aspekten des Sängerberufes gefördert werden.



AUS UNSERER TÄGLICHEN KOLUMNE

  Freitag, 12. März 2010

Moses und Aron" an der Wiener Staatsoper - Karten gibt es noch jede Menge. Franz Grundheber als Moses. Photo: Hans-Klaus Techt

Heute erlebt Aribert Reimanns "Medea" ihre letzte Vorstellung der Premierenserie. Ich gehe zwar davon aus, dass der neue "Monsieur" an der Staatsoper an diesen letzten großen Erfolg der Ära Holender auch in Zukunft nicht  vorbei kommt, aber zur Sicherheit sollten Sie sich die Medea heute noch ansehen - falls sie sie noch nicht gesehen haben. Kartenschnäppchen gibt es nicht, die Produktion ist gut besucht!

Anders liegt die Sache bei Schönbergs "Moses und Aron" - der Besucheransturm hält sich in ganz engen Grenzen. Der Zeitung "Die Presse" ist das nicht entgangen, sie versucht zu ergründen, warum das so ist:

 Karten in allen Preiskategorien gibt es für „Moses und Aron“. Die mangelnde Akzeptanz der strengen Zwölftonkomposition Arnold Schönbergs erweist, welchem Irrtum der Meister aufgesessen ist, als er meinte, man werde einst seine „Melodien auf der Straße pfeifen“. Nicht einmal die Musiker und Sänger haben sich, scheint's, wirklich an den Stil des Vaters der Wiener Schule gewöhnt.

 Das liegt nicht allein an der philosophisch-religiösen Befrachtung des Librettos, das Schönberg selbst nach dem biblischen Bericht gedichtet hat. Das hat wohl auch mit der rigorosen Konsonanz-Vermeidung der Musik zu tun. Seine Zwölftonmethode erfand Schönberg Anfang der Zwanzigerjahre, um für Orientierung in den anarchischen Gefilden der sogenannten „Atonalität“ zu sorgen. Nur eine Auflage galt danach: Anklänge an Dur- und Moll-Dreiklänge sollten tunlichst vermieden werden. Schönbergs Schüler Alban Berg hat sich just daran nicht gehalten und – etwa für seine „Lulu“ – Zwölftonreihen mit deutlichen Tonalitätsbezügen gewählt. Nicht zuletzt deshalb gilt seine Musik als weit gefälliger als jene des strengen Lehrers. Schönberg bleibt – zumindest zur „Moses“-Zeit – konsequent bei seinem Verdikt.

Franz Grundheber ist der gewohnt souveräne "Moses", seinen Bruder "Aron" singt John Daszak - und der ist in seiner zugegeben extrem schwierigen Rolle ziemlich überfordert.

Der "Brandbrief" der Berliner Stardirigenten schlägt weiterhin hohe Wellen. Es wird bemängelt, dass in Berlin die Kinder kaum mehr für Musik zu begeistern sind. Die "Berliner Morgenpost ortet auch Egoismus der Musikschaffenden hinter diesem Brief. Denn:  Die Angst muss groß sein. Und sie ist mehr als berechtigt. Die Institutionen bangen um ihre Zukunft. Ohne Publikum kein Musikleben. Insofern ist der Protest so egoistisch wie verzweifelt. Wir Dirigenten, Kulturmanager, Intendanten und Regisseure wollen überleben. Und dazu brauchen wir Zuschauer, Zuhörer, die das, was uns treibt, vielleicht nicht immer ganz verstehen oder goutieren, aber in seiner Faszinationskraft, seiner Magie, seinem Eros doch einschätzen und nachvollziehen können, ja vielleicht sogar lieben und bewundern. Beethovens Sinfonien, Wagners Musiktheater, Chopins Klavierwerke, die ästhetischen Brüche im 20. Jahrhundert, die drängenden Fragen ans 21.: Ohne eine gewisse Bildung, ohne Lust auf Kommunikation, auf andere Lebenszusammenhänge als die uns unmittelbar umgebenden ist das Vergnügen daran maximal halb so groß.

Hat man sich schon einmal gefragt, ob dieses Desinteresse nicht auch mit
der geänderten Bevölkerungsstruktur in Berlin zusammenhängen kann?
Dass im Ruhrpott der Theaterkollaps droht, ist auch keine Überraschung.
Nirgendwo auf der Welt gibt es eine derartige Dichte an Theatern, wie eben im "Pott".


Mit der Wiener Mahler-Ausstellung befasst sich nicht nur der Online-Merker - auch unsere Presseschau verweist erneut darauf.
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DIe Kindes-Missbrauchsvorwürfe können nicht allein an der katholischen Kirche festgemacht werden. Nun werden auch Vorwürfe im Bereich der Wiener Sängerknaben laut - und die haben mit der Kirche absolut nichts zu tun. Vielleicht stehe ich mit meiner Ansicht einsam da, aber ein Outing nach 20 Jahren erscheint
mir etwas suspekt. Die Zahl der "Trittbrettfahrer", also jener, die sich bloß einmal im Leben groß wichtig machen wollen, werden wir wohl nie erfahren.
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Im Wiener "Gloria-Theater" in Floridsdorf hatte der Schwank-Klassiker "Der Raub der Sabinerinnen" mit "chef" gerald Pichowetz in der Traumrolle des "Striese"  eine erfolgreiche Premiere. Die Kritik von Renate Wagner ist bereits online, wir kommen morgen nochmals darauf zu sprechen.
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Imelda Marcos und Udo Proksch beim Opernball (irgendwann im Jahre Schnee)

Meine Frau wundert sich, wie so ein kleiner "Strizzi" wie Udo Proksch so viel Glück bei erfolgreichen, schönen und auch klugen Frauen haben konnte. Ich wundere mich nicht. Denn erstens war Proksch nie ein Langweiler und immer für Überraschungen gut. Zweitens war er nicht nur ein "kleiner Strizzi", sondern phasenweise seiner Umwelt klar überlegen. Er durchschaute auch die Psyche der Politiker, kannte ihre Schwächen und sonstigen Blödheiten - und zog Nutzen daraus!. Und bei den Frauen setzte er jenes Maß an kalkulierter Brutalität ein, das manche offenbar brauchen, obwohl sie das nie zugeben würden.
Er war also alles andere als ein "Softy".


Robert Dornhelm drehte nun eine Proksch-Dokumentation, die in den Kinos bereits angelaufen ist. Renate Wagner berichtet auf unserer Filmseite, auf die in diesem Zusammenhang noch extra hingewiesen wird:
Was hat Rudolf „Udo“ Proksch (1934 – 2001) in seinem Leben je Nachweisliches geleistet? Er hat den „Goldfinger“ erfunden (nicht den Film, sondern den Fingerschmuck) und Brillen kreiert, von denen einige millionenfach verkauft wurden. Er hat von 1972 bis 1991 die Wiener Nobelkonditorei Demel mit aller Anteilnahme der Medien lautstark geleitet. Im übrigen wurde er, der seine faschistoide Freude an Waffen, Gewalt und Macht nie verborgen hat, wegen fünffachen Mordes und Betrugs – Vorwürfe, gegen die er sich nie verteidigt hat - zu 20jährigen Freiheitsentzug verurteilt und starb 2001 im Gefängnis. Er war ein Krimineller, der sich in wahrlich Warhol’scher Manier inszeniert und präsentiert hat, und zahllose „Promis“ sind ihm auf den Leim gegangen. Kurz gesagt, man könnte sich würdigere Objekte vorstellen, über die eine Dokumentation zu erstellen wäre. Aber Robert Dornhelm, der immerhin einer von Österreichs Parade-Regisseuren ist, zeigte sich von dem „Sittenbild der Zweiten Republik“ fasziniert, das er an der Gestalt von Udo entwickeln wollte.
 
Es ist ein Dokumentarfilm, der nur die Dokumente sprechen lässt. Das vorhandene Material aus dem Proksch-Nachlaß enthält nicht nur jede Menge von Interviews mit ihm selbst, in denen er sich eitel und provokant selbst bespiegelt (und auch schrecklich viel Blödsinn redet). Es gibt auch viel von dem Amateurfilmhaften, mit dem er sich selbst zum Filmemacher stilisieren wollte. 30.000 Exponate zum Thema Proksch sind vorhanden, Briefe, Zeitungen, seine Zeichnungen und Entwürfe (am ehesten war er ja noch, als er sich „Serge Kirchhofer“ nannte, ein Schicki-Micki-Designer). Und interessanterweise sind zahllose Menschen vor die Kamera gegangen, um über Udo zu sprechen, nicht nur seine Ex-Ehefrauen Erika Pluhar und Daphne Wagner, auch Politikerfreunde wie Karl Blecha oder der mittlerweile verstorbene Helmut Zilk, Promis wie Gerd Bacher, Niki Lauda, Karl Schranz, sogar der Staatsanwalt, der ihn hinter Gitter brachte und der ein Schmunzeln über diesen Mann nicht verbergen konnte.

Aber ungefährlich war dieser Mann nicht, letzlich ist er aber an seiner Selbstüberschätzung gescheitert. Seine "Freunde" halfen, wo immer sie konnten, machten sogar Falschaussagen. Aber es waren sicher auch Leute darunter, denen der wenig ruhmreiche Abgang des Udo Proksch sehr gelegen kam. Der "Fall Lucona" machte internationale Schlagzeilen. Die "Lucona" war ein sogenannter "Seelenverkäufer", also ein abwrackreifes Schiff, das von Proksch mit einem wertlosen Schrotthaufen beladen wurde, den er aber als hochmoderne "Uranerz-Aufbereitungsanlage"  hoch versichern ließ. An der tiefsten Stelle des Ozeans wurde die "Lucona" samt Besatzung und Ladung in die Luft gesprengt, es sollte nach einer Explosion aussehen. Obwohl Proksch von höchster politischer Stelle Deckung erhielt (so besichtigte damals auch der Wiener Bürgermeister mit Spitznamen "Whyski-Poldi"  die "wertvolle" Ladung), ging die Rechnung nicht ganz auf.  Das Gericht nannte es mehrfachen Mord, so etwas geht selbst heute noch nicht als Aktionismus , gedeckt durch den Begriff  "Künstlerische Freiheit",  durch.

 Interessanterweise hat niemand diesen Udo Proksch verleugnet, obwohl die enge Verbindung mit ihm nach und nach zur Peinlichkeit wurde. Dieser bunte Hund, der immer wieder als „genial“ bezeichnet wird, hätte vermutlich einmal abgesehen von der Lucona – seinem Kapitalverbrechen – Österreich noch einen weit größeren Skandal bescheren können, hätte er nicht eine so noble Ehefrau gehabt. Denn Proksch war nicht nur „Netzwerker“, wie man das Gemauschel unter Freunderln auch nobel bezeichnen kann, er war auch Zuhälter. Im Demel gab es nicht nur seinen „Club 45“, wo jeder, der etwas von sich hielt, „einmal vorbeigeschaut haben musste“ (vom Kanzler bis zum Kardinal!!!), er stellte den Herren für ihre Nutten-Schäferstündchen auch Zimmer zur Verfügung – und knipste sie bei dieser Tätigkeit. Als er die Fotos, die er als seine „Lebensversicherung“ betrachtete (mancher Politiker hätte wohl alles dafür gegeben), seiner Gattin (oder schon Ex-Gattin) Daphne Wagner brachte, hatte diese die Einsicht und Voraussicht und wohl auch den Anstand, sie zu verbrennen. Sie hätte damit viel Geld machen und sehr viel zum Einsturz bringen können…
Der "Spiegel-online" findet die Jerry Cotton-Parodie gar nicht "cool":

Statt extrem cool kommt Christian Tramitz aber bemitleidenswert farblos rüber. Ausgerechnet Grobdarsteller Ulmen zieht sich noch am Achtbarsten aus der Affäre, weil er dem bemühten Flachwitz, der hier grassiert, durch eine besonders schamlose Gimpel-Performance die Krone aufsetzt.

Immerhin besser als "Die Supernasen" , das ist schon etwas!

Zum Schluss mache ich mir echte Sorgen um die Chancen Deutschlands beim Eurovisions-Songcontest.

Eine der beiden Finalistinnen wird Deutschland vertreten. Ehrlich, die schauen meiner Ansicht nach beide viel zu brav aus!

Stefan Raab sucht bei "Unser Star für Oslo" den deutschen Vertreter beim Eurovision Song Contest. Entweder Jennifer Braun (l.) oder Lena Meyer-Landrut (r.) wird für Deutschland nach Oslo fahren! Die Entscheidung fällt am Freitagabend. Sehr viel schlimmer als in den letzten Jahren kann es nicht kommen. Dazu bieten wir eine Bilderstrecke über die wenig ruhmreichen letzten 17 Jahre!

Ich wünsche einen schönen Tag, kommen sie gut im Wochenende an!

A.C.

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 Samstag, 13.3.2010

Gestern fand an der Wiener Staatsoper die letzte "Medea"-Vorstellung der Premierenserie statt. Ob Dominique Meyer diese Produktion übernimmt und damit ein Denkmal für seinen Vorgänger Ioan Holender im Haus belässt, wird sicher eine der Fragen bei der Programm-Pressekonferenz sein.

Die letzte "Medea" war praktisch ausverkauft, sogar auf den Stehplätzen gab es anfangs ein großes Gedränge. Nach der Pause ging es dort gemütlicher zu (das weiß ich aus eigener Erfahrung, weil ich die Aufführung vom Balkon-Stehplatz aus miterlebte - ich will mich ganz einfach nicht von der Direktion durch Pressekarten korrumpieren lassen), aber das ist ein natürlicher Vorgang. "Was nicht viel kostet, ist wenig wert" - also wirft man eher eine 3 Euro-Stehplatzkarte weg, als einen 190 Euro Sitzplatz im Parkett. Ich beobachtete auch die Abgänge zur Pause - es waren vorwiegend junge Leute, die anscheinend Besseres zu tun hatten.

Die Reaktionen des Publikums nach der Vorstellung waren durchaus positiv, "Medea" kann also als Premierenerfolg in die Geschichte des Hauses am Ring eingehen. Die Wiener haben bewiesen, dass sie Neuem gegenüber aufgeschlossen sind. Im Abo sollte man "Medea" allerdings nicht verkaufen, denn wer sich wegen "La Traviata" ein Abo kauft, wird "Medea" verstört verlassen.

Einem Wiener Operndirektor bleibt nichts erspart - so muss sich Dominique Meyer für "Die Presse" von Barbara Petsch interviewen lassen: Zunächst einmal: Das Gras von früher ist immer grüner, das gilt auch für die Oper. Wir hängen zu sehr an der Vergangenheit. Das Interesse an der Oper ist da, auch bei den jungen Leuten. Die Künstler sind zahlreicher denn je zuvor, bei den Komponisten wurde das Interesse an dieser Gattung wieder erweckt. Mich beeindrucken außerdem die technischen Fortschritte in der Oper, zum Beispiel das Licht. Was man da jetzt alles machen kann! Das gilt natürlich nicht nur für die Oper, sondern auch für das Ballett, das künftig der weltbekannte Tänzer Manuel Legris führen wird. Das Ballett liegt mir besonders am Herzen. Über den Spielplan möchte ich noch nichts sagen, es gibt eine Pressekonferenz. Sonst wird zu viel geredet. Es soll mehr Neuinszenierungen geben, gelegentlich eine Barockoper. Das Budget möchte ich nicht über die Zeitung thematisieren. Wir werden eine ernsthafte Diskussion führen müssen.

Geredet wird jetzt bereits, und die Opernfreunde hören bereits das Gras wachsen. Warten wir also einmal ab, was uns der Direktor bei seiner Pressekonferenz zu sagen hat und ob das Frühstücksbüffet am 23.3. mit jenem seines Vorgängers mithalten kann (oder vielleicht noch besser ist).

Ein Riesen-Theater macht Gärtnerplatzintendant Dr. Ulrich Peters um die Nicht-Verlängerung seines Vertrages. Außenstehende mussten bei seiner Stellungnahme den Eindruck gewinnen, dass die Welt einzustürzen drohe - oder zumindest das Theater. Dabei wird nur der Intendant verlängert!

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Der Intendant vor seinem Theater.

Dr. Ulrich Peters im Gespräch mit der "Münchner Abendzeitung":

Die Auslastung liegt etwa bei 80 Prozent. Wir sind oft ausverkauft und spielen wegen Doppelvorstellungen und Gastspielen das Jahr über nahezu jeden Abend. Ein nur zur Hälfte ausgelasteter „Boccaccio“ fällt da kaum ins Gewicht. Daran kann es eigentlich nicht gelegen haben.

Die gedruckte Meinung war, von ein paar Ausnahmen beim Familientheater abgesehen, durchweg unfreundlich.

Ist der Intendant der Staatsoper, Nikolaus Bachler, in diesem Sinn erfolgreich? Wir haben durchweg eine bessere Presse als die Staatsoper. Die ist per se erfolgreich. Sie selbst haben doch den Stern des Jahres für „Death in Venice“ gegeben.

Den bekam im Jahr zuvor die Staatsoper für Verdis „Macbeth“ auch.

Die Zuschauer lassen sich von durchwachsenen Kritiken nicht abhalten. Wir spielen auch nicht für die Presse, sondern für das Publikum und haben versucht, zwischen „Carmen“, „Zar Saltan“, klassischer Operette und modernem Musical alles abzudecken. Unsere Sänger sind umjubelt und haben ein großes Potenzial. Manches, wie die Rockoper „ChristO“, hat nicht funktioniert. Aber das kommt überall vor. Ich glühe jedenfalls weiter für dieses Theater.


Ich bin in dieser Sache wirklich nicht gut informiert und menge mich auch nicht in die Münchener Politik ein. Angeblich soll Peters Bestellung ein Politikum gewesen sein. Wenn es eine Änderung an der politischen Spitze in seinem Bereich gibt, muss er damit rechnen, dass alte Rechnungen auf seinem Rücken beglichen werden. Das ist nun einmal so - in München und überall auf der Welt!

Aufhorchen lässt mich freilich der Name Nikolaus "Klaus" Bachler. Gerüchten zufolge soll er ein begehrliches Auge auf eine Doppelintendanz geworfen haben. Aber wie gesagt, ich menge mich da nicht ein - das ist allein die Sache der Münchner. Obwohl es dazu viel zu sagen gäbe! 

Die Salzburger Osterfestspiele erheben durch ihren neuen Geschäftsführer Peter Alward "das Recht auf die erste Nacht". Lesen Sie Auszüge aus einem Interview mit der "Wiener Zeitung":

Dass die Berliner Philharmoniker das Orchester der Osterfestspiele bleiben, ist also fix?

Sofern von Seiten der Kulturpolitik nicht Unerwartetes geschieht. Für 2011 und 2012 ist das geklärt. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sie bleiben werden.

Können Sie sich vorstellen, dass die Berliner auch im Sommer in Salzburg Oper spielen?

Ich denke nicht, dass das passieren wird. Grundsätzlich ist der "unique selling point" der Berliner als Opernorchester Ostern. Im Sommer spielen sie herrliche Konzerte. Ich denke nicht, dass man das generell mischen sollte.

Wie funktioniert die Abstimmung mit dem designierten Festspiel-Intendanten Alexander Pereira?

Eine Konstruktion wie 2012, bei der "Carmen" zu Ostern herauskommt und im Sommer übernommen wird, das hätten wir gerne öfter. Dass die Premiere jedoch zu Ostern stattfindet, dass wir das Recht auf die erste Nacht haben, das muss unbedingt sein. Und wird auch ab 2011 so passieren.

Codex Flores" berichtet über die Diskriminierung deutscher Musiker in Kanada.

Weil Klaus Florian Vogt, Christian Gerhaher und Viviane Hagner auf CDs des Montreal Symphony Orchestra als Solisten zu hören sind, wurden den Aufnahmen eine Nominierung für den Juno-Preis verweigert. Die drei sind keine Kanadier.

Wie die Montrealer Zeitung «The Gazette» schreibt, hätten die Juroren die Nominierung mit der Begrünmdung verweigert, dass die CDs in Kategorien gefallen wären, welche die Rolle der Solisten betonten. Der Juno sei aber ein kanadischer Preis, und die drei seien Deutsche. Bei den CDs handelt es sich um Einspielungen von Mahlers «Lied der Erde» und von zwei Werken der koreanischen Komponistin Unsuk Chin. Das Montreal Symphony Orchestra wird von Kent Nagano geleitet.

Das Montreal Symphony Orchestra stellt sich auf den Standpunkt, dass Mahlers «Lied der Erde» ein sinfonisches und nicht ein solistisches Werk ist, ohne das Juno-Komitee damit von seinem Entscheid abzubringen. Auf der Unsuk-Chin-CD finden sich das rein instrumentale Werk «Rocana» und ein Violinkonzert. Zudem ist das verantwortliche Label Analekta kanadisch.

 Die Wiener Sängerknaben haben eine Hot-Line für Missbrauchsopfer eingerichtet. Missbrauchs-Verdachtsmomente richten sich also nicht bloß gegen die katholische Kirche. Meinen Worten in der gestrigen Kolumne habe ich nur hinzuzufügen, dass überall dort, wo mit Jugendlichen gearbeitet wird, besondere Vorsicht geboten ist. Auch bei diversen Sportvereinen und Jugendclubs ist diesbezüglich schon viel zu viel passiert. Schuld ist nicht die Institution an sich, sondern der Umstand, dass sich einschlägig veranlagte Menschen dort in Positionen drängen. Bis man etwas merkt, ist meist schon etwas geschehen. Dann allerdings muss man sofort reagieren! Mehr ist weder von der Katholischen Kirche, noch von der Leitung der Sängerknaben, aber auch nicht von der Jugendabteilung des  nächstgelegenen Fußballvereins zu verlangen!

 Die Hannoveranerin Lena Meyer-Landrut singt für Deutschland beim Eurovision Song Contest. Die 18-jährige Abiturientin setzte sich am Freitagabend im Finale der Castingshow «Unser Star für Oslo» gegen ihre Konkurrentin Jennifer Braun aus Hessen durch. Die Fernsehzuschauer wählten sie zusammen mit dem Song «Satellite». Diese spezielle Popnummer mit Sprechgesang im Stile britischer Songschreiberinnen wie Adele oder Lily Allen wird die Nachwuchssängerin nun am 29. Mai beim Finale des internationalen Musikwettbewerbs singen (Quelle: Berlin-online")

Dass Newcomerin Gabourey Sidibe bald dick im Geschäft ist - da mag Howard Stern nicht so recht dran glauben. Foto: Reuters

Gabourey Sidibe war die auffälligste Frau der Oscar-Nacht. Nur einem hat sie nicht gefallen: dem Moderator Howard Stern. Er schimpfte über die schwergewichtige Schauspielerin - und hat nun jede Menge Ärger.

Der Körper von Gabourey Sidibe hat, man muss es so sagen, enorme Ausmaße. Die 26-Jährige bringt an die 170 Kilogramm auf die Waage. Damit liegt die Schauspielerin, die für ihre Rolle als traumatisiertes Missbrauchsopfer in Lee Daniels Film Precious für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nomimiert war, voll im Trend.
Es hat sich so langsam herumgesprochen, dass Schönheit ein dehnbarer Begriff ist. Dicke Frauen strahlen von sämtlichen Titelblättern, Beth Ditto wurde längst zur Stilikone ausgerufen und sogar auf den Laufstegen sind Models mit Speckröllchen zu sehen.

Meine Frau atmet beruhigt auf! Dabei ist sie im Vergleich zu mir spindeldürr!
Ich wünsche einen schönen Samstag
A.C.

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 Sonntag, 14, März 2010

Pierre Boulez wird demnächst 85


Hoch über den Dächern von Paris, im 30. Stockwerk eines Hochhauses mit Blick auf die Seine nahe dem Eiffelturm, wohnt Pierre Boulez. Einer der Großen der Musikwelt. Er lebt hier seit den Siebzigerjahren. In einem eleganten, lichtdurchfluteten Appartement, so hell, dass er bei unserem Gespräch die Sonnenbrille aufsetzt. Die Zimmer sparsam, aber durchaus wohnlich möbliert, an den Wänden suggestive Bilder, wie ein eindrucksvoller Francis Bacon, auf dem Couchtisch ein niedriger, viereckiger Glaskasten mit dem zauberhaften Modell des Strawinsky-Brunnens beim Centre Pompidou, den Jean Tinguely auf seine Anregung mit Niki de Saint Phalle gestaltet hat. Eine inspirierende Wohnung.

"Presse"-Redakteurin Karin Kathrein hat das baldige Geburtstagskind in Paris besucht.

Boulez, ein Industriellen-Sohn aus Montbrison, verließ mit 18 Jahren die Geborgenheit des Elternhauses, zog nach Paris und begann 1944 am Konservatorium bei Olivier Messiaen zu studieren. „Er war ungewöhnlich offen, hat uns mit neuer Musik vertraut gemacht, die damals kaum gespielt wurde. Mit Bartók, Strawinsky, mit Schönberg, Berg, Webern. Zu Schönberg hatte er keine große Beziehung, aber er hat ihn respektiert und uns gezeigt. Er lehrte uns, nicht über Musik, sondern in Musik zu denken.“ Messiaen hatte zwei Klassen, erzählt Boulez, eine am Konservatorium und eine, in der er seine besten Schüler privat unterrichtete. „Da hat er für uns sehr vieles analysiert, Strawinsky, Ravel, Debussy. Ich habe unglaublich viel davon gelernt. Da erlebten wir ein Öffnen zur Welt.“

Lesen Sie in unserer täglichen Presseschau das gesamte Interview. Mit der "Presse am Sonntag" sprach er über Kafka, Genet, Barbaren aus freien Stücken und tödlich ernst genommene Scherze.


Hugo Wolf (1860-1903)

Aus dem "Tagesspiegel":

Wien, im Februar 2010. Frage in der Musikalienhandlung Arcadia in der Staatsoper nach Literatur über Hugo Wolf. Im Regal mit den Jubilaren und Aktualitäten steht nichts, der freundliche Herr steigt in den Keller hinunter, es dauert, bis er zurückkehrt, mit leeren Händen. Nicht einmal die Rowohlt-Monografie wurde zu Wolfs 150. Geburtstag neu aufgelegt. Die Recherche im Computer nach Antiquarischem ergibt das eine oder andere, aber das haben sie alles nicht da. Sind wir nicht in Wien, fragt die Kundin irritiert, und war Hugo Wolf nicht Wiener, liegt er nicht in einem pompösen Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof begraben?

Der Herr lächelt: ja, eben, ein typisches Wiener Künstlerschicksal. Aber im Antiquariat Löcker in der Annagasse, da könne man es noch versuchen. Und da gibt es tatsächlich etwas: ein paar vergilbte „Lebensbilder“ und Werkbetrachtungen aus den dreißiger und vierziger Jahren, Erik Werbas verdienstvolle, immer musikalisch argumentierende WolfBiografie von 1971, ein angegrabbeltes Exemplar aus der Reihe „Musik-Konzepte“ von 1992. Hugo Wolf, sagt der Antiquar, sei nun mal nicht „populär“.

Hugo Wolfs 150. Geburtstag steht in Kürze an!

 Christian Thielemann präsentierte sein Abschiedsprogramm bei den Münchener "Philis"

Am Ende steht ein Walzer. Ein vergifteter, und dann auch noch in der Fremde: Das Wiener Gastspiel der Münchner Philharmoniker am 1. Juni 2011 ist zugleich das Finale der Ära Christian Thielemann.

Der "Münchener Merkur" berichtet weiter: Ganz seiner Linie treu bleibend setzt Thielemann in der Spielzeit 2010/11 die Auseinandersetzung mit den Klassikern fort. Alle vier Brahms-Symphonien sind darunter, Strauss-Lieder mit Christine Schäfer und französische Impressionisten. Doch es gibt auch eine große Premiere für ihn: Erstmals dirigiert Thielemann im Oktober 2010, fast exakt hundert Jahre nach der Münchner Uraufführung, Gustav Mahlers Achte, die „Symphonie der Tausend“. In späteren Konzerten folgen dann noch Mahler-Lieder sowie das Fragment der zehnten Symphonie. In diesem Zusammenhang planen die Philharmoniker (ähnlich wie die Kollegen vom BR) anlässlich des 150. Geburtstages von Mahler 2010 bzw. seines 100. Todestages 2011 einen auf zwei Jahre angelegten Zyklus. „Ich selbst habe ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Mahler“, räumt Thielemann ein. Die Art, wie er dirigiere, seine Eigenheit, so viele Details als möglich ans Licht zu holen, all das stehe eigentlich einer guten Mahler-Interpretation entgegen. „Ich bewundere Kollegen, die das mit einer gewissen Noblesse tun. Davon habe ich noch nicht genug.“

"BR-online" interessiert sich für den aktuellen Stand der Thielemann-Nachfolge: Über die Verhandlungen mit Stardirigent Lorin Maazel als Nachfolger für drei Jahre sagte Kulturreferent Hans-Georg Küppers im BR-KLASSIK-Interview: "Wir haben hier eines der besten Orchester in der Welt und wir wollen einen der besten Dirigenten haben. Wir können kein Geld drucken und eine solche Bezahlung wird sich innerhalb dessen bewegen, was wir leisten können."

Ein neuer Münchner Aufreger ist die Peters-Ablöse am Gärtnerplatztheater. Wobei der Intendant ja nicht abgelöst wird, sein Vertrag wird bloß nicht mehr verlängert.  Das ist ein völlig natürlicher Vorgang. Natürlich sind wieder einmal die bösen Politiker schuld. Herr Peters ist durch eine umstrittene politische Entscheidung an das Theater gekommen, nun wundert er sich, dass er durch eine ebensolche wieder abgelöst wird. Ist der Mann kein Realist?

"Codex flores" kennt sich in München besser aus als ich: Die Nicht-Verlängerung sei ohne Angabe von Gründen geblieben, schreibt das Gärtnerplatztheater weiter. Die Amtszeit von Peters dürfte somit am 31. August 2012 enden. Das Ministerium stelle allerdings nochmalige Gespräche in Aussicht.

Die Meldung kommentiert die «Süddeutsche» mit mildem Spott. Um die Theaterpolitik des bayerischen Kunstministeriums zu verstehen, müsse man schon der Minister selbst oder der liebe Gott sein, schreibt Reinhard J. Brembeck.

Die Gepflogenheiten in Sachen Gärtnerplatz seien von jeher seltsam gewesen, so die «Süddeutsche» weiter. Schon vor ein paar Jahren habe kaum jemand verstanden, warum der aufs Schöngeistige abonnierte Intendant Klaus Schultz durch den Regisseur und Betriebswirtschaftler Ulrich Peters ersetzt worden sei.


Wie immer veröffentlichen wir nachträglich eingegangene Rezensionen, auf die ich nicht immer gesondert hinweisen muss. "Die Welt" zeigt sich von Lloyd-Webbers" neuem Opus begeistert, die bisher vorliegenden Meinungen waren eher durchwachsen. Auch Herheims "Tannhäuser" in Oslo wird wieder rezensiert.

Zufrieden zeigen sich die Berliner Bühnen mit der Besucher-Auslastung, wobei aber nicht die Opernhäuser im Vordergrund stehen. Explizit wird der Friedrichspalast erwähnt. Auch in Ostbayern spürt man keine Krise, was wiederum die Politiker freuen wird, weil sie keine zusätzlichen  "Rettungspakete" schnüren müssen.

Im Ruhrgebiet werden entlang der Autobahn Gartenmöbel wie Liegestühle etc. aufgestellt. Das nennt sich dann Kunstwerk und wird über die Kulturhauptstadt finanziert. Der Künstler erklärt uns tumben Volk, was er uns damit sagen will.

In Wien steht die Premiere des Udo Jürgens-Musicals "Ich war noch niemals in New York" bevor. Stehen wir vor dem nächsten Wiener Musical-Flop? Wir werden berichten!

Nun zu  erfreulichen Ansichten:

Lena Meyer-Landrut

Sechs Wochen dauerte die Suche nach unserem Star für Oslo, präsentiert als überraschend niveauvolle Castingshow mit talentierten Kandidaten, unsäglichen Moderatoren, super-hammer-grandios-lobhudelnden Jurymitgliedern. Trotz der langweiligen Dramaturgie eine willkommene Abwechslung zu Trash-Formaten wie Deutschland sucht den Superstar. Diese Sendung, die sich Stefan Raab für Pro Sieben und die ARD ausgedacht hatte, weckte große Hoffnungen. Auf einmal ging es im deutschen Fernsehen wieder um Musik, um Qualität, um intelligente Unterhaltung. Und dann kam das Finale.

Wer sich bisher an guter, mal mehr, mal weniger bekannter Popmusik erfreuen und von einer annehmbaren Platzierung beim Eurovision Song Contest träumen konnte, wurde nun auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Plötzlich waren mittelmäßige Songs zu hören, die von den beiden Finalistinnen mit mittelmäßiger Begeisterung interpretiert wurden. Das Publikum durfte jeder Kandidatin ein Lied anpassen, das sie, sollte sie das Duell gewinnen, in Oslo vortragen könnte. Zur Wahl standen okay, geht so und eher nicht. Warum nicht toll? Weil es plötzlich darum ging, sich auf das Niveau des großen Schlagerwettbewerbs herabzulassen – da hat ambitionierte Popmusik leider keinen Platz. Kurze Einspieler von den Mitstreitern aus Irland, Norwegen, Slowenien oder den Niederlanden verstärkten diese ernüchternde Erkenntnis.

"Die Zeit " gelangt  zu folgendem Schluss: Fast kann einem die Siegerin des deutschen Vorentscheids leid tun: Jetzt tritt sie heraus aus dem Paralleluniversum und muss, mit den größten Hoffnungen beladen, der Realität begegnen. Sie muss den Song Satellite vortragen, der ihr ganz offensichtlich nicht besonders gut gefällt, und sich damit zwischen ukrainischen Schneidbrennern und irischen Kitschtenören behaupten. Sie muss sich verbiegen, um ihr Heimatland zu vertreten. Denn so charmant, frech und intelligent wie Lena Meyer-Landrut sind Deutschland, sein Pop, seine Jugend noch lange nicht.

 Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag, in drei österreichischen Bundesländern ist es ein Wahl-Sonntag!
A.C.
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 Montag, 15. März 2010

Bevor wir auf das mehrfache Pech der Oper Zürich vor der "Les Contes d'Hoffmann" Premiere zu sprechen kommen, gratulieren wir Teresa Berganza zum 75er. Ein aktuelles Photo der Jubilarin finden Sie unter "Aktuelles".

Renate Wagner besuchte "Iphigénie en Tauride" im Theater an der Wien. Lesen Sie ihre ersten Eindrücke, die natürlich sofort online gestellt wurden. Einige Tage wird  uns unsere "rasende Reporterin" fehlen, denn sie reist in fernen Landen.

Zuvor besucht sie aber noch den Udo-Jürgens-"Fleckerlteppich" im Wiener Raimund-Theater.

Aber nun zur "Hoffmann"-Premiere in Zürich: Die "Neue Zürcher Zeitung" ortet bei dieser Oper eine Ballung von Problemen:

Ist der Wurm einmal drin, dann ist er drin. Für «Les Contes d'Hoffmann», die einzige grosse Oper, an deren Komposition Jacques Offenbach am Ende seines hektischen Lebens gearbeitet hat, gilt das in besonderer Weise. Das Werk existiert nicht wirklich; was unter diesem Titel auf die Bühne gebracht wird, sind Vermutungen. Offenbach konnte das Stück nicht zu Ende bringen, er starb mitten in der Arbeit im Herbst 1880. Zudem war er gewohnt, seine Partituren erst im Vorbereitungsprozess für die Aufführung abzuschliessen; herkömmliche Vorstellungen von Autorschaft und Werkgestalt geraten hier an ihre Grenzen. Und schliesslich wurde das Konglomerat an Versatzstücken, das der Komponist zurückliess, bald in alle Winde zerstreut, was eine äusserst verquickte Quellenlage zur Folge hat. Vor gut zehn Jahren sind weitere Takte zum Vorschein gekommen, seit fünf Jahren gibt es eine neue, von Michael Kaye und Christophe Keck erstellte Fassung der Partitur. Wie nahe diese Edition den Absichten des Komponisten kommt, lässt sich nicht ermessen.

Bei seinem Versuch, «Les Contes d'Hoffmann» auf die Bühne zu bringen, hatte das Opernhaus Zürich nun aber noch ganz spezielles Pech. Am Tag vor Probenbeginn musste der für diese Produktion vorgesehene Regisseur Thomas Langhoff eines akuten gesundheitlichen Problems wegen sein Engagement zurücklegen. Als Retter in der Not sprang Grischa Asagaroff in die Lücke, der Betriebsdirektor der Zürcher Oper, der das Stück in der von Langhoff zusammen mit dem Bühnenbildner Bernhard Kleber entwickelten Dekoration und mit den durch Florence von Gerkan dazu entworfenen Kostümen konkretisierte. Das blieb eine halbe Sache. Mehr als solides Handwerk ist kaum zu sehen; das szenische Arrangement wirkt konventionell, die Aktion im Einzelnen stereotyp – gerade auch in den Szenen mit dem Chor, der hier nicht seinen besten Auftritt hat.

Und wie wenn des Unheils nicht genug gewesen wäre, musste Elena Moºuc, welcher der Auftritt in den vier Partien der Stella, der Olympia, der Antonia und der Giulietta einen glanzvollen Höhepunkt in ihrer Karriere hätte bescheren sollen, im letzten Augenblick auf ärztlichen Rat hin von ihrer Aufgabe zurücktreten und sich an der Premiere auf das Agieren und das Sprechen beschränken. Fürs Musikalische konnten, Glückwunsch ans Betriebsbüro, innerhalb von vierundzwanzig Stunden drei Sängerinnen gefunden und nach Zürich gebracht werden, die nach kurzen Verständigungsproben von der Seite aus ihre Aufgaben erfüllten.

Wie diese ihre Aufgaben lösten, lesen Sie in unserer Presseschau!

Osnabrück  ermöglichte die Premiere einer Oper über "Irans tapfere Frauen": "Neda - Der Ruf": Ursprünglich sollte Mashayekhis Oper nach dem persischen Dichter Nizami (1141-1209) benannt werden, der die stolzen Frauen einst erfunden hatte. Doch als die Regierung um Präsident Mahmud Ahmadinedschad im vergangenen Jahr gewaltsam gegen die iranische Opposition vorging, entschied sich der Komponist für einen neuen Titel.

«Neda» (deutsche Übersetzung: Der Ruf) erinnert als Zeichen der Solidarität nun an Neda Agha-Soltan, die am 20. Juni 2009 in Teheran erschossen und zur Symbolfigur der Protestbewegung wurde.

Kein Erfolg wurde Peter Lunds Inszenierung des "Rosenkavalier" in Darmstadt

Die "Frankfurter Rundschau - online" vermeint ein "Inszeniertes Nichts" zu erkennen: Dass der Regie wenig einfällt, ist nicht weiter schlimm, hätte sie umgekehrt ein Konzept oder wenigstens eine Haltung. Aber Peter Lund, ein Fachmann für Musicals, findet vier Stunden lang keinen Zugang zu dieser commedia per musica, zumindest keinen, der dem Werk auf Augenhöhe begegnen würde. Von Komödie ist ohnehin keine Spur, im zweiten Akt gibt es einen einzigen Lacher, wenn der kleine Octavian sich vor dem körperlich schier übermächtigen Ochs auf Lerchenau aufbaut und ihm den schönen Satz entgegen schmettert: "Die Fräulein, kurz und gut, die Fräulein mag ihn nicht." Und auch die Tiefe, die eine grandios gedachte Figur wie die Marschallin aufreißt, verliert gänzlich ihre Sprengkraft, weil Lund nie eine Fallhöhe andeutet, die den Abgrund erst erklärbar machen würde.

Es gibt auch andere Meinungen - und der Online-Merker ist sehr flexibel. Unserem Forum entnehme ich eine Reaktion auf meinen Kommentar:

Im heutigen Startseitenkommentar von Herrn Cupak wird von einem Mißerfolg der Rosenkavalier-Inszenierung Peter Lunds in Magdeburg berichtet. Hier wurde sehr ungenau wiedergegeben und ich ersuche um Richtigstellung, da ich die Vorstellung live gesehen und vor allem gehört habe! Ich finde, der Merker sollte doch seriös bleiben!

1. Die Premiere fand im doch etwas entfernten Staatstheater DARMSTADT statt!

2. Um von einem Mißerfolg zu schreiben, müßte man schon mehrere Meinungen einbeziehen, z.b.: http://www.echo-online.de/freizeit/kunstkultur/theater/musiktheater/Abschied-in-eine-neue-Welt;art1086,731275

3. Die Premiere war ein toller Erfolg, was sich in einem BEIFALLSSTURM, vor allem für die Sänger niederschlug! Falls der Redakteur der FR nur einmal lachen konnte, ok, in meiner Umgebung amüsierte man sich jedenfalls köstlichst!

Dass ich Magdeburg oft mit Darmstadt verwechsle, stimmt. Warum das so ist,  weiß ich nicht. Ich bedaure es jedenfalls und habe nun nachgebessert!

Das alte Klagenfurter Stadttheater, in dem der 8-jährige Wolf Donizettis "Belisario" hörte

Die "Kleine Zeitung/Graz" schreibt: Es ist natürlich vermessen zu vermuten, dass Hugo Wolf kein bedeutender Komponist geworden wäre, wäre er nicht 1868 im Stadttheater Klagenfurt gesessen. Aber immerhin hat den achtjährigen Knaben die Aufführung von Donizettis "Belisario" tief beeindruckt. Frank Walker schreibt etwas schwülstig in seiner 1953 erschienenen Hugo Wolf-Biografie: "Überwältigt von der Zauberwelt des Theaters und gefesselt von Musik und Bühnenhandlung, folgte er vom ersten Augenblick an wie gebannt der Aufführung, gab keine Antwort, wenn man zu ihm sprach, und so sehr prägte sich ihm die Musik ein, dass er später imstande war, ganze Teile davon aus dem Gedächtnis auf dem Klavier wiederzugeben."

Zu Hugo Wolfs 150. Geburtstat zitieren wir den "Tagesspiegel":

Wien, im Februar 2010. Frage in der Musikalienhandlung Arcadia in der
Staatsoper nach Literatur über Hugo Wolf. Im Regal mit den Jubilaren und Aktualitäten steht nichts, der freundliche Herr steigt in den Keller hinunter,
es dauert, bis er zurückkehrt, mit leeren Händen. Nicht einmal die Rowohlt-Monografie wurde zu Wolfs 150. Geburtstag neu aufgelegt. Die Recherche im Computer nach Antiquarischem ergibt das eine oder andere, aber das haben
sie alles nicht da. Sind wir nicht in Wien, fragt die Kundin irritiert, und war Hugo
Wolf nicht Wiener, liegt er nicht in einem pompösen Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof begraben?

Der Herr lächelt: ja, eben, ein typisches Wiener Künstlerschicksal. Aber im Antiquariat Löcker in der Annagasse, da könne man es noch versuchen.
Und da gibt es tatsächlich etwas: ein paar vergilbte „Lebensbilder“ und Werkbetrachtungen aus den dreißiger und vierziger Jahren, Erik Werbas verdienstvolle, immer musikalisch argumentierende WolfBiografie von 1971,
ein angegrabbeltes Exemplar aus der Reihe „Musik-Konzepte“ von 1992.
Hugo Wolf, sagt der Antiquar, sei nun mal nicht „populär“.

 Für den Schriftsteller Martin Walser bleibt Marcel Reich-Ranicki ein Trauma. In seinem nun veröffentlichten Memoiren gesteht er, dass der den selbsternannten Literaturpapst ohrfeigen wollte. Walser teilt aber auch Richtung Angela Merkel kräftig aus: Walser kritsierte weiters die deutsche Außenpolitik der deutschen Kanzlerin Merkel scharf. Er ertrage nicht, "wie Deutschland in diesen Afghanistan-Krieg mit hineinstolpert", sagte der 82-Jährige laut Vorausmeldung. Walser: "Es provoziert mich, dass dieses Land so dumm regiert wird. Es tut mir leid, aber Frau Merkel, die ich achten kann und sympathisch finde, kommt mir außenpolitisch unreif vor."

 Dichter schreiben dem Wiener Burgtheaterdirektor. Gemeint ist nicht der aktuelle, sondern Claus Peymann, der  aus seiner Briefsammlung selbst vorträgt.

Molnars "Liliom" hat derzeit Hochsaison. Wir berichten (nach Wien) über zwei weitere Inszenierungen.

Für das Projekt "Umbau altes Hallenbad Friedberg/Wetterau"  (Raum Frankfurt) in ein neues Theater wird in dieser Woche ein Benefizkonzert veranstaltet. Wir berichten gerne über die Aktivitäten unseres Mitarbeiters Marc Rohde, der wohl der einzige Theaterdirektor ist, dessen Theater noch gar nicht steht! Unterstützen Sie das Projekt, falls Sie aus der Gegend sind!

Welch Geistes Kind der georgische Staatspräsident Sarkashvili ist, bewies er mit der Darstellung eines fiktiven Krieges (nebst Tod des Präsidenten) im TV. Ihre eigene "Leich" sehen, wollten schon andere vor ihm - vor allem die Reaktionen dabei! Nun bin ich ein Kenner dieser Region. Als solcher kann ich Ihnen sagen, dass die Nachtricht über den Tod des Amerika-freundlichen Präsidenten bei vielen Georgiern Freudentänze ausgelöst haben wird. Viele Georgier trauern dem "Betonkopf"  Eduard Schewardnadze nach - und das will etwas heißen!

Der Kremser Polizist, der die Todesschüße auf einen Nachwuchs-Einbrecher abgab, darf zwar nach dem Urteil voraussichtlich weiter Polizist bleiben - aber möglicherweise ist seine Karriere als Fußballschiedsrichter gefährdet. Der Niederösterreichische Fußballverband legt nämlich strengere Kriterien als die Polizei an.

Für den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gibt es eine ganz einfache Erklärung: Es handle sich um einen Großangriff des Teufels auf die kirchliche Führung, ist der führende vatikanische Exorzist Pater Gabriele Amorth überzeugt. Die Aussagen sind mehr als nur ein wunderlicher Nebenaspekt des Skandals: Nach den detaillierten Regeln des Vatikans gilt als Teufelswerk nur, was sich anders nicht erklären lässt. Aus der Sicht des Exorzisten sind pädophile Priester damit also nicht selbst für ihr Tun verantwortlich.

 Ich bleibe aber dabei: Einschlägiger Missbrauch ist keine Spezialität der Kirche, sondern kommt überall vor, wo Kinder und Jugendliche erzogen werden. Aber mit derart wunderlichen Rechtfertigungen tut sich die Kirche nichts Gutes.


Ich wünsche meinen Lesern eine schöne Woche!
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 Dienstag, 16. März 2010

Franziska Severin inszeniert Lortzings "Casanova" am Klagenfurter Stadttheater

Er ist ein lebenslustiger, kräftiger Venezianer, der mit allen Hunden gehetzt wird, alle Länder durchschwärmt, mit den ausgezeichnetsten Männer in nahe Berührung kommt und in noch weit nähere Berührung mit den Frauen": So treffend charakterisiert Heinrich Heine, den wohl berühmtesten Verführer Europas.

Aber Giacomo Casanova war nicht nur ein schlauer Filou, sondern auch ein sehr gebildeter, kultivierter selbstbewusster Mensch seiner Zeit, der mit den wichtigsten Persönlichkeiten seiner Zeit zusammengetroffen ist. Er war Priester, Soldat, Theaterdirektor, Geheimagent, Bibliothekar, Freimaurer und komponierte sogar vier Opern.

Soviel verrät uns die "Kleine Zeitung/Graz" über Giacomo Casanova. Dass es eine Oper über ihn gibt, wusste ich bislang nicht. Aber nun gräbt das Stadttheater Klagenfurt diese Rarität aus, die Regisseuse Franziska Severin hat dazu die von der Zensur der Entstehungszeit arg gebeutelten Texte etwas verändert.

Mit meinem Nichtwissen stehe ich da nicht allein da, wie die Zeitung weiß: Eine Oper namens "Casanova" ist selbst eingefleischten Opernkenner unbekannt und findet sich nicht auf den Spielplänen der Opernbühnen. Jetzt wagt sich das Stadttheater Klagenfurt an die österreichische Erstaufführung.

 "Diese Spieloper galt damals als unbequemes Stück, da es in ihr um Freiheit im weitesten Sinne geht und Lortzing sich gegen die damalige Politik mit dem Titelhelden einen ausgesprochenen Freigeist ausgesucht hat. Deshalb hat die Zensur dem Werk sehr zugesetzt", erzählt Franziska Severin, die für die Inszenierung verantwortlich zeichnet: "Diese kritische Auseinandersetzung mit den politischen Verhältnissen im Deutschland der Restauration hat wahrscheinlich bewirkt, dass das Werk kaum gespielt wurde und in Vergessenheit geriet."
 
Nun haben Sie die Gelegenheit, dem Werk erstmals in Klagenfurt zu begegnen!

Auführlich befassen sich mehrere Rezensionen mit "Iphigénie en Tauride" im Theater an der Wien. Die Reaktionen sind durchwegs positiv.

 Die Geschwister Iphigénie und Oreste (Mitte) werden in Torsten Fischers Inszenierung von blutigen Visionen ihrer Mutter Clytemnestre (oben) heimgesucht. Foto: apa 

"Der Standard" meint etwa: Während der Ouvertüre frischt Fischer das antike Wissen theatral auf: König Agamemnon wollte einst Tochter Iphigenie opfern lassen, seinerseits wird er von Gattin Klytaimnestra ermordet, und diese wiederum wird von Sohn Orest erdolcht. Das sieht man im Theater an der Wien.


Warum veröffentliche ich diesen relativ bedeutungslosen Satz? Weil in unserem Forum ein kluger Mann aus dem Norden unsere Rezensentin der Inkompetenz geziehen hat, weil seines Wissens nach "Iphigenie" keine Ouvertüre hat. Was stimmt nun? Ich habe es nicht so mit Barockopern, dass ich hier mitreden könnte.

Die "Wiener Zeitung" urteilt abschließend: "Iphigénie en Tauride" an der Wien: Die gelungene Balance aus archetypischer Allegorie und individueller Dramatik. Vor allem aber ein tief berührender Opernabend.

Also hingehen und anschauen. Dann weiß man auch, ob die Oper eine Ouvertüre hat!

 "Codex Flores" verwirrt uns mit der Info, dass der Klassik-Markt bei CDs boomt und besonders die jungen Käufer auffallen. So gerne wir diese Botschaft auch hören, erinnern wir uns doch, dass uns vor kürzester Zeit das genaue Gegenteil vermeldet wurde.

Ab morgen wird das Musical „Ich war noch niemals in New York“ mit 21 der bekanntesten Lieder von Udo Jürgens auch in Wien (Raimundtheater) zu sehen sein. Die Vorstellungen in Hamburg sind seit der Uraufführung am 2. Dezember 2007 täglich ausverkauft. Für Wien hat Gabriel Barylli sein eigenes Libretto umgearbeitet.

Man geht also in Wien auf "Nummer sicher" und will keinen weiteren Flop riskieren. Was in Hamburg gefällt, muss für Wien gut genug sein. Sie Songs sind alt und somit jedermann bekannt. Das muss wohl zwangsläufig so sein, zumal sich Udo Jürgens in letzter Zeit eher als Politiker (und Kritiker seiner Heimat) betätigt.


In den Oberösterreichischen Nachrichten lesen wir ein Interview mit dem Regisseur Gabriel Barylli. Und in diesem finde ich etwas, das ich dort nicht erwartet hätte, weil es mit dem Udo Jürgens-Musical überhaupt nichts zu tun hat: Barylli: Da muss ich ein bisschen zurückblenden, zum Film von Al Gore. Da hat mich die Machart sehr irritiert, ich fühlte dahinter große persönliche Eitelkeit. Ich fand es komisch, dass er das mit solchen Hollywood-Mitteln in Szene gesetzt hat. Dann gab es auf BBC einen Bericht, in dem viele ernst zu nehmende Wissenschafter bezweifelten, dass der CO2-Ausstoß reicht, damit sich das Klima wandelt.

OÖN: Was also steckt dahinter?

Barylli: CO2 ist ein cleverer Gedanke. Man kann damit die ganze Wirtschaftsproduktion um- und neu aufstellen. Das würde ein unglaubliches Investitionsvolumen ergeben. Man muss es, damit die Produkte gekauft werden, den Menschen nur so intensiv wie möglich einreden.

Genau das versuche ich meiner Umwelt auch zu vermitteln, nämlich dass es eine Klima-Lüge gibt. Wenn der Regisseur das so genau erkennt, dann wird er auch dem Jürgens-Musical ein guter Sachwalter sein!

Ende 2012 soll das Musiktheater in Linz fertig sein. Mit dem neuen Musikhaus stehen auch fast 1.000 Sitzplätze mehr zur Verfügung. Die wollen nebst den bestehenden 3.000 Sitzplätzen am alten Landestheater und im Brucknerhaus gefüllt werden.

Und was geschieht, wenn dies nicht gelingt: Man ruft nach höheren Subventionen! Und was macht der Steuerzahler? Er bezahlt, weil er gar nicht gefragt wird!


Guter Riccardo, er ist der größte Abschiednehmer in der Oper. Im Schlussakt häufen sich seine „Addios“. Vom „ultima volte addio“ über „Addio mio figli“ zum finalen „per semper addio“. In der Freiburger Inszenierung von Joan Anton Rechi klingt Riccardos letztes „Addio“ eher nach einem „Ciao“ oder nach einem lässigen „A domani“. Nachdem Riccardo von seinem Rivalen erstochen wurde, steht er wieder auf. Am Ende kehren wir zum Anfang zurück und da steht Riccardos Sarg. Ewiges Sterbespiel, unsterbliche Oper, ständiger Maskenball.
So steht es im "Suedkurier".

Und der Regisseur kann uns auch eine Szene erklären, die eigentlich unerklärbar ist: Nie haben Verdi und der Librettist Antonio Somma uns begreiflich machen können, wie Riccardo dem Matrosen Silvano (Matthias Flohr, baritonal wendig), der Ulrica sein Leid geklagt hat, in Windeseile Geld und (noch auszuschreibende) Beförderung zustecken kann. Hier nun legt der Träumer sich das so zurecht: "Silvano" ist von vornherein Teil der zu Ulricas Behausung aufbrechenden verkleideten Hofgesellschaft. Und um Ulricas Prophezeiung blitzschnell Wahrheit werden zu lassen, schickt Riccardo dem jungen Mann – eine SMS.

 Die Wiener Sängerknaben. Was sollen diese ständigen Missbrauchsvorwürfe?

Nun kommen aber auch die "Regensburger Domspatzen" vermehrt ins Gerede - weil dort der Bruder des Papstes der Chef war. Gesteuerte Medien versuchen, über den Bruder den Papst zu treffen. Erkennen Sie die Methode, die dahinter steht.


Gerade in der Musikerziehung werden derartige Vorwürfe oft erhoben: Für jeden Sänger, auch für den Sängerknaben, ist der Körper sein Instrument. Diese Musikausübung ist immer ganzheitlich, sie umfasst Atem, Seele, Herz und Sinn, Arme, Beine, Brust und Sex. Ja, eigentlich wirkt jede Form des Musizierens, auch das Instrumentalspiel, ganzheitlich und körperlich-seelisch, und wahrscheinlich aus diesem Grunde ist gerade der Musikunterricht so häufig Schauplatz sexueller Übergriffe. Das reicht von beiläufigem kumpelhaften Angrapschen bis hin zu Liebesverhältnissen und zum Geschlechtsverkehr. Da ist der Schulorchesterleiter, der eine Schwäche für kleine Mädchen hat, mit einer erwischt wird, zwei Jahre von der Schule verbannt wird und heute an derselben Schule wieder unterrichtet. Da ist der Musiklehrer, der wegen sexueller Übergriffe vor Gericht kommt, verurteilt wird und heute wieder als wohlgelittener Mitbürger im Städtchen seinen Musikkreis leitet und Konzerte gibt. Nachzulesen ist das in der "Frankfurter Allgemeinen"- Net.

Ich bin keineswegs ein "Kerzerlschlucker", aber die Angriffe gegen die Kirche sind schon auffallend. Um nicht missverstanden zu werden: jedes Missbrauchsopfer ist eines zuviel. Aber bedenken Sie, wieviele Kinder und Jugendliche durch kirchliche Organisationen gehen. Und dann vergleichen Sie mit anderen Gruppen, wie eben Sportvereine, Jugendclubs etc. Der österreichische Kardinal ist aber derzeit eher mit Innenpolitik beschäftigt, da bleibt keine Zeit für Klarstellungen.

Ein Malheure bei der Ordensverleihung

Auch einem erfahrenen Politiker kann vor laufenden Kameras ein Malheure passieren. Die französische Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard wurde in Paris mit dem Orden der Künste und Literatur ausgezeichnet. Kulturminister Frédéric Mitterrand stach bei der Verleihung jedoch nicht nur durch ihre Bluse, sondern auch in ihr Dekolletee. Die Schauspielerin gab daraufhin einen Schmerzensschrei von sich und geriet ins Wanken.

Die Schauspielerin hat den Unfall knapp überlebt. Für mich ist das eine Warnung. Sollte mir jemand dereinst einen Orden verleihen wollen, dann lehne ich ab. Aber die Gefahr ist ohnedies sehr gering!

Ich verbleibe mit Wünschen für einen schönen Dienstag

A.C.
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 Mittwoch, 17. März 2010

Renate Wagner hat Kritiken über neue Filme bis Ostern auf die Filmseite gestellt. Sie verabschiedet sich für die nächsten zweieinhalb Wochen in Richtung Iberische Halbinsel. Sie legt Wert auf die Feststellung, dass sie den Jakobsweg mit
dem Leihwagen abfahren und nicht wandern wird, damit ihr niemand nachsagt,
sie mache eine Pilgerfahrt, um nachher einen Bestseller darüber zu schreiben.

Der "Fall Peters" (Gärtnerplatztheater) weitet sich in München zu einem Koalitionskrach aus. Der "Münchener Merkur" berichtet: Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) kritisierte Kunst- und Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) am Dienstag scharf für dessen Entscheidung, den Vertrag mit dem Intendanten des Gärtnerplatztheaters, Ulrich Peters, nicht zu verlängern. “Es ist kein guter Stil, wenn Wissenschaftsminister Heubisch eine Personalentscheidung bekanntgibt, die noch gar nicht getroffen sein kann“, sagte Schneider nach Angaben der Staatskanzlei. Eine solche Personalentscheidung sei Sache des Koalitionsausschusses. Heubisch reagierte verärgert auf die Vorwürfe und wies sie zurück.
Schneider sagte: “Es geht nicht an, dass solche Dinge vorschnell in die Öffentlichkeit transportiert werden, bevor Klarheit in der Sache herrscht.“

Da hat der gute Mann natürlich völlig recht! Allerdings ist nicht Herr Heubisch mit der Verkündigung der Nichtverlängerung des Vertrages an die Öffentlichkeit gegangen, sondern Herr Peters, der damit die Öffentlichkeit für sich gewinnen wollte. Merker-intern weiß ich, dass ihm das auch in einigen Fällen gelungen zu sein scheint, wenngleich die Gärtnerplatz-Intendanz den meisten Münchnern wer weiß wo vorbeigeht!

Im Forum des "Merkur" schreibt ein Poster namens "mucaxel" über die seinerzeit auch umstrittene Bestellung des Dr. Peters: Also Fakt ist, das Herr Goppel eine einsame Entscheidung getroffen hatte und Herrn Dr. Peters engagiert hat!!! Die negative Aufregung damals bei seiner Bestellung riesig auch bei der Presse.
Nun verlängert der neue Minister der FDP den Vertrag mit Herrn Dr.Peters nicht, ein normaler Vorgang am Theater. Wenn Intendanten ihre Mitglieder nicht verlängern kräht meistens kein Hahn danach.
Nun trifft es einen Intendanten, der das Gärtnerplatz Theater doch ohne spektakuläre Ergebnise geleitet hat. Warum jetzt also diese Aufregung?
Das einzige was zu bemängeln ist die Art und Weise der Kündigungsformalität.

Kündigung ist meines Wissens nach noch keine erfolgt, Herr Dr. Peters wurde lediglich (fairerweise?) darüber informiert, dass sein Vertrag nicht verlängert wird, Daraufhin hat er Zeter und Mordio geschrien. Immer Ärger mit Herrn Dr.Peters also!

Lang Lang begeisterte, dann flohen die Zuschauer

Eigentlich ein Skandal war das Verhalten eines Teils des Publikums bei einem Konzert in der Philharmonie. Nach Lang Langs Auftritt verließen Zuschauer in Scharen den Saal, obwohl Daniel Barenboim und Angela Denoke das Podium betraten. Der Tagesspiegel weiß mehr: Aus mathematischer Sicht sind die Verhältnisse klar. Es gibt offenbar eine nur knappe Schnittmenge zwischen denjenigen, die wegen Lang Lang in die Philharmonie gekommen sind, und denen, die sich auch noch anhören mögen, was danach geboten wird: „apókryphos“ für Sopran, Chor und Orchester von Bernard Rands nämlich, eine gemäßigt moderne Vertonung von apokryphen Schriften und Versen von Heine, Celan oder Nelly Sachs, 2003 in Chicago uraufgeführt und wie damals so auch jetzt mit Daniel Barenboim am Pult. Doch gleichgültig, mit welcher Sorgfalt der 1934 geborene Rands die Texte zum Thema „Verlassenheit, Heimatverlust“ montiert hat, wie überlegt er mit ausdeutenden, klangfarblichen Mitteln umgeht; wie glanzvoll Angela Denoke die oftmals verzackten, überaus hoch angelegten Partien des Solo-Soprans singt; wie viel Engagement die Staatskapelle zur Schau stellt: Die Zuhörer fliehen. Nach und nach verlassen Dutzende den Saal, gerade so, als ob es ihnen zustünde. Es ist unglaublich.

Nur einen Grund gäbe es, der diese Reaktion rechtfertigen würde – und an dem es dennoch nicht liegen kann: Die Herren des Staatsopernchores (Einstudierung Eberhard Friedrich), zumal die unteren Stimmen, haben gewiss schon weniger nach Kantine geklungen.

Eine Quasi-Heilige spricht zu ihrer Pilgerschar: Cecilia Bartoli ist derzeit wieder auf Tournee. "Die Presse" besuchte den Wiener Auftritt (heute singt Bartoli in Graz): Fette, gedrungene Leiber hatten sie, überlange, dünne Gliedmaßen und unproportional kleine Köpfe – aber öffneten sie den Mund, dann lag ihnen die Opernwelt zu Füßen: Den Kastraten und ihrem Repertoire gilt die jüngste Liebe der Cecilia Bartoli. Auf CD ausgiebig dokumentiert, wurde sie nun auch von ihren Fans im Wiener Musikverein in vollen Zügen genossen.

Der österreichische Dirigent Kurt Spanier betreibt auf den Azoren Pionierarbeit. Seine "Horta camerata" spielt zu Ostern erstmals Mozart - als erstes Orchester der Azoren (zu lesen unter "Aktuelles").

Im Wiener Raimundtheater hat heute das Udo Jürgens-Musical Premiere. Die Spannung vor der Premiere hält sich in Grenzen, denn die Songs kennt man schon. Es kann also nicht viel passieren, die Jürgens-Fans werden begeistert sein. Udo Jürgens selbst ist in den Medien derzeit so präsent wie nie. Seit seinem 75. Geburtstag im Herbst wird er zu seiner politischen Befindlichkeit befragt, äußert sich kritisch zur Lage in Kärnten, wofür er fast seinen Landesorden in Gold zurückgeben musste, zu seinem großen Fan Stefan Petzner und zum Rechtsruck in der österreichischen Innenpolitik. Außerdem halten sich Gerüchte, wonach sein Leben demnächst verfilmt werden soll.

Lieber Udo Jürgens!  Kleinere Auszeichungen besitze auch ich. Würde einer der Verleiher jemals eine Aberkennung der Auszeichnung auch nur diskutieren, würde ich ihm die "Pletschn" je nach Beschaffenheit entweder  "ans Hirn picken" oder vor die Füße werfen. Wer sich dazu aber nicht entschließen kann, möge auch nicht darüber klagen und lästern - und zwar sein Leben lang. Das ist nämlich eine Frage der Würde und des  Charakters! Wie sieht es mit Ihrer Würde aus?

Measha Brueggergosman

Measha Brueggergosman gewährt dem "Münchener Merkur" ein Interview: Braucht man die Oper, um eine große Karriere zu machen?

Ich habe gerade bei den Olympischen Spielen gesungen. Die Antwort lautet also: nein (lacht). Außerdem brauche ich keine große Karriere, sondern eine gute. Ich will Repertoire für mich entdecken und genießen. Das ist interessanter, als bekannt zu sein. Wenn man nur das singt, was von einem erwartet wird, wird es doch langweilig

 An anderer Stelle meint die Sängerin auf die Frage, wonach Edita Gruberova einmal sagte: „Wenn ich meine Rollen singe, spare ich mir den Psychiater.“
 Antwort: (langes, etwas dreckiges Lachen) Ich gehe trotzdem hin. Aber im Ernst: Ich mache gerne Yoga. Demnächst besuche ich sogar einen neunwöchigen Kurs, um Lehrerin zu werden. Ob beim Yoga oder auf der Bühne: Ich genieße diese Unterhaltung mit mir selbst. Gut, das kann auch ungesund werden, wir Menschen sind ja soziale Tiere.

Auffallend bei dem Interview ist, dass der Redakteur Frau Brueggergosman mehrmals ein "dreckiges Lachen" attestiert. Braucht der gute Mann vielleicht einen Psychiater? Aber lesen Sie das gesamte Interview doch selbst und überprüfen Sie meine Wahrnehmung.

Einen Psychiater brauche möglichweise auch ich, weil ich an dieser Stelle oft Darmstadt mit Magdeburg verwechsle. Warum wohl? Ich war noch niemals in Magdeburg oder Darmstadt! Aber Darmstadt muss ich nun wohl Abbitte leisten, weil ich am Montag von einer misslungenen "Rosenkavalier-Premiere schrieb. Ich habe nach der ersten Kritik geurteilt, die mir in die Augen stach. Aber womöglich hat der Rezensent die Nacht davor durchgemacht, oder mit seiner Frau gestritten (vielleicht beides, wegen des "Durchmachens"), ich weiß es nicht. Die "Frankfurter Allgemeine" - und der muss man wohl glauben, vermeint: Dem Regietheater gilt eine „Rosenkavalier“-Inszenierung in aktualitätsfreiem Rokoko-Ornat als Verrat an der Moderne. Dennoch haben der Regisseur Peter Lund und seine langjährige Ausstatterin Claudia Doderer am Staatstheater Darmstadt diese regressive Sicht auf eine nostalgische Komödie gewagt und mit überzeugender Delikatesse der gestischen Beziehungen sogar beglaubigt.

Also nichts für ungut, lieber Peter Lund und liebe Darmstädter, ich gelobe Besserung und sorgfältigere Recherche.

In Basel erlebte Beat Furrers neues Musiktheater "Wüstenbuch" erfolgreiche Uraufführung, wir berichten auch nochmals über die Oper über iranische Frauen in Osnabrück und über einen neuen Mandryka für Wiens "Arabella" (Johan Reuter).

Die Jacksons haben mit dem verstorbenen Michael mittels Restelverwertung einen neuen Millionen-Deal gemacht, über diese Familie braucht man sich nicht zu sorgen!

 

Michael Jackson


Das „MärchenErzählFestival“ in den Monaten September und Oktober ist ein Hauptprojekt im Rahmen des Gelsenkirchener Programms zum Kulturhauptstadtjahr. Wer nicht solange warten will, besuche eine öffentliche Gemeinderatssitzung in meinem Heimatort Mauerbach bei Wien. Dort hören Sie die tollsten und unglaublichsten Märchen! Und das noch dazu gratis!


Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

Minister Guttenberg ist "Sprachwahrer des Jahres". Er nennt die Dinge beim richtigen Namen. So nannte er den Afghanistan-Krieg eben "Krieg" - und nicht etwa "Bereinigungsaktion". Wegen solcher Wortverdrehungen liegen ja derzeit die USA und die Türkei im Clinch. Die Türken nennen nämlich den Völkermord an den Armeniern (1915) nicht "Völkermord", sondern eine "Kriegsbedingte Notwendigkeit". Damit haben die Türken keine Chance, Herrn Guttenberg den Titel "Sprachwahrer des Jahres" streitig zu machen.

Ich wünsche einen schönen Mittwoch!

A.C.

 

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