Überall, wo er auftritt, sorgt Vittorio Grigolo mit seinem hell strahlenden Tenor und seiner darstellerischen Agilität und Intensität für Entzücken beim Zuseher und –hörer.
Wer den attraktiven Sänger also schon einmal erlebt hat, wird sich nun mit Begeisterung auf sein erstes Arien-Recital stürzen; und man darf begeistert sein.
Una furtiva lagrima singt er geradezu extrem kunstvoll (erinnert mich an eine historische Aufnahme mit Ferruccio Tagliavini), wie er überhaupt seinen hellen Tenor ungemein kultiviert führt und alles mit „knalligen“ Spitzentönen krönt, manchmal sogar mit zusätzlich eingelegten. Bei den Puccini-Arien kommt seine Fähigkeit, Gefühle zu transportieren besonders schön und eindringlich zur Geltung.
Zum Schluss ein Stück viel versprechender Zukunftsmusik mit Szene, Arie und Stretta des Manrico aus Verdis Trovatore. (Einer mittleren Katastrophe gleicht allerdings der Einsatz der Sopranistin Maria Cioppi als Stichwortgeberin, man hätte sie besser weggelassen).
Giorgio Morandi ordnet sich als Begleiter ganz den Wünschen des Tenors unter; er dirigiert Chor und Orchester des Teatro Regio di Parma.
Vittorio Grigolo singt Arien von Giuseppe Verdi(Luisa Miller, Rigoletto, Il Corsaro, Un Ballo in Maschera, Il Trovatore) – Giacomo Puccini(La Boheme, Gianni Schicchi, Le Villi, Manon Lescaut, Tosca) und Gaetano Donizetti(L’Elisir D’Amore, La Favorita).
Gustav Mahler- Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ -
Oehms Classcic OC 657
Die musikalische Welt gedenkt in diesen Monaten des Komponisten Gustav Mahler anlässlich dessen 150. Geburtstages und 100. Todestages. Aus seinem hinterlassenen Werk werden in vielen Städten nicht nur seine Sinfonien, sondern auch seine sonstigen Tonschöpfungen aufgeführt. Und das kommt dann auch eine Musikgattung zu ihrem Recht, die auf unseren Konzertpodien selten geworden ist: Kunstlieder.
Mahler hat für diese Gattung Einiges geschrieben – auch für seine Sinfonien verwendet. Zu seinen eindrucksvollen Schöpfungen zählen Lieder aus der Sammlung, die die Germanisten Clemens von Brentano und Achim von Arnim zwischen 1805 und 1808 unter dem Titel „Aus den Knaben Wunderhorn“ heraus gegeben haben. Diese Gedichte waren einst Pflichtlektüre ganzer Generationen von Gymnasiasten und sind heute gründlich vergessen. Etliche Komponisten des 19. und beginnenden 20 . Jahrhunderts wie Mendelssohn, Schumann, Brahms, Zemlinsky, Schönberg und Webern wurden zu Vertonungen angeregt. Und eben Mahler.
Der hat sich allerdings dieser allerdings ganz anders angenommen als seine Kollegen. Er hat Texte umgestellt und bearbeitet. Vor allem aber hat er eine ganz besondere – sehr elegische und Weltentsagende – Auswahl getroffen.
Einer Auswahl von vierzehn Vertonungen haben sich wiederum das Gürzenich-Orchester Köln unter seinem Generalmusikdirektor Markus Stenz und die viel gelobten Solisten Christiane Oelze, Sopran und Michael Volle, Bariton, angenommen. Angenommen insofern, als beiden Sänger die Lieder in einem Zwiegesang gemeinsam vortragen. Das verleiht ihnen eine besondere Ausdruckskraft.
Horst Schinzel
MISSA SOLEMNIS – Beethoven – Eine Musterinterpretation
Farao B 108053
Eine ganz unmanierierte und „ehrliche“ Interpretation hat Enoch zu Guttenberg mit Kammer-Chor und Orchester der Klangverwaltung am 7.3.2009 im Münchner Herkulessaal zur Aufführung gebracht. Eine Aufführung, die in den Tutti nicht zur wüsten Dezibel-Orgie ausufert (was man ja durchaus auch erleben kann), sondern in allen Phasen immer von beglückender Transparenz bleibt. Neben dem wunderbaren Violinsolo von Andreas Reiner überzeugt auch das hochqualitative Solistenquartett, allen voran Susanne Bernhard mit edlem Leucht-Sopran, Anke Vondung mit solidem Mezzo, Pavol Breslik mit klarem Tenor und Yorck Felix Speer mit sattem Bassregister.
So darf man hier getrost von einer Musteraufnahme sprechen. Wenn Ludwig van Beethoven über sein Werk schrieb, „Von Herzen, möge es wieder zu Herzen gehen!“ und Enoch zu Guttenberg das als Auftrag und Maßstab seiner Interpretation ansieht, so darf der Zuhörer konstatieren: Es ist ihm gelungen!
DZ/Dorothea Zweipfennig
Camille SAINT-SAËNS: Die Klavierkonzerte mit Anna Malikova
audite 91.650 – 2 CDs
Der angenehm warm-weiche Anschlag der usbekischen Pianistin Anna Malikova lässt sie für die Saint-Saëns’schen Klavierkonzerte ideal erscheinen. Die Aufnahmen entstanden bereits 2003 in der Kölner Philharmonie. Mit dem WDR-SO unter Thomas Sanderling hat sie einen hochwertigen Klangkörper und einen versierten Dirigenten als Partner zur Seite. Zusammen durchleben sie mitreißend die diversen Stimmungen der 5 ganz unterschiedlichen Konzerte, wobei auch die technische Virtuosität Malikovas fesselt. Besonders faszinierend erscheint mir das 5. Konzert mit seinen deutlich hörbaren orientalischen Einflüssen.
Sehr erfreulich auch die tontechnische Ausgewogenheit. Ein Hörgenuss der das Prädikat „sehr empfehlenswert“ verdient.
DZ
KISTEN FLAGSTAD – 2x Richard: Wagner und Strauss,
live in Berlin 1952 - audite 23.416 (2 CDs)
Orchester der Städtischen Oper Berlin - Georges Sebastian
WAGNER:
Wesendonck-Lieder
Tristan und Isolde - Vorspiel zum ersten Aufzug
- Isoldes Erzählung und Fluch
- Isoldes Klage und Liebestod
Götterdämmerung - Brünnhildes Schlussgesang
STRAUSS:
Vier letzte Lieder - Nr. 2 - 4
Elektra - Monolog der Elektra
Die große, besondere Stimme der Flagstad erklingt in diesen Livemitschnitten nach wie vor voll und rund. Ganz wunderbar „Schmerzen“, das 4. der Wesendoncklieder. Bei den Isolde-Szenen ist festzustellen, dass Flagstads Timbre den jugendlichen Klang auch in späteren Jahren behalten hat, ähnlich der Nilsson, mit der sie auch die „stählerne“ Höhe gemein hat.
Und Unsereiner, der sie nicht mehr live erlebt hat, ist beeindruckt von Temperament und Ausdruckskraft ihres Singens. Bei diesen Aufnahmen wird sie allerdings auch optimal unterstützt von Georges Sebastian am Pult des Orchesters der Städt. Oper Berlin (später DOB). Durch die erfreuliche Klangqualität, die audite den originalen Rundfunkbändern entlockte, kann man das alles recht gut genießen. Dass dabei die Stimme im Vordergrund präsentiert wird, das hatte man damals so. Hier jedoch einmal nicht zu Lasten des Orchesters, das als (meistens) gleichwertiger Partner zur Geltung kommt. Die nicht wenigen Huster konnten offenbar leider nicht eliminiert werden.
Bei Strauss’ „Vier letzten Liedern“ (ohne „Im Frühling“) ist man so eine hochdramatische Stimme heute gar nicht mehr gewöhnt, aber dann ist man gerade und besonders beeindruckt, wie die Flagstad ihr Riesenorgan hier zähmt. Ergreifend zum großen Finale der beiden CDs Brünnhildes „Starke Scheite“ aus Wagners „Götterdämmerung“.
Man wäre froh, heute noch so eine Brünnhilde auftreiben zu können - kein Überstrapazierungs-Tremolo (womit derzeitige Brünnhilden so oft nerven) trübt den Wunschmaid-Sopran der 57-jährigen Kirsten Flagstad.
DZ
Audite-Kommentar:
Die vorliegenden Aufnahmen vom 9. und 11. Mai 1952 gehören zu den späteren Dokumenten von Kirsten Flagstad. Sie sind wenige Wochen vor ihrem 57. Geburtstag entstanden. Der norwegischen Sopranistin standen selbst im Herbst ihrer Karriere ihre unvergleichlich reichen stimmlichen Mittel fast vollständig zur Verfügung, und dies nach einer strapaziösen Laufbahn von mehr als drei Jahrzehnten.
Die vorliegenden Mitschnitte der beiden Konzerte aus dem Berliner Titania-Palast mit dem Orchester der Städtischen Oper sind besonders bemerkenswert: zum einen, weil die Aufnahme der Wagner-Lieder frischer und präsenter klingt als die vier Jahre später entstandene Einspielung unter Hans Knappertsbusch; zum anderen, weil der Berliner
Mitschnitt der Strauss-Lieder dem aus London klangtechnisch weit überlegen ist.
Kirsten Flagstad hatte übrigens am 22. Mai 1950 die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss auf Wunsch des Komponisten uraufgeführt.
In ihrer Laufbahn hat Kirsten Flagstad mehr als achtzig Partien in rund 2100 Aufführungen gesungen, ferner 250 Orchesterkonzerte und 600 Recitals.
FLEUR DE PARIS – Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker
EMI 6 08501 2
Ganz feine Salonmusik aus Frankreich spielen die 12 Berliner Cellisten, darunter von so illustren Komponisten wie Fauré, Ravel, Debussy, Satie und Poulenc; dazu Welthits wie Edith Piafs „La Vie en Rose“ u. a. m. . – Ein Hörvergnügen für Schummerstunden ....
DZ
CHINESE RECORDER CONCERTOS – East meets West – mit Mikala Petri
OUR 6.220603
Hier entführt den interessierten Zuhörer die dänische Blockflöten-Virtuosin Mikala Petri in eine exotische Klangwelt. Begleitet wird sie von der Copenhagen Philharmonic unter der authentischen Leitung des chinesischen Dirigenten Lan Shui.
Die Konzerte stammen von vier zeitgenössischen chinesischen Komponisten:Tang Jianping (Fei Ge - Flying Song), Bright Sheng (Flute Moon), Ma Shui-Iong (Bamboo Flute Concerto) und der Komponistin Chen Yi (The Ancient Chinese Beauty – das jüngste und vielleicht interessanteste Werk, UA 4/08; mir gefiel es am besten).
Wenn es pompös wird, denkt man unwillkürlich an Dmitri Tiomkins „55 Tage in Peking“, wird es stimmungsvoll elegisch, erstehen vor einem Bilder der mystischen Wälder, wie man sie in künstlerischen asiatischen Fantasy-Filmen häufig sieht. – Sehr viel Aufschlussreiches lässt sich dem beiliegenden Booklet entnehmen. Eine ungemein angenehme musikalische Chinareise!
DZ
RUSSISCHE und ARMENISCHE KLAVIERMUSIK mit dem Duo Reine Elisabeth: Rolf Plagge und Wolfgang Manz.
Telos 014
Von dieser CD hatte ich mir ehrlich gesagt mehr erwartet. Wolfgang Manz ist als Pianist anspruchsvoller Klavierwerke bei Aufführungen des Bayer. Staatsballetts beliebt und bekannt. Umso erstaunter war ich, als mir die Stücke aus den Chatschaturjan-Balletten „Spartacus“ und „Gayaneh“ so brav entgegentönten. Dazu eine ziemlich stumpfe Klangqualität, welche die anderen Stücke von Tscherepnin, Arutjunjan und Babadschanjan auch nicht zu dem erhofften Hörerlebnis werden lässt. Schade.
DZ
Stravinskys „SACRE DU PRINTEMPS“ für Klavier solo – mit Serhiy Salov
Analekta 2 9932
Der junge ukrainische Pianist Serhiy Salov spielt Stravinskys „Sacre“ mit beeindruckender Virtuosität. Dennoch mag einem gerade hier, bei Stravinskys instrumentalem Klangreichtum, das große Orchester denn doch fehlen.
Als Ergänzung spielt Salov vom ukrainischen Komponisten Ihor Shamo dessen Frühlingsaquarelle; ziemlich melancholische Frühlingsfarben sind das, doch immerhin interessant als Neuentdeckung.
Der spanische Komponist Jesús Rueda, geb. 1961, hat sich in seiner 3. Sinfonie „Luz“ (Licht) den vier Elementen gewidmet mit einem Abschluss „Zum Licht“. Beim ersten Satz „Feuer“ erscheinen einem unwillkürlich die aktuellen Bilder der russischen Großbrände vor Augen. Bei „Wasser“ und „Erde“ geht es oftmals hoch her im Orchester und wunderbar ätherische Töne erklingen bei „Luft“. Am schönsten jedoch erscheint mir der abschließende Weg zum Licht, mystisch verführerisch. Es handelt sich hier um die Ersteinspielung der (bisher) definitiv letzten Komplettierung dieser Sinfonie.
Von Ruedas reizvoll farbiger Orchestrierung profitiert auch die Francisco Guerrero*) gewidmete „Viaje imaginario“ (Eine imaginäre Reise). - Maximiano Valdés, der bereits vorher schon die noch unfertige Version aufgeführt hatte, leitet das Asturias Symphony Orchestra (OSPA).
*) Francisco Guerrero Marín (* 7. Juli1951 in Linares; † 19. Oktober1997 in Madrid) war ein spanischer Komponist und Lehrer Ruedas. Ein hauptsächliches kompositorisches Anliegen bestand für Francisco Guerrero in der Suche nach musikalischen Entsprechungen zu Naturphänomenen. So setzte er sich intensiv mit physikalischen und mathematischen Prinzipien auseinander, wobei die Aneignung der fraktalen GeometrieB. Mandelbrots den Schwerpunkt dieser Beschäftigung darstellte. Diese Studien führten unter anderem zu einer Serie von groß angelegten und äußerst komplexen Orchesterstücken - Antar Atman (1980), Ariadna (1984), Sahara (1991), Oleada (1993) und Coma Berenices (1997) sowie dem Zyklus Zayin für ein bis vier Streichinstrumente, der von 1981 bis zum unerwarteten Tod des Komponisten im Jahr 1997 als Auftragskomposition für das Arditti Quartett entstand. Ein weiteres Projekt des Komponisten war die Orchestration des Klavierzyklus Iberia von Isaac Albeniz, diese Aufgabe blieb unvollendet, Guerrero schaffte sechs Orchestrationen bis zu seinem frühen Tod. (Wikipedia/erg.)
RAUTAVAARA, Einojuhani – Aquarell-Maler mit musikalischem Pinsel
Ondine 1149-2
Der finnische Klangmaler Rautavaara schlug mich bei diversen Konzerten stets durch seine durch die Natur geprägte und bezaubernde Musik in Bann. Mit der von religiösen Symbolen angeregten 10-teiligen Komposition „Before the Icons“ hatte Rautavaara bereits 1955 begonnen (zunächst für Klavier), 2005 vollendete er die hier eingespielte Orchesterfassung, gespielt vom Helsinki Philharmonic Orchestra unter Leif Segerstam. Hier hört man einen anderen Rautavaara, einen finstereren, schwerblütigeren.
In der zweiten Komposition „A Tapestry of Life“, angeregt durch verschiedene Gedichte, erkennt man eher wieder den oben beschriebenen Kompositionsstil Rautavaaras, der die Musik dieses Komponisten so „interessant“ macht.
DZ
PARADISI GLORIA 21 – Magnificat und Maria
BR Klassik 900302
4 Uraufführungen in der Reihe Paradisi Gloria des BR, geistliche Musik der Gegenwart. Solisten, der Chor des BR und das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer haben bei 4 Konzerten 2008/09 diese UA zu Gehör gebracht. Mich überzeugt am meisten das „Salve Regina“ der österreichischen Komponistin Johanna Doderer, die mit ihrem Werk „einen Saal mit Klängen zum Strahlen bringen“ will. Dabei halfen ihr bei der UA die Sopranistin Marlis Petersen und der BR-Chor. Sehr hilfreich bei all dem Neuen die Booklet-Beiträge, die auch die Texte der gesungenen Werke enthalten.
„Abismes“ des spanischen Komponisten Oriol Cruixent verzaubert durch ganz raffinierte Instrumentierungen, während „Archipel“ von Joanna Wozny recht eintönig erscheint.
Gerd KührsIntroductio – Meditatio – Magnificat – Epilogus für hohen Sopran (Angelika Luz), Bariton (Adrian Eröd), Chor und Orchester ist gewöhnungsbedürftig. Hier besticht vor allem die Leistung Adrian Eröds durch geradezu extreme Wortdeutlich bei den Sprechgesang-Passagen.
DZ
Slawische Seelen:
PIOTR BECZALA – Slawische Arien – Unglaublicher Glanz!
Orfeo C 814 101 A (mit Polskie Radio) mit demPolnischen Radio-Symphonie-Orchester unterder souveränen Leitung seines Chefdirigenten £ukasz Borowicz.
„Das erste slawische Programm des größten slawischen Tenors unserer Zeit, gleichzeitig der bekannteste polnische Tenor, bietet einen einzigartigen Aufriss der drei Repertoire, des russischen, des tschechischen und des polnischen.“ (Booklet)
Piotr Beczala steht unbestreitbar auf gleich hohem künstlerischem Level wie sein berühmter deutscher Kollege Kaufmann, nur einen Touch lyrischer. Daher ist es eigentlich nicht nur traurig, sondern gar beschämend, dass man für ihn, bzw. seine CDs nicht gleichermaßen die Werbetrommel rührt. Es ist zwar anzunehmen, dass die Firma Orfeo ein weitaus kleineres Werbe-Budget hat als die riesige Universal, aber dass man aus diesem Grunde beinahe eine dermaßen bedeutende und erfreuliche CD übersieht, das sollte doch nicht sein.
Und was für herrliche Arien das sind und mit wieviel Emphase Beczala diese dem Zuhörer nahe bringt! Inzwischen hat sich Beczalas Strahle-Tenor weiter entwickelt und die etwas heldischer angehauchten Arien, wie etwa Hermanns 4.Akt-Arie aus Tschaikowskys „Pique Dame“, erscheinen so als beglückende Zukunftsmusik,
Es ist geradezu umwerfend, welche Power Beczala in seiner silberstrahlenden Spitzenregion entwickelt; Björling lässt ein bisschen grüßen, nur dass Beczalas Tenor insgesamt weicher klingt. Er produziert diese Töne scheinbar mühelos, ganz eingebettet in die Gesangslinie.
Man hört Arien von Tschaikowsky (E. Onegin, Iolanta, Pique Dame), Borodin (Fürst Igor), Rimsky-Korsakov (Sadko, Die Mainacht), Rachmaninoff (Aleko), Arensky (Rafael!), Feliks Nowowiejski (Baltische Legende), Zelenski (Janek), Moniuszko (Der Flößer, Das Gespensterschloss, Halka), Dvorak (Rusalka), Smetana (Die verkaufte Braut) – eine schöner und strahlender als die andere, da ist es wirklich schwierig, sich eine Lieblingsarie auszusuchen ... – Eine CD, an der kein Tenor-Fan vorbeikommen sollte.
Prädikat: Außerordentlich!
DZ
„Slawische Seelen“ lautet der Titel des Duo-Albums der Kushpler-Zwillinge – Zoryana/Mezzosopran und Olena/Klavier
Capriccio 5039 (mit DLR Kultur) – Zoryana Kushpler gewann 2000 den ARD-Wettbewerb in München, eine Wahl, die seinerzeit allgemeine Zustimmung fand. Inzwischen ist die Ukrainerin Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper.
Mit angenehm warmem Mezzo interpretiert sie mit schwesterlicher Unterstützung Lieder von Tschaikowsky, Rachmaninoff, Rimski-Korsakoff und Mussorgskys Liederzyklus „Die Kinderstube“.
Eine schöne CD, aufgenommen im August 2009 in Berlin. – Übrigens: Zoryana ist die mit dem kurzen Haaren auf dem Coverfoto.
DZ
„BLECHSCHADEN“ - Up-Frack-Prämie
Koch/Universal 06025 2715416
Bob Ross, hauptberuflich Hornist der Münchner Philharmoniker, und seine 11 philharmonischen Kollegen haben wieder eine neue CD geboren – ein Spaß für Brass-Freunde wie immer. Dennoch finde ich diese CD besonders gelungen: Berühmte Filmmelodien bis hin zu Bajuwarischem inkl. eines Alphorn-Dialoges (wundervoll!), einer Küchenschabe von der Bass-Posaune (La Cucaracha), eines Brass-Tangos „Für Elise“ u. v. m., dazwischen auch schon mal ein Zwiefacher, der hat schon was in der hochkarätigen philharmonischen Besetzung. Freude schöner Götterfunken - Oh, Brassomania!
DZ
Thielemanns und der Dresdner Staatskapelle Liebesgeschichte:
BRUCKNERs 8. Symphonie,
live vom 14.9.2009 aus der Semperoper Dresden - Profil/Hänssler 2 SACD PH10031
Als Anhänger der Konstellation Christian Thielemann - Münchner Philharmoniker muss ich voller Wehmut feststellen, dass, wenn der Maestro München schon verlassen muss, er mit der STK Dresden sein ideales neues Partner-Ensemble gefunden hat. Davon zeugt diese Liveaufnahme von dem denkwürdigen, in der Presse euphorisch gefeierten Konzert im Sept. 09. Anschließend wurden Verträge unterschrieben. Die Dresdner wissen ihn offensichtlich zu schätzen, den großen Thielemann, den man in München so beschämend mies behandelt hat.
Diese gegenseitige musikalische Liebeserklärung mit Bruckners 8. – einfach ein Hörgenuss aller erster Klasse. Nicht schwer (-mütig) kommt dieser Bruckner daher, sondern quasi lichtdurchflutet klar und doch irgendwie berauschend. – Unbedingt anschaffen!
DZ
Franz Lehár - DER ZAREWITSCH - Ein seliger Melodienreigen (cpo 777 523-2)
Das „Wolgalied“ war mit Richard Tauber einst ein Welterfolg –
In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts waren Theaterstücke sehr beliebt, in denen ein Fürst des Staatswohls und des Wohls seiner Untertanen wegen auf seine Liebe verzichtete. Es war eine Zeit, in der ein blaublütiger Herr – von Damen war in dieser Zeit noch nicht die Rede – nicht so ohne weiteres eine Olympiahostess, Fernsehmoderatorin oder lebenslustige Studentin heiraten konnte. Inbegriff solcher Schmarren war das Singspiel „Alt-Heidelberg“. Aber auch Franz Lehárs (1870 – 1948) Operette „Der Zarewitsch“ gehört in diese Gattung.
Dem damals so überaus populären Tenor Richard Tauber hatte Lehár das „Wolgalied“ in die Kehle geschrieben. Der Rundfunk kam gerade aus den Kinderschuhen, als die Operette 1927 uraufgeführt wurde. Vor allem aber das junge Medium der Schallplatte hatte wesentlichen Anteil an diesem Erfolg. Noch mehr ein heute völlig aus der Mode gekommener Theaterbrauch: Der Star-Tenor wiederholte das Lied mit einigen Veränderungen bis zu sechsmal.
Das Werk mit der Geschichte des frauenscheuen künftigen Zaren begeisterte das damalige Publikum. Der Erfolg hielt trotz Hitlers Bedenken gegen den Ungarn Lehár bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, und sogar noch danach an, als wirklich deutsche Soldaten am Wolgastrand stande. Mit dem Dahinsiechen der Operette wird auch „Der Zarewitsch“ kaum noch gespielt
Im Jahre 2009 haben der Bayerische Rundfunk im Münchner Prinzregententheater unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer das Werk neu herausgebracht. Die Hauptrollen singen Alexandra Reinprecht, Christina Landshammer, Matthias Klink und Andreas Winkler. Es spielt das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks ergänzt das Ensemble.Ein Mitschnitt einer Aufführung vom 8. März 2009.
Host Schinzel
Gründlich vergessen „L’Oracolo“ von Franco Leoni
OC 952, OehmsClassic
Eine veristische Oper, deren Schöpfer ebenso vergessen ist, wie das Werk selbst. Leoni ist ein Zeitgenosse von Puccini, Leoncavallo und Mascagni, aber im Gegsensatzu diesen kennen selbst Musikkenner diesen Namen kaum mehr. Der 1864 geborene Franco Leoni war ein Schüler von Amilcare Ponschielli und Cesare Dominiceti. Nach ersten Erfolgen mit Chorwerken, Opern und Liedern zog Leoni nach London, wo er neben „Rip van Winkle“ Märchen von Hans Christian Andersen veroperte.
Sein eigentlicher Haupterfolg aber wurde „L’Oracolo“. Das Textbuch stammt von dem amerikanischen Journalisten und Publizisten Chester Bailey Fernand, der hier eigene Erlebnisse auf Reisen bis nach China verarbeitet hat. Sein 1897 uraufgeführtes Drama „The Cat and the Cherub“ war ein großer Erfolg. Fernand endete tragisch, als er 1938 bei der Rückkehr von einer Frankreich-Reise von einem Auslegerbaum getroffen wurde und ins Wasser des Hafens von Dover fiel und ertrank.
Leoni hatte eine Aufführung des Schauerdrahms gesehen, das ihm so gefiel, dass er beschloss, es zu vertonen. Dafür wurde der ihm schon bekannte Textdichter Camillo Zanoni hinzugezogen,, der einen blutvollen Bilderbogen eines chinesischen Neujahrstages in einem von Chinesen bewohnten Stadtteil schuf – voller Mystik mit einem Mord und tödlicher Rache.
Dazu schuf Leoni eine prächtige Musik mit viel Exotik – Pentatonik, Celestaklängen, viel Schlagwerk und allerlei Zubehör wie Hahnenschrei, Trommelschlag, Schiffssirenen und menschlichen Stimmen. Die Uraufführung 1905 wurde zu einem großen Erfolg. Das Stück – das seiner Kürze halber mit anderen Kurzopern verbunden werden musste –wurde im angelsächsischen Raum bis 1933 viel gespielt. Dann verschwand es von den Bühnen. 1977 wurde mit Tito Gobbi und Joan Sutherland eine Schallplattenproduktion herausgebracht. Sonst war das Werk kaum zu sehen – um 1990 wurde es von der Kieler Oper ausgegraben. Und jetzt eben in Frankfurt, wo die Oper unter der Musikalischen Leitung des Schweden Stefan Solyom herauskam. Die Solorollen haben Ashely Holland, Peter Sidhom, Franz Meyer, Carlo Ventre, Annalisa Raspagliosdi, und Katharina Magiera übernommen. Großen Anteil an der Produktion hat der Chor.
Musikalisch ein bemerkenswertes Erlebnis – Schade, dass man wohl kaum dieses Operchen live erleben wird.
Von Horst Schinzel
Hänssler Classics - neu im August 2010114
Rillings Verdi
Giuseppe Verdi (1813-1901):
Messa da Requiem
Orgonasova, Vondung, Kim, Clombara,
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Gächinger Kantorei Stuttgart
Dirigent: Helmuth Rilling
VÖ: 16. August 2010
hänssler CLASSIC
Best.-Nr.: 98.606 (2 CDs)
Sein berühmtes "Requiem" komponierte Giuseppe Verdi 1874 aus Anlass der Wiederkehr des ersten Todestages des großen Schriftstellers Alessandro Manzoni, Autor des berühmten Romans I promessi sposi ("Die Verlobten"). Die Farbigkeit der Partitur und die opernähnliche Behandlung des Requiem-Textes sorgte damals für Aufsehen - und tut das noch heute. Trotzdem - oder gerade deswegen - handelt es sich um ein überaus beliebtes Werk des großen Opernkomponisten. Unbestritten ist auch, dass dieses "Requiem" eine der wesentlichen Vertonungen der christlichen Totenmesse überhaupt ist. Die Sänger dieser Produktion sind - wie immer bei Helmuth Rilling - handverlesen. Als orchestrale Unterstützung für seine Interpretation hat sich der Dirigent auch der Mitwirkung des SWR Sinfonieorchesters versichert.
Geliebtes Sevilla
Joaquin Turina (1882-1949):
Canto a Sevilla
Poema, en forma de canciones
Farruca
Saete, en forma de Salve
Lucia Duchonová, Mezzosopran
NDR Radiophilharmonie Hannover
Dirigent: Celso Antunes
VÖ: 16. August 2010
hänssler CLASSIC
Best.-Nr.: 98.608 (CD)
Zeit seines Lebens war Joaquin Turina (1882-1949) fasziniert gewesen vom Leben und Treiben seiner Heimatstadt Sevilla. Die Werke, die von dieser Stadt inspiriert wurden, ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen, von der gleichnamigen Klaviersuite aus dem Jahr 1909 bis hin zur Filmmusik Primavera Sevillana von 1943. Neben der Sinfonia Sevillana ist der Liederzyklus Canto a Sevilla eines der bedeutendsten Werke Turinas. Das große, vierzigminütige Werk basiert auf Texten des andalusischen Dichters José Munoz San Román (1876-1956). Ergänzt wird dieses Werk durch drei kleinere Stücke für Mezzosopran und Orchester: eine kurze "Farucca", eine Form des Flamenco, sowie "Poema en forma de canciones" (Gedicht in Form von Liedern / Poem in the Form of Songs) und "Saeta, en forma de salve", zwei Liederzyklen für Mezzosopran und Orchester.
Händel - „BERENICE, REGINA D´EGITTO“
Virgin CLASSICS 5 099962
Als Spätlese zum vergangenen Händel-Jahr veröffentlichte das französische Label ein weniger bedeutendes Werk aus der mittleren Schaffensperiode von George Frederic Handel (so steht es auf dem Cover!). Liebeswirren, Intrigen, Verrat um die imaginäre Herrscherin Berenice geben dieser Oper den Grundduktus. Im schlanken Sopranton schenkt Klara Ek der Titelheldin solide Würde, mehr vokale Präsenz vernimmt man hingegen von den beiden schönstimmigen Mezzosopranistinnen Romina Basso (Seline) und Mary-Ellen Nesi (Arsace). Vorzüglich interpretiert Ingela Bohlin die Charakterisierungen des Alessandro in schönen Soprancoleurs. Die beste sängerische Leistung dieser Aufnahme liefert allerdings der junge Countertenor Franco Fagioli (Demetrio), fasziniert mit dramatischer Ausdruckskraft, strahlendem Höhenglanz, samtweichem Mittelton, technisch wie musikalisch läßt der facettenreiche Altus keinerlei Wünsche offen. Allein seiner wundervollen Stimme wegen, lohnt sich die Anschaffung der CD-Box. Männlich, herbe Züge verleiht der Bass Vito Priante dem Aristobolo und tenoral fungiert Anicio Zorzi Giustiniani in der Rolle des Fabio. Alan Curtis am Pult von Il Complesso Barocco verschenkt weitgehend die Bildhaftigkeit von Händels Musik, setzt wenige spannende Akzente, was bleibt eine grundsolide Sängerbegleitung mehr nicht – schade.
Gerhard Hoffmann
SIX CONCERTOS – ORGEL
OEHMS CLASSICS 4 260034
In der Reihe von Orgel-Transkriptionen div. Komponisten dieses Labels spielt Gunter Rost auf der Königin der Instrumente zu St. Wendel, Naumburg auserwählte Concerto von Antonio Vivaldi, beleuchtet die Vielfalt des italienischen Meisters mit solistischer Bravour, absolviert ein sprühendes Kaskaden-Feuerwerk voll Esprit, traumhaften Nuancen, atemberaubenden Tempi, wundervollen Adagios und entlockt dem Instrument Variationen vollendeter Klangschönheit. Gleichwohl und bestens intoniert erklingen Variationen aus „L´Estro Armonico, Il grosso Mogul“ und besonders „La Stravaganza“ wurde im Arrangement des Solisten so locker, souverän gespielt, die linear geführten Melodiebögen wirken wie im klanglichen Schwebezustand. In bemerkenswerter Virtuosität und Präzision paart Rost weiche Lieblichkeit der Register mit gehaltvoller Schwerkraft des Pedals auf geniale Weise und dürfte selbst Orgel-Pessimisten begeistern – ich jedenfalls war hingerissen!
Gerhard Hoffmann
CARLOS KLEIBER (F: Lauterwasser/DG)
Am 3. Juli 2010 wäre Carlos Kleiber 80 Jahre alt geworden. Grund genug, den legendären Maestro mit einer Box zu ehren, die alle seine Aufnahmen für die Deutsche Grammophon zusammen bringt
Fünf neue Folgen der Serie "20th Century Classics"
Das 20. Jahrhundert war ein fruchtbarer Nährboden für die Klassik-Szene. Avantgardisten, Traditionalisten, Spätromantiker, Revolutionäre: Sie alle schufen eine Musiklandschaft, die man sich bunter kaum vorstellen kann. Die Serie 20th Century Classics porträtiert die Epoche mit Einzeltiteln als Doppel-CD, die jeweils einem Komponisten gewidmet sind. Die herausragenden Einspielungen und das umfassende Konzept der Reihe haben die Veröffentlichungen längst zu einem begehrten Objekt für Sammler werden lassen.
Gustav Holst - 2 CDs 50999 6278982 0
Aram Khatchaturian - 2 CDs 50999 6278902 8
György Ligeti - 2 CDs 50999 6279052 9
Franz Schreker - 2 CDs 50999 6279732 0
Ralph Vaughan Williams - 2 CDs 50999 6279102 1
VÖ: 9. Juli 2010
Charles Gounods vergessene Vampir-Oper: “La Nonne Sanglante“ Aufzeichnung aus dem Theater Osnabrück vom März 2008, Musikalische Leitung Hermann Bäumer, copo777 388-2 .
Von Charles Gounod (1818 - 1893 musikalischem Schaffen hat sich eigentlich nur dessen Oper „Faust“ – derzeit in Kiel auf dem Spielplan gehalten- sieht man einmal von seiner süßlichen „Ave-Maria-Bearbeitung Bachs ab. Ein „schröckliches! Musikalisches Drama ist 2008 von dem umtriebigen Osnabrücker Generalmusikdirektor Hermann Bäumer ausgegraben und jetzt vom Klassik-Label cpo dokumentiert worden:
„La Nonne Sanglante“ – Die blutende Nonne.
Das Schauerstück ist vonAuguste Eugène Scribe Germain Delavigne verbrochen worden und hat – nachdem bereits zuvor verschiedene Komponisten das Libretto abgelehnt hatten- nur wenige durchaus erfolgreiche Aufführungen erlebt. Dann wurde es wegen seines abenteuerlichen Inhalts vom Spielplan genommen und gründlich vergessen. Um die herrliche Musik des Komponisten ist es – wie die Aufnahme zeigt – schade.
Um die Geschichte weniger.
Die spielt im Vampir-Milieu. Das zeigen schon die seltsamen Namen. Da gibt es einen Baron de Moldaw (Moldau) und einen Grafen von Luddorf (Anleihe bei der deutschen Adelsfamilie Ludendorf).Einmal mehr –Shakespeeare lässt grüßen – sind zwei Adelsfamilien abgrundtief verfeindet. Was natürlich Sohn und Tochter beider Familien nicht hindert, sich zu verlieben und heiraten zu wollen. Dazu wollen sie zu mitternächtlicher Stunde fliehen. Und begegnen der auf dem Friedhof spukenden blutenden Nonne. Die hat ein schreckliches Geheimnis: Ihr Mörder ist niemand anders als der Graf von Luddorf.
Um das Phantastische auf die Spitze zu treiben, heiratet der junge Mann irrtümlich die blutende Nonne. Zu aller Erlösung muss er seinen Vater töten. Dass dies das zeitgenössische Publikum der Uraufführung 1854 überforderte, ist verständlcih. Und wohl auch heute kann man damit allenfalls einen Heiterkeitserfolg erringen. Insofern werden die Osnabrücker Aufführungen wohl die ersten und die letzten im deutschen Sprachraum gewesen sein.
In der Aufzeichnung begegnen zwei im Holsteinischen wohl bekannte Namen: Eva Schneidereit in der Titelrolle und der jetzt in Kiel engagierteVoonki Baek als jugendlicher Liebhaber. Eva Schneidereit hat in Lübeck studiert und hat hier Anfang dieses Jahrzehnts bei verschiedenen Aufführungen in der Musikhochschule und im Theater Lübeck gefallen. Wie man dem Begleitheft entnehmen kann, hat sie sich an ihrer Wirkungsstätte in Osnabrück seit 2004 ein breites Repertoire erarbeitet. Der Koreaner Yoonki Baek ist nach Stationen in Görlitz und Osnabrück jetzt in Kiel fest verpflichtet und gefiel hier bereits mehrfach mit eindrucksvollen Leistungen.
Wie denn überhaupt die Aufzeichnung zeigt, dass in Osnabrück ein tüchtiger Generalmusikdirektor mit einem leistungsfähigen Orchester und guten Sängern wirken. Die vielen Auszeichnungen sprechen für sich.
Horst Schinzel
RICHARD STRAUSS
Andris Nelsons mit dem Birmingham SO lässt die „Rosenkavalier-Suite“ und „Ein Heldenleben“ meisterlich erklingen – Orfeo C 803 091 A – fein differenziert und transparent, mit eindrucksvollen Steigerungen und effektvollen Generalpausen (Rosenkav.). Das Birmingham SO erzeugt einen Straussklang vom Feinsten, mit grandiosen Hörnern. Dass die Streicher manches Mal etwas scharf klingen (außer dem Solisten) könnte auch der Tontechnik anzulasten sein. Bravo dem BH-SO und Andris Nelsons! Es gibt also doch noch Strauss-Dirigenten in der Thielmann- und Jansons-Nachfolge. Wie erfreulich!
SIMON O’NEILL – WAGNER: Father and Son – Scenes and Arias - EMI 4 57817 2
Mit Parsifal(Amfortas! Die Wunde! - und Finale) und Lohengrin(Gralserzählung), Siegmund(Liebesduett 1. A. mit Susan Bullock) und Siegfried(Teil-Finale + Götterdämmerungs-Sz. m. John Tomlinson) stellt sich der 39-jährige neuseeländische Heldentenor auf dieser CD vor. Ihn begleitet das NZ-SO unter Pietari Inkinen, dessen Leiter der 30-jährige Violinist und Dirigent seit 2008 ist. Und Inkinen ist ein Glücksfall als Wagnerdirigent von Format. Er lässt sich Zeit, er badet in Übergängen und lässt seinen Helden nun wirklich schier endlose Wälserufe zelebrieren. Dazu entlockt er seinem Orchester einen wunderbar vollen und doch transparenten Sound. Wenn Pietari Inkinen mit Richard Strauss ebenso prachtvoll zurechtkommen sollte wie mit Wagner, dann könnte ich ihn mir als post-Thielemann’schen Jung-Pultstar der Münchner Philharmoniker (welchen die Verantwortlichen ja angeblich suchen wollen, nach Maazels Zwischenspiel) sehr gut vorstellen.
Nun aber zum Tenor: Simon O’Neill hat einen hellen, klaren Tenor mit wahrhaft heldischen Fähigkeiten. Irgenwie passt sein Timbre besonders gut zu Wagners mehr oder weniger naiven Helden – und – man spürt bei allem, was er singt: Da ist „Herz“ dabei! – Simon O’Neill, Lance Ryan, Jonas Kaufmann u. a. m. verdeutlichen: Es gibt doch eine sehr qualitätvolle Nachwuchsgeneration an Heldentenören. Ist das nicht schön?! – Eine rundum empfehlenswerte CD. DZ