CHANTICLEER, best of....
- rhino 2561-68324-7
Das 37-köpfige Männerensemble, als „orchestra of voices“ bezeichnet klingt in seinen Oberstimmen (und bei mancher solistischen Aufgabe) in der Tat wie echte Frauenstimmen; man höre nur das „Summertime“-Solo.
Die Coverbeschriftung incl. Titelauflistung ist weiß auf zart-lindgrünem Untergrund gedruckt, da bekommt man selbst mit Brille Schwierigkeiten... Aber was drauf ist auf dieser Best-of-CD bereitet uneingeschränkte Freude. Normalerweise bin ich gar kein Fan „weiblicher“ Männerstimmen, aber hier, im Zusammenklang mit den tieferen Brüdern gefallen sie mir.
Vom Barock bis zur Gegenwart, von E- bis U-Musik – Viel Vergnügen damit!
DZ
(früheres Cover)
LONDON BRASS
Teldec/Warner 2564 68617-0 Modern Times
-2 Tea for Two – Dances and Rags
-4 Send in the Clowns
Aus dem 1986 aufgelösten
Philip Jones Brass Ensemble (1951) gründete sich (zum Glück!) das Ensemble
London Brass. Ein weiteres glanzvolles Blechbläser-Ensemble, dessen CDs, natürlich auch die vorliegenden, stets für strahlenden Bläsersound über die heimische Tonanlage sorgen, und außerdem für viel Vergnügen an den tollen Arrangements.
„Modern Times“ enthält Kompositionen zeitgenössischer, klassischer Komponisten, wie Tippett (Praeludium for brass, bells and percussion), Takemitsu, Xenakis, Britten, Lutoslawski (Var. on a theme of Paganini), u. a. .
Auch hinter dem Titel „Tea for Two – Dances and Rags“ verstecken sich klassische Kompositionen von Praetorius, Bartok, Schubert, Schostakowitsch, Dvorak, Moszkowski, Henze und Villa-Lobos.
Und „Send in the Clowns“ steuert zum Thema Zirkus Musik von Koetsier (Kinderzirkus op. 79b), Sondheim, Bach, Foster, Fuèik (natürlich der Einzug der Gladiatoren), Kreisler, Mancini und Richards bei.
Für Brass-Fans eine Delikatesse!
DZ
Felix Mendelssohn Bartholdy
- Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester in d-moll
- Sonate für Violine und Klavier in F-Dur
Rudens Turku (Violine)
Oliver Schnyder (Klavier)
Cappella Istropolitana unter Ariel Zuckermann
AV 2170, 2009
Deutschland-Release: Februar 2010
www.avierecords.com
Eher unbekannte Seiten Mendelssohns zu erforschen, ist das erklärte Vorhaben von Rudens Turku und seinem Klavier-Partner Oliver Schnyder auf dieser CD. Wie fast immer bei ihren Plattenprojekten sind den Aufnahmesitzungen im Studio gemeinsame Live-Erlebnisse im Konzertsaal vorangegangen. Für die eigentliche Einspielung, die nach Turkus eigener Aussage „wie in einem Rausch“ entstanden ist, brauchte man lediglich acht Stunden höchster Konzentration.
Auf das Programm hatte man sich zuvor schnell geeinigt: die erst 1953 von Yehudi Menuhin aus Mendelssohns Nachlass edierte F-Dur-Sonate für Violine und Klavier und das selten gespielte Konzert für Violine und Klavier mit Streichern in d-moll. Mendelssohn at its best: eine Zusammenführung des kontrapunktischen Denkens von Bach, Mozarts sprühender Lebendigkeit und eines spezifisch romantischen Duktus zu einem neuartigen individuellen Stil.
Leichtigkeit und Rhythmik – insbesondere bei den virtuosen Sätzen des jugendlichen Komponisten (beim Doppelkonzert war Mendelssohn gerade einmal 14 Jahre alt) – sollen hier ganz bewusst an „groovigen Tanz“ erinnern: „Es muss auch ‚rocken‘“, meint Rudens Turku mit Nachdruck. Demgegenüber steht das bewusste Ausmusizieren der träumerischen, nachdenklichen Momente in den langsamen Sätzen sowie von Mendelssohns Tempogefühl, seiner musikalischen Fantasie und der genialen Art seiner Motivverarbeitung.
RODION SCHTSCHEDRIN (oder engl. Shchedrin)
(F: Shchedrin-Stiftg.)
MEL 1001623
Seit ich vor vielen Jahren Rodion Schtschedrins Konzert Nr. 1 für Orchester, „Freche Orchesterscherze“ (1963) zum ersten Mal hörte, bin ich ein Fan von dessen Musik. Einige Uraufführungen (in Anwesenheit des Komponisten und seiner Gattin Maya Plissetskaya) hat es inzwischen in München gegeben, vorrangig mit dem BR-SO unter seinem derzeitigen Chef Mariss Jansons, der wohl mit Schtschedrin befreundet ist.
In der Aufmachung einer historischen Melodya-LP kam nun eine CD heraus mit zwei Konzertmitschnitten aus der großen Halle des Moskauer Konservatoriums unter der Leitung von Evgeny Svetlanov. 1987 wurden dort eben jene „Frechen Orchesterscherze“ aufgeführt (im Englischen: Naughty Limericks/unanständige Limericks...), die ein grandioser Quell des Entzückens für jeden Liebhaber kurioser Instrumentierungen ist. Dazu eine Orchestersuite nach Themen aus Schtschedrins nahezu vergessener Oper „Nicht nur Liebe“ (Not Love Alone). Die „Feierliche Ouvertüre“ (Solemn Overture/1982) wurde zum 60. Geburtstag der Sowjetunion geschrieben und erfreut durch viel Fanfarengeschmetter und klingt insgesamt gar nicht so „feierlich“.
Alle diese Stücke haben einen hohen Unterhaltungswert durch ihren klanglichen Farbenreichtum und die immer wieder reizvoll ungewöhnlichen Instrumentierungen.
1974 führte Rodion Schtschedrin selbst an gleicher Stelle sein Klavierkonzert Nr. 2 auf, ebenfalls begleitet vom UDSSR Symphonie Orchester unter Svetlanov. Eine brillante, ja „irre“ Komposition, mit 12-Ton-Anklängen und im 3. Satz kräftig in Jazz verfallend. Ziemlich originell! Das einzige, was vielleicht stören könnte, ist der schneidend scharfe Ton des Klaviers bei dieser Aufnahme. Aber vielleicht soll das ja so sein.
Eine „Viel-Vergnügen-CD“!
DZ
Aus seinen Archiven hat Naxos zwei Boxen für den Erstausrüster zusammengestellt und aufgelegt. Derjenige, der „schon alles hat“, braucht solche Sammlungen klassischer Hits ja eher nicht, es sei denn, man möchte sich bei allerlei Hausarbeiten mit klassischen Highlights berieseln lassen, nach dem Motto: Mit Musik geht alles besser....
DARK SIDE OF THE CLASSICAL MUSIC - 3 CDs - 8.503209
So ganz unbedingt „dark“ sind gar nicht alle diese Kompositionen einzuordnen.
CD 1: Mit der Zarathustra-Fanfare geht’s los, über Wagners Walkürenritt, Prokofieffs 3 Orangen, Griegs Peer Gynt, Stravinskys Feuervogel bis zu Tschaikovskys „1812“-er, Wagners Holländer und Mussorgskys Bildern einer Ausstellung (u.a.m.).
Mit Orffs Carmina Burana startet CD 2, fortfahrend mit Verdi-Requiem-Auszügen, Werken von Cherubini, Sibelius, Mozart, bis zu Honegger und Holsts Planeten.
Khachaturians Säbeltanz und Rimsky-Korsakovs Hummelflug eröffnen stimmungsfördernd die 3. CD. Es folgen Kompositionen von Britten, Paganini, Chopin, Bach, Liszt, Glinka u.a.
A BOUQUET OF CLASSICAL MUSIC – Cavatina, Bolero & Intermezzo – 3 CDs – 8.503208
Diese 3 CDs sind nach den vorgegebenen Themen sortiert; Cavatina and other classical guitar favourites: Grenzt das Klientel ein bisschen auf Freunde der Gitarrenmusik ein. – Bolero and other Spanish favourites: Chabrier, de Falla, Massenets „Le Cid“-Ballettmusik, Rimsky-Korsakov und Ravel – schwungvoll! – Intermezzo: Intermezzi, Vor- und Zwischenspiele aus Oper und Konzert von Bizet, Mascagni, Leoncavallo, Schmidt, Humperdinck, Puccini, Massenet, Fauré, Stenhammar und Sibelius, Offenbach und Joh. Strauß, Verdi und Ponchielli – die hat einen richtig guten Unterhaltungswert.
DZ

Ein Tenor in seinen allerbesten Jahren - Heinz Hoppe!
(F: polydor)
HEINZ HOPPE – Die Welt meiner Lieder – My favourite Songs
Profil/Hänssler 09012
In der Nachfolge des bedeutenden deutschen Tenors Peter Anders ging in den frühen 50er-Jahren der Stern eines anderen Tenors – Heinz Hoppe – auf. 1924 geboren, kam er als 17-Jähriger an die Front und später in russische Gefangenschaft. Während dieser vertrieb er sich und seinen Kumpels die Zeit mit Singen, so dass er erst dadurch auf die Idee kam, Sänger werden zu wollen (ursprüngliches Berufsziel: Förster).
Die vorliegende CD beinhaltet 20 Titel von 1957-59, also die besten Tenorjahre (und als Bonus: 2 private Jugendaufnahmen/italienische Arien von 1955). In meiner Kindheit und Jugend war Hoppe sehr oft im Radio zu hören. Dort gab es relativ häufig die Bravour-Arie des Postillons von Lonjumeau zu hören, in stetiger Konkurrenz zwischen den Aufnahmen von Heinz Hoppe und Josef Traxel, der ebenfalls seine künstlerische Hoch-Zeit in den 50er- und 60er-Jahren hatte. Hoppes Opernauftritte an den großen Opernhäusern der Welt hatte ich damals gar nicht mitbekommen, wusste nur, dass er Ensemblemitglied der Hamburger Staatsoper war. Später war der reifere Hoppe vielen „nur“ noch als Operettentenor aus Funk und vor allem Fernsehen bekannt und er übernahm eine Professur in Mannheim. 1993 starb Hoppe an einer Sepsis nach einer Operation.
Mein Interesse galt zwar dieser CD, dennoch überraschte es mich, dass die Aufnahmen dermaßen toll sind. Außer dem erw. Postillon, der auch auf dieser CD zu finden ist, kannte auch ich Hoppe vorwiegend als Operettentenor. Nun täuscht der Titel der CD, denn nicht Lieder singt der Tenor hier, sondern Arien aus Opern und ein paar klassischen Operetten.
Und das tut er hier mit effektvoll eingesetzten Schmeicheltönen, gekrönt von einer leuchtend strahlenden Höhe – prachtvoll. Erstaunen mag auch, welch breit gefächertes Repertoire Hoppe dabei abdeckt.
Neben Operetten-Highlights von Lehar (incl. Wolgalied) und Kalman gibt es Arien von Adam (Postillon), Flotow (Lyonel), Lortzing, Nicolai (Fenton), Mozart (Ferrando, Belmonte, Tamino - !), Bizet (José), Tschaikovsky (Lenski), Puccini (von Rodolfo über Cavaradossi bis zu Kalaf und Dick Johnson), Verdi (Duca). Bei den erw. Boni hört man in Italienisch und in leider arg schlimmer Qualität nochmals die Rodolfo-Arie sowie Nemorinos „Una furtiva“.
Arg geschludert hat man bedauerlicherweise beim Booklet: Der Text von W. Teubner ist in unbeholfenem Stil geschrieben und mit Grammatikfehlern behaftet („Popularität lässt sich ... nur über ... dem Fernsehen erreichen...“ – aua!). Bei der Titelauflistung hat Teubner Kalafs „Nessun dorma“ dem guten alten Kaiser Altoum zugeschrieben...
Das Titelfoto entspricht leider auch nicht dem „knusprigen“ Alter des Tenors zur Zeit jener Aufnahmen, sondern zeigt Hoppe bereits in fortgeschrittenem Alter. Das hätte sich bei ein bisschen mehr Einsatz wirklich vermeiden lassen (deshalb hier ein jugendlicheres Konterfei).
Aber all das darf man vergessen, wenn man sich dem Hörgenuss dieser Aufnahmen hingibt.
Also – Prädikat: Sehr empfehlenswert!
DZ
Mal was anderes!!
UNTERBIBERGER HOFMUSIK – Made in Germany
Himpsl records – CD Nr. 0801
Wer oder was ist die „Unterbiberger Hofmusik“? Sie mischt seit über einem Jahrzehnt echte Volksmusik und hochkarätigen Jazz. Auf dieser neuen CD überschreiten die Unterbiberger die Grenzen ihrer Musik, und gehen noch weit über die Kombination aus Jazz und Volksmusik hinaus. Zum ersten Mal nehmen sie auch Einflüsse der türkischen Musik in ihr Repertoire auf. Auch Klänge aus dem Balkan mischen sie dazu und erweitern damit ihren Klanghorizont. –
„Made in Germany“: Die Unterbiberger Hofmusik (Familie Himpsl & Co.) zusammen mit den renommierten Jazz-Musikern Mattias Schriefl (trp), Jay Ashby (trb/pos), Andrew McNaughton (trp), Claudio Roditi (trp), Mathias Engl (trp), Sean Jones (trp) und Þeref Dalyanoðlu (Oud – „die Oud ist das in Arabien am meisten verbreitete traditionelle Saiteninstr.“, ähnelt einer Laute).
Die Titel: Unterbibaião (Jay Ashby) - Café Rossini (Irene Himpsl) - Schafkopf in Athen (Wolfgang Roth) - Secret for Sigrid (Benjamin Köthe) - A Day in Unterbiberg (Matthias Schriefl) - Oana geht oiwei (Mathias Engl) - Fleischfranzl (Andrew McNaughton) - Dazwischen (Kathrin Pechlof) - Franzl II (Erwin Gregg) - Hollerblüah Landler (Martina Holler) - Louisiana Landler (Jay Ashby) - Unterm Brotjacklriegel (Franz Himpsl) - Zwiefach (Kathrin Pechlof) - Hinterälpler Bleachmusi (Matthias Schriefl) - Trompetenpolka (Gottlieb Weissbacher) - Midnight Zwieback (Rob Pronk).
Rezension: Seit ich mit diesem Ensemble kürzlich in der Sendung „Wirtshausmusikanten“ (BR-TV) zum ersten Mal konfrontiert wurde, war ich begeistert. Und nach dem Anhören der neuesten CD bin ich noch viel begeisterter. Das ist nun eine richtige Wohlfühl-CD; was hier gar nichts mit „Schmusesound“ oder so zu tun hat, sondern eine ungemein gekonnte, fetzige Volksmusik-Jazz-Verstrickung auf höchstem Niveau zu Gehör bringt, die einem durch alle Glieder fährt und einen einfach in Hochstimmung versetzen muss.
Bei der besagten Sendung sorgte besonders auch der 28-jährige Bravour-Trompeter Matthias Schriefl für Aufsehen und Ohrenfreude (mehr Info im Anhang). Er ist auf dieser CD ebenfalls vertreten, nicht nur als umwerfender Trompeter. „Bandleader“ Himpsl im TV: Des is a ganz a Wuida, der spuit sowieso immer was er mog = „Das ist ein ganz Wilder, der spielt sowieso immer was er mag“. Ja, ganz schön wild (geradezu „voglwuid“ = hemmungslos) ist das, was der junge Mann seiner Trompete entlockt in der Tat, mit herrlichen technischen Spielereien (siehe auch zahlreiche Beispiele auf Youtube!) – ich persönlich kann mich an sowas gar nicht satthören (und auch -sehen = making of...). Und so gefallen mir die beiden Kompositionen Schriefls auch am besten (u.a. A Day in Unterbiberg). Vielleicht weil sie die „wildesten“ sind? Aber eigentlich kann man gar kein Stück extra herausheben, sie sind alle ein Genuss. Ein bisschen besinnlicher wird es, wenn Martina Holler auf ihrer Harfe spielt, lustig dagegen der Titel Schafkopf in Athen mit dem türkischen Oud-Spieler ªeref Dalyanoğlu.
Wer also Freude an - ja wie soll ich sagen – „aufgepeppter“ Volksmusik hat, und sich Hals über Kopf in einen Jazztrompeter (seiner Wahl – es sind ja 5 dabei...) verlieben möchte, dem sei diese CD wärmstens ans Herz gelegt.
Dorothea Zweipfennig
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Mehr Info:
Aus dem Terminkalender der Unterbiberger Hm:
mit Claudio Roditi (trp):
für die WIENER:
- 26. September 12.00 mit Matthias Schriefl
Festival des Wiener Konzerthauses
- So. 26.10.2010, WIEN, Konzerthaus, 11:00
mit Jay Ashby (pos) und Matthias Schriefl (trp):
- Sa. 6.11.2010, SCHÖFWEG, Gasthof beim Aulinger, 17:00 und 20:00 (Bayr. Wald)
- So. 7.11.2010, SÖLLHUBEN, Gasthof beim Hirzinger, 20:00 (Chiemgau)
- Sa. 13.11.2010,WAAKIRCHEN, Kulturnacht (Tölzer Land)
Info über
MATTHIAS SCHRIEFL, Trp. u. Komposition (F: hp/ubhm)
geb. 1981 im Allgäu, erhielt ab seinem 7. Lebensjahr Trompeten- und Klavierunterricht, wurde als 11-Jähriger Bundessieger bei „Jugend Musiziert“ und übernahm in der 9. Klasse die Leitung der Schulbigband, mit der er hauptsächlich seine Eigenkompositionen aufführte. Mit 15 war er das jeweils jüngste Mitglied im Landesjugend-Jazzorchester Bayern und im Bundes-Jazz-Orchester. 1999 wurde er mit seiner ersten Band „Sidewinders“ bei „Jugend Jazzt“ Bundessieger. Schriefl studierte u. a. in München, Köln und Amsterdam.
Schriefl erhielt als Solist sowie als Komponist und Bandleader zahlreiche Auszeichnungen.
2007 war er als Leadtrompeter mit dem European Movement Orchestra unterwegs, wobei das Repertoire auch aus Schriefls Kompositionen bestand. Außerdem tourte Schriefl 2007 mit seiner Band „Shreefpunk“ durch Deutschland, Österreich, Schweiz, Estland, England, Italien, Mexiko und Australien. - Schriefl spielte und spielt mit zahlreichen international renommierten Musikern zusammen. Unter
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ELEKTRA – Richard Strauss –
Die „andere“ Elektra
Brilliant 9153 (früher DG)
Anlässlich der frischen Eindrücke um Christian Thielemanns „Elektra“ in Baden-Baden und München kamen wir im Freundeskreis auf die unterschiedlichsten Elektra-Interpretationen, - Einspielungen und -Dirigate zu sprechen. Dabei kam die Rede auch auf diese vorliegende CD-Einspielung von 1995 unter der Leitung von Giuseppe Sinopoli.
Warum die „Andere“: Anders, weil Sinopoli die Akzente zum großen Teil anders setzt, als man es gewohnt sein mag. Er hat aus den Wiener Philharmonikern einen eiskalt harten Ton herausgeholt (Ausnahme Orestszene), wie man ihn von diesem sonst eher „soften“ Orchester kaum kennt. Damit stimmt diese brutale Interpretationsart wohl zu dem brutalen Stück, verhindert aber gleichzeitig jegliches „Straussische Schwelgen“. Zusätzlich zum harten, scharfen Klang lässt Sinopoli vieles geradezu „zerhackt“ erklingen; große oder gar schwelgerische Bögen gibt es bei ihm nicht (etwas, das seine italienischen und französischen Dirigate an der Bayr. STO stets zu umstrittenen „Genüssen“ machte).
Diese Legato-Verweigerung geht auch zulasten der Sänger. So werden etwa Chrysothemis’ blühende Höhenflüge dadurch eher sabotiert als getragen. Zwischendurch gibt es extrem langsame, ja schleppende Tempi (Elektra-Monolog u. Orest-Sz.) und über andere Stellen, bei denen man mehr Wirkung durch Verzögerung erreichen kann, wird einfach drübergehuscht.
Ein prachtvoll zusammenkonstruiertes Sängerensemble wurde aufgeboten, dessen Rollenportraits jedoch zum großen Teil auch zusammenkonstruiert erscheinen.
Alessandra Marc verfügt zwar über einen „pomfortionösen“ Sopran, ist aber keine Hochdramatische. Das wird besonders im 2. Teil des Elektra-Monologes deutlich, wo sie vermehrt ins Schreien gerät. Man hätte diese Szene unbedingt noch einmal aufnehmen müssen, denn im späteren Verlauf wird alles deutlich besser und sie bietet sich mit fortlaufender Handlung immer mehr einen jugendlichdramatischen Wettstreit mit Chrysothemis. Diese ist Deborah Voigt, zum Zeitpunktder Aufnahme noch eine warmstimmige, blühende Jugendlichdramatische; nur scheint man sie sündhafterweise tontechnisch etwas benachteiligt zu haben. Von Hanna Schwarz hört man einen üppigen Mezzo, die Interpretation der Figur der Klytämnestra jedoch erscheint etwas zwanghaft herbeigeführt. Samuel Ramey ist der etwas mulmig-, aber doch wohlklingende Orest mit Hang zur Langeweile (Sinopolis Tempi?). Siegfried Jerusalem echauffiert sich als Aegisth und in der Mägdeliste findet man als 4. Magd Anne Schwanewilms.
Die theatralischen Schreie hinter der Bühne tönen wenig schaurig.
So dürfte nun Giuseppe Sinopolis „Elektra“ genauso umstritten bleiben wie zu seinen Lebzeiten seine Live-Operndirigate an den Opernhäusern dieser Welt.
Immerhin: Die eine oder andere Gänsehaut verursacht auch diese Aufnahme – und das Ganze für nur 9,90 €!
DZ
DIE SCHÖNE MÜLLERIN
Das Kunstlied hat in den letzten Jahrzehnten viel von seiner einstigen Bedeutung verloren. Im Zeitalter von Rock, Pop, Jazz und sonstigen Musikstilen spricht es noch weniger als die Oper den Musikgeschmack jüngerer Menschen an. Die Säle lassen sich damit nicht mehr füllen. Wären nicht die vielen Musik-Festivals, wäre es wohl längst dem Untergang geweiht.
Einer der wichtigsten Vertreter dieser Musikgattung ist Konrad Jarnot. Der Professor an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf gilt als international führend und ist auf den Podien in aller Welt zuhause. Er hat mit allen großen Dirigenten unserer Tage gearbeitet und ist als Juror bei Wettbewerben gefragt. Vor allem sind ihm viele mustergültige CD-Aufnahmen zu verdanken.
Zu einer weiteren hat er sich mit dem kaum weniger international anerkannten Pianisten Alexander Schmalcz zusammen getan. Bei dem Label Oehms Classic ist (OC 816) eine Gesamtinterpretation von Franz Schuberts (1797 – 1828) Liedzyklus „Die schöne Müllerin“ heraus gekommen. Wenn überhaupt, hört der Musikfreund heute gerade noch diesen und den Zyklus „Die Winterreise“ aus dem umfangreichen Werk Schuberts.
Die Interpretation, die uns Jarnot und Schmalcz liefern, ist gewiss gewöhnungsbedürftig. Dies nicht nur wegen der schnellen Tempi, mit denen der Sänger viele Lieder angeht. Auch die eindrucksvolle Gestaltung des Klavierparts, die mehr als eine Begleitung ist, ist doch ungewöhnlich. Eine Aufnahme, die große Ansprüche an die Zuhörbereitschaft des Musikfreundes stellt…
Horst Schinzel
Es ist schlichtweg immer wieder ein Genuss, dieser so frei und unkompliziert eingesetzten, strahlenden Tenorstimme zu lauschen. Dabei ist es fast egal, ob man ihn gerade mit italienischen Canzonen oder mit amerikanischen Songs hört oder mit einer Opernarie, bei deren Anhören man wünschte, allen Tenören würden diese Stücke genauso leicht aus der Kehle strömen wie Lanza. – Mario Lanza = Pure Lust am Singen!
Spannend, wie er und sein kongenialer Partner Helmut Deutsch diese Lieder interpretieren würden; spannend, in wieweit sich sein Liedgesang verändert, bzw. weiterentwickelt hat. Das kann man anhand der früheren Liedeinspielungen des Tenors nachvollziehen und anhand der Neuaufnahmen überprüfen.
Dabei ist bei dieser „Müllerin“ eine weitere Perfektionierung feststellbar. Kaufmann beherrscht nun das Spiel mit und durch sämtliche(n) Stimmregister(n) nahtlos und perfekt; sein Timbre klingt hier durchwegs warm und weich und bricht nur ganz selten zum von ihm gewohnten kräftigen Höhenstrahl aus.
Ich persönlich finde, weiter sollte er nicht gehen, sonst könnte es dann doch noch zu Manierismen kommen, wo es doch gerade so wohltuend ist, diese bei Kaufmann nicht „erleiden“ zu müssen.
Ernest Chaussons „Poème de l’amour et de la mer“ Op. 19 wird heutzutage vorwiegend von Sängerinnen zur Aufführung gebracht, dabei war es ursprünglich für Tenor konzipiert. Somit kann man auf dieser CD quasi die Urfassung erleben.
Und wer es sich nicht vorstellen kann, sollte sich unbedingt dese CD besorgen, denn Steve Davislim singt diese elegischen symphonischen Dichtungen mit Gesang ganz wunderschön. Auch Davislim zeigt eine in jeder Beziehung erfreuliche Weiterentwicklung, eine CD-Einspielung übertrifft jeweils die vorige. Und so sind die nach Victor Hugos „Les Orientales“ entstandenen Gesänge (Les Djinns, Eros, Ballade du désespéré, Psyché) von Louis Vierne ein ebensolcher Hörgenuss wie der Chausson.
Guillaume Tourniaire leitet das sich wunderbar in den französischen Oriental-Sound findende
Queensland Orchestra. – Empfehlenswert!