Der neue Merker
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21. Jahrgang
Juni/ Juli
2009
158
- - - - -
Anton Cupak
07.09.2009
14:33:58
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Aktuelle CDs: Rezensionen und Informationen Aktualisiert: 05.09.2009 18:07:23
 
 
DZ - Hinweise auf interessante CD-Editionen,
die wegen unvorhersehbarer, persönlicher Umstände nicht zeitgerecht rezensentisch aufgearbeitet werden konnten:
CD: Gürzenich Orchester Köln – Mahler Symphonie Nr. 5 . (Oehms Classics OC 650)-
Von Horst Schinzel


Markus Stenz

Wie kaum ein zweiter Musikschöpfer seiner Zeit war Gustav Mahler (1860 – 1911) ein Neuerer und Reformer, der sich immer wieder an neuen musikalischen Ausdruckformen versucht hat. Das mag eine der Ursachen sein, dass sich die bedeutenden Dirigenten unserer Tage immer wieder daran versuchen, den böhmisch-österreichischen Meister neu zu interpretieren.

Jetzt ist der international renommierte Kölner Generalmusikdirektor und Gürzenich-Kapellmeister  Markus  Stenz  - der um sein Geburtsdatum ein großes Geheimnis macht – mit dem Anspruch aufgetreten, die Sinfonien Mahlers neu zu interpretieren. Dieses Unternehmen ist im Kontext mit der Idee zu sehen, Mitschnitte der Gürzenich-Konzerte unmittelbar nach dem Schlussapplaus  der Öffentlichkeit anzubieten. In dieser Reihe liegen bereits hier vorzustellenden CD mit der Symphonie Nr. 5 Mitschnitte der folgenden beiden sinfonischen Werke Mahlers vor.
Dass die neue Reihe mit der „Fünften“  begonnen hat, hat historische Gründe. Die Uraufführung am 18. Oktober 1904 fand in Köln statt. Mahler hat sich mit diesem schwierigen Werk überaus schwer getan. „Niemand capiert sie“, stöhnte der Komponist nach einer Aufführung 1905 in Hamburg – wo man ihn aus seiner Zeit als Erster Kapellmeister am Stadttheater – der heutigen  Staatsoper – recht gut kannte.
Aber nicht nur ihr Schöpfer hatte mit dem Werk seine Probleme. Auch die Zeitgenossen. Denen erschien es zu kühn, zu radikal, zu wenig erklärt. Mit seiner „Fünften“ ändert Mahler seine Musiksprache – was ihm später selbst verschreckte. Noch kurz vor seinem Tode hat er die Instrumentierung grundlegend  geändert und die ursprüngliche
Fassung verworfen.
Das Werk ist in einer für Mahler schwierigen Zeit entstanden. Er war krank, anderseits in Liebe für Alma entflammt.
Volle drei Jahre hat der Künstler an diesem großen musikalischen Wer k gearbeitet und es immer wieder überarbeitet.
In Köln war bereits seine Dritte Sinfonie uraufgeführt worden. Bei dem ersten Erklingen der „Fünften“ führte der
Komponist selbst den Stab und war mit dem Orchester wie mit der Aufnahme seiner Schöpfung durchaus zufrieden.
Das Publikum sei. erst befremdet und dann begeistert gewesen, telegrafierte Mahler seiner krank das Bett hütenden
Alma.
Vor diesem Hintergrund ist die Neuinterpretation von Markus Stenz zu sehen, wobei er damit nicht allein steht.
Mehrere Kollegen haben  sich in letzter Zeit des sinfonischen Werkes Mahlers neu angenommen- was natürlich auch mit dem bevorstehenden 100. Todestag zusammen hängen wird. Je intensiver er sich mit Mahlers Sinfonie beschäftigt habe, umso neugieriger sei er geworden.  Die anstehenden CD-Aufnahmen der Mahler-Sinfonie sind allerdings keine
Live-Mitschnitte, sondern entstehen im Studio. Dabei komme es zu ganz neuen Hörerlebnissen, gesteht der Generalmusikdirektor. (Oehms Classics OC 650)-
--
Postfach 347 * 23 693 Eutin * Tel 04521 790 521 * Mobil 0176 4801 3859 * Fax 044521 790 522 * email hksultur@aol.com  
 
 
- CARMEN – Wiener Musikverein, konzertant 1954
Membran 232595
Herbert von Karajan hat diese erinnernswerte Aufführung dirigiert, mit einer furiosen GIULIETTA SIMIONATO in der Titelrolle, Nicolai Gedda als José, Hilde Güden (!) als Micaela und Michel Roux als Escamillo. In den Nebenrollen finden sich spätere Hauptrollensänger, wie Graziella Sciutti als Frasquita und Enzo Sordello als Morales.
 
 
Polnische Musik bei Dux:
 
- AGNUS DEI – geistliche Chor-Kompositionen von verschiedenen polnischen Komponisten, wie Penderecki, Zielenski, Gorecki u.a., gesungen vom Philharmonischen Chor Slaskiej unter Waldemar Sutryk (Dux 0676) – (2008)
 
- Vom hochinteressanten Komponisten MIECZYSLAW KARLOWICZ haben das Sinfonieorchester Slaskiej und das von Silesian unter Jerzy Salwarowski zwei „Sinfonische Dichtungen“ eingespielt: Wiederkehrende Wellen und Litauische Rhapsodie. (1999/2008)
 
 
Historisches:
 
- Aufnahmen mit LEOPOLD STOKOWSKI am Pult des Stuttgarter Radio-Sinfonieorchesters und desselben des Baden-Baden-Freiburger Rundfunks von 1954/55. Werke von Blacher, Prokofiev (Romeo u. Julia), Milhaud, Wagner (Tristan-Vorsp.), Mussorgsky und Tschaikovsky (5.) – Hänssler 94.204
 
- WITOLD LUTOSLAWSKI dirigiert eigene Orchesterwerke mit dem Polnischen Radio-SO (1976) – Brillant 9011
 
- DARIUS MILHAUD – Brillant 9007
Milhauds bekannteste Werke mit Leonard Bernstein am Pult des Orchestre National de France (1977) und mit George Prêtre mit dem Orchestre Phil. de Monte Carlo (1971 u. 1983).
 
 
2 junge Pianistinnen:
 
- YUJA WANG hat bei DG (477 840) eine CD mit Chopin, Ligeti, Scriabin und Liszt eingespielt, allein schon wegen des nicht ganz alltäglichen Repertoires von großem Interesse. Man höre einmal den Zauberlehrling von Ligeti! (2009)
 
- DORA DELIYSKA Liszt – Klavierwerke (Gramola 98853) –
Sonate h-Moll, 2 Schubert-Liedtranskriptionen, Grande Etude de Paganini und Richard Wagners Tannhäuser-Ouvertüre. Nicht ganz so spektakulär wie die vorherige (2008).
 
 
Viel Interessantes von Chandos:
 
- SERGEJ PROKOFIEV (Chan 10519) –
Symphonische Suite nach „Pique Dame“ (wiederentdeckte Filmmusik) und das Oratorium Auf Friedenswacht“. Neeme Järvi dirigiert das Royal Scottish National Orch. und Chor, Solisten sind Irina Tchistjakova, Mezzosopran und Niall Docherty, Knabensopran (2009).
 
- (Chan 10522) Neeme Järvi dirigiert das Concertgebouw Orchester bei Prokofievs 5 Klavierkonzerten. Nr. 2 und 3 spielt Horacio Gutierrez, die übrigen Boris Berman (2009).
 
- OTTORINO RESPIGHI – Kirchenfenster und Brasilianische Impressionen (Chan CAT092)Geoffrey Simon dirigiert das Philharmonia Orch. London (1984).
 
- JOSEPH MARX (1882 – 1964) – Orchesterlieder und Chorwerke (Chan 10505) –
Die inzwischen hochdramatische amerikanische Sopranistin Christine Brewer singt diese Lieder mit mancher Höhenschärfe und textlich nicht sonderlich verständlich; eine etwas „blühendere“ Stimme brächte diese Lieder womöglich besser zur Geltung. Aber immerhin eine beachtenswerte Einspielung mit pompösem Choreinsatz. - Jiøi Bĕlohlávek dirigiert das BBC Orchestra und dessen Chor (2009).
 
- ANTONIN DVOØÁK – Messe in D-Dur und Te Deum (Chan CAT091) –
Valery Polyansky dirigiert das Russische Staats-SO und Chor, Solisten sind Marina Mesheriakova, Sopran und Sergej Miasnikov, Bass. Die Aufnahme stammt bereits von 1996.
 
 
Violine:
 
- Ilya Gringolts spielt das Violinkonzert in a-Moll op. 54 von Anton S. Arensky (1861-1906) und Sergej I. Taneyevs (1856-1915) Suite de Concert op. 28. Ilan Volkov dirigiert das BBC Scottish SO. Eine empfehlenswerte CD mit nicht alltäglichem Repertoire (2008). – Hyperion A67642/„The Romantic Concerto 7“ .
 
 
Orgel:
 
- VARIATIONS ON AMERICA – (Chan 10489)
Iain Quinn spielt amerikanische Orgelmusik an der Orgel der Coventry Cathedral (live 2008).
Werke von Copland, Ives, Cowell, Still, Barber und Paulus, von Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.
 
- „ORGAN FIREWORKS“ brennt Christopher Herrick auf der Orgel der Västeras Cathedral in Schweden ab (2008) – Hyperion A67734 – Werke von Weitz, Bourgeois, Rinck, Olsson, Webber, Lemare, Grainger, Vaughn Williams, Duruflé, Mathias.
 
- „PATHOS UND FREUDE“ nennt Martin Sander seine Einspielung von Bach-Werken,aufgenommen an der Wagner-Orgel (Joachim Wagner 1740/41) im Nidaros-Dom von Trondheim (NOR) 1998 – audite 20.028. Klingt etwas dumpf.
 
- „OKNA“/Fenster (abgeleitet von Petr Ebens Komposition) heißt die wirklich tolle CD mit Musik für Trompete und Orgel des 20. Jahrhunderts. Bereits 1992 aufgenommen, klingt diese im Münster zu Villingen eingespielte Aufnahme wesentlich transparenter als die vorherige. – Musik von Tomasi, Langlais, Schilling, Karg-Ehlert, Eben und Deutschmann spielen Bernhard Kratzer, Trp. und Martin Sander, Orgel. – audite 20.008
 
DZ

Neuerscheinung:
 
Das HUGO-WOLF-QUARTETT hat bei Warner Franz Schuberts Streichquartette G-Dur, D 887 und Es-Dur, D 87 neu aufgelegt – Warner/VMS 208
 
 
  
 FARAO-classics/ 2 Neuerscheinungen:
    
 Gustav Mahlers 5. Sinfonie /    
Zubin Mehta und das Bayerische Staatsorchester
 
Andreas Öttl, Trompete
Johannes Dengler, Corno obligato
SACD/CD - Liveaufnahme aus der Bayerischen Staatsoper, 15. und 16. Dezember 2008
 
Vielen sind die Abende mit den Werken Gustav Mahlers, die Zubin Mehta in seiner Zeit als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper dirigierte, noch in unvergesslicher Erinnerung.
Seither kehrt er regelmäßig ans Pult des Bayerischen Staatsorchesters zurück, zu dessen Ehrendirigent er nach seinem Abschied ernannt wurde.
Am 15. und 16. Dezember 2008 erklang dabei eine weitere Symphonie Mahlers: die "5. Symphonie". Die dabei entstandene Liveaufnahme dokumentiert ein bewegendes Wiedersehen des Maestro mit "seinem" Staatsorchester und eine musikalische Sternstunde.
"… Mit wienerischer Ruhe spazierte Mehta mit dem bestens aufgelegten Staatsorchester in den ersten beiden Sätzen am Weltuntergang vorbei, ohne die Musik jemals exzentrisch zu verzerren, zu übersteuern. Im Scherzo wurde die Walzerseligkeit als Tanz auf dem Vulkan ausgekostet. Mehta lässt Mahler ganz selbstverständlich klingen – das ist wahrlich eine Kunst …" schrieb die Abendzeitung.
Dieses Werk stellt Zuhörer wie Spieler vor besondere Herausforderungen. "Die einzelnen Stimmen", schreibt Mahler an seine gute Freundin Natalie Bauer-Lechner, "sind so schwierig zu spielen, dass sie eigentlich lauter Solisten bedürfen. Da sind mir aus meiner genauesten Orchester und Instrumentenkenntnis heraus die kühnsten Passagen und Bewegungen entschlüpft." Das gilt natürlich vor allem für die Soli, von denen die Eingangstakte für die Trompete nicht weniger gefürchtet sind als das Hornsolo im Scherzo-Satz, da sie beide ohne Netz und doppelten Boden eines Orchesterfundaments gespielt werden müssen.
Das Bayerische Staatsorchester zeigt in diesem Mitschnitt seine ganze handwerkliche Klasse und die einzigartige klangliche Tradition des ältesten Orchesters Deutschlands.
  
 
 Gitti Pirner, Klavier
Franz Schubert - Unvollendete Pianosonaten
 
Sonate f-moll, D 625
Sonate C-Dur, D 279
Sonate e-moll, D 566
Sonate C-Dur, D 840
Aufgenommen in Tutzing, August 2006
 
Unvollendete Werke sind im Schaffen Franz Schuberts keine Seltenheit. So hat er z. B. von insgesamt neun Opern nur vier fertiggestellt, von acht Sinfonien blieb eine unvollendet und von seinen 21 Klaviersonaten sind zwölf vollendet, die anderen blieben entweder einsätzige Fragmente oder es fehlt ihnen ein Satz.
Warum nimmt sich eine Künstlerin, trotz des so großen Angebots, ausgerechnet der unvollendeten Klaviersonaten an?
"Es gibt zwei Gründe, warum ich gerade diese vier unvollendeten, frühen Sonaten aufgenommen habe. Bei ihnen hat Schubert noch mit der Sonatenform experimentiert, dennoch sind sie unbedingt wert, gespielt zu werden. Es gibt wenig Pianisten, die sich dieser Werke annahmen bzw. annehmen. Einer war Wilhelm Kempff. Durch ihn habe ich etliche Sonaten im Konzertsaal kennengelernt. Er hat auch die Unvollendeten eingespielt. Großartig!" erklärt Gitti Pirner.
Gitti Pirners Schubert besticht durch seine Natürlichkeit und Unaufdringlichkeit. Die großartige Mozart-Interpretin bringt auch bei Schubert ihren reichhaltigen Erfahrungsschatz ein, spürt den melodischen Linienführungen und der Innendynamik der Phrasierung nach – ohne den formalen Aufbau und die langen Spannungsbögen der Schubert‘schen Musik zu vernachlässigen. Die technische Leichtigkeit ihres Spiels lässt auch die komplexesten Passagen als ganz einfache Musik erscheinen.
 
 
 
 
 „THE TEMPEST“ - Thomas Adés
EMI 5 099969 523427
Eine ungewöhnliche Oper in einer ungewöhnlichen Einspielung und der Komponist Thomas Adés leitet Chorus and Orchestra of the Royal Opera House Govent Garden höchst persönlich, führt alle Mitwirkenden (hoffentlich ohne bleibende Schäden) durch die bizarre und klippenreiche Paritur. Ein mächtiges Werk, eruptiv, expressiv, revolutionär muten die Geräusche in Noten an und  Berg´s Wozzeck dagegen klingt in meinen Ohren wie eine Operette. Wohl fühlte ich mich nicht inmitten dieser diffusen Extremmalereien und bewundere nur die grandiosen Vokalsolisten mit welcher Verve sie ihre Gesangsparts erfüllen. Allen voran absolviert Kate Royal (Miranda) kaum singbare Sopranoktaven, Ian Bostrigde vollführt mit seinem herrlichen Tenormaterial unglaubliche Intervallsprünge und Simon Keenlyside setzt mit seinem Prachtbariton als Prospero intellektuelle Gestaltungskraft frei. In weiteren Rollen bieten u.a. Cyndia Sieden, Philip Langridge, Toby Spence sowie David Codier vokale Stimmakrobatik.
Eine Empfehlung für absolute Musik-Fetichisten.                         Gerhard Hoffmann
 
Info: Bei EMI hat Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern soeben Brahms’ 4 Sinfonien herausgebracht.
 
 
 HÉLÉNE GRIMAUD – BACH
DGG 28947 77978
Ich hätte es nie für möglich gehalten, daß mich Klaviermusik von Johann Sebastian Bach jemals so faszinieren könnte; Héléne Grimaud die französische Meisterpianistin vollbrachte dieses Wunder wie bereits zuvor bei einem Live-Konzert. In höchster Perfektion, unglaublich vorbildlicher Phrasierung erklingen auf dieser Einspielung Ausschnitte aus „Das wohltemperierte Klavier“ und zwar die „Preludes und Fugen Nr. 2, 4, 6, 9 + 20“. Umwerfend in technischer Absolution, traumhaft wie in Trance spielt die Künstlerin „Chaconne“ der Violinpartita Nr. 2 im Arrangement von Ferruccio Busoni, atemberaubend folgt die Orgel-Bearbeitung von Franz Liszt „Preludes und Fuge“ und schließlich ertönt in harmonischer Nuancierungskunst die von Sergej Rachmaninow transkribierte Violin-Partita Nr. 3“. Dazwischen eingebettet im zarten Orchesterklang der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen das „Klavierkonzert BWV 1052“, schlank und hell im Ton, federnd leicht, musikalisch entspannt öffnet Madame Grimaud dem Zuhörer neue Welten.
Ein heißer Tipp für Freunde ungewöhnlicher Klavierwerke.
Gerhard Hoffmann
   
 
Haydn: ARIE PER UN’ AMANTE.
Nuria Rial / Margot Oitzinger / L’Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg
Deutsche Harmonia Mundi / Sony BMG
 
Das Haydn-Jahr läuft lebendig und mit großem Erfolg, und es liegt nahe, nach Programmen dafür zu suchen, wobei die Spezialisten gefragt sind. Michi Gaigg, die das von ihr gegründete L’Orfeo Barockorchester in die vorderen Reihen der Alten-Musik-Programme geführt hat, bietet eine CD der außergewöhnlichen Art: Unter dem Titel ARIE PER UN’ AMANTE sind sämtliche Einlagearien für Sopran und Orchester gesammelt, die Haydn geschrieben hat.
 
Er schuf sie immer ganz bestimmten Sängerinnen in die Kehle (wie Mozart ja vielfach auch), und eine davon war seine Geliebte vieler Jahre, die mit ihrem Mann in Esterhaza engagierte Luigia Polzelli. Interessant ist dabei bei allen Arien, die in die verschiedensten Werke anderer Komponisten (!) eingelegt wurden, dass Haydn hier nicht – wie Mozart bei der Catarina Cavalieri – vor allem die „geläufige Gurgel“ bediente, wenn es auch allerhand Koloraturen gibt, sondern vor allem ausdrucksreichen Schöngesang für seine Primadonnen schuf.
 
Nach dem Vivace aus der Sinfonia in G, das quasi als Ouvertüre fungiert und worin das L’Orfeo Barockorchester mit hellem, stürmischem Klang die Bezeichnung des Satzes voll erfüllt, folgen 13 Arien, wobei vier an einen Mezzosopran abgegeben wurden: Die Grazerin Margot Oitzinger hat zwar keinen wirklich profunden, substanzreichen Mezzo, sticht aber ausreichend von ihrer Soprankollegen ab, die schließlich die Heldin dieser CD ist. Nuria Rial, eine aparte Katalanin, verbindet Klarheit des Timbres mit Geschmeidigkeit und schöner Stimmführung. Die Arien, die im Begleitheft auch abgedruckt sind (im italienischen Original und mehreren Übersetzungen), lassen weniger Abwechslung hören, als ihre ganz verschiedenen Texte erwarten ließen, aber das macht nichts. Die ganze CD ist auf einen leichten, heiteren Ton gestimmt, der sich auf den Zuhörer aufs schönste überträgt.  
  
Renate Wagner
 
      
 Max Bruch, ARMINIUS - cpo 777 453-2
Das 2000-Jahr-Gedächtnis der Varus-Schlacht hat nicht nur drei Ausstellungen und etliche Sachbücher und Romane hervorgebracht. In diesem Umfeld hat man sich daran erinnert, dass diese Schlacht und insbesondere der germanische Freiheitsheld Arminius schon vor 200 Jahren Thema mehrer Opern und vor 130 Jahren eines weltlichen Oratoriums gewesen ist.
Dessen Schöpfer war der wie sein Werk gründlich vergessene romantische Komponist
Max Bruch (1838 – 1920). Der hat zu seinen Zeiten Richard Wagner nachhaltig bekämpft, was jenem nicht geschadet hat. Bruch hat dagegen noch zu seinen Lebzeiten erleben müssen, dass sein Kompositionsstil nicht mehr gefragt war. So sind denn seine fünf weltlichen Oratorien ebenso in Vergessenheit geraten wie sein übrigens kompositorisches Schaffen. Dabei war er zu seinen Lebzeiten beim musikliebenden Bürgertum durchaus geschätzt – ein Bürgertum, das ihn in eine Reihe mit Brahms und
Wagner stellte. Nur – dass diese beiden Komponisten eben fortleben, während Bruch schon zu seinen Lebzeiten sich selbst „über“lebt hatte.
Anlässlich des 2000-Jahr-Gedächtnis der Varus-Schlacht haben die Musikredaktion von NDR Radio Niedersachsen, das Varusschlacht-Mjseum und die renommierte Rheinische Kantorei des Hermann Max das um 1875 entstandene und vom Komponisten mehr umgearbeitete Oratorium „Armnius“ aus dem Dauerschlaf geholt. Ohne Zweifel: Ein gewaltiges Werk – würdig des bedeutenden Anlasses. 
Ein Werk, dessen Entstehungszeit in die Folgejahre des Deutsch-Französischen Krieges
fällt. Irgendwie schlägt diese zeitgenössische Stimmung durch. Die Germanen sind bei Bruch friedliche Menschen, die brutal von den Römern aufgescheucht werden. Nur zögernd folgen sie dem Aufruf des Arminius. Als sie endlich zu den Waffen greifen, geschieht dies nicht zuletzt zur Ehre ihrer Götter, deren Stellung von denen der Besatzer bedroht wird. Den nach heutigen Maßstäben arg schwülstigen Text lieferte der junge westfälische Gymnasiallehrer Joseph Cüppers.
Bruch hat ein überaus wuchtiges Tongemälde geschaffen, in dem Chor und Orchester eine tragende Rolle zukommt. Letzteres wird vom renommierten Göttingetr Symphonie Orchester gestellt. Die Solostimmen – Hans Christoph Begemann, Bass, Michael Smllwood, Tenor und Ursula Eittinger, Alt – treten weit zurück. Am wichtigsten ist der Chor, der hier das Volk – Römer wie Germanen – verkörpert. Der „Held“ Arminius wird auffallender weise vom Komponisten recht stiefmütterlich behandelt.Ihm wird nicht einmal eine Arie gegönnt.  Bruch ist mit seinem Werk nie richtig zufrieden gewesen und hat es mehrfach umgeschrieben. Zwar ist die Neufassung vielfach aufgeführt worden, aber schließlich ist die Zeit noch zu Lebzeiten des Komponisten darüber hinweg gegangen.
Die hier vorliegende Aufnahme ist ein Mitschnitt des Labels cpo einer Produktion im Museum Kalriese im Februar / März 2009 (cpo 777 453-2).
 
Horst Schinzel

Homelands lautet der Titel der soeben erschienenen CD des albanischen Geigers Rudens Turku.

Es ist seine dritte Einspielung beim englischen Label Avie. Sie beginnt mit Griegs c-moll-Sonate, für die Turku im Konzert „die rechte Mischung aus dicht geführter Spannung und Theatralik, mit wunderbar larmoyantem Vibrato und breiter G-Saiten-Schwermut“ (SZ) fand. Begleitet wird er von dem Pianisten Oliver Schnyder.

HOMELANDS - Music for Violin and Piano
Edvard Grieg Violin sonata 3 in c-moll
Warner meldet:

Sergei Rachmaninov Vocalise
Antonín Dvoøák Violin Sonatina in G-Dur
Ástor Piazzolla Milonga en Re (Tango)
Pablo Sarasate Romanza Andaluza

Rudens Turku – Violin, Oliver Schnyder- Piano, AV 2166, 2009

www.avierecords.com
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 Warner meldet:

 
Richard Goode - Beethoven, The Complete Piano Concertos
Nonesuch / Warner
VÖ: 29. Mai 2009 || 075597992830
 
Als Richard Goode 1993 für Nonesuch auf 10 CDs den kompletten Zyklus der Beethoven-Sonaten einspielte, erregte nicht nur die folgerichtige Grammy-Nominierung der hervorragenden Aufnahmen weithin Aufsehen, sondern auch die Tatsache, das damit erstmals ein in Amerika geborener Pianist sich in diesem Kernrepertoire des "alten Europa" kundig bewegte. Eineinhalb Jahrzehnte später setzt Goode seine Auseinandersetzung mit Beethovens Oevre fort und spielt - als erster Amerikaner in den vergangenen 20 Jahren  - alle 5 Klavierkonzerte des Klassikers ein.
 

Kronos Quartett – Floodplain
Nonesuch / Warner
VÖ: 29. Mai 2009 || 075597982886

Auf ihrem neuesten Album präsentiert das Kronos Quartet Musik aus Aserbaijan, Ägypten, Äthiopien, Kasakhstan, dem Libanon, Indien, Iran, Irak, Palaestina, Serbien und der Türkei.
Der Titel "Floodplains" bezieht sich auf die fruchtbaren Ländereien, die seit Jahrtausenden entlang großer Flüsse besiedelt werden. Überschwemmungen in diesen Gegenden hinterlassen natüprlich katastrophale Verwüstungen, bereiten aber auch den Boden für ein völlig neues Erblühen. 
 
 
EMI-Neuerscheinungen im Juni >
 
SCHLESWIG HOLSTEIN FESTIVAL EDITION bei >
 
UNIVERSAL News:
 Manchmal ist es sehr verlockend, einen Blick hinter die ansonsten gut verschlossenen Türen der Aufnahmestudios zu werfen. Dies umso mehr, wenn - wie jedes Jahr - ein heißer Klassik-Herbst bevorsteht. Den Reigen eröffnet Ende August der italienische Bassbariton Ildebrando d' Arcangelo - seit kurzem Mitglied der exklusiven Sängerriege des Gelblabels. Bekannt aus Gardiners Mozartzyklus, Abbado-Aufnahmen und jüngst sowohl als Figaro an der Seite von Anna Netrebko in der Salzburger Festspielproduktion von "Le nozze di Figaro" als auch zur Seite seiner Landsfrau Cecilia Bartoli in der ersten Einspielung von Bellinis "La sonnambula" gemäß der historischen Aufführungspraxis, präsentiert sich der gut aussehende Italiener auf seinem Deutsche Grammophon-Debüt mit virtuosen Händel-Arien - gerade noch rechtzeitig zum 250. Todestag des großen Anglo-Sachsen ....
Schon quasi in den Startlöchern...... >
 
 

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