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Von der Met NY: 
I PURITANI – Vincenzo Bellini – Superbe Anna Netrebko!
(DG 073 4421) Mag ja sein, dass die eine oder andere Koloraturkette nicht ganz so perlt, wie bei den sogenannten „Zwitschervögelchen“. Dafür können die aber auch nicht mit einem derart voll blühenden, kostbaren Timbre aufwarten. Und die Stimme der Anna Netrebko zeigt in keiner noch so extremen Lage irgendeinen Qualitätsverlust. Wenn sie sich in ihrer rund halbstündigen Wahnsinnsszene neben dem herrlichen Gesang auch noch als Intensivschauspielerin präsentiert, dürfen einem dann schon die Tränen in die Augen schießen (wenn man nicht ein gänzlich abgebrühter Typ ist) – auch weil sie eben nicht so ein Zwitschervogel-Stimmchen hat, sondern mit Herzenstönen angereicherte Stimmfarben. Dass Anna einen Teil ihrer Koloraturcabaletta an der Rampe auf dem Rücken liegend singt, gibt der ganzen Nummer noch zusätzliche Würze. Das tun auch die Pausengespräche mit der Kollegin René Fleming, die sich hier als Interviewerin betätigt. – Das sängerische Umfeld in dieser hübschen, traditionellen Produktion von Sandro Sequi, aufgenommen im Januar 2007, ist solide bis gut: Am besten schneidet Franco Vasallo (Riccardo) mit seinem angenehmen Bariton ab; der leichtstimmige Tenor Eric Cutler (der heißgeliebte Arturo) profitiert ein bisschen von seinem guten Aussehen; John Relyeas Bass (Sir Giorgio) habe ich aus anderen Aufführungen eindrucksvoller in Erinnerung; die Enrichetta von Maria Zifchak bleibt unscheinbar in jeder Beziehung und als Lord Gualtiero ergänzt Valerian Ruminski das Ensemble. Patrick Summers dirigiert mit viel Gespür für die Sänger. –
Man hat sehr Unterschiedliches über diese Aufführungsserie an der Met gelesen, aber alle Kritik muss verstummen, angesichts dieser - vielleicht überraschenden – Super-Leistung von Anna Netrebko. – Ein würdiges Präsent für den Opernfreund! DZ
Aus Barcelona:
MANON/J. Massenet – 6/2007 – Drama mit Natalie Dessay & Rolando Villazón
(Virgin 50999 5050689 7) Und wieder rührt er zu Tränen, Rolando Villazon, der große Tragöde. Wie anstrengend es sein kann, immer wieder neue Sichtweisen einer Rolle einstudieren zu müssen, zeigt die als „Bonus“ angehängte Doku von der Probenarbeit mit dem Regisseur David McVicar. Dieses Mal kommt sein Chevalier des Grieux mit lang wallendem Haar daher und mit seinem goldenen Sexy-Tenor becirct er wie eh und je. Da hat es Natalie Dessays Manon rein vokal schwerer mit ihrer eigentlich ziemlich uninteressant gefärbten Stimme, der die erotischen Zwischentöne der gereiften Stimme ihrer Kollegin Netrebko abgehen. Aber wie sie diese lebenshungrige Unglückliche interpretiert ist aus eben diesen erwähnten Gründen umso erstaunlicher.
Die durch ein Arenarund und immer irgendwo hervorlugende Personen voyeuristische Inszenierung von David McVicar umrahmt das Protagonistenpaar, ohne es zu stören, so dass das Drama ungehemmt seinen Lauf nehmen kann. Manuel Lanza als Lescaut und Samuel Ramey als gestrenger Comte des Grieux runden das Ensemble ab, Victor Pablo Pérez ist der Dirigent. DZ
Aus Berlin:
EINE ALPENSINFONIE/R.Strauss – 2006 – Wer hätte das gedacht ...
(Arthaus 101 438) Dass Kent Nagano sich „ausgerechnet“ die Alpensinfonie für seine Reihe „Monumente der Klassik“/R. Strauss ausgesucht hatte, erschien demjenigen doch ziemlich gewagt, der seine eher unbefriedigende Münchner Salome erlebt hatte, die den derzeitigen Bayerischen Generalmusikdirektor keineswegs als Straussianer auswies. Aber wer hätte das gedacht, dass er zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin dann doch eine recht überzeugende Interpretation von Richard Strauss’ in orchestralen Farben schwelgenden Monumentalwerk würde auflegen können. Die DVD dokumentiert die Arbeit daran, analytische gedanken des Maetros zum Werk und letztlich das Konzert im Ganzen. DZ
Aus Essen:
BORIS BEREZOVSKY beim Ruhr Klavierfestival 2006 – Der uneitle Könner
(EA 2055758) Er ist schon ein Phänomen in mehrfacher Hinsicht, dieser stets so „leger“ wirkende russische Pianist Boris Berezovsky. Man sieht ihn eigentlich nur in leicht zerknautschten Klamotten herumlaufen, er hängt in seiner ganzen Länge ziemlich lässig auf seinem Klavierhocker, er kokettiert in keiner Weise mit dem Publikum – und doch – selbiges ist gefesselt, wenn er in die Tasten greift, wie kürzlich in der Münchner Philharmonie mit Griegs Klavierkonzert zu erleben.
Ihm kann es gar nicht schwierig genug sein, er könne sich gar nicht erinnern, jemals einen falschen Ton gespielt zu haben – so wird er immer wieder zitiert.
Mit der vorliegenden DVD vom Ruhr Klavierfestival 2006 kann man sich einen kleinen Eindruck von diesem uneitlen und doch so „wirksamen“ Künstler machen. DZ
Philippe Kohly:
CALLAS assoluta – 2007 – Portrait einer großen Sängerin und tragischen Frauenfigur
(Arthaus 101 817)Ein sehr gelungener Film, der erfreulicherweise nicht zum x-ten Mal die bisherigen Veröffentlichungen noch einmal durchkaut. Der Autor hat Grundlagenforschung betrieben und so bekommt man eine Fülle an Informationsmaterial aus Privatarchiven, die bisher noch nicht zu sehen waren. Der Film konzentriert sich vorwiegend auf das Leben dieser eigentlich sehr tragischen Frauenfigur, die als Primadonna assoluta im Gedächtnis der Opernwelt unsterblich bleibt. DZ
WEITERES FÜR DEN GABENTISCH:
OPERA NIGHT – Aids-Gala aus der Deutschen Oper Berlin 2007 – Ganz frisch auf den Tisch
(Arthaus 101 455) – mit Piotr Beczala, Agnes Baltsa, Pavol Breslik, Krassimira Stoyanova u. a. m. – Dir. Lawrence Foster
 Zwei Schätzchen für die Fans von Dame Joan Sutherland: Her BEST OF aus der Australian Opera (OA F4007 D) und Donizettis LUCREZIA BORGIA von der Australien Opera (OA F4026 D)
 Renato Zanellas ASCHENBRÖDEL auf Musik von Johann Strauß aus der Wiener STO 1999 (EA 2055928)
 George Balanchines SOMMERNACHTSTRAUM auf Mendelssohns Musik aus der Scala Milano 2007, mit Alessandra Ferri, Roberto Bolle, Massimo Murru (TDK-DVWW-BLMID)
Etwas ganz Spannendes! Roland Petits PIQUE DAME als Ballett, auf Musik von Peter Tschaikovsky, aufgenommen im Moskauer Bolschoi Theater 2005, mit Nikolay Tsiskaridze/Hermann, Ilze Liepa/Gräfin, Svetlana Lunkina/Lisa und Georgiy Geraskin/Chekalinsky (hm BAC012)
 Frederick Ashtons SYLVIA (L.Delibes) mit dem Royal Ballet 2005, mit Darcey Bussel und Roberto Bolle a. G. (OA 0986 D)
 Beim Mariinsky-Ballett hat sich Maestro Valery Gergiev selbst der Ballettmusik angenommen, zumindest bei Gala-Übertragungen im Fernsehen oder, wie hier, bei DVD-Einspielungen.
So wurden unter seiner Leitung nun neu eingespielt: DER NUSSKNACKER mit dem jungen Paar Irina Golub und Leonid Sarafanov in einer neueren Choreografie von Kirill Simonov von 2001, aufgen. 2007 (Dec 074 3217) - und SCHWANENSEE mit der St.Petersburger Starballerina Ulyana Lopatkina. Ihr Prinz ist Danila Korsuntsev, Rotbart Ilya Kuznetsov. Dies ist eine rekonstruierte Version von 1950, aufgenommen 2006 (Dec 074 3216).
 Und noch ein SCHWANENSEE, in Rudolf Nurejevs choreografischer Aufarbeitung von der Pariser Oper 2005, mit Agnès Letestu, José Martinez und Karl Paquette, mit den französischen Eigen- und Eitelkeiten, das Ganze nunmehr in HD-Technik (OA HD5001 D)
 Außerdem hat Opus Arte eine ganze Box voller Tschaikovsky-Ballette in den Wiederaufbereitungs-Choreografien von Sir Peter Wright herausgebracht: SCHWANENSEE vom Königlich Schwedischen Ballett (2002 - OA 0866 D) mit Nathalie Nordquist und Anders Nordström. –
DORNRÖSCHEN vom Het Nationale Ballet (2003 – OA 0904 D) mit Sofiane Sylve und Gaël Lambiotte. –
DER NUSSKNACKER vom Royal Ballet London (1996 – OA 0828 D) mit Alina Cojocaru, Ivan Putrov, Miyako Yoshida, Jonathan Cope und Sir Anthony Dowell himself als Drosselmeyer.
Aus Bilbao:
SCHNEEWITTCHEN (Snow White/Blanche-Neige) – Nett
(DG 440 073 4416) Der spanische Komponist und Dirigent EMILIO ARAGÓN hat ein Schneewittchen-Ballett komponiert und produziert. Die Choreografie hatte RICARDO CUÉ.
Für die Uraufführung 2005 im Arriaga Theatre Bilbao kehrte die Royal Ballet Solistin Tamara Rojo in ihre Heimat zurück und brachte sich ihren Prinzen Iòaki Urlezaga von dort gleich mit: Sie mehr Starlet als Star, er etwas schwerfällig. Hübsche Einzelleistungen bei den 7 Zwergen. Die Musik Aragons illustriert das geraffte Märchen, die Choreografie ist aus dem klassischen Repertoire zusammengeklaubt, alles ganz niedlich arrangiert – ein nettes Weihnachtsmärchen für die ganze Familie, ein großartiges Schmankerl für Ballettomanen eher weniger. DZ
6 Balette von Hans van Manen für HET NATIONALE BALLET choreografiert und mit diesem 2000 – 2007 aufgenommen. Einen Teil davon kenne wir z. B. auch vom Byerischen Staatsballett in München, wie Deja vu, Solo und The Old Man and Me. Außerdem auf den beiden DVDs: Kammerballett, Frank Bridge Variations und Two Pieces for Het – (Arthaus 101 501).
Aus England/Blenheim Palace:
The GRENADIER GUARDS BAND - 1995/2007 - Sousa-Märsche
(Warner 2564-69803-3) Im ansehnlichen Ambiente von Park und Schloss Blenheim Palace (Winston Churchills Geburtsstätte) lässt man die Band der Grenadier Guards aufmarschieren und defilieren und dabei spielt dieses großartige Militär-Blasorchester John Philip Sousas Märsche rauf und runter. – Ein Schmankerl für den Blasmusikfreund! DZ
Opern-DVDs aus aller Welt – historisch und gegenwärtig
Aus Tokio: Opera Italiana
Beginnend Mitte der 50er wurden einige bedeutende Opernproduktionen nach Japan gebracht und unter dem Titel Opera Italiana von NHK präsentiert. Große italienische Opernstars, wie Tebaldi, del Monaco, Simionato, Gobbi, Bergonzi, Scotto u. a. m. reisten mit. Die Staffage, sprich Chor und Orchester, wurde vor Ort gestellt.
VAI ( Video Artists International) „proudly present“ eine Reihe dieser Aufführungen nun dankenswerterweise auf DVD. Das beinhaltet für den heutigen Opernfreund die Möglichkeit, frühere Opernstars in Liveaufführungen nacherleben zu können.
- ANDREA CHENIER/U. Giordano – 1961 – Muskelspiele -
(VAI 4419) Mario del Monaco/Chenierpräsentiert sich hier gnadenlos als Selbstdarsteller. Er powert was das Zeug hält mit seinem kraftvollen Tenor und kümmert sich nur dann um seine Partnerin, wenn es unbedingt sein muss. Renata Tebaldi/Maddalena fügt sich in ihr Schicksal und steht, brav Händchen gefaltet, daneben und singt ihren Part fast wie im Konzert. Wirklich leidenschaftliche Oper wird vom bestens disponierten Bariton Aldo Protti als Gérard geboten. Franco Capuana dirigiert das NHK Symphony Orchestra, den NHK Italien Opera Chorus und noch 2 weitere Tokioter Chöre zur Verstärkung. Das Ganze in schwarzweiß.
- LUCIA DI LAMMERMOOR/G. Donizetti – 1967 – Schule kultivierten Gesangs -
(VAI 4418) Renata Scotto/Lucia zeigt zunächst einige Schärfen (die schon auf ihre späteren Verismoeinsätze hindeuten), singt dann aber die Wahnsinnsszene mit unvergleichlicher Raffinesse und starker Ausdruckskraft. Das absolute Highlight dieses Mitschnitts ist jedoch Carlo Bergonzi, der Edeltenor schlechthin. Schöner und intensiver kann man den Edgardo nicht singen. Aber was hier für einen Überraschungseffekt sorgt, ist seine darstellerische Präsenz, die selbst bei Nahaufnahmen noch glaubhaft wirkt. Mario Zanasi, altbewährter Verona-Recke, ist als Lucias Bruder Enrico optisch sehr, vokal mittel überzeugend. Plinio Clabassi ergänzt als Raimondo. Hier dirigiert Bruno Bartoletti NHK Chor und Orchester aus Tokio. Diese Aufnahme entstand bereits in Farbe und ist recht empfehlenswert. DZ
Aus Sydney:
- LA FILLE DU REGIMENT/G. Donizetti - 1986 – Drollig!
(Favero/OA F4025 D) Dame Joan Sutherland machte sich im zarten Alter von 60 Jahren noch einmal das Vergnügen, in die Rolle der jugendlichen Marketenderin zu schlüpfen. Die geläufige Gurgel hatte sie zu dem Zeitpunkt noch und dazu einen Heidenspaß bei der Darstellung ihrer etwas trampeligen Maid, wie auf der DVD unschwer zu erkennen. Als Partner hat man ihr den schmucken Tenor Anson Austin zugesellt, Sydney Opera's tenorale Allzweckwaffe, hier, im ganz Lyrischen bestens eingesetzt. (Austin hat sich 2004, nach 34-jähriger Karriere von der Bühne zurückgezogen). Heather Begg ist ein „Urviech“ von einer Marquise de Berkenfield und Gregory Yurisich ein schmunzel-komischer Sulpice. Richard Bonynge betreut das Ganze vom Pult aus. DZ
Aus Barcelona:
OTELLO/G. Verdi – 2006 – Tief erschütternd!- So muss Oper sein!
(OA 0963 D) Diese Opern-Musterproduktion von Willy Decker ist eine Co-Produktion zwischen den Opernhäusern von Brüssel, Genf und Barcelona (BB & K: John MacFarlane). Diese Art von Produktionsaustausch sollte man – wenn man doch so notwendig sparen muss – endlich auch wieder in Deutschland einführen. (Vor Jahren hatte die Bayer. STO zeitlich befristete Leihproduktionen aus Mailand/Falstaff und Wien/Manon, und die bekamen dafür eine Münchner Rusalka u. a.).
Dieser Decker’sche Otello ist aber auch eine wirkliche Musterproduktion: Ein ganz schlichter, hoher Raum, mit unterschiedlich einzurichtenden Wandstellungen und unterschiedlicher Beleuchtung. Besonders effektvoll das Bild mit der Spiegel-Rückwand im 3. Akt. Kulissen gibt es keine. Nur ein großes, schlankes Kruzifix wird unterschiedlich platziert und verwendet.
In diesem kargen Raum konzentriert sich nun alles auf die handelnden Personen, ohne jegliche unnötige oder unsinnige Ablenkung.
Und diese handelnden Personen spielen, dass es einem immer wider Gänsehäute über den Rücken jagt und einem des Öfteren die Tränen kommen. Das, was José Cura da treibt, ist schon fast darstellerische Selbstentleibung. Wie immer, muss man sich zunächst an sein Timbre gewöhnen, ist nach kurzer Zeit beeindruckt, wie raffiniert er alle Klippen dieser schwierigen Partie umschifft. Letztlich ist man nur noch fasziniert und gebeutelt, was dieser Mann da spielt, nein, durchlebt. Entsprechend emotionell ausgepumpt erscheint er nach der finalen Sterbeszene dann auch vor dem Vorhang. Vermutlich ist der Otello Curas beste Rolle, weil er in dieser zur Zeit wohl keine Konkurrenz zu fürchten braucht. Fesselnd und erschütternd auch das Zusammenspiel mit der sich intensiv auf ihn einlassenden Krassimira Stoyanova als wunderbar klar und beseelt singende Desdemona. Die beiden sind zudem extrem Nahaufnahmen tauglich.
Ein ausgesprochen sportlicher, ja tänzerischer Cassio, der vom Regisseur ganz schön herumgescheucht wird, ist der junge Vittorio Grigolo mit nettem Tenor. Auch der Titelheld geht ihm mehrfach ganz schön an die Gurgel. Als bildhübsche Emilia belebt Ketevan Kemoklidze zusätzlich die Szenerie.
Und das Böse in Persona – Jago: Lado Ataneli singt ihn mit kernig kraftvollem Bariton. Er erscheint eher als Biederling, was ja als „Tarnung“ ganz logisch ist; er „macht“ gar nicht viel. Dennoch werden zwei Fronten deutlich: Alle sind hell gekleidet, nur Otello und Jago dunkel. (Übrigens dürfen die beiden attraktiven Herren Grigolo und Cura durchaus mal Brust zeigen..) -
Antoni Ros-Marbà leitet musikalisch unterstützend das Drama. - Unbedingt kaufen! DZ
Aus Bilbao:
OBERTO/G. Verdi – 2007 – Ein Prachtbass, aber sonst...
(OA 0982 D) Dass Ildar Abdrazakov/Oberto mit seinem großen, warmen Prachtbass der stimmliche Haupttreffer dieser Einspielung sein würde, war abzusehen (Arie und Stretta im 2. Akt!!!). Dass Evelyn Herlitzius/Leonora, die sonst mit eher flackrigen Stimmmitteln gerne die Hochdramatische spielt, hier als Verdisopran überzeugen könnte, war doch eine angenehme Überraschung. Und erst bei ihrer finalen Wahnsinnsszene kommt dann auch Spannung auf; ansonsten schleppt sich das Stück doch recht fad dahin. Allerdings steht mit Carlo Ventre auch kein vollwertiger Gegenspieler für Abdrazakovs Oberto zur Verfügung. Die unschön timbrierte Tenorstimme nervt durch unruhiges Tremolo und vage Intonation; und Marianne Cornettis Cuniza kommt auch über ein solides Mittelmaß nicht hinaus. Yves Abels drakonisches Dirigat ist den Sängern nur z. T. hilfreich. Die konventionelle Produktion stammt von Ignazio Garcìa. DZ
Aus Zürich:
RIGOLETTO/G. Verdi – 2006 – Evviva Verdi!
(Arthaus 101 285) Jede italienische Oper ist in allerbesten Händen, wenn Maestro Nello Santi am Pult steht. Und ganz besonders bei Verdi, der von heutigen „Analytikern“ so gerne „zerlegt“ wird.
Bei Santi hat alles Saft, Kraft und Schwung, aber auch das nötige Feingefühl, wo gefordert. Für die Sänger heißt das, wir sind sicher wie in Abrahams Schoß. Und so können sie sich stimmlich nach Lust und Laune entfalten. Davon profitiert hier ganz auffällig Il Duca, Piotr Beczala. Beczala ist einer der bestmöglichen derzeitigen Ducas überhaupt, der neben seinem verschwenderisch strahlenden Tenor auch noch mit dem richtigen siegessicheren Strahlemann-Charme aufwarten kann. Und schließlich „die Träne im Knopfloch“ bei seiner Arie im 2. Akt – unwiderstehlich. (Beczala erinnert immer etwas an Kiepura und Lanza; nicht wegen etwaiger Ähnlichkeiten im Timbre, sondern wegen der puren Lust am Singen, die er, genau wie seine verstorbenen Kollegen es taten, in reichem Maße ausstrahlt).
Als Darsteller ist Leo Nucci in dieser Gilbert-Deflo-Inszenierung ungemein stimmig und intensiv. Mit seiner eher kleinen, ja zierlichen Statur gibt er ein sehr natürliches, tief berührendes Rollenportrait des unglücklichen Narren. Nur wäre das halt auch eine Rolle für einen echten, vollmundigen Verdi-Bariton. Nuccis Stimme klingt recht hart und trocken, fällt sogar zeitweilig in Sprechgesang. Nur den finalen Verzweiflungsausbruch haut er nochmal mit allem was er hat so richtig raus – in der hohen Version. Elena Moºuc singt die Gilda wunderschön, aber, wie bereits bei den letzten Münchner Festspielen, berührt sie nicht; sie schaut ihren Partnern kaum einmal in die Augen – so kann natürlich kein Funke überspringen. Eine fesche Maddalena, die genüsslich mit dem Duca flirtet ist Katharina Peetz und Laszlo Polgar beeindruckt nach wie vor mit seinem finsteren Bass als Sparafucile. DZ
Aus Paris (Palais Garnier):
DIE ZAUBERFLÖTE/W.A. Mozart – 2001 – Märchen mit Schrammen –
(TDK DVWW-OPMFP) Die Märchenbuch-Inszenierung von Benno Besson zeigt Schrammen, bzw. ruinöse Palastreste in Sarastros Reich. Das gesamte Personal ist märchenhaft gekleidet, allen voran Prinz Tamino und Pamina. Raffiniert effektvoll und doch einfach gemacht, der erste Auftritt der Königin (man sieht nur ihren Kopf aus einem spitzen blauen Berg ragen, mit dem sie anschließend wieder versinkt). Sarastro muss leider einen großen Eierkopf tragen (Zeichen für besonders viel Grips??) und Monostatos Ausstaffierung hat etwas ziemlich Rassendiskriminierendes. Selbst in Paris bedient man sich dreier niedlicher Tölzer Knaben zur Rettung Paminas und anderer Aufgaben. Nur der Chor bleibt von der märchenmäßigen Einkleidung ausgeschlossen (?).
Ivan Fischer dirigiert mit dem nötigen Esprit und die Sänger sind durchwegs treffend besetzt.
Auch hier gebührt die Siegespalme einmal mehr dem fast überladen märchenhaft gekleideten Prinzen Tamino von Piotr Beczala (aber er trägt’s mit Grandezza). Mit großartiger Gesangskultur, geradezu silbern glänzendem Timbre (Wunderlich lässt heftig grüßen) und allzeit natürlich sympathischem Spiel, gewinnt er nicht nur Paminas Herz. Das schlägt bei dieser Aufführung in Dorothea Röschmanns Brust, die eine recht frische Pamina in niedlichem Kostüm darstellt. Die Stimme von Désiré Rancatore ist für die Königin der Nacht vielleicht doch ein bisschen zu soubrettig, aber sie entledigt sich ihrer Aufgabe mutig. Matti Salminen als Sarastro – da gibt’s nicht zu kritteln. Detlef Roth ist ein ganz junger, spielfreudiger Papageno, dessen netter Bariton 2001 noch ausbaufähig wirkte. DZ
Aus New York:
FRANCESCA DA RIMINI von Riccardo Zandonai - 1984 –
- DG-DVD 440 073 4313 – Das ist eine der sinnvollsten Herausgaben überhaupt. Erstens weil es sich bei dieser Oper um ein leider sehr selten aufgeführtes und doch schön aufregendes Werk handelt; zweitens weil diese malerische Produktion von P. FAGGIONI/E. FRIGERIO absolut sehenswert ist und drittens weil hier eine Besetzung vom Feinsten am Werk ist.
RENATA SCOTTOs Stimme hatte zwar in diesen Jahren an Schärfe zugelegt, aber sie sah, seit sie nach Amerika gegangen war, derart reizend und zierlich aus und sang mit der ihr eigenen Emphase, die absolut niemanden kalt lassen konnte. Ihr Partner als schöner Paolo war PLACIDO DOMINGO, auch er ein Ausbund an körperlicher wie vokaler Attraktivität. Dass CORNELL MACNEILs Bariton schon etwas abgenutzt klang, stört bei dieser Bösewichterrolle keineswegs und WILLIAM LEWIS als Malatestino schien wirklich einem Gruselkabinett entsprungen. JAMES LEVIN ist der Dirigent. – Vollblutoper at it’s best! DZ
„bach cantatas“, Ton Koopman (NTV/Warner – 50514421565-22 )
In den letzten Jahren hatte der unermüdliche Ton Koopman alle Kantaten von Johann Sebastian Bach auf CD eingespielt. Nun sind ein paar Kantaten auch auf DVD erschienen. Nach den dürftigen Informationen auf der Box sind die Mitschnitte wohl bereits zehn Jahre alt. Ungewöhnlich ist zunächst, dass neben überwiegend geistlichen Kantaten („Actus Tragicus“ BWV 106, „Aus der Tiefen“ BWV 131, „Wachet auf“ BWV 140, „Herz und Mund und Tat und Leben“ BWV 147 und „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ BWV 56) auch die weltliche „Kaffee-Kantate“ BWV 211 vertreten ist. Die außerordentlich frische, halbszenische Darbietung in einem wunderschönen Caféhaus vergoldet jedoch diesen unerwarteten Ausflug.
Mit seinem Originalklang-Ensemble The Amsterdam Baroque Orchestra and Choir realisiert Koopman in kleiner Besetzung eine sinnlich warme Bach-Interpretation mit fein differenziertem Orchester- und griffigem Chorklang.
Die Solistinnen und Solisten fügen sich allesamt tadellos in dieses Bild ein: Els Bongers, Lisa Larsson und Anne Grimm mit ihren klaren, etwas körperlosen Sopranstimmen, Elisabeth von Magnus mit ihrem warmen Alt, Lothar Odinius, dessen Tenor vor allem im Weltlichen viel lebhafter wirkt, und der Bassist Klaus Mertens mit seiner sonoren, koloraturfähigen Stimme, die im Geistlichen heimatlicher klingt.
Durch die Aufnahme in verschiedenen, wunderschönen Kirchenräumen und die dezente Auf- und Abtritts-Regie von Jan de Roode entsteht ein stimmungsvolles Gesamtbild.
Als Extra werden zu fast allen der dargebotenen Kantaten Einführungsworte von Ton Koopman angeboten. Michael Hauptmann
Ken Russel, In search of the english folksong“ (NTV/Warner– 50514423494-29)
Dieser Film des britischen Filmemachers und Musikkenners Ken Russel kommt daher wie Peter Lustigs „Löwenzahn“-Fernsehsendung für Erwachsene: Ein schrulliger, älterer Herr ist allüberall und landauf-landab unterwegs auf der Suche nach den Wurzeln und den heutigen Formen des englischen Volksliedes (im Prinzip wohlbekannt durch Britten, Vaughan-Williams, Delius,...).
Das geschieht durchaus interessant und informativ. Der pure Klassik-Liebhaber wird jedoch von so manchen Ausflügen in Genres wie Rock, Pop und Folk abgeschreckt werden. Und natürlich von der visuellen Ästhetik, angesiedelt zwischen Kitsch und Trash.
Wer jedoch gerne dem Volk aufs Maul sieht, kann mit diesem Film durchaus Freude haben und Gewinn aus diesem kunstvollen Infotainment ziehen. Michael Hauptmann
STABAT MATER – A. Dvorak
– Arthaus 102 109 – Bereits von 1989 stammt dieser Konzertmitschnitt aus dem Konzertsaal des Hradschins in Prag, mit den Prager Philharmonikern, dem Tschechischen Philharmonischen Chor und dem Dirigenten Vaclav Neumann. Von den Sängern ist hier einzig die „große“ EVA RANDOVA nennenswert. YVONNE KENNEY singt „brav“ ihren Sopranpart, WIESLAV OCHMANs Tenor klingt hier alles andere als frisch und JAN GALLAs Bass überzeugt mal mehr, mal weniger.
Somit wäre die Platten-Aufnahme von 1982 mit dem gleichen Chor und Orchester unter Leitung von Wolfgang Sawallisch vorzuziehen, da dort ein attraktiveres Sängerteam zur Verfügung steht (Benackova, Wenkel, P. Dvorsky, Rootering). DZ
Aus Aix-en-Provence 7/2004 – DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL von W. A. Mozart
- BelAir-DVD BAC 028 – Aus Aix kommen immer wieder niedliche „Puppenstübchen“-Produktionen. War es im Jahr 2006 Rossinis „Italienerin in Algier“ so war es 2 Jahre vorher Mozarts „Entführung“. Dass dabei dann keine internationalen Groß-Stars dabei sind, spielt überhaupt keine Rolle, sind es doch überwiegend junge Sänger, die hier mit großer Lust und Laune in wunderhübschen, schlicht zweckmäßigen Ausstattungen das jeweilige Werk so richtig schön lebendig werden lassen. In J. DESCHAMPS/M. MAKEJEFFS Produktion singen unter MARC MINKOWSKIs Leitung: MALIN HARTELIUS/Konstanze, MAGALIE LÉGER/Blondchen, MATTHIAS KLINK/Belmonte, LOÏC FÉLIX/Pedrillo, WOJTEK SMILEK/Osmin, und SHAHROKH MOSHKIN-GHALAM ist der authentische Bassa. – Alle Jahre wieder .... DZ
Aus Mailand 1994 – Gaetano Donizettis „DON PASQUALE“
– TDK-DVWW-OPDPSC – Das ist eine rundum entzückende Realisation von Donizettis komischer Oper! FERRUCCIO FURLANETTO ist ein ganz goldiger Don Pasquale ohne dabei jemals ins Alberne abzugleiten, was bei italienischen Buffos so leicht passiert. Aber hier ist eben ein Basso Cantante am Werk, der sich mit Genuss einmal einer komischen Aufgabe stellt. Demgemäß ist er auch kein seniler Trottel sondern ein recht sympathischer Herr gehobenen Mittelalters, dem eine Heirat eigentlich ganz gut anstünde. Der gewitzte Dottore Malatesta ist LUCIO GALLO, ein begnadeter Schauspieler und stimmlich hier solide. GREGORY KUNDE ist Ernesto, noch jung und knusprig, die Stimme noch ganz knödelfrei strahlend.
Und über allem steht die absolut grandiose NUCCIA FOCILE als Norina. Sie ist ein wundervolles Biest, dabei bildschön und mit einem edlen lyrischen Sopran gesegnet. RICCARDO MUTI am Pult sorgt für die nötige Spitzigkeit einerseits und für wundervoll elegische Momente andererseits.
STEFANO VIZIOLIS traditionelle, aber keineswegs klamottige Inszenierung lässt allerbeste Stimmung aufkommen. DZ
Aus Genua 2006 – Gioachino Rossinis „LA CENERENTOLA“
– TDK-DVWW-OPLACEN – (Co-Produktion mit Neapel 2004)
Regisseur PAUL CURRAN hat die Story ins Jahr 1912, die Zeit des Jugendstils verlegt. Das klappt schon und die Kulissen sind auch recht hübsch anzusehen. Das Makeup der Künstler jedoch ist zum Teil fürchterlich, à la Stummfilm... Manche der Herren sehen aus, als wären sie eben erst einer Schlägerei entsprungen, so „verbatzte“ Augen hat man ihnen geschminkt. Und die beiden Roben der Cenerentola kleiden die Titelrollenträgerin bedauerlicherweise gar nicht gut.
Zum Musikalischen: RENATO PALUMBO führt den Stab mit Schwung und Pfiff, die Sängerschar zeigt sich von unterschiedlicher Qualität. SONIA GANASSI ist eine gute Cenerentola, wenn auch keine spektakuläre. ANTONIO SIRAGUSA brilliert in seinem Fach als Rossini-Tenor und Prinz. Die drei Herren der tieferen Stimmlagen jedoch enttäuschen stimmlich durchwegs: ALFONSO ANTONIOZZI überzeugt zwar darstellerisch als Don Magnifico, erweist sich vokal aber eher als stimmliches Neutrum. In der Rolle des Alidoro ist man auch bessere Bässe gewöhnt als den raustimmigen SIMON ORFILA. Die größte Enttäuschung stellt jedoch MARCO VINCO mit seinem trockenen, harten Bass dar. Unvorstellbar, warum er von manchen Kritikern so enorm gepusht wird, was nach diesem Dandini in keiner Weise nachvollziehbar ist. – Fazit: Ganz nett, aber es gibt insgesamt befriedigendere Alternativen, und sei’s die gute alte Ponnelle-Produktion. DZ
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