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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Film/Tv Aktualisiert: 10.03.2010 23:39:47
 
Ab 12. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
TÖDLICHES KOMMANDO - THE HURT LOCKER
The Hurt Locker /  2008 / USA
Regie: Kathryn Bigelow
Mit: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Guy Pearce, Ralph Fiennes u.a.
 
Apropos „Oscar“. Die Mitglieder der Academy hätten ja auch „Up in the Air“ wählen können, schönes Gemenschel mit verlogenem Anspruchs-Touch. Oder, noch schlimmer, „Avatar“ –   gute blaue Aliens gegen faschistisches Menschenpack, was spekulativ waberndes Gutmenschentum in den Zuschauerraum bläst. Aber nein, die Zeiten ändern sich. Man weiß noch, dass es während des Vietnam-Krieges höchstens amerikanische Heldenepen mit John Wayne gab. Als Michael Cimino mit „Die durch die Hölle gehen“ einen wirklich kritischen Film zum Thema drehte, war der Krieg schon Jahre vorbei. Mittlerweile bekennt man sich sogar schon in den USA zur unbewältigten Gegenwart, und die heißt Irak.
 
Regisseurin Kathryn Bigelow und ihr Film „The Hurt Locker“ bekamen ihre beiden „Oscars“ nicht, weil es Zeit war, eine Frau ranzulassen, oder weil der Film eine so besonders gut gemachte (wenn natürlich in Details auch recht spekulierte!) Sache ist. Nein, es geht darum, sich einem aktuellen Thema zu stellen. Wobei die Grundfrage des Films nicht (wie in „Green Zone“, der bald in die Kinos kommt) lautet: Was machen wir da eigentlich und gehören wir da her? Sondern: Was macht der Krieg aus unseren Jungs, die wir wieder einmal in die Hölle abkommandieren? 
 
Der Alltag des Krieges ist nur für diejenigen erträglich, die in der „Green Zone“ für Journalisten und Kapazunder oder auch in den Büros und Krankenbaracken bleiben dürfen (wenn der Doktor einmal mit ins Freie zieht, kommt er gleich um). Wer immer von den amerikanischen Soldaten im Irak hinaus auf die Straße muss, hat in irgendeiner Form den Tod vor Augen, denn er ist nicht der freundlich aufgenommene GI, der Dinge verschenkt, sondern Besatzer in Feindesland. Der Film von Kathryn Bigelow befasst sich mit jenen Männern, die den gefährlichsten Job überhaupt haben – der Munitionsräumdienst. Sie ruft man, um die Bomben zu entschärfen, die überall sein können (auch einem unschuldigen Mann um den Bauch geschnallt, der erschütternd um seine Rettung bettelt).
 
Für diese Soldaten ist jeder Einsatz russisches Roulette. Wobei dann, offen gesagt, „The Hurt Locker” unter dem Problem vieler Kriegsfilme leidet: Männer mögen das vielleicht noch „spannend“ finden, Frauen im Kino wissen nicht, was sie – so tragisch oder dramatisch das auch sein mag – an der Suche nach Sprengsätzen und dem diffizilen Agieren mit den Bomben finden sollen. Auch wenn die Regisseurin noch so eng und dramatisch auf die „Action“ ranrückt, dass es – um es einmal so zu formulieren – kein Mann anders oder besser machen könnte.
 

 
Das Drehbuch versucht Interesse von Seiten der Figuren her aufzubauen, wobei Staff Sergeant William James, der in Gestalt von Jeremy Renner als „Neuer“ und absoluter Spitzenstar seines Fachs bei der Truppe auftaucht, nicht unbedingt der sympathische Held ist, im Gegenteil. Renner, ein ungemein interessanter Schauspieler, wird schon von seiner Ausstrahlung her eher ein differenzierter, gebrochener Typ sein. Und solcherart agiert er dann auch mit seinen Kameraden, wobei es für alle (die anderen Soldaten und die Kinobesucher) ziemlich nervtötend ist, wie er das Spiel mit der Gefahr zu suchen und am Ende zu genießen scheint. Aber wahrscheinlich ist es eines der Geheimnisse dieses Films, Renner dabei zuzusehen und nicht zu verstehen, was in diesem Mann vorgeht, der die Reste der von ihm entschärften Bomben als Trophäen der seltsamen Art in einer Truhe sammelt…
 
Filme dieser Art, in denen sich keinerlei wirkliche menschliche Konflikte schüren, sind eher einförmig. Wenn einmal ein Junge ins Geschehen kommt, an dem James Interesse nimmt und den er später meint, tot gefoltert vorzufinden, dann rutscht dergleichen natürlich in den Kitsch. (Und wirft auch noch ein Streiflicht auf die „bösen“ Gegner – denn dass die US-Soldaten die Guten in einer bösen Umwelt sind, daran zweifelt der Film nicht, und das macht die schmutzigen, ruppigen Alltagstypen von Soldaten auf gewundenen Wegen ja doch zu „Helden“…)
 
Zu Beginn hat der Film die berühmte Formulierung vom Krieg als Droge gebraucht („The rush of battle is a potent and often lethal addiction, for war is a drug.“). Am Ende führt er diese Behauptung noch aus, wenn man die Hauptfigur William James wieder zuhause sieht, bei Frau und Kind, und wenn die Regisseurin hier tatsächlich meisterlich seine Verlorenheit in der „wirklichen Welt“ schildert. Anstatt froh zu sein, aus der Hölle draußen zu sein, meldet er sich bei erster Gelegenheit wieder zurück…
 
Und das ist eine ebenso schwer wiegende Erkenntnis wie sie anders gelagerte Filme wie „Coming Home“ oder „Geboren am 4. Juli“ nach dem Vietnam-Krieg gezeigt haben.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 12. März 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
AGORA – DIE SÄULEN DES HIMMELS
Agora / 2009 / Spanien
Regie: Alejandro Amenabar
Mit: Rachel Weisz, Max Minghella, Oscar Isaac u.a.
 
Historienfilme ohne skrupellose römische Kaiser, tapfere Gladiatoren, schöne oder fiese Hetären und ein Blutbad an armen Christen am Kreuz, sind schwer vorstellbar, denn auf diese Elemente haben die Sandalenfilme aller Art (die billigen und die teuren) das Thema Antike letztendlich reduziert. Aber der spanische Filmemacher Alejandro Amenabar, der 2004 mit „Das Meer in mir“ (einer genialen Sterbehilfe-Geschichte) etwas total anderes gezeigt hat, bietet mit „Agora“ etwas vergleichsweise Neues im antiken Faltenwurf. Hier geht es um die Liebe zur Wissenschaft, um den Geifer der Religionen, um das skrupellose Spiel der Macht. Angesiedelt in Alexandria im Jahre 391 nach Christus, existierte damals noch die berühmte Bibliothek von Alexandria, das Zentrum des Wissens der Welt (und in einem herrlichen historischen Ambiente großartig aufgebaut).
 
Lange Zeit geht es bloß um Hypatia, die es übrigens wirklich gab: „Hypatia von Alexandria“ war berühmt als Philosophin und Mathematikerin, hielt nicht nur vor der Jugend der Stadt in der Bibliothek ihre Vorlesungen, sondern befasste sich auch mit der Leidenschaft des Wissenschaftlers, dem die Geheimnisse der Natur keine Ruhe lassen, mit den Gesetzen des Weltalls, mit Planeten und Sternen. In den Anfangssequenzen scheint noch Privates Platz zu haben - nicht nur ihr junger kluger Sklave Davus ist in sie verliebt, auch Orestes aus bester Familie, aber erstens hat sie für Gefühle keine Zeit und keinen Sinn, und zweitens lassen die Ereignisse keine friedliche Entwicklung zu.
 
Mit geschickter Steigerung der Spannung zeichnet der Regisseur (als sein eigener Drehbuchautor) die Radikalisierung in der Stadt, als die verschiedenen christlichen Sekten sich gegen die alteingesessenen Religionen wehren und es zu blutigen, von keinerlei christlicher Nächstenliebe getragenen Auseinandersetzungen kommt, in denen Hypatia am Ende logischerweise untergehen muss, weil es ja so leicht ist, Frauen als Hexen zu verfemen und der Steinigung preiszugeben.
 
Die religiösen Auseinandersetzungen, die zu schweren politischen Zwängen führen und jeden Mann, den man im Lauf des Geschehens kennen lernt, zu schweren Entscheidungen zwingen (nicht immer sind sie ehrenhaft), beherrschen den Film, der Christen und Heiden (um bei dieser verkürzenden Formulierung zu bleiben) durchaus im Sinn eines bunten, sorglich und prachtvoll ausgestatteten Historienfilms aufeinander prallen lässt. Dennoch wird eine differenzierte Geschichte über Religion als Machtausübung erzählt, die sich damals schon auch der Naturwissenschaft bemächtigte und mit der Berufung auf „Gott“ Erkenntnisse der Forschung (und ihre Vertreter) in den Orkus beförderte.
 
Alejandro Amenabar konnte sich offenbar nur einen Weltstar leisten, aber mit Rachel Weisz hat er eine Idealbesetzung der intelligenten, wissbegierigen, liberalen, toleranten, klugen Frau gefunden, die bloß in der Zeitspanne, die der Film umfasst (man würde ein Jahrzehnt als Minimum annehmen), nicht das kleinste bisschen älter wird. Aber auch ihre Attraktivität zählt zu den Erfolgsgeheimnissen dieses Films, die Ausstrahlung, die von dieser schönen Märtyrerin der Wissenschaften, von diesem Opfer der Religionen ausgeht. Wer sich über ein Spektakel hinaus gern einmal zum Denken anregen lassen will, dem sei dieser Film sehr empfohlen.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 12. März 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
AUFTRAG RACHE
Edge of Darkness / USA / 2010 
Regie: Martin Campbell
Mit: Mel Gibson, Ray Winstone, Bojana Novakovic u.a.
 
Ein Mann sieht rot – das Thema wandert mit relativ geringen Variationen durch das Genre des Actionfilms. Das Muster ist immer dasselbe: Man entführe oder töte Familienmitglieder eines entschlossenen Mannes, und er wird nicht ruhen, bis er die Rache vollzogen hat. Es ist erstaunlich, dass Mel Gibson nach jahrelanger Pause mit einer Schema-F-Geschichte dieser Art auf die Leinwand zurückkehrt. Immerhin trägt der 54jährige seinem Alter und seinen mittlerweile zerfurchten Gesichtszügen mit der Rolle des Vaters einer erwachsenen Tochter Rechnung.
 
Gibson spielt einen Polizisten, der sich auf den Besuch der Tochter freut, die ihm ziemlich verwirrt vorkommt. Als sie vor seinen Augen erschossen wird, begibt er sich über ihre Bekannten und ihre Arbeit auf der Suche nach ihrem Leben, von dem er wenig weiß. Der Kinobesucher hat im Lauf einer etwas verworrenen Handlung mehrere Möglichkeiten, sich unter Bösewichten den schlimmsten auszusuchen: die Firma, die Atomwaffen herstellt; der Senator, der dies deckt; das FBI, das sich für schmutzige Aufräumungsarbeiten zur Verfügung stellt. Dennoch wird der Blutrausch für die finale Abrechnung aufbewahrt und fällt verhältnismäßig bescheiden aus.
 
Gibson steht als Persönlichkeit weitgehend allein auf weiter Flur: Die sympathische Tochter (Bojana Novakovic) erscheint vor allem in Rückblenden, also als kleines Mädchen. Und Ray Winstone als düsterer Hintermann, dessen Rolle ermüdend unklar bleibt, ist als Schauspieler nicht sehr interessant. Danny Huston als Emmas Chef muss von Anfang an aufdringlich unsympathisch sein. Der Film von Regisseur Martin Campbell arbeitet nicht mit den üblichen künstlichen Spannungsmitteln, eine Verfolgungsjagd per Auto hat eher bescheidenen Zuschnitt: Eigentlich unglaublich, dass dieser Regisseur so schwungvolle Filme wie die letzten „Zorros“ mit Banderas oder den „Casino Royale“-Bond gedreht hat.
 

 
Also bleibt nur Gibson selbst, der gewissermaßen einen „besonnenen“ Rächer spielt, einen spirituellen Mann, der von der Erinnerung an die Tochter geleitet wird. Sie ist es auch, die ihm am Ende die Hand reicht, wenn er ins Jenseits eingeht – ein Hollywood-Ende der üblichen rührenden Art für ein B-Movie, wenn es je eines gegeben hat.
 
Heiner Wesemann
 

 
Ab 12. März 2010 in den österreichischen Kinos
  
 
ZUM DRITTEN POL
Ein Dokumentarfilm von Andreas Nickel und Jürgen Czwienk.
Deutschland 2008 
 
Spät kommt er, doch er kommt, der bemerkenswerte Dokumentarfilm über Hochleistungssportler, die nie jene breite Popularität gewonnen haben wie andere von Hillary bis Messner. Reinhold Messner selbst aber und der in Bergsteigerkreisen prominente Sir Christian Bonington zählen zu den sachkundigen Kommentatoren des Films, der das Ehepaar Hettie und Günter Oskar Dyhrenfurth in den Mittelpunkt stellt, deutsche Juden, die sich vor dem Nationalsozialismus rechtzeitig in die Schweiz abgesetzt hatten. Und die Deutschland gerade dort herausforderten, wo man sich für unschlagbar hielt – in den Bergen. Es ging damals, in den zwanziger und dreißiger Jahren, um die Achttausender des Himalaya, die noch eine unbezwungene Herausforderung darstellten.
 
Dieser Film über das Ehepaar Dyhrenfurth, das die Nazis bei den Olympischen Spielen 1936 mit der Goldmedaille für Alpinismus ehren mussten, wurde durch das eigene Filmmaterial ermöglicht, das sie von ihren Expeditionen hergestellt haben, und durch die Mitarbeit ihres mittlerweile 90jährigen Sohnes Norman, der Amerikaner wurde und nicht nur als Bergsteiger und Expeditionsleiter, sondern auch als innovativer Kameramann und herausragender Regisseur von Bergfilmen Ruhm erlangte. Er spürt nun als liebevoller Erzähler den Eltern bei ihren Himalaya-Expeditionen in den zwanziger und dreißiger Jahren nach, wobei seine Mutter beispielsweise über Jahrzehnte hinaus jene Frau war, die es in den Bergen „am höchsten hinaus“ geschafft hatte.
 
Die Schwarzweißfilme, mit denen sich die Dyhrenfurths selbst erst auf ihrer Reise nach Asien dokumentierten (bei der Unterbrechung in Ägypten liefen die wohl trainierten Bergsteiger in acht Minuten die Cheops-Pyramide hinauf), dann auf den Bergen selbst mit vielen absolut erstaunlichen Aufnahmen, sind Meisterwerke früher Bergfilmarbeit, denkt man an die Zeit und an die Umstände, unter denen sie entstanden sind: ein faszinierendes Erlebnis für den Zuschauer von heute.
 
  
 
Als flankierende Maßnahme zum Start dieses Films sind auch Bücher der Dyhrenfurths wieder auf dem Markt: „Zum dritten Pol“, die Geschichte der Familie, und „Himalaya“, ein grandioser Schwarz-Weiß-Fotoband, in dem Norman Dyhrenfurth die Expeditionen von 1952 bis 1971 dokumentierte, an denen er teilhatte.
 
Renate Wagner
   

 
Ab 12. März 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
UDO PROKSCH - OUT OF CONTROL
Dokumentarfilm / 2010 / Österreich
Regie: Robert Dornhelm
 
Was hat Rudolf „Udo“ Proksch (1934 – 2001) in seinem Leben je Nachweisliches geleistet? Er hat den „Goldfinger“ erfunden (nicht den Film, sondern den Fingerschmuck) und Brillen kreiert, von denen einige millionenfach verkauft wurden. Er hat von 1972 bis 1991 die Wiener Nobelkonditorei Demel mit aller Anteilnahme der Medien lautstark geleitet. Im übrigen wurde er, der seine faschistoide Freude an Waffen, Gewalt und Macht nie verborgen hat, wegen fünffachen Mordes und Betrugs – Vorwürfe, gegen die er sich nie verteidigt hat - zu 20jährigen Freiheitsentzug verurteilt und starb 2001 im Gefängnis. Er war ein Krimineller, der sich in wahrlich Warhol’scher Manier inszeniert und präsentiert hat, und zahllose „Promis“ sind ihm auf den Leim gegangen. Kurz gesagt, man könnte sich würdigere Objekte vorstellen, über die eine Dokumentation zu erstellen wäre. Aber Robert Dornhelm, der immerhin einer von Österreichs Parade-Regisseuren ist, zeigte sich von dem „Sittenbild der Zweiten Republik“ fasziniert, das er an der Gestalt von Udo entwickeln wollte.
 
Es ist ein Dokumentarfilm, der nur die Dokumente sprechen lässt. Das vorhandene Material aus dem Proksch-Nachlaß enthält nicht nur jede Menge von Interviews mit ihm selbst, in denen er sich eitel und provokant selbst bespiegelt (und auch schrecklich viel Blödsinn redet). Es gibt auch viel von dem Amateurfilmhaften, mit dem er sich selbst zum Filmemacher stilisieren wollte. 30.000 Exponate zum Thema Proksch sind vorhanden, Briefe, Zeitungen, seine Zeichnungen und Entwürfe (am ehesten war er ja noch, als er sich „Serge Kirchhofer“ nannte, ein Schicki-Micki-Designer). Und interessanterweise sind zahllose Menschen vor die Kamera gegangen, um über Udo zu sprechen, nicht nur seine Ex-Ehefrauen Erika Pluhar und Daphne Wagner, auch Politikerfreunde wie Karl Blecha oder der mittlerweile verstorbene Helmut Zilk, Promis wie Gerd Bacher, Niki Lauda, Karl Schranz, sogar der Staatsanwalt, der ihn hinter Gitter brachte und der ein Schmunzeln über diesen Mann nicht verbergen konnte.
 
Interessanterweise hat niemand diesen Udo Proksch verleugnet, obwohl die enge Verbindung mit ihm nach und nach zur Peinlichkeit wurde. Dieser bunte Hund, der immer wieder als „genial“ bezeichnet wird, hätte vermutlich einmal abgesehen von der Lucona – seinem Kapitalverbrechen – Österreich noch einen weit größeren Skandal bescheren können, hätte er nicht eine so noble Ehefrau gehabt. Denn Proksch war nicht nur „Netzwerker“, wie man das Gemauschel unter Freunderln auch nobel bezeichnen kann, er war auch Zuhälter. Im Demel gab es nicht nur seinen „Club 45“, wo jeder, der etwas von sich hielt, „einmal vorbeigeschaut haben musste“ (vom Kanzler bis zum Kardinal!!!), er stellte den Herren für ihre Nutten-Schäferstündchen auch Zimmer zur Verfügung – und knipste sie bei dieser Tätigkeit. Als er die Fotos, die er als seine „Lebensversicherung“ betrachtete (mancher Politiker hätte wohl alles dafür gegeben), seiner Gattin (oder schon Ex-Gattin) Daphne Wagner brachte, hatte diese die Einsicht und Voraussicht und wohl auch den Anstand, sie zu verbrennen. Sie hätte damit viel Geld machen und sehr viel zum Einsturz bringen können…
 

  
Robert Dornhelm liefert in diesem Film, der mit großer Virtuosität am Schneidetisch entstanden ist, keinen einzigen Kommentar von außen. Er lässt Proksch, seine Freunde und Bekannten sprechen, schneidet Filmmaterial dazwischen, lässt Briefe lesen. Er baut spannungsreiche und witzige Widersprüche auf – und er ist seinem Objekt erlegen (man könnte sagen, wie Joachim Fest einst Hitler bei dem Dokumentarfilm über diesen, aber der Vergleich hinkt in beide Richtungen). Der dickliche, unschöne, proletarische Udo (von dem es hieß, man rieche ihn, bevor er noch da sei) ist für die Nachwelt, wie er da so auf der Leinwand erscheint, eine unbegreifliche Gestalt. Was konnte an ihm faszinieren? Gut, die Politiker-Schar, die ihm auf den Leim ging (in diesem Fall schritten die SPÖ-Herren voran), war gewiß keine Intellektuellen-Elite, aber es gab doch – von Kreisky bis Bacher – auch Leute darunter, die sicherlich nicht blöde waren und die nicht ohne weiteres von einem aufgeblasenen Selbstdarsteller überfahren werden konnten. Und da sind ja auch noch die Pluhar und Wagner-Urenkelin Daphne, zweifelsohne Klasse-Frauen, die sich Udos krimineller Energie durchaus bewusst waren (blaue Flecken und Angst vor seinen geladenen Waffen gehörten wohl zum Erscheinungsbild seiner Frauen-Beziehungen), und die dennoch mit lächelnder Noblesse über ihn sprechen – kein böses Wort, wie auch sonst niemand. Und zumindest das ist erstaunlich.
 
Am Ende der knapp eineinhalb Stunden ist man zwar immer noch nicht der Ansicht, dass der Mann ein „Denkmal“ dieser Art wert ist, und die wahre Analyse des Österreichs nach dem Krieg ist ja nun auch nicht geworden. Aber als Kuriosität wäre er wohl nicht zu erfinden. Da überragt das Drehbuch des Udo Proksch für Udo Proksch alles, was sich ein noch so wüster Drehbuchautor hätte ausdenken können.
 
Renate Wagner
 
 
 
Ab 12. März 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
JERRY COTTON
Jerry Cotton / 2010 / Deutschland
Regie und Drehbuch: Cyrill Boss & Philipp Stennert
Mit: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Christiane Paul, Monica Cruz, Heino Ferch, Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup, Jürgen Tarrach u.a.
 
Warum waren - man gibt gerne zu, sich damals herrlich amüsiert zu haben – die Parodien auf die Edgar-Wallace-Filme („Der Wixxer“ & Co.) so amüsant? Weil jeder die alten Schwarzweiß-Filme kannte, zumindest einige von ihnen – es gab sie Dutzendweise, und Kabel 1 wiederholt sie laufend. Warum ringt dem Kinobesucher hingegen die Leinwand-Version von „Jerry Cotton“ kaum ein müdes Lächeln ab, obwohl sie von denselben Herstellern- Cyrill Boss & Philipp Stennert - stammt? Weil der Bezugspunkt fehlt. Die „Jerry Cotton“-Romane waren, wenn ich mich nicht irre, typische „Schundhefterln“ aus den 50er Jahren (und das ist sehr lange her). Sie wurden zwar auch verfilmt, aber die paar Schwarzweiß-Krimis mit George Nader (vergessen!) geben keine Erinnerungsstütze für das Kinopublikum ab. Man begegnet also einem deutschen Blödel-Krimi, der bezugslos dasteht, weil er sich nirgends anlehnen kann. Und dabei gehörig ins Wackeln kommt.
 
Na gut, da ist also Jerry Cotton, cooler FBI-Agent, der im Stil des Films Noir aus dem Off seine Geschichte in Ich-Version erzählt. Zuerst über den Ärger, den er mit Gangsterboß Sammy Serrano hatte (der aber jetzt ja wohl tot ist – oder nicht?). Und er mag auch nicht, dass ihm sein Chef einen doofen Assistenten aufhalst. Aber es gibt ja schrecklich schlaue Gegner, die es doch tatsächlich schaffen, Jerry Cotton (den Jerry Cotton!) als Mordverdächtigen erscheinen zu lassen. Was sonst noch so passiert? Da ist eine schöne Frau im Nachtclub, die sich in klugem Instinkt auf Jerrys Seite schlägt, und ein deutscher Gangsterboss, der am Ende nicht ist, was er scheint – und auch noch eine Chefin bei der Polizei, die jede „strenge Herrin“ in die Tasche steckt. Irgendwann muss das Ganze noch zu ein paar Pointen zusammen fließen, die nicht viel hermachen, aber die ganze Parodie ist ohnedies nicht wegen der Geschichte da, sondern einzig wegen der Interpreten.
 

 
Der Witz an Christian Tramitz (der sich offensichtlich ganz von Freund „Bully“ Herbig getrennt hat) ist natürlich, dass nichts an diesem treubraven Hundeblick einen Superagenten des FBI glaubhaft macht. Mit komisch bombastischem Ernst gespielt, ist das der Weg, dergleichen funktionsfähig zu machen, aber wenn man ehrlich ist, dann stiehlt ihm Christian Ulmen als der töricht-beflissene Assistent komplett die Show. Zwei Damen liefern einen durchaus sehenswerten Schaukampf: Christiane Paul macht sich einen Spaß aus grimmigem Domina-Gehabe, und von der sexy Malena würde man sagen, dass sie glatt aussieht wie eine etwas gröbere Ausgabe von Penelope Cruz – nun, es ist Monica Cruz und die Schwester der Genannten. Zu einem „Oscar“ wird sie es wohl nie bringen, aber sie ist auf die konventionelle Bardamen-Art sexy. Moritz Bleibtreu blödelt sich einen Gangster runter, und den bösen „Klaus Schmidt“ muss man dreimal ansehen, und auch dann erkennt man unter der Maske Heino Ferch noch immer nicht. Man hat an der Besetzung nicht gespart, da tauchen noch Herbert Knaup oder Jürgen Tarrach auf, und niemand wird sagen, dass der deutsche Film nicht jede Menge exzellenter Schauspieler hat.
 
Wer sich mit diesen begnügt, für den ist dieser Film vielleicht sogar sehenswert. Um Jerry Cottons willen muss man ihn allerdings nicht sehen. Nein, danke, keine Fortsetzung, Euch allen ist schon beim ersten Mal nicht viel eingefallen!
 
Renate Wagner
 

 
Ab 5. März 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
ALICE IM WUNDERLAND
Alice in Wonderland / USA / 2010 
Regie: Tim Burton
Mit: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway u.a.  
 
Wer der Alice des Lewis Carroll möglicherweise schon als Kind begegnet ist und mit ihr ins Wunderland und dann „durch den Spiegel“ ging, um in einer absurd-reizvollen, hintergründig-naiven Kinderwelt seinen Weg zu suchen (optisch geprägt von den Illustrationen John Tenniel), der wird sich in der Neuverfilmung von Tim Burton nicht recht heimisch fühlen. Dass so vieles anders ist als im Buch, muss man akzeptieren – Künstler haben das Recht, sich nach eigenem Ermessen mit anderen Künstlern auseinanderzusetzen. Aber die wild-skurrile Pop-Show à la Burton ist eben vor allem das - und fort ist die Alice unserer Kindertage, nicht nur, weil es keine Spielkarten und kein Schachspiel gibt, die in den Büchern so wichtig sind. Und wenn man später, selbst erwachsen, erkannt hat, dass es in den Büchern von Lewis Carroll im Grunde um Denkformen und Denksysteme geht, keine Angst: Hier im Kino wird man dergleichen nicht finden…
 
Da begegnet man zuerst einer unbekannten Alice, recht erwachsen, heiratsfähige 19 in einer viktorianischen Gesellschaft. Der Vater tot, die Firma verkauft, die Mutter ist froh, wenn sie Alice einem jungen Lord in die Arme werfen kann, egal, wie unsympathisch dieser sein mag. Aber sein Vater hat die Firma von Alices Vater gekauft, und solcherart knüpfen sich Geschäftsbedingungen. Kurz, hier wird eine gänzlich neu erfundene Rahmenhandlung geboten, die sich um eine erwachsene Alice rankt, von der man sympathischerweise nur erfährt, dass sie gar keine Lust hat, den Konventionen zu folgen.
 
 
Immerhin, auch ihr Führer ins Wunderland ist erst einmal ein Hase, dann rutscht sie, wie im Buch vorgesehen, in die Höhle des Hasen, um in einer seltsamen Welt zu landen – ja, die Grinsekatze ist auch da. Und in der Folge die eine oder andere Figur. Die weiße und schwarze Königin des Schachspiels in „Alice hinter den Spiegeln“ werden nun als „böse“ rote Königin und „gute“ (wenn auch recht seltsame) weiße Königin Gegenspielerinnen in einer Geschichte, die sich in Jugend-Action ausweitet, im „Hutmacher“ eine ausgefeilte komische Begleiterfigur für Alice erhält, und wo Alice am Ende sogar selbst das Schwert zücken und einen Kampf mit dem Drachen ausführen muss, bevor sie wieder auf die Erde zurückkehrt, die angebotene Heirat ausschlägt und offenbar eine Weltenbummlerin wird, die es bis China zieht…
 
Wenn etwas an dieser neuen, in Ausstattung und Handlung weidlich schrillen „Alice“ einigermaßen poetisch bleibt, dann ist es die Titelheldin selbst in Gestalt der hierzulande noch nicht bekannten Mia Wasikowska. Ihr erstaunter Blick – der sie den ganzen Film hindurch begleitet, in der realen Welt und in der Wunderwelt – reflektiert etwas von dem eigenen Erstaunen, an das man sich in der Auseinandersetzung mit den Büchern erinnert. Bei ihr findet sich menschliche Glaubwürdigkeit. Johnny Depp hingegen als Hutmacher ist einfach ein wild geschminkter Clown, der in jedem Tim Burton-Film im Grunde dieselbe Show abzieht, grimassierend und tänzelnd. Es erscheint wie eine leichte Übung in Routine. Da ist Helena Bonham Carter schon differenzierter, die man als „rote Königin“ in exzentrischer Schminkmaske kaum erkennen würde, wüsste man nicht, dass sie es ist. Witzig, wie sie die „Bösheit“ versprüht. Und es gibt der ganzen Sache, die eigentlich immer wieder recht langweilig wird, einen Hauch von Spannung, wenn die „weiße Königin“ (Anne Hathaway, Gesicht weiß, Haare weiß, Blick verdächtig) keineswegs die unreflektierte „Gute“ ist, sondern zumindest Rätsel aufgibt… Der Rest der „Darsteller“ hat, mit Ausnahme des kaum erstrebenswerten Ritters Stayne (Crispin Glover) und dem Tweedledee / Tweedledum-Nonsens-Pärchen (Matt Lucas) keinen menschlichen Hintergrund – Hasen, Katzen, Frösche, Raupen und anderes Getier wieseln und schwirren herum, rauchen wohl auch mal, sprechen mit Menschenstimmen und sind – wie der Werbetext sagt – das Ergebnis „einer noch nie da gewesenen Kombination aus Live-Action, CGI und 3D Performance Capture“. Wenn man von den technischen Finessen des gegenwärtigen Filmemachens (wo die Menschen wohl nur noch eine kleine Rolle spielen) nichts versteht, nimmt man solche Erklärungen hin.
 
  
 
Nur eines noch: Gefilmt wurde wieder (das nächste Großprojekt nach „Avatar“) in „3 D“, und es wird auch andere Leute geben wie mich, denen es höchst unbequem ist, diese Brillen aufzusetzen, das Bild dann schlimmstenfalls so dunkel zu sehen, als säße man mit Sonnenbrille im Kino, aber für das Absetzen der Brille mit gänzlich verzerrter Optik bestraft zu werden… Natürlich, die Story bietet zahllose Sequenzen, die aus der „Tiefenoptik“ profitieren, es wird gefallen, geflogen, gelaufen, und manchmal wird auch (scheinbar) etwas direkt in Richtung Kamera geworfen, so dass man sich duckt, um es nicht ins Gesicht zu bekommen. Aber so sensationell sind diese Effekte auch wieder nicht, dass man nicht mit einer ganz normalen Kinofassung auskäme, die auch mit Sicherheit weniger Kopfweh machte. Burton und 3 D als Strafverschärfung – das ist die Alice im Monty Python-Stil (die ja bekanntlich nach „Jabberwocky“  - dem berühmtesten Nonsense-Gedicht aus Alice - einen eigenen Film benannt haben…). Dass das Ergebnis „heutiger“ ist als alles, was Carrol je geschrieben und Tenniel je gezeichnet und gemalt hat, kann allerdings nicht geleugnet werden.
 
Renate Wagner
 
 

 
Ab 5. März 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
MÄNNER, DIE AUF ZIEGEN STARREN
The Men Who Stare at Goats / USA / 2009
Regie: Grant Heslov
Mit: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey u.a.
 
„PSI“ war in den siebziger und achtziger Jahren eine große Sache. Russen und Amerikaner arbeiteten daran, die paranormalen Kräfte des Menschen zu erforschen, zu vermessen und für militärische Zwecke in den Griff zu bekommen. Die Menschheit bekam Gelegenheit darüber zu staunen, „was gestern noch als Wunder galt“, und zahllose Bestseller wanderten über den Büchertisch. Dahinter steckte letztendlich auf Seiten beider Supermächte die Idee der kriegstechnischen Nutzung solcher Fähigkeiten, was sich letztendlich als Superflop erwies. Und heute kann man – spätestens in der Ära Obama – herzlich darüber lachen, was die Reagans (und vielleicht auch noch Bushs?) sich diesbezüglich erträumt haben.
 
Nun hat man einen ebenso schrägen wie vergnüglichen Film darüber gedreht, wie sich harte Militärs dazu überreden ließen, tatsächlich eine PSI-Sondereinheit aufzustellen und Männer als „Jedi-Ritter“ in „Übersinnlichkeit“ auszubilden (dahinter stand Reagans „Krieg der Sterne“, an den er ernsthaft geglaubt hat). Dass hier am Ende nur die Hippies und New Age-Jünglinge reüssierten, wird ebenso parodistisch gezeigt wie die „Nutzung“ der Fähigkeiten: Männer, die auf Ziegen starren, können vielleicht einmal eine davon zu Fall bringen… Mehr dürfte bei diesem Projekt nie herausgekommen sein.
 

 
Und genau darum geht es in dem Film, wo Bob Wilton, ein junger Journalist, in den Golf-Krieg gerät und auf einen der späten Jedis stößt: Dessen zweifelhafte Fähigkeiten bewahren die beiden jedoch weder vor den Schrecken der Wüste noch vor jenen der Gefangenschaft. Und als Wilton endlich wieder zuhause landet und seine Erlebnisse in einer großen Enthüllungsstory platzen lassen will, kauft ihm diese niemand ab…
 
Der Spaß des Films sind jene Sequenzen, wo Wilton mit dem „Ziegenstarrer“ Lyn Cassidy, dem angeblich besten aller „Übersinnlichen“ unterwegs ist. Da quirlt der Blödsinn nur so, wenn Ewan McGregor – in einer Rolle, die jener des “Ghostwriters” übrigens ziemlich ähnlich ist – als naiver und seriöser junger Mann auf George Clooney trifft, der mit dem Ernst, den eine solche Situation erfordert, den größten Bullshit verzapft. Clooney erweckt immer wieder den Verdacht, dass hinter seinem picobello Womanizer-Gesicht ein kluger Kopf stecken könnte: Diese Art von Filmen macht er gerne, die ihre politischen Bomben mit hinterfotziger Unschuldsmiene servieren. Auf der Autoren / Produzenten / Regie-Ebene läuft ein feines Clooney-Netzwerk ab. 
 
Vollends zur Blödel-Show wird der Film von Grant Heslov, wenn er zum Militär rückblendet und zeigt, wie Bill Django, der in Vietnam wohl zu viel gekifft hat, die „New Earth Army“ gründet: Jeff Bridges flippt in Blumenkind-Manier aus. Und ein gewisser Larry Hooper macht die Sache aus Ehrgeiz und Missgunst glücklicherweise kaputt: Kevin Spacey ist die perfekte Giftspritze.
 
Der Film verkündet im Vorspann, mehr von dem, was man zu sehen bekommen wird, sei „wahr“, auch wenn man es nicht glauben möchte. Aber die „Mikrobe der menschlichen Dummheit“, von der Lustspielautor Curt Goetz einmal sprach, ist verbreitet genug, um auch vieles an diesem Film für möglich zu halten.
 
Heiner Wesemann
 

 
Ab 25. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
DER RÄUBER
Österreich, Deutschland / 2010
Regie und Drehbuch: Benjamin Heisenberg
Mit: Andreas Lust, Franziska Weisz u.a.
 
„Räuber“ – der Begriff hat zwischen Schiller und Hotzenplotz einen romantisch-dramatischen oder auch komischen Anstrich. Nichts davon in diesem Film von Benjamin Heisenberg, der möglicherweise eher „Der Läufer“ heißen sollte und nichts weniger als eine abgründige Studie und eine (unaufgelöste) existenzielle Geschichte ist. Es gab viele Vorstufen in Realität und Literatur für diesen Film, der nun – für Österreich sehr ehrenhaft gelobt bei der Berlinale – in die Kinos kommt: Einen echten Bankräuber namens Johann Kastenberger, „Pumpgun-Ronnie“ genannt, Marathonläufer und mehrfacher Mörder, dessen Lebengeschichte hier deutlich zugrunde lag, als Martin Prinz 2002 den Roman „Der Räuber“ schrieb, den der deutsche Regisseur Benjamin Heisenberg nun verfilmte. Dabei beließ er die Handlung gänzlich in ihrem österreichischen Ambiente, das allerdings zwischen Großstadt, Wienerwald und Autobahn nicht das übliche reizvolle „Wien und Umgebung“-Bild liefert. Die Außenwelt reflektiert gewissermaßen die Trostlosigkeit der Geschichte.
 
Und diese ist das Psychogramm eines Mannes, den man nicht durchschauen kann. Er heißt hier Johann Rettenberger, und schon im Gefängnis kann man ihm dabei zusehen, wie er im Gefängnishof stur läuft und läuft und läuft und wie er in der Zelle auf einem Laufband weitertrainiert. Aber eine begreifliche Motivation wie möglicherweise Besessenheit lässt er nicht erkennen. Er weist jegliche menschliche Anteilnahme, die ihm vor allem der für ihn zuständige Psychologie (Markus Schleinzer, wunderbare Gutmenschen-Bemühtheit) ehrlich entgegenbringen will, schroff zurück. Wieder in Freiheit, etabliert er sich als siegreicher Marathonläufer. Bei Erika, einer ehemaligen Freundin, zieht er auf ihre Aufforderung ein. Und dann überfällt er kleinere Banken. Das Geld stopft er unter sein Bett. Er kommuniziert nicht. Als ihm der Psychologe, der als sein Bewährungshelfer tätig ist, auf die Nerven geht, erschießt er ihn einfach. Damit beginnt die Jagd auf ihn, die letztendlich zum Showdown führt – im wilden Sprint durch den Wienerwald findet er eine Höhle und kann die Polizei austricksen, auf der Autobahn ist es dann zu Ende. Ja – und?
 

 
Es gibt immer Menschen, die sich der Mitwelt gegenüber gänzlich verschließen, und diese stellen in der Kunst eine besondere Herausforderung dar. Aber der „Räuber“ sollte doch für den Kinobesucher eine Art von Leitfaden bereit halten, was hinter dieser ehernen Miene steckt. Aber man erfährt nichts von ihm – nicht, woher er kommt, wer er war, wie er geworden ist, was er ist; nicht, was er will, was er denkt, warum er die Überfälle verübt (wobei ihn das Geld offenbar nicht interessiert), und vor allem und am wichtigsten: Was er eigentlich denkt oder – man verzeihe das Wort – „fühlt“, nachdem er den Sozialarbeiter, der ihm nur das Beste wollte, brutal ermordet hat?
 
Da ist die „Liebesgeschichte“ gar nicht so wichtig – dass sie auf die Initiative der Frau zurückgeht und der Läufer sie emotionslos benützt, so lange er sie braucht, ist ziemlich klar. Aber warum raubt er, was bedeutet ihm ein Mord, und wohin will er eigentlich davonlaufen? So perspektivelos kann niemand sein – vor allem keine Figur in einem Film. Doch offenbar ist es genau das, was der Regisseur vermitteln wollte.
 
Das Faszinosum des Films ist Andreas Lust, dessen Gesicht auch dann eine Maske ist, wenn er sie nicht trägt (wie bei den Banküberfällen): kalte Starre, Reaktionslosigkeit, wie aus Stein gemeißelt, ein Automat, ein lebender Toter. Dazu kommt dieser Körper, den man lernt, bei seinen gnadenlosen Läufen als „stählern“ zu empfinden. Man könnte ihn so, wie er ist, als eine der leblosen Cyber-Kampfmaschinen einsetzen, die sich das amerikanische Kino so gern ausdenkt, ohne dass er den ewigen Kino-Reiz des „einsamen Wolfs“ ausstrahlte. Auch um die Erika der Franziska Weisz ist Verschlossenheit, da werden Emotionen wohl verborgen, aber es gibt sie wenigstens. Sonst wäre da nur Erschrecken darüber, wie sich in manchen Menschenköpfen die Welt malt – und wie dies naturgemäß schief gehen muss. An Leuten wie diesem Rettenberger kann man nur scheitern. Es ist ein Wunder, dass es dem Film nicht passiert ist, obwohl er uns nichts weiter als sein elementares Dasein hinstellt, ohne die elementare Frage zu beantworten, wie er „tickt“.
 
Renate Wagner 
 

  
 
Ab 26. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
SHUTTER ISLAND
USA / 2009
Regie: Martin Scorsese
Mit: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Max von Sydow, Patricia Clarkson, Emily Mortimer, Michelle Williams u.a.
 
Martin Scorsese hat sich schon glanzvoll im Gefilde des Psychothrillers umgetan, aber in „Shutter Island“ geht er viel weiter – da mischen sich Horror-Elemente mit jenen konkreter politischer Vergangenheit, politische Ängste mit Wahnvorstellungen. Was heraus kommt, kann man nicht anders als „stark“ nennen, und kinogerecht genug, um am Ende auch eine Wendung zu nehmen, die absolut nicht neu ist, aber den Zuseher dennoch eine zeitlang programmgemäß in Verwirrung stürzt, was er nun eigentlich glauben soll…
 
„Shutter Island“ gibt es wirklich, eine Inselfestung in der Nähe von Boston, und hier werden fern des Festlands geisteskranke Gewalttäter in einer Hochsicherheitsklinik „verwahrt“ – von Ärzten, die versichern, mit aller Humanität zu verfahren. Gedreht nach einem Erfolgsroman von Dennis Lehane, blendet die Geschichte in die fünfziger Jahre zurück, was heutzutage dank der ausgefeilten Ästhetik, die sich hier entfalten lässt, ja schon fast einen „Kostümfilm“ gibt. Mit charakteristischem Hut und Mantel führt sich Marshall Teddy Daniels bei der wackligen Überfahrt nach Shutter Island mit Seekrankheit ein, während sein Begleiter Marshall Chuck Aule weniger anfällig zu sein scheint.
 
Das zarte Nervenkostüm von Daniels, der den Fall einer verschwundenen Verrückten untersuchen soll, wird dem Publikum schnell klar gemacht. Der Mann hat Schlimmes hinter sich – als Soldat im Zweiten Weltkrieg war er bei der Befreiung eines Konzentrationslagers dabei, und die Schreckensbilder der Insassen sitzen ebenso in seinem Kopf wie der sterbende Nazi, den er erschossen hat. Noch schlimmer ist allerdings, dass er offenbar seine Frau bei einem Brand seines Hauses verloren hat und sie immer noch die Gewohnheit hat, ihm blitzartig zu erscheinen, als wäre sie am Leben. Kurz, irgendetwas stimmt nicht mit diesem armen Kerl, und die Atmosphäre der Insel mit ihren verrückten Insassen ist schon für den Kinobesucher verstörend genug, wie erst für den gequälten Marshall, der in Gestalt von Leonardo DiCaprio extreme, verbitterte Düsternis versprüht.
 
Scorsese mischt Bedeutungsschweres mit simpler Krimispannung – mit den Augen von Marshall Daniels erscheint dem Zuschauer alles auf Shutter Island verdächtig: ein Arzt, der zu freundlich ist, um wahr zu sein, ein anderer, dem man alles zutraut. Kranke, die vorgeführt werden und wie manipuliert wirken. Und was eben noch so dazu gehört – alte Gebäude, Gänge, Zellen, wozu sich stimmungsfördernd ein gewaltiges Unwetter gesellt. Die Flucht vor diesem und die Flucht vor den Menschen hier, die er immer schwerer verdächtigt, treibt Teddy Daniels mehr als zwei Stunden herum, bis man endlich bei dem theatralischen Showdown landet, wo dann nichts ist, wie es schien.
 
 
Das ist solides Handwerk, das sich mit seinen atmosphärischen (Gebäude und Räume, die Insel mit ihren Felsen, die rätselhafte Leuchtturm) und szenischen Effekten (viele Rückblenden) ebenso auskennt wie mit schlichten Tricks des Spannungskinos. Vielleicht hat man deshalb das Gefühl, dass der Regisseur zwar mehr angestrebt hat (vor allem der Verdacht über Gehirnoperationen, die man an den Verrückten aus nazi-ideologischer Experimentiersucht vornimmt), dass am Ende aber nur Thriller mit Horrorelementen daraus geworden ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Scorsese früher mit Robert De Niro arbeiten konnte und dass er nun nur Leonardo DiCaprio zur Verfügung hat. Dieser zeigt zwar eindeutig den Ehrgeiz, keinen Hauch mehr von dem blonden „Titanic“-Teenie-Schwarm zu verbreiten, aber es gibt mehr als nur eine einzige verstörte Miene, die man aufsetzen kann, wenn man Probleme hat. Und noch dazu solche.
 
Da differenzieren Ben Kingsley und Max von Sydow die verdächtigen Ärzte schon weit interessanter, da haben Patricia Clarkson und Emily Mortimer virtuos gemeisterte große Szenen, da wirkt selbst Mark Ruffalo in einer nicht allzu profilierten Rolle glaubhafter. Aber wenn man auch das Gefühl nicht los wird, das alles hätte ein bisschen mehr sein können – als Spannungsfilm hat „Shutter Island“ zumindest die Meriten glanzvollen Handwerks zu bieten.
 
Renate Wagner
 
 
 
Ab 25. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
NINE
USA / 2009
Regie: Rob Marshall
Mit: Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Penélope Cruz, Nicole Kidman, Judi Dench, Sophia Loren, Kate Hudson u.a.
 
Prominente können sich nicht wehren. Zu ihren Lebzeiten stürzen sich die Skandaljournalisten auf sie, später die nicht autorisierten Biographen, und wenn man besonderes Pech hat, wird man noch zum Musical-Helden. Federico Fellini, einer der Größten des Kinos, muss nun auf der Leinwand singen und tanzen, was er sich wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt hätte. Dabei will man grundsätzlich nicht ungerecht sein: Als Musical ist „Nine“ (eine ironische Paraphrase auf den Titel seines Meisterwerks „Achteinhalb“) zumindest das, was dergleichen grundsätzlich zu sein hat – dynamisch und mitreißend. Der Film hat noch den Vorzug, dass er zusätzlich das Italien der sechziger Jahre mit allem Design und Geschmack auf die Leinwand bringen kann. Vor allem aber hat der Filmregisseur Rob Marshall, der ja auch schon „Chicago“ exzellent auf die Leinwand gebracht hat, daran gearbeitet, dass die Musik- und Tanzszenen so bewegt und spritzig wirken. Wenn man nur Fellini selbst davon befreit hätte, hier mitzumachen…
 
Wie dem auch sei, die Geschichte von „Guido Contini“ erzählt sein Schicksal, wie aus einem seiner Filme gekupfert – der zweifellos große Regisseur mit den legendären Erfolgen seiner Frühzeit und den darauf folgenden spektakulären Misserfolgen; der große Regisseur, der mit einem neuen Film ins Atelier geht, dafür noch kein Drehbuch und auch keine Idee hat und sich unter seiner massiven Midlife-Crisis windet; der große Regisseur, dessen berühmte Gattin von ihrer Nichtbeachtung die Nase voll hat, dessen Geliebte leidenschaftlich hinter ihm her ist, dessen Hauptdarstellerin eine Verlockung darstellt, und mit dem jede Journalistin und auch sonst so gut wie jede Frau schlafen will, mit Ausnahme vielleicht der ältlichen lesbischen Kostümbildnerin, die statt dessen eine wahre Freundin ist. Anthony Minghella, auch als Regisseur („Der englische Patient“) bekannt, hat kurz vor seinem Tod noch an diesem Drehbuch mitgeschrieben und die Probleme des Künstlers, die auch die eines knieweichen, hypochondrischen Mannes sind, mit Humor, aber ohne Hohn ausformt. Probleme über Probleme, die man sich auf der Filmleinwand gern ansieht, wenn sie von attraktiven Leuten ansprechend dargeboten werden. Und daran herrscht in diesem Film kein Mangel.
 
Daniel Day-Lewis ist um einiges schöner als der originale Fellini je war und ein Schauspieler, dem man alles glaubt, auch wenn er Probleme in dieser geschönten Hochglanzversion einer Musical-Verfilmung anzubringen hat. Und dann explodiert als echte Sensation eine Damenbesetzung, wie man sie sich hätte kaum luxuriöser, aber auch nicht besser vorstellen können. Wie könnte man idealer als mit Sophia Loren die italienische Mama eines Lausbuben besetzen, der seine Genialität schon in früher, neugieriger, frecher Jugend probt? Sie erscheint in den Rückblicken, ist aber manchmal auch in der Gegenwart für den Sohn allein da, wenn er mit ihr – die zweifellos schon friedlich am Friedhof weilt – nichtsdestoweniger plaudert? Und wem glaubt man eine geniale Kostümbildnerin mit Schandschnauze (jeder Satz eine trockene Pointe), Lesben-Touch und der Fähigkeit, sogar eine vibrierend-erotische Nummer zu singen eher als der großen, ganz großen Judi Dench?
 
 
Zwei Besetzungen von Frauen, deren Vorbilder man genau kennt, sind typenmäßig hervorragend gelungen: Marion Cotillard, berühmt geworden als „oscar“-gekrönte Edith Piaf, hat den ganzen Zauber der Giulietta Masina, die großen Augen, die Stille, die Seelenanmut, und außerdem ist sie noch um jene Nuance hübscher, die sie zu einer Art Audrey Hepburn macht. In einem Film, der vom Film handelt, sind solche Referenzen schon etwas wert. Und Nicole Kidman tut nichts, um Anita Eckberg zu kopieren, schafft es aber, die bombastische erotische Weiblichkeit zu vermitteln, die diese einst verkörpert hat – die Kidman’sche Wandlungsfähigkeit ist wirklich erstaunlich. Trotz all dieser Schwergewichte hat der Film eine andere Königin: Penélope Cruz ist als die liebende Geliebte eine solche Bombe an Erotik und Gefühl, dass man sogar als Frau nachvollziehen kann, warum Männer bei ihr offenbar in die Knie gehen müssen. Kate Hudson spielt eine Journalistin, die sich an den Regisseur heranmacht und hat genau das Maß an routinierter Glätte, das hier passt, während Stacy Ferguson als Inbegriff weiblicher Sinnlichkeit dem kleinen Guido im Kindesalter das Frauenbild seiner Anbetung vermittelt…
 
Einen solchen Damen-Reigen, jede einzelne mit einer Solo-Nummer ausgestattet (und keine lässt in Gesang und Tanz zu wünschen übrig), wird man nicht so schnell wieder für den Preis einer Kinokarte sehen. Das lohnt sich ganz einfach. Dafür hätte auch Fellini diesem Film verziehen.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 26. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
BAD LIEUTENANT - COP OHNE GEWISSEN
Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans / USA /   2009
Regie: Werner Herzog
Mit: Nicolas Cage, Eva Mendes, Val Kilmer u.a.
 
Vergleiche tun nie gut. Derselbe Titel, das klingt nach „Neuverfilmung“. Und der originale „Bad Lieutenant” des Abel Ferrara aus dem Jahr 1992 ist nun wirklich ein Klassiker. Doch Regisseur Werner Herzog, der ja auch schon - mit einigem Ruhm bedeckt - seinen Platz in der Filmgeschichte hat, besteht darauf, dass er kein Remake beabsichtigte. Er behauptete sogar, das Original nicht zu kennen. Er wollte bloß noch einmal das Drehbuch verfilmen…
 
Die ganze Aufregung ist umsonst. Wer gerne die Gelegenheit wahrnahm, sich auf DVD das Original noch schnell „hineinzuziehen“, um bessere Munition im Kampf von Abel gegen Werner zu haben, streckt schnell die Waffen. Die beiden Filme sind so unterschiedlich, dass man Herzogs „Bad Lieutenant” durchaus als eigenständigen Film ohne Vergleichszwang nehmen kann.
 
Vergleichen wir dennoch ein wenig (Kritiker tun es gern, und außerdem ist es ein ganz wichtiger Bestandteil des Handwerks), dann zeigen sich schnell die Unterschiede: Der Lieutenant des Harvey Keitel ist von der ersten Minute an drogensüchtig, während sich Herzog bemüht, für Nicolas Cage in dieser Rolle eine psychologisch-entschuldigende Begründung dafür zu finden: Er hat sich bei einem Sprung die Wirbelsäule verletzt, kann seither nur noch in Schieflage durchs Leben schleichen, leidet unter entsetzlichen Schmerzen, ohne Drogen kommt er nicht über die Runden. Er ist auch kein angenehmer Zeitgenosse, aber … eine Szene wie jene, da Keitel zwei weibliche Teenager im Auto wirklich mit Psychoterror tyrannisiert und sich selbst befriedigt, während er eine der beiden dazu zwingt, entsprechende Mundbewegungen zu machen… so weit würde Herzog nie gehen. Cage macht einem Pärchen Angst, raubt ihnen ihr Koks und zieht ein Quickie mit dem Mädchen ab, aber es wirkt bei weitem nicht so exzessiv und sadistisch wie Keitels Selbstbefriedigung. Dazu kommt, dass bei Ferrara ein ganz entscheidendes, breit ausgesponnenes Element der Handlung in der Auseinandersetzung seines bösen Cops mit Gott besteht, da spielen Kirchen und Nonnen mit… und das ist so heikel, dass Herzog sich gar nicht darauf einlässt. Gott kommt bei ihm nicht vor, sein Cop hat auch ohne ihn genügend Probleme.
 
Im Vergleich zum Vorbild ist die Handlung bei Herzog ungemein ausgeweitet (stellenweise auch ausgewalzt). Da hat dieser „Bad Cop“ Terence McDonagh nicht nur eine Nutten-Freundin, deren goldenes Herz am Ende damit belohnt wird, dass sie als Ehefrau des nun dekorierten Polizisten stolz einen Babybauch vor sich hertragen darf. Die Handlung spielt in New Orleans nach „Katrina“ (ohne dass das Milieu „pittoresk“ herangezogen wäre, Cops bewegen sich in den Grauzonen der Schäbigkeit), von einer ermordeten schwarzen Familie führt der Weg zum Bandenkrieg der Drogendealer (dabei kann man auch eine alte Dame im Altersheim bedrohen…), als Parallelhandlung gibt es schweren Ärger mit einem Freier der Freundin, der sich für schlechte Behandlung durch den Cop brutal rächt. Dessen Schulden bei seinem Buchmacher werden immer gewaltiger, so dass sich Bad Cop einem Drogenboß als Informant andient - und als dann wirklich alles schiefzugehen droht, wird wie im Märchen plötzlich alles wieder gut, wenn auch nur scheinbar…
 
Von der abstrusen Handlung her eine Seltsamkeit, ist es im Endeffekt die Verkörperung von „Cop“ Terence McDonagh durch Nicolas Cage, die davon überzeugt, dass dergleichen nicht ganz ernst genommen werden kann und soll. Es gibt natürlich Kritiker, die Cages Wanken durch die Rolle als Geniestreich werten, aber sie werden in der Minderheit bleiben. So schlecht darf man nicht einmal in Hollywood spielen (und schon gar nicht bei Werner Herzog, der schließlich ein Profi mit europäischen Ansprüchen ist) – die grimassierenden Verzweiflungsexesse zwischen Kokainsucht, Spielsucht, Sexsucht und Boden-unter-den-Füßen-Verlieren müssen wohl als eine Art Parodie gemeint gewesen sein. Oder?
 
Von einer beharrlich und geschmeidig durch Dreckwasser schwimmenden Schlange angefangen, über Krokodile, die zerfetzt auf der Straße liegen, und schaurige Leguane, die unvermutet wie Haustiere am Wohnzimmertisch auftauchen, ist hier viel „böses“ Getier offenbar vordergründig symbolisch eingesetzt. Nehmen wir also Herzogs  „Bad Lieutenant” als Lehrfilm darüber, wie böse die Polizei sein kann (als ob man das nicht immer schon geglaubt hätte)? Wer mit dem Teufel essen will, muss einen langen Löffel haben, heißt das Sprichwort. Wer keinen hat, frisst schnell aus demselben Topf und gleicht sich dem Antipoden bis zum Verwechseln an. Das sollte wohl die Geschichte sein. Hat mit Ferrara nichts zu tun. Ist wieder einmal nur – Kino. Kino eben, nicht mehr und nicht weniger.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 19. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
 
DER GHOSTWRITER
The Ghost Writer / Deutschland, Frankreich, GB / 2010
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Robert Harris nach seinem Roman „Ghost“
Mit: Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams, Kim Cattrall, Tom Wilkinson u.a.
 
Robert Harris’ Roman „Ghost“ erwies sich bei der Lektüre als Gustostück intelligenter und dabei süffiger Spannungsliteratur, und Roman Polanski hat daraus Kino mit denselben Eigenschaften gemacht. Die indirekte Hauptgestalt des Buches, einen ehemaligen britischen Premiereminister namens Adam Lang, hatte man nach wenigen Seiten im Buch „erkannt“ – es war Tony Blair, den sein Kadavergehorsam allen amerikanischen Wünschen gegenüber zu einer zwiespältigen Figur der gegenwärtigen Geschichte gemacht hat. Im Leben musste er nicht so schlimm dafür büßen, wie Robert Harris es sich ausgedacht hat – mit einer Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und schließlich Tod unter den Kugeln eines Attentäters. Roman Polanski interessierte sich für die politischen Implikationen der Geschichte nur in geringem Ausmaß, „zitiert“ das Original nur so weit, dass Blair- bzw. Lang-Darsteller Pierce Brosnan angehalten ist, immer wieder zu strahlend-sinnlosem Grinsen anzusetzen, wie das Vorbild es tat. Im übrigen macht er klar, dass Politiker zweifelhafte Gestalten sind… Und die Besetzung der Ehefrau, die hier Ruth heißt, gleicht in der Person von Olivia Williams im Typ geradezu punktgenau der für ihre Alertheit allen verdächtigen Chery Blair…
 

Aber eigentlich geht es um den Titelhelden, der im Buch noch viel sinnvoller „Ghost“ heißt, weil die – im Film nicht nachzuvollziehende – Schlusspointe darin besteht, dass man in dieser Ich-Erzählung die Geschichte eines toten Mannes liest. Er ist der Held des Ganzen, und das umso müheloser, als Ewan McGregor diesen im Film „Ghostwriter“ genannten Titelhelden mit einer Intensität und Präsenz trägt, die das ganze Geschehen hindurch unvermittelt stark wirkt. Dabei ist er niemand besonderer – ein guter, verlässlicher Schreiber aus England, der schon manche Promi-Biographie im Hintergrund bearbeitend auf den Weg gebracht hat. Nun verschafft ihm sein Agent einen Auftrag: Der Mann, der die Memoiren von Ex-Premier Adam Lang betreut hat, ist unter rätselhaften Umständen verstorben. Ersatz wird gesucht, der neue Mann von London nach Martha's Vineyard gebracht (die berühmte Kennedy-Enklave am Atlantik), wo der Ex-Premier ein Haus besitzt – ein moderner Alptraum mit atemberaubendem Blick auf stets bewegtes Meer. (Und gedreht, wie die Produktionsnotizen verraten, auf Sylt, damit Polanski nicht in die USA müsse. Hat ihm nichts genützt, wie man weiß. Der Film wurde fertig gestellt, als er bereits in einem Schweizer Gefängnis saß – und sitzt.)
 

 
Robert Harris entwickelt diese Geschichte mit der fabelhaften Könnerschaft des Spannungsschreibers. Er hat selbst das Drehbuch verfasst, der Leser erkennt Dialoge bis ins pointierte Detail. Manches wurde auch anders, kinogerechter gewichtet, manches weggelassen (des Ghostwriters Privatleben, auch Langs Beziehung mit seiner Assistentin wird auf minimaler Flamme gekocht), aber der große Spannungsbogen ist da. Es geht darum, den „berühmten Mann“ aus der Nähe zu sehen, wo er nicht sonderlich beeindruckend wirkt. Es geht um die Katastrophe, die die Zusammenarbeit an den Memoiren erschüttert – dass Lang angeklagt wird, vermeintliche Terroristen zwecks Folter der CIA übergeben zu haben, was zu einem gewaltigen politischen Wirbel führt. Und es geht um die Recherchen des Ghostwriters, die zu Dingen führen, die die fraglichen Stellen nicht aufgedeckt haben wollen und die schon einem Mitarbeiter an den Memoiren das Leben gekostet haben. Die Chancen auf ein Happyend des Titelhelden sind zumindest durchwachsen, auch wenn der brave, sympathische intellektuelle Brite gelegentlich Überlebensstrategien entwickelt, die ihn zu einem Jason Bourne der Westentasche machen.
 
Polanski erzählt die Geschichte im Grunde ruhig und analytisch, keinesfalls als aufgeregte politische Anklage, weit eher als Suspense-Thriller, der etwas Bösem auf der Spur ist. Rund um das fabelhafte Paar Ewan McGregor und Pierce Brosnan entspricht und verblüfft auch gelegentlich eine höchst adäquate Besetzung. Olivia Williams, die – wie erwähnt – im Typ dem Vorbild Chery so ähnlich ist, spielt sowohl eine zutiefst verärgerte Ehefrau wie eine frustrierte Feministin, die ihre eigene Karriere zugunsten eines lackierten Holzpferdes beiseite gestellt hat. Langs ergebene, sich betont cool gebende Assistentin mit Kim Cattrall zu besetzen, war zweifellos ein Risiko, weil stets die Gefahr besteht, dass die sexbesessene Samantha aus „the City“ aus ihr herausbricht – aber die entschlossene Haltung einer Karrierefrau und spürbar älter gewordene Züge bremsen die Erinnerung an viele süffige Fernsehfolgen. Glanzvoll ist der Auftritt von Tom Wilkinson als englischer Professor in den USA, der seine Begegnung mit dem Ghostwriter souverän abwickelt und den Kinobesucher über seine Funktion doch in berechtigte Zweifel stürzt. Mini-Rollen für den uralt gewordenen Eli Wallach, der zur Verunsicherung des Helden beiträgt, von James Belushi als rohem Glatzkopf (kaum zu erkennen), Timothy Hutton knapp und glatt als Anwalt zu sehen. Und beharrlich brandet der Ozean um die Räume des schreckenerregenden Ferienhauses, es fällt viel Regen und weht harter Wind, und ein Meisterautor seines Genres, ein Meisterregisseurs seines Genres haben sich zu einem exzellenten Film seines Genres zusammen gefunden, der beweist, dass Spannung ebenso gut mit Stille wie mit Krach erzeugt werden kann.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 19. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
INVICTUS
USA / 2010 
Regie: Clint Eastwood
Mit: Morgan Freeman, Matt Damon u.a.
 
Was wollte Clint Eastwood, als Regisseur derzeit am laufenden Band tätig, mit diesem Film eigentlich? Ist es eine Heldengeschichte über eine zweifellos großartige Persönlichkeit unserer Epoche, Nelson Mandela? Ist es einer der beliebten amerikanischen Filme über die Macht des Sports, der angeblich alle Gegensätze aufhebt und von versöhnender, einigender Kraft sein soll? Ist es ein Streiflicht auf ein ganz wichtiges Kapitel der Geschichte Südafrikas, wo ein Schwarzer versucht hat, die Menschen dieses Landes, egal welcher Farbe, zu einer Nation zusammen zu schmieden? Von allem ein bisschen – und zweifellos nichts davon richtig. Jedenfalls ist Clint Eastwood voll in die Falle des „gut gemeint“ geraten, wo das Ergebnis dann kreuzbrav und politisch korrekt, aber nicht so wirklich gut ist…
 
Das Hohelied auf Nelson Mandela steht zweifellos im Vordergrund. Die Ähnlichkeit von Morgan Freeman mit dem Original ist erstaunlich, nur dass er noch das kleine bisschen  besser aussieht, wie es das Kino eben erfordert. Was er spielt (und er tut es einfach wundervoll!), ist der weise, humorvolle, edle, in jedem Detail klug und richtig handelnde großartige Staatsmann, der so perfekt ist, dass man ein bisschen Mühe hat, es zu glauben. (Was an seiner Geschichte hoch problematisch war, etwa die Rolle, die seine Gattin Winnie spielte, wird nicht einmal andeutungsweise gestreift – umgeben von Personal, das in durchwegs anhimmelt, bleibt unser Held einsam, die Tochter ist weit weg und spielt eine winzige Nebenrolle.) So gar nicht an diesem Mann zu kratzen, mag angehen – dass alle Konflikte auf die Ebene seiner schwarzen und weißen Bodyguard verlagert werden, die gar nicht lange brauchen, um ihre gegenseitigen Abneigungen in Zuneigungen zu verwandeln, scheint doch als Vereinfachung und Verharmlosung typisch für den ganzen schaumgebremsten, schön gefärbten Film.
 
Da ist dieser Nelson Mandela also nach 30jähriger Haft entlassen worden und in einer mittlerweile veränderten Welt zum Präsidenten Südafrikas geworden, für viele Weiße der schwärzeste Tag in der Geschichte des Landes, die Aufgabe der Apartheit und ihrer eigenen fraglosen Vorherrschaft über den schwarzen Teil der Bevölkerung. Mandela wusste, dass dieses Land immer von Schwarzen und Weißen bewohnt sein würde, und so erdachte er zweifellos einen Geniestreich, um einen Akt der Gemeinsamkeit und folglich Versöhnung zu setzen. Die nationale Rugby-Mannschaft der „Springboks“ bestand zu allergrößtem Teil aus Weißen und war den Schwarzen des Landes traditionell ein Dorn im Auge. Mandela schaffte die „Springboks“ nicht ab, wie es seine Anhänger erwarteten, sondern motivierte das bis dahin eher mittelmäßige Team, für das „neue Südafrika“ bei den Rugby-Weltmeisterschaften von 1995 zu siegen. Die Geschichte wäre nicht, was sie ist, wäre das Unternehmen nicht gelungen…
 
Der Film, der nie wirklich ein politischer ist, wandelt sich auch nicht wirklich zum Sportfilm: Ist es tatsächlich so einfach, den Mannschaftskapitän Francois Pienaar (Matt Damon, diesmal ziemlich unter seinen Möglichkeiten), zum Tee einzuladen – und schon klappt alles? Auch hier bleibt der Film die internen Kämpfe weitgehend schuldig, und wie diese „Springboks“ das nötige Format erreicht haben, bleibt ein ziemliches Rätsel, aber man darf ihnen am Ende beim Siegen zusehen. Und Präsident Mandela erscheint zum entscheidenden Endspiel zünftig in Spielerkluft, Leibchen, Kappe, alles grün und richtig…
 
Und weil Clint Eastwood bei allem Anspruch, den er in seine Filme bringt, schließlich nie vergisst, wie Kino funktioniert, hat er am Ende die Tränendrüsen gewaltig gedrückt. Und man geht hoch zufrieden aus dem Kino, weil die Welt schön ist, die Menschen gut sind und sich sogar die Bodyguards umarmen, das heißt, natürlich je ein schwarzer und ein weißer… Und so war alles Friede, Freude und Eierkuchen in Südafrika. Damals 1995 vielleicht – für einen Augenblick.
 
Aber wahrscheinlich sollte es ja nur die Huldigung für Nelson Mandela sein. Die weißen Fußballer gehen sogar in die (echte!) Zelle, in der Mandela dreißig Jahre seines Lebens verbrachte, sich selbst mit dem Gedicht „Invictus“ (= unbesiegt) stärkend. Schöner hätte man den großen Mann nicht spielen können als Morgan Freeman es tut. Der „Oscar“ leuchtet in der Ferne.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 19. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
IN MEINEM HIMMEL
The Lovely Bones /  USA /  2009
Regie: Peter Jackson
Mit: Saoirse Ronan, Mark Wahlberg, Rachel Weisz, Stanley Tucci, Rose McIver u.a.
 
Wenn ein Regisseur die drei Teile des „Herrn der Ringe“ gedreht (und damit Weltruhm geerntet) hat, erwartet man von ihm in der Folge Besonderes. Tatsache ist, dass Peter Jackson sich in seinem neuen Film „In meinem Himmel“ nicht mit irgendeiner „normalen“ Geschichte abgeben wollte. Das wäre es gewesen, wenn es nur darum ginge, dass ein vierzehnjähriges Mädchen ermordet worden ist und man ihrer Familie bei der Trauerbewältigung, der Polizei bei der Suche nach dem Mörder zusähe. Aber Jackson weiß, was die Phantasie dem Menschen erlaubt und was das Medium Film kann. Der Tod, das „unentdeckte Land, von des Bezirk kein Wandrer wiederkehrt“, ist allen Vorstellungen offen. Darum erzählt die tote Susie Salmon sowohl ihre Geschichte wie die ihrer Familie, so, wie sie von „drüben“ sieht.
 
Sich in die unbekannte „Zwischenwelt“ zwischen Realität und Fantasy zu begeben, ist natürlich eine besondere Herausforderung, und „In meinem Himmel“ ist ein Film, der polarisieren muss, weil seine Wirkung davon abhängt, wie Menschen sich dazu einstellen. Viele mögen es tröstlich finden, Susie in einem Jenseits zu finden, wo es pastellfarbige Natur gibt, andere Menschen (wenn sie auch tot sind) und wo sie die Möglichkeit hat, auf die Erde zurückzuschauen. Anderen Zusehern wird sich vielleicht der Magen umdrehen, wenn im Jenseits Gesang und Tanz im Blütenregen ausbricht und die Leinwand „Kitsch!“ zu brüllen scheint. Selten wurden „Special Effects“ „braver“ eingesetzt. Ja, es ist „Susie drüben“, die das Problem, aber auch die Besonderheit dieses Films darstellt.
 
Im übrigen gibt es eine Familiengeschichte: Der über die Maßen liebende Vater und die Mutter, die den Druck nicht aushält (Mark Wahlberg und Rachel Weisz, die keine bemerkenswerte Leistungen über die Routine der Rollen hinaus liefern), eine Schwester, die in die Besessenheit hineinwächst, den Mord aufzuklären (auffallend Rose McIver), und als relativ schriller Aufputz eine rauchende, flapsige, unkonventionelle Oma, die von Susan Sarandon am Rande der Knallcharge entlang geführt wird. Hier liegen die Stärken der Geschichte nicht, auch wenn der Regisseur zielbewusst „ergreifende“ Momente eingebaut hat, wenn die Lebenden meinen, Signale der toten Susie zu empfangen…
 
Man muss ehrlich sagen, dass der Mörder die interessanteste Figur des Ganzen ist, wenngleich man Stanley Tucci sichtlich und nicht wirklich gut vom Maskenbildner zum „braven Durchschnitts-Nachbarn“ stylen ließ. Dennoch hat seine Leistung die einzige „Oscar“-Nominierung des Films nach sich gezogen, und das zu Recht. Denn in diesem scheinbar so stillen Mann brodeln mörderische Energien und ungeahnte Kräfte, wenn er merkt, dass man ihm auf der Spur ist. Es gibt eine Szene, wo der betulich zwischen Erdenschmerz und Jenseits-Schweben wabernde Film fast wirklich spannend wird, wenn der Täter nämlich den Tresor mit Susies Leiche in die Müllhalde kippt – jede Dramaturgie der Welt hätte hier verlangt, dass er endlich geschnappt und der Gerechtigkeit zugeführt wird. Aber nein, er entkommt, und der Massenmörder stirbt später durch Zufall. Das Schuld & Sühne-Prinzip wird nicht eingelöst.
 
      
 
Letztendlich ist es aber Susies Film, und da hat Peter Jackson mit der damals 15jährigen Saoirse Ronan einen goldenen Griff getan (man kennt sie aus „Abbitte“, wo sie imstande war, eine ganze zerstörerische Handlung zu tragen). Hier ist sie nun als Susie im Leben das ganz normale Schulmädchen, als Susie im Jenseits zwar entsprechend traurig, aber keinesfalls triefend-sentimental – und vermutlich rettet das den ganzen Film. Natürlich nur für jene, die sich auf ein schönes Jenseits einlassen. Die anderen sollten gar nicht Gefahr laufen, sich diesen Film anzusehen…
 
Renate Wagner
 

 
Ab 19. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
 
THE BOOK OF ELI
USA / 2010 
Regie: Albert Hughes, Allen Hughes
Mit: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis, Jennifer Beals, Tom Waits, Malcolm McDowell u.a.
 
Wieder einmal ist man irgendwann in der Zukunft und kann nur hoffen, dass man selbst sie so nicht erleben wird: Alles in Trümmern, schäbig, zerstört, verrostet, verrottet, und überlebt haben in den Städten und Industrie-Kadavern offenbar nur die übelsten Typen. Traditionsgemäß ist hier ein Lonely Rider – wenn auch zu Fuß – unterwegs, und glücklicherweise für ihn ist er in jeder Auseinandersetzung mit den Bösewichten (ob Arme, Riesenmesser oder Schusswaffen eingesetzt werden) der schnellere: Denzel Washington, bärtig, mysteriös hinter schwarzen Brillen, Persönlichkeit in die Öde rings um ihn einwerfend, wenn nach den brutalsten Faustrecht-Gesetzen gekämpft wird. Da nichts an diesem Film der Regisseur-Brüder Albert und Allen Hughes – kurz: „The Hughes Bros.“ - den Anspruch auf Originalität erheben kann, transportiert er, indem er scheinbar ziellos durch die wüste Weite Amerikas zieht, natürlich eine Art von „Schatz“: Die in Fetzen eingeschlagene Kostbarkeit ist ein Buch, und niemand wundert sich, dass es sich als die Bibel herausstellt.
 
Eher erscheint schon seltsam, dass Carnegie, der Bösewicht des Films – Gary Oldman nimmt sich mit dieser Art von Rollen wirklich keine nennenswerte Mühe –, unbedingt dieses Buch haben will: Hat sich das Wissen um die Macht und Kraft des Wortes auch in die Zukunft gerettet? Als Eli, der Fremde, in der von Carnegie despotisch regierten Stadt erscheint, scheitern allerdings die Versuche, ihm seine Kostbarkeit abzuluchsen. Dafür hat der weiterziehende Held nachher eine junge Kämpferin an der Seite: Mila Kunis, amerikanischer TV-Star ukrainischer Herkunft, ist schön und gebärdete sich kämpferisch, aber für amouröse Abenteuer hat unser Eli keine Zeit. Er muss weiter – und das Ziel seiner metaphysische Reise, in der sich so viel reale Gewalt abspielt (der Action-Teil des Filmes ist für das breite Publikum gedacht), ist ausgerechnet Alcatraz. Dort sammelt ein skurriler Professor (dergleichen Rollen besetzt man mit Malcolm McDowell) das zerstörte Wissen der Welt. Wollen wir die einzige Pointe des Films – und auch diese war schon oft da – bewahren und nicht verraten, wie Eli hier sein Buch abliefert…
 
Die relative Ödnis von Szene und Handlung wird von Zeit zu Zeit durch ein paar schauspielerische Glanzlichter erhellt. Weniger von der reif gewordenen „Dirty Dancing“-Königin Jennifer Beals als blinder Dame als vielmehr von Tom Waits als seltsamer Type von Mechaniker und vor allem von Frances de la Tour und Michael Gambon als erst so nett seltsam wirkendem, dann aber lebensgefährlichem alten Paar.
 
Im Ganzen aber hat man es einfach mit einer Mischung aus Max Max, dem blinden Samurai und Fahrenheit 451 zu tun, wilder Westen irgendwann in der Zukunft, Restverwertung aus dem Katalog der Sujets und Klischees, mit wenig Inspiration zusammengeklittet.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 19. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
SYNECDOCHE, NEW YORK
USA /  2008
Regie: Charlie Kaufman
Mit: Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Jennifer Jason Leigh, Emily Watson, Michelle Williams, Dianne Wiest, Tom Noonan u.a.
 
Auch für echte Filmfreunde sollten die Alarmglocken läuten, wenn der Name „Charlie Kaufman“ erscheint. Man dankt ihm bisher ein paar superschräge Drehbücher, die allerdings alle nach mehr oder minder derselben Methode gestrickt sind. Und nun hat er– zu eigenem Drehbuch – seinen ersten Film als Regisseur gedreht, und es ist wieder dasselbe. Ein „Absurder“, gegen den alle Absurden des Theaters und der bildenden Kunst Kleinkinder sind, ein Verrückter, der offenbar das Geschick hat, immer wieder Produzenten und auch erstklassische Schauspieler davon zu überzeugen, dass seine Sinnlosigkeiten Sinn machen.
 
In diesem Fall hat Kaufman immerhin Philip Seymour Hoffman dazu gewinnen können, sich in die Schneckenwindungen seines Gehirns einzulassen. Er spielt einen New Yorker Theaterregisseur namens Caden Cotard, dessen private Versuche alle schief gehen, was niemanden verwundert, denn seine Beziehung zur Realität ist schwer gestört. Als er meint, dass seine Frau und seine Tochter ihn vor einer Woche verlassen hätten, sind bereits Jahre vergangen… Mit schweren Anfällen und Krämpfen behaftet, startet er ein über viele Jahre hingehendes Theaterprojekt in einem stillgelegten Lagerhaus, wo Schauspieler als „Stück im Stück“ unaufhörlich Szenen spielen, ohne dass es je zu einer Premiere kommt oder kommen soll, wo er sich selbst spielen lässt und seine Freundinnen auch, aber die Originale und Kopien seltsame Verbindungen eingehen… So ist es, ist es so? Bloß – wen kümmert’s?
 
Weil das alles nur surreale Phantasie sein soll, muss es eigentlich keinen Sinn machen, und man könnte sich in das Ganze einfach hineinplumpsen lassen und genießen – wenn da etwas zu genießen wäre. Aber kaum eine Figur, die da erscheint, ist für normale Menschen von geringstem Interesse, und so mag „Synecdoche, New York“ (mit absichtsvoll sinnlosem Titel) gerne das enthusiastische Lob von Filmkritikern ernten – was Kaufman hier liefert, ist nichts als eine gigantische, affektierte, angeberisch aufgeblasene Überflüssigkeit, die Bedeutungsschwere der Bedeutungslosigkeit. Wer ihm in seine Selbstverwirklichung folgen möchte – nur zu. Mal sehen, wie reich beschenkt und erleuchtet er aus dem Kino kommt.
 
Renate Wagner
   

 
Ab 12. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
WOLFMAN
The Wolfman / USA /   2010
Regie: Joe Johnston
Mit: Benicio Del Toro, Anthony Hopkins, Emily Blunt, Hugo Weaving, Geraldine Chaplin, Art Malik u.a.
 
Es gibt feste Topoi aus dem Bereich der Schauerromantik, deren Horror dermaßen mit Fantasy-Irrealität gekoppelt ist, dass sich das Kino als ihr bester Austragungsort etabliert hat, zumal die „Special Effects“ immer toller werden. Die Geschichte von den „Werwölfen“, Menschen, die sich bei Vollmond in Wölfe verwandeln, übernatürliche Kräfte (und tierische Zerstörungswut) entwickeln und am nächsten Morgen wieder ihr menschliches Selbst sind, wandern durch die Mythen der Völker. Und da wir ja eine besondere Vorliebe für die Nachtseiten der Seelen haben, tauchen auch die Werwölfe immer wieder auf der Filmleinwand auf. Diesmal sogar besonders attraktiv…
  
 
Denn Benicio Del Toro wirkt auch dann dämonisch, wenn er scheinbar ganz „normal“ sein will. Damit man ihm den adeligen Briten glaubt, muss man allerdings eine exotische Mutter erfinden (die natürlich auf geheimnisvolle Weise ums Leben gekommen ist, wie das beim Adel schon so ist…) Er gibt also Lawrence Talbot, der die Familie verlassen hat, um Schauspieler zu werden, der aber nach Hause kommt, um etwas über den rätselhaften Tod seines Bruders herauszufinden, der von irgendeinem wilden Tier geradezu zerfetzt wurde. Fast anheimelnd schön, wie der Film von Joe Johnston das väterliche Schloß pinselt, das ausgerechnet „Blackmoor“ heißt (das klingt nicht von ungefähr nach Edgar Wallace…). Da ist dann der offenbar freundliche, weißhaarige, wenn auch ein wenig hintergründige alte Lord (Kunststück, es ist Anthony Hopkins), die schöne, tragische Braut des toten Bruders (Emily Blunt, mit großer Gefühlsintensität), da sind schließlich die Bewohner des Dorfes, wo Werwolf-Glauben, Misstrauen und jede völkisch-kernige Bereitschaft zu Lynchjustiz herrscht, wenn man meint, die Zigeuner seien es gewesen…
 
  
Sie waren’s nicht, vielmehr wird Lawrence von dem Wolf, den wir wüten sehen, an dessen Existenz also nicht gezweifelt werden muss, gebissen, und man weiß, was das heißt: Nun ist er selbst ein Werwolf, und was die Geschichte an Verwicklungen und mehr oder minder überraschenden Wendungen bringt, wirkt geradezu anheimelnd altmodisch. Inklusive eine mysteriöse Zigeunerin, die Geraldine Chaplin spielt, einem treuen indischen Diener (Art Malik), einem hochmütigen Inspektor von Scotland Yard (Hugo Weaving) – die Ingredienzien eines solchen Produkts sind alle da.
 
Tatsächlich handelt es sich bei diesem „Wolfman“ hauptsächlich um einen typischen Kostümfilm, der mit ein paar Verwandlungs-Special-Effects ausgestattet ist (Mensch wird Wolf), die einem allerdings nicht gerade die Schuhe ausziehen. Die Pointe, wer sich am Ende als Werwolf gegenübersteht, ist auch mühelos voraus zu ahnen. Der Höhepunkt des Geschehens besteht in einer (tausendmal da gewesenen…) Hetzjagd über die Dächer des 19. Jahrhundert-London. Nur wenn der dorthin ausgebüchste Werwolf über die Dächer sprintet und zur Tower Bridge gerät, ist sie diesmal schon fertig und nicht mehr, wie jüngst bei Meisterdetektiv Sherlock Holmes, im Bau…
 
Vergleicht man diesen ordentlichen Routine-Werwolf übrigens – was nahe liegt - mit dem neu gedachten, neu gemachten Sherlock Holmes, dann weiß man, warum man den Eindruck nicht los wird, der Regisseur habe sich um ein paar Jahrzehnte des Filmemachens zurück verirrt…
 
Renate Wagner
 

 
Ab 11. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
PERCY JACKSON - DIEBE IM OLYMP
Percy Jackson & The Olympians: The Lightning Thief / USA / 2010 
Regie: Chris Columbus
Mit: Logan Lerman, Uma Thurman, Pierce Brosnan, Sean Bean, Rosario Dawson, Catherine Keener u.a.
 
Die zeitgemäße Antwort auf beispielsweise „Hast Du ‚Anna Karenina’ gelesen?“ lautet zumindest in den USA (über hierzulande wollen wir keine Spekulationen anstellen): „No, but I know the movie.“ Woher bezieht man also seine Bildung? Nicht mehr aus den „Schönsten Sagen des klassischen Altertums“, wenn es um Zeus & Co geht. Sondern aus dem Kino. Wenn man Glück hat, wurde man schon in einem Kinderbuch damit konfrontiert. Und die Comics haben zumindest einen Zusammenhang zwischen Kelten und Römern hergestellt…
 
Da gibt es also in den USA eine Kinderbuchserie von Rick Riordan (auch ins Deutsche übersetzt übrigens), deren Held Percy Jackson heißt. Und weil die Phantasie (heutzutage heißt es wohl ausschließlich „Fantasy“) alles darf, haben die antiken Götter ihre Kinder mit Irdischen auch auf der heutigen Welt zurück gelassen. Percy ist, man vermutet es bald (schließlich bleibt er minutenlang unter Wasser und fühlt sich dort sauwohl), ein Sohn von Poseidon und einer braven Menschenfrau, die den Sohn mit Liebe aufzieht und vor dem bösen Stiefvater beschützt. Wenn aber nun Zeus im Olymp tobt, weil jemand ihm seinen Blitz gestohlen hat, und er den Sohn von seinem Bruder Poseidon verdächtigt (es gibt ja viel Zank im Himmel), da setzt sich eine Handlung in Bewegung, die Percy in eine verrückte Welt zwischen Realität und Mythos holt…
 
Für den, der sich ein bisschen auskennt, ist das, was folgt, ganz amüsant (und den anderen wird unauffällig vieles erklärt, damit sie durch das Götter- und Intrigen-Dickicht durchsehen). Es beginnt im Metropolitan Museum in New York, in der Antikensammlung, wo Percy merkt, dass sich seine Leseschwierigkeiten sofort beseitigen, wenn es um griechische Buchstaben geht. Als er sich plötzlich von schaurigen fliegenden Fabelwesen attackiert sieht, geht alles ganz schnell: der freundliche Professor im Rollstuhl entpuppt sich als Kentaur, sein schwarzer Freund auf Krücken als Satyr, und sobald Percy in das „Camp der Halbgötter“ gebracht wurde, zeigen sie Pferde-Hinterteil und Bocksbeine…
 
Nun geht es zuerst darum, sich mit der verlockenden Annabeth (ihre Mama ist keine Geringere als Athene) zusammenzuraufen und mit ihr und seinem Satyr-Freund Grover loszuziehen – drei Halbwüchsige in einer klassischen „Harry Potter“-Situation, die durch Fantasy-Abenteuer surfen, deren Reiz darin besteht, dass sie sich so halb und halb auf der Erde abspielen. Da steht man in einem seltsamen Gartencenter auf einmal vor Medusa, da besucht man die berühmte Nachbildung des Parthenon (mit seiner riesigen Athene-Statue) in Nashville, da checkt man im Lotus-Casino in Las Vegas ein… bis es schließlich dann in den Hades und von dort prompt in den Olymp geht: Und es muss einfach verraten werden, wo dieser sich befindet.
 

 
Nachdem Zeus und Poseidon zu Beginn am Gipfel des Empire Statue Building herumgeirrt sind wie verlorene Schauspieler in einer modernen deutschen Theaterinszenierung, stellt es sich schließlich heraus: Man fahre im Empire State mit einem Sonderaufzug bis in das letzte Eck des Daches – und da ist man auch schon, keine Griechenland-Reise von Nöten, USA it is. Olymp, alle Götter da, im griechischen Faltenwurf, viel Weiß und Gold, und aufeinander loshackend wie Marktweiber… schön. Die Lösung übrigens darf man verraten, denn niemand wird sie mit Krimispannung erwarten: Selbstverständlich hat Hermes alias Merkur (bzw. sein Halbgott-Sohn) den Blitz des Zeus gestohlen – der Gott der Händler und Diebe… Seine berühmten geflügelten Schuhe, von denen da offenbar viele Paare kursieren, sind für das Geschehen nicht unwichtig.
 
Chris Columbus, Spezialist für Kinder- und Jugendfilme (Kevin, u.a. auch Harry Potter-Folgen, zuletzt als Produzent von „Nachts im Museum“ ebenfalls auf dem Bildungs-Trip für Jugendliche), möchte mit diesem „Percy Jackson“ vermutlich eine neue Serie beginnen. Hoffentlich sind seine drei begabten und attraktiven jugendlichen Darsteller (Logan Lerman als Percy Jackson, Alexandra Daddario als Annabeth Chase und Brandon T. Jackson als bocksbeiniger Grover) nicht schon eine Spur zu alt für Fortsetzungen, die es ohne weiteres geben könnte, die Kinderbücher liegen schließlich bändeweise vor.
  
 
Sollte es wirklich Fortsetzungen geben, täte Columbus gut daran, nach demselben Rezept zu verfahren wie hier: Gewiss, die Special Effects sind in Ordnung, aber eigentlich nicht so wichtig. Da geht es viel mehr um den Spaß, den die beteiligten Schauspieler offenbar an der Sache haben. An der Spitze steht da Uma Thurman, die geradezu maliziös das schlangenumwehte Haupt der Medusa schüttelt (glücklicherweise auch ein Special Effect, denn dergleichen wirklich aufzusetzen, wäre wohl nervenzerreißend), und Pierce Brosnan, erst im Rollstuhl, dann als Kentaur Chiron anmutig das Pferde-Hinterteil wackelnd (natürlich auch mit Hilfe der Computer-Experten). Und weil die Mama unseres Halbgottes (Catherine Keener) eine brave, aber relative reizlose Menschenfrau ist, muss ein bisschen Sex in der Unterwelt walten: Man hatte ja gar keine Ahnung, dass Persephone so sexy sein kann wie Rosario Dawson. Man könnte Hades (Steve Coogan) beneiden, wenn die Dame nicht gleichzeitig so zickig wäre…
 
Der um seinen Blitz bestohlene Zeus ist in Gestalt von Sean Bean permanent miesester Laune, was man verstehen kann, Bruder Poseidon (Kevin McKidd) zeigt schlechtes Gewissen, weil er sich nie um sein Halbgott-Söhnchen gekümmert hat, Madame Athene (Melina Kanakaredes) desgleichen, als sie ihr geglücktes Töchterchen sieht. Luke (Jake Abel), der Hermes-Sohn, ist ein Schnipfer, Minotaurus kommt bedrohlich aus dem Computer, und die ganze Sache ist eher lustig als dümmlich – mehr konnte man mit dieser Mischung „American Boy meets Papa Poseidon and has problems with Zeus“ wohl nicht erreichen. Und die ganzen Götter auf der Leinwand vorgeführt zu bekommen, ist müheloser als über sie lesen. Solcherart ist man ihnen zumindest diminutiv einmal begegnet.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 11. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
VALENTINSTAG
Valentine's Day / USA / 2010 
Regie: Garry Marshall
Mit: Julia Roberts, Anne Hathaway, Shirley MacLaine,
Jamie Foxx, Ashton Kutcher, Jennifer Garner, Jessica Alba,
Queen Latifah u.a.
 
Das ist einer der klassischen Patchwork-Filme, allerdings darf man nicht an die Größenordnung Robert Altman denken. Es soll auch absolut nicht mehr sein als eine brave „Romantik-Komödie“ rund um den Valentinstag. Dabei kommt die amerikanische Kitschvariante des Themas voll zum Tragen. Schon die kleinen Kinder huldigen dem Kult des Blumenschenkens an die Auserwählte – dabei kann gar nicht dick genug aufgetragen werden. Allerdings wird man auch mit amerikanischer Folklore bekannt gemacht: Wer wusste schon, dass es in Los Angeles den Brauch gibt, am Valentinstag auf einen bestimmten Friedhof zu gehen und sich dort auf Großleinwand einen Kitschfilm anzusehen? Ein bisschen Satire kommt auf, wenn die Partnerlosen sich zum mittlerweile traditionellen „Anti-Valentinstags“-Festessen zusammen finden und ihre Enttäuschungen ausbreiten…
 
 
Die knapp ein Dutzend Episoden des Films verknüpfen sich nach und nach, wobei vieles bei Ashton Kutcher als Blumenhändler zusammen läuft. Auch er hat natürlich sein romantisches Schicksal und ist möglicherweise Blickfang für das weibliche Publikum. Im übrigen sind es natürlich die Cameo-Auftritte der in Massen zusammen getriebenen Stars, die die Zuschauer ins Kino holen sollen. Julia Roberts überrascht als Berufssoldatin, nicht hingegen überrascht, dass der „Mann ihres Lebens“, für den sie einen 16stündigen Flug für eine Nacht auf sich nimmt, ihr kleiner Sohn ist.

 
Shirley MacLaine benützt ausgerechnet den Valentinstag, um ihrem Ehemann seit 50 Jahren (glänzend: Hector Elizondo) einen seit Jahrzehnten verjährten Seitensprung zu gestehen (am Happyend muss dennoch nicht gezweifelt werden). Jamie Foxx als Fernsehjournalist hilft bei einer peinlichen Outing-Szene und ist auch sonst als Gutmensch eingesetzt.
Königin des Films ist Anne Hathaway, Hollywoods Glücksfall unter den jungen Schauspielerinnen: Geradezu grandios entpuppt sich das scheinbar so brave Mädchen als hoch begabte, in verschiedenen Akzenten parlierende Telefon-Sex-Lieferantin.
 
Zu Komischem mischt sich Politisch Korrektes (Homosexuelle und Farbige, Neger wie Inder, haben ihren Quoten-Auftritt) und auch Halb-Tragisches, wobei alles unter der üblichen Hollywood-Drehbuch-Vorhersehbarkeit leidet. Die rosa Farbe, die bei dem Blumenhändler vorherrscht, erinnert an rosa Zuckerguss, der sich voll auch über diesen Film von Wohlfühl-Regiseur Garry Marshall ergießt.
 
Heiner Wesemann
 

Ab 5. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
GIULIAS VERSCHWINDEN
Deutschland / 2009
Regie: Christoph Schaub
Drehbuch: Martin Suter
Mit: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Sunnyi Melles, Stefan Kurt, André Jung u.a.
 
Das Thema ist „in“: Die Oldies. Na, vielleicht nicht die ganz Alten, die sind bis auf Ausnahmen für die Medien zu wenig attraktiv. Aber die Fünfzig Plus, going to be Sixty geht auch noch, man sieht ja heutzutage vielfach noch ganz gut aus. Martin Suter ist ein trefflicher Autor. Er hat eine Geschichte über diese Generation der verlorenen Jugend geschrieben, und weil er geschickt genug ist, ein Thema in Facetten einzurahmen, gibt es in Parallelhandlungen die Teenies und die Altersheim-Alten (wenn die bei ihm auch weit lustiger, schlagfertiger und noch besser aussehender erscheinen als meist in der Wirklichkeit…).
 
Das Ganze hat einen schwebend-irrationalen Ton, den man als Kinobesucher von Anfang an annehmen muss – dann wird das Vergnügen am Gebotenen ziemlich uneingeschränkt sein. Dass es in seiner behutsamen Langsamkeit, in seiner Genauigkeit der Problemzeichnung, in seiner reizvollen (wenn auch nicht immer subtilen) Pointierung kein Film für die auch vorkommenden Teenies und anderen jungen Action-Fans ist… na, das braucht man wohl nicht extra zu betonen.
 
Zu Beginn fährt Giulia, unsere Heldin, in der Straßenbahn durch Zürich. Da sind auch zwei Teenager, laut plappernd, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ziehend. Neben Giulia eine gepflegte ältere Dame, die zu ihr sagt: „Ja, wir werden unsichtbar.“ Wir? denkt Giulia. Gehöre ich schon dazu? Sie sagt es natürlich nicht laut, aber Corinna Harfouch kann mit ihrem Gesicht alles vermitteln, da braucht es keine Worte. Außerdem tut sich Zaubrisches: Sie sieht sich nämlich plötzlich im Fenster nicht mehr. Das Spiegelbild ist weg (ein ewiges und schönes Motiv der Dichtung). Verschwunden im wahrsten Sinn des Wortes. Poetisches Gleichnis für eine Frau, die auf dem Weg zur Feier ihres 50. Geburtstags ist, und das ist keine einfache Sache…
 
Wir werden in dem Film sowohl den Teenagern wie der alten Dame wieder begegnen, aber bleiben wir bei Giulia, die das ungewisse Gefühl hat, etwas für sich tun zu müssen. Vielleicht eine extravagante Sonnenbrille im Luxusladen, ja, wie sieht man da aus? Hinreißend, scheint der ältere Herr zu schmunzeln. Sagen wir gleich, es ist Bruno Ganz, der mit unglaublichem Vergnügen (man kann nicht immer Hitler oder Faust oder der Papst sein!) in die Rolle des sehr reifen Liebhabers schlüpft. Denn John, dieser Reisende aus Hamburg, macht Giulia geradezu unverschämt den Hof – und sie kann nicht widerstehen, dazu ist er einfach zu überzeugend. Kurz, sie landet mit ihm in einer Bar, und die beiden plaudern, plaudern… Mag der Dialog in seiner scheinbaren Leichtigkeit manchmal etwas gedrechselt wirken, die beiden spielen das wie die kostbarsten Zeilen eines Dialogmeisters. Umkreisen ihre Situation, flirten, kommen letztlich zu dem Bewusstsein, dass man vielleicht älter, aber nicht fühllos wird. Das Leben ist noch nicht zu Ende – auch nicht in seinen schönen Seiten…
 
 
Parallel wartet eine Gesellschaft von Freunden beim Italiener auf Giulia, die einfach nicht kommt… Ein Ehepaar (Teresa Harder und Max Herbrechter), das den Sex nur noch als Turnübung begreift, die gelegentlich Muskelkrampf hervorruft, und im übrigen alles an Wellness-Fragen abhakt, die auf ihre Generation zukommen. Da ist auch ein schwules Pärchen (Stefan Kurt und André Jung), das auf einander einhackt und sich irgendwann des eigenen Verhaltens geniert, weil man sich doch mag. Und noch ein Zeitgeist-Gruftie (Daniel Rohr), der das mit dem Älterwerden nicht einsehen will. Aber diese Versammlung am Restaurant-Tisch würde doch noch der letzten Schärfe entbehren und in allgemeiner Schönfärberei versickern, gesellte sich nicht uneingeladen und ungebeten Alessia hinzu, eine jener Frauen, über die alle den Kopf schütteln und die es nicht merkt, die immer und überall im Mittelpunkt stehen und das Talent haben, in ihrer Unbefangenheit strahlend und laut in offenen Wunden zu wühlen: Das ist eine Rolle für Sunnyi Melles, wie sie leibt und lebt, und da gewinnt das bis dahin weitgehend zivilisierte Tischgespräch unglaubliche Würze…
 
  
Also, Giulia flirtet mit John, die Geburtstagsgesellschaft pflegt ihren nicht unwitzigen Schlagabtausch darüber, wie unterschiedlich man mit der wachsenden Zahl an Jahren zurecht kommt, und nebenbei ziehen die Teenager (Elisa Schlott und Hannah Dietrich) durch die Läden. Und weil es da einen Typen gibt, der offenbar furchtbar süß ist und dem sie unbedingt was schenken wollen, ist Ladendiebstahl angesagt. Das geht natürlich schief, und die Eltern können die Mädchen bei der Polizei abholen. Wobei sich herausstellt, dass die Dunkelhaarige offenbar aus einem islamischen Milieu kommt und Papa so empört ist, wie man es angesichts der Situation sein darf. Blondinchen hat hingegen geschiedene Eltern (Susanne-Marie Wrage und Samuel Weiss), die um die Gunst der Tochter buhlen, vor allem, indem sie sich als ihre „Freunde“ ausgeben und sich anschleimen, was diese Kids völlig berechtigt nur voll peinlich finden… Eltern sollen sich doch wie Eltern verhalten, zum Teufel!
 
Ja, und die gepflegte ältere Dame aus der Straßenbahn (elegant und souverän: Renate Becker) ist ins Altersheim gegangen, um dort den 80. Geburtstag einer rüstigen und vollmundigen Achtzigerin (herrlich zickig: Christine Schorn) zu feiern, der ihre Tochter (total aus der Fassung: Babett Arens) enorm auf die Nerven geht. Diese pflegt nämlich den milden „von oben herab“-Ton, den man auch Kindern gegenüber anschlägt und der Alten mit wachen Hirnen begreiflicherweise so auf die Nerven geht. Und wenn die allgemeine Harmonie durch ein paar unhöfliche Wahrheiten empfindlich gestört wird, bis glatt zum Mut zum Skandal… ja, da landen plötzlich alle für den Film wichtigen Protagonisten beim Italiener.
 
Giulia erscheint, und der Film zeigt das gar nicht realistisch: Sie ist plötzlich da, wie das Kaninchen aus dem Hut da, ein Effekt wie aus der „Feuerzangenbowle“, und verteilt Geburtstagstorte an alle. Auch an die Eltern mit Teenager und die Alten, die jetzt alle hier sind. Und dann – ja, man kann sich gut vorstellen, was sie dann mit ihrem Hamburger John macht, der ihr begreiflicherweise so viel lieber ist als die Freunde, dieser Spät-Yuppie-Durchschnitt, der mit seinem Geschwätz vermutlich nicht einmal sich selbst interessiert. (Es sei denn, Sunnyi Melles führt das Wort, dann wird man auch als Kinobesucher hellwach.)
 
Martin Suter hat diesen Film auf die Personen und nicht auf irgendeine „Handlung“ hin geschrieben, und Christoph Schaub hat ihn genau so inszeniert. Erkennbare Menschen, sensibel betrachtet, und außerdem jene poetische Handbreit über dem Boden, die die Kunst erlaubt, wenn sie im Leben schon so selten finden ist. Und Giulia ist natürlich keineswegs verschwunden, sondern voll da – wieder eine große Rolle für die große Corinna Harfouch.
 
Renate Wagner
    

  
Ab 5. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
VERDAMMNIS
Flickan som lekte med elden / Schweden / 2009
Regie: Daniel Alfredson
Mit: Noomi Rapace, Michael Nyqvist u.a.
 
Die „Millennium“-Trilogie des (mittlerweile verstorbenen) schwedischen Erfolgsautors Stieg Larsson kommt in allen drei Teilen ins Kino, wobei Teil 2 („Verdammnis“) und Teil 3 thematisch eng zusammen hängen. Hat sich Teil 1 als eigenständige Krimi-Handlung erklärt, so geht es in den beiden weiteren um das, was an den Büchern am interessantesten ist – um die Figur der Lisbeth Salander und ihr wahnwitziges Schicksal. Denn die radikale Außenseiterin, die braven Bürgern (unter den Lesern und den Kinobesuchern) auf Anhieb ein wenig Schrecken einjagen könnte, erwächst zu einer jener Persönlichkeiten, deren Schicksal man vollkommen fasziniert folgt. Nach und nach erfährt man, wie sie geworden ist, wer sie ist; begreift, wie die Mitwelt sich gegen sie vergangen hat; bewundert nahezu, wie radikal sie sich rächt (was tiefe Befriedigung auslöst); und schließlich, mit welcher innerer Kraft sie in ihrer selbständigen Isolation existiert.
 
 
Wie beim ersten Teil stellt der Leser der Bücher fest, dass die eigentliche Handlung der Geschichte ein wenig verwässert auf die Filmleinwand kommt – die Nachforschungen über Prostitution und Mädchenhandel bleiben hier (trotz der damit verbundenen Leichen) am Rande, obwohl eine Reihe von scheinbar „braven“ Bürgern in diesem Zusammenhang vorgeführt wird. Aber man hätte die Geschichte auch durchaus „Lisbeth Salander“ nennen können, denn nur ihr Schicksal (und das ist dramatisch genug) schiebt sich immer wieder in den Vorder- und Mittelpunkt - im Gegensatz zum Roman, wo der Journalist Mikael Blomkvist (den man sich beim Lesen spektakulärer vorgestellt hat als den sympathischen, pockennarbigen Michael Nyqvist) eine weit größere Rolle spielt. Hier geht es um die gejagte Lisbeth, wobei sich nebenbei eine Geschichte aufbaut, die im dritten Teil dann volle Bedeutung gewinnt – wie eine geheime Unterabteilung des schwedischen Geheimdienstes mit Hilfe eines russischen Überläufers, der schlicht und einfach ein Verbrecher war, auf blutige Art „Politik“ gemacht hat… Und Lisbeth mitten drin in dem Chaos, das noch viele Jahrzehnte später seine Schatten wirft.
 
 
Noomi Rapace ist eine Kino-Lisbeth - das heißt, als schwarze Rächerin gerade so radikal, dass sie die Sympathie des Kinobesuchers nicht verliert, aber doch so überzeugend in sich, dass die drei Romanteile in der Filmfassung solide auf ihrer Persönlichkeit ruhen können. Die „Krimi“-Handlung, nicht atemberaubend, aber ordentlich auf die Leinwand gebracht von Daniel Alfredson, ist im Gegensatz zu dem komplexen Roman schlichter geworden, damit man ihr folgen kann. Motto: alles hinter der unschuldigen Lisbeth her, und am Ende: Warten auf Teil 3. Den sich niemand entgehen lassen wird, der von Teil 1 und 2 „eingefangen“ wurde. Dennoch, es sei ehrlich gesagt: Lesen ist in diesem Fall immer noch die beste Lösung.
 
Renate Wagner
 

 
Ab 5. Februar 2010 in den österreichischen Kinos
 
 
UP IN THE AIR
USA / 2009
Regie: Jason Reitman
Mit: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman u.a.
 
Er sieht schon schmuck aus, dieser George Clooney – wie aus dem Ei gepellt und perfekt gestylt, schöner kann ein Mann nicht sein, und man wartet immer darauf, dass er einen Nespresso bestellt, aber das tut er nicht. Statt dessen ist er ununterbrochen unterwegs, zwischen Flughäfen und Hotels, und führt einen absolut Ekel erregenden Job aus. Von seiner Firma verliehen, fliegt er nur an, um Leute zu feuern, weil die meisten Chefs nicht die Nerven haben, das selbst zu tun. Und seltsamerweise sind die dichtesten Augenblicke dieses Films jene, wo man in die Gesichter jener blickt, die von einer Minute zur anderen begreifen müssen, dass sie ihre Arbeit verloren haben – die Fassungslosigkeit, die Verzweiflung, die Empörung, das Fallen ins Nichts. Aber nein, auch das ist kein Film, der sich mit diesem echten Problem auseinandersetzt (wenn er es auch nicht verjuxt oder ganz verspielt).
 
Ryan Bingham (alias der so rasend attraktive, geschniegelte Clooney) entledigt sich dieses Jobs mit öliger Glätte, vorgeformten aufbauenden Phrasen, getürkter Anteilnahme und größter Selbstgefälligkeit. Schließlich ermöglicht ihm diese Existenz genau das Leben, das er liebt – als Vielflieger (immer die 10 Millionen Meilen als Ziel im Visier), als Mann in Bewegung, ohne Bindung. Wenn er einen seiner beliebten Vorträge hält, dann kommt er mit einem Rucksack und erzählt den Menschen anhand dieses Gleichnisses, wie sehr alles, was sie an Besitz und Bindungen mit sich tragen, ja schleppen, sie nur belastet. Ihm kann das mit seinem kleinen Handköfferchen nicht passieren. Mehr braucht man nicht zwischen Luxushotel und Bar, wo sich dann immer wieder ein One-Night-Stand aufreißen lässt…
 
 
Diese ernsthafte, wenn auch ein wenig einförmige Komödie von Jason Reitman, die in den USA so viel Lob fand (der allerdings von den vielen „Golden Globe“-Nominierungen keine einzige heimtragen konnte), attackiert den selbstgefälligen Single (dem sein Leben wirklich gefällt) nun von vielen Seiten. Beruflich merkt er, dass andere nachdrücken, die glauben, genau so skrupellos zu sein wie er: Es ist bemerkenswert, wie ein Schatten über Clooneys Gesicht zieht (es ist übrigens seine beste schauspielerische Leistung seit langem), als er ein paar Sekunden lang nicht sicher sein kann, ob er nicht von der jungen Miß Keener gefeuert wird… Dann allerdings darf er sie unter seine Fittiche nehmen, muss begreifen, dass er in ihren Augen einfach uninteressant alt ist, darf aber zufrieden feststellen, dass männlicher Zynismus das Zerstören menschlicher Existenzen noch leichter aushält als weiblicher… (Anna Kendrick ist nicht hübsch, aber auf witzige Art verbissen und dabei recht komisch.)
 
Die andere Attacke kommt von Alex, Zufallsbekanntschaft in der Bar, die angenehmerweise ähnliche Unabhängigkeit postuliert wie er – die er aber dann zur Hochzeit seiner Nichte mitnimmt und plötzlich entdeckt, dass es ganz nett sein kann, zu zweit zu sein. (Vera Farmiga verkörpert die Figur als Typ exzellent, lässt nur ein von Schönheitsgeschnipsel – oder Gespritze traurig gestörtes Gesicht sehen.) Obwohl Ryan dem ganzen Familien-Getue absolut nichts abgewinnt (und dieses ausnahmsweise auch wirklich nicht beschönigt wird), kommen ihm doch so Ideen…
 
 
Das ist es, was die Handlung betrifft, auch schon. Unser Held bekommt die Nasenstüber, die er verdient, und darf enttäuscht ins Leere schauen. Aber wenn die Amerikaner kitschig sein wollen, dann tun sie es mit voller Pulle – so sehen wir die verzweifelten Gefeuerten noch einmal, aber so gut wie jeder von ihnen kann sich schließlich darauf verlassen, dass Mann, Frau, Kinder, Familie ihn in der Katastrophe auffangen. Niemand fängt unseren Ryan, denn ein Happyend gibt es glücklicherweise nicht. Die Frage, wie man leben soll, schwebt im Raum. So hinterlässt Jason Reitman das Publikum mit einem dichten Paket moralischer, alltagphilosophischer Überlegungen – es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, nicht wahr? Clooney jedenfalls spielt das so (und ehrlich überzeugend), als wäre er zu einer tiefen Erkenntnis gekommen und hätte in dem Film die wahre Menschwerdung erfahren.
 
Und wer die ganze Fliegerei-Geschichte ein bisschen gleichförmig findet, bekommt zumindest „Google Earth“-Ansichten großer amerikanischer Städte, und die Flughäfen noch dazu…
 
Renate Wagner
 

 
 

 

  
 
 
   

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Februar 2010
Der Räuber
Shutter Island
Nine
Bad Lieutenant
Der Ghostwriter
Invictus
In meinem Himmel
The Book of Eli
Synedoche, New York
Wolfman
Percy Jackson – Diebe im Olymp
Valentinstag
Giulias Verschwinden
Verdammnis
Up in the Air
 
 
Jänner 2010
Ein russischer Sommer
Sherlock Holmes
New in Town
Surrogates – Mein zweites Ich
A Serious Man
L’Enfer d’Henri-Georges Clouzot
Seraphine
Nanga Parbat
Old Dogs – Daddy or Deal
Das Kabinett des Dr. Parnassus
Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika
Haben Sie das von den Morgans gehört?
 
 
Dezember 2009
Salami Aleikum
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Fame
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November 2009 
Das Vaterspiel
Whisky mit Wodka
Hachiko
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Antichrist
 
 
Oktober 2009 
Die Päpstin
The Good, The Bad, The Weird
Orphan
Verblendung
Crossing Over
Away We Go
Der Fall des Lemming
Pandorum
 
 
September 2009
Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123
Das weiße Band
Der Weg nach Mekka
District 9
Wickie und die starken Männer
Julie & Julia
Taking Woodstock 

August 2009
Zerrissene Umarmungen

 Juli 2009
Selbst ist die Braut
Ich habe sie geliebt
Die Entdeckung der Currywurst
Affären à la Carte
Die Gräfin
Kommissar Bellamy
Ice Age 3

Juni 2009
Alle anderen
Liebe auf den zweiten Blick
Unbeugsam
Outsourced
Inside Hollywood
Terminator: Die Erlösung

Mai 2009 

Limits of Control
Forbidden Kingdom
Nachts im Museum 2
Rachels Hochzeit
Illuminati
Alles für meinen Vater

 
April 2009 
X-Men Origins: Wolverine
Die Herzogin
Palermo Shooting
Kopf oder Zahl
Contact High
Crank 2
John Rabe
Knowing
Interview Josef Hader
 
März 2009 
Kurzer Prozeß
Der Kaufhaus-Cop
Slumdog Millionär
Kleine Fische
Der rosarote Panther 2
Shopaholic
Der Knochenmann
7915 km
 
Februar 2009
Der Vorleser
The Wrestler
Milk
Ein Leben für ein Leben
96 Hours
The International
Wiedersehen mit Brideshead
Glaubensfrage
Jerichow
Bride Wars – Beste Feindinnen
 
Jänner 2009
Der seltsame Fall des Benjamin Button
Wächter der Wüste
Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat
Das Gesetz der Ehre
März
Die Stadt der Blinden
The Warlords
Far Cry
Mein halbes Leben
 
Dezember 2008
Buddenbrooks
Australia
In 3 Tagen bist du tot 2
Love Comes Lately
Tage des Zorns
Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga
1 ½ Ritter
The Women
Tintenherz
Der Tag, an dem die Erde still stand
Vicky Cristina Barcelona
Räuber Kneissl
 
 
November 2008
Krabat
Max Payne
The Strangers
Willkommen bei den Schi’tis
Zufällig verheiratet
007 – Ein Quantum Trost
 
Oktober 2008 
BUCH: Frauen, die wir lieben
Let’s make money
Waltz with Bashir
Mirrors
Die Geschichte vom Brandner Kaspar
Nordwand
Interview mit Philipp Stölzl
Nanny Diaries
Das Lächeln der Sterne
La Bohème
Actrices
Burn after Reading
 
September 2008
DER BAADER MEINHOF KOMPLEX
PENELOPE
ROMY SCHNEIDER23. September 2008: der nicht erlebte 70. Geburtstag
ROMY SCHNEIDER – EINE FRAU IN DREI NOTEN –
 TV-Dokumentation
BUCH. Romy Schneider. Film. Rolle. Leben Verlag filmarchiv austria
DIE GIRLS VON ST. TRINIAN
ZURÜCK IM SOMMER
GOMORRHA - REISE IN DAS REICH DER CAMORRA
MARRIED LIFE
BABYLON A.D.
 
 
August 2008 
Weiße Lilien
Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe
Mensch, Dave!
The Dark Knight
The Eye
Interview
Elegy
Leg dich nicht mit Zohan an
You kill me
Der Mongole
Factory Girl
Du bist nicht allein
Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers
 
 
Juli 2008
Unter Kontrolle
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian
 Akte X – Jenseits der Wahrheit
Mamma Mia!
So ist Paris
Get Smart
Er unglaubliche Hulk
Hancock
 
Juni 2008 
Bank Job
Julia
Die Insel der Abenteuer
The Happening
Dialog mit meinem Gärtner
Cassandras Traum
Lars und die Frauen
Sex and the City: The Movie
Funny Games, U.S.
21
Im Tal von Elah
 
Mai 2008  
Jodhaa Akbar
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Revanche
Brügge sehen… und sterben?
Tödliche Entscheidung
Speed Racer
Love Vegas
1 Mord für 2
Iron Man
 
April 2008  
Abgedreht
Wir verstehen uns wunderbar
Der Rote Baron


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