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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Februar/März
2010
164
- - - - -
Anton Cupak
18.03.2010
18:39:16
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Kritiken  
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GRAZ/MUSIKVEREIN: SACRIFICIUM - La Scuola dei Castrati - ARIENABEND CECILIA BARTOLI  am 17.3.2010

Geläufige Gurgel

Sind kastrierte Männer die besseren Sopranistinnen oder Sopranistinnen die besseren Kastraten? Wir können es nicht nachvollziehen, denn die Berichte über Sangesleistungen entmannter Knaben lassen sich heute nicht mehr überprüfen und der einzige akustische Beitrag des letzten Kastraten aus der Steinzeit der Schallplatte ist für eine Beurteilung wegen der technischen Qualität der Trichteraufnahme obsolet. Bleibt Frage zwei und die scheint CECILIA BARTOLI in ihrer aktuellen Gesangstournee zugunsten der Sopranistinnen entscheiden zu wollen. Zumindest aber zugunsten ihrer eigenen Gesangsartistik und ihrer Ausnahmetechnik.

 Im ausverkauften Stephaniensaal des Grazer Musikvereins fesselte die Künstlerin das Publikum mit ihrer so artifiziellen und trotzdem ausdrucksvollen Darbietung, ihrem Gespür für Phrasierung und ihrem unglaublich langen Atem und nahm damit allen jenen den Wind aus den Segeln, die das ganze als Promotionstour für ihre neue CD abtun könnten. Natürlich ist die Eigenvermarktung der Bartoli staunenswert und es waren auch nur Nummern aus ihrem letzten Album “SACRIFICIUM” zu hören, gewidmet und geschrieben für jene vor allem im 18. Jahrhundert zu Opernsängern trainierten Kastraten, die als Knaben unfreiwillig unter dem Messer ihrer Männlichkeit verlustig gerieten, gesanglich aber dafür in höhere Tonlagen und einige von ihnen sogar in unglaublich höhere finanzielle Verhältnisse gelangten. Und nach den anspruchsvollen Partien zu schließen, zu denen sich die Komponisten vom Können eines Farinelli, Senesino, Salimbelli und Co. inspirieren ließen, muß ihre Ausbildung und ihre Sangeskunst schon eine außergewöhnliche gewesen sein. Kein Problem für die Bartoli, ihre Show ist perfekt, zu den mit großen Spielanteilen versehenen Nummern hat sie immer ein passendes Kostüm parat, ob im Look eines kessen Musketiers oder als federngeschmückter Feldherr und präsentiert so dem atemlos und hustenlos (!) lauschenden Grazer Auditorium die Arien eines Porpora, Broschi, Vinci, Araia, Graun, Scarlatti und Caldara. Je nach Sujet mit endlosen Ketten von Verzierungen und Trillern, hier besonders  Araias furios vorgetragenes “Cadro, ma qual si mira” aus “Berenice” und das nicht minder wirkungsvolle “Nobil onda” aus “Adelaide” von Porpora oder mit idyllischen Sequenzen wie etwa  bei Caldara, die mit großem Ausdruck und perfektem Pianissimo geboten wurden.

 

Beste Unterstützung hatte die Bartoli durch das teilweise mit Originalinstrumenten ausgestattete Kammerorchester Basel, deren Leitung von der gleichzeitig die erste Geige spielenden Julia Schröder vorgenommen wurde. So war es ja früher auch der Brauch. Und wie sie mit Augenkontakt und Körpereinsatz die Musiker animierte ist nicht gerade alltäglich. Vor allem verstand sie es, die Bartoli jederzeit hörbar zu machen – deren Stimme ist ja nicht gerade die größte – und trotzdem die notwendigen orchestralen Akzente zu setzen.

 

Mit Riesenjubel und stehender Ovation des animierten Publikums, mit je einem Blumenstrauß für die Ausnahmesopranistin und die geigende Dirigentin sowie drei Zugaben (zwei Arien von Händel und eine von Popora) endete der Abend.

 

PS.: Und wer annimmt, dass die Kunst der Koloratur eine museale wäre, hätte sich jüngst bei der Uraufführung der “Medea” von Aribert Reimann in der Wiener Staatsoper vom Gegenteil überzeugen können!

 

Peter SKOREPA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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