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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Juli/August/Septemb.
2010
168
- - - - -
Anton Cupak
19.07.2010
13:35:40
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Kritiken  
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Dresden Frauenkirche: STEVEN ISSERLIS UND DAS AUSTRALIAN CHAMBER ORCHESTRA am 28.08.2010

In ungewohnt breitem Tempo, aber voller innerer Spannung, stark akzentuiert und nach anfänglichen Schlägen zuweilen auch mit wunderbar frischem, samtweichem Streicherklang begann das Australian Chamber Orchestra unter der Leitung seines 1. Konzertmeisters Richard Tognetti, der nach alter Musizierweise das Orchester vom 1. Pult aus leitete, sein Konzert mit Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre“ voller Enthusiasmus und Leidenschaft, in präzisem Zusammenspiel klanglich und inhaltlich wunderbar geschlossen und innerlich ausgelotet.

Mit der gleichen Hingabe wurden auch Edward Elgars spätromantisch-schwelgerische Introduktion und Allegro op. 47 klangorientiert und mit vielen Feinheiten ausmusiziert, wurde der inneren Dynamik des Werkes und der britischen Mentalität des Komponisten mit viel Verständnis nachgespürt. Bei Robert Schumanns Konzert für Violoncello und Orchester a Moll, op. 129 erlebte man durch den Cellisten Steven Isserlis die von Clara Schumann einst gerühmte „interessante Verschmelzung zwischen Cello und Orchester“. Nach Sol Gabettas Auftreten an gleicher Stelle hätte es ein Cellist eigentlich nicht leicht gehabt, aber Isserlis faszinierte von Beginn an mit seiner nicht allzu starken, aber betörend schönen Tongebung, seinem weichen, singenden, fast barocken Celloton. Er schien mit seinem Stradivari-Instrument und dem Orchester verwachsen und war nicht der vordergründige Solist, sondern ein herausragender, elegisch-klangschwelgerischer Partner des Orchesters. Zwar hätte man sich an mancher Stelle im Verhältnis zum sensiblen, fast kammermusikalischen Klang des Cellos das Orchester etwas mehr zurückgenommen gewünscht, aber auch der zarteste Ton des Soloinstruments war im großen Kirchenraum noch gut vernehmbar. Ohne Anzeichen von Routine interpretierte Isserlis nachschöpferisch das so oft von ihm gespielte Werk und bedankte sich für den herzlichen Applaus mit dem „Gesang der Vögel“, einem alten katalanischen Volkslied, das er hinreißend lyrisch, mit großer Transparenz der Stimmern, verträumt und fast verhauchend „zelebrierte“. In relativ raschem Tempo spielte das Orchester dann die 5. Sinfonie Ludwig van Beethovens, mit viel Frische und jugendlicher Leidenschaft, von Anfang an liebenswürdig heiter, optimistisch und ziemlich unbeschwert – eine ganz andere Lesbart als gewohnt, eher im Sinne heiterer Wiener Klassik.

Tognetti dirigierte mit dem Geigenbogen, die Violine in der linken Hand, wie einst Johann Strauß vor dem Orchester stehend. Es war angenehm anzuhören, aber man vermisste das tiefe innere Verständnis, die Ernsthaftigkeit dieser Komposition, bei der die Musik die Sprache ist, in der Beethoven seine aufwühlenden kämpferischen Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringt. Sein „durch Nacht zum Licht“ fand hier nur in einer sehr temperamentvollen, enthusiastischen, stellenweise sogar etwas ungestümen Musizierweise (die mitunter sogar zu kleinen Unstimmigkeiten im Zusammenspiel führte) seinen Ausdruck und mündete im sieghaft kraftvollen Schlusssatz. Für das begeisterte Publikum spielte das Orchester noch eine Zugabe: einen Ausschnitt aus Jean Sibelius’„Schwan von Tuonela“, der den Abend mit ungeheurem Klangzauber, verhalten, langsam entschwebend, ausklingen ließ.

Ingrid Gerk
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