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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Februar/März
2010
164
- - - - -
Anton Cupak
18.03.2010
18:39:16
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Kritiken  
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Der fliegende Holländer

Wiener Staatsoper, 17.3.2010

 

Diese Inszenierung von Christine Mielitz hat in der Zwischenzeit auch schon etliche Jährchen auf dem Buckel, gehört aber – gemeinsam mit ihren Britten-Interpretation – sicherlich zu den besseren Produktionen, die sie für die Staatsoper erstellt hat. Noch besser wäre die Produktion allerdings, wenn sie auf den „Ring of Fire“ bei Sentas Tod und das muntere Rudelbumsen/Vergewaltigen der Frauen durch die Seemänner verzichtet hätte. Besonders letzteres ödet nur an und will schockieren – man erkennt die Absicht und ist verstimmt.

 

Die Besetzungsliste versprach einiges Gutes – und man wurde auch großteils nicht enttäuscht. Viele Protagonisten des Wiener Rings konnten sich schon einmal einsingen und wieder aneinander gewöhnen.

 

Es ist interessant, dass in der letzten Zeit die Darsteller des Erik meistens viel mehr Applaus erhalten als die des Holländers. So geschehen auch an diesem Abend, als Stephen Gould wieder einmal bewies, dass er zu den führenden Wagner-Tenören der Gegenwart zählt. Nicht nur seine strahlenden, metallischen Höhen beeindruckten, auch – sofern der Dirigent es zuließ – seine Pianokultur ist vom Feinsten. Viele Bravo-Rufe für Gould beim Schlussvorhang!

 

Der vorhin angesprochene Holländer verblasste gegen den Erik (wäre ich die Senta gewesen, ich hätte den Holländer Holländer sein lassen und wäre bei Erik geblieben, aber was versteht ein Mann schon, was so in einer Frau vorgeht…). Juha Uusitalo hat schon als Wotan bewiesen, dass seine Stärke eher in lyrischen Passagen liegt. Und schauspielerisch ist er nicht unbedingt zur Spitzenklasse zu zählen. Auch er war ein Opfer der Orchestergewalten, die auf ziemlich rustikale Art und Weise von Graeme Jenkins, der zuletzt bei Jenufa am Pult war, entfesselt wurden. Es war vor allem laut – as allein ist aber zu wenig für die Wagnerliebhaber, die den Dirigenten dann mit vielen Buhrufen verabschiedeten.

 

Von der Premierenbesetzung übrig geblieben ist Nina Stemme, die eine tadellose Leistung ablieferte – besonders bei den dramatischen Stellen überzeugte sie, auch ihr an und ab störendes Vibrato hatte sie gut im Griff. Sie wurde am meisten bejubelt.

 

Man will ja nicht als Vergleich sofort einen Fritz Wunderlich heranziehen, aber der Steuermann sollte doch eher ein lyrischer Tenor sein. Warum für diese Rolle auf einen hervorragenden Mime-Interpreten zurückgegriffen wurde, ist eines der Besetzungsrätsel, deren es in der letzten Zeit so einige gab. Unter dieser Fehlbesetzung litten sowohl Herwig Pecoraro als auch das Publikum. Aura Twarowska gab eine unauffällige, manchmal etwas dumpf klingende Mary.

 

Hervorragend der Staatsopernchor, laut das Staatsopernorchester.

 

Fazit – eine gute Repertoirevorstellung, die allerdings wegen des Dirigats nicht ganz das gehalten hat, was die Besetzung versprochen hat.

 

Kurt Vlach

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