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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Februar/März
2010
164
- - - - -
Anton Cupak
18.03.2010
18:39:16
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Kritiken  
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DER IMPRESARIO DER SCHMIERE

 

Goldonis Stück mit der wiederentdeckten Musik von Nino Rota auf Italien-Tournee

 


Eros Pagni


Sogenannte "Filmkomponisten" werden nach wie vor sträflich unterschätzt.

Das gilt nicht nur für Korngold und Konsorten, sondern naturgemäss auch für Nino Rota(1911-1979)- der doch immerhin Lehrmeister von Riccardo Muti war!-und ungeachtet der Tatsache,dass uns allen seine Motive(Der Pate.Amarcord,....)immer noch wohlig in den Ohren nachklingen.

Der auf der vor Venedig gelegenen Insel S.Giorgio beheimateten FONDAZIONE CINI,in deren Besitz sich der Rotasche Nachlass befindet,ist es zu verdanken,dass immer neue Aspekte seines umfangreichen und erstaunlich vielfältigen Oeuvres (wieder)bekannt werden.


So hat Luca de Fusco ,der scheidende Intendant des venezianischen Teatro Goldoni, daselbst die verschollen geglaubten Theatermusiken,die der Maestro 1957 für eine L'IMPRESARIO DELLE SMIRNE (Der Impresario aus Smirna)-Inszenierung seines Freundes Luchino Visconti komponiert hat.entdeckt und daraus eine bezaubernde Revue gebastelt,die derzeit noch auf einer grossen Italien -Tournee ist.


Das ist im Prinzip insofern bereits ein genialer Schachzug, als Musik einem Prosastück, in dem es aber um nichts anderes als um die Intrigen ,Eifersüchteleien ,Hoffnungen und Enttäuschungen einer Vivaldi-haften Operncompagnie geht, von vornherein nicht schaden kann (weil dessen Sinn ohne Melos in den meisten Aufführungen-wie z.B.Claus Peymanns unsäglicher Burgtheater-Inszenierung-im Unklaren bleibt).

Und Rotas wie immer sich geschickt verschiedenste Stile zu einem eigenen Idiom aneignende Partitur ist wie geschaffen dafür,sofort Verständnis u n d Vergnügen hervorzurufen...


De Fusco steht in den phantasmagorischen, fast ausschliesslich in den Rottönen gehaltenen Bühnenbildern und Kostümen von Antonio Fiorentino und Maurizio Millenotti
sein beneidenswertes Stammensemble zur Verfügung:die drei Möchtegern-Primadonnen Anita Bartolucci,Alvia Reale und Gaia Aprea übertreffen einander an Stutenbissigkeit,Starrköpfigkeit und strategisch eingesetzter Erotik,die Herren der Schöpfung (der Halbösterreicher Max Malatesta als schmieriger Graf,Enzo Turrin als tuntiges Factotum und Eros Pagni als heillos überforderter und vollkommen verzweifelter türkischer Impresario) stehen den Damen an Verve,Hinterhätigkeit und Egozentrik in nichts nach.


Daher endet auch alles,wie es enden muss: in der Selbstzerstörung des mit Mühe zusammengestellten Opernensembles, in der Enttäuschung der grössenwahnsinnigen Träume von Reichtum und Ruhm, in der elenden Verzweiflung dieses Prekariats avant-la-lettre...


Getanzt und gesungen wird übrigens auch auf höchstem(schauspielerischen) Niveau..

Einziger Einwand :die zur "Auffettung" hinzugefügten zusätzlichen Filmmusiken Rotas , die -weil selbstverständlich ungleich bekannter-das fragile stilistische Gleichgewicht der Kompostionen ein wenig ins Wanken bringen...

Ansonsten trägt die dadurch-und durch die Inszenierung- erzeugte fellineske Atmosphäre sehr zur Erhellung der Goldonischen Vorlage und zum Entücken des Zuschauers bei.

 

Robert Quitta

 

Ps:Als "Vorgeschmack"auf die Feierlichkeiten zum 100.Geburtstag von Nino Rota wird im Juli bei dem unter neuer Führung stehenden Raritätenfestival in Martina Franca (Apulien) übrigens seine Vertonung von "Napoli Milionaria",dem Erfolgsstück und Erfolgsfilm eines anderen italienischen Theaternationalheiligen-Edoardo de Filippo-zu sehen sein...Spannend.

 

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