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Stuttgarter Ballett
„ONEGIN“ 12.+14.1. – Mehr als Nachwuchs:
Fest in kanadische Hand wurde das Hauptpaar für diese beiden – und soviel sei vorweggenommen – hoffentlich noch viele Folgevorstellungen gegeben. Denn die Solistin myriam simon und der Erste Solist evan mckie haben bereits bei ihrem Debut und naturgemäß noch mehr am darauf folgenden Abend schon mehr von der Psyche Tatjanas und Onegins erfasst, als dies mancher/m nach weitaus mehr Vorstellungen über Jahre hinweg nicht gelungen ist.
Sowohl im Frühstadium ihrer Begegnung als auch gewandelt nach der Duell-Katastrophe zu überzeugen, das zeichnet diese beiden Rolleninterpreten besonders aus. Sie zunächst das romantisch verträumte Mädchen, das den Angebeteten beinahe schüchtern von unten herauf anhimmelt; er der sogar ein bisschen Freundlichkeit zeigende, auf dem Geburtstagsfest dann aus sichtbarer Langeweile die Freundschaft mit Lenski aufs Spiel setzende Snob. Und vor allem im Traum-Pas de deux ein verlockend Liebender, so wie ihn sich Tatjana vorstellt und wie er ihr dann noch leidenschaftlicher in der Schlußszene entgegentritt.
Rein tänzerisch gesehen sind die beiden eine Augenweide: er der in perfekter Eleganz auftretende, drehende und außerdem noch auffallend weich springende Danseur noble, sie von einer Zartheit und Apartheit, die ihre Schritte zunächst mit so viel Bedacht setzt, als wäre jeder alleine eine Kostbarkeit. Kleine Hänger in ihrem Werbe-Solo waren bereits am zweiten Abend ausgebügelt, auch der Fluß der Pas de deux rundete sich da so harmonisch, als wären die beiden schon lange ein Tanzpaar. Die ideale Vorraussetzung, um übers Technische hinaus in der Gestaltung loszulassen und sich in Gefühlen zu erhitzen. So steigerten sich denn beide in der finalen Konfrontation in einen Kampf aus Verzweiflung und kurz wieder aufflammendem Liebesglück, als ginge es um ihr eigenes Schicksal. Kulminierend in einer Hilflosigkeit Tatjanas, die Myriam Simon so echt über die Rampe brachte, dass wieder einmal begreifbar wurde, dass der Tod in dieser Situation nicht schlimmer sein könnte. Davor hatte sie in der sicheren Führung von damiano pettenella als Fürst Gremin noch Gelegenheit ihre bis dahin an seiner Seite gefundene Ruhe in klarer lyrischer Linie zu präzisieren.
Nun gilt es für beide noch an kleinen Details, Gesten und charakterlichen Akzenten zu formen, und dies möglichst bald, nicht erst in zwei oder drei Jahren. Fürs erste haben beide die in sie gesetzten Hoffnungen in reichem Maß erfüllt und es geschafft, im Tanz und Schauspiel Cranko-gerecht aufzuwühlen.
Neu dazugekommen waren am ersten Abend auch hyo-jung kang als Olga und william moore als Lenski. Sie mit quirliger Lebenslust und rollengemäßer Leichtfertigkeit, federnd ausgewogenen Spitzen-Drehungen und sauberen Jétés, er mit seinem wieder umwerfend sympathischen Charme und einer bei ihm schon fast üblich gewordenen Rolleneinfühlsamkeit. Bis auf ein paar schwerfälliger als sonst von ihm gewohnte Sprünge (das ist Tagesform und schmälert nicht seine Leistung) bewies er besonders in seinem klagenden Solo stilvolle Natürlichkeit. Auch für ihn sind weitere Vorstellungen baldmöglichst erforderlich, um aus dem jetzt schon guten einen ausgezeichneten Lenski werden zu lassen.
Davon war marijn rademaker am zweiten Abend leider weiter entfernt. Wie schon im November entstand der Eindruck, als würde ihm die Rolle technisch nicht so gut anstehen, um mit der von ihm in vielen anderen Stücken gekannten Identifikationskraft in den in seiner Ehre leicht verletzbaren Dichter tiefer einzudringen. elizabeth mason wiederum ist eine bezaubernd leicht schwebende Olga mit kindlichen Zügen.
Hauptsächlich Lob für das Corps de ballet und das staatsorchester stuttgart unter der Leitung von james tuggle als optische bzw. akustische Stimmungsfüller dieser beiden mit gebührender Anerkennung gefeierten Vorstellungen.
Udo Klebes |
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