Der neue Merker
blank
blank
blank
   
blank
blank
blank
STARTSEITE
AKTUELLES
BILDERGALERIE
KÜNSTLER-INFO
THEATER-INFO
INTERVIEWS
SPIELPLÄNE
KRITIKEN
blank Musiktheater
blank Ballett
blank Konzert
blank Sprechtheater
blank Ausstellungen
REVIEWS
WIEN-INFOS
TANZ-NEWS
JUBILÄEN
CD/DVD/BUCH
FILM/TV
FORUM
ARCHIV
BESTELLEN
EVENT-SEITEN
KONTAKT
WERBEPARTNER
IMPRESSUM
Merker 2002-2007
blank
blank
blank
blank
blank
blank
22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
blank
blank
blank
blank
Kritiken  
Die Kritiken früherer Ausgaben sind unter dem entsprechenden Menüpunkt "Merker 2002-2007" abrufbar, auf unserer neuen Website finden Sie die älteren Kritiken wie gewohnt unter dem Menüpunkt "Archiv" - auch nach Jahren! Keine Kritik geht daher verloren.
 
Besuchen Sie auch die Site unseres Kooperationspartners www.deropernfreund.de
 
blank
Baden / Stadttheater: 
DIE BAJADERE von Emmerich Kálmán
Premiere: 16. Jänner 2010, besucht wurde die zweite Vorstellung am 17. Jänner 2010
  
 
Wieder einmal ein Bericht aus dem seltsamen Biotop namens Baden bei Wien, wo die Spezies Operette überlebt, blüht und gedeiht, als wäre die Zeit stehen geblieben, und wo man die Werke dieser Gattung auch dann mit spürbarer Liebe und Sorgfalt auf die Bühne bringt, wenn nicht Robert Herzl persönlich inszeniert. Wahrscheinlich hat man die Worte des Literaturwissenschaftlers Willy Haas als eine Art Motto ins Programmheft gesetzt: „Ich habe gegen Operettenfeinde schwerwiegende Verdachte. Es sind meist Bildungsheuchler, vertrocknete Exaltados, Expressionisten, Pen-Clubmitglieder, mit einem Wort: Gerippe ohne Fleisch. Es kommt nur auf eines an: Ob so eine Operette Lebensfreude verbreitet. Andere ‚Werte’ gibt es hier nicht.“
 
Haas schrieb diese Worte 1926, und die zwanziger Jahre waren nach der Gründerzeit die zweite „hohe“ Zeit der Operette. Kálmán schrieb „Die Bajadere“ 1921, nach der „Csardasfürstin“, vor der „Gräfin Mariza“, und außer den Rhythmen der Zeit beschwor er einen Exotismus, dem drei Jahre später Lehar auch mit der „Gelben Jacke“ (in der Umarbeitung „Land des Lächelns“) huldigte, nur dass dieser nach China ging, Kálmán nach Indien blinzelte. Aber die Handlung spielt in Paris, im Theatermilieu, die als „Bajadere“ tanzende französische Diva und der orientalische Fürst (damals gab es angeblich noch einen „Radja von Lahore“, und dieses lag noch in Indien) geben die bekannt-unwiderstehliche Mischung von Schönheit, Macht und irgendeinem im Hintergrund wohl grüßenden sagenhaften Reichtum. Von verzehrender Liebe ganz zu schweigen...
 
Für die „Bajadere“ hat Kálmán erstmals mit dem Librettistenpaar Julius Brammer und Alfred Grünwald zusammen gearbeitet, und was die beiden an unverschämtem jüdischem Witz auf die Bühne bringen, sprachlich wie auch in den Figuren, macht das Werk heute noch zu einem wahren Feuerwerk. Sie haben vor allem neben der üblichen Liebeshandlung das Buffo-Paar auf ein Buffo-Trio erweitert, das eine giftig-brillante Satire auf die Ehe darstellt: Solange Marietta mit Philippe verheiratet ist, einem dicken, müden Mann, wird sie von dem quirligen Napoleon (der möglicherweise Leopold heißt) heiß umschwärmt. Sieht man sie bei nächster Gelegenheit als dessen Gattin, ist dieser fett und müde geworden, während der Ex-Gatte als Junggeselle nun schlank und hoch lebendig wiederum zum Ziel der Begierde wird…
 
Die Badener Inszenierung von Alexandra Frankmann findet in einem „Traum-Bühnenbild“ von Sam Madwar statt, elegantes Theater-Ambiente (Stiegenhaus, Bühne, Garderobe), Festsaal beim Radja, und – am hinreißendsten – eine Hotelbar ganz im Jugendstil, ein Fest für die Augen. Die Kostüme von Friederike Friedrich sorgen dafür, dass jeder auf der Bühne absolut optimal aussieht, und die Choreografie von Bohdana Szivacs verwandelt alles, was normalerweise dummes Herumstehen auf der Bühne wäre, in lebhafteste Bewegung. Und wenn dann des Abends größter Hit erklingt, „Fräulein, bitte, woll’n Sie Shimmy tanzen“, dann zuckt es angesichts des auf der Bühne entfalteten Temperaments wohl auch den Zuschauer in den Füßen.
  
 
Solcherart in einen idealen Rahmen eingebettet, sorgt die Regisseurin dafür, dass das absolut übliche Hin und Her des Liebesspiels von Radja und Diva nicht allzu albern und sentimental wird, hat aber keine Hemmungen, die Komiker geradezu explosiv zu führen. So kann es natürlich passieren, dass diese immer wieder nach Punkten führen, nämlich die kapriziöse Gabriele Kridl zwischen dem geschmeidigen Roman Martin und dem entfesselten Boris Pfeifer (der mit der Schilderung einer Tigerjagd in Indien eine Blödelszene erster Ordnung bekommen hat). Ein As unter den Komikern ist auch noch Franz Suhrada als Pimprenette, Chef de Claque (wenn man ihn auch ohne seinen blonden Wuschelkopf auf Anhieb gar nicht erkennt), und die restlichen Herrschaften machen gute Figur, von Josef Koepp als englischem Oberst über Beppo Binder als indischem Diener bis Walter Schwab als geplagtem Theaterdirektor und wer sonst noch über die Bühne wieselt.
 
Das Liebespaar ist gut besetzt: Patricia Nessy ist ein aparter Typ mit mittelgroßer Stimme, aber mit der ungewöhnlich hohen Tessitura ihrer Rolle nicht überfordert, und der ausgezeichnet Deutsch sprechende Pole Alexander Pinderak (deutlicher singend als mancher Einheimische!) macht als Prinz noble Figur und lässt auch eine an sich gute Stimme hören, die sich allerdings nicht immer öffnet und vor allem für das Haus nicht groß genug ist. Wie er an der Volksoper demnächst Alfredo und Belmonte singen will, wenn man schon im kleinen Haus in Baden, bei der Operette, das Gefühl hatte, man wolle den Ton um ein paar entscheidende Nuancen weiter „aufdrehen“, kann man nur abwarten.
 
 
   
Und weil man in Baden gar nicht genug für die Operette tun kann, gibt es beim Fest des Prinzen neben einem orientalischen Tanz noch eine Zirkusnummer („unter der Kuppel“) als Draufgabe… was will man mehr? Gar nichts. Volle Zufriedenheit herrschte, nicht zuletzt, weil das Orchester unter Oliver Ostermann den ganzen Reichtum von Kálmáns musikalischer Erfindungsgabe von schmelzend bis Shimmy hinreißend aufmischte.
 
Renate Wagner
Diese Seite drucken
blank
 
Adminblank Copyright 2009 DER NEUE MERKERblankHosted by KingBill Rechnungenblank