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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Kritiken  
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Kiel: „Meistersinger“ ohne Butzenscheibenromantik
Von Horst Schinzel


Ralf Lukas (Sachs) und Tomohiro Takada. Photo: Olaf Struck


Neben dem „Ring“ ist es vor allem Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“, an die sich die Intendanten unserer Stadttheater nur einmal im Abstand einer Generation wagen. Der riesige Apparat, Besetzungsprobleme, das sind die Gründe, die lange  verschrecken. Jetzt kann man in  Kiel  Wagners teils großartige, teils vom Pathos her nicht mehr in unsere Zeit passende Oper erleben. Um es gleich am Anfang zu sagen: Der ganz große Erfolg ist ausgeblieben. Dafür gibt es viele Gründe.

Das – freischaffende - Regieteam mit dem Götz Friedrich-Schüler Roman Hovenbitzer, Tilo Steffens (Bühnenbild) und Henrike Bromber (Kostüme) überkrampft sich bei dem Bemühen, Butzenscheibenromantik zu vermeiden. Allenfalls die Katharinenkirche ist noch als solche zu erkennen. Fachwerkhäuser gibt es nicht, der Reichswald  ist arg vom Waldsterben betroffen, die Schusterwerkstatt des Hans Sachs ist eine Gelehrtenstube, auf die allerlei Statuen herabschauen und die Festwiese verkommt zum Kitsch  Halbnackte junge Damen tragen ein Blumenherz auf die Bühne, anderen Gespielinnen versteueren aus Füllhörner Rosenblätter o der Wedeln mit Lorbeerzweigen.

Ganz arg wird es in der Schluss-Apotheose: Weil die Nürnberger im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen noch eine Leiche im Keller haben,  wird die tatsächlich gezeigt. Sachs steigt zu der herab, um sich dann vor dem Pathos des Schlusschors erschrocken abzuwenden. Er will fliehen – nur wohin. Und für die, die es noch immer nicht begriffen haben, ziehen Trompeter in Bundeswehruniformen auf.

So kommt denn das Werk seltsam unterkühlt daher. Der Funke springt nicht über. Anfänglich ist das Premierenpublikum sogar offensichtlich verschreckt, wie nach der ersten Stunde – die Aufführung dauert deren sechs – vereinzelte Buhrufe erschallen. Keine Lacher, kein Szenenbeifall. Doch, einmal doch: Als Kammersänger Hans Georg Ahrens als Nachtwächter ein zweites Mal seine Runde dreht und seinem Horn nur klägliche Töne abringt, dankt das Auditorium wie befreit mit herzlichem Szenebeifall.

Für die Rolle des Hans Sachs wurde mit Ralf Lukas ein viel beschäftigter Wagner-Sänger gewonnen. Seine Maske lässt darüber staunen, dass er schon Witwer ist und die Kinder aus dem Haus. Der Sänger betont den Verzicht, der in dieser Rolle steckt. Ein Verzicht, der in der versuchten Flucht am Schluss gipfelt – eine durchaus gültige Interpretation. Sängerisch  bietet Lukas eine abgerundete Leistung. Neben ihm hat es der zweite Gast Corey Bix weit schwerer. Er muss sich lange einsingen und betont dann das Buffoeske seiner Rolle. Ein Ritter halt, der es schwer hat, seinen Platz in der bürgerlichen Gesellschaft zu finden. Bei seinem ersten Auftritt lässt die Regie ihn mit der großartigen Susan Gouthro als Eva Pogner in der Kirche (!) Sex treiben. Aber diese Sängerin bietet ansonsten an diesem Abend die beste Leistung ihrer Kieler Zeit.

Den Sixtus Beckmesser hat Tomohiro Takada durchtrieben und bösartig angelegt. Immerhin muss man in ihm den  Büroleitenden Beamten der Nürnberger Ratskanzlei sehen. Vor allem im Dritten Akt wird er zur Karikatur seiner selbst, die man nur bemitleiden kann. Der David des Fred Hoffmann ist der Maske nach offenbar auf dem zweiten oder gar dritten Bildungsweg zur Schusterlehre gekommen  Entsprechend schüchtern ist oftmals sein  Auftreten. Aber sängerisch macht er seine Sache gut

Das lässt sich auch von den vielen übrigen Chargen wie vom Chor der Lehrbuben sagen. Ebenso vom verstärkten Chor  in der Einstudierung von David Maiwald  Das Philharmonische Orchester der Landeshauptstadt Kiel ist schon .von seiner Kopfstärke her weit davon ab, ein  „Wagner-Orchester“ zu sein. Unter der stimmigen Leitungen von Generalmusikrektor Georg Fritzsch gefallen vor allem die leisen Abschnitte. In der schmetternden  Schluss-Apotheose tragen die Musiker im Graben arg dick auf. Da könnte sie der GMD gerne etwas zurücknehmen…

Schon nach den Aktschlüssen ist der Beifall warm und herzlich und steigert sich zum Schluss Aber es wurde deutlich: Er galt eben den künstlerischen Leistungen.

Weitere Aufführungen:
21. Februar , 16 Uhr, 28. Februar 17 Uhr.

Postfach 347 * 23 693 Eutin * Tel 04521 790 521 * Mobil 0176 4801 3589 * Fax 04521 790 522 * email hskultur@aol.com  .

 

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