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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Kritiken  
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Brünn: „DENIK ANNY FRANKOVÉ“ = „TAGEBUCH DER ANNE FRANK“  von Grigori Frid-  Premiere  27.1. 2010

Laut google gibt es von Grigori Frid (geb. 1915) nur wenige Kompositionen, darunter eine weitere Oper. Das „Tagebuch“ ist deshalb etwas Besonderes, weil es die ungeheure Bestialität des Nazi-Regimes zum Thema hat. Jene Frau, eine gebürtige Wienerin, die damals die Familie Frank versteckt hat und nach deren Entdeckung und Verhaftung das Tagebuch der Anne an sich genommen hat und dadurch rettete, verstarb kürzlich im 100. Lebensjahr.

Die Produktion in Brünn, eine Ko-Produktion mit dem Gärtnerplatztheater, war von zahlreichen Schulprojekten begleitet. Die Komposition wirkt eigenständig, manchmal scheint sie eine Mischung aus Schönberg und Schostakowitsch zu sein.

RALF LUKAS-KINDERMANN schuf für das Ein-Personenstück eine dichte Führung der Sängerin. DANIEL DVOØÁK entwarf die Ausstattung: ein Dachboden mit einer Zwischendecke, durch Balken in 4 Teile gegliedert. Von PAVEL AUTRATA kam die exzellente Ausleuchtung. Wenn die Gestapo Anne abholt, blenden starke Scheinwerfer.

DAVID ŠVEC
erreichte mit dem kleinen Orchester eine bewegende, spannende und zwigende realisierung der Partitur. Vorzüglich war das Ergebnis jedenfalls.

Eine ganz großartige Leistung jedoch konnte man von TEREZA MERKLOVÁ erleben, und zwar sängerisch und darstellerisch. Sie wuchs gleichsam über sich hinaus. Intensiver und überzeugender geht es nicht mehr. Sie ist ja immer allein auf der Bühne!

Tatsächlich, niemand klatscht in die Stille, wenn die Musik verlöscht. Erst als das Licht angeht, erhebt sich stark begeisterter Beifall und für die Sängerin gibt es zahlreiche Bravorufe. Sie hat es sich verdient. Es war ein ganz starkes Erlebnis, nicht nur wegen der schrecklichen Handlung, ebenso durch die starke Komposition und die mehr als vorzügliche Realisierung.

Martin Robert BOTZ

PS: Die Bilderbuch-Inszenierungen aus der Zeit des Realsozialismus wurden nach der Revolution immer weniger. Nun gibt es sie gar nicht mehr. Eine neue, moderne Ästhetik entstand, zwar nicht extrem und ohne Werk-Zertrümmerung, aber immerhin.
Es gibt einen neuen Operndirektor. Sein Künstlername ist Rocc. Er macht auch Ausstattungen (Bühne und Kostüme). Der neue Musik-Chef ist der bekannte Caspar Richter. Man darf auf die Pläne der beiden für die nächsten Jahre neugierig sein
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