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Berlin, Deutsche Oper: „LOHENGRIN“ als Sängerfest, 29.01.2010
Sind wir hier bei den „Meistersingern“? Nein, bei einer „Lohengrin“-Aufführung an der Deutschen Oper Berlin, doch es wird in der Tat meisterhaft gesungen. Die luxuriöse Besetzung mit allseits bekannten Stars hat offenbar Wagner-Freunde von weit her herbeigelockt. Viele Englische, Wienerische und osteuropäische Laute sind in den Pausen zu hören.
Zu sehen bekommen die Gäste eine opulente Inszenierung von Götz Friedrich, die am 23. Juni 1990 an diesem Haus Premiere hatte. Er hat die Oper in der Zeit angesiedelt, in der sie nach Wagners Libretto spielt, hat also auf der Bühne das frühe Mittelalter 1 : 1 und mit gehörigem Pomp nachgebildet. Das Publikum, oft vom Regietheater erschreckt, liebt mehrheitlich solch konservative Bühnenbilder. Der Kontrast zu der sich modisch gebenden Marionetten-Ansammlung in der Staatsoper könnte größer kaum sein.
Zu Götz Friedrichs Entwurf passen die aufwändigen historischen Kostüme von Peter Sykora. Die schlanke Waltraud Meier als Ortrud sieht in ihrem dunkelblauen Edel-Outfit hinreißend aus. Ricarda Merbeth als Elsa von Brabant trägt natürlich Weiß, die Farbe der Unschuld, wird sie doch, wie wir wissen, zu Unrecht des Brudermords bezichtigt. Zwei schöne Frauen spielen diese weiblichen Hauptrollen, und ihre Stimmen sind noch fabelhafter als ihre Gewänder. Doch selbst im Lumpen ist Waltraut Meier ein Erlebnis.
Beide Damen werden auch darstellerisch ihren Rollen bestens gerecht. Schon dieser Blick der Ortrud spricht Bände, zeigt ihre Verführungskunst, ihren Hochmut und ihre abgrundtiefe Bosheit. Wie sie mit elegant strömendem Mezzo einige Worte singend heraushebt und ihnen so eine besondere Bedeutung zumisst, lässt immer wieder aufhorchen. Eine kostbare Stimme, die erwartete Sensation des Abends.
Ricarda Merbeth zeichnet glaubhaft die zunächst von Verdächtigungen Geplagte und die Träumerin, die von der Rettung durch einen Ritter überzeugt ist. Ihre dramatischsten Momente hat sie im dritten Akt, wenn sie ihren Gatten bedrängt, doch seinen Namen preiszugeben. In Gesang und Attitüde macht sie deutlich, dass sie – entgegen ihrem Gelöbnis - nicht nur aus purer Neugier fragt, sondern aus panischer Angst, diesen Mann wieder zu verlieren, wenn sie dessen Identität nicht kennt. Elsa als psychologischer Fall.
Den Ritter gibt als Stargast der Kanadier Ben Heppner, ein international gefragter Heldentenor. Seine große Stunde schlägt ebenfalls im dritten Akt. Zärtlich singt er die Worte „wir sind allein, zum erstenmal allein, seit wir uns sahn“. Welch ein Augenblick für zwei Liebende! Auch das Begehren und die Furcht vor Elsas Frage bietet er tonschön und in guten Schattierungen. Doch unsere Augen mögen ihm das nicht so recht glauben, verharrt er doch zumeist in starrer Heldenhaltung. (Und er muss sich ja auch nach Wagners Willen zurückhalten und lange Zeit damit begnügen, seine Geliebte nur anzuhimmeln.)
Die Schurken haben es generell leichter, so Eike Wilm Schulte als Friedrich von Telramund. Anfangs ein geachteter Graf, der aber voll unter dem Einfluss seiner bösartigen Frau steht. Markig seine Verdächtigungen gegenüber Elsa, abgrundtief dann seine Verzweiflung als vom Ritter Besiegter und vom König Verstoßener. Wieder von Ortrud angestachelt, versucht der Verfemte ein Comeback. Diese Stimmungswechsel gestaltet Schulte glaubhaft, nicht nur schauspielerisch, sondern auch gesanglich. Ein Bariton voller Möglichkeiten und die Überraschung des Abends. Ihm und Waltraut Meier gehört der zweite Akt. Und diese beiden ernten vom offensichtlich sachkundigen Publikum zuletzt noch mehr Bravos als Frau Merbeth und speziell Herr Heppner, den zuletzt eine kleine Indisposition plagt.
Auch die kleineren Rollen sind bestens besetzt. Kräftigem Applaus belohnt daher Kristinn Sigmundsson als König Heinrich (Heinrich der Vogler) und Anton Keremidtchiev als sein Heerrufer. Noch weit mehr Jubelrufe gelten dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, das unter der engagierten Leitung von Michael Schønwandt dieser Aufführung ebenso zum Erfolg verholfen hat wie der von William Spaulding einstudierte und viel beschäftigte Chor, ohnehin ein Glanzlicht des Hauses.- Weitere Aufführungen in dieser Besetzung laut Programm am 6., 9. und 13. Februar