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MÜNCHEN, Bayerische Staatsoper, „MADAMA BUTTERFLY“, 30.1.2010
Viele Kinder saßen im Publikum dieser abendlichen Familienvorstellung mit vorheriger Kindereinführung. Und wenn alle so begeistert nicken auf die Frage, ob es denn gefallen habe wie meine 10-jährige Sitznachbarin, dann muss man um das zukünftige Opernpublikum keine Sorge haben. Das Mädchen will auf jeden Fall wieder in die Oper gehen. Recht hat sie, denn es wurde szenisch (Inszenierung Wolf Busse), optisch (Bühne Otto Stich, Kostüme Silvia Strahammer) und vor allem musikalisch viel geboten, um das Bild des alten Japan mit seinen Zwängen und Traditionen wiederauferstehen zu lassen.
Olga Guryakova in der Titelrolle ist mit ihrem vollen dramatischen Sopran ganz und gar kein mädchenhaftes Püppchen, sondern tritt schon im ersten Bild selbstbewusst und würdevoll auf. Die große Arie „Un bel dì vedremo“ singt sie wie eine grandiose Vision und wirkt beim „l’aspetto“ fast wie im Delirium. Butterflys Tod wird zelebriert wie eine antike Tragödie.
Ihr zur Seite Daniela Sindram, deren Suzuki keine ergebene Dienerin, sondern in Haltung und Stimme eine ebenbürtige Freundin und Ratgeberin ist. Der leichtsinnige Verursacher des ganzen Unglücks war mit Miroslav Dvorský als Pinkerton gut besetzt. In seiner Stimme blitzt immer wieder das Timbre seines früher gefeierten großen Bruders Peter auf. Miroslav Dvorský hat auch keinerlei Höhenprobleme und kommt mühelos übers üppige Puccini-Orchester. Doch lässt er einiges an Raffinesse und Differenziertheit vermissen und bietet eher strahlende, robuste Lautstärke, denn schmeichelndes Liebeswerben.
Überaus rollendeckend Levente Molnár als Sharpless, dessen voluminöser Bariton und Statur gebieterische Autorität ausstrahlten. Mit dem überzeugend schmierig-durchtriebenen Goro von Kenneth Roberson möchte man im wirklichen Leben lieber nichts zu tun haben und auch Christoph Stephingers kurzer bassgewaltiger Auftritt als Onkel Bonzo beeindruckte sehr.
Asher Fisch hatte einen sehr guten Abend, ließ das Bayerische Staatsorchester in Puccinis Melodien schwelgen und zeigte deren sinfonische Qualitäten gerade auch im letzten Bild auf.
Einhelliges Bravo und sehr kurzer, heftiger Applaus für Solisten und Dirigent.
Jakobine Kempkens |
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