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Elena Karpuhina (Olga - F: Tandy + privat - F: Kletsch)
MÜNCHEN - Bayerisches Staatsballett - „ONEGIN“ 29.1. – in besten Händen:
An John Crankos zweiter Wirkungsstätte, beim Bayerischen Staatsballett wurde sein Puschkin-Klassiker erstmals 1972 einstudiert – mit dem jung verstorbenen Heinz Bosl un
d der späteren Direktorin Konstanze Vernon als Hauptpaar. Viel Zeit ist seither vergangen, und der Vermerk als bereits 226. Vorstellung zeigt, dass sich dieses Werk auch außerhalb von Stuttgart als unverzichtbarer Bestandteil des Repertoires und als eine der wichtigsten Herausforderungen zur Entwicklung und Reifung von Tänzerpersönlichkeiten behauptet hat.
Noch erfreulicher wiegt die Feststellung, dass es immer wieder neue Interpreten gibt, die sich vor den Maßstab setzenden Größen der Vergangenheit nicht zu verstecken brauchen. In lucia lacarra und marlon dino hat München derzeit eine Konstellation, von der das Publikum zu Recht in Begeisterung gerät und sie voller Bewunderung mit Ovationen überschüttet. Lacarra macht sowohl das zuerst schwärmerische Mädchen und später die gesetzte, an der Seite von Gremin (der etwas steife, aber in der Führung sehr solide vincent loermans ) geborgene Frau glaubhaft, tanzt mit Herz und Seele und gibt sich in den Pas de deux Onegin in lückenlosem Vertrauen vollkommen hin. Das ist bei Marlon Dino - auch im richtigen Leben ihr Partner – durchweg nachvollziehbar. Nicht nur, dass der 1,95 m große Albaner bei jedem seiner weich geschmeidigen Auftritte und selbstbewusster Haltung eines Mannes von Welt allseits bewundernde Blicke auf sich zieht, er fordert seine Partnerin auch zu vehementen Reaktionen heraus. Auf diese Weise macht er auch den aus Überheblichkeit zu Unheil stiftenden verführerischen Mitteln greifenden Gutsbesitzer zum erwünscht starken Charakter. Berührend, wie aus dem blasierten ein durch das Duell gezeichneter Mann wird, der sich vor Beklemmung immer wieder an den Hals greift und Tatjana in der finalen Begegnung zum Äußersten treibt. Kein Wunder, dass auch Lacarra hier mit der Fassung kämpft und der Widerstreit der Gefühle Funken schlägt. Intensiviert wird die Spannung zwischen beiden durch den makellosen choreographischen Fluss, in dem die kühnen Hebefiguren wie selbstverständlich wirken. Im übrigen zeigen beide auch solo viel technische Brillanz.
Das gilt auch für die entzückend frohsinnige und durch ihre agile Beinarbeit und lyrischen Qualitäten auffallende Olga der elena karpuhina. Nicht mithalten auf diesem Niveau kann tigran mikayelyan, der mit etwas kantigen Bewegungen wenig Linie zustande bringt und sicher auch deshalb an der Oberfläche eines eifersüchtigen Liebhabers hängen blieb. Selbst wenn es an schlechter Abendverfassung gelegen haben mag, allein typbedingt ist er ein Fremdkörper in diesem Werk.
Frisch und wohl koordiniert gelangen die Gruppen-Tänze. Nicht durchgehen dürften allerdings die viel zu jungen Herren bei den Senioren, deren angedeutete körperliche Leiden lächerlich statt köstlich komisch wirkten. Stimmungsvoll im Kammermusikalischen, seltsam dumpf und matt in den Tutti klang (platzbedingt?) das bayerische staatsorchester, allerdings hätten die dramatisch zugespitzten Momente etwas mehr Antrieb seitens des eher brav als inspiriert dirigierenden myron romanul benötigt.
Insgesamt wurde begreifbar, warum Cranko die Choreographie auf die kleineren Maße der Stuttgarter Opernbühne zugeschnitten hatte, weil sich die intimeren Szenen auf der breiten und weitläufigen Nationaltheater-Bühne trotz der erwähnt guten Leistungen nicht immer in der gewünschten Dichte des Geschehens einstellten.
Udo Klebes (Stuttgart) |
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