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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Kritiken  
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Im Zeichen der Trikoloren - Oper Köln "Fest der schönen Stimmen" - 30.1.2010

Traditionsgemäß im Januar oder Februar laden die "Freunde der Oper Köln eV" zum Fest der schönen Stimmen. Renommierte Opernstars und Mitglieder der Kölner Oper laden dann zur Reise in die Welt der Oper und im Mittelpunkt steht seit 2005 die Verleihung des Offenbach-Preises. Die Preisträgerin 2010 Claudia Rohrbach wurde Opfer der diesjährigen Grippewelle, wurde aber von Britta Stallmeister, Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, mehr als souverän vertreten. Auf einen Preisträger mußten alle Opernfreunde aber dennoch nicht verzichten, mit Miljenko Turk stand der Preisträger 2006 auf den Kölner Weltbretterm.

Im Mittelpunkt stand diesmal eine Begenung zweier Trikoloren: Während die Stars aus Italien kamen, die Mezzosopranistin Sonia Ganassi und Tenor-Jungstar Massimo Giordano, standen Opernschmankerln französischer Provenienz auf dem Programm. Als musikalischer Cicerone konnte nach seiner fulminanten "L'Italiana in Algeri"-Serie erneut Will Humburg gewonnen werden und er stimmte im "kölschen Karneval" gleich die Hymne auf die römische Session an. Hector Berlioz "Le carnaval romain"-Ouvertüre verfehlte ihre schwungvolle Wirkung nicht. Humburg reizte das bestens präparierte Gürzenich-Orchester Köln zum feinnervig minutiösen Spiel und entfesselte ein Klangfeuerwerk als sprudelten die Brunnen Roms nicht Wasser sondern prickelnden Prosecco, angestrahlt durch die exotischsten Bengalfeuer. Die becircende Meditation aus Jules Massenets viel zu selten erklingender Oper "Thais" spielte Konzertmeisterin Shin-Kyung Kim anmutig unprätentiös mit würdevoller Note, von ihren Kollegen stimmungsvoll verhalten begleitet. Vor dem altägyptischen Alexandria machte die Reise noch Halt im shakespearschen Verona unter dem musikalischen Blickwinkel Charles Gounods. Bekanntlich strahlt im Veneto die Sonne nicht immer aus azurner Bläue, sondern spendet meist ein blasses Licht aus einem Milchglashimmel. Doch Romeos Sonnenhymnus verschleierte diesmal noch ein ganz anderer Nebel. Massimo Giordano verfügt über eine recht interessante, wohlklingende Tenorstimme, wenn er sie richtig ohne manieristische Mätzchen führen könnte und er die Ohren nicht mit seienm französischen Kauderwelsch penetrierte. Dieser Negativeindruck sollte sich den Abend über noch ins Unerträgliche steigern. Doch von Italien und Ägypten ging es erst einmal ins indische Zauberreich, wo Delibes anmutige Tempeltänzerin Lakme und ihre Dienerin Mallika die Blütenpracht besingen. Sonia Ganassis pastoser Mezzo und die zarte Koloratur der Stallmeister umschmiegten sich unter dem feinsinnigen Dirigat Humburgs wie die besungenen Lianen des indischen Dschungels. Betörend kam dann die Ganassi als Dalila daher mit den verführerischen Melismen Saint-Saens: "Mon coeur s'ouvre a ta voix" - vom Gürzenich-Orchester gewoben, legte sich ein schwerer edler Teppich unter Dalilas Füße. Weiter ging es nach Ceylon,  wo die befeindeten Freunde Nadir und Zurga aufeinandertrafen, um ihre gemeinsame Liebe zu huldigen. "Au fond du Temple Saint" der Opernschlager aus Bizets Feder. Während Miljenko Turk auf feinsinnige Kantilene und Noblesse seines Baritons setzte, erging sich der Tenor in aufgesetzten Manierismen und versuchte seinem Baritonkollegen mit unschön forcierten Spitzentönen die Show zu stehlen.

Nach der Pause endete die Reise im Wetzlar Goethes,  von Jules Massenet meisterlich in Töne gesetzt. Hier konnte sich Humburg erneut als wahrer Klangmagier erweisen. Auf dem Programm standen die Akte drei und vier aus Massenets "Werther". Humburg gelang ein feinsinnig auszisiliertes Psychogramm, in solch aufwühlender Dramatik verbunden mit einer Auslotung der delikaten Instrumentierung hat man diese Partitur selten gehört. Ein wahres Juwel das grandios dargebotene Tableau musical der "Weihnachtsnacht". Sonia Ganassi nahm diese Vorlage als Charlotte allzugerne auf, ihre ergreifende Gestaltung der Briefszene ihr erschütterndes Mitleiden angesichts des sterbenden Geliebten zeichneten den italienischen Mezzo als eine Idealbesetzung dieser Rolle aus. Von ihrer Rollenerfahrung in der beispiellosen Decker-Inszenierung an der Frankfurter Oper konnte Britta Stallmeister auch in der konzertanten Kölner Aufführung profitieren. Mit Anmut und perfekter Koloratur konnte sie dank Humburgs einfühlsamer Begleitung Sophies kleines Vogelarioso zu einem kostbaren Juwel aufwerten. Einen noblen, doch finsteren Albert zeichnete Miljenko Turk. Problematisch war hingegen wieder Massimo Giordano. Zwar lag ihm die Tessitura und die Figur des melancholischen Dichters etwas besser, aber während die anderen Künstler aus der Vorgabe Humburgs Funken zu schlagen und zu profitieren wußten, verharrte Giordano auf tradiert ausgetrampelten Pfaden. Man konnte sich angesichts der dargebotenen Larmoyanz des Tenors, dem selbst der Tenorschlager "Pourquoi me reveiller" mißlang, des Eindrucks nicht erwehren, hier feiere eine längst überwunden gewähnte Spezies, die des italienischen Schmierentenors, erneut fröhliche Wiederauferstehung. Giordano unterstrich dies noch durch eine völlig überzogene Sterbeszene. Mit aufgesetzter Leichenbittermiene und wehklagendem Händeringen gelang es ihm Sympathie und Mitleid der Lächerlichkeit preiszugeben.

Wie im täglichen Leben gibt es immer Teilnehmer, die einem eine Reise vermiesen, da kann der Verlauf noch so ausgeklügelt und kostbar erdacht sein. Trotzdem war der Besuch dieser Reise lohnenswert und man darf auf die Destinationen 2011 gespannt sein. Offenbach-Preisträgerin Claudia Rohrbach wünschen wir von hieraus eine recht baldige Genesung und dass sie ihren Preis gebührend in Empfang nehmen kann.

Abschließend sei noch eine kleine Bitte erlaubt. Die Oper Köln verfügt über eine hervorragende Übertitelanlage, kann man diese nicht auch bei konzertanten Aufführungen zum Einsatz bringen? Das nervige kollektive Umblättern an den leisesten Stellen könnte dann entfallen.

Dirk Altenaer
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