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WIENER STAATSOPER: „OTELLO“ am 1.2.2010
Nach den "Puritani" ist der Alltag wieder angesagt, oder noch schlimmer. Und wieder hat es Verdi erwischt. Allerdings diesmal nicht die Sänger. Dass in dieser Inszenierung kein Anflug vom Stimmung aufkommen kann, weder im Publikum, noch auf der Bühne, war letztlich keine Frage - und am Ende erntete der Dirigent ADAM FISCHER für seine Leitung einen mittleren Buhorkan. Das war eigentlich für diese Nullleistung zuviel Aufmerksamkeit.
In der Titelrolle habe ich mir von ALEKSANDRS ANTONENKO nach seinem hervorragenden Hermann mehr erwartet. Dennoch, nach der Pause wurde er wirklich viel besser. Der erste Akt, speziell Otellos großer Auftritt ging „dank“ der Regie und schlechter Begleitung nahezu unter. Aber nachn und nach steigerte sich der Künstler, und ab „Dio mi potevi..“ war alles im Lot. Seine dunkle Stimme ist für diese Partie ideal, und auch darstellerisch ist gegen ihn nichts einzuwenden. Im Gegenteil, er ist sehr bemüht, einen normalen Menschen und keine Kampfmaschine anzubieten. Da ist dieses Konzept aber schwer zu durchbrechen, nachdem er seine tote Desdemona im Sterben nicht einmal mehr küssen kann und seine Seele in ihr Haar hauchen. Damit nimmt man diesen Drama die letzte Poesie, das war weder von Shakespeare, noch von Boito und schon gar nicht von Verdi so geplant. Aber heutige Theatermacher wissen alles besser und kannten schon die Stücke, bevor diese geschrieben wurden. Wie sie das machen, das sollten sie uns einmal vorinszenieren!
Ein Jago der Spitzenklasse ist LADO ATANELI, der aber unter dieser Betreuung auch musikalisch litt. So ging das Credo auch durch die Regie zwar nicht unter, aber es hatte kein Feuer, ebenso das Trinklied, das so schwach inszeniert ein Rohrkrepierer wird. Wie so vieles an dieser Umsetzung... Wenn dann auch gar nichts vom Dirigenten kommt, wird es für alle eng. In den Duetten mit Otello zeigte Ataneli allerdings seine Klasse - und da es Verdi pur. Darstellerisch ist er gar nicht so böse, schlimmer, er verachtet die Venezianische Republik mit ihren Großen nur, weil er sich in einer Vorrückung übergangen fühlte, das Los zog Cassio - und sollte mit das Ziel seiner Intrige sein. Somit löst er eine menschliche Tragödie aus. Das unschuldige Opfer Desdemona wird von KRASSIMIRA STOYANOVA immer schöner gesungen. Sie hat in der Inszenierung eigentlich die besten Karten für die Darstellung, aber auch ihr wird der Schluss vermiest, weil so angenehm kann es nicht sein, Minuten lang hochgehievt unter Unterlage tot zu spielen. Das sieht auch nicht wirklich effektvoll aus. Der unbedarfte brave Soldat Cassio wird von GERGELY NEMETI hervorragend gesungen, zu Spielen hat er nichts außer sein Besäufnis , und diese Szene ging durch das seltsame Konzept super daneben. SORIN COLIBAN versucht Lodovico viel Würde zu geben, Stimme gibt er bestens. Die Kostüme dieser Venezianer erinnern sehr an die Mönche aus der traurigen „Forza“. Leihgaben? Der in Desdemona verliebte, daher von Jago benutze Roderigo war WOLFRAM IGOR DERNTL mit schöner Stimme und sehr guter Darstellung. NADIA KRASTEVA macht aus der Emilia eine Hauptrolle, HANS PETER KAMMERER/Montano und HACIK BAYVERTIAN/Herold komplettierten solide.
Der oft unsichtbare Chor unter THOMAS LANG tat sein Bestes. Auch hier keine Stimmung, wie denn auch, wenn sie im sonnendurchfluteten Cypern immer im Finstern „rumtapsen“ müssen.
Elena Habermann
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