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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Kritiken  
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WIENER STAATSOPER: Der Rosenkavalier - 2.2.2010 –

Die 333(!). Aufführung der legendären Inszenierung von Otto Schenk aus dem Jahre 1968 stand ganz in dem mit Spannung erwarteten Rollendebüt von Daniela Fally als Sophie, die – wir wollen es gleich vorwegnehmen – alle an sie gestellten Erwartungen noch um vieles übertraf.

Peter Schneider war bemüht, die subtilen Nuancen dieser meisterhaften Partitur von Richard Strauss „wienerisch“ erklingen zu lassen, wenngleich ihm das Orchester zu Beginn nicht immer folgen wollte. Da klang manche Passage sogar weniger harmonisch und viel zu laut. Erstes Opfer wurde Michaela Selinger als Octavian, deren anfänglichen Worte „Wie du warst! Wie du bist!“ vom Rezensenten aus Loge 2 im ersten Rang links in der ersten Reihe sitzend kaum zu hören und nur lippenlesend zu erahnen waren. Im Lauf des Abends entfaltete sich ihre Stimme jedoch zusehends und so geriet ihr Duett mit Sophie im 2. Akt auch zu einem wahren Ohrenschmaus. In dieser Vorstellung gab es aber auch viel zu lachen.

Da war zunächst einmal der unvergleichliche Kurt Rydl als urkomischer Baron Ochs von Lerchenau, der zwar mehr durch seine schauspielerischen Fähigkeiten und durch eine überzeugende Rollengestaltung punktete als durch seine gesanglichen Leistungen. Immerhin bewies er Schlagfertigkeit und ergänzte durch witzige Einwürfe an passenden Stellen den Hofmannsthal‘schen Text. Ein Höhepunkt war sein tête-à-tête mit dem als Zofe Mariandl verkleideten Octavian im dritten Akt. Die Selinger sang dabei so bezaubernd „falsch“ und Rydl tänzelte dazu wie ein Torero auf, dass sich fröhliches und wohlwollendes Gelächter im Publikum breit machte.

Soile Isokoski hat sich die Rolle der Feldmarschallin nun schon seit vielen Jahren gewissenhaft erarbeitet. Stimmlich ist sie in Topform und es gelingt ihr besonders gut, die wehmütigen Momente, etwa bei „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“, mit ihrem lyrischen Sopran und beachtlichem Differenzierungsvermögen zu formen. Sie hat auch an ihrer Rollengestaltung merklich gefeilt und rückt so immer stärker zu den großen Interpretinnen dieser Rolle (Rysanek, Te Kanawa, Jones, Tomowa-Sintow) auf.

Oskar Hillebrand hielt sich als Herr von Faninal wacker, wenngleich sich seine Stimme fallweise etwas brüchig anhörte. Ildikó Raimondi gab eine um das Wohl von Sophie geflissentlich besorgte Duenna Leitmetzerin. Das Intrigantenpaar Valzacchi und Annina wurde spielfreudig und stimmlich nahezu perfekt von Benedikt Kobel und Aura Twarowska dargeboten. Walter Fink wirkte als Polizeikommissar leider etwas zu hölzern, man könnte aus dieser kleinen, aber dramaturgisch äußerst wichtigen Rolle durchaus mehr machen. Wie wäre es beispielsweise mit einem strengeren, resoluteren Auftreten? Ein weiteres überzeugendes Rollendebüt gab Dragoljub Bajic als Notar. Bravo! Solide die beiden Haushofmeister Roland Winkler und Peter Jelosits. Letzterer übernahm im dritten Akt noch die Rolle des Wirtes. Als Sänger hätte man sich Jonas Kaufmann gewünscht. Gergely Németi fehlte es in dieser Rolle leider an der Strauss‘schen Italianità. Auch ließ seine Stimme jegliche Leuchtkraft vermissen. Die übrigen Rollen wurden adäquat umgesetzt. Erwähnenswert scheint mir noch Bernadette Czermak als kleiner Mohr mit viel musikalischem Gefühl für die passenden Bewegungen und Gesten.

Kommen wir aber noch einmal auf das Rollendebüt von Daniela Fally zu sprechen. Sie wandelte sich von der anfänglich Naiven im zweiten Akt zu einer hellhörig gewordenen Braut im dritten Akt, die wohl insgeheim ahnt, dass ihr Glück mit dem Filou Octavian nicht von Dauer sein und sie eines Tages in die Fußstapfen der Marschallin treten wird. Diesen Wandel in der Figur der Sophie hat sie mit allen Nuancen ihres hellen Soprans und berührender Rollengestaltung glaubhaft verkörpert, sodass man fast Mitleid mit ihrem künftigen Schicksal empfindet. Aus diesem Spiel um Liebe und Verzicht traten am Ende der Oper Sophie und Octavian als Sieger vor den Vorhang und wurden beide vom Publikum stürmisch mit Applaus bedacht. Einen so vergnüglichen Rosenkavalier hat der Rezensent schon lange nicht miterleben dürfen. Danke allen Beteiligten!                       

Harald Lacina

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