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Musikhochschule Lübeck: Eine junge Chinesin bezaubert die Zuschauer
Von Horst Schinzel

Photo-Copyright: Heiderose Batz
Einmal im halben Jahr stellt die Musikhochschule Lübeck mit einem Opernprojekt ihre Leistungsfähigkeit und die ihrer Studierenden vor. In diesem Februar hatte man sich dafür Mozarts frivole Oper „Cosi fan tutte“ ausgesucht. Und dabei in die Vollen gegriffen. Das Hochschulorchester spielte in einem veritablen Orchestergraben – wofür freilich die Bühne des Großen Saales sehr verkleinert werden musste -, und für Einstudierung und Musikalische Leitung sind der Intendant des Mainfranken-Theaters Würzburg Hermann Schneider (48) und der Aachener Generalmusikdirektor Marcus Bosch (41) an die Trave gekommen. Es wird ihnen eine Freude gewesen sein, mit so großartigen jungen Künstlern zu arbeiten.
Auch wenn es heute keine moralischen Vorbehalte mehr gegen Mozarts Tändelspiel gibt, so wird das Werk doch selten aufgeführt. Dabei gibt es je drei Sängerinnen und Sängern Gelegenheit, darstellerisch wie musikalisch Großes zu bieten. Welch herausragend große Begabungen – vor allem ausländischer Herkunft -in Lübeck heranreifen, wird an diesem Abend wieder einmal deutlich.
Alle Rollen sind alternierend besetzt. Am Premierenabend glänzen mit unwahrschrscheinlicher Leichtigkeit
Lin Lin Li als Fiordiligi, Astrid Pytlik als Dorabella, Gi-Hoon Cho als Guglielmo, Patricio Arroyo als Fernando und Szymon Chojnacki als Don Alfonso. Ihnen merkt man an, dass sie nicht nur im Hause, sondern zum Teil sogar auf dem internationalen Parkett bereits vielfältige Erfahrungen gesammelt haben. Bewundernswert, wie wenig sie am Dirigenten hängen.
Das ganze große Erlebnis aber ist bei dieser Premiere die junge Chinesin Ying Ji in der Rolle der Despina. Sie legt ihre manchmal etwas schrille Rolle überaus intensiv an – ist kauzig, durchtrieben, kess und sexy. Zu Recht kommt ihr am Schluss der größte Beifall zu.
Der Regisseur hat die Handlung in unsere Tage in ein Spa verlegt. Da brauchte der aus Mölln stammende Ausstatter Falko Herold nicht viel in die Kostüme zu investieren. Die attraktiven Hauptdarstellerinnen ziegeln sich fast die ganze Aufführung über in neckischen Badeanzügen und im Bademantel. Gegen die auch die Offiziere ihre Uniformen – so man die als solche erkennen kann – tauschen. Das Alles gefällt sichtlich und hörbar, und das Premierenpublikum geizt nicht mit reichem Beifall.
Das stark besetzte Hochschulorchester musiziert mit geradezu erstaunlicher Leichtigkeit. Ein gelungener Abend, ein großer Erfolg.
Weitere Aufführungen
5. Februar, 19.30 Uhr, 6. und 7. Februar, jeweils 17 Uhr. |
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