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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Paris:  Drei Operntage und „a star is born“  3. – 5. 2.

 

Es ist dies nur ein Kurzbericht, die vollständigen Artikel für das März-Magazin müssen noch geschrieben werden.


La Cenerentola im Theatre des Champs Elysées: Antonino Siragusa, Vivica Genaux, Ildebrando  d'Arcangelo und die bösen Schwestern. Photo: Alvaro Yanez

 

In Paris gibt es fünf große Opernhäuser: die Opéra national in der Bastille und im Palais Garnier hat in dieser Spielzeit 20 Werke im Programm. Die anderen Häuser: Théatre des Champs-Elysées, Chatelet und die Opéra comique haben nur etwa 5 bis 8 Opern szenisch, dafür viel Ballett, konzertante Opern und Konzerte aller Art. Wenn man aber die Spielpläne durchforstet, findet man so manche Perlen, die man auch für eine Reise zusammen planen kann.

 

Bastille: „LA SOMNAMBULA“    3. 2.

 

Man hat die Wiener Marelli-Produktion übernommen und darf diese (zumindest in Wien) als bekannt voraussetzen. Evelino Pidò leitete die Aufführung. Er ist Belcanto-Dirigent sehr bekannt und brachte die elegisch-melancholische Musik Bellinis schön zum Ausdruck. Die Titelrolle sang Natalie Dessay, natürlich sehr gekonnt. Mir schien sie am besten in der großen, zweiten Nachtwandel-Szene „Gran dio“ und dann „L’anello mio“.Sie sang auch das Schluss-Rondo „Ah! Non giunge“ fulminant. Dennoch meint der Rezensent, ihre wahre Stärke sind nicht die traumverlorenen, tragischen Frauen, sondern die heiteren, wie die Marie,

Aminta, Olympie, Zerbinatta, Blondchen

Javier Camarena war ein Elvino mit feiner Stimme und auffallend schönem, süßem Timbre. Er hat keinerlei gesangstechnischen Probleme mit den großen Anforderungen, welche Bellini dem Tenor zumutet. Bereits das „Prendi: l’anel di dono“ war vollendet schön.

Er ist Adresse für dieses Fach.

Erwähnt sei auch noch der Conte Rodolfo des Michele Pertusi. Es ist schön Aussage genug, dass er fast jedes Jahr in Pesaro singt. Seine Stimme wird immer noch schöner, vollendeter und eleganter.

Übrigens war die eine Gala-Vorstellung mit vielen Besuchern aus der feinen Bussi-Bussi- Gesellschaft. Fotographen schwirrten umher. Auch der blonde Sarkozy-Sohn war gekommen und ziemlich umschwärmt.

 

Bastille: „WERTHER“     4. 2.

 

Im Theater schaut manches anders aus als im Fernsehen, dennoch die Bühne von Charles Edwards ist kein großer Wurf: zuerst eine Mauer mit Tor und etwas Efeu, dann eine leere Fläche mit einer Brüstung. Im 3. Akt ist es ein großes Zimmer und im 4. Werthers Kammer.

Alles sehr spartanisch. Die Kostüme von Christian Gasc entsprechen der Goethe-Zeit.

Der Regisseur setzte wohl auf das Prinzip der Bedächtigkeit und verstärkte so noch den melancholischen Charakter der Handlung.

Übrigens wurde diese Produktion aus Covent-Garden übernommen.

Ein großer Publikums-Liebling in Paris ist der Dirigent Michel Plasson offensichtlich.

Aber die Opéra hat mit Jonas Kaufmann einen absoluten Haupttreffen gezogen. Man war überzeugt, der traumverlorene, melancholische, romantische Held liege seinem Temperament, seinem Charakter und seiner Stimme ganz besonders gut. Sein Singen war nahezu vollkommen, angefangen mit „O, nature“ und mit der ersten Verzweiflung (als er hört „Albert, est de retour“) im „J’en mourrai“ und dann mit dem Aufschrei „Un autre,son époux“ wenn der Vorhang fällt – da erhebt sich der erste Begeisterungssturm. So könnte man jeden Akt durchgehen, z. B. der 2., wenn er mit „Non! Jamais! Adieu“ davonrennt. Im 3. ist es nicht nur das „Pourquoi“, auch der Ausbruch „C’est impossible“ und dann im 4. das langsame Sterben. Es seinen auch noch seine meisterhafte Phrasierung, sein Legato und die strahlend aufblühenden Höhen erwähnt.

Es erhob sich ein so gewaltiger Begeisterungssturm, wie ihn die „heiligen Hallen“ wohl noch nicht oft erlebten. Er eroberte sich das Pariser Publikum total. Er ist jetzt dort der große Liebling geworden. Es war einfach großartig und überwältigend. Der Werther dürfte wohl eine Traumrolle für ihn werden.

Es soll dabei aber nicht auf die Charlotte der Sophie Koch vergessen werden. In Wien war sie mir, zusammen mit Villazon zu laut und unausgeglichen. Gar nichts davon an diesem Abend. Sie sang wunderschön auf Linie, ganz ausgeglichen und hatte die aktivste Rolle (das kam wohl mehr von ihr als vom Regisseur). Alles in allem, war sie voll überzeugend.

 

 

Théatre des Champs-Élysées: „LA CENERENTOLA“    5. 2.

 

Dies ist gegenwärtig noch das Haus des baldigen Wiener Staatsopern-Direktors Dominique Meyer.

Elina Garanca sagte erst vor wenigen Wochen die Hauptrolle ab. Diese wurde nun von Vivica Genaux übernommen. In Wien war sie zuletzt als Tancredi hörbar indisponiert und danach in der Haydn-Oper schien ihr Volumen, selbst für das Theater an der Wien, sehr klein zu sein. Man fragt sich, wie würde sie in einer Hauptrolle im deutlich größeren Haus bestehen? Merkwürdigerweise passte hier ihr Volumen. Sie spielte die Angelina = Cenerentola sehr berührend. Die langen, schnellen Koloratur-Kaskaden des Schluss-Rondos singt sie fast perfekt. Aber, dennoch konnte man nicht wirklich glücklich sein, denn in den langsamen gefühlvollen Passagen störte ein sehr deutliches und starkes Vibrato, dazu kamen immer wieder eigenartige Ton-Verfärbungen.

Mit solchen Sachen hatte Antonino Siragusa als Don Ramiro überhaupt keine Probleme. Er beherrscht die Belcanto-Kunst samt allen Anforderungen an die Stimme perfekt, dazu die extremen Höhen. Mit der Arie „Si, ritrovarla“ bekam er den zweiten starken Applaus des Abends. Was bei ihm manchmal bemängelt wird, ist sein eher weißes Timbre mit nur wenigen Farben. An seiner Gesangskunst kann jedoch nicht herum genörgelt werden.

Erwähnt sei noch der Alidoro, der gute Geist der Handlung. Mit Ildebrando D’Arcangelo hatte man einen Haupttreffer gewonnen. Nicht nur sein wunderschönes Singen, denn mit der Arie „Là del ciel“ bekam er die erste große Begeisterung des Abends. Er hat zudem ein überraschendes komisches Talent von beachtlicher Qualität.

Wer grundsätzlich gegen moderne Inszenierungen ist, möge bitte nicht weiter lesen. Wer bereit ist, sich auf eine solche einzulassen, erlebte eine selten so vergnügliche Vorstellung.

Der Vorhang ist offen, man sieht eine Allerwelts-Bar und denkt sich: was wird das wohl werden? Dann jedoch, wird man davon immer mehr begeistert. Die Regisseuse Irina Brooke (Tochter des bekannten Peter Brooke) brachte eine moderne Version des Märchens in einer sehr bewegten, flinken Personenführung, mit modernen Bewegungen und Tanzschritten (Choreographin Cécile Bon), die völlig zu Rossinis Musik passten. Das war ganz toll gemacht und die guten Einfälle blieben bis zum Ende. Die modernen, farbfreudigen Kostüme/Sylvie Martin-Hyszka waren schön anzusehen, ebenso der Ballsaal (Bühne: Noelle Ginefri), sehr gelungen auch die Verwandlung der Bar in den Thronsaal. Alles bereitete eine reine Freude.


Das Theater hat zwar einen eigenen Chor, Leitung Stephane Betteridge, der sehr gut war, aber kein eigenes Orchester. Dafür war das Concerto Köln engagiert und zeigte unter Michael Güttler gute Qualitäten. Auch der Dirigent hinterließ einen sehr positiven Eindruck. Er war 1998 – 2002 Chef in Klagenfurt und wird an der Staatsoper Rigoletto Barbiere und später Nabucco dirigieren.


Der Beifall war ganz groß, ganz wie die Begeisterung.   

Martin Robert BOTZ

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