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Französische Ballettoper in Düsseldorf
„Les Paladins“ von Rameau an der Deutschen Oper am Rhein (Vorstellung: 5. 2. 2010)
250 Jahre nach ihrer Uraufführung in Paris (12. 2. 1760) kam es an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf zur deutschen szenischen Erstaufführung von Rameaus Ballettoper „Les Paladins“. Jean Philippe Rameau (1683 – 1764), der wie Lully als ein Vertreter des höfischen Musiktheaters gilt, komponierte diese Oper im Alter von 77 Jahren, wobei er in diesem Werk, die einer Fabel von La Fontaine folgt, die zeremonielle Tragédie lyrique mit mehr Leichtigkeit im Stil der italienischen Opera buffa versah.
Der Inhalt: Der Paladin Atis wurde von seiner Geliebten Argie getrennt, die von ihrem Vormund Anselme zusammen mit ihrer Vertrauten Nérine gefangen gehalten wird, da er das junge Mädchen selbst heiraten will. Auf seinem Weg rettet Atis eine Schlange – es ist die Fee Manto, die ihm aus Dankbarkeit zu helfen verspricht. Argie und Nérine werden von Anselmes Diener Orcan in seiner Abwesenheit streng bewacht. Der verkleidete Atis fordert Argie und Nérine auf, sich ihm und seinen Freunden zu einer Liebespilgerschaft anzuschließen und versichert ihr, für sie zu kämpfen. Orcan gibt sich rasch geschlagen und wird in einem höhnischen Zeremoniell zum Pilger gemacht. Als Anselme, der sich aufs Wiedersehen mit Argie freut, von seiner Reise zurückkehrt, warnt ihn Orcan vor der Meute. Argie bekennt ihrem Vormund, Atis zu lieben und mit ihm weggehen zu wollen. Anselme zeigt sich zum Schein einsichtig, stiftet aber seinen Diner an, Argie zu töten. Nérine, die das Gespräch belauscht hat, gaukelt Orcan vor, ihn zu lieben. Als dieser sich in wilder Leidenschaft auf sie stürzen will, ruft Nérine Atis zu Hilfe. Er und seine „Furien“ erteilen Orcan eine harsche Lektion. – Argie, Atis und seine Paladine feiern den Triumph der Liebenden, als Waffenlärm Anselme ankündigt. Atis und seine Freunde verbarrikadieren sich im Haus Anselmes. Durch die Zauberkunst Mantos verwandelt sich das Haus in einen prachtvollen Palast, der Anselmes Begierde schürt, diesen Reichtum zu besitzen. Er ergibt sich dem Liebeswerben der Fee und ist dadurch der Untreue überführt. Er muss Argie freigeben. Die Fee vereinigt Argie mit Atis, die mit ihren Freunden ein großes Fest der Liebe feiern. Nérine zieht eine etwas nüchterne Lehre aus dem Spiel: Man muss einen Gatten betrügen, um ihn von der Eifersucht zu befreien.
Arila Siegert gelang mit ihrer Inszenierung ein sinnliches Theater auf die Bühne – für sie zeichnet Frank Philipp Schlößmann verantwortlich – zu bannen, wobei sie geschickt die dreiaktige französische Comédie lyrique mit der italienischen Commedia dell’ arte verband. Auch schaffte sie es mit ihrer Choreographie, die Sängerinnen und Sänger teils tänzerisch, teils komödiantisch auftreten zu lassen und sorgte damit für eine flotte Aufführung ohne Brüche. Mit ihrer Idee, einen Maler live die Bühnenbilder zu übermalen, schuf sie ein neues kreatives Element. Helge Leiberg überzeugte dabei mit flottem Strich und sicher geführtem Pinsel, wobei er zum Teil sehr witzige und auch erotische Zeichnungen schuf, die vom Publikum sogar mit Szenenapplaus bedacht wurden. Die legeren bunten Kostüme und die gut zur Inszenierung passenden Requisiten stammten von Marie-Luise Strandt.
Aus dem durchwegs jungen internationalen Ensemble ragten der Bass Adrian Sâmpetrean als Anselme sowie die Sopranistin Iulia Elena Surdu als Nérine heraus, die beide mit prächtiger Stimme und herzerfrischender komödiantischer Leistung das Publikum begeisterten. Ihnen fast ebenbürtig – sowohl stimmlich wie auch darstellerisch – der Bariton Laimonas Pautienius als Diener Orcan und der Tenor Thomas Michael Allen als Fee Manto. Das junge Liebespaar Argie und Atis wurde von Anna Virovlansky und Anders J. Dahlin verkörpert, deren erfrischendes Spiel über kleine stimmliche Defizite hinwegschauen ließ. Ihr Sopran klang in der Höhe einige Male zu schrill, sein lyrischer Tenor war neben seinen stimmkräftigen Partnern zu wenig tragfähig.
Mitreißend die Tänzerinnen und Tänzer als Paladine sowie Mack Kubicki und Sören Swart als Hund und Vogel. Zu nennen ist auch der von Gerhard Michalski einstudierte Chor der Deutschen Oper am Rhein, der stimmlich und schauspielerisch quicklebendiges Musiktheater bot. Die Neue Düsseldorfer Hofmusik, die bereits durch eine eigene Konzertreihe („Raum & Klang“) und durch viele Gastauftritte bei Festivals für Alte Musik aufhorchen ließ, wurde von Konrad Junghänel mit sichtbar engagiertem Einsatz geleitet.
Tosender Beifall des begeisterten Publikums am Schluss der Vorstellung für das gesamte Ensemble, für Chor, Orchester und Dirigenten.
Udo Pacolt, Wien – München
PS: Die Premiere am Theater Duisburg wird am 29. April 2010 stattfinden.
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