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Opernrarität am Staatstheater Braunschweig
„Salvator Rosa“ von Antônio Carlos Gomes (Vorstellung: 6. 2. 2010)
Photo: Christian Bort
Der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes (1836 – 1896) errang mit seiner Oper “Il Guarany“, die 1870 an der Mailänder Scala herauskam und in der Folge auf vielen Bühnen gespielt wurde, weltweite Anerkennung. Nun setzte das Staatstheater Braunschweig seine 1874 in Genua uraufgeführte Oper „Salvator Rosa“ auf den Spielplan und zog mit dieser deutschen Erstaufführung die Aufmerksamkeit vieler Opernliebhaber auf sich. Das Libretto des „Dramma lirico“ in vier Akten verfasste Antonio Ghislanzoni, der für Verdi „La forza del destino“ und „Aida“ geschrieben hatte.
Die Handlung in geraffter Form: Sie spielt zur Zeit der revolutionären Unruhen gegen die spanische Okkupation 1674 in Neapel. Salvator Rosa – Maler, Dichter, Musiker und Held der Oper – bekommt Besuch von Masaniello, dem Anführer der Aufständischen, der ihn über die neuesten Pläne informiert. Das Volk erobert die Stadt zurück, aber Salvator Rosa, der die Friedensverhandlungen führen soll, muss entdecken, dass Isabella, in die er sich verliebt hat und die seither auf allen seinen Bildern wiederzuerkennen ist, die Tochter des spanischen Herzogs ist. Sie erwidert seine Liebe, doch ihr Vater plant, sie mit dem spanischen Truppenkommandanten zu vermählen. Da Isabella dagegen Widerstand leistet, wird sie in ein Kloster gesteckt und Salvator Rosa inhaftiert. Als ihr Vater droht, Rosa umzubringen, beugt sie sich seinem Willen. Der Maler wird freigelassen, Masaniello, der immer stärker dem Wahnsinn verfällt, in der Kirche von den Schergen des Herzogs ermordet. Salvator Rosa, der von Isabellas Opfer nichts ahnt, beschuldigt sie des Verrats, worauf sich Isabella das Leben nimmt.
Uwe Schwarz inszenierte das in Vergessenheit geratene Werk, das von Intrigen, Liebe und Leidenschaft genauso geprägt ist wie von Machtgelüsten, sehr stringent und erzielte eine dichte dramatische Atmosphäre. Gute Unterstützung fand er dabei in Dorit Lievenbrück, die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet. Auf der großen Drehbühne des Theaters war ein Atelier mit überdimensionalen Gemälden aufgebaut, das für das künstlerische Ambiente sorgte. Passend dazu die gut auf das Werk abgestimmten Kostüme. Für Regisseur Uwe Schwarz spiegeln sich in den Ereignissen von Neapel historische Veränderungen, gescheiterte Aufstände, Rebellionen, Revolutionen der Weltgeschichte, die wiederum politische Umwälzungen – beispielsweise in Deutschland, Spanien und Italien vor wenigen Jahrzehnten – erahnen lassen, wie aus dem gut gestalteten Programmheft herauszulesen ist. Daher auch seine offenen Anspielungen auf Franco und Mussolini.
Mit gewaltiger Bühnenpräsenz und dem Schmelz eines Heldentenors überzeugte der aus Texas stammende Afroamerikaner Ray M. Wade jr. in der Titelrolle. Ihm ebenbürtig Mária Porubèinová als Isabella, deren dramatischer Sopran in jeder Szene zu begeistern wusste. Il Duca d’Arcos, ihr Vater, wurde vom Bass Dae-Bum Lee dargestellt, der seine Rolle des machtlüsternen Herzogs mit finster-dunklem Timbre in der Stimme und schneidig- militärischer Haltung versah, also keinen eleganten Herzog, sondern einen eiskalten Machtmenschen darstellte. Der Bariton Malte Roesner als Masaniello bot eine schauspielerische und gesangliche Glanzleistung. Besonders beeindruckend spielte er jene Szene, als sein Wahnsinn ausbricht. In der Hosenrolle hatte die Sopranistin Simone Lichtenstein als Gennariello einige gute Momente bei den lyrischen Passagen, blieb aber leider sonst zu blass. Gut ins Ensemble fügten sich die Tenöre Kenneth Bannon als Conte di Badajoz und Tobias Haaks als Fernandez sowie der Bass Leszek Wos als Corcelli und die Sopranistin Sabine Brandt als Suor Ines.
Der Chor und die Herren des Extra-Chors des Staatstheaters Braunschweig agierten in jeder Szene der „Revolutionsoper“ stimmgewaltig und überzeugend. Einstudiert wurden die Chöre von Georg Menskes, der das Staatsorchester Braunschweig temperamentvoll leitete und die vielschichtige Partitur des Komponisten, die des Öfteren an Gomes’ Vorbild Giuseppe Verdi erinnerte, sehr ausdrucksstark zur Geltung brachte. Lang anhaltender Applaus des begeisterten Publikums, das schon während der Vorstellung nicht mit Szenenbeifall geizte, belohnte alle Akteure.
Gratulation der Intendanz, dieses Werk des brasilianischen Komponisten Gomes „ausgegraben“ zu haben. Vielleicht kommt wieder einmal sein Meisterwerk „Il Guarany“, in dem 1994 in Bonn Placido Domingo brillierte und das zum festen Bestandteil des südamerikanischen Repertoires zählt, auf den Spielplan einer europäischen Bühne?
Udo Pacolt, Wien – München
PS: Die nächsten Vorstellungen von „Salvator Rosa“ sind in Braunschweig am 25. 2., 28. 2. und am 10. 3.!
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