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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Kritiken  
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Volksoper:

“Die Blume von Hawaii”

Tohuwabohu in Honolulu
Premiere 7.2.2010

 

Diese “Blume von Hawaii” soll nun einige Zeit als buntes Tüpfelchen im Repertoire der Volksoper prunken. So richtig strahlend aufzublühen wird ihr allerdings wohl kaum möglich sein. Nicht gelegen an gärtnerischer Unachtsamkeit im Hause.  Die Aufbereitung – besser vielleicht: die Reanimation eines in der Versenkung verschwundenen früheren sensationellen Bühnenerfolges –  durch Regisseur Helmut Baumann kann sich schon sehen lassen. Paul Abrahams seinerzeit so beliebte Operettenrevue aus dem Jahr 1931 hatte sein Publikum zur jazzigen wie auch sentimentalen Unterhaltung in die damals fernen Welten von unerreichbarem Südseezauber und von ins Blut gehenden amerikanisch geprägten Rhythmen verführt. “Du traumschöne Perle der Südsee” oder das Niggerlied “Bin nur ein Jonny” passen immer noch, gehen nach wie vor ins Ohr.

 

Doch Abrahams als Texter famoses Librettisten-Trio Alfred Grünwald, Fritz Löhner-Beda und Imre Földes haben eine Traumwelt-Story zusammengebastelt, die sich heute nicht mehr verkaufen lässt. Wer erfreut sich schon wirklich an der vertrackten Liebesgeschichte von Laya, der Prinzessin von Hawaii, mit Prinz Lilo-Taro und an den Intrigenspielen des US-Gouverneurs und den anderen Vertretern der amerikanischen Besatzungsmacht? Helmut Baumann, altbewährter Musical-Spezialist mit feinem theatralischen Fingerspitzengefühl (und vormaliger langjähriger Chef des Berliner Theaters des Westens) hat sich deshalb von Peter Lund eine neue szenische Version vorlegen lassen. Nachempfunden Woody Allens “Purple Rose of Cairo”: Kinobesucher eines Kitschfilmes werden von den Leinwandhelden unvermutet in die Handlung miteinbezogen, mutieren vom biederen Installateur Kratochwil zum blind verliebten Käpten einer US-Fregatte oder von der reschen Frau Kratochwil zur aufgeräumten Bessie Worthington. Ist reizvoll, scheitert aber hier an zu viel unnötigem Geplapper wie wohl auch an zu wenig Originalität in der parodistischen Aufbereitung. Im raschen Szenenwechsel stellt sich bisweilen ein mildes Tohuwabohu ein. Dieses lässt sich durch Paul Abrahams musikalische Stimmungsmalereien und Hawaiian Waltz und flotte Foxtrott-Couplets jedenfalls gemütvoll ertragen. Helene Sommer und Christoph Wagner-Trenkwitz haben Lunds Textfassung  stimmig auf “wienerisch” eingerichtet, und diese Pointen bringen auch die Lacher. Im zweiten Teil wird aber die Kurve dann doch recht ordentlich gekratzt und der gewillte Besucher darf sich beruhigt auf abrahamisch-hawaiianisch einwiegen lassen.    

 

Die Einsatzbereitschaft  in der Volksoper hat jedenfalls wieder einmal gestimmt. Baumann ist ein perfekter Gestalter, der alle seine Akteure auch optimal zu präsentieren vermag. Zu allgemein, oberflächlich vielleicht betrachtet: Spiel, Gestik, tänzerischer Elan überzeugen mehr als der Gesang. Joseph R. Olefirowicz dirigiert mit Herz, belässt aber manche Phrasierungen ungeschliffen. Die ganze Südsee-Staffage und die mannigfaltigen Projektionen von Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau wirken praktikabel, sind um Ironie bemüht (so auch Ingrid Erbs buntscheckigen Kostümentwürfe), und der Gag mit der Videoeinspielung des auf einer Riesenwelle surfenden Jim Boy wird vom Publikum beklatscht. Choreografin Kim Duddy jongliert virtuos mit allen nur möglichen gefälligen Show-Standards. Die Tanzschritte, Posen für die aufmarschierenden Matrosen oder die hüftschwingenden Insulanerinnen sind höchst schwungvoll arrangiert und heizen die Stimmung an. Chorleiter Thomas Böttcher dürfte mit seiner willigen Sängerschar keine auffälligen Probleme gehabt haben.

 

Keine wirkliche Schwachstellen finden sich im großen Aufgebot an Solisten: Eva Maria Marold und Thomas Sigwald sind die beiden Kinobesucher, die in diese Hawaii-Sauce hineinschlittern und dabei so manche Überraschungen erleben. Siphiwie McKenzie Edelmann stellt sich als Laya bei ihrem Debüt in Volksoper mit einer angenehm ansprechenden Mittellage ein. Christian Baumgärtel wirbt um sie als phlegmatischer Prinz. Gaines Hall, der Haus-Debütant Nr. 2, trumpft als fulminant steppender Jim Boy auf. Martina Dorak und Marko Kathol erfrischen als quicklebendiges Buffo-Paar. Josef Luftensteiner und Ronald Kuste haben die Aufgabe, der gelegentlich lahmenden Geschichte neue Wendungen zu geben.

Somit: Die Evergreens der “Blume von Hawaii” können sich schon noch einschmeicheln. Da sich aber die modernisierende neue Textfassung schließlich doch nicht um einiges origineller als das Original erweist, hält sich die Begeisterung des Premierenpublikums für diese Wiederbelebung in Grenzen.


Meinhard Rüdenauer

 

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