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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Januar/Februar
2010
163
- - - - -
Anton Cupak
15.02.2010
20:32:20
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Kritiken  
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 Fulminate LINDA WATSON/Elektra - F: mphil.
 
MÜNCHEN: „ELEKTRA“ – Thielemann = Richard Strauss, wie er sich gehört!!
 
Alles, was man bei der STO-Elektra vor rund 1 Jahr so schmerzlich hatte vermissen müssen – und das war alles, was diese Oper und Richard-Strauss-Musik insgesamt so aufregend macht (> 18.2.09: ....eine ganze „Elektra“ ohne eine einzige Gänsehaut, da kann ja etwas nicht stimmen...), das war unter Christian Thielemanns bewährten Händen jetzt natürlich alles da. Und das in einer Weise, die beim Strauss-Fan zu einem gerüttelt Maß an Glückshormon-Ausschüttungen führte, und logischerweise auch zur erwünschten Gänsehaut.  

Die Münchner Philharmoniker spielten mit ihrem Samtsound von kammermusikalisch feinsten Abstufungen bis zu den Fortissimo-Tutti alles absolut herrlich und transparent. Alle den einzelnen Figuren zugeordneten musikalischen Themen waren „da“; einfach eine Pracht. Selbst bei den erw. Tutti wurden bei diesem Klang die Zuhörer-Ohren keineswegs überstrapaziert (was bei anderen Dirigenten und Orchestern im Gasteigsaal durchaus des Öfteren passiert).
 
Wie war das nun mit den Sängern:Von den Baden-Badener Aufführungen war zu lesen, dass, ebenso wie beim Bayreuther „Ring“, dem Maestro keine Sänger erster Klasse zur Verfügung gestanden hätten. Das mag schon stimmen. Doch wo gibt es diese erste Klasse denn noch, die Vergleichen mit der Vergangenheit standhalten könnte? Gut, manches mag in unserem Gedächtnis etwas glofiziert worden sein. Aber, mein Gott, wo gibt’s noch eine Chrysothemis mit „blühender“ Höhe, die einem an bestimmten Stellen das Wasser in die Augen treibt (eine Rysanek zum Vergleich heranzuziehen, wäre vielleicht ein bissel gar zu unfair, aber auch eine Studer hat das geschafft, bevor sie sich im Koloraturfach verlor).

Dass also ein eklatanter Mangel an adäquaten, wirklich jugendlich-dramatischen Chrysothemis-Sängerinnen besteht, beweist auch die Tatsache, dass die junge Manuela Uhl für diese Partie derzeit landauf, landab engagiert wird. Ihr stehen zwar alle geforderten Extremhöhen zu Gebote, aber die Stimme hat kaum ein spezifisches Timbre und von „Blühen“ kann bei den (jetzt schon!) scharfen Höhen bedauerlicherweise auch nicht die Rede sein. Dass sie dafür dann auch den geringsten Beifall bekam, war somit leistungsbedingt gerecht, dennoch tat sie mir leid, hatte sie doch ihr Bestes gegeben, auch wenn man sie mit dieser Rolle immer wieder vor ein Überforderungsproblem stellt.

Jane Henschel
singt mit ihrem eigentümlichen Mezzo die Klytämnestra mit sehr klarer Diktion und Prägnanz, aber man könnte sich für diese Partie auch einen richtig satten Mezzo (mit interessanterem Timbre) wünschen, auch wenn man den in dieser Partie schon lange nicht mehr geboten bekommt (> Madeira, Resnik). Albert Dohmen ist für die nicht so große Rolle des Orest ein solider Vertreter (weitaus adäquater als für den Wotan > Bayreuth).

Genau so ein Aufhebens wie im letzten Jahr beim Rosenkavalier-Faninal vom alten Herrn Grundheber, machte man nun vom ebenso betagten Aegisth des René Kollo. Nun, es sind ja nur ein paar Töne; why also not... 
Neben der Aufseherin von Irmgard Vilsmaier (als Hochfdramatische inzwischen weit bekannt) wurde das gesamte sonstige Gesinde von sehr hoffnungsvollen, jugendlichen Sängertalenten ausgezeichnet gesungen.
 
Die Titelrollenträgerin: Eine freudige Überraschung bereitete Linda Watson, die sich nach der Absage von Katarina Dalayman mutig zu ihrem Elektra-Rollendebut entschlossen hatte. Für die konzertante Münchner Aufführung hatte sie sich in eine schwarze, weitschwingende Robe gestürzt, was sehr gut zu der Figur passte (ebenso wie jene der Damen Henschel und Uhl). Sie war die beste Elektra, die ich seit Jahren gehört habe. Gegenüber ihrer Bayreuther Brünnhilde fehlte hier erfreulicherweise das wabernde Tremolo. Zwar sind ihre Spitzentöne inzwischen auch scharf („scharf“ haben allerdings die Höhen anderer berühmter Elektras auch geklungen), aber sie hat selbige wenigstens! Und da sie die einzige Künstlerin mit einem echten, in Mittellage und Tiefe sogar warmen Timbre war, hat sie mich in vielen Augenblicken echt berührt. Nach Jahren höhenloser, ausgesungener Elektras an der STO kam Linda Watsons eindringliche Interpretation für mich einer Offenbarung gleich.

Ihr, Christian Thielemann und den Philharmonikern sei Dank für diese wunderbare Strauss-Aufführung – das war „erste Klasse“!
 
DZ
 
 
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