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Volksoper Wien „Die Blume von Hawaii“ Premiere am 7.02.2010
Ein Remake, das alle Dimensionen sprengt!
Paul Abrahams Revue – Operette ist dank eines Erfolgsteams zu einem unvergessenen Abend geworden. Die Textfassung von Peter Lund ist witzig, originell und ausgesprochen einfallsreich.
Alles beginnt in einem Wiener Vorstadtkino, in dem eine einfache Arbeiterfamilie durch Meinungsverschiedenheiten in Streit gerät und dadurch die Filmhandlung stört. Kurzerhand wird der Film unterbrochen und der eigentliche Schauplatz des weiteren Handlungsablaufes wird in einem Filmatelier fortgesetzt, wo der dortige Regisseur die Streitenden einlädt, an der weiteren Entwicklung des Films mitzuarbeiten,um das Werk zu ihrer Zufriedenheit zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.
Alle Welt ist Bühne – aber auch alle Welt ist Film! Denn man geht ins Kino, um zu träumen und um den Alltagstress für einige Stunden zu vergessen. Alles ist Vision und alles kann auch herrlich kitschig sein, wenn es darum geht, den Zauber einer Südsee–Welt zu verdeutlichen. Allein der Zauber des Bühnenbildes von Mathias Fischer–Dieskau in seiner ganzen Farbenpracht, wo ultimativ mit Projektionen und Animationen gearbeitet wurde, wo sich alles dreht und alles bewegt, ist von einer so ungeheuren künstlerischen Vielfalt geprägt und somit ein wahrer Augenschmaus für Menschen, die visuell das Besondere lieben. Weiteres Augenmerk galt den Kostümen von Ingrid Erb, die harmonisch zum Bühnenbild in Einklang stehen.
Doch kommen wir zur Regie von Helmut Baumann, der nach der Erfolgsproduktion „Orpheus in der Unterwelt“ großartige Regiearbeit geleistet hat. Die einzelnen Szenenabläufe befinden sich in einem ständigen Bewegungsprozess, wobei mit schauspielerischer Höchstleistung, schmissigen Tanzeinlagen, jazzigen Klängen und Gesangsnummern agiert wird, und in dem vom Anfang bis zum Schluss eine enorme Spannung gehalten wird.
So sollte Theater sein, lebendig und unterhaltsam!
Dank dieses Leading-Teams und der großartigen Leistung der einzelnen Solisten könnte diese Produktion zu einem Dauerbrenner werden, der insbesondere ein junges Publikum anspricht.
Weg vom alten Operettenklischee – denn gerade in der Operette sollte man mit der Zeit gehen – und nicht den alten Herz–Schmerz Kammellen nachweinen!
Jede einzelne Rolle war hier charakteristisch ideal besetzt. Eva Maria Marold bot die perfekte Verkörperung des Wiener Proletariats, das hätte wohl kaum dramaturgisch besser interpretiert werden können.
Die Protagonistin zog in dieser Darstellung alle Register und hatte die Lacher voll auf ihrer Seite.
Ebenso Martina Dorak als zauberhafte Raka, die mit ihrem ebenbürtigen Partner Jim Boy, gespielt von Gaines Hall, die einzelnen Tanz – und Gesangsnummern zum Überschäumen brachte. Insbesondere Gaines Hall, ein Amerikaner in Berlin mit perfekter deutscher Aussprache und ein erfolgreicher Musicaldarsteller, brillierte nicht nur schauspielerisch und gesanglich, sondern auch als Tänzer mit enormer Energie und mit perfekt einstudierten Steppeinlagen, die man eigentlich nur noch von „42nd street“ in London und New York in guter Erinnerung hat. Abgesehen davon, dass dieser Darsteller in dieser Musicalproduktion bereits erfolgreich agiert hat.
Es ist schön zu beobachten, dass es auch in Wien Produktionen gibt, die sich auf internationalem Niveau bewegen, insbesondere was die Unterhaltungsbranche betrifft.
Siphiwe McKenzie-Edelmann als Prinzessin Laya agierte als elegante Bühnengestalt und überzeugte ebenso stimmlich wie auch darstellerisch. Ihr Partner Christian Baumgärtel in der Rolle des Prinzen Lilo Taro war charakteristisch ein idealer Pendant, souverän und mit einer angenehmen tenoralen Stimme, bei der sich aber leider in der Höhe einige Probleme zeigten.
Ideal besetzt war auch Thomas Sigwald, der mit Bravour den arbeitslosen Installateur Harald Kratochwill und gleichzeitig den schneidigen amerikanischen Offizier hervorragend in Szene setzte. Die Spiellaune an diesem Abend war unübertroffen. Ebenso bei Ronald Kuste als vornehmer Hawaiianer, desgleichen bei Marko Kathol in der Rolle des John Buffy.
In kleineren Rollen überzeugten Josef Luftensteiner (als amerikanischer Gouverneur), Yasushi Hirano, Florian Hurtler und Hermann Lehr.
Ausgezeichnet präsentierte sich auch die Choreographie von Kim Duddy, bei der nicht nur die Tänzer/Tänzerinnen der Wiener Volksoper ein wahrer Augenschmaus waren, aber auch bei den tänzerischen Einlagen voll überzeugten.
Ein solider Volksopernchor unter der musikalischen Einstudierung von Thomas Böttcher agierte mit hawaiianischen Gewändern und weiterem Südseezauber.
Unter dem Dirigat von Joseph R.Olefirowicz erklangen die musikalischen Highlights, passend zu dem ständigen Bühnenwechsel zwischen Filmatelier und szenischem Südseezauber. Ein akustisches Gemisch, mit lyrischen und jazzigen Klängen, schmissigen Tanzrhythmen, dass durch
das Volksopernorchester ein herrliches Klangvolumen erzielte.
Die Auflösung des dramaturgischen Aufbaus von Helene Sommer und Christoph Wagner-Trenkwitz, frei nach Kurt Tucholksy „Drum wird bei einem Happy End, im Film gewöhnlich abgeblend“, so löste sich auch in dieser Inszenierung am Ende alles in Wohlgefallen auf.
Die Darsteller gingen nach dem Dreh nach Hause und kannten sich dann meistens nicht einmal mehr.
Das entspricht leider der nackten Realität!
Ein phantastisches Remake, wo Streitende wieder zu Liebenden werden und bei dem doch am Ende die Vernunft siegt.
Eine Produktion von Traum und Wirklichkeit, die sich am Ende in der Realität wieder findet, durch begeisterte Bravorufe und durch Ovationen für die einzelnen Solisten/Solistinnen und für ein ausgezeichnetes Leading-Team.
Manuela Miebach
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