Der neue Merker
blank
blank
blank
   
blank
blank
blank
STARTSEITE
AKTUELLES
BILDERGALERIE
KÜNSTLER-INFO
THEATER-INFO
INTERVIEWS
SPIELPLÄNE
KRITIKEN
blank Musiktheater
blank Ballett
blank Konzert
blank Sprechtheater
blank Ausstellungen
REVIEWS
WIEN-INFOS
TANZ-NEWS
JUBILÄEN
CD/DVD/BUCH
FILM/TV
FORUM
ARCHIV
BESTELLEN
EVENT-SEITEN
KONTAKT
WERBEPARTNER
IMPRESSUM
Merker 2002-2007
blank
blank
blank
blank
blank
blank
22. Jahrgang
Juli/August/Septemb.
2010
168
- - - - -
Anton Cupak
19.07.2010
13:35:40
blank
blank
blank
blank
Kritiken  
Die Kritiken früherer Ausgaben sind unter dem entsprechenden Menüpunkt "Merker 2002-2007" abrufbar, auf unserer neuen Website finden Sie die älteren Kritiken wie gewohnt unter dem Menüpunkt "Archiv" - auch nach Jahren! Keine Kritik geht daher verloren.
 
Besuchen Sie auch die Site unseres Kooperationspartners www.deropernfreund.de
 
blank

Belcanto Opera Festival in Bad Wildbad: “Le siège de Corinthe” von Gioacchino Rossini (Aufführung: 23. 7. 2010)

Das 22. Rossini-Festival in Bad Wildbad vom 9. – 25. Juli 2010 hatte auch in diesem Jahr eine Rarität des großen Belcanto-Komponisten auf dem Spielplan: „Le siège de Corinthe“ („Die Belagerung von Korinth“).

Dieses dreiaktige Werk, 1826 in Paris uraufgeführt, ist Rossinis erste französische Oper. Mit der Umarbeitung des 1920 aufgeführten „Maometto II“ leistete Gioacchino Rossini seinen Beitrag zur neuen Gattung der Grand Opéra mit großer Ballettmusik. Interessant die Entstehungsgeschichte der Oper, die Matthias Brzoska in seinem Artikel im Programmheft ausführlich beschreibt. Daraus einige Zitate: „Als Rossini 1824 für ein damals ungeheures Jahresgehalt von 40 000 Francs, dem Sechseinhalbfachen eines Professorengehalts, nach Paris verpflichtet wurde, befand sich die große französische Oper in einer schwerwiegenden Krise. … Und so verlangte man von Rossini für die oben genannte Summe vor allem, neue Opern zu komponieren: eine italienische und eine französische Originaloper sowie eine französische Bearbeitung einer seiner älteren italienischen Opern. Damit tat sich Rossini aber sehr viel schwerer als vermutet. Die einzige Oper, die er einigermaßen zeitnah ablieferte, war die italienische: ‚Il viaggio a Reims‘ wurde anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten von Charles X. uraufgeführt.“

Erst im Oktober 1826 kam es in Paris zur Uraufführung von „Le siège de Corinthe“ – mit großem Erfolg, fand doch der griechische Freiheitskampf gegen die Türken in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in Paris viele Sympathisanten. Bis 1844 blieb die Oper in der französischen Metropole im Repertoire! Außerdem kam es auch zu vielen Aufführungen in anderen europäischen Städten, zumeist jedoch in der italienischen Rückübersetzung unter dem Titel „L’assedio di Corinto“. Die inzwischen nur selten gespielte französische Fassung  wurde nun in der kürzlich renovierten Trinkhalle von Bad Wildbad in einer erlesenen Besetzung konzertant aufgeführt (mit französischen und deutschen Übertiteln!).

Der Inhalt der Oper, die im Jahr 1458 spielt: Cléomène, der Statthalter von Korinth, sieht den Widerstand gegen die Türken schwinden. Der junge Offizier Néoclès und der alte  Grabwächter Hiéros treten der mutlosen Haltung der Soldaten entgegen – alle schwören, für die Ehre des Vaterlandes zu siegen oder zu sterben.  Cléomène will seine Tochter Pamyra mit dem Offizier verheiraten, doch sie hat einem gewissen Almanzor in Athen die Treue geschworen.  Als die Türken Korinth eingenommen haben, will deren Anführer Mahomet II. aus Liebe zu einer Griechin Milde walten lassen, doch der gefangen genommene  Cléomène weist eine Kapitulation der letzten Widerstandstruppen entrüstet zurück. Pamyra erkennt im Anführer der Türken Almanzor und ist zwischen den Wünschen ihres Geliebten und den Forderungen ihres Vaters hin- und hergerissen. – Die Hochzeit von Mahomet und Pamyra, die inzwischen den gefangen genommenen Néoclès rettet, indem sie ihn als ihren Bruder ausgibt, wird vorbereitet. Als Mahomet ihn zum Trauzeugen machen will und Omar von einem erneuten Widerstand der Griechen berichtet, entscheidet sich Pamyra für ihr Volk. Sie wird mit Néoclès abgeführt. – In den Grabstätten von Korinth beschließen die Griechen, gemeinsam zu sterben. Durch den Verzicht auf Mahomet kann sich Pamyra mit ihrem Vater versöhnen. Sie bereitet sich mit den griechischen Frauen im Gebet auf den Tod vor. Als die Türken die Grabstätte erstürmen, entzieht sich Pamyra dem Zugriff Mahomets durch Selbstmord mit dem Dolch. Die Gruft bricht in sich zusammen, man sieht Korinth in Flammen aufgehen.

Als Mahomet II. brillierte Lorenzo Regazzo nicht nur mit seiner sonoren Bassstimme, sondern auch mit seiner eindrucksvollen Mimik und seinem gestenreichen Spiel, das über eine normale konzertante Aufführung weit hinausging. Ihm ebenbürtig Majella Cullagh, kürzlich noch bei den St. Galler Festspielen in Donizettis „Il diluvio universale“ bejubelt, die ihren vollen Sopran, der in den Ensembles alle Sänger überstrahlte, prächtig einzusetzen verstand. Auch sie „gestaltete“ ihre Rolle der Pamyra, die sich aus Liebe zu ihrem Vaterland erdolcht, mimisch exzellent. Ihren Vater Cléomène, den Statthalter von Korinth, sang Marc Sala mit tenoraler Kraft. Als junger griechischer Offizier Néoclès begeisterte Michael Spyres mit seiner lyrischen Tenorstimme, die auch die Höhen seiner Partie meisterte. Brillant seine Arie „Grand Dieu, faut-il qu’un  peuple“!

Gut ins Ensemble fügten sich die Sänger der vier kleineren Rollen: Der Bass Matthieu Lécroart als Grabwächter Hiéros, die Mezzosopranistin Silvia Beltrami als Ismène, der Bariton Marco Filippo Romano als Omar und der Tenor Gustavo Quaresma Ramos als Adraste. Überzeugend auch der Camerata Bach Chor, der von Iñaki Encina Oyón einstudiert wurde.

Das Orchester Virtuosi Brunensis wurde von Jean-Luc Tingaud geleitet, der sich selbst in einem im Programmheft abgedruckten Interview als Spezialist der Französischen Oper sieht. „Le siège de Corinthe“ bezeichnet er als einen Meilenstein im Schaffen Rossinis. Es gelang ihm bei seinem Debüt in Wildbad eindrucksvoll, aus Rossinis Partitur alle Feinheiten herauszuarbeiten – großartig die beiden Ballettstücke, die vom Orchester mit großem Feuer und Schwung dargebracht wurden.

Das begeisterte Publikum feierte die Protagonisten, aber auch den Chor, das Orchester und den Dirigenten mit minutenlangem frenetischem Beifall, wobei sich viele Bravorufe unter den Applaus mischten.

Udo Pacolt, München – Wien

 


 
Diese Seite drucken
blank
 
Adminblank Copyright 2009 DER NEUE MERKERblankHosted by KingBill Rechnungenblank