EIN GESPRÄCH MIT GERGELY NÉMETI
Dem Verfasser dieser Zeilen fiel der junge Tenor zum ersten Mal im Februar als Naraboth in
der „Salome“ wegen seiner ausgesprochen schönen Stimme auf, dann - immerhin neben der Anna Netrebko - in der eher undankbaren Rolle des Arturo in der „Lucia“ und zuletzt als Froh im neuen „Rheingold“. So entstand die Idee zu diesem Gespräch.
Der junge, groß gewachsene Sänger (neben dem noch größeren Uusitalo schaut er gar nicht so groß aus) ist ein sehr sympathisch und freundlich wirkender Sänger, stammt aus Rumänien, ist aber Ungar, und zwar aus Gheorgheni/Gyergyoszentmiklos. Die Familie ging sonntags immer zur hl. Messe, dabei faszinierte die Orgel den Knaben immer stärker, so dass er selber dieses Instrument erlernte. Übrigens, Gergely ist ungarisch für Gregor. Er begeistere sich auch sehr für Eishockey.
Mit 14 Jahren kam er dann ins Bischöfliche Gymnasium nach Gyulafehérvár/Alba, wo er dann intensiv auch Orgel studierte. Nach der Matura entschloss sich Gergely für ein Studium der Veterinärmedizin in Arad. Eines Tages hörte ihn der Gesangslehrer Marius Budoiu singen und riet ihm dringend Gesang zu studieren.
So entschloss er sich nach Oradea/Großwardein an die Akademie zu gehen, wo er 4 Jahre lang studierte. Weil aber, wie er sagt, reine Theorie im Singen viel zu wenig ist, begann er bereits in dieser Zeit im Opernhaus von Timisoara/Temesvár zu singen und pendelte zwischen den beiden Städten. Neben Operetten auf Rumänisch („Das Land des Lächelns“, „Die lustige Witwe“( Rossilon), „Fledermaus“), sang er schon große Rollen in der Originalsprache, so den Ernesto im „Don Pasquale“,
Don Ottavio im „Don Giovanni“, Nemorino im „L’elisir“. In diesen ersten Jahren seiner Karriere wurde er von Cornelius Murgu, Direktor der Rumänischen Nationalopernhauses (in Wien erinnert man sich ja noch seiner Staatsopern=
auftritte), ermutigt und unterstützt.
Nach Beendigung des Studiums beteiligte er sich an einem Wettbewerb, gewann den 3. Preis und wurde so 2006 Stipendiat des CEE Musiktheaters Wien mit einem Jahresstipendium in Cardiff/Walesunter der Leitung von Dennis O’Neill, wo immerhin so renommierte Sänger wie Kiri te Kanawa, Sherill Milnes, KS Ileana Cotrubas, KS Bernd Weikl, Anne Murray, Jane Eaglen und John Fischer unterrichteten. Gergely erinnert sich gerne an dieses intensive Studienjahr. Er machte große Fortschritte und ist Dennis O’Neill sehr dankbar dafür.
Kurz vor Ende seines Studiums hörte ihn Direktor Holender und engagierte ihn ab Jänner 2008. Vor allem in mittleren Rollen waren seine ersten Auftritte. In der kommenden Spielzeit wird er aber im September den Tamino, im Februar den Fenton, im März den Nemorino singen. Im neuen „Tannhäuser“ den Walter von der Vogelweide. Dazu einige mittlere Partien. Der künftige Staatsoperndirektor Dominique Meyer hörte ihn schon singen und engagierte ihn immerhin bereits für seine erste Saison.
In Wien fühlt er sich wohl und hat in den 1 ½ Jahren seines Hierseins bereits recht gut deutsch gelernt, er kann neben ungarisch und rumänisch, auch italienisch, englisch und französisch.
Seine Technik scheint bestens zu sein und hat einen ganz leichten Tonansatz. Er sieht sich derzeit vor allem bei Mozart, beim Belcanto mit Donizetti und Bellini. Er hat keine Probleme mit den Höhen und der Phrasierung. Zu den schweren, großen Wagner-Tenorrollen meint er "vielleicht einmal, in Jahren".
In der Staatsoper gehen die meisten Dirigenten sehr gut auf Sänger ein, so sagt er, und setzen nicht nur auf das Orchester. Da er immer wieder als Cover angesetzt wird, lernt er damit auch neue Rollen und hofft, diese eines Tages auch auf der Bühne singen zu können. Er selber lerne sehr leicht neue Rollen, auch weil er sich selbst beim Einstudieren begleiten könne. Die Glaskugel, welche Froh im Rheingold die ganze Zeit in Händen halten muss, soll bedeuten: Froh, ein Frühlingsgott halte sozusagen das milde, schöne Wetter dieser Jahreszeit in seinen Händen. Was Regisseuren alles einfällt!
Ich bin überzeugt, dass er ziemlich großes Potential in seiner Stimme hat. Wenn dieses von ihm selber, von verständigen Dirigenten und Direktoren gepflegt wird, dann wird man in zukünftigen Jahren noch viel von ihm auf den Opernbühnen hören und erleben.
Martin Robert BOTZ
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