Der neue Merker
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Merker 2002-2007
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22. Jahrgang
Juli/August/Septemb.
2010
168
- - - - -
Anton Cupak
19.07.2010
13:35:40
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Interview, 09/2005: Petra LANG, Die neue Bayreuther Brangäne
INTERVIEW 09/2005: PETRA LANG – die neue Bayreuther Brangäne.
Anlässlich ihres Auftritts im Rahmen der 8. Symphonie von Gustav Mahler im Wiener Musikverein am 13. Juni 2005 hatte ich die Gelegenheit, die sympathische Mezzosopranistin Petra Lang im Ana Grand Hotel zu interviewen. In den letzten Jahren hat sie immer mehr als Wagnersängerin auf sich aufmerksam gemacht, mit sehr intensiven, überaus natürlichen Rollendarstellungen und einem voll klingenden und geschmeidigen Mezzo, der sich auch in einer Rolle wie der Sieglinde in Wagners Walküre bestens bewährt hat (DOB Berlin, G. Friedrich-Ring).
Wie fing es an? Ganz früh! Sie ist gebürtig aus Frankfurt am Main. Schon mit acht bis neun Jahren stöberte sie in der Schallplattensammlung ihres Vaters, der in der Frankfurter Oper als Techniker beschäftigt war. Besonders sprach sie eine Tannhäuser-Aufnahme mit Anja Silja und Wolfgang Windgassen an. Der Same für Wagner wurde also schon sehr früh gelegt. Durch ihren Vater kam sie vier bis fünfmal pro Woche hinter die Bühne und erhielt eines Tages von Hildegard Behrens eine Einreichkarte für Lohengrin, die sie sich selbst bei ihr abholen musste. Später sah sie Anja Silja als Wozzek-Marie und Daniza Mastilovic in Turandot in Frankfurt. Schon als kleines Kind sang sie viel, spielte erst Blockflöte, studierte dann Violine mit Abschluss.
Dann aber wurde sie für den Gesang entdeckt - die erste Gesangsstunde war 1985 - und absolvierte ihre Ausbildung an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt und Mainz. Nach einem halben Jahr Gesangsunterricht sang sie schon mit grossem Erfolg Brahms-Lieder und ging dann zu Judith Beckmann. Als es mit einer Aufnahme in die Meisterkurse von Hans Hotter nicht klappte, kam sie zu Ingrid Bjoner („Die Stimme interessiert mich!“), die noch heute ihre Lehrerin ist. Auf ihre Anregung hin besuchte sie 1989 das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper München.
Ihre ersten Rollen: 1989 erste Auftritte an der Münchner Staatsoper. Es folgten Engagements in Dortmund und Braunschweig, wo sie auch ihre ersten Wagnerrollen sang, so die Waltraute 1994 in Dortmund, die Fricka in Dortmund und Brangäne in Braunschweig, letztere 2000 auch unter Sir Simon Rattle in der Royal Albert Hall. Nicht lange liess die Kundry auf sich warten, u.a. in der gelungenen Aeschlimann-Produktion des Parsifal in Genf 2004, aber auch in London und Dresden. Sie ist auch eine begeisterte Konzertsängerin, hält sich auf Grund ihrer Affinität zum deutschen Fach aber in erster Linie für eine Wagnersängerin.
Richard Wagner und seine/ihre Rollen: Es geht immer um eine Geschichte. Text und Musik sind eine Einheit, es gibt kein Koloratur-„Gegacker“, der Text transportiert die Geschichte mit der Rolle. Er ist die Basis für die dramatische Entwicklung. Für Petra Lang ist die Kundry eine Geknechtete unter Klingsors Einfluss, die aber doch Gutes tun will. Genial ist für sie die Erwachensszene im 2. Akt. Wie eine Marionette spult Kundry ihr Verführungsprogramm ab. Wichtig ist ihr hysterisches Lachen: „Wenn Männer kommen, kann sie nur lachen, da sie ihr nicht widerstehen“. Frickas Problem ist schon im Rheingold klar. In ihrer Rolle müssen auch Härte und Nichtverständnis vermittelt werden. Sie ist in der Walküre eine verletzte Frau. Wird das Problem heute mit Scheidung und Abfindung gelöst, so muss sie im Zwiegespräch mit Wotan eine andere Lösung suchen.
Moderne Produktionen: Man ist als SängerIn engagiert und lässt sich führen. Das muss man akzeptieren, man ist der/die Ausführende.
Bayreuther Festspiele: Es ist eine grosse Ehre, dort singen zu dürfen, wo Wagner sein Idealtheater schuf, ein wahres Privileg! Die Brangäne war ihr Bayreuth-Debut. Im Rahmen des Stipendiatenprogramms und auf andere Weise hatte sie zuvor jedoch schon etwa 25 Aufführungen in Bayreuth miterlebt.
Ihr Credo: Wie ein Sportler muss der Sänger wissen, wie er/sie mit dem Körper zurecht kommt. Die Technik ist fundamental. Sie sieht viele SängerInnen, die nicht wissen, welche technischen Grundlagen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere darstellen. Eine Weile geht es gut, dann „verreckt“ man. Man muss den Körper optimal ausnutzen, es ist „seine/ihre Stimme!"
Ihre Pläne: In Venedig Sieglinde Ende Januar/Februar 2006 mit Kristinn Sigmundsson und Christopher Ventris, also wie bei ihrem Einspringen in der Walküre-Premiere in Neapel im März diesen Jahres (Der Merker berichtete). Venus in Berlin, San Diego und Amsterdam, Kundry in Monte-Carlo, Paris, London und Dresden, Brangäne in München, Berlin, Bologna und Chicago. Dann die Gurrelieder, 2. und 3. Mahler und diverse Liederabende etc.
Wir wünschen Petra Lang weiterhin eine erfolgreiche Karriere und hoffen, sie oft in Wien wiedersehen und wiederhören zu können.
Klaus Billand
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