MÜNCHEN / „DORNRÖSCHEN“ – Lucia Lacarra, Marlon Dino, Karen Azatyan – den Atem anhalten und staunen !
MÜNCHEN – Bayerisches Staatsballett: „DORNRÖSCHEN“ – 19./20.02.
- Ivan Liškas Fassung (nach Petipa) und eine Compagnie at her best.
Lucia Lacarra/Marlon Dino – den Atem anhalten und staunen ! (© Ch.Tandy)
Die Planung der jetzigen Aufführungsserie sah vor: am 19.02. Lucia Lacarra und Marlon Dino als Hauptpaar, am 20.02. Natalia Osipova (a. G.) und Lukáš Slavický als ebensolches.
Das STB ist derzeit, was die ersten Solistinnen betrifft, ganz schön in Personalnot geraten – durch Langzeit-Verletzungspausen, durch Schwangerschaften und Mutterurlaube, sodass in der Tat neben Lucia Lacarra keine hauseigene Besetzung der hochanspruchsvollen Dornröschen-Partie zur Verfügung steht. Am 3.3. wird Katherina Markowskaja, frei schaffende Ballerina und in letzter Zeit öfters beim Bayer. STB beschäftigt, neben Slavický die Hauptrolle tanzen. – Der Nachwuchs ist gefordert! Aber diese Partie erfordert halt schon einen sehr hohen ballerinösen Leistungslevel. Aber Ivan Liška wird mit seinen Mädels schon arbeiten; für welche Jung-Ballerina wäre das Dornröschen nicht eines der anstrebenswertesten Hauptziele.
Nachdem Frau Osipova kurzfristig erkrankt war, durfte der Ballett-Gourmet Lucia Lacarra und Marlon Dino 24 Std. nach ihrer großartigen ersten Performance am 20. gleich noch einmal genießen – und die beiden legten noch eins drauf, sodass eine etwaige Enttäuschung jener, welche die Osipova sehen wollten, nach sachlichen Maßstäben gar nicht aufkommen durfte. Lucia Lacarras Dornröschen ist die personifizierte schwebeleichte Grazie. Wie schwer das Rosen-Adagio und alles drum herum ist, wird keinen Moment spürbar (wenn man es nicht wüsste); wie ein rosa (später weißes, und zum Schluss goldenes) Flaumbällchen schwebt sie über die Bühne, da wackelt kein bisschen bei all den Balancen, da gibt es himmlische Arabesquen und, und, und – Und Marlon Dino ist mit seiner hohen schlanken Linie ein Bilderbuch Danseur noble von ungeheurer Klasse. Sein Partnerhandling, seine bestechende Eleganz, seine tänzerische Brillanz und seine Ausdruckskraft, die selbst so eine Prinzenrolle enorm aufwertet – besser geht’s nicht. Bei ihm wird wie bei keinem anderen bisherigen Interpreten das sehnsuchtsvolle Solo nach der Jagdgesellschaft zum einen zu einer traumhaften Nummer, zum anderen begreift man hier ganz und gar, was ausgedrückt werden soll. Beim abschließenden Grand Pas de deux legten die beiden gegenüber der ersten Aufführung noch eins drauf – da hieß es, den Atem anhalten und s t a u n e n !
Die gesamte übrige Besetzung war an beiden Abenden identisch: Séverine Ferrolier ist eine sehr elegant-damenhafte Fliederfee, Norbert Graf ihr beeindruckend böses Pendant Carabosse. Die anderen Feen waren alle hochkarätig besetzt, ebenso wie ihre Kavaliere. Hier fielen zwei für Maxim Chashchegorov eingesprungene junge Corps-Tänzer sehr positiv auf: Robert Kedzinski (Corps) als einer der Feenbegleiter und Ilya Shcherbakov als arabischer Prinz im 1. Akt, wie überhaupt wieder soviel prächtiges „Material“ zu sehen war, dass es eine pure Freude war. Neben Olivier Vercoutères König überraschte die Wiederbegegnung mit der extrem lange abwesend gewesenen 1. Solistin Natalia Kalinitchenko in der Schreitrolle der Königin. Beim Pas Fabergé im Hochzeitsbild wurde der Kavalier/Javier Amo Gonzalez von 3 Edelsteindamen umrahmt, die zuvor auch schon als Feen tätig waren, der taufrischen Ilana Werner, der versierten Ekaterina Petina und der edlen Erscheinung Zuzana Zahradnikova. Lucie Barthélémy und Zoltan Mano Beke bezauberten als Der gestiefelten Kater und die weiße Katze, und Ilia Sarkisov ist das Springginkerl schlechthin für den Kleinen Däumling.
Und schließlich gab es da noch einen absoluten Brillanz-Höhepunkt: Prinzessin Florine und der baue Vogel: Karen Azatyan, ein Blauer Vogel, biegsam wie eine Trauerweide im Wind (eine normale Weide tut‘s da nicht mehr zum anschaulichen Vergleich). Der fesche Armenier ist einer der größten Hoffnungsträger der jungen STB-Riege, und wenn er wie hier in Bestform antritt, kann er schon heute atemberaubend sein. Seine Battements – große Klasse, und das „Fliegen“ simulierte kaum einmal einer besser. Bravissimo!!! Seine Prinzessin Florine wurde von der puppigen Katherina Markowskaja recht spritzig getanzt.
Myron Romanul dirigierte das Bayer. Staatsorchester bei Tschaikowskys toller Musik. Die Herrschaften spielten am 1. Abend merkwürdigerweise konzentrierter als am 2., dafür am 2. weniger brutal knallig als an manchen Stellen des 1. Abends.
Weiter sieht die Planung vor: 2.3./4.4. Lacarra/Dino, 3.3. Markowskaja/Slavický, 12.4. Ekaterina Borchenko (a. G.)/Maxim Chashchegorov. Mit Natalia Osipova ist am Ostermontag (9.4.) eine weitere Vorstellung geplant, zusammen ihrem Mann Ivan Vasiliev, beide Principal Dancers am Mikhailovsky Ballett St. Petersburg, ebenso wie Ekaterina Borchenko.
www.staatsballett.de
DZ
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Am Rande – Toilettengespräche –
Manche kennen vielleicht den Sketch mit dem Franken, der in Bayreuth seinen ersten Tristan sah und angesichts von Tristans langem Fieberdelirium meinte: „Ich glab, der werd widder“ – (ich glaube, der wird wieder/ erholt sich wieder).
Die Pause beim STB-Dornröschen findet unmittelbar nach dem scheinbar tödlichen Spindel-Stich statt (nachdem der gesamte Hofstaat in den 100-jährigen Schlaf versetzt wurde). - Im Toilettenbereich erlauschte ich folgende Szene: Eine ältere Dame erklärte zwei Mädchen – vielleicht zum Trost – „die wird scho wieder; ich weiß zwar net, wie die das hier lösen, das sehmer dann schon – aber, die wird wieder!“ - und das Ganze in einem etwas gemäßigten Slang. – Meinen Lachreiz musste ich höflicherweise mühevoll unterdrücken… DZ
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