Der Neue Merker
Thomastik-Infeld
Ticketpoint
das Theater-Portal für Wien

MÜNCHEN: Mariss Jansons‘ GLAGOLITISCHE MESSE u. m.!!!

München: Mariss Jansons‘ GLAGOLITISCHE MESSE u. m., Philharmonie 03.02.12

Das war ein Konzert! Qualitätsstempel Mariss Jansons – einfach grandios.

Leoš Janáčeks GLAGOLITISCHE MESSE (Mša glagolskaja) für Soli, Chor, Orgel und Orchester kann man getrost als Monumentalwerk bezeichnen. Und das in so einer Aufführung: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in Riesenbesetzung mit seinen großartigen, zeitweilig dominanten Blechbläsern; der als Ensemble der Sonderklasse etablierte Chor des BR (Peter Dijkstra), ein Klangkörper wie ein einziges Gesamtinstrument, so klar in Diktion wie sauberstem Klangbild. An der Orgel „tobte“ (bei ihren Soli) die zierliche Lettin Iveta Apkalna, eine der bedeutendsten jungen Organistinnen der Gegenwart – so eine winzige Person an so einem Rieseninstrument, das wirkte zusätzlich Staunen machend. Das Solisten-Quartett führte die wunderbare Sopranistin Tatiana Monogarova mit klar leuchtendem Sopran an, der Mezzo kommt in dieser Messe kaum zu Wort (quasi überbesetzt mit Marina Prudenskaja), auch der Bass  hat wenig zu tun (zuverlässig Peter Mikuláš). Leider fiel der Tenor, der ausgerechnet am meisten zu tun hat, stimmlich ab. Ludovit Ludhas kleiner Tenor gemahnte bei seinen extremen, anstrengenden Höhenflügen doch zu deutlich an den armen Schwan in Orffs Carmina Burana. Schade, dass man sich dafür nicht die Mühe gemacht hat, eine bessere Alternative zu finden (die wird es wohl in Tschechien oder der Slowakei geben), wo sich doch sonst alles in der höchstmöglichen Qualitätsstufe abspielte. –

Vor der Pause gab es bereits Bohuslav Martinús DOPPELKONZERT für zwei Streichorchester, Klavier und Pauken d-Moll. Hier konnten die Streicher des BR-SOs brillieren, ergänzt durch Lukas Maria Kuen am Klavier und Raymond Curfs an den Pauken. - Danach stellte sich die Geigerin Vilde Frang dem Münchner Publikum vor (u. a. Schützling von A. S. Mutter). Sie spielte Béla Bartóks KONZERT FÜR VIOLINE und Orchester Nr. 1. Die junge norwegische Violinistin ist 27 Jahre alt, sieht aber aus wie 17. Deshalb beeindruckte ihr temperament- und kraftvoller Zugriff  ganz besonders (ohne den Bogen dabei zu „zerfieseln“, wie es Jansen und Hanslip gerne tun). Man hatte sie auch schon mal „die wilde Vilde“ genannt… –  Diese virtuose Konzertinterpretation war mindestens genauso beeindruckend wie die Glagolskaja. Nach ausgiebigem Begeisterungsgetrampel spielte Vilde Frang noch eine entzückende norwegische Volksweise über einen Gnom, schwierigkeitsgradmäßig durch allerhand Doppelgriffe und Tricks aufgepeppt.

 Anmerkung zum Veranstalter: Es ist schon ein besonderer Service, dass der BR seine informativen Programmbüchlein nunmehr umsonst zur Verfügung stellt. Da habe ich kürzlich 3.- € für ein kleines Flatterblättchen berappt, und beim BR bekommt man kostenlos ausgiebige Informationen zu Werken und Künstlern, incl. Texte, wie hier zur Glagolskaja. –

 DZ

Diese Seite drucken