John MODENOS ist am 11.1. in Athen verstorben
Er wurde in Omodhos-Limassol auf der Insel Zypern geboren, eigentlich Ioannis Philippos Modinos. Er war zuerst Chorleiter und Kantor in griechisch orthodoxen Kirchen, ließ dann aber in den USA seine Stimme zum Solisten ausbilden. Seine Lehrer waren Estelle Liebling, Thanos Mellos und Otto Hertz in New York, er war auch Schüler der Manhattan School of Music. 1961 gewann er einen Wettbewerb für Operngesang in Cincinnati, im gleichen Jahr den Concours von Vercelli. Bühnendebüt 1956 an der New York City Centre Opera als Morales in »Carmen«. An diesem Opernhaus wie an den Opern von Pittsburgh und San Francisco erfolgreich aufgetreten, doch hatte er seine größten Erfolge an europäischen Opernhäusern (Deutsche Oper Berlin, Staatsopern Hamburg, Stuttgart und München) und an der Nationaloper von Athen, deren Mitglied er 1962-63 war. 1963-73 am Opernhaus von Zürich engagiert; auch dem Stadttheater Bremen verbunden. Weitere Gastspiele an der Staatsoper Wien (1966 als Valentin im »Faust« von Gounod, 1967 als Tonio im »Bajazzo« und 1969 als Amonasro in »Aida«), an den Opern von Prag und Brünn (Brno), an der Covent Garden Oper London, in Genf, Basel, Genua und bei den Festspielen von Glyndebourne (1965 als Faninal im »Rosenkavalier«). Er sang in Amsterdam 1963 den Scarpia in »Tosca«, 1969 den Alberich im »Rheingold«. Seine kraftvolle, dramatische Stimme meisterte ein ausgebreitetes Bühnen- und Konzertrepertoire, Partien u.a. in Opern von Verdi, R. Wagner, Puccini, Mozart, Strawinsky. Zu seinen Bühnenrollen zählten auch der Taddeo in Rossinis »L’Italiana in Algeri«, der Germont sr. in »La Traviata« und der Sebastiano in »Tiefland« von E. d’Albert. 1961 sang er bei den Festspielen im Theater des Herodes Attikus in Athen in der Uraufführung der Oper »Nausikaa« von Peggy Glanville-Hicks den Odysseus, 1962 bei den gleichen Festspielen in der Uraufführung von »Konstantin Palaiologos« des griechischen Komponisten Manolis Kalomiris den Harkousis. Seit 1978 mit der Sopranistin Jenny Drivala (* 1957) verheiratet, mit der er später zusammen in Zürich lebte. 1980-83 war er Direktor der Nationaloper Athen.
Schallplatten: CBS, Joker, Tono, HRE (Querschnitt »Rosenkavalier«).
Denise SCHARLEY ist am 26.7. in Versailles verstorben
Sie wurde am 15.2.1917 geboren, eigentlicher Name Denise Besse. Sie studierte vier Jahre lang am Conservatoire von Paris und gewann beim Abschluss ihrer Ausbildung alle drei Preise des Conservatoire. Sie debütierte 1942 an der Pariser Opéra-Comique als Geneviève in »Pelléas et Mélisande« von Debussy. Im folgenden Jahr hatte sie an diesem Opernhaus große Erfolge als Carmen und als Mignon. Sie sang an der Opéra-Comique dann u.a. die Taven in »Mireille« von Gounod, die Charlotte in »Werther« und die Dulcinée in »Don Quichotte« von Massenet. Nachdem sie bis 1947 an der Opéra-Comique aufgetreten war, war sie 1947-48 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel engagiert und unternahm darauf zahlreiche Gastspiele; so sang sie an der Oper von Rom 1947 die Carmen als Partnerin von Mario del Monaco und die Geneviève. In der Spielzeit 1951-52 folgte sie einem Ruf an die Grand Opéra Paris und sang hier als Antrittsrolle die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns. Man bewunderte sie dort in den folgenden Jahren als Bellone in »Les Indes galantes« von Rameau, als Mary im »Fliegenden Holländer«, als Erda wie als Fricka im Nibelungenring (unter H. Knappertsbusch), als Emilia in Verdis »Otello«, als Bathseba in »David« von A. Honegger, als Amneris in »Aida«, als Fatime im »Oberon« von Weber, als Ulrica im »Maskenball« von Verdi und in der französischen Erstaufführung des Opernwerks »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc (1957). An den Opernhäusern von Marseille und Lyon trat sie als alte Gräfin in »Pique Dame« (1961) und als Madame Flora in »The Medium« von Menotti (1962) auf. Erfolgreiche Gastspiele u.a. in Genf und Lyon, an der Oper von Monte Carlo (1970 als Mutter in Charpentiers »Louise«, 1978 in »Dialogues des Carmélites«), am Teatro Fenice Venedig (1973 in »L’Annonce fait à Marie« von Rossellini) und am Teatro San Carlo Neapel (1972). Sie gastierte an Theatern in der Schweiz, in Spanien, England, Holland und Deutschland. Sie trat bis 1973 an der Grand Opéra auf, gab aber auch später noch Gastspiele, so u.a. 1979 in Avignon. Noch 1982 wirkte sie am Théâtre des Champs-Élysées in Paris in der Uraufführung der Oper »Ondine« von Daniel Lesur mit. Auf der Bühne wirkte sie nicht zuletzt durch ihre darstellerische Präsenz; aus ihrem Repertoire ist noch die Maddalena im »Rigoletto«, nachzutragen. – Verheiratet mit dem Tenor Jacques Hivert (* 4.12.1919; eigentlich Jean-Jacques Lecaillon), der seine Ausbildung in Paris erhielt und 1944 an der dortigen Opéra-Comique als Jean in »Les Noces de Jeanette« von Massé debütierte. Er sang an diesem Haus viele Jahre hindurch Charakter- und Bufforollen und wirkte u.a. am 3.6.1947 in der Uraufführung der Oper »Les mamelles de Tirésias« von Fr. Poulemc mit.
Schallplatten: Vega (Querschnitte durch »Hérodiade« von Massenet, »Werther«, »Carmen«), HMV (»Dialogues des Carmélites«), Columbia (»L’Enfant et les sortilèges« von Ravel). – Jacques Hivert sang auf Pathé kleine Partien in Gesamtaufnahmen der Opern »La Bohème« und »Madame Butterfly«.
Martine MAHÉ ist am 29.7. verstorben
Née à Aix-en-Provence en 1951, la mezzo-soprano Martine Mahé entre au Conservatoire de sa ville natale, puis à l’école de la Scala de Milan avant de séjourner à l’Ecole d’Art Lyrique de l’Opéra de Paris de 1981 à 1983. Dès sa sortie, elle est engagée dans la troupe de l’Opéra. Elle fait ses débuts à Paris en 1981 dans Le Barbier de Séville(Berta) au Théâtre des Champs-Elysées, puis au Palais de Chaillot dans L’Orfeo (Speranza). Au Palais Garnier, elle interprète en 1983 Kate Pinkerton dans Madame Butterfly et Marie dans Moïse. Dès lors, elle se produira régulièrement à l’Opéra de Paris : Don Carlo (Tebaldo), Carmen(Mercedes), Don Quichotte(Garcias), Faust (Dame Marthe et Siebel), Lucia di Lammermoor (Alisa), Les Noces de Figaro (Cherubino), Norma(Clotilde), Rigoletto(Giovanna), Le Trouvère (Ines) et Wozzeck (Margret). En France, elle s’était également produite à Toulouse (Le Comte Ory, La Force du destin), à Bordeaux (Luisa Miller, Cosi fan tutte, La Belle Hélène) ou encore aux Chorégies d’Orange (Lucia di Lammermoor). Sa carrière internationale l’avait menée à Milan, Genève (Orphée aux Enfers), Lausanne et au Festival de Glyndebourne (La Clémence de Titus).
Salvatore LICITRA ist am 5.9. in Catania verstorben
Er wurde am 10.8.1968 in Bern (Schweiz) geboren; seine Familie war sizilianischer Herkunft. Als er zwei Jahre alt war, verzog diese in die Umgebung von Mailand. Er studierte an der Accademia Verdiana in Parma; er war auch Schüler des berühmten Tenors Carlo Bergonzi. 1997 trat er am Teatro Giglio von Lucca in zwei kleinen Partien auf (Gastone und Giuseppe in »La Traviata«). Bereits im folgenden Jahr 1998 hatte er sensationelle Erfolge, als er am Teatro Regio Parma wie bei den Festspielen in der Arena von Verona den Riccardo (Gustavo) in Verdis »Un Ballo in maschera« vortrug. 1999 hatte er einen ähnlichen Erfolg, als er an der Mailänder Scala als Antrittsrolle den Alvaro in Verdis »La forza del destino« unter Riccardo Muti sang. Mit dem Scala- Ensemble gastierte er in dieser Partie dann auch bei einer Japan-Tournee. 2000 trat er an der Scala in der Eröffnungsvorstellung der Saison als Manrico im »Troubadour« auf. In der Arena von Verona hörte man ihn auch als Alvaro und als Pinkerton in »Madame Butterfly«, 2001 als Manrico. 2001 gastierte er, wiederum sehr erfolgreich, am Opernhaus von Zürich wie an der Mailänder Scala (erneut als Riccardo). Weitere Gastspiele an der Oper von Rom, am Teatro Regio Turin, bei den Puccini-Festspielen in Torre del Lago und in den USA. An der Wiener Staatsoper debütierte er 2001 als Riccardo (Gustavo) und sang in insgesamt 36 Aufführungen außerdem noch den Cavaradossi in »Tosca«, den Pollione in Bellinis »Norma«, die Titelpartie in Giordanos »Andrea Chénier«, den Radames in »Aida« und den Alvaro. 2002 debütierte er als Cavaradossi an der Metropolitan Oper New York, an der er in insgesamt 66 Vorstellungen noch den Radames, den Alvaro, den Canio im »Bajazzo«, den Luigi in Puccinis »Il tabarro«, den Riccardo und den Calaf in Puccinis »Turandot« sang. Am 27. August 2011 fuhr Licitra in der Nähe von Ragusa auf der Insel Sizilien mit einem Motorroller infolge eines während der Fahrt erlittenen Hirnschlags gegen eine Mauer. Er trug keinen Helm und erlitt schwere Verletzungen an Schädel, Gesicht und Brustkorb; seine Beifahrerin, die einen Helm trug, wurde nur leicht verletzt. Am gleichen Tag wurde Licitra im Krankenhaus Garibaldi in Catania notoperiert, am 5. September 2011 erlag er jedoch seinen Verletzungen.
Eduard MURI ist am 8.9. in Zürich verstorben
Er wurde am 30. März 1938 in Schötz geboren; Studium an den Musikakademien von Zürich und Basel (Erich Schmid). Weitere Impulse erhielt er von Rafael Kubelik und István Kertész. Gründer und künstlerischer Leiter des Artemus-Konzertzyklus. Nebst der Südwestdeutschen Philharmonie, die er seit 1972 in mehreren hundert Konzerten dirigierte, leitete Eduard Muri auch andere bedeutende Orchester: Berner-, Luzerner- und Winterthurer Sinfonieorchester, Stuttgarter Philharmoniker, Württembergische Philharmonie, Philharmonisches Orchester Erfurt, Dubrovnik Festival Orchestra, Philharmonia Hungarica, Scala-Orchester Mailand. 1966-95 war Eduard Muri künstlerischer Leiter und Dirigent des Philharmonischen Orchesters Basel. Mit Eduard Muri musizierte eine Vielzahl der bedeutendsten Solisten, so. u.a. Maurice André, Rudolf Buchbinder, Shura Cherkassky, Vladimir Feltsman, Andor Foldes, Nelson Freire, Reinhold Friedrich, Bruno-Leonardo Gelber, Peter-Lukas Graf, Ulf Hoelscher, Ursula Holliger, Václav Hudecek, Katia & Marielle Labèque, Nikita Magaloff, Sergei Nakariakov, Marie Luise Neunecker, Igor Oistrach, Güher und Süher Pekinel, Konstantin Scherbakov, Dmitry Sitkovetsky, Josef Suk, Ludovic Tézier, Viktor Tretjakov, Isabelle van Keulen, Antje Weithaas. Auch sind mehrere Mitglieder der Berliner Philharmoniker als Solisten mit Eduard Muri aufgetreten. Während der langen Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie hat Eduard Muri das gesamte sinfonische Oeuvre von Ludwig van Beethoven aufgeführt. Ferner erklangen in seinen Konzerten u.a. alle Schubert-, Brahms- und Mendelssohn-Sinfonien, sowie die späten Sinfonien von Haydn und Mozart nebst vielen anderen großen Orchesterwerken. Eduard Muri hatte in seiner Jugend die Gelegenheit, bei den internationalen Musikfestwochen Luzern IMF (heute Lucerne Festival) die bedeutendsten Dirigenten der Geschichte wie Ansermet, Barbirolli, Bernstein, Böhm Cantelli, Celibidache, Fricsay, Furtwängler, Giulini, Jochum, Karajan, Klemperer, Krips, Kubelik, Markevitch, Mitropoulos, Ormandy, Schuricht, Solti, Szell bei Proben und Konzerten live zu erleben. Diese einmaligen und wunderbaren musikalischen Erlebnisse haben seine Interpretationen maßgebend geprägt.
Helga PILARCZYK ist am 15.9.in Hamburg verstorben
Geboren am 12.3.1925 in Schöningen bei Braunschweig. Nachdem sie ihre ursprüngliche Absicht aufgegeben hatte, Pianistin zu werden, ließ sie ihre Stimme in Braunschweig und in Hamburg bei Dziobeck ausbilden. Zuerst Operettensängerin, seit 1951 auf der Opernbühne aufgetreten. Sie sang 1951-54 am Staatstheater von Braunschweig, wo sie als Irmentraud im »Waffenschmied« von Lortzing im Mezzosopranfach debütierte; 1954-67 als dramatische Sopranistin Mitglied der Hamburger Staatsoper. Durch Gastverträge war sie 1955-58 mit dem Opernhaus Zürich, 1956-60 mit der Städtischen Oper Berlin, seit 1964 mit der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden. Die Künstlerin spezialisierte sich vor allem auf den Vortrag moderner Musik. Als ihre größten Kreationen galten die Marie in »Wozzeck« und die Titelfigur in »Lulu« von A. Berg (Hamburg 1957), die Färberin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, die Turandot von Puccini, die Mutter in »Il Prigioniero« von Dallapiccola, die Renata im »Feurigen Engel« von Prokofieff, die Jocasta in »Oedipus Rex« von Strawinsky und die Titelpartie in »Penelope« von R. Liebermann. In der Spielzeit 1955-56 sang sie am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich die Marie im »Wozzeck« von A. Berg, die Titelrolle in »Antigone« von A. Honegger und die Mutter in »Die Heimkehr« von Marcel Mihalovici. Sie wirkte am 23.9.1956 an der Städtischen Oper Berlin in der Uraufführung der Oper »König Hirsch« von Hans-Werner Henze mit, 1963 an der Hamburger Oper in der szenischen Uraufführung von Igor Strawinskys »The Flood«, dort auch 1955 in der von »Pallas Athene weint« von E. Krenek und 1964 in der Uraufführung von »Der goldene Bock«, ebenfalls von E. Krènek. 1958 gastierte sie an der Londoner Covent Garden Oper als Salome, im gleichen Jahr sang sie bei den Festspielen von Glyndebourne die Colombine in »Arlecchino« von Busoni; es folgten Gastspiele und Konzerte in Amsterdam und Brüssel, an den Staatsopern von München und Stuttgart. 1958 sang sie beim Holland Festival den dramatischen Monolog »Erwartung« von Schönberg, 1959 beim Kölner Musikfest die Renata im »Feurigen Engel« (»L’Ange de feu«) von Prokofieff. Beim Maggio musicale Florenz gastierte sie 1959 als Komponist in »Ariadne auf Naxos«von R. Strauss und in dem Monodrama »Erwartung« von Schönberg (in der italienischen Erstaufführung). Sie wiederholte die letztgenannte Aufführung 1962 in der Royal Festival Hall in London. Beim Holland Festival sang sie 1960 wie 1968 die Marie im »Wozzeck«, die sie auch 1963 an der Grand Opéra Paris zum Vortrag brachte. 1963 Gastspiel mit dem Ensemble der Hamburger Staatsoper an der Mailänder Scala als Lulu. 1962 gastierte sie erfolgreich in Washington, 1964 an der Chicago Opera. In Washington sang sie u.a. in der amerikanischen Erstaufführung von Schönbergs Monodrama »Erwartung« (1960). 1965 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen, wo sie als Marie im »Wozzeck« debütierte, die sie dort in drei Vorstellungen sang. Sie wurde auch als Interpretin von A. Schönbergs »Pierrot lunaire« bekannt. Sie wirkte ab 1975 als Pädagogin in Hamburg; noch 1988 trat sie in London in Aufführungen von A. Schönbergs »Jakobsleiter« auf. Sie veröffentlichte einen Essay: »Kann man die moderne Oper singen?« (1964). Für ihre musikalischen Verdienste wurde siek zur Hamburger Kammersängerin ernannt. Sie war seit 1973 Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Pilarczyk war Mutter von zwei Kindern. Ihre Tochter, Isabella Vértes-Schütter, ist Intendantin des Ernst-Deutsch-Theaters in Hamburg. Helga Pilarczyk lebte zuletzt im Hamburger Stadtteil Hochkamp. Sie starb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren im Hamburger Hospiz Hamburg Leuchtfeuer.
Aufnahmen auf Opera, Westminster (»Erwartung« von Schönberg), Electrola und amerik. Columbia (u.a. »Pierrot Lunaire« und nochmals »Erwartung« von Schönberg).
Kurt SANDERLING ist am 18.9. in Berlin verstorben
Geboren am 19.9.1912 in Arys (Kreis Johannisburg, Ostpreußen); 1931 wurde er Korrepetitor an der Städtischen Oper in Berlin-Charlottenburg, nach 1933 war er für den Jüdischen Kulturbund tätig. 1935 wurde er als Jude aus Deutschland ausgebürgert und emigrierte 1936 in die Sowjetunion zu seinem Onkel. Er wurde Korrepetitor, später Dirigent beim Moskauer Rundfunk. Sein Debüt gab er 1937 mit Mozarts Entführung aus dem Serail. 1940-42 war er Chefdirigent der Philharmonie Charkow in der Ukraine. Nach einem Gastspiel mit den Leningrader Philharmonikern wurde er unter Jewgeni Mrawinski zweiter Chefdirigent dieses Orchesters. Er übte dieses Amt 1942-60 aus. 1960 kehrte er nach Ost-Berlin zurück und war bis 1977 Chefdirigent des Berliner Sinfonie-Orchesters. Gleichzeitig leitete er 1964-67 die Sächsische Staatskapelle Dresden. 1992 wurde Sanderling (gemeinsam mit Günter Wand) mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. 1994-98 war er Kuratoriumsmitglied des Berliner Schauspielhauses. Sanderling war neben dem 2002 verstorbenen Günter Wand der letzte direkte Nachfahre der deutschen romantischen Schule, er hatte keinen Unterricht im Dirigieren. Das Taktschlagen könne sich jeder in wenigen Stunden aneignen, dazu brauche er kein Studium. Die beste Schule sei noch immer die Praxis, nicht die Theorie. Er engagierte sich besonders für Werke von Gustav Mahler, Dmitri Schostakowitsch und Johannes Brahms. Mit Schostakowitsch war er bis zu dessen Tod 1975 eng befreundet. Sanderlings drei Söhne sind ebenfalls Musiker: Thomas und Stefan sind Dirigenten. Michael Sanderling ist Cellist und seit einigen Jahren ebenfalls Dirigent.
Jiří STÁREK ist am 25.9. in Karlsbad (Karlovy Vary) verstorben
Geboren wurde er am 13.7.1923 in Močovice; er absolvierte das Dirigentenstudium an der Prager Musikakademie als Schüler von Václav Talich und Karel Ancerl. 1952-68 war er Dirigent des Radiosinfonieorchesters Prag und ab 1964 auch Chefdirigent des Prager Rundfunkorchesters. Neben seiner Tätigkeit im Tschechoslowakischen Rundfunk Prag wirkte er 1963-68 als künstlerischer Leiter des Kammerensembles Collegium Musicum Pragense, mit dem er Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen machte. 1961-62 war er Chefdirigent des Prager Musiktheaters und leitete die tschechische Erstaufführung der Brecht/Weill-Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Stárek erhielt Preise des Tschechoslowakischen Rundfunks und von OIRT für die Rundfunkpremieren der Opern Die Nase (Dmitri Schostakowitsch), Der Gefangene (Luigi Dallapiccola), Kolumbus (Werner Egk) und der Sinfonien von Karl Amadeus Hartmann. 1968 emigrierte Stárek und begann eine internationale Karriere. Er leitete das Radiosymphonieorchester Berlin, RSO Stuttgart, RSO München, RSO Frankfurt, die Münchner Philharmoniker, Stuttgarter Philharmoniker, Bamberger Symphoniker, Hamburger Symphoniker, Berliner Symphoniker, Oslo Philharmony, Nouvel Philharmonic Orchestre Radio France Paris, Tonkünstlerorchester Wien, BBC Scottish Symphony Orchestra, BBC Concert Orchestra, San Francisco Chamber Orchestra, City of London Sinfonia, Philippine Philharmonic Orchestra, Sydney Symphony Orchestra, Melbourne Symphony Orchestra, Auckland Philharmonic Orchestra/New Zealand. 1976-80 war er Chefdirigent der Sinfonietta RIAS Berlin, 1981-84 Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Norwegischen Symphonie Orchesters Trondheim, 1988 Principal Guest Conductor of West Australien Symphony Orchestra Perth, 1989/1990 bis 1992/1993 Generalmusikdirektor des Pfalztheaters (Deutschland) und von 1996/1997 bis 1998/1999 Chefdirigent an der Staatsoper Prag. Stárek wirkte auch an der Musikhochschule Frankfurt am Main, an der er mehrere Jahre die Funktion des Dekans innehatte. 1990 kehrte Stárek auf das Prager Konzertpodium zurück. Seit 1. Juni 2003 ist Stárek Ehrenchefdirigent und seit 1. Juni 2005 Chefdirigent des Karlsbader Symphonieorchesters. Am 15. April 2008 wurde Stárek durch den Minister für Kultur der Tschechischen Republik für seine Verdienste um die Verbreitung tschechischer Kultur mit der Auszeichnung „Artis Bohemiae Amicis“ geehrt.